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HEALTH SCIENCES STANDARD
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GRUNDRISS
DER
ENTWICKLUNGSGESCHICHTE DES MENSCHEN
UND
DER HÖHEREN THIERE.
FÜR SlüDIRENDE UND ÄRZTE.
VON
ALBERT KOLUKER,
PROFESSOR DER ANATOMIE AN DER UNIVERSITÄT WÜRZBURG.
MIT 300 HOLZSCHNITTEN UND EINER FARBENTAFEL.
LEIPZIG,
VERLAG VON WILHELM ENGELMANN.
18S0.
K^3
Alle Kochte vurbehallen.
Vorwort.
Dieser Grundriss der EntAvicklungsgeschichte ist wesentlicli
ein Auszug der 2. Auflage meines grösseren Werkes (Entwick-
lungsgeschichte des Menschen und der höheren Thiere, Leipzig
1879), doch enthält derselbe, entsprechend seiner Bestimmung,
den Studirenden der Medicin in die Entwicklungsgeschichte ein-
zuführen und dem practischen Arzte und Gerichtsarzte als Hand-
habe zu dienen, auch einiges Eigenthümliche. So findet sich
einmal Alles , w as auf die Entwicklungsgeschichte des ^lenschen
sich bezieht, aus dem grösseren Buche herübergenommen, wah-
rend das Hühnchen und die Säugethiere in möglichster Kürze
behandelt w^urden. Ferner ist auch die erste Bildungsgeschichte
des Menschen ausführlicher besprochen und durch eine Reihe
neuer Holzschnitte (Figg. 117, 118, 120, 121, 122) bereichert.
Ganz neu sind die Angaben über Grösse und Gewicht mensch-
licher Embryonen aller Stufen und über die anatomischen Ver-
hältnisse des Neugeboienen ; doch habe ich zu bedauern, dass
ich, trotz meines Bestrebens, den Menschen mehr in den Vorder-
grund zu stellen, demselben doch nicht die Berücksichtigung
schenken konnte, die er verdient. Diesem Mangel hotfe ich,
wenn Zeit und Kräfte es mir erlauben, durch eine besondere Ent-
wicklungsgeschichte des Menschen abzuhelfen, in der namentlich
auch die Anatomie des Neugeborenen und die spätere Wachs-
ihumsperiode oder das Kindesaller die Berücksichtigung finden
Averden, deren sie so sehr bedürftig sind.
Von sonstigem Neuen enthält dieser Grundriss noch erstens
einige farbiije Abbildungen, unter denen besonders die farbige
\ Ol Wul l.
lithogi~dphirte Tafel zur Erläuterung der Umbildungen der Keim-
blätter eine willkommene Zugabe sein wird, und zweitens eine
Reihe neuer Hulzsclmitte und zwar die Figg. 38 verwachsende
Herzhiilften des Huhnchens), 62 (Keimblase des Kaninchens mit
der ersten Anlage des Entoderma) , 79 (Doppelherz des Kanin-
chens), 188 (Augenspalte und Glaskörper), 216 (Geruchsgriib-
chen), 256 (Thymus, 261 (Leber), 292 WoLFp'sche Güngc am
Lterusrande).
Von Literaturangaben finden sich in diesem Grundrisse nur
die wichtigsten und verweise ich in dieser Beziehung auf meine
grössere Entwicklungsgeschichte.
Grünau in 0 b e r ö s t e r r e i c h
3. Od. 1879.
A. Kölliker.
Inhalt.
Seite
Einleituna: ' i\
Erster Hauptabschnitt.
Ton der Entwicklnng der Leibesform imd den Eihüllen,
§ 1. Einleitende Bemerkungen 1
§ 2. Von dem unbefruchteten Eie Fig. 1 — 3 1
§ 3. Erste Entwickhingsvorgäuge im befruchteten Eie. Totale Fur-
chung Fig. 4 — 7 0
§ 4. Partielle Furchnug. Furchuug des Vogeleies Fig. S — 12 .... 9
§ 5. Erste Entwicklung des Embryo. Bildung der Keimblatter Fig.
13-17) . . . .^ ! ^ 16
§ 6. Von der ersten Erscheinung der Embryonalanlage bis zum Auf-
treten der ersten Urwirbel ^Fig. IS — 25 23
§ 7. Verhalten früher Embryonalanlagen auf Querschnitten Fig. 26 — 33 33
§ 8. Weitere Umbildungen des Hiihnerembryo bis zum Auftreten der
Leibeskrümmungen (Fig. 34 — 40) 41
§ 9. Gefässe. Blut vFig. 41. 42; : . . . 48
§ 10. Ausbildung der Leibesform von dem Eintreten der Krümmungen
an, Amnion, Allgemeine Kappe, AUantois Fig. 43 — 52 .... 54
§ 11. Krümmungen des Leibes, Mund, After. Kiemenbogen und -spalten,
höhere Sinnesorgane, Extremitäten (Fig. 53 — 55 GG
§ 12. Innere Ausbildung des Hühnerembryo (Fig. 56 — 60 71
§ 13. Erste Entwicklung des Säugethiereies nach der Furchung. Bil-
dung der Keimblase, des Fruchthofes und der ersten Anlage
des Embryo Fig. 61 — 72 77
§ 14. Weitere Umbildungen der Embryonalaulage des Kaninchens Fig.
73— so; ^. S3
VI liihall.
Seite
§ 15. Letzte Ausbihlung der äiissereu Leibesform des Kaninchens. Ei-
hiillen Fig. Sl— 89) 89
§ 16. Innere Gestaltung beim Kaninchenembryo. Keimblätter. Primitiv-
organe Fig. 9Ü— 107) 98
§ 17. Erste Entwicklung des Menschen (Fig. lOS — 122 112
§ 18. Embryonalhüllen des Menschen im Allgemeinen, Chorion, Amnion,
Vesiciila umbilicalis, Vera, Reflexa (Fig. 123j 131
§ 19. Placenta, Nabelstrang (Fig. 124) 138
§ 20. Entwicklung der menschlichen EihüUen 'Fig. 125 — 127) 152
Zweiter Hauptabschnitt.
Von der Entwicklung- der Organe und Systeme.
L Entwicklung des Knochensystems.
§ 21. Wirbelsäule, Rippen, Brustbein (Fig. 128—130) 159
§ 22. Entwicklung des Schädels, häutiges und knorpeliges Primordial-
cranium. Chorda im Schädel (Fig. 131 — 139, 167
§ 23. Verknöchei-ung des Schädels (Fig. 140, 141) 177
§ 24. Entwicklung des Visceralskelettes des Kopfes Fig. 142—146) . . 183
§ 25. Entwicklung des Skelettes der Glieder (Fig. 147, 14Sj 193
n. Entwicklung des Nervensystems.
§ 26. Erste Entwicklung des Gehirns, der Hirnblasen, Krümmungen des
Gehirns. Frühe Zustände des Vorderhirns und Mittelhims (Fig.
1^9—159; 200
§ 27. Zwischenhirn, Mittelhirn, Hinterhirn 'Fig. 160—166) 212
§ 28. Letzte Ausbildung des Cerebrum, Fornix, Corpus callosum, Win-
dungen, Histologie, Hirnhäute (Fig. 167—169) 221
8 29. Rückenmark (Fig. 170 — 174) 229
§ 30. Peripherisches Nervensystem (Fig. 175—177 234
in. Entwicklung der Sinnesorgane.
-J. Auge.
§ 31. Erste Entwicklung des Auges, Anlage seiner Haupttheile (Fig.
i-b-\^\ 23S
Inhalt. vn
Seite
§ 32. Linse, Glaskörper Fig. 1S2— l'J4) 242
§ 33. Faserhaut und Gefässhaut des Auges (Fig. 195—198) 2.i7
§ 34. Netzhaut Fig. 199) 264
§ 35. Nebenorgane des Auges 2()8
B. Gehörorgan.
§ 36. Allgemeines. Primitives Gehörbläschen und erste Umwandlungen
desselben (Fig. 2UÜ— 2ü7 270
§ 37. Spätere Ausbildung des Labyrinthes Fig. 2ÜS— 214) 278
§ 3S. Entwicklung des mittleren und äusseren Ohres Fig. 215) . . . . 287
C. Geruchsorgan.
§ 39. Fig. 216—220, 290
IV. Entwicklung der äusseren Haut.
§ 40. Fig. 221— 2;3U 295
V. Ent\vicklung des Muskelsystems.
§ 41. Fig. 2.31) 304
VL Entwicklung des Darmsystems.
A. Entwicklung des Darmkanales.
§ 42. Anfangsdarm, Zähne, Speicheldrüsen (Fig. 232—240) 308
§ 43. Mitteldarm und Enddarm Fig. 241—249) 320
B. Entwicklung der grösseren Darmdrüsen.
§ 44. Lungen, Thyreoidea, Thymus ;Fig. 250-256) 332
§ 45. Leber; Pancreas, Milz (Fig. 257—202, 340
vn. Entwicklung des Gefässsystems.
§ 46. Entwicklung des Herzens Fig. 263—272 349
§ 47. Entwickhmg der Gefässe Fig. 273-279) 361
■VIII Inlinit.
Seite
VIII. Entwickluug der Haru- und Geschlechtsorgane.
§ 48. Haruorgane' ;Fig. 2SÜ-2S7) 378
§ 49. Geschlechtsorgane im Allgemeinen. Geschlechtsdrüsen (Fig. 2S8) 386
§ 50. Ausfilhrungsgäuge der Geschlechtsdrüsen (Fig. 2S9 — 295) 389
§ 51. Descensus ovariorum et testiculorum. Aeussere Geschlechtsorgane
{Fig. 296—300) 398
Sachregister --'^6
Einleitung.
Begriff der Entwicklungsgeschichte. Eintheilung derselben. Kurzer
Abriss der Geschichte dieser Wissenschaft. Literatur.
Die Entwicklunsseeschichte oder Embryolosie, wie begriff der Ent-
•- ö j L 7 wicklungs-
sie auch minder zweckmässig genannt wird, ist eine morphologische gescbiehte.
Wissenschaft und hat als Endziel die Darlegung der Gesetze, nach denen
die Gestaltung der organischen Wesen entstanden ist.
Im Einzelnen zerfällt die Entwicklungsgeschichte der Thiere ebenso
wie die der Pflanzen in zwei Hauptabschnitte :
1) in die Entwicklungsgeschichte der Einzelwesen oder
Individuen (Ontogonie, Haeckel) und
2) in die Entwicklungsgeschichte der Organismen-
reihen (der Gattungen, Ordnungen, Classen und des gesammten Thier-
reiches) oder die S t a m m e s g e s c h i c h t e Phylogonie [Haeckel] , Zoogo-
nie, Phytogonie). ^
Die Entwicklungsgeschichte ist eine Wissenschaft der neueren Zeit, ^EmbryoiVgit"
denn wenn auch das Alterthum embryologischer Kenntnisse nicht ganz
entbehrte, und namentlich Aristoteles, dieser grösste Naturforscher der AmsioTELts.
alten Culturvölker, eine Menge feiner Beobachtungen über die Zeugung
und Entwicklung der Thiere uns überliefert hat, so treten doch zusam-
menhängende, vollständigere Darstellungen erst im Mittelalter auf. Die Mittelalter.
bedeutendsten unter diesen im 17. Jahrhundert sind die Arbeiten von
Fallopia (1600) undM. Malpighi (1687) über das Hühnchen, neben denen
noch A. Spigelius (1631), C. Needham (1667) und Ruysch in Betreff des
Menschen und der Säugethiere , Harvey 1652; Omne vivum ex ovo),
Regner de Graaf •- 1673; Follikel im Eierstock), Swammerdam f 1685;
Furchung beim Frosche) und Leeuwenhoek (1690; Samenthierchen) zu
nennen sind.
Eiiileituni
Albis.
HaLLEK.
WOLFK.
Pani>kr.
döllinof.k.
Das 18. Jahrhundert hat neben Albinus [Icones ossium foetus) und
A. V. Haller Entw. der Knochen und des Herzens) einen Mann erzeugt,
von dem wir inil Recht die wissenschaftliche Embryologie daliren, Caspar
Friedrich Wolff (geb. 1733 in Berlin, gest. 1794 als Akademiker in Pe-
tersburg). In seinen zwei Hauptarbeiten: Theoria generationis 1759 und
De formatione intestinoriim 1768 u. 69, hat Wolff nicht nur bedeutungs-
volle allgemeine Betrachtungen angestellt (Vertheidigung der Epigenese
gegenüber der Evolutionstheorie u. s. w.) und die Entwicklung des Htlhn-
chens in einer Weise bearbeitet, wie dies noch nicht geschehen war,
sondern auch zum ersten Male ein zusammengesetztes Organ, wie
den Darmkanal , auf eine einfache blattförmige Anlage zurückgeführt,
was ihn schliesslich zu der Vermulhung brachte, dass alle Haupt-
svsteme des Körpers aus e in fachen bla ttförmigen Anlagen
hervorgehen. Durch diese wenigstens einem Theile nach durch That-
sachen begründete Hypothese ist Wolff der erste Vorfechter der soge-
nannten Blättertheorie geworden, welche dann durch Pander und
V. Baer ihre wissenschaftliche Begründung und durch Reichert und
Remak ihre weitere Ausbildung fand.
Mit dem Namen B lättertheo ri e bezeichnet man die Lehre, der
zu folge alle Hauptsysteme des Körpers aus einfachen blattförmigen An-
lasen hervoraehen, welche aus dem befruchteten Eie sich bilden. Da
der Hühnerembryo, der von altersher der Ausgangspunkt der embryolo-
gischen Untersuchungen war, leicht nachweisbarer W^eise an der Stelle
des Hahnentrittes aus dem scheibenförmigen Keime hervorgeht und zur
Zeit, in der die ersten Gefässe sichtbar werden, noch bestimmter die Form
einer rundlichen Platte besitzt, so lag es sehr.nahe, blattförmige Bildun-
gen als Ausgangspunkt für die Gestaltung des embryonalen Leibes auf-
zustellen. Ganz andere Schwierigkeiten machte dagegen der Nachweis
einmal , wie die einfache blattförmige Anlage zu den späteren Organen
und Systemen sich gestaltet, und zweitens dass dieselbe aus mehreren
Schichten von typischer Bedeutung, den sogenannten Keimblättern, be-
steht. In letzter Beziehung gelang Christian Pander hier in Würzburg
unter der Leitung Döllinger's in seiner Dissertation [Hist. metamorpho-
seos, quam oviim incubatum prioribus quinque diehus subit, Wirceburcji 1817)
und in seinem Beitr. zur Entwicklungsgeschichte des Hühnchens im Eie
(Würzburg 1817) zuerst der Nachweis von 3 Keimblättern, die er von
aussen nach innen das seröse Blatt, die Gefä ssschich t und das
Schlei mblatl nannte, und Karl Ern.st v. Baer, ebenfalls einem Schüler
I)ulli.\(,i:rs und theilweisen Zeugen der pANDER'schen Untersuchungen,
war OS dann vorbehalten, die Keind)lätter noch genauer zu bestimmen
und namentlich auch deren L'mgestaltimgen in ein bestimmtes Licht zu
Einleitung. XI
setzen (Ueber Entwicklungsgeschiclile der Thiere, Beobachtung und Re-
flexion, Theil I 1828, Theil II 1837).
Durch diese beiden Werke ist v. Baer in der glänzendsten Weise
in die Fusstapfen Wolff's und Pander's getreten, und dürfen dieselben
sowohl wegen des Reiehthunis und der VortrefTlichkeit der Thatsachen
als auch der Gediegenheit und Grösse der allgemeinen Betrachtungen
halber unbedingt als das Beste bezeichnet werden, was
die e ni b r y 0 1 0 g i s c h e Literatur aller Zeiten und Völker
aufzuweisen hat.
Die Leistungen Baer's im Einzelnen so namhaft zu machen, wie sie
es verdienen, ist hier ganz unmöglich, und beschränke ich mich auf
Folgendes. Das Tha tsä chl i che anlangend, so geben seine Arbeiten
einmal die erste vollständige und bis ins Einzelne durchgeführte Unter-
suchung über die Entwicklung des Hühnchens und stellen zweitens
auch diejenige der übrigen Wirbelthiere in einer Weise dar, wie sie
noch nicht dagewesen war, so dass er als der eigentliche Schöpfer der
vergleichenden Embryologie zu betrachten ist. Wollte man von Baer's
Entdeckungen besonders hervorheben , so müsste man System für
System, Organ um Organ aufzählen, indem sein Scharfblick und seine
Ausdauer überall Neues zu Tage förderte, und begnüge ich mich daher
damit, als wichtigste Funde die des wahren Ovulum der Säugethiere
[De Ovi mammal. et hominis genesi, Lipsiae i 827) , der Chorda dorsalis und
der Entwicklung des Amnion und der serösen Hülle zu erwähnen.
Ebenso gross wie in der Beobachtung war v. Baer auch in seinen Re-
flexionen, und gebe ich in Folgendem eine kurze Skizze seiner theo-
retischen Auffassungen.
Nach V. Baer ist der Keim in der ersten Zeit wohl an seinen Ober-
flächen von verschiedener Beschaffenheit, aussen glatt, innen mehr
körnig, aber nicht in Schichten spaltbar und namentlich in seinem
Innern nicht differenzirt. Später erst macht sich eine Trennung in
zwei Lagen bemerklich, eine animale und vegetative, in der Art,
dass erst die Oberflächen sich sondern, und dann auch die anfangs in-
differente Mitte in eine obere und untere Lamelle sich spaltet, so dass
dann jede Hauptlage aus zwei Schichten besteht, die animale aus der
Haut Schicht und der Fl ei schschicht, und die vegetative aus der
Ge f ässschich t und der Schleimschicht. Aus diesen Schichten
entwickeln sich dann in zweiter Linie was v. Baer Fundamental-
organe nennt (Bd. I Scholion HI S. 153 und Scholion IV S. 160; Bd. II
S. 67 u. flgde.), welche nach ihm die Form von Röhren haben.
So bildet die Hautschicht die Hautröhre und die Röhre des
centralen Nervensystems, von welch letzterer v. Baer zwar die
XU
Eiiileituiu
iiUererste Enlwicklung niclil verfolgt hat, iiber doch aus guten Gründen
in sehr IxMnerkenswerlher Weise ihr Hervorgehen aus den mittleren
Theilen der Hautsehicht annimmt (1 S. 154, 165, 166; II S. 68 Anm.).
Aus der F 1 e i s c h s c h i c h t entsteht die D o p p e 1 r ö h r e des Knochen-
und Muskel Systems mit der unpaaren knöchernen Axe, die
Gefiiss- und Sohle im schi cht endlich formen einmal in Verbin-
dung mit einander die Röhre des Darmkanals und ausserdem die
erslere allein die freilich verwachsende Röhre des Gekröses. Aus diesen
wenigen fundamentalen Röhren entwickeln sich dann zugleich mit histo-
logischen Sonderungen und morphologischen Differenzirungen in der
äusseren Gestaltung alle späteren Organe des Körpers, in welcher Be-
ziehung besonders hervorgehoben zu werden verdient, dass v. Baer
die Sinnesorgane zur Nervenröhre, dann die Speicheldrüsen, Leber,
Pancreas, Lungen zur Darmröhre, endlich das Herz, das dem Gekröse
homolog gesetzt wird, die Nebennieren, Schilddrüse, Thymus, Milz.
WoLFF'schen Körper, die ächten Nieren und die Geschlechtsdrüsen
wenigstens bei den Vögeln zum Gefässblatte stellt und von demselben
ableitet.
Nachdem so die Entwicklungsgeschichte des Hühnchens im 2. und
3. Decennium unseres Jahrhunderts ihre erste wissenschaftliche Begrün-
dung und eine mustergültige Vollendung im Einzelnen gefunden hatte,
wurde sie endlich im Zusammenhange mit den Entdeckungen Schwanns
über die elementare Zusammensetzung der Thiere in das Stadium ge-
führt, in dem sie jetzt noch sich befindet, in welchem das Bestreben der
Forscher darauf hinausgeht, die Keindjlälter und Fundamentalorgane
V, Baer's auf ihre histologischen Elemerlte zurückzuführen und den
Nachweis ihres Zusammenhanges mit der Eizelle zu liefern, mit Einem
Worte die ganze Entwicklungsgeschichte histologisch zu begründen. Da
die wichtigsten hier in Betracht kommenden Momente in diesem Werke
ausführlich zur Besprechung kommen werden, so soll hier nur noch in
Kürze über die Hauptgesichtspunkte gehandelt werden, die bei den em-
hryologischen Untersuchungen unserer Tage sich als massgebend er-
wiesen haben.
LiHm.ritHr.. Erstcns die Z u rück f üh ru ng der Keimblätter auf die E i-
Vor({än(;e l>>;i der ' i i. i i •
Entwirkiung. Zelle anlangend, so hat sich ergeben, dass die letztere, nach emer
eigenthümlichen Vermischung des männlichen befruchtenden Elementes
oder der Samenfäden mit Theilen des Eies, durch fortgesetzte Zellen-
biidung, die meist als Zellenlheilung in Gestalt der sogenannten Fur-
chung auftritt, eine grosse Zahl von hüllenlosen kernhaltigen Elementen
i'Protoblasten) »Tzongt. Diese bilden durch besondere Anordnung die
Kcliiililiiilcr und licrcrn, in ununterbrochener Formfolge, ohne dass durch
Einleitung. XIII
selbständige Zellenbildung andere Elemente dazu kämen, alle späteren
Elementarlheile des fertigen Geschöpfes.
Zweitens wurde die Entstehung der Keimblätter selbst und ihre '^^"t«:'<=l'''>"g «^«"^
'-' Keimblätter.
Umbildung in die späteren Organe der Gegenstand vieler und sorgfälti-
ger Untersuchungen , unter denen vor Allem die von Re-hak lange Zeit
hindurch die massgebenden waren. Nach Remak (Unters, üb. d. Entw. kemak.
d. \N'irl)elthiere 1850 — 55) besteht die Keimhaut des Hühnchens am ge-
legten Eie aus zwei Schichten, zu denen dann noch ein mittleres
Blatt hinzukommt, welches von dem ursprünglichen unteren Blatte sich
abzweigt. Aus diesen 3 Keimblättern entstehen alle Organe und Systeme
des Körpers, und zwar liefert das äussere oder sensorielle Keimblatt
die Epidermis und das centrale Nervensystem , ausserdem die Linse im
Auge, das Epithel der Gehörblase, die zelligen Elemente aller Haut-
drüsen, die nervösen Apparate des Auges sammt der Aderhaut und den
nervösen Theil des Geruchsorgans. Aus dem mittleren oder mo-
torisch-germina li ven Blatte entstehen das Knochen- und Muskel-
system, sowie die peripherischen Nerven, ferner alle bindegewebigen
Theile und Gefässe mit Ausnahme derer des centralen Nervensystems,
die sogenannten Blutgefässdrüsen , die Urnieren und die Geschlechts-
drüsen. Aus dem innern Keim blatte endlich oder dem üarm-
drüsenblatte lässt Remak das gesammte Darmepithel hervorgehen,
ferner die Epithelien aller Darmdrüsen (Lungen, Leber, Pancreas etc.)
sowie der Nieren. — Somit besteht nach Remak im Allgemeinen der
Keim aus zwei epithelialen Blättern und einer Bindegewebe (Knorpel,
Knochen), Gefässe, Muskeln und Nerven enthaltenden mittleren Lage,
die in Verbindung mit den beiden anderen Lagen die Haut und die
Schleimhäute und alle Drüsen liefert, eine Aufstellung, l)ei welcher
allerdings einige Ausnahmen das Gesammtbild trüben, wie die, dass das
äussere Keimblatt auch die Gefässe der nervösen Centralorgane und der
Aderhaut liefern soll und das mittlere Keimblatt Nerven und DrUsen-
epithelien (Urnieren, Sexualdrüsen). Nichts destoweniger wurde die
REMAK'sche Keimblättertheorie allgemein mit grossem Enthusiasmus auf-
genommen, und mit Recht, denn dieselbe verbreitete zuerst ein helleres
Licht über den Bau und die Verwerthung der Keimblätter und die histo-
logischen Beziehungen derselben zu den Organen und Systemen des
fertigen Organismus.
An dieser REMAK'schen Keimblättertheorie haben bis auf die neueste
Zeit fast alle Forscher im Wesentlichen festgehalten, und ist eigentlich
nur Ein Forscher, His, zu nennen, welcher die Grundlagen derselben zu his
erschüttern versucht hat (Unters, ü. d. erste Anlage d. Wirbelthierleibes
1868). Der Grundgedanke von His ist der, dass der Embryo des Huhn-
^.y Einleitung.
chens niclit einzig und allein aus der Keimscheibe des ge-
legten Eies sieh aufbaut, wie fast alle Embryologen vor ihm ange-
nommen liatten, sondern auch aus einem The ile des weissen
Dotters. Aus der Keimscheibe entwickelt sich nach His
das gesamnUe Nervengewebe, das Gewebe der quer ge-
streiften und der glatten Muskeln, sowie dasjenige der
(ächten) Epithelien und der Drüsen. Aus den Elementen
des weissen Dotters geht das Blut hervor und das Ge-
webe der Bindesubstanz. Die erstere Anlage nennt His Haupt-
keim oder Archiblasl, und nach seiner hervorragendsten physio-
logischen Leistung N e u r o b 1 a s t ; die zweite heisst N e b e n ke i m oder
Parablast, auch llaemo blast. Diese neue Lehre, die auf neue
Studien über die Entwicklung der Primitivorgane des Keimes sich
gründet , suchte His auch noch dadurch zu stützen , dass er den Nach-
weis versuchte , dass auch der weisse Dotter des Hühnereies aus Zellen
besieht, und dass das ganze Ei aus einer doppelten Quelle stammt.
Nach den iVuseinandersetzungen von His ist nämlich beim Hühnereie
das Keimbläschen und das Material der Keimschicht archiblastischen Ur-
sprunges, und hat den Werth einer Drüsenzelle, während der Dotter
von parablastischen Thellen, d. h. von eingewanderten Bindesubstanz-
zellen des Eierstockes abstammt.
Diese Darstellung von His, obschon geistreich durchgeführt und
scheinbar durch viele vortreffliche Beobachtungen gestützt, hat bis jetzt
bei keinem Forscher volle Zustimmung gefunden, und war namentlich
ich genöthigt, mich dagegen zu erklären, dass irgend ein Theil des
weissen Dotters des Hühnchens an dem Aufbaue des Embryo einen
direclen Antheil nehme. Auch ich musste in der Hauptsache an Bemak
mich anschliessen. ohne zu verkennen, dass seine Keimblätterlehre, auch
abgesehen von Einzelnheiten , nicht nach allen Seiten aufrecht erhalten
werden kann. So wurde von Götte und von mir namentlich hervorge-
hoben, dass die Keimblätter keine histiologischen Primitivorgane sind,
und potentia und z. Th. adu die Fähigkeit haben, verschiedene Gewebe
aus sich hervorzubilden.
Entwitkinnp.- Drittens erwähnen wir noch die Leistungen der neueren Embryo-
ge.ei/p. j^^_^.^ ^^^.^ Bezug auf die Entwicklungsgesetze. Hier ist vor allem
DeH..-nden/- die D c s c c u d c n z 1 c lir (' zu nennen, die durch gewisse ihrer Vertreter,
vor allem durch E. Hakckki. . den Nachweis versucht hat, dass die Ent-
wicklung.sge.schichte der Einzelwesen oder die Ontogonie nichts anderes
sei als eine kurze Rccapitulalion der Stammesgeschichte oder Phylogonie
und einzig und allein aus dieser sich erkläre. Anpassung und Ver-
erbung sind von diesem Standpunkte aus die Triebfedern der Stammes-
Ifhre.
liiiileituiig. XV
geschichle , und da jedes einzelne Wesen in seiner Entwicklung . wie
Haeckel behauptet, nur die Stammesgeschichle wiederholt, so kann man
auch einfach sagen : »die Phylogenese sei die mechanische Ursache der
Ontogenese«. Ich habe an einem andern Orte (Entwicklungsgeschichte,
2. Aufl.) die Einseitigkeit dieser Lehre nachgewiesen, zugleich aber auch
anerkannt, dass dieselbe nach gewissen Seiten Berechtigung besitzt und
gezeigt, in wie weit sie auf solche Anspruch machen kann.
Ganz anderer Art ist der Versuch von His , die ganze Ontogonie auf
mechanische Verhältnisse zu begründen, dem wir schon in seinem
grossen Werke begegnen und der auch in einer zweiten Schrift (Unsere
Körperform, Leipzig 1875) wiederum mit Energie vertheidigt wird. Die
Hypothese von Ilis , dass der ganzen Entw icklung des Körpers ver-
hältnissmässig sehr einfache mechanische Momente (Spannungen von
elastischen Platten in Folge wechselnder Wachsthumsgrössen gewisser
Theile, Faltungen derselben in Folge von Widerständen u. s. w.) zu
Grunde liegen, verdient nicht blos desshalb alle Beachtung, weil sie der
erste Versuch ist, die Formbildung im Sinne der neueren Nalurforschung
logisch zu begründen, sondern weil sie auch unstreitig viel Wahres an
sich trägt. Und wenn auch His meiner Ueberzeugung nach das innere
und letzte Moment aller Entwicklung, das Wachsthum der Elementar-
theile, viel zu wenig in den Vordergrund gestellt hat, so wird doch jeder
Embryologe nicht umhin können , anzuerkennen , dass die mechanische
Seite der Entwicklungsvorgänge bisher viel zu wenig gewürdigt worden
ist, und es His danken, dass er zu erneutem Studium derselben die An-
regung gegeben hat.
Endlich hat auch Götte die allgemeineren Fragen zum Gegenstande
ausführlicher Erörterungen gemacht und physicalische Vorgänge, z. Th.
im Sinne von His. z. Th. in eigenthümlicher Weise als die Grundphäno-
mene jeder Entwicklung hingestellt, so jedoch, dass es ganz unmöglich
ist, die Anschauungen dieses Gelehrten in Kürze wiederzugeben.
Wichtigste e m b r y o 1 o g i s c h e Literatur.
A. Uandbiiclier.
Valentin, Hancll)uch der Entwicklungsgeschichte des Menschen. Berlin 1835.
Bischoff, Entwicklungsgeschichte der Säugethiere und des Menschen. Leipzig 1842.
H. Rathke, Entwicklungsgeschichte der Wirbelthiere. Leipzig 1861.
A. Kölliker, Entwicklungsgeschichte des Menschen und der höheren Thiere. 1. Autl.
Leipzig 1861, 2. Aufl. 1879.
Schenk, Lclubuch der vergl. Embryologie der Wirbelthiere. Wien 1874.
M. Foster und Fr. M. Balfour, The Clements of embryology. Part. L (Hühnchen;
London 1874, auch in Ucbersetzung durch Kleinenberg. Leipzig 1876.
XVI
Ejiiloituiu
W. His, Unsere Körperform und das physiologische Problem ihrer Entstehung.
Leipzig 1875.
Ferner sind zu erwähnen die Darstellungen der Embryologie in
den Handbüchern der Physiologie von J. Müller, Bürdach, R. Wagner,
FiNKE, Brücke und Longet, in der Anatomie von Sappey (3. Edit. Vol. IV
p. 821 — 944. Paris 1879), in der Anatomie von Qlaix, neueste Auflage,
und im Handwörterbuche der Physiologie von Wagner durch Bischoff.
B. Eutwickluugsgeschichte des Meuschen.
H u n t e r , Anatoniia uteri humani gravidi. London 1 775.
Sömmering, Icones embryonum human. Francof. 1799.
Seiler, Die Gebarmutter und das Ei des Menschen. Dresden 1831.
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Erster Hauptabscliiütt.
Von der EntwicUiuiig der Leibesforiii und den Eihüllenl
Indem icli mich zui* cigoMillichen Aufgalie dieses Werkes wende, he-
jibsichtigo ich, die Entwicklung des Menschen und dei' höiieren Thiere
in zwei Ai)schnil[en zu l)es])reclien, von denen der eine die erste Anhige
der Leibesform und der wiciitigslen Organe, der zweite die spälei'e Ent-
wicklung der einzelnen Organe und Systeme zum Gegenstände haben
wird. Hierbei soll, wo inuner durchluhrbar, der menschliche Oiganis-
mus zum Ausgangspunkte gewählt werden. Da jedoch unsere Kenntnisse
iibei' die frühesten Zustände des befruchteten menschlichen Eies sehr
mangelhaft sind, so ist es nicht anders möglich, als für diese Periode
die höheren Wirbelthiere und vor Allem die Säugethiere zu Grunde zu
legen, deren Entwicklung , wenigstens was die Leibesaniagen {»etriflt,
nach Allem, was wir wissen, mit derjenigen des Menschen in hohem
Grade übei'einstimmt.
Von dem unbefruchteten Eie.
Das unbefruchtete Ei zeigt bei allen Geschöpfen die bekannten drei Unbefnuhiptes
Tliei le : den Dotier ( Väellus) , das Keimbläschen ( Vesicula germina-
tha, PuRKiN.iE'sches Bläschen) und den oder die Keim flecken {Macula
germinativaj WAGNER'scher Fleck) ; doch finden sich trotz dieser allge-
meinen Uebereinstimmung mancherlei Verschiedenheiten im Einzelnen.
So sind einmal die Umhüllungen des Eies sehr verschieden und er-
scheinen in den einen Fällen nur von einer, vom Eie selbst erzeugten
Haut, der D o 1 1 e r h a u t , Membrana vitellina, gebildet ; andere Male wird
diese Eihülle von einer vom Eisäckchen hervorgebrachten Membran, dei"
Timica adventitia otler äusseren Ei h a u t [Chorioh der Autoren) , dai-ge-
Külliker, Grundriss. -I
2 Kntwickluiit; der Leibesforin.
stellt: iitn-li in .iiuIcihmi VAcvu (Midlicli linden sich beiderlei Eihüllen. Vor
Allem ;d)(M' ist es der Dotter, der sehr wechselnde Verliiiltnlsse darl)ietet.
Bei den einen Eiern wird der gesani ni le Dotter zur Anlage des End^ryo
Biidungsdotter Verwendet, während l)ei den anderen nur einem kleineren Theile des
dotier. Eiinhalles diese Bedeutung zukommt, und das meiste einlach INaiirungs-
stoff für das werdende Cieschöpf ist. Bkichert gel)raucht zur Bezeichnung
dieser beiden Dotterarten die Ausdrücke »Biidungsdotter« und
»Nah rungsd Otter« , und die Eier selbst nennt Remak, je nachdem sie
nur Biidungsdotter oder beide Dotterarten enthalten, »hol oblastische«
untl )> m e r 0 b 1 a s t i s c h e i< .
Weitere Untersuchungen haben nun feiner herausgestellt, dass auch
die I-lier mit Nahrungsdotter noch weiter untereinander verschieden sind,
indem bei den einen dieser Doller von der ursprünglichen Ei-
zelle gebildet wird, bei den andern dagegen in dieser oder jener
Weise von aussen z u r E i z e 1 1 e dazukommt, und so gelangt
man dazu, die Eier in erster Linie in zwei grosse Abiheilungen, ein-
f a c h e und z u s a m m e n g e s e t z l e , zu sondern , bei welchen dann
wieder ünterabtheilungen anzunehmen sind.
Eiiif.i.iif Kipr. Einfache Eier nennen w ir solche, die einer einzigen Zelle
entsprechen und l)ei denen der Bildungs- und Ernährungsstoff des
Embryo oder der Dotter ganz und gar den W^erth eines Zelleninhaltes
Primärer Dotter. })esilzt, wcslialb wir denselben primären Dotter heissen. Diese, Eier
mit primärem Dotter zerfallen in holoblastiscbe und meroblastische, von
denen die letzteren wieder viele Unterformen mit allmäligem Uel)ergange
zu den Eiern zeigen, die nur Biidungsdotter führen. — Die holoblasti-
schen Eier zeigen nach der Befruchtung jene eigenthümliche Zerklüf-
tung des ganzen Dotters, die man die totale Furch u ng genannt hat,
während bei den meroblastischen Eiern nur der Biidungsdotter zerfällt,
was p a r l i e 1 1 e F u r c h u n g heissl. (Siehe unten.)
sängethierei. Als Tyi)us des einfachen hol ob las tischen Eies kann das
Säugelhierei gelten. Dasselbe besitzt eine verliültnissmässig dicke
Hülle, die wie eine helle Lage den Dotter umgiebt und daher den Namen
/(iixi iiellucida erhielt. Dieselbe hat die Bedeutung einer AdventiUa oder
äusseren Eihaut und wird vom i'jsäckchen abgesondert (Pfli (;er) . Eine
Oell'iuing zum Eindringen der Samenfäden, eine sogenannte M i kropy le,
fehlt dieser Hülle, dagegen zeigt dieselbe mehr weniger bestimmte An-
deutungen von Po ren ka n ä Ich e 11.
Der Dotter der Säugethierc zeigt zwei Bestandlheile, einen homo-
genen, mefir HUssigen und einen körnigen, der zum Theil aus dunklen
fetlähnlichen Kügelehen V(!rschiedener Grösse, zum TIumI aus blassen
feinsten Kiirnehen bestellt. dei-en Natur nicht weiter (irmittelt ist. luden
Säiigethierei. 3
Eiei'ii inniiclior Cl.itliingon sind dio <liinklcii Köi-ner znlilreicli und dnnn
(M-scIioinl d(>r Doller woisslicli , vvio /. !i. hei der Kuli und der K;ilze,
l)oi andern Geschöpfen sind diesellKMi s]);iiliclier,
wie beim Menselien , und die K'wr mehr hell und
dui'ehseheinend.
Im Innern des Dollers und meist niehl ganz in
der Mitte liei;;t ein kuizelrundes hliischenförmii^es
Gel)ilde, das Keimbläschen oder PiRKiivJE'sche
Bläschen [Vesicnla f/erminativa) , mit klarer, heller p.„
Flüssiiikeil im Innern und mit Einem dunkleren
i'esleren Kerne, dem Keim flecken oder WAGNER'schen Fleck(Mi [M(i-
culd germinafiva) . Das reife menschliche und Säugetliierei misst duirli-
schnittlich 0,2 nun , das Keimbläschen 40 — 50 [x und der Keimlleck
5—7 }x.
Demselben Typus wie die Eier derSäugethiere folgen auch diej(Mi igen
vieler niederen Thiere , namentlich aus den Abiheilungen der Würmer,
Mollusken, Echinodermen und Polypen, doch sind in vielen Fällen neue
Un(ersuchung(>n nöthig, um zu beslinmien, ob nicht l)ei manchen spähM',
nachdem die lolale Furchung des Dotters mehr oder weniger weil ge-
diehen ist, doch noch ein Theil des Dollers von dem übrigen sich soiidei'l
und als Nahrungsdoller verwendet wird.
Als Typus der meroblastischen einfachen Eier wühle
ich das E i des Huhnes, dessen Verhältnisse am genauesten \erh)lgt
sind.
Das Ei er stock sei des Huhnes besteht, wenn wir zunächst*^' Ji^^ ii"i'"*s
nur die makroskopischen Verhältnisse berücksichtigen , aus einer zarten
Tunica adventifia und aus dem Do tter. Am Dotter unterscheidet man
den Bildungsdotter und den Nahrungsdotter, von denen der
letztere die Hauptmasse des Ganzen ausmacht und wieder in den
weissen und den gelben Dotier zerfällt. Der Bildungsdotter
(Fig. 2ö) stellt eine nicht ganz scharf abgegrenzte, rundliche, weisse
Scheibe von 8,5 — 3,5 mm im Durchmesser und 0,28 — 0,37 mm Dicke
in der Mitte, den Hahnentritt oder die Narbe {Cicatrioila),
besser die Keim schiebt oder Keimscheibe [StrotKni s. Discus
proligerns) dar, die einer bestinunten Stelle des Nahrungsdotlers ober-
flächlich anliegt. Macht man einen senkrechten Durchscimitt durch ein
erhärtetes Ei, so zeigen sich die Verhältnisse in folgender Weise. Die
Keimschicht erscheint als eine kleine weisse, in der Mitte dickere und
Fia;. 1. Ovulum des McnscIien aus einem mittelgrossen Follikel 250mal vergr.
o Dotteriiaul Zona peUucida, b äussere Begrenzung des Dotters und zugleich innere
Grenze der Dotteiliauf, c Keinibläsctien mit dem Keimfleck.
1*
Eiitw irkliiim iUt Leibesfurni.
Fis. 2
n;u-li innen vorspringende Scheilio ;in der Peripherie des hier weiss-
lich erscheinenden Nnlirungsdollei's dicht unter der Dotterh;iut , und
von letzterem aus zieht sich , der Mitte des
Bildungsdollers entsprechend, wie ein weiss-
licher Strang oder Zapfen von Nahrungsdoller
in das Innere des gelben Dotters hinein , der
sich dann im Centrum des Gelben zu einem
unregelmässig kugeligen Gebilde von dersel-
ben Färbung verbi-eitert. Diesen ganzen Theil
des Dotters unterhalb des Discus proligerus
und in der Mitte des Gelben nennt man den
weiss en Do tter oder das Dotter weiss.
Derselbe ist ilüssiger, weicher als die übrigen
Theile des Dotters, und hat man dalierauchdieVerhältnisse so ausgedrückt,
dass man im Innei-n des Dotters eine Höhle [Lutebra. Pirkixje) beschrieb,
von der ein Kanal gegen die Keinjscheibe an die Oberfläche ziehe. Ab-
gesehen von dieser Hauptmasse, findet sich weisser Dotier auch*noch in
einer ganz dünnen . von blossem Auge nicht wahrnehmbaren Lage an
der Gesammloberfläche des gelben Dotters dicht unter der Dotterhaut,
svelche »weisse Dotterrinde« am Rande der Keimscheibe unter die-
selbe tritt und hier mit dem übrigen weissen Dotter sich verbindet.
Die ganze übrige grössere Masse des Nahrungsdotters wird von dem
gelben Dotter gel)ildet, welcher am hartgekochten Eie mehr oder
weniger bestimmte Andeutungen von Schichten zeigt, die im Allge-
meinen dem weissen Dotierkerne und dem weissen Stiele desselben
gleich verlaufen.
Im Discus proligerus findet sich im Eierstockseie das Kei ml) las-
chen als ein rundes, abgeplattetes und somit linsenförmiges Gebilde, .
das in reifen Eiern dicht an der Dotter haut seine Lage hat
(Fig. 3).
Die mikroskopischen Verhältnisse anlangend, so ergiebt sich
Folgendes.
Die Tu nie 't ad ventil iu , bisher Dotierhaut genannt, ist eine 7 \i
dicke, zarte Haut, <Jie an der Fläche undeutlich faserig und körnig
erscheint.
Der gelbe Dotter besteht aus einer in verschiedener Menge vor-
liaiidciieri ZwischenflU.ssigkeil und aus weichen, dehnbaren, rundlichen
Fin- i- Schcrn.'ilisnlicr DurchscIiiiiU durcli cirK^n reifen llühncrdoUor. a Aeussero
Eihaut Tunirii ndrenlitia), l> Kcimseliiflil oder Hildiiiit^sdoller mit dem Keimbiiis-
«•lien. <■ (Jellter Nahrunj^sdotlcr mit den Sciiicliluiigslinion. d Weisser Nahriiiit;s-
dolter mil d' der grösseren Ansaminltin;: im Innern des Lrellien Dotlers.
K\ des lliilmes. 5
KI(Mii('nl(Mi von 23 — 100 [x (iriissc , wck-lic cinoii iilcicliiiijissi;^ IVinkÖr-
iH|j;on gelhcM Inhalt ohne Spur eines Zellenkernes zei*i;en und vielleiclil
eine znrle IIüllo, auf jeden Fall aber eine Hindenschichl besitzen, die
diehter ist als das Innere.
Das körnige Aussehen des treiben Dotters im jiekochlen Eie rührt
von den gelben Dotterkngeln hei-, und erseheinen dieselben überall da,
wo sie nui- wenig Zwischentlüssigkeil zwisehen sich haben. dui-eh gegen-
seitigen Druck vieleekig, oft wie Kryslalle.
Der weisse Do II er besteht aus Flüssigkeil und kugeligen grösse-
ren und kleinei-en Gebilden. Die kh'inslen sind einfache diinkelramlige
Körnchen , vom Aussehen von Felttropfen ; die grösseren von I S — 22 |x
Kig. 3.
im Mittel, 4—75 [x in den Extremen, sind, wenigstens alle grösseren,
deullich Bläschen, die neben einer hellen Flüssigkeit eine oder mehrere,
Fetttropfen ahnliche dunkle Kugeln enthalten und Uebergänge zu den
Elementen des gelben Dollers zeigen.
Die Keimscheibe, der Discus proligerus (Fig. 3 b d) , ist eine fein-
körnige Substanz, die in der Tiefe ganz alhnälig und ohne scharfe Grenze
in den weissen Dotter ird übergeht und in derMilte, der Dolterhaul an-
liegend, das 0,4 — 0,5 mm breite. 0,1 nuu tlicke, scheibenförmige Keim-
l)läschen /.• zeigt, das innerhalb einer zarten Hülle eine helle Flüssigkeil
ohne Spur von Keimflecken enthält.
In jungen Eierslockseiern ist das Keimbläschen kugeli'und, mitten
im Dotter gelegen und mit einem deutlichen Keimfleck versehen.
Nach demselben Typus, wie das Ei des Huhnes, sind die Eier aller
Vögel , der Reptilien , der Fische, mit Ausnahme der Cyclostomen , der
Cephalopoden und "der höheren Kruster und Arachniden gebaut, mit dem
Unterschiede jedoch, dass bei ilen Wirbelthieren der Bildungsdotter schon
Fig. 3. Senkrechter Schnitt durch den Bildungsdotter oder die Keimsclieibe
eines reifen bäerstockseies. Vergr. 30. 6rf Bildungsdotter, wd weisser Dotier; k
Keimbläschen, d Dollerhaut sammt Follikelepithel.
ß Enlw k-kliiiiL; der Leiljcsfoitn.
im unhotViu-hlolon Eie siclitbar ist, bei den Wirbellosen dui;eiien allem
Anscheine nach erst mit dem Beginne der Entwicklung als eine beson-
dere I.age ersehoinl.
zusamment'e- Djp /weilc Hauptart der Eier sind die zusammencesetzlen.
Mit diesem Namen bezeichne ich Eier, bei denen zu dem primitiven Eie
-ecniidärer noch eine zwcitc Substanz, die man secundären Dotier nennen
Dotter. '
kann, dazu kommt, die die Rolle von Nahrungsdotler spielt und ent-
weder in besonderen Oi'gancn oder in besonderen Zellen des Eierstocks
gebildet wird. Solche Eier sind zusammengesetzt und ent-
sprechen nicht einer einfachen Zelle. Uebrigens bilden die
einen derselben doch einheitliche Körper, indem der secuniläre Dotier
mit dem ])ri mären des Eies selbst verschmilzt (Insecten) oder in den-
scIIkmi iil)ergehl Prorhynchus), so dass das Ganze auf den ersten Blick
von einem einfachen Eie nicht zu unterscheiden ist. Die andern dagegen
Itlcibcn zusamniongesetzt, und umschiiesst bei ihnen der secundäre Dot-
ter ein gut begrenztes einfaches Ei mit Dotter. Keimbläschen und Keim-
fleck (Trematoden, Cestoden, Turbellaria rhalidocoela) .
Werfen wir zum Schlüsse noch einen Blick auf die Bedeutung der
Eier und lütlieile. so finden wir, dass bei allen Thieren (his einfache Ei
einer Zelle gleichzusetzen ist, und somit Dollfer, Keind)läschen und Keim-
fleck dem Zelleninhalte , dem Kerne und dem Kernkörperchen homolog
sind. Auch die meroblastischen Eier sind meiner Meinung nach nicht
in anderer Weise aufzufassen , obsclion der Nahrungsdotler wesentlich
als eine Absonderung des Eisäckchens aufzufassen ist.
§3.
Erste Entwicklungsvorgänge im befruchteten Eie. Totale Furchung.
Hei allen Geschöpfen beginnt die Entwicklung des VAcs mit eigen-
thiimlichen Theihingserscheinungen. die je nach der BescliaMciiheil des
Eies in verschiedener Weise vor sich gehen, inmier und ohne Ausnahme
jedoch die Entstehung einer grossen Zahl von zelligen Elementen von
der Natur von Protoblasten oder hüllenlosen Zellen zur Folge haben,
weiche als Baumaterial für den werdenden Embryo dienen. Bei den ein-
fachen Eiern finden sich zwei extreme Formen dieser Theilungen, die
die totale und partielle l'iirchuiig des i) o I I e i-s heissen {Dis-
septio vitelli parlialis et totalis .
Totale Für- Bei dep Iota Ion Fiirchu wj. zerfiilll der i;('sanimle Dotter in zwei,
cbiing.
Vier, acht iiiid dann iniiiu-r iiiclir kleine Abschnitte mit je einem Kerne,
Totale Kurcluing. 7
sogonaiinto K ii rc U ii ii y s k iiiiol n odci* V ii rc li u n i;s;i hsc I» n i ( lo , bis
am Endo eine iirosso Zahl kleinster solcher Körpoi" irehildel ist, von wel-
chen dann die weitecc Entwicklunt: ausi^ehl. Uie na r l i o 1 1 c Fn r ch un c; i'artieiin i'ur-
cliunR.
dai^ecien l)etrint nur den Theil des Dottei's nieroblaslischer Eier, den wir
früher Bilduniisdotter nannten , der ebenfalls nach und nach in mikro-
skopische Bilduniisolemente sich zerklüftet, während der Nahrungsdoller
ganz unhelheiligt an diesen Vorgängen ist.
Zwischen diesen beiden in der äusseren Erscheinung sehr abwei-
chenden Vorgängen stehen Formen in der Mitte, die mit totaler Furcliung
beginnen und damit enden, dass früher oder später ein Theil des Dotters,
das heisst der Furchungsabschnitte, zu einem Ernährungsmateriale oder
Nahrungsdotter sich umgestaltet und aufgelöst wird.
Ich schildere nun zunächst die Vorgänge genauer, die im befruch-
teten Säuge thi ereie auftreten.
Das Säuaethierei wird in der Reüel im Eileiter' befruchtet und hier ,,?"!l^'\'"."e 4«**
öaugetlnereies.
läuft nun der so eigenthümliche und vielbesprochene Furchungsprozess
an demselben ab. Als erstes Zeichen der Befruchtung, welche immer
auch durch die an der Zona haftenden oder innerhalb dersell)eu befind-
lichen und manchmal noch beweglichen Samenfäden erkannt wird, er-
giebt sich, nachdem das Keimbläschen theilweise geschwunden ist, das
Auftreten eines neuen Kernes im Dotter, und wird die Dotterkugel von
nun au der Ausgangspunkt einer grossen Menge ähnlicher, aber viel klei-
nerer Kugeln, der sogenannten Furchungskugeln, die durch wiederholte
Theilungen in bestinnnter gesetzmässiger Weise aus ihr hervorgehen.
Zuerst spaltet sich die genannte Kugel unter dem Auftreten einer
rings herumgehenden Furche in zwei Halbkugeln (Fig. 4), von denen jede
einen Kern enthält. Die beiden neuen Furchungskugeln theilen sich
wieder in je zwei durch Furchen, die die erste unter r-echtem Winkel
schneiden, so dass 4 Kugeln entstehen (Fig. 5), welche bald einfach an-
einander liegen, so dass sie zusammen eine Kugel bilden, bald zwei und
zwei zusammen kreuzweise gestellt sind. Durch weitere Theilungen
dieser 4 ebenfalls kernhaltigen Kugeln bilden sich acht, die schon ganz
unregelmässig liegen (Fig. 6), dann 16. 32, 64, die immer kleiner und
kleiner werden (Fig. 7), und so fort, bis endlich eine grössere Zahl klei-
nerer Kugeln da sind, die alle ihren Kern im Innern zeigen. Der Dotter,
der in den ersten Stadien dieses Theilungsprozesses eine ganz höckerige
Oberfläche darbot, so dass er einer Brombeere oder Himbeere verglichen
werden konnte , bietet nunmehr wieder eine glatte Oberfläche dar, so
dass man das Ei auf den ersten Blick von einem nicht gefurchten nicht
unterscheidet, doch erkennt man bei genauerer Untersuchung die klein-
sten Furchungskugeln leicht, deren Grösse zwischen 20 und 45 [x beträgt.
8
liiilwickliiui; clor lA-ilioslorni.
Mit (Ion im'sUmi Slailien tles Fuivliuiiiisprozcssos Ircloii iniioiliall)
der Zuiiii |)(^llii('i(l,i ein, zwei oder selljsl iioeli uielir hello rundliche Go-
l»il(K' auf Hichtuniisbläsohen der Autoren, (jlobul.es jiolaires Robin),
woleho neben den Furchungskugeln liegen (Fig. 4, 5) und losgelöste
Thoilo des Koind>liisehens sind.
lig. 5.
Fia. 6.
Neuen Beobachuiii^oii. vor Allem denen von Fol und IIkrtwk; an
niederen Thieren, zufolge sind die inneren Vorgänge l)ei der He-
fruehtung und beim Beginne der Furchung folgende.
berXb'Äh- In erster Linie rückt, wie es scheint nicht nothwendig in Folge
tiing. ,|pp Befruchtung, das Keimbläschen gegen die Oberfläche des Dotters,
verliert seine Membran und treibt einen Theil seiner Sul)stanz aus dem
Dotier, um die eben genannten globules polaires zu bilden. Aus dem
Reste bildet sich (»in heller kugeliger Körper, der Eikern oder der
w e i b I i c he Yorker n {Pronucleus femelle) . Mit diesem verbindet sich
ein ähnliches Go])ilde, das aus einem in den Doller eingcdi-ungeneu
Samenfaden hervorgeht, der Sperma kern oder der männliche
V o r k e r n [Pronucleus male , und aus der Voi'oinigung dieser enlsleht der
erste F uro h u n gsk e i-n oder ticr erste Kern des wei'dondon (le-
schöpfes, der m i lli i m aus ma l e r i e 1 1 e m S übst ra t e des männ-
lichen und weiblichen Erzeugers hervorgehl.
Die g(!sammle Furchung selbst ist, wie ich dies schon vor Jahren
nachgewiesen, uichls als eine gewöhnliche fortgesetzte Theilung von
liiilletdosen Zellen oder Piotoblaslen, Ixm ilor die Korne; immer vor den
l'rdloblaslen sich Iheilen, und sind eigenthümliche Umbildungen der
Zellenkerne hei derselben, die man anfänglich als für die Furchung des
Dollers bezeichnend hiell At i-uitAcirs karj olylische Figur, die Amphia-
H^. 4 — 7. liier des liuiKk-s aus (htm liileiler, miifitlxii noii der Zona pelluvida
<h\v Dollcrliaul, iiiif welcher bei allen Eier» Sameiifiideii hallen. Nach Bischofk.
Fi(.'. 4. K\ mit zwei l-'urchunpskuf^ciii imd zwei hellen Kiirperehen neben den-
selben. Die Zoun ist nr)(:h von den Zellen der Mcmtirnna (jranulom umgeben. —
Fig. .1. lii mit vier Furehurivskuneln und einem hellen Korn innerhalb der 7.ona. —
Fig. 6. ti mit 8 Kugeln. — Fi(^. 7. Ki mit zahlreichen kleineren Kugeln.
ticIeiiU's lluliiierei. «)
sler von Fol), in neiu'.sl(>r Zeil aiidi bei \i('lcti i;o\\üliiiliciien Zcilcnllici-
liinji,on iiacliiiiiw iosoii worden.
Kine totale iHircliunt;, wie sie das Säui;elliierei durchmacht, koniiiil
auch sehr vielen Wirbellosen zu, unter denen ich vor Allem die Nema-
toden und Radiaten namhaft mache. Hei den Wiihelthieren daizeizen
findet siel» eine totale Furchung, bei welcher alle Furchungsabschnitte
zur JiiUhmg des Embryo verwendet werden, ausser bei den Säugern
nirgends,- indem zwar die Batrachier, Störe und Petromyzon wohl im
Anfange der Entwicklung eine totale Furclumg zeigen, später jedoch nur
•ein Tlieil der Furchiingsabschnillc zur Anlage der Organe und Systeme
verwendet w irti, wähieml der Rest als Nahrungsdotter dient.
§ 4-
Partielle Furchung. Furchung des Vogeleies, '
Die Furciiunü des Voüeleies findet im Innern der Henne Fiirchung des
«^ • vogeleies.
Während des Durclitrittes des Eies durch den Eileiter und Uterus statt
und ist am gelegten Eie nahezu ganz abgelaufen.
Zum richtigen Verständnisse derselben ist es am zweckmässigsten,
vom gelegten befruchteten Eie auszugehen und dasselbe in erster Linie
in seiner Gesammtheit kurz zu schildern.
Das gelegte befruchtete Hühnerei zeigt ausser dem eiyentlichen ^^'^'•'s'«'' ''/-
^ "-> ci . fruohtetes Huh-
Ovum oder dem Dotter noch äussere , im Uterus und Eileiter durch Ab- »•'■^ei.
sonderungen dieser Theile gebildete Hüllen, die als Schale , Schalen-
haut und Ei weisshülle bezeichnet werden.
Die Schale, testa , besteht aus 2 ^ einer organischen amorphen S'^^'iaie
Grundlage und aus 98 ^ Kalksalzen, die in Gestalt von Körnchen oder
grösseren, mehr weniger krystallähnlichen Massen mit krystallinischer
Textur in dieselbe eingelagert sind. Bei allen Vögeln zeigt die Schale
eine grosse Menge von Porenkanälen, die der äusseren Luft einen
leichteren Zutritt zu den inneren Eitheilen gestalten , jedoch nicht an
der äusseren Oberfläche ausmünden, indem hier die Schale noch von
einem dünnen kalkarmen Oberhäutchen liedeckt ist.
Die Sclialenhaut, Membrana testae , kann leicht in zwei Lagen Sohaienhaut.
getrennt werden, eine äussere festere und gröl)ere, und eine innere,
zartere glattere, welche, so lange als das Ei im Uterus sich befindet,
und auch am eben gelegten Eie überall aneinander liegen, bald aber,
sowie das Ei sich abkühlt, am stumpfen Eipole auseinander weichen und
Luft zwischen sich aufnehmen, wodurch der sosenannte Luf t r au m 6'
10
Enlwicivlun;: der Leibesform.
Eiweiss.
Bildung der
Eih allen.
iiebildet ^^ir^l . der niil der Zeit . namentlich Ijei eintretender Entwick-
lung immer mehr sich versrössert. Beide Schalenhäute haben einen
lamellösen Bau und bestehen aus dicht verfilzten anastomosirenden
Fasern, die im .\nsehen und in den chemischen Charakteren an elastische
Fasern erinnern.
üas E i w e i s s , Albumen ,
bildet in der Nähe des Dotters
eine Art Meml)ran M. chalazi-
fera . welche an den den Ei-
polen entsprechenden Gegen-
den in zwei eigenthümliche , in
entgegengesetzter Richtung spi-
ralig gedrehte Ausläufer, die
Hagelschnüre [Chalazae s.
Grand ines) ausgezogen ist. Auf
diese dichtere Eiweisshülle folgt
im gelegten Eie eine zweite,
sehr flüssige Eiweissschicht,
darauf eine mittlere Lage von
der Festigkeit einer weichen Gallerte und endlich eine äusserste wieder
mehr flüssige Schicht.
Die genannten Hüllen werden im Eileiter und Uterus des Huhnes
gebildet. Die Befruchtung der Eier geschieht beim Huhne im obersten
Theile des Eileiters , und reicht eine Begattung aus . um 5 — 6 Eier zu
befruchten Coste . nach Harvey bis zu 20. Manche Hennen legen alle
24 Stunden ein Ei, jedoch mit zeitweisen Intermissionen von einem Tage,
andere alle 36 Stunden. Drei bis sechs Stunden nach dem Legen eines
Eies findet man. dass das erweiterte Ende des Eileiters oder der Trich-
ter Infundibulum einen reifen grossen Follikel des Eierstocks umfasst
hat, worauf dann der Follikel reisst und das Ei austritt. Hierauf geht
dieses in kaum mehr denn 3 Stunden Coste durch die oberen zwei Dritt-
theiledes Elleiters, deren Länge circa 25 cm beträgt, hindurch, woselbst
das Eiweiss um den Dotter sich anlegt und die Hagelschnüre gebildet
Fis. 8.
Fig. 8. Ein Ei etwa 24 Stunden bebrütet, doch so, dass die Schale und die
Schalenhaut nur im Durchschnitte erscheinen. Nach v. Baer. ao Area opaco oder
Gefasshof, die Area pellucida mit der Embr\onalanlage umgebend, av Area vUeUina,
Dotterhof, mit einem dunkleren inneren und einem helleren äusseren Theile, die
Grenze des Blasloderma bildend; i- Dotter; e Hagelschnüre, Chalasae; a Schale, b
Schalenhäutc; b' Luftraum zwischen beiden Schalenliäuten. c Grenze zwischen dem
mittleren und äusseren Eiweiss; d Grenze zwischen dem mittleren und innersten
Eiweiss.
Keiniliautdes gelegten Hühnereies. \\
werden, wobei das Ei durch die perislallischen Bewet^ungen dos Ki-
leilers in spiraliger Ric-iitung weilorschreileL
Ist das Eiweiss angelegt, so verweilt das Ei inj engeren unleicMi
Theile des Eileiters, der etwa 10 cm Länge hat, etwa 3 Stunden, und
hier erhärtet dann eine Ausscheidung dieser Theile zu den faserigen
Schalenhäuten, die demnach am ehesten den laserigen Cuticularbiidungen
zu vergleichen sind.
Im Uterus endlich sondert die Mucosa ein kalkhaltiges Secret ab,
das auf die Schalenhaut sich niederschlägt, hier nach und nach erhärtet
und in 12 — 18 — 24 Stunden die Schale erzeugt.
Der Dotter des gelegten befruchteten Eies weicht in Einer Beziehung
sehr wesentlich von dem des unbefruchteten und des reifen Eierstocks-
eies ab, insofern als der Bildungsdotter, der von nun an einen neuen
Namen erhalten muss und Keim, Blastos, oder Keimhaut. Blastoderma,^^'^^^^^^^^^ B'a-
' stoderma.
heissen soll, jetzt ganz und gar aus kernhaltigen Zellen besieht, wogegen
allerdings der Nahrungsdolter vorläufig noch dieselbe Beschafil'enheit
zeigt, wie früher.
Die Keimhaut eines solchen Eies (Fig. 9; misst im Mittel 3,5 bis
1,0 mm im Durchmesser und besteht aus zwei Lagen oder Blättern, von
denen jedoch in der Regel nur das -äussere vollkommen angelegt ist.
Dieses äussere oder obere Keimblatt, Ectoderma iect), bildet AensseresKeim-
eine vollkommen zusammenhängende kreisförmige Platte , die in der
Mitte etwas dicker ist als am Rande und mit der äusseren Fläche un-
mittelbar an die äussere Eihaut angrenzt. Dasselbe ist in der Mitte mehr-
schichtig, am Rande dagegen aus einer einfachen Lage von Zellen gebil-
det, die hier mehr Pflasterzellen, dort mehr Gylinderzellen gleichen und
Alle kleine dunkle Granula und deutliche bläschenförmige Nuclei mit
i — 2 Kernkörperchen zeigen.
Das untere oder innere Keimblatt, Entoderma [etil), zeigt inueres Keim-
am eben gelegten Eie ein minder beständiges Verhalten und ist in ver-
schiedenen Graden der Vollkommenheit ausgebildet, so dass es in den
einen Fällen eine zusammenhängende untere Lage der Keimhaut dar-
stellt, in den andern dagegen stellenweise aus unvollkommen vereinigten
oder selbst hie und da noch ganz getrennten Elementen besteht. Immer
und ohne Ausnahme jedoch ist das innere Keimblatt am Rande der Keim-
haut in einer Zone von beiläufig 1,0 — 1 ,3 mm Breite gut ausgebildet und
dick und stellt eine Bildung dar [kiv], die ich Keimwulst nennen
will (Randwulst, Götte).
Dieser Keimwulst ist sowohl an seiner unteren Fläche, als auch Keimwuist.
am Rande stets scharf gegen den weissen Dotter abgegrenzt. In dem der
Mitte der Keimhaut zugewendeten Theile ist derselbe dicker und misst
12
Entwickluiii: der Leibesforui.
his zu 0,1 UHU und darüber, wogegen seine äussere Uiilfte sich ver-
dünnt und zusammen mit dem äusseren Keimblatte und so weil wie
dieses sieh erstreckend zuseschärft ausläuft. Der Zusammensetzung nach
' ect
^wd
Fi£
besteht das innere Keimblatt im Keimwulste wesentlich aus runden kern-
haltigen Zellen von 20 — 30 ix Grösse, die alle von gleichmässig grossen
runden Körnern erfüllt sind, wie sie in allen Elementen des inuern
Keimblattes vor der Bebrütung sich finden. Elemente des weissen Dot-
ters finden sich dagegen in diesem Keimwulste ganz bestimmt nicht.
Dagegen enthält derseltte eine wechselnde Menge schon von Remak ge-
sehener grosser körniger Kugeln von 40 — 60 — 80 [x Durchmesser, die
nichts anderes als Ueberreste der früheren Furchungskugeln sind.
In der Mitte der Keimhaut liegt an der unteren Seite des äusseren
Keimblattes bald eine zusammenhängende Lage ähnlicher runder Zellen,
wie sie im Keirnwulste sich finden , in einfacher , stellenweise selbst in
doppelter Lage. In anderen Fällen stellen dagegen diese Zellen eine
unterbrochene, mit Lücken versehene Platte dar. Auch hier finden sich
grosse Furchungskugeln Fig. 9 ff] in wechselnder Menge zwischen den
kleinen Elementen.
Der weisse Dotter ist an der unbebrüteten Keimhaut unterhall) der
Mitte derselben durch eine spaltenförmige , sehr enge (niedrige) Höhle,
Keimhöhle, die Ke i m höhle , von der Keimhaut geschieden. Hier finden sich, die-
sem Dotter anliegend, eine wechselnde Zahl von grösseren und kleineren
Furchungskugeln, von denen es schwer ist, zu entscheiden, ob sie von
der Keimliaut sich abgelöst haben oder in natürlicher Lagerung sich
befinden.
Fig. 9. lilasloderma eines gelegten befruchteten Eies des Huhnes, das in der
Mitte in Folge eines etwelchen Sctirumitfens der Tiieile vom weissen Dotter sich ab-
gehoben hat. — Vergr. circa .37mal. kh Keimhohle; im natürlichen Zustande eine
enge Spalte darstellend, w d Weisser Dotier unter dem lilasloderma ; ect Ectoderma,
ent Entoderrna; kw Keimwuist, d. h. verdickter Randtheii des Entoderma; /"/■ Fur-
chungskugeln am Boden der Keimhohle und an der untern Seile des Blastoderma , r
Rand des Blastoderma, an dessen Bildung beide Keimblätter Antheil nehmen.
Keimliaul dos e;elcf<ten llühneicics. 13
Der Boden der Keimhöhlc isl ührit^ens sonst ;in erhärteten Priipa-
raten dinrli eine scharfe (Jrenzlinie (eine Membran nach llis) liegen die
Keinihühle abgegrenzt und bestellt aus l'einkürnigeni Dotter, der als
weisser Dotter angesprochen werden darf. Eine ebensolche Grenzlinie
zieht sich auch unler dem Keimwulste als Begrenzung des weissen
Dotters hin.
Aus Allem diesen folgt, dass das Blastoderma des geleg-
ten befruchteten Eies und der weisse Dotter zwei ganz
verschiedene und scharf getrennte Bildungen sind.
Die ganze Keimhaut liegt , wie der Bildungsdotler des unl)cfrucli-
lelen Eies, dem weissen Doller da auf, wo derselbe sich in das Innere
des gelben Dotters hineinzieht , so jedoch , dass ihr Rand diese Stelle
überragt und die Mitte durch die vorhin schon erwähnte Keimhöhle von
dem weissen Dotter geschieden ist. Da der Rand somit nicht nur eine
Lage weissen Dotters, sondern auch gelben Dotter bedeckt, so erscheint
derselbe dunkler und undurchsichtiger, wie der spätere dunkle Frucht-
hof [Area opaca) , die Mitte der Keimscheibe dagegen, weil uMev ihr
Flüssigkeit und weisser Dotter sich befindet, heller, wie der spätere
helle Fruchthof (.ir<^rt y>e//MC/f/a) ; doch zeigt diese Mitle noch wie eine
centrale Trübung (Pander's Kern des Hahnentrittes) , herrührend von
dem durchschimmernden Zapfen weissen Dotlers, der in das Innere des
Eies sich hineinzieht. Löst man die Keimhaut rein vom Dotter al) , so
erscheint sie ebenfalls in der Mitte hell und am Rande dunkel, entspre-
chend der hier befindlichen starken Verdickung des unteren Keimblattes,
dem Keim Wulste.
Der unter der Keimhaut gelegene , sowie der an den Rand dersel-
ben angrenzende weisse Dotter zeigt eine unbestimmte Zahl von mit
heller Flüssigkeit gefüllten Hohlräumen (Dottervacuolen, His), die als
Zeichen der beginnenden Verflüssigung dieses Theiles des Nahrungs-
dotters aufzufassen sind.
Fragen wir nun nach gewonnener Kenntniss des Baues des geleg- Furchung des
^ ^ , . Vogeleies.
ten befruchteten Eies des Huhnes, woher die zelligen Elemente der Keim-
haut stammen , so ergiebt sich , dass dieselben einer Zerklüftung des
Bildungsdotters ihren Ursprung verdanken, die man, weil sie nur einen
Theil des Dotters betrid't, partielle Furchung genannt hat. Hierbei ent-
stehen auf dem Bildungsdotter erst Furchen und Segmente (Fig. 10, 1,2),
deren Spitzen sich dann abschnüren und kugelartige Abschnitte l)ilden
(:$). Indem dann die Segmente immerfort sich theilen und deren Spitzen
immer neu sich trennen und ferner auch die Kugeln von sich auch sich
unausgesetzt theilen und verkleinern (4, 5), entsteht am Ende, nachdem
die letzten Segmente sich verwischt haben, eine Scheibe von kleinen
I 1 Kntw ickliuii; der Leibeslorm.
Hleiuenlen (o), die bei geniuier Untersuchung alle als kernhaUige Proto-
hlasten sich ergeben und wie oben von der Iveinihaul des gelegten l)e-
IVuclilelen Eies angegeben wurde, gescliiclilel sind. Wahrscheinlich
haben alle Segmenle und Kug(>ln der Irühcien Furchungssladien eben-
l'alls KeiMU'. wie solche bei den Cei)lialo|)oden. deiuMi eine ganz ähnliche
Fig.JO.
Zerklüftung des Bildungsdotters zukommt, von mir gesehen wurden,
doch sind solche bis jetzt erst in späteren Perioden der Purchung auf-
gefunden worden. Senkrechte Durchschnitte der sich furchenden Stelle
des Hühnereies (Fig. 11, 12) ergeben, dass anfangs nur die Mitte und
die oberflächlichen Theile des Bildungsdolters sich zerklüften , bis am
V'iii. 10. SccJis l"iii-(luiniisslii(licii der Koimschidil des llüliiicroios iiacli Coste.
Allf» von Kiorn aus (lern iintorcn Tlicile des Kileiters und dem .soi^enaiiidcn Uterus.
Onisse (h-r Keiinseliicht 3 nun, 1. Kciinselii(dil mit 12 Semnenlen, 2. Keimsetiiciil mit
4 Sef.'menten, 3. <liesell)e niil li Segmenten und 7 Fuiciiungslvuiiein , die sicli |)olyt!()-
n;d f.'cgen einander ai)grenzen , 4. diesell)e mit 18 Segmenten , von denen einzelne
Andeutungen neuer Theilungslinien zeigen, und vielen polygonalen Furcliungskugeln,
von denen einzelne einen centralen dunkleren Körper (Kern?) zeigen, ti. Keimseiiielit
nalie am Ende der Furchung mit zahlreichen kleinen Segmenten am Rande und sehr
vielen Furchungskugrln , 6. Keimschicht mit ganz kleinen gleichmässig grossen Kle-
menleii. di(; zwei Schi(rhten bilden, von denen die untere nicht vollständig ist. Die
Klemenle einer solchen Kcimscliiclit haben die Natur kernhaltigci' l'nildblasten, und
kann dieselbe nun Keindiaut, Uliislodcnna, oder Keim heissen.
Partielle Fiirchung des Vogoleies.
15
Knde niicli dosson Hjind und dio tiefsten Tlieile zcrf.illen. Die l'inclmim
dos Hühnereies Ix-i^innt im unleiTn Tiieile des l'jleilers, jji welelieni die
Schalenhiiule er/.euizl werden, und (ind.ii sich die l'rüheren Stadien aus-
nahmslos an Eiern, die noeh keine Spnr der Kaiksehale zeiiren. An ire-
leiilen Hiern ist dieselbe der Ilan[)lsaclie nach beendet.
Fic. 11.
ii-d
Fig. 12.
Eine partielle Furchung, wie die hier von den Vögeln be- Partieile Fur-
1 • 1 1^ 1 r» •!• • "^ T-. cliung anderer
schriebene, kommt ausserdem noch zu den Replilien, den meisten Fischen öesciiopfe.
und von Wirbellosen den höheren Arachniden und Krustenthieren und
den Cephalopoden. Am genauesten untersucht ist diese F'urchung bei
den Fischen, und sprechen die hier gefundenen Thatsachen mit Bestimmt-
heit zu Gunsten der Hypothese, die oben bei Schilderung der totalen
Furchung aufgestellt wurde. Sehr auffallend ist bei den Fischen das zu-
erst von Lereboullkt gesehene Auftreten von zellenähnlichen Elementen
Fig. 11. Die Keimscheibe eines Hühnereies mit Segmenten und Kugeln senkrecht
durchschnitten. Yergr. 30mal. r/rf (iell)er Dotter, lürf weisser Dulter, /yrf ungefurciiler
IJildungsdotter, s' grosses Segment, ^ kleines Segment, k Kugeln.
Fig. 12. Senkrechter Schnitt durch die Furchung.sstelle eines Hühnereies aus
dem Uterus. Vergr. 30mal. s grosses Segment, «'kleines Segment; fr grosse ein-
schichtige Randkugeln, A' kleinere Kugeln aus der Mitte geschichtet; ic d weisser
Dotter.
J (j lüilw icklunii der Loil)i'sri)nn.
im NahriingsdolliM- in dir Milie des Keimes (Nel)onkeimzellen , His),
deren Ableiluiiiz juls ileiii Keime und seinen Kiementen bisher' niehl
lieizlüeivt ist , ebensowenig ;ds deren spiitei-e Seliicksjile zui- Genüge
bekannt sind.
Krst.- Kntwick j^ Bisherigen war nur von der ersten Knlwiekinnsi der einfachen
lung der zusam- "-'
nidigesetzten ]7jg,,. ^jjjj Rede. Die Zusammengesetzten Eier, deren wir zum
hier. "- '
Schlüsse noch kurz gedenken, zeigen z. Th., wie bei den Gesloden und
**• Tremaloden , eine totale Theiiung der einlachen Eier innerhalb des
secundären Dotters, die ganz an die totale Furchung sich anreiht, z.Th.,
wie die Insecten, so eigenthümliche Verhältnisse , dass dieselben hier
nicht ausführlicher bespi'ochen werden können. Es sei daher nur soviel
bemerkt, dass wahrscheinlich auch hier im Dotter neu entstandene Kerne
mil einem Theile des Dotters sich umgeben und die ersten Bildungs-
zellen erzeugen, ein Vorgang, der eine entfernte Vcrgleichung nnt der
partiellen Furchung zulässt. Für Einzelheilen vergleiche man besonders
die Albeilen von Wkismann und Mktsciimkow.
§5.
Erste Entwicklung des Hühnerenibryo. Bildung der Keimblätter.
Wir wenden uns nun zur Schilderung der ersten Enlwicklungs-
sladien des llühnerembryo im gelegten Eie , die wir als Ausgangspunkt
der ganzen weiteren Schilderung nehmen.
Mit der Bebrütung des Eies treten rasch hintereinander grosse
Veränderungen an der Keimhaut auf, die in den ersten Zeiten wesent-
lich auf folgenden Vorgängen beruhen.
Erstens wächst das gesammte Blastoilerma rasch in
der Fläche und dehnt sich so über einen immer grösse-
him d^HWaHtö- •' *' " ^ '' P ' ' des Dotters aus. Von 3,5 — 4,0 mm, die die Keimhaut im
dermiis. nnbebiüteten gelegten Eie misst, vergrösscrt sich dieselbe, die jedoch in
ihren Uandllieilen nur aus dem äusseren und inneren Keimblatle be-
steht. bis zum Ende des ersten Brüttages auf I I — 12 mm und beträgt
am I'jide des zweiten Brüttages 24 mm und darüber.
Am Anfange des 4. Tages isl der Dotier von dem Blastoderma schon
fasl ganz umwachsen, bis auf eine kleine Slelle an dem dem l'^mbryo
gegenüber liegenden Fol(>, und am Ende des (5. Tages ist auch diese
kleine l-"läche so zu sagen ganz \ on dei- Keimliaul bedeckt, so dass die-
selbe nun einen den Doller ganz iimliiillenden Sack darslellt, welcher
der später zu schildernden Keimblase dei- Säugethierei(U- gleich-
werlluL' isl .
Uilduiii^ (k'i- Keimblätter. j7
K/ine zvvcilo woscnlliclie Veränderuiiij; erlouhM (Ins Blastodenna .?'!''""?. f*""
■^ hciniblatter.
mit der Hehiiilimg (laduirh, dass es sich verdickt und in eine
gewisse Anzahl Lagen sondert. Die allererste Umgestaltung
nach dieser Seite beruht in der Entwicklung eines zusammenhängenden
unteren Keimblattes, wenn ein solches nicht schon vorher da war, und
in der scharfen Sonderung desselben von dem äusseren Blatte. Dann
bildet sich eine Verdickung in der Mitte des Blastoderma in Form eines
langgezogenen Streifens (des Primitivstreifens), der die erste Spur des
eigentlichen Embryo darstellt, und zugleich ditlerenzirt sich das Blasto-
derma so, dass es nach und nach in drei Blätter zerfällt, welche Blätter
die Ausgangspunkte aller weiteren Entwicklung sind. Wir l)ezcichnen
dieselben als 1 ) äusseres K e i m bl a 1 1 oder E c t o d e r m a *) , 2) mit t-
leres Keimblatt, M e s o d e r m a **) , und 3) i n n e r e s K e i m b 1 a 1 1 ,
E n 1 0 d e r m a ***^j .
Sind diese Umgestaltungen eingetreten, so beginnen d r i t tens'^'steDifferen/.i-
'j o ö . o rungen uer drei
Di fferenzirungen in den einzelnen Blatter n , verbunden mit Keimbiätt.r.
weiteren morphologischen Veränderungen, in Folge deren dann die
ersten Organe des Embryo auftreten , unter welchen 1) ein Axeugebilde
als Vorläufer der Wirbelsäule, die Rückensaite oder Chorda dorsa-
lis, 2) ein i-innenförmig gestaltetes dickes Blatt, die Me dul 1 a rp I atte,
die Anlage des centralen Nervensystems , und 3) paarige würfelförmige
Körper zu beiden Seiten der Chorda, die Urwirbel, die Hauptrolle
spielen.
Wir betrachten nun die angedeuteten Veränderungen im Einzelnen
genauer.
Die Sonderun 2 der Keimhaut in zwei Blätter oder d ie Kntwick'ung des
«^ Entoderma.
Entwicklung eines z u s a m m e n h ä n g e n d e n u n t e i" e n Blattes
fällt in die ersten Stunden der Bebrütung und ist um die G. Stunde ohne
Ausnahme vollendet. Fragen wir, wie dies geschieht, so ergiebt sich
Folgendes.
bl Folge dei- Furchung entsteht, wie wir oben sahen, zuletzt eine
in der Mitte dünnere, an den Rändern dickere, aus Furchungskugeln
gebildete Scheibe.
Von diesen Elementen sind die oberflächlichen in der Entwicklung
weiter voran, kleiner und körnerärmer und differenziren sich sclion vor
dem Legen der Eier zu einem deutlichen äusseren Blatte. Die tieferen,
grösseren körnerreicheren Elemente dagegen bilden am Rande der Keim-
*) (Sinnes- oder sensorielles Blau, Rem.\k; Epiblast, Balfour).
**) (Motoriscli-germinatives Blatt, Ri:m.\k; Mesoblast, Bai.four).
***] (Darnulrüsenblatt, Hkmak; llypoblast, Balfouk).
Kölliker, Grundriss. 2
1§ Enlwicklimg ilef Leibesforin.
hau! schon vor dem Letten des Kies eine zusammenhängende dicke
untere Laue, den Kein)wulsl, in der Mille dagegen slellen sie an-
fänglich eine noch lockere, z. Th. niehrschichlige , z. Th. unlerhrochene
Lage dar, welche jedoch bald , nieisl jedoch ersl im Anfange der Bebrü-
lung, dadurch zu einem zusammenhängenden Blatte sich gestaltet , dass
ilire Elemente sicli verschieben , indem sie zugleich wuchern und durch
fortgesetzte Theilungen sich vermehren. Um die Zunahme der Elemente
der Keimhaul an Zahl richtig aufzufassen, wolle man in's Auge fassen,
dass die von der Furchung belroüene Masse oder der Bildungsdotter
natürlich nur zur Herstellung einer gewissen Zahl von Zellen ausreicht
und daher die sich entwickelnde Keimhaut sehr bald auf das Material
des sich auflösenden Nahrungsdotlers angewiesen ist, um ihre stetig an
Zahl zunehmenden Zellen zu bilden. Diese Lösung des Nahrungsdotters
beginnt mit der Bebrütung, zu welcher Zeit ja auch das Auftreten von
Flüssigkeil unter der Keimhaut in der Keimhöhle und im oberflächlichen
weissen Dotier Wicuolcn) einen deutlichen Fingerzeig der statthabenden
Vorgänge abgiebl, und mit derselben steht eben die in der Regel jetzt
erst zu Stande konunende vollständige Ausbildung des unteren Keim-
blattes in Verbindung.
Keimhäute mit vollständig ausgebildetem unteren Blatte messen
4 — 5 mm Durchmesser und lassen , wenn man dieselben vom Dotter ab-
löst, an der Fläche zwei Zonen erkennen, die der helle und der
dunkle Fruchthof heissen [Area pellucida et opaca) . Der helle Frucht-
hof liegt in der Mitte, ist kreisförmig und misst ungefähr die Hälfte des
Durchmessers der ganzen Keimhaut. Derselbe ist jetzt noch ganz gleich-
massig dünn, hell und durchscheinend und wird erst später, wenn in ihm
die er.sten Spuren des Embryo auftreten, von der Mitte aus dicker und
undurchsichtiger. Umgel)en ist diese helle Mitte von einem dickeren,
undurclisichtigeren . ringförmigen Saume von etwa 1 mm Breite, der
Ai'ca opaca^ welcher durch die Verdickung des Entoderma, die ich Keim-
wulsl nannte, bedingt wird, während im Bereiche der Area pellucida in
der Bcgel <las Ivtoderma dicker ist als das innere Keimblatt.
Nachdem die zwei Blätter dov Keimhaul sich ausgebildet haben,
beginnen bald weitere Veränderungen, welche um die 12. — I'). Briit-
slunde zum Auftreten dei- ersten Spur des l'jubryo und zur allmäligeii
Entstehung einer dreischichtigen Keimhaul liihreii. Behufs ])esseren Ver-
ständnisses beschreibe ich zunächst ein dieihlälliiges Blasloderma som
Ende des ersten Tages und versuche dann ersl eine Ableitung der neu
aufgetretenen Gestallungen.
hetrachtel man eine Keindiaut von der '2. Hallte des erslen Tages von
dci riiiche. um welche Zeit dieselbe 10 — 12 mm Durchmesser hat, so zer-
Eisto Einhryonalanlage.
19
fjillt dieselbe itii Allgemeinen in zwei Zonen, die uuu\ iinnier noch, njich
ihrer Besehairenheit bei din-chfallendeni Lichte, heilen und dunklen Fruchl-
hof {Area opaca und Area pellitrüldj nennen kann. Im hellen Kruchthofe
(Fig. 13, Ap), dessen Durchmesser etwa '/(. — '/^ des Ganzen beträgt,
Fig. 13.
findet sich in einer zur Queraxe des Eies parallelen Richtung (Fig. 8)
eine längliche . nicht scharf begrenzte , undurchsichtigere und dickere
Stelle, die Embrvon alan I ag e , die dem hinteren Ende der Area pel- Embryonaian-
" . "^ ' . ' läge.
litcida näher und somit etwas excentrisch Hegt, und mitten in dieser,
aber wiederum dem hinteren Ende etwas näher, unterscheidet man einen
mittleren dichteren Streifen (Pr) , den Primitivstreifen v. Baer's, primitivstreifen.
oder die Axenplatte von Remak (Axenstrang , His) , dessen Grenzen
ebenfalls keine scharfen sind und welcher in seiner Mitte eine seichte
Furche, die P r i m i t i v r i n n e , trägt. Primitivrinne.
Der dunkle Fruchthof erscheint der Breite nach in zwei
Hauptzonen geschieden. Die innere ist etwas heller und schmal, von
Fis. 13. Area peUucida A p und Primitivstreifen Pr von einem 30 Stunden be-
brütelen Eie. Vergr. 24mal. Ao Area opaca innerster Tlieil ; vAf \ordere .\ussen-
falte (His).
20
lüitwickliiim tit'r Li'ibi'sfdiin.
Ana tasculosa.
Area ritdiitia.
0.5 — 0,8 iiiiii Diiicliiiipsser imd hezeirhnet (Iciijciiiizcn 'Jlieil der Area
opacu, in welcliciii iiiiii :{ Kciiiildiillcr ciitliallcn sind. Da in dem initi-
ieren dieser KeinibläUer, dem Mesoderma, später die
ersten Blutgefässe sich entwickeln , so kann dieser
Tlieil der Area opaca jetzt schon der Gefässhof,
Area vasciilosu heissen (Fig. 8, a o) , während
der weiter nach aussen gelegene viel breitere Theil
mit vo\ Baer den Namen Dotierhof, Area vitel-
lina, führen mag (Fig. 8, av). An diesem sind je-
doch ebenfalls noch eine dünne Randzone und ein
dickerer undurchsichtiger innerer Abschnitt zu unter-
scheiden , die wir als Innenzone undAussen-
zone des Dotterhofes bezeichnen wollen.
Volle Aufschlüsse über die Beschaffenheit einer
solchen Keimhaut geben jedoch erst üurchschnitts-
bilder, wie die Fig. 14 ein solches dai-stellt. In die-
ser bedeutet Ect das Ectoderma , das in der ganzen
Breite der Keimhaut sich erstreckt und in den mitt-
leren Theilen verdickt ist. In derselben Ausdehnung
liegt an der untern Seite des Blastoderma das Ento-
dernia oder das innere Keimblatt , Ent, das in der
Mitte ganz dünn ist, an den Seitenlheilen dagegen
eine sehr starke Verdickung, den Keim w u\sl Kw
zeigt, der jedoch gegen den Rand ebenfalls ganz
dünn ausläuft. Zwischen diesen beiden Lagen be-
findet sich das viel weniger ausgedehnte mittlere
Keimblatt oder Mesoderma M , das in seiner Mille
mit dem Ectoderma verschmolzen ist und mit dem-
selben zusammen den l'r i m i ti vs t reif en oder die
Axenp lalle Ax, bildet, während die seitlichen
Tlicilf zwischen den l)eiden anderen Kcindilüllei-n
(laliinziehcn und am Rande bei M' frei ausgehen.
Die Zurückfuhrung des Flächenbildos aid das
Durclisclmillsbild ist leicht. ])ioAr('(i jicl/iiriila i'eichl
Noii /l.r — .1/' und jenseils M' lieg! di<' Ar('(( opaca,
>^ 1
|9
Fi^. 14. Qiiorscliiiill (iiircli di'n l'iiniilivslrcifcii und die ciiie llälflc des llliislo-
dfirma eines 10 .Slimdi-n l)ebrülelen llülirKiicies. Verf{r. eirea 33ni<d. Ap Area pcllii-
cida ; Ao Area opaca; Ecl Ectoderma; Eni Enlodermn ; Ax' Axcnplatte; Ax' lieferer
Theil (ier.selhcn, der mit dem in Bildung hei^riirenen Mesoderma Mes zusammerdiängt ;
Mes' Rand des Me.soderma; Kw Keimvsulsl des F'^nloderma ; l'w Piimitivwülste ; l'r
I'riniiliv rJnrir. ,V Mi-sodcrma, l/' U:iiid des Mcsndcrii in an df r (irciizc der' Area pclliuiilti.
Kückciit'urclic, Kückcnwülsle.
21
(leren Gefässhof jedoch noch ganz schmal isl und oi-st in (h'i- Fii^. 16 eine
grössere Entwicklung zeigt.
Eine noch vveilei- voi'gerückte Keimhaut vom Ende des ersten»Brüt-
tages zeigt die Fig. 15, l)ei der die Embryonalaniage wie aus zwei Theilen
besieht, einem vorderen küi'zeren und
einem hinteren lungeren A])sclinilte,
die durch eine seichte (|uere Ein-
sa(((*lung von einander geschiechMi
sind. Der hintere Abschnitt ist eben-
so beschaffen wie früher und besitzt
in seiner Mitle den Primilivslreifen
[Pr) und die Primitivrinne, der vor-
dere Theil dagegen lässt mehr odei"
weniger deutlich eine breite, seichte,
lougitudinale Furche und zwei sie be-
grenzende Längswülste [Rw] erken-
nen, und ausserdem (lilt im Grunde
der Furche noch eine Anchuilung
eines mittlei-en dunkleren Slreifens
auf. Diese Theile heissen die
Rücken furche oder M e du Har-
ri nne, die Rücken Wülste oder
M e d u 1 1 a r w ü 1 s t e und der unpaare
Streifen die R ticken sa i te , Chor-
da dorsalis, und stellen die ersten Organi)ildungen des Embryo dar.
Querschnitte durch den hinteren Abschnitt eines solchen Blasto-
derma zeigen noch dassell)e wie früher; im Bereiche der Rückenfurche
dagegen stellt sich nun zum ersten Male eine vollständige Sonderung
des Mesoderma vom Ectoderma dar und fast gleichzeitig dandt auch das
Auftreten eines besonderen Organes im Mesoderma, der Rückensa ile,
während zugleich im äusseren Keimblatle der die Rückenfurchc begren-
zende Theil als eine dickei'c Platte erscheint, die den Namen Modul lar-Meciuiiarpiatte
platte führt. Eine Keindiaut von dieser Beschaffenheit ist in der
l^y. II
Rückenfurche.
Rückenwülste.
Chorda dorsalis.
Fig. 15. Area pelluckla uiul Embryonalaniage eines 27 Stunden bebrüteten Eies
etwa 20mal vergr. Lange des Embryo 3 mm, der Area pellucida 3 ,S mm. Pz Parielal-
zone ; S'< ;: Stanimzone ; fiiü Rückenwülste mit der Rückenfiirche zwischen densel-
ben; Riu' hinteres Ende des rechten Rückenwulstes rechts vom Frimitivstreifen ge-
legen; Pr Primitivstreifen; Pr' voriieresEnde desselben etwas nach rechts gebogen;
A p Area pellucida; SÄ'/" seitliche Keimfalte, die Grenze des Embryo bezeichnend;
«Ä^/" vordere Keimfalte, die Grenze des Kopfes bezeichnend; vAfxordem Aussen-
falle (His).
0)
Kiitwii'khiiüi (ItM- Leibesform.
M'gegeben. aus welcher ersichtlich ist, dass die Randtheile
hescIialVon sind wie früher, wiihi'end in der Mitte die
Kückenfurche ü/", die Chorda [Ch). die Hücken-
wülsle Riv sichtbar sind und das Mesoderina
und Ectodernia ganz getrennt erscheinen.
Nachdem wir nun in dem Vorhergehenden
erfahren haben, dass an die Stelle der ur-
sprünglichen zweibUittrigen Keimhaut im
Laufe der Entwicklung eine dreiblättrige tritt,
wenden wir uns nun zur Besi)rechung der
wichtigen Frage nach der Herkunft des mit t-
leren Keimblattes. Nach meinen Erfahrun-
gen bildet sich das Mesoderma in den mittleren
Theilen der Embryonalanlage vom Primitiv-
streifen aus und W'uchert von da aus nach den
Randlheilen weiter. DerPrimiti\streifen selbst
aber entsteht durch eine Wucherung der mitt-
leren Theile des Ectoderma, und bezeichnet
sein Auftreten zugleich auch das erste Stadium
der Bildung des mittleren Keimblattes. In der
Mitte der Area pellucida nämlich wuchern in
einer linienförmigen Zone, welche der Axe
des späteren Embryo entspricht , die tieferen
Zellenlagen des Ectoderma und bilden einen
anfangs begrenzten Wulst , von welchem die
Fig. 17 von einem bei niederer Temperatur
bebrütelen Eie eine Vorstellung giebt. Dieser
. im Fläclicnbilde als Primitivstreifen erschei-
nende \N ulsl wuchert nun von sich aus ohne
Mitbetheiligung der seillichen Theile des Ecto-
derma. oder des Entoderma nach allen Seiten
dei- Keimhaut in eine Platte aus, schiebt sich
l"\u,. 16. Quersclinitt durch den vorderen Theil
einer Kmhryonaianlage aus einem Blastodernia von
22 .Stunden von demselben Embryo, von dem auch die
Fig. 1'» stammt. Vergr. ^Omal. Ect Ectoderma; Mes
Mesoderma; Eni Entoderma, Ch Chorda; W/'Rücken-
fur<;Jie; liw Rückcrnvülslc ; li M Hand des Mesoderma;
Kiv KeiiMwulsl :Verdickunf( (h;s Knlodcrma mit einigen
grosseti i'uichungskngeln) ; Kw' dünne .Vussenzone
des Doltertiofes; H Rand des Blasloderma mit zwei
KeirnblaUern.
Kntsli.'liiiiit; des Mesuderma. o.i
zwischen äusserem und innerem Keimbl;i(te immer weiter (Fig. 18) und
erreicht endiicli seitlich und iiinter (Umii I'rimitivstreifen die R;mdtheile
Ar/
Fig. 17.
dev Area pell «cid a (Fig. 19). Bei diesem FJächenwachsthum ist anfangs
ofl'enbar eine vom mittleren Theile desEctoderma ausgehende energische
Zellen wuclieruug der Haupt faclor. Sobald aber einmal in dieser Gegend
das äussere untl mittleie Keiml)latt sich gelöst haben (Fig. 16), wächst
das letztere durch Thäligkeit seiner Elemente in der Fläche weiter, el)en-
so wie die anderen Keini])lätler.
Nach mehreren Autoren, vor allem nach ibs und Gasser, ist auch
das Enlodenna bei der Bildung des mittleren Keimblattes betheiligt, was
ich höchstens inspfern zugel)en kann, als am Primitivstreifen anfangs
dieses Keimblatt weniger scharf getrennt erscheint.
§ 6.
Von der ersten Erscheinung der Embryonalanlage bis zum Auftreten
der ersten Urwirbel.
Nachdem im vorigen § das erste Auftreten der 3 Keimblätter ge-
schildert worden ist, wobei nothwendig auch Manches auf die erste An-
lage des Leibes sich Beziehende erwähnt werden musste, sind nun die
primitiven morphologischen Gestaltungen des Blastoderma ausführlicher
zu l^eschreiben.
In den ersten Stunden der Bebrütung zeigt die Keimhaut ausser
einem einfachen Flächenwachsthume nichts Besonderes und erscheint
wie im unbebrüteten Zustande in zwei kreisförmig begrenzte Zonen ge-
schieden, den hellen und dunklen Fruchthof. Zwischen der 8. — 10.
Stunde tritt in dem grösser werdenden hellen Fruchthofe eine Trübung
der mittleren Theile auf, die obschon kreisförmig begrenzt, doch excen-
trisch und zwar mehr nach der Seite gelegen ist, in welcher später die
Fig. 17. Quersclinitt durch den Priniitivslreifen eines 2 Tage bei 260 q bebrüte-
ten Hühnereies, HI7mal vergr. .-la; Axenph\tte oder Primitivstreifen, dessen tieferer
Theil die Anlage des Mesodernia ist; Ect Ectoderma ; Ent Entbderma.
•24
Knlwickluni: der Leibcst'orni.
^
r
Fig. <8. Qiioischnitt durch einen Theil des Blasloderma eines 4 Tage bei 30^ C.
Ijehnilelen lliilinercies, 78inal vergr. A p .\>'ca pellucidti ; Ao Aren opaca ; litt hkto-
dermn; Eni Enlodermn ; Ax Axenpl.'ille; Ax' lieferer Tlieil derselben, der inil dem
in Bildung bcgrilTenen Mcsodcrina wies zusammctdiängl; mes' Rand des Mesoderina ;
Kw Keiniwulst des Kntoderma ; /'w Primilivwülsle; Pr l'riniilivrinnc.
Fifj. 19. Ouerschnitt durch den Friniitivstreifen und einen Tlieil des Blasloderma
eines 1J Stunden bebriitelcn llülinerenibryo. Vergr. GGnial. Buchstaben wie in
Fig. 1«. /( w Keiiiiwidl.
Krslc (icstaltung des Kmbr\o. 25
liinlei-en Tlieile des Embryo sicli liiklcn , uiul ihrcMi Gniiul in der um
diese Zeit beginnenden Verdickung des Ecloderma hat. Zwischen der
10. und 14. Stunde erscheint dann der oben schon erwähnte Primitiv- Primitiv-
streifen.
streifen oder die Axenplatte (Remak: in dem nun birnförmig gewor-
denen hellen Fruchthofe als ein wenig scharf begrenzter, etwa 1 nmi
langer und 0,2 mm breiler Streifen (Fig. 13), der dem hinleren Ende
des genannlen Hofes näher liegt, als dem vorderen und bald nach seinem
ersten Auftreten deutlich als ein schwach leislenförmig vortretender
Theil des Blastoderma ei'scheinl, der in seiner Mille eine seichte Hinne,
die P r i m il i vrin n e trägl , die von zwei leicht vorliTlenden Wülsleu, Primitivrinne.
den Prim i t i V fa 1 ten begrenzt v^iI•d. In der (jlegond des späloren Primitivfalten.
Kopfendes des Flmbryo , welchem der breilere Theil dcv Area pellucida
eutspi'icht , gehen die Primilivfalten l)ogenförmig ineinander über, wo-
gegen sie hinten ebenso wie die Rinne unmerklich und ohne scharfe Ab-
grenzung sich verlieren.
Diese zuerst auftretende Gestaltung in der Keimhaut ist, wie Quer-
schnitte lehren und wie im vorigen § ausführlich auseinandergesetzt
wurde, nichts anderes als eine axiale lineare Wucherung des Ecloderma,
welche als die erste Einleitung zur Bildung des mittleren Keimblattes
erscheint. Zugleich hat dieselbe aber auch eine wuchtige morphologische
Bedeutung, indem der Primitivslreifen die Uranlage darstellt , aus wel-
cher nach und nach die wichtigen Axengebilde des Embryo, das centrale
Nervensystem, die Chorda dorsaUs und die ürwirbel sich hervorbilden.
Ist der Primitivstreifen einmal angelegt, so verdichtet sich bald der
densell)en umgebende Theil der Area pellucida ^ während zugleich der
Streifen in die Länge, al>er nur unbedeutend in die Breite wächst. Diese
Verdickung erscheint als ein trüber, den Streifen umgebender breiler Hof,
der im vVllgemeinen den Umrissen des hellen Fruchthofes folgt, und somit
am Ko])fende des Primitivslreifens breiter ist als am enlgegengesetzlen
Ende. Bemerkenswerth ist ferner, dass diese Randzone oder Parle- Kand/one des
Primitivstrei-
talzone des Primitivslreifens, wie ich sie lieisse, auch am vor- tens.
deren Ende des Streifens entwickelter ist, als am hinteren Ende, und
hier entwickelt sich dann um die 15. — 20. Brülstunde in ihrer Mitte ein
dichterer Streifen, der wie ein vorderer Anhang des Primitivstreifens
erscheint und der Kopffortsatz desselben heissen soll (Fig. 20, p '') • ^^p^fl^Yth^treu ^
Dieser Fortsalz sannnt dem ihn umgebenden Theile der Randzone stellen f'^"''
die erste Anlage des Kopfes dar.
An diesen Kopffortsalz knüpft nun zunächst die weilere Entwick-
lung an, wie sie die Fig. 21 daislellt. Indem derselbe länger wird, ent-
wickelt er an seiner Oberfläche eine Furche , die im Allgemeinen in der
Verlängerung der Primilivrinne liegt, jedoch häufig etwas asymmelrisch.
26
Kniwicklung der Leibesform.
und zwiir iiiildcr linken Seite derselben steht und von zwei je länger
um so deutlicher vortretenden Wtilsteu l)egrenzt wird. Diese Furche
und Widste sind, wie die weiteren Vorgänge deutlich machen, die
KiukeDfarthe. R ü fk e n f u r c h c und die Rücken w ü I ste (Riv) des Kopfes in ihrer
ersten Anliiiie unti bilden sich schon am Ende des ersten oder am An-
V\a. 20.
■ Vii-- ,.-*a?3i- iX'rö^.-. -■
Fig. 21.
fange des zweiten Hi'ütlages so aus, wie die Fig. 2i zeigt, so dass ihre
Bedeutung klar ersiclillich wii"d. Schon vorher aber hat das vordere
Ende des Kopffoi-tsatzes sanunt dem ihn umgebenden Theile der Parietal-
zone über die Ebene i\er Area pcllncidd sich etwas erhoben (Fig. 21) und
V\\i.. 20. Heller l'i iiciitliol iiiul Knihi\<iniilanla!^c eines lliilinerenil)r\o am Kndc
des ersten Tafies. Verj^r. ITrnal. pr i'rimilivslreil'en, pr' Koplfortsatz desselben, k
seitlicbe Theile der Kitpl'anlafje oder I'arietal/one iles Kopfes.
Kif,'. 21. Arenpclluridd und KndtiNonalanlaiie eines 27 Stunden bebriilelen Kies,
etwa 20nial vergr. Länge des Knibryo 3 tnm, der Arcd polhicida 3,8 mm. /-'; Parielal-
zonc ; .S'(z .Slammzone ; l?w Rücken wülste inil dii Hückenfurche zwischen densel-
ben; liw' hiideres Knde des rechten Rückenwulsles, rechts vom Primitivstreifen ge-
legen; /';• Primiti\ streifen ; Pr' vorderes Knde desselben, etwas nach rechts gebo-
gen ; Ap Area peUHrida; ä Ä^/'seitlielic Keinifalle, dielJreiize desKmbryo bezeichnend ;
v Ä"/" vordere Keimfalle, die (Jrenze des Kopfes bezeichnend; i' vi/' vordere Ausscn-
falte (His).
Erste (jfstaltuiii; des Kinbryo. 27
zugleich sich n;icli imicn iiiid hinh-n uiii!j;eschlagen und begrenzt sich
nun, vom Rücken her belrachlot, (Kirch eine bogenloiiiiigo Linie, die
vordere Keim falte (lA^Aon llis, gegen den Fruchlliof, während von Vordere^Kein
tler Bauchseile her ein schmaler »Umschlagsrand» sichtbar wird.
Unterhalb und vor dieser Kopferhebung ist eine in früheren Stadien
sehr seichte, später etwas tiefer werdende (irube, vor welcher eine
zweite, der vorderen Keimfalte parallel laufende schwache Falte, die
vordere Aussenfalte von His [vAf]^ ihre Lage hat.
Eine Embryonalanlage aus dieser Zeit besteht .somit erstens aus
einem Axe n g e b i I d e , welches hinten vom Primitivslreifen mit der
Priiiiilivriiine und vorn von der Rückenfurche mit den Rückenwülsten
gebildet wird, von denen erstere in der Tiefe die Anlage der Chorda
enthält, und zweitens aus einer das Ganze umgebenden Randzone, welche,
im l'mkreise leyerförmig, im ganzen eine massig dicke Platte bildet und
am Kopfende etwas über die Fläche der Area pellucida erhoben und am
Rande nach unten umgeschlagen ist. Abgesehen von dieser Stelle gehl
die ganze Embryonalanlage mit ihren 3 Blättern ganz unmerklich in die
entsprechenden Lagen des hellen Fruchthofes über. Nachdem der Kopf-
theil der Eu)bryonalanlage eine Länge von 1,3 bis 1,5 mm und die ganze
Anlage eine solche von 3,0 — 3,3 mm erlangt hat, tritt etwas vor der
Mitte des Ganzen die erste Spur des Halses und der späteren Gliederung
des Rumpfes in Gestalt der sogenannten Urwirbel oder Urseg-
mente auf.
Gehen w ir behufs eines besseren Verständnisses von einer Embryo-
nalanlage aus, die diese Gliederung schon deutlich zeigt , wie sie die
Fig. 22 darstellt, so finden wir hier in einer noch immer birnförmigen
Area pellucida die Embryonalanlage in Gestalt einer 3,52 mm langen,
l)is zu t nun breiten bis(piitförmigen Platte, deren Kopfende K schon
stark sich erhoben hat und wie eine sell)stsländige Spitze von 0.3mm
Länge und 0,4 nun Breite vortritt, während die Seiten nur durch eine
seichte Furche von der Ebene des hellen Fruchthofes geschieden sind
und hinten eine schärfere Abgrenzung vollkonuuen fehlt. Die grössere
vordere Hälfte der Erabryonalanlage zerfällt der Breite nach in zwei
Zonen, die ich mit His Stammzone iStz) und Pai'ie t alzone (P^i Stammzone.
Parietalzone.
heissen will. Die erste zeigt am Kopfe vorn in der Mitte die tiefe, 0,085
bis 0.1 14 UHU breite Rückenfurche [R f\, begrenzt von den stark er-
hobenen , etwas hinter dem freien Kopfende einander am meisten ge-
näherten Rückenwülsten [Hic). deren Dicke aus den zwei sie begren-
zenden Linien ersehen werden kann und die am Kopfe bogenförmig in-
einander übergehen. Weiter nach hinten wird die Rückenfurche immer
seichter und breiter, und die Wülste niedriger, bis endlich die letzteren
28
EiitwickUiiis der Leibesform.
etwas vor den l rwirbolii kaiiin mehr merkliche Erhöhungen bilden.
Dann folgt eine Gegend, die erste Anlage des Halses, in welcher die et-
was eingeschnürte Stanin)Züne zu beiden Seiten 2 oder 3 ziemlich gut
abgegrenzte rechteckige Zellenniassen,
urwirbei. „ . , . die ersten U r w i r b e 1 ( Ute] zeigt, und
hinler diesen erscheint in der Mitte
der Stammzone der P r i ni i t i v st r e i -
fen {Pr) mit der Primili vr inne ,
welcher leicht geschlängelt bis zum
hinteren Ende der Embryonalanlage
verläuft und 1,79 mm in der grössten
Längenerstreckung misst. Das vordere
Ende des Primitivstreifens ist hier
nicht mehr scharf begrenzt wie früher,
sondern geht unmerklich in den Boden
der noch hinter den Urwir]>eln vor-
handenen breiten und seichten Rücken-
furche aus. Die den Primitivslreifen
begi'enzende Stannnzone ist in der
Gegend des voi'deren Endes des Strei-
fens am breitesten, verschmälert sich
nach hinten rasch und ist an der hin-
teren Hälfte des Streifens nur noch als
schmaler Saum vorhanden , der an
dem allerletzten Ende desselben un-
deutlich wird.
Die Parietal Zone der Embryonalanlage (Fig. 22,Pz) ist der
Rest der früheren Randzouc dos Primitivstreifens, der nicht in die Bil-
dung der Stammzone aufging. Am vorderen Kopfende schu)al, wird
dieselbe bald breit und zieht dann fast in gleicher Breite und nur in der
Gegend der Urwirbei etwas eingeschnürt, nach hinten . um eist in der
Region [der hinleren Hälfte des Primitivstreifens sich allmälig zu ver-
schmälern. Ganz hinten reicht diese Parietalzone eben so weit, wie das
hier scharf begrenzte Ende des Primitivstreifens und stehen beide nur
um eine geringe Grösse von dem Bande der Area pelUicida ab, während
vorn der Abstand mehr beträgt.
betrachtet man einen solchen l^mbiNo von dfi- iinlcicii oder Haiicli-
Fig. 22.
Fig. 22. Aren pellucida Ap und lüiilirNdiialanliif^e mit 3 -') Irwirljelii eines llüliner-
cml)r>o }im Anraii};e di-s 2. Tajjes '30 Sluiiden,. 20mal vergr. /</■ Uiirkeiiiurche ; I{ w
Ruckenwülslc; A' Kopfanlagc , vortrelendcr Tlieil; Siz Statnmzone; Pz Parietal-
zone; f/«; Urwirbei ; /'»•Primitivstreifen.
Kisic Cifslaltiiiit; des Embryo. 29
seile, so erscheinl der mm i^iinz deiil liehe IJinschlas^srtmd ;mi Kopfende,
der eine Länge von 0,2 nini besitzt. Dieser Rand deekt selion in diesem
Stadinm eine Grube oder kleine Holde, welche nieiits anderes ist als die
erste Anlage des Verde rda iin es, und der noeh weile Eingang Vorderdarm.
in dieselbe ist der sogenannte vordere Dar nie in gang oder die
vordere Uarrnpforte, niehl zu verwechseln mit der später an einem ^"p^f'f^t^*'""'
ganz anderen Orte entstehenden Mundöllnung.
Fragen wir nun , wie der in der Fig. 22 dargestellte Zustand aus
dem in der Fig. 20 gezeichneten sich entwickelt, so ergiebt sich fol-
gendes. Während der Primitivslreifen im Ganzen sieh nicht wesentlich
verkleinert, vergrössert sich im Verlaufe der weiteren Entwicklung der
gesammte Kopftheil der Endiryonalaniage ganz erheblich und erreicht
nach und nach, zusanmien mit dem an ihn sich anschliessenden vorder-
sten Halstheile, der nun auch in die Erscheinung tritt, die Länge eines
Drilttheiles des Ganzen und daridier. Im Zusannnenhange danut l)ildel
sich der vordere Theil der Emitryonalanlage auch in seiner Mitte und an
seinem vorderen Ende immer mehr aus. Hier \\ ird der Umschlagsrand
immer grösser und die vordere Keimfalte schärfer, während das vordere
Ende, das Anfangs sehr breit ist, nach und nach als ein besonderer An-
hang auftritt. Dort gestaltet sich die Rückenfurche immer breiter und
erheben sich allmälig ihre Ränder in der Nähe des fi-eien Kopfendes. Zu-
gleich mit diesen Veränderungen wird am vorderen Theile eine Stamm-
zone und eine Parietalzone deutlich und in ersterer zeigen sich dann die
ersten Spuren der Urwirbel. Das erste, was man von diesen erkennt,
ist eine Lockerung des Zusammenhanges der Elemente in der Querrich-
tung in einer Gegend, die etwa 0,14 mm vor dem Primitivstreifen ge-
legen ist, welche Lockerung bald zu einer die seitlichen Theile der
Stanmizone scheinbar trennenden Spalte führt, die jedoch, wie Längs-
schnitte lehren, nur im mittleren Keimblatte ihre Lage hat. Zu dieser
ersten Spalte der rechten und linken Seite gesellt sich bald eine zweite,
weiter nach hinten gelegene, die ebenfalls um etwa 0,14 — 0,19 nun vom
Primitivstreifen entfernt ist, was beweist, dass während der Bildung
der Urwirbel eine Verschiebung des Primilivstreifens nach hinten statt
hat. Mit der Ausbildung der ersten und zweiten Spalte ist die Anlage
Eines Urwirbels gegeben, der jedoch nicht der vorderste ist, indem bald
vor der ersten SpaUe noch eine solche entsteht. Der so auftretende, dei-
Zeit nach zweite Urwirbel ist der vorderste von allen, indem von nun
an alle neuen Spalten und Urwirbel hinter der zweitersten Spalte und
dem zuerst auftretenden Urwirbel sich bilden. Noch sei bemerkt, dass
die zuerst auftretenden Urwirbel anfangs sehr breit sind und am Rande
ohne scharfe Grenze sich verlieren. Später ziehen sie sich median-
30 Entwicklung der Leibesform.
Willis zusammen, verdicken sich und eisclieinen dann schmäler und
schärfer begrenzt.
Wir liehen nun weiter in der
Betrachtung der Eml)ryonaianiagen
von der Fläche und finden bei einer
solchen aus der 36. Stunde, die je-
doch nur 3 mm Länge besass (Fig.
^^f :iSi||'S^ 23), folgende Verhältnisse: Die
ganze Embryonalanlage ist schmä-
Jl/72 '' - : ^1^ 1er und länger geworden und be-
ruht das Längenwachsthum vor
D - W^'^^^^^^KK^ n Allem auf einer Zunahme des Kopf-
theiles und der zwischen dem er-
\ sten Urwirbel und dem vorderen
Ende des Primitivstreifens gelege-
ß./^ — y ^u neu Theile, während dieser nach
und nach an Länge abnimmt.
"'■-■:: Von den einzelnen Theiien
tritt nun der Koi)f länger und
: schäi'I'er hervor und ist die Rücken-
i f., furche etwas hinter dem vorder-
y J zz
sten Ende desselben durch Ver-
einigung der Ruckenwülste bereits
geschlossen , so jedoch , dass die
Schlussnaht [Mn] noch deutlich er-
kannt wird. Am vordersten Ende
des Kopfes besteht jedoch die
Rückenfurehe noch als eine massig
weite Rinne f/i/') nnd e})enso öff-
net sich dieselbe von der Mille des
% *• Kopfes an wieder und wird bald
so breit wie die Slanuiizone , in
, „., welchem Zustande sie daiui bis in
die Gegend der Urwirbel und noch
weilei- sich erhält, indem sie zugleich immer mehr sich abflacht . Hinten
zwischen den Rnchslabeii .S7 - und Vz gehl die Hiickenfurche sich ver-
Fig 23. Ktiibr yonaliinlaf^e von 3 mm Lanf^e «'iucs 36 .sUmdcii itoljiiiletcn lliihner-
embrNO. Verj:!-. 39rnal. lUichstalion wie in l'ig. 20. Ausscidi-m Mn Naiil des Modul-
larrolircs am Kopfe ; f /.) durcliscliimnn'indcr Haiul der vorderen Darmpforle ; 7?/"
Kückenfurch»', voine offen ; v Af Ans;.'an^sslelle dei' vorderen Amni(mfalle vom Kopfe ;
Vw Urwirbel.
Erste Stadien des Gehirns. 31
schtniilcriid in die l'rimi(i\ limic über und diese zieiil wie IVülier his
zum hintersten Knde lies FiinMli\ Streifens.
Üie L'i\v\ibel sind hei diesem Kinbryo seliiirfer gezeichnet als
früher, vier an der Zahl, mit einem in Bildung begrifl'enen fünften Wir-
bel, doch ist der vorderste nach vorn zu noch nicht scharf abgegrenzt.
Hinter den Urwirbeln zieht sich die Stanunzone his zum Anfange des
Primitivstreifens sich verbreiternd fort, um von da an bald wieder abzu-
nehmen und schliesslich ganz schmal auszulaufen. Die Parietalzone
ist schmäler und in den meisten Gegenden nicht schärfer begrenzt als
früher, mit Ausnahme des Kopfes, wo dem anders ist. Von der Bauch-
seite aus sieht man den Umschlagsrand des vorderen Kopfendes viel
w eiter nach hinten gerückt und so im Kopfe eine schon ansehnliche Höh-
lung als Anlage des Vordei'darnies gebildet, die noch inuner einzig und
allein \on der vorderen Darmpforte her zugängig ist. Der Band . dei-
diese Oettnung begrenzt, setzt sich nach wie vor in das Blastodernui tier
Area pellncida fort, doch zeigt sich jetzt das Neue, dass in der Dicke des
L'mschlages. der den Vorderdarm an der Bauchseite begrenzt, eine Spalte
entstanden ist. so dass der Umschlag des Kopfes nun an zwei Funkten
• in ilie Keimhaut sich fortsetzt. Die vordere Verbindungsslelle sieht man
an der Fig. 23 bei i.l/'und ist dieselbe nichts als die spätere vordere
Amnionfalte. während die hintere von v D oder dem Bande der vorderen
DarmjDforte ausgeht. Die Bedeutung aller dieser Theile kann erst später
näher erörtert werden, doch gebe ich zur vorläufigen Orientirung noch
einen Hinweis auf die Figur 25.
Ich schildere nun noch einen Embryo von 40 — 42 Stunden (Fig.
24, 25) und hebe nur die Verhältnisse hervor, die einen Fortschritt
gegenüber dem Embryo der Fig. 23 beurkunden. Der Embryo besitzt
eine Gesammtlänge von 4,2 mm, von der 1,45 mm auf den Kopf. 0.80 mm
auf die Gegend der Urwirbel und 1.9o mm auf das hintere Leiljesende
kommen, von denen 0,85 mm dem Primitivstreifen angehören. Am Kopfe
ist nun die Rückenfurche ganz geschlossen, mit Ausnahme des allervoi-
dersten Endes, wo diesell)e noch ein wenig offen steht, und ist mit dem
Schlüsse der Furche nun auch das Gehirn angelegt, welches aus deraeinrn.
die Furche zunächst begrenzenden Subslanzlage, der sogenannten Me-
dull-arplalte entsteht. An der Gehirnanlage sind um diese Zeit be-
reits drei Theile zu unterscheiden, welche Vorderhirn (170. M i 1 1 e I- Vonierhim.
' \ / ' Mittelhirn.
hirn [Mh und Hinterhirn {Hh oder 1., 2. und 3. Hirnblase heissen. Hinterhim.
von welchen das Vorderhirn den breitesten Theil darstellt. Im übrigen
ist der Kopf stärker abgeschnürt als früher, der Unischlagsrand an der
Bauchseite länger und somit auch der Vorderdarm besser entwickelt. Zu-
gleich zeigt sich als neues Gebilde in der Spaltungslücke der vorderen
32
KiitwickliHii; der I.cihost'oi'ni.
Wand des VDiderdariucs das llciv, (//) in seiner iialie/Ai priiDilivslen
Form eines geraden Kanals, der nach hinten mit den Aniajj;en zweier
Veiiae ompiiaio- Venen, der Venae omnhalo-inesenler icae iom) verbunden ist und
tiiesniteniae. ' ' '
krcus iwrtat . yQ,.,^ z w e i A 0 r t e u l) o g e u abgiobt.
In (Um- llalsgegend des Embryo erkennt man 7 deutlich abgegrenzte
Urwirbel, und findet sich, auch hier die Rückenfurche bis hinler den 2.
Urwirbel geschlossen und somit das JMedullarrohr auch hier angelegt.
Fit'. a4.
KiK. 2:1.
Fi}^. ±k. F]nil)i\o \oii 4,2 mm l^iingc vom zweilon Hrüllaiie mil der .-Irra peUucidd
und vasrulo.sn von der Hii(;ksoil('. Hlwns ül)t'r 15mal vorfir. Ao (Jcfassliof, durcli die
Atdaiii" der Kandvcnc ho^rc.n/l, im Ünssorcn Tlioilc nicht schaltirt. (I)it' Anlaj^on der
Hiutf;cfiiss(; sind nicht darncslclll.) Ap Area pcIlucida; F/i N'ordcrliirn ; Mit Millcl-
liitii; ///( llinicihirn; omr Siclh! wo das M(^dnilarr<ilir sich ödnct; Hw Hiickcn-
wülste; /</Kückcnfurclie weit offen; t/t/; Urwirlx-i ; /''• l'rimilivstreifcn ; vrf voidcic
Darinpfuitf; otn Venae omphalo-mcsenlcricae (Anlage); ryl/ vordere An)nionfalto.
Fi{4. 2"). Vorderer Thcil desselben Embryo von der Bauchseite. Buchslaben wie
vorliin. Ausserdem // ller/anlaj^'e als g(!rader Scldancli , dessen vorderes ICnde nicht
dcnllicli <.'enn{4 vom durchschimmernden Vonh-rliirn ai)t^esctzt ersclieint, mr Mcdni-
hnrnhi'.
Ouoiscliiullc juiii^or luiiln yjiK'ii. 33
Weiler liickwärls Iritl die Fiirehc wieder iiul' (hei ojnr) , isl jedocii im
Bereiche der Urwirbel oiiu , um erst hinler denselben rnseli sieii zu er-
weitern und dann in der (legcMul (h's vonhMen Endes des l'rimilivslrei-
fens aihniiliij; sieh zu verlieren.
Die Pa r i e l a I z o n e , die im llolzsclniiüe nicht l)esonders bezeichnet
ist, ist am Kopie schmal, etwas breiter in der Geilend der Urwirbel und
am breitesten am hinteren Leibesende.
Die Keimhaut des zuU>tzl geschilderten Eml)ryo zeigt eine schmale
und li ierförmige Area pellucida. Die Area vasculosa hat in der
Breite 4,5 mm und in der Länge 6 nun und lässt, obschon noch keine
(Jefässe sichtbar sind, die Anlage der Randvene deutlich erkennen.
Ueber den Gefässhof hinaus reicht noch als breiler Rand der nicht
dargeslellle Dotter ho f mit kreisrunder Begrenzung, an dem der innere
Theil (binkler erscheint als der äussere.
§ 7.
Verhalten früher Embryonalanlagen auf öuerschnitten.
Nach Schilderung der Art und Weise, wie die ersten Embryonal-
anlagen im Flächenbilde auftreten, ist es nun an der Zeit, auch einen
Blick auf den innern Bau derselben zu werfen, wie er aus Querschnitten
sich ergiel)t.
Als Beispiel wähle ich einen älteren Embryo von beiläufig dem Quersoimitte
' i 1 • 1 ^''^" Embryonen
Alter des in der Fig. 24 dargestellten, weil an eniem solchen nicht nur vom 2 Tage.
ältere, sondern auch, am hinteren Leibesende, junge und jüngste Zu-
stände zusammen vorkommen und die Beziehungen derselben zu ein-
ander nicht unschwer sich erkennen lassen.
Beginnen wir mit der Untersuchung von Querschnitten der hinler
den Urwirbeln gelegenen Gegend, da wo die Rückenfurche noch weit
ist, so finden wir folgende Verhältnisse (Fig. 26). Die Embryonalanlage
besteht aus drei gut gelrennlen Lagen, von denen die innere, das Darm-
drüsenblatt (Remak) oder das Entoderma ((/rf), keinerlei Eigenthümlich-
kciten darbietet, ausser dass sie überall von gleicher massiger Dicke
ist, während im Mesoderma oder mittleren Keimblalte in der Mitte als
besonderes Organ die Chorda [ch] erscheint und das äussere Keimblatt
oder das Ectotlerma die tiefe Rückenfurche [rf] zeigt.
Genauer bezeichnet zerfällt das Ectoderma in zwei Theile. Der
dickere mediale Theil ist die M edu 1 1 arpl at te von Remak, die, 37 bis Meduiiar,,h.tte.
43 [X dick, eine 0,15 nun tiefe und bis zu 0,19 mm breite Furche, die
Uückenfurche [rf], auskleidet, welche durch stark vorlretende Wülste,
K ii 1 1 i V e r , Grundriss. 3
34
F,nt\vii"kliin5 il«'i" I-t^bosform.
Küokenwuist^. ,lii> R ü i« k (> u Nv ü I s l 0 oilor M 6 (1 u 1 1 ü V w ü I s 1 0 (/• w) hcgrenzt wird.
An diesen geht die Medullarplalte scharf sich umbiegend in einen dünnen
Hornbhitt.Theil des Rclodcrma . das sogenannte Hornblatt {h) von Remak über,
d;is erst der Medullai-platle genau anliegt, l)ald jedoch von derselben
sich alth(>bl und düiuier wenhMid als BekleiiUmg des Mesodernia weiter
läull.
Dem Baue nach bestellen die iMeduilarpialle und die dickeren Theile
des Hornblattes aus zwei l)is drei Lagen senkrecht stehender schmälerer
Zellen, die dünneren Theile aus nur Einer Zellenschicht, welche l)aid
die Natur eines gewöhnlichen Pflasterepitheliums annimmt.
chovda dm-Huiis. Hu Mcsodemia lenkt die Chorda dorsalis oder Rücken-
sa ile [ch] das Hauptaugenmerk auf sich, ein beiläufig kreisrunder,
unterhalb der Mitte der Medullarplatte gelegener Kör})er von 97 \i Breite
und 81 jx Dicke, an dem starke Yergrössei-ungen eine Zusanmiensetzung
ans runden kernhaltigen Zellen, aber keinebesondere Umhüllungsmem-
bran nachweisen. Scharf geschieden von diesem Strange, der als Vor-
läufer der Wirbelkörpersäule aufzufassen ist, sind die seitlichen Theile
des Mesodernia , deren dickere medialen Theile [u w] im Bereiche der
iiwiri.pipi^itpn.Slammzone der Embrynnalanlage mit Bemak die llrwirbelpla tlen
heissen. \\clcho sicii dann ohne Grenze in die dünneren Seitentheile [sp]
Seitenpbtton. odci" (Ijc S c i l 0 u ]) I a 1 1 c u (Bemak) fortsetzen, welche soweit reichen als
die Farietalzone der l<"lächenbilder und dann unmiKelbai" in das noch
dünnere .Me.soderma der Aren pellucidu übergehen.
Vom Rande dieses Fruchthofes aus erstreckt sich dann das Meso-
derma jederseits noch beiläufig auf 1,5 nun Breite in die Handtheile des
Blaslodcrnia hinein und begrenzt sich mit einer Verdickung, dei* Anlage
Ki}.'. äfi. Oiicischriilt eines lliilinereniliivo , hpz. No. XL, von der 2. Ilälflo des
2. Tages aus i\('v (ie},'end liinler den t r\viil»eln , wo die lUiekonfurelie weit ofTen ist.
Verf^r. 83inid. j/" Hiirkenfiirclie , von dei' Mednllnrplalle iius;:ekleidet ; ?• »' Küeken-
wülslc ; /( lloiidilidt , seilliclier Tlieil des l']((o(lcini;i ; c h Cliordii ; « ?/- l'rwirliel-
plaüen fRP.MAK^ ; .^/< Seilrnphilleii IllMVK '; r/^/ |);ii liiiliii>riil)l:ill 'l'jil (ideriliaj .
Quersclinilfo jnnizor HmluvoiuMi. 35
der R .111(1 volle des späteren ersten Gefasssyslems. Das ganze Mesoderma
besieht aus rundllclion Zellen und /eiiit die ersten Andeutungen der
(lefasshildung , von denen später im Zusammenhange gehandelt wer-
den soll.
Das Ento derma (dd) endlich besteht in der Gegend der Embryo- Entoderma.
nalanlage aus eiiKM" einfachen Schicht ])latler Pflasler/ellen. Gegen den
Rand derylrm pellucida zu werden diese Zellen allmälig höherund mehi*
cylindriscli und gehen in i\ov Area vasculom in grosse, z. Th. mehr-
schichtige, z. Th. einscln'chtige Elemente ül)er. die im (iefässhofe eine
Lage von 5i — fii ij, Dicke und im Dollerhol'e anfangs eine solche von
108 — 130 [X Mächtigkeit, den von mir so genannten Keimwulsl, bilden, KeimwuNt.
Im Dotlerliofe verschmächtigt sich dann übrigens das Entoderma und
läuft schliesslich mit dem Ectoderma zusammen ganz dünn aus.
Wir wenden uns nun zu einer vorderen Gegend , die immernoch
hinler den Urwirbeln, aber dicht an denselben liegt (Fig. 27). Hier fin-
den wir die beiden äusseren Keimblätter in wesentlich anderen Zuständen.
dd
VW. 27.
Im äusseren Keimblatte ist die Rückenfurche tiefer und der Eingang zu
derselben spaltenfürmig geworden , indem die Rüekenwülste einander
sich genähert haben. So ist nun die Medullarplatte aus der Gestalt einer
Ilalbrinne nahezu in die eines Rohres übergegangen, und erkennt man
deutlich In demselben die Anlage des Medullarrohres. bn Mesoderma
ist die Chorda dünner als früher und etwas abgeplattet , die Urwirbel-
platten dagegen dicker und auch in der Form anders gestaltet. Als No-
vum tritt nun ein Gefässlumen an der Grenze zwischen Urvvirbel-
platten und Seitenplatten unmittelbar am Entoderma auf, welches nichts
anderes Ist, als die Aorta descendens ^ und andere Gefässschnitte können Aoru.
auch noch weiter nach aussen in den tiefsten Theilen des Mesoderma
Fig. 27. Querschnilt von demsolhon IIiihiioreml)ryo, No. XI, wie Fig. 26, etwas
weiter vorn. Vergr. 83mal. Buchslahon dieselboii. Ausserdem ao Aorta descendens;
uwp Urwirbelplatte ; p Spalti» in den Seilenpiatlen. erste Anctentiing der l^ieiiro-peri-
toneallutlile.
3»
36
Enlwicklant; dov Loibosforiu.
sk'hlbar sein. Ausscrdcin vcrduMil Uoaclituni; eine tliinno Spalte in den
Peritoneal- Seilenplallen (ü) , die Porilon ea I s |)a 1 1 e , welche als die erste An-
spalte.
(leuUniij; der ijrossen visceralen Leihesliiihle anzuseilen ist.
Aus der Geiiend der Urwirbel, zwei Sclinille weiter vorn als Fii;. 27
ist Fig. 28, die die mittleren Theile des Blastoderma darstellt. Dieselbe
MeiTuiiarn.iir. zoiiit (las M c (1 II 1 1 a r F 0 h r ganz geschlossen und vom Ilornblatte abge-
schnürt, so jedoch , dass in beltlen Blättern die Schlussnaht noch zu ei-
kennen ist. Ferner sind nun die Urwirbel deutlich als grosse rundlich
\iereckige Massen [uiv) zu erkennen, wenn auch von den Seitenplatten
mr
^S 7i
uw
I
f!^'^-
da
Fig. 28.
[sp] nicht vollkoiiiMien abgeschnürt. Da wo die Seitenplalten an die Ur-
wirbel angrenzen, erhebt sich wai'zenförmig eine Zellenmasse ('/» <y) der
irnierengang. Seitenplalle, die; nichts anderes ist als die erste Anlage des Urnieren-
ganges.
Weiler nach vorn zeigen nur noch zuei Sclinille den l'rniei'cjigang,
woi'aul' derselbe dann in der (iegend der vordeislen Urwirbel l'ehll. Die
ilbiigen N'eiiindeiuiiiien in der Urw iibelgegend zeig! die l'ig. 29, welche
l'i^. ?S. QiiiTsiliiiill des !liiliin'rcinlir)( o No. X I , von dem liii* l'ii-'L:. 20 und 27
slamnicn, »ii.s der (irgend dci liw irltcl. /iHOiii.-il \('i;.'i'. niichsljdicii wh- Itci lit;. 27.
Ausscnleni tnr .Mcdtilliiirdln', iiii dem lux-Ji di(> .'^cliiMsstKdd siclilli.ir ist; n n <j \}r-
nicrcngarif! in ilcr Ahscluiiining l)<'f.'rin'('ii.
yuersclmillc juiiyci' Eiulti\uiicii. 37
der Gegend des 3. Ui"\vlrl)els cnliioninien isl, und lassen sich dieselben
kurz dahin bezeichnen, dass die Aorten nüiier zusammenrücken, Ur-
\\ ii'bel , Mark und Ciiorda dicker werden und an der Bauchseite eine
seichte Rinne, die Darm ri nne entsteht. Sehr auffallend ist auch das Uarmrinne.
Verhalten der SeilenplaHen, welche nun deutlich eine Spalte zeigen und
in eine obere Lage, die llautplatte (Rkm.vk), und eine unlere Schicht, iinutpiatte.
die Darnifase rpl atte (Remak) , gespalten sind. Diese letztere Piaitc Darmfaser-
ist an diesen Schnitten aus der Gegend der vordersten Urwirl)el auf-
fallend dick und wie aus cylindrischcn Zellen gej^iidet.
platte.
f>n
./. \
t/Jp (I II eil i
FJü. 29.
Die Gegend vor den Urwirl)eln zeigt bei Embryonen dieses vVlters
in langer Ausdehnung den Vorderdarm angelegt und an seiner vorderen
Wand anliegend das Herz. Als Beispiel w ählc ich eine Gegend , in der
das Herz sichtbar ist, und gebe einfach eine Beschreibung des Quer-
schnittes (Fig. 30) , ohne auf die Geschichte der Entstehung des Her-
zens einzugehen, die weiter unten im Zusammenhange geschildert wer-
den soll.
Der Schnitt zeigt im Leibe des Embryo sell)st in der Mitte die
Chorda dorsalis und das McduUarrohr (m) , d. h. die 3. Hirnblase. Die
grosse quere Spalte vor diesen Theilen' (/;/?) ist die Höhle des Vorder- vorderdann.
dar ms, dessen Epithel an gewissen Stellen auffallend dick, an anderen
w iederum sehr dünn ist. Mit seinen seitlichen Theilen ist der Vorder-
darm stark nach hinten gebogen und hier umfasst er die zwischen ihm
und dem Medullarrohre gelegenen ylor/rtc descendentes («). Eine dritte
Fig. 29. Querschnitt des Hühnerembryo No. XI der Figg. 26, 27 inid 28 aus der
Gegend des 3. Urwirbels. Yergr. 106mal. Buciislaben wie in Fig. 28. Ausserdem m
Medullarrohr; hp llautplatte (Remak) ; dfp Darmfaserplatte (Remak) , welche beide
zusammen aus der früheren Seitenplatte sich entwickelten. Die Spalte dazwischen
ist die Plcuro-peritonealhöhle.
38
lüilwiikliiiiu (ii'i' Lcihcsl'oini.
Biegunjj; ahwail.s /,«Mi;t derselbe an der voi'dei'eii Wand in die Mille, da
wo aussen tias Herz ansil/l. Alle Zellenniassen, die das Medullarrolir,
die Aorten unil die Chorda umgeben, geiiören dem Mesoderma an und
U
Urwirlielphil.i
des Kopfes.
Unteres IWr/,
gekröse.
Fig. 30,
repräsentiren die Slammzone desselben, die am Rumpfe die Urwirbel
1 darslelU, weshalb man die enlsprcchcnden Tlieile am Kopfe Urw irbel-
plaltcn desKopfes nennen kann (Remak). Am Rande des Darmes gehen
diese Platten unmittelbar einmal in die llautplatte (/?p) und zweitens in
dieDarmfaserplalte über. Letztere, deren Bezeichnung vergessen wurde,
selzl sich wieder fort in die äussere W'and des llerzschlauches (äjs/;) und
diese bildet an der unleren Seile des Herzens in der Millellinic das
- unlere Uerzgekröse [itlig], welches das Herz mit einer dünnen
Haut verbindet, die von vorn die grosse Höhle hh) schliessl, die das
Hüihhuiiip. II<M-z enthüll, die man llalshülile nennen kann. Diese Wand oder die
vordere lialswand besteht aus einer Fürts(>l/.ung tier Darmfaserplatte,
d. h. der äusscTon Ibirzwand, dfj/ und dem unter dieser gelegenen in-
neren Keiiiibjallo [Eni;, im Herzen ist die innere Herzhaul [ihh] oder
das iMidothcl sichtbar, das um diese Zeit noch einen doppelten 8chlaiu-h
nul einem Scptum (6) bildet. Die seitlichen Theile des Holzschnittes,
wo der Buchstabe (j ist, gehören dem innersten Theile der Area opaca an.
Kig. 30. Oiiorscliiiilt (Inrcli die llcrzjzcgcMKl eines lliiliiiereiDhiNo \üii 1 Tage imd
l.'i SluiKlen, uiigeliilir noii (lernscll)eii Aller wie der, dem die Sclinille iG, 27, 28 und
•29 eiitnornnien wurden. \ üigr. Gl mal. utMedulUi ohluni/ula ; /i lldrnblall ; /i' ver-
dicklei Tlieil des lloiiiblalles in der (jegend , wo s|iiilcr die (Jeliörgruben cntslelicn ,
« Aorla desrendens ; ph lMiar>n\ (Vorderdarm) ; hi> llaulplalte ; h::p lierzplallc (äus-
sere llcrxwandj; ulig unteres Uerzgekröse , iiliergeliend in il/')i' die l)armfaseri)laUe,
die mil dem Knlodcrma den vorderen Tlieil der Wand der llalsholde hh bildet, ihh
innere llcr/baul mil (Kndotbelialiobr) ; (j (iel'usse der innersten Tlieile der Area
opata.
'Jiiersciliiilli' juii;^ei' Kiiiljrsoiicii.
'M)
Endlich beschreibe ich riocli einen slaiker vergrösserlcn Querschnitt
(buch den Kopf des MidmereiidtrNu^ \on (k'ni die meisten der in diesem
§ |:e|^ebenen Al^bildungen sliimmen. Derselbe (Fig. 31) zeigt als inter-
enf
l'\-A. 31,
essantesle Kiiäenlhiimlichkeit bei m die Munill)uelit vom Eetoderma Mundbiuht.
oder Hornblatlc i)elvleidet, welches hier an das Enlodernja (en/j des
Pharynx pli] angrenzt. An dieser Stelle tritt später ein Durchbrueh
auf, nachdem die Muudbucht sich noch mehr vertieft hat, wodurch der
Darm eine vordere Ausmünduug erhält, während aus der Mundbucht
die primitive Mundhöhle hervorgeht. Ausserdem zeigt der Schnitt in der
vorderen Schlundwand die aufsteigenden Aorten (a) und hinter dem
Pharynx die absteigenden Theile dieser Gefässe (a'j und vom Gehirn
die 2. llirnblasc oder das Miltelhirn.
Nach Verfolgung der Schnitte dieses Embryo nach dem Kopfe zu
und nach Würdigung der hier allmälig auftretenden Diflerenzirungen
wollen wir nun auch die einfacheren, am hinteren Leibesende stattfin-
denden Verhältnisse in's Auge fassen und zwar an der Hand der Figg.
32 und 33, die alle demselben End^ryo angehören, dessen vordere Quer-
schnitte eben beschrieben wurden.
Fig. 31. Querschnitt durch den Kopf des llühnerembryo No. XF, 101 mal vergr.
H Gehirn (2. Blase) ; ch Chorda ; a Aorla ascendens; a Aorta descendens ; ph Schlund ;
m Mundbuchl ; ect Eetoderma; ent, Enloderma; mes Mesodeima oder Kopfplaltin.
40
lüilw itkluim (loi- lA'ihosloiin.
Diose Soric liissl roliioiidc N'oihiillnisse erkoiiiu'ii. Zuerst vor-
schniilzl in einer Geilend, in iltM" die Rüekenfurche noch sehr deutlich
ist, die .MedulInrpliiHe und die Clhorda mit einander, docii sind die-
selben anliinulieh nueh \on den Urwirhelplalten getrennt. Dann ^^ird
rw rf
Fic. 32.
Fig. 33.
die HUfkcnfui-che schtniiler. die Medullarplatte und Chorda versehwin-
den als deutlich unterscheidbare Hilduni^en und ijehen seillieh ohne
Grenze in das mittlere Keimblatt ii])er, doch ist bemerkenswerth, dass an
den Rückenwiilsten das IJornblall bis an den Einizani^ der Furche deutlich
ist •Fig. 32]. F^ndlich tritt (Fig. S'-i] eine ächte Axenplattc oder ein Pri-
milivstreifen auf. Die Primilivrinne [pr] ist die Fortsetzung der Rüeken-
furche (Fig. 32 rf) und die I'rimitivfallen ipf) d'w der RückenwUlste
Fig. 32 rir) , und sind beide diese Rildungen anlanglich noch besser
ausgeprägt als später Fig. 33), wo ihre VerhiMlnisse ganz an die primi-
li\en jiingslcii Ijiibi'xoiuilaMlagcii erinnern, inii" dass das Mesoderma
dicker ist.
Vi'/,. M. QiifistliniU (l(!> liiiilcivii l.ciljcscmlc.s des l'liiibrM» iNo. \l. 83tnal vcr^^r.
Kiirki-nfiiiclK; ciif^cr. Mciliilliiipliillc , (ilionla und inilllcrcs Koiinhliid iiiclit f^cson-
dcii. /) llornlflnlt ; «/y» Mcdulliitplidtc ; //Hiitki-iiriirclKr; rio Hiicki'iiw iilsic ; d il
|)iirmdruscnl)liiU ; m/r iiiitllcrcs Kcitnhhdt.
Fi{.'. 33. QuoiNcliniU des Krnbryo der Figf^. 32 und 3) iiiis der Gebend des l'rinii-
li\slreifens. Ver(;r. S3fit;d. /i liornhlfdl ; w/i' millleics Kciml)lnll; rfrf Dfirmdrüsen-
blall; pr Primilivrinne ; ;;/" PriniiliNfiilli'n ; n Axeiiphill«' oder i'riniilivslreifcn.
l'liiclieiiliiliior mjii lluliiu-icnibrNdneii.
41
Weitere Umbildungen des Hühnerembryo bis zum Auftröten der
Leibeskrümmungen.
Wir \orli(vss(Mi den llühnerembryo .-iiif der durch die Fig. 24 S. 32
\\i(Mh^r|4(>ij;el)eiien Stufe und gehen nun zur Besprechung der weiteren
Stadien ül)er, incU^niw Ir
die Fig. 3i als Grund-
hige nehmen.
Werfen wir zuerst
einen Blick auf den Em-
bryo als Ganzes, so er-
giel)t sich , dass der-
selbe, während er lang-
sam an Grösse zunimmt,
vor Allem eine Ver-
längerung der mittleren
Zone njit denUrwirbeln
erfahi't, mit der eine
V'^erkürzung dos hinte-
ren Leibesendes und
des Primitivslreifens
Hand in Hand geht , so
dass bei einem Embryo
mit 13 Urwirbeln (Fig.
34 ) nur noch eine
schwache Andeutung
des Primitivstreifens
vorhanden ist. Am
Kopfe tritt ebenfalls
eine Verlängerung ein,
doch macht sich dieselbe weniger bemerklich, weil dieser Theil bald
nach der Bauchseite sich zu krümmen beginnt und somit in der Ansicht
von oben nicht in seiner vollen Länge zu Tage tritt.
Fis. 34.
Fig. 3/1. Embryo des Huhnes vom Ende des 2. Tages von 4,27 mm Länge mit
beiden F"ruchtliöfen , deren Gel'üssanlagen niciit dargestellt sind, etwas überlömal
vergr. Ao Area vasrulosa ; Ap Aren pelluvida ; F/i Vordeiiiirn; .W/i Miftelliirn; Hh
Hinterhirn; .16 Augeiiblasen ; //Herz; 0 m Vena omphato-mesenterica ; twLrwir-
bcl ; -)/)• -Meduiiarrohr ; S^;; Stammzone; /':: Paricfalzone; .-1 «; Axenwulst.
42
ImiIw iikluim der l.oilH'^l'oiin.
(ilficli/.ciliii iiiil (liost'M Vcr.iiKlciHinjAcii licld sich dei" i;;uizr Kinhryo
schäl iVr von der Area pclhtcidit ;il), l)0L5ri'iizl sich doiilllchci" in seiiuM"
Sliunni/onc und Fariclal/ono und wird nicht nur rolaliv, sundorn seihst
absolut schmäler.
Kiiizelheilen anlangend, so fallen in der lUickenansichl besonders
die Veränderiuif;en am Med u 1 lar roh re abd". Während wir dasselbe
im früheren Stadium (Fig. 24) selbst vorn noch nicht ganz zu und hinten
Fig. 35.
V\<i 3ü. Iwiiljivd \(iiH i;mlc des ä. Ta^cs mit 17 I i wirix'lii , i\ri- Area pelliiridu
und der Area vasculosa mit der Kandvone, etwa G'/^'nal vergr. i^tinge des limbiyo
:'y,c>\miu, Üurcliniesser der .Irea tascM/osa y,5miii. Die Gofässc waren überall gut
entwickelt, sind jedoch nur in der Area pellucida daryeslelll. vAf vürdere Ainnion-
fidli-, (li-ii Kopf S(;li()n etwas bedeckend Kopfsclieide, ; Ap Area pellucida; Sp Spal-
lung^lürk«; im millleren Keindjhitle, die z. Tli. lialshölile ist und das Herz enlliall,
z. rii. .'^|»alle zwischen der Anuiionfalle und der Wand des spiilercn Doltersackes ;
Ao Arieritte Dinpltalo-inescnlericue ; u Uhrgriibchen ; (u wirbeiiilinliciie Masse dicht
hinter demselben ; li Merz ; h A f liintcre Amnionl'altc ; v li Anlage der vorderen Bauch-
wand am hinteren Leibesetide oder hiiderer tinschlagsrand ; ii' lindwulst der Axcn-
gebilde, in dem noch das .Medullarruhr z. Th. sichtbar isl.
I'liiflioiihildrr soii lluliiiri ciiihrNdiicii. i;^
vom 3. Ui'\viil»ol an iiocli ollen im Ziist.inde cinor immer mein- sich vcr-
hrcileriidiMi Hiiinc vci-licssiMi, so liiulcii \\ii- iiim. dass dieses Organ vorn
l)ald i^aiiz verwuchst und auch am hinleieii Ende langsam sich schliosst.
Im ZusammeiihaDge liiermit voi'liert auch die Slammzone am hin-
teren Knde ihio hmzellfönnige Gestalt und schwindet endlich der Prl-
milivslreifen ganz.
Am vorderen 'l'heile des Medullarrohres oder dem V o rd (m* li i r n e Vorderhim.
li-elen in dieser Zeit als wichtigste Veränderung zwei Auswüchse an der
unlei-en Seite des Vortlerhlrnes auf (Fig. 34 .16) , welche nichts an(hM"es
sind als die ersten Anlagen des nervösen Apparates der Augen oder die
sogenannten primitiven A ug e n 1) 1 a s c n. PrimitiveAugen-
^ ' ^ . blasen.
Am Schlüsse dieser Periode erscheinen auch nei End)ryonen mit
15 — 17 Urwirbeln neben dem llinterhirne die ersten Spuren der Gehör-
organe in Gestalt von Eiidjuchtungen des Hornblattes, die prini iti v en Primitive Gehor-
^ "-J •■ giubeu.
Gehör gruben (Fig. 35 o).
Im mittleren Theile der Embryonalanlagen vermehren sich die Ur- urwirbei.
wi rbe I langsam, indem die Urw irl)el pla tte n , die jetzt sehr deutlich
nei)en dem Medullarrohre zur Erscheinung kommen (Fig. 34 bei Stz),
von vorn nach hinten sich gliedern.
Hinter den Urwirbeln zeigt sich in der Mille das n)ehr wenigei- ge-
schlossene Medullarrolir, zu beiden Seiten desselben im Bereiche der
SUunmzone die Urwirbelplalten und nacii aussen an diesen die immer
schärfer sich begrenzende Parielalzone (Fig. 34 Ps.]. Eigenlhümlich ist
bei älteren End^ryonen mit nahezu oder ganz geschlossenem Medullar-
rohre das hinterste Ende der Stanunzone, indem hier das Medullarrohr
allmälig kolbig sich verdickt und dann mit der Chorda und den Urwirbel-
plalten in Eine solide Masse, den Endwulst oder Axenwulst verschmilzt
(Fig. 34 aw, Fig. 35), welcher dann, wie wir oben 'schon sahen, in den
letzten Rest des Primitivstreifens sich fortsetzt.
Die Bauchseite von Embryonen, wie die Figg. 34 und 35 sie dar-
stellen, enthält im Bereiche des Kopfes einen Theil des Darmes, der in)
engeren Sinne Vorderdarm heisscn kann, und zeichnet sich vor Allen vurdei dann,
dadurch aus, dass sie an der ventralen Seite der Darmwand eine grosse,
idter den Bereich des Embryo hinausgehende Höhle enthält, die die
II al shühle heisst und das Herz umschliesst (Fig. 30), dessen erste Ent-Haishohie.
Wicklung im Folgenden des iXäheren zu })esprechen ist.
Ich beginne mit der Schilderung der Art und Weise, wie der hin-
lei-e Theil des Kopfes seine seitlichen Wandungen und die vordere (vcn-
irale) Wand erhält, und verweise zu dem Ende vor Allem auf die Fig. 37.
Während ganz vorn am Kopfe die genannten Wandungen einfach durch
einen Umschlag aller drei Keimblätter des vordersten Theils der
14
EntwickluiiL; iler Leibesform.
Kml)ryonalimlai;o oiiUU'lioii ^V'vj.. 30) , entwickeln sicli dieselben nielir
iiaeh liinlen. da wo später das Herz seine Lage hat, ganz in dersell)en
Weise wie am lUmipfe dadureii , duss die Parielalzone der Kopfanlagc
von den Seilen nach der 3Iillellinic der
Bauchfläche sich unil)iegl. Hierbei spal-
tet sich, wie die Fig. 37 lehrt, das mitt-
lere Keimblatt der Parietalzone oder die
Seileni)lallon des Koi)i'es in zwei Blätter,
eine Hautplatle hp und eine Darmfaser-
|)latle (//'/>, von denen die erstere mit
dem Hornblatte (/<), die letztere mit
Entoderma [e') sich vereint, und tritt
zwisciien diesen Blättern jederseits eine
Höhlung auf (;)/>) , die Leibeshöhle des
Kopfes oder die Halshöhlc (Parietalhöhle,
l-jg. 36. His) , in welcher später das Herz seine
Lage hat und die mit der Pleuro-peri-
lonealhöhle am Rumpfe zusannnenhängt. Das erste Stadium dieser Vor-
gänge zeigt die Fig. 37, in welcher die ventrale Wand des Vorderdarms,
l-ii.'. 37.
l-iy. 3G. Kopf (-'iiics lüilmrrciiibrv) mit -2 1 iwiilteln \(m *Wv Kimtliseilc sUirkcr
vcrgrösscrl. u Lnischlagsraiui der vonleren Kiwleii des Kopfes; vd vordere Darm-
pfr»rlc; m Modidlarrolir in Bildung bcgrilfen.
Kifj. 37. Quersclinitl diiteli den Idnleren Thcil des Kopfes eines Hülinercmbryo
vom 2. Tage ( Osmiiinipriipaiat bez. F. 'Jj vert;r. H3mal. um Naht des Moduiiiir-
rohrcs; u«; lIrNNiibcl|)l:iU(Mi des Kopfes (Koi)f|)laUen, , dazwisciien die Ciiorda , /)'
verdicktes lloinbialt da, wo spater die (Jelioigiuben cidsteiicn ; h liornblaU in der
l'arictalzone des Kiohrso ; c Knlndeinia an der iiinleren Schhindwand ; c' dickeres
Enlodcrma, das .splilcr zum Kpillnl der soidcren Scidundwand wird; dfpDuvm-
fascrplaUe der in Hildiing be^ri(Tenen uideren .Scidundwand oder Schlundplalle; dfp'
Üarmfaserpialle der spiih-ren Vorderwand der i'leuro-periloncalhöblc (Halshohle).
Enlslphuns dos Herzens.
45
bestehend aus der Dai-mrascMplatle [dfp] und dem Enlodermu (e'), im
Versclduss l)egrifren ist, während die Leiheswände {hp,h) einfach al)-
wärts geneigt sind , aber nocli keine Neigung zum Verwachsen zeigen
und zugh'ich (hirch eine grosse Spahungslüeke pp von der ventralen
Schlundwand geschieden sind. Während der Dai-m zum Verschlusse
kommt, und nachdem dies geschehen ist, trilt auch schon die erste Spur
des lI(M"zens in (leslall zweiei* der Länge nach verlaufender S|)altungs-
lilcken seitwiirls von den Buchslaben e' der Fig. 37 auf, die zwischen
den Daruifaserplallen des Voivierdarmes und dem l'Jiloderma dieser (He-
gend oder dem Darmepitiiel entstehen , in welchen auch gleiciizeitig mit
ihrem Auftreten eine zarte Zellenauskleidung, das spätere Endothel des
Herzens, sichtbar wird. Diese zwei Lücken mit ihren Endothelschläuchen
sind anfangs ganz gesonderl (ich verweise hier auf die weiter unten bei
den Säugelhieren gegebenen Altbildungen von der Entwicklung des
Kaninchenherzens), in weiterer Entwicklung rücken jedoch die zwei
llerzanlagen einander entgegen (Fig. 38) und \erschmelzen schliesslich
Fig. 38.
mit einander, und zwar gilt dies sowohl von der endothelialen Ansklel-
dung der Herzanlage, als von den diese umgebenden Theilen der Darm-
faserplalten. So entsteht dann ein Zustand, wie ihn die Fig. 39 dar-
stellt, der leicht auf den früheren zurückgeführt werden kann. Das Herz
Fig. 38. Queischniü durch die Herzgegend eines Mülincrembryo von 36 Stunden.
Vergr. lOOnial. Buchstaben wie bei Figur 37, ausserdem ni Medulla oblongnta ; ph
Pharynx; h::p Da rmfaser platte der Herzanlage (äussere Herzhaut, Herzplatle) ; ulii/
Undnegungsstelle deiselhen in dfp' die Harmfaserplatte der Halshcihienwand oder
Anlage des unteren Herzgekröses; Eni Eutodernia der Vorderwand der Halshöhle
///(,- Hill Endothelschlauche der zwei Herzanlagen (Anlage der späteren inneren Herz-
haut).
4Ö
Fiilw ickliiim (Icf I.cihosfdiin.
hiltlol jolzl cinon im Quorsdinido nnniilioind krt'isloruiiiien St'hliiucli,
an dessen iiiisserer . von der Darmrasei'phiüe des Vorderdarmes oder
Schlundes (der Seliliin(l|)lalle. Re.mak) ahstaninienden Wand, die die
iifrzpiattp. äussere IIerz\vand odoi- die Herzplatte {hzp) heissen kann , die
Bildung aus zwei Hälften noch deutlich erkennl)ar ist, während das im
innereHprziiaut. Innern Ijefindliche Kndotheli'ohr oder die innere 11 erzhaut (/////) diese
ZusammensetzunG; noch viel bestimmter durch ein in der Mitte befind-
sryttim cordis. üclies .S ß/) / ?< iw [s) anzeigt. An der Ventralseite hängt das llerz durch
Unteres Hprz- das Sogenannte u n l e T e II c r z g 0 k r ö s e [uh g] mit der Darmfaserplatte
^*^ '"^ ' der ventralen Wand der Parietalhöhle zusammen, welches Gekröse ur-
sprünglich aus zwei Lamellen l)esteht, und zugleich erkennt man auch
obprps Herz- scliou den Thcil , der später oberes Ilcrzsekröse genannt wird, in
der ersten Bildung, an den einspringenden Fallen , da wo die Ilerz-
platten und die Schlundplatten sich verbinden. Diese Fallen treten s])ä-
ter einander bis zur Berührung entgegen und verdrängen das Endolhel-
rohr von seiner' Berührung mit d<>m Darmepithcl , wodurch dann auch
das Herz eine grössere Selbstständigkeit gewinnt.
Verfolgt man das llerz. nachdem seine l)eiden llälflen in Eine sich
\ci-('iiiigt haben, nach vom und nach hinten, so findet man, dass das-
scIIk' an beiden Seilen in zwei Caiiälc auslüiift. (Ii(^ dieselben Beziehnnizen
\\\i. .^?<. QiiorsflinitI (liirrli die \\oY7.iii"j.('\u\ oiiics lliihiifMoiiiliryo von ^ Tült
und IS Stunden, tinjjcfiilir von dcniselljen Allor, wie dor, dem die Fipf?. 26 — 29 onl-
niitninen wurden. Verf/r. Olninl. Buclisl;il»en wie in l-'if^. 38. Ausserdem /(' ver-
dickler Theil des llorrdihilles in der (iefrend , wo spüler die (leliörf^ruben entstellen ;
n Aorln dpxrpndens ; s Sepliim der vers(;liniolzenen Knddllielscldiinf^lie //(// des Hei-
zens; fj (iefü-ise der innersten Tlieiie der Arm (iptiiii.
Enfstoluirm dos Horzens.
47
zum Vorderdarm zeigen wie die zwei llerz.inhiiien. Es sind dies di(^ bei-
den primitiven Aorten oder Aortenbogen und die Venae oniplinlo-mescn-
h'ricae , die das Bhit zum Herzen leiten und von demselben .ibfitbren.
sobald einmal der Kreislauf im (lange ist.
Von den späteren Zuständen des Herzens erwähne ich, dass l)ald
nach seinem Auflrelen das ventrale und dann auch das dorsale Ilerz-
g<'kröse in der ganzen Länge des
Herzens sclnvindet, so dass dieses
mit Ausnahme des Venen- und
Arlei-ienendes frei in seiner Höhle
liegt. Im Zusammenhange mit
diesem Vergehen der beiden Herz-
gekröse wird auch der Hohlraum.
der das Herz umgiebt , welcher
anfänglich doppelt ist, einfach,
steht jedoch nach wie vor hinten
mit ])eiden Pleuro-peritonealhöh-
len In Zusammenhang.
Zum vollen Verständnisse der
Entwicklung des Herzens ist es
unumgänglich nöthig, auch noch
Längsschnitte in'sAuge zu fassen.
In Fig. 40 sieht man, dass die ven-
trale Wand des Vorderdarms vd
— 'rf/', der schon eine bedeuten-
dere Länge liesitzt, aus einem dün-
nen vorderen und einem dicken
hinteren Abschnitte besteht. Er-
sterer ist wesentlich die soge-
nannte R a c h en h a u t , die später
im Zusannnenhange mit der Bil-
dung der Mundöffnung einreisst
und vergeht. Der dicke Al»schnitt
Kiichenliaut.
Fig. 40. Lungsschnitt durch den Kopftheil eines 38 Stunden alten Hüiinerembryo
nel)en der Mittellinie und z. Tii. in derselben. Vergr. 69mal. mr erster t'rwirbel ;
u w' iirwirbelähnliches Segment hinter der Gehörgrube g; nw" urwirbelithnlicher
Kürper vor der Geliürgrube, der von einem Ganglion und zwei Nerven gebildet wird
(G. Gasseri?) ; c/j Chorda; wir Medullarrohr; r d vorderes Ende des Vorderdarmes
(Schlund); rd' vordere Darmpforte, Eingang in den eigentlichen A'orderdarm ; cnl
Entoderma des Vorderdarmes , übergehend in ent' das Entoderma der Kopfkappe
AÄ-, an der liier keine I.nge des mittleren Keimblattes vorhanden ist; ect Ectodernia
48 Eiilwiiklunii <ler Lcibcsform.
cnlliiilt (las jolzl silion ^^ö^lHi!J; gebogene Herz iu einer Spaltungslüeke
ji/i (liT l);n infaserplalU' der Hauchwand des Vorderdannes. An diesem
Organe unterseheidel man das l^ndolheirolii- nnd die \on d(>r Darmfaser-
platle al)slanMnendc Faserwand oder die llerzpialte, welche jedoch in
diesem Stadium nur an der vorderen Seite frei ist, gegen den Darm zu
dagegen mit der Darmfaserphitte des Vordenhu'mes dfp verbunden er-
scheint. Ebenso haftet das Herz am Venenenck^ und vorn, wo die Aorta
l)eginnt, an der Wand des VonkM-darmes. Die Pialle, welche die llals-
Herzkappe. höhle von uulen schliesst, ist die Herzkappe von Remak, welche aus
zwei Schichten ])estehl, einmal aus einer Fortsetzung des Darmepithels
ent und zweitens aus dem beim Verschlusse des Vorderdarmes abge-
schnürten Theile der Darmfaserplatte dfp'. Von diesen beiden Schichten
geht nur das Darmepithel l)el ent' in eine Falte der tieferen Theile des
Hlaslttderma Qber, welche den Kopf theilweise liedeckt und den Namen
Kdpfkappe [kk) erhalten hat, und setzt sich überhaupt das mittlere
Keimblatt am Kopfe, soweit derselbe abgeschnürt ist , nicht in das Bla-
slodeiina fort. Es besteht daher hier auch die Kopfscheide des A m-
nion ra/ nur aus dem Ecloderma.
§9.
Gefässe, Blut.
Gleichzeitig mit dem Herzen entwickeln sich auch die ersten Ge-
fässe, welche den sogenannten Kreislauf ini Fruchlhofe vermitteln.
Am Ende des zweiten Tages tridt man Herz und Gefässe alle ange-
legt, das rothe Hhit gebildet und den Kreislauf in regelmässigem Gange,
so dass nun die Keimhaut ganz entschieden in (ie fässhof und Dotter-
hof zerfällt, zu welchem ersteren auch die Area pcUucida gezählt wer-
den kann, indem dieselbe mit Ausnahme ihres vordersten Theiles auch
Gefässe entwickelt.
Erste (Jefässe im Die ersten Gefässe liegen in (> i n fach er Schicht im Gefä.sshofe und
Frurhtliof.-. . . 1 . XT • .» 1 1 I 1
Stellen ein weitmaschiges Netz weiter Röhren dar, das von den zwei
Arlerinc omphalo -mpsentericae sein Blut erhält und dasselbe durch zwei
Venae omphalo-mesenlericue dorn Herzen wieder zu.sendet. Die Arleriac
omfilidld-mcücntpricde sind starke Seiteiiäste der Aniiac dcsrcndi'nfcs . die
am köpf)- in r/1/ die Mudi-ii' AiiiiiioiifHlli' üIm-ivi'Ix'IkI, ilii' nur ;iu.s doin lloinljlalle
hosl«'lil ; pli l'iiiicliiliiuli'e (Halslmlil«') , <li<' diis Merz fiiOiall ; ha \(tii\riv und liin-
tcre B«'f{n-n/.ung des Bulbus norlac ; /r iii-i/kaniiiuT /wciinal an^esclinitlen ; dfp
Dariiifascrplallo dns Vordfidniincs: '//;/ Darnifasciplallc der vordoron funleren)
Wand der I'ai i<-lallii<ld<-.
Gefässe des Fruchlhofcs. 49
gegenüber den letzten Urvvirheln ;ms dem Rnd)ryo in den Fruchthof
treten (Fig.35ao) und schliesslich in eine Randvene, Vena s. Sinus
terminalis. münden, die, den ganzen Getasslioi innkreisend, dem K(»i)f-
ende des Knd)ryo gegenül)er jederseils demselben sich zubiegt und
entweder nur mit I^'nem Stamme, der Vena vitellina anterior, in die
Unke Vena oinp/itilo-inesenlcrica übergeht oder mit z\v(m geti-ennlen Stäm-
men in die beiden Venen dieses Namens sichergiesst. Die Verästelungen
der Arteriae omphalo-mesentericae sind so, dass dieselben mehr die mitt-
lere und hintere Region (les Gefässhofes einnehmen und liiei- zum Theil
in ein weitmaschiges Netzwerk sich aullösen, z. Th. mit starken Aesten
in die Randvene übergehen. Diese bezieht, abgesehen von diesen Aesten,
hinten und seitlich ül>erall eine Menge Wurzeln aus dem allgemeinen
Gelässnetze desBlastoderma, und ausserdem sind die Randvene und die
Vena vitellina anterior vorn auch unmittelbar durch zahlreiche weite
Anastomosen verbunden , so dass der vordei-e Theil des Gefässhofes
eigentlich nur Venen zeigt.
Durchaus gefässlos ist um diese Zeit einzig und allein eine kleine
Stelle des Gefässhofes unmittelbar unter dem vordersten Kopfende und
vor demselben zwischen den beiden Ve^iae vitellinae anteriores , welche
Stelle der Kopfscheide des Amnion anliegt.
Im Embryo entsendet das nunmehr S förmig gebogene Herz aus
seinem vorderen Ende zwei Aortenbogen, welche, um tlas vordere Ende
des Darmes sich herumbiegend , in zwei Aortae descendentes übergehen,
die zwischen Urwirbel, Seitenplatten und Entoderma verlaufen (Fig. 29)
und im hinteren Ende des Embryo sich verlieren, während sie seitlich
die schon besprochenen Aeste in den Fruchthof abgeben. Später tritt
hinter den genannten Aortenbogen noch ein zweites und dann ein drittes
Paar auf, welche letzteren, vom Anfange oder dem sogenannten Bulbus der
Aorta aus an den Seitenwämlen des Vorderdarmes dahinziehend , in die
Aort(u'. descendentes sich einsenken. Feinere Gefässe Hnden sich zur Zeit
der ersten Ausbildung der tiefässe im Embryo keine , doch treten die-
selben schon sein- früh am Ende des zweiten und am Anfange des dritten
Tages auf.
Die Blutbewesung in diesem ersten Systeme von Gefässen, welches Erste Biutbewe-
O O J gUUg.
Gefässsyslem des Fruchlhofes heisst, geht, da das Herz ein ein-
facher Canal ist, der hinten die Venen aufnimmt und vorn die Arterien
entsendet, natürlich in der allereinfachsten Weise vor sich und zeigt
nur insofern Abänderungen, als das Herz anfangs langsamer (40 — 60mal)
und später schneller (100 — 120mal) pulsirt. Die wichtigste physiologi-
sche Thatsache ist die, dass das Herz schon zu einer Zeit pulsirt, in wel-
cher dasselbe noch keine Spur von Muskelfasern zeigt, sondern in seinen
Kölliker, Grundriss. 4
50 Kiilw icklunt; di'r Li'ibesforin.
l)eulen Latten noch uanz und t;ar aus einfachen Zellen besteht, eines der
schlagendsten und auch seil langem verwertheten Beispiele einer Con-
traclilität von Zellen.
Schon am drillen Tage bilden sich die oben beschriebenen Gefässe
weiter um, und zeichnen sich solche Gefüsshöfe dadurch aus, dass in
ihnen da. wo die Ai'tt. oniphalo-inescnlen'cae sich verästeln, an vielen
Stellen die Gefasse in zwei Schichten übereinander liegen in der Art,
dass die Arterien die liefere, die Venen die oberflächlichere Lage ein-
nehmen. Die Venen bestehen in dieser Zeit 1) aus einer Vena terminalis,
die wie früher den Gefässhof abschliesst, 2) aus Einer oder zwei vor-
deren Doltervenen, Venae viteUmae anteriores , die, wo nur eine
Vene da isl, in die linke Vena omphalo - mesenterica und sonst in beide
dieser Venen einmünden, 3) aus einer hinteren linken Dotter -
vene, V. ritellina posto'io)- , die hinten aus dem Shrus ternünalis ent-
springt und über der linken Arteria umphalo-mesenterica nach vorn vei-
laufend in die linke Vena oinphalo-inesenlerifu übergeht, und 4) aus zwei
Venae ritellinae laterales, die die Slänune der grossen Arterien be-
gleiten. Links fliessl diese Vene mit der V. ritellina posterior zusammen,
während dieselbe rechts mit der V. anterior, oder, wenn diese fehlt, für
sich allein den Stamm dei- V. ornphalo-niesenterica deortra erzeugt.
In Betreff der Lage und des Theiles des Blastoderma , in w elchem
Bildungsstätte Jje ersten (iefässe sich entw ickeln, so eriiiebt sich, dass die erste Keim-
uer ersten he- , . ;
fasse. Stätte der Gefässe einzig und allein die Area vascuiosa und die angren-
zenden Gegenden der seitlichen und hinteren Theile der Area pellucida
sind. Die Scliicht des Keimes ferner, in welcher die Blutcanäle sich
bilden, ist das Mesoderma, und zwar ist es überall die liefere Lage
desselben , welche diese Rolle überninunt, oder die Schicht, welche im
Bereiche des Kmbryo und der Area pellucida die Darmfaserplalte heisst.
Die gefässbildende Lage ist jedoch am Rande der Area i'ascuhsa so
dick, dass es den Anschein hat, als ob hiei- das ganze Mesoderma bei
diesen Vorgängen beiheiligt sei, während weiter einwärts gegen den
Kmbr\o zu die lu'lreffende Schichl immer dünner wird un«l endlich als
Darmfas('r|)!all(' ganz von der oberen Lage sich sontlert. Was endlich die
BiidunK«>tiitt.- crslc li I II I I) i I (hl II l: lielrilll . so liilll diese l'asi ausschliesslich auf die
•J*-B Bluter.
Area ntsciilosa und koiiiml aussei'dem nur noch in beschi'änkleiii Masse
in den hinteren Theilen der Aren pellucida \(tr.
Bau der erxten |)ic |{ildiiiiL: der (iefässe uud dcs Blulcs leitet sieh seholl im lelzteii
Oef&Hse.
\ iertel des eisten hriillages ein, doch werden erst am zueilen Tage die
Gefässe deutlich als Rühren und das U\\\[ mit rolhei' Farbe sichtbar. Die
eben entstandenen Gefässe bilden ein dichtes Netz mit engen Maschen
(Fig. 44) , an welchem kein Unterschied \ it n Slämmen und
Bau <it*r ersten Gefässc.
51
/AP--
A e s t e n s i c li 1 1) a i- i s ( , und erstrecken sich in e i n In c h e r Schidil von
der Randvene aus über die Grenze der Area vasculosa und den gefass-
haltigen Theil dei- Area pellucida bis zu den Anlagen der Ve^Kic und Ar-
ter iae omphalo - mesen-
lericae. Ausgezeichnet /'•>■
ist dieses Netz durch '"'"?: "' '^ ^ '■';
das Vorkommen von
roth gefärbten Stellen
in der ganzen Area
vascitlosa und im hin-
teren Theile der Area
pellucida , welche so-
genannten Blutin-
seln oder Blutpunkte
theils in rundlicher,
theils in länglicher
Form, theils auch ge-
gen den Rand der
Area vasculosa zu, wie
in ästigen , ja selbst
netzförmig verbunde-
nen Strängen auf-
treten. Zu einer ge-
wissen Zeit erscheint
selbst die Anlage der Randvene als ein einziger roth gefärbter Strang,
von dessen Innenrande die erwähnien Netze abgehen. Alle diese ge-
färbten Stellen bestehen aus mehr weniger gefärbten Anhäufungen rund-
licher Zellen, welche theils einseitig an der Wand schon wegsamer Ge-
fasse ansitzen, theils in der Verlängerung von wegsamen Gefässen liegen
und wie die unmittelbaren Fortsetzungen solcher bilden. Die eben weg-
sam gewordenen Gelasse selbst sind dünne weite Röhi-en, deren Wand
aus einer einzigen Lage polygonaler Zellen besteht, die gegen das Ge-
fässlumen zu mehr weniger bauchig vortreten.
Da diese Wand unniittelliar in die endotheliale Auskleidung des
Herzens ül)ergeht und später zur Innenhaut der Gefässe des Dottersacks
wird, so bezeichnen wir die Gefässe des Fruchthofes auch einfach als
Endo t he 1 röhren.
Wie entstehen nun diese Endothelröhren nnd wie das Blut?
Fig 41.
HUitiiiselii fider
ühitpiiiiktH.
Fig. 41. Get'ässanlagen aus deivlre« rasfM/osa eines 4 0 Stunden alten Blaslodei-nia
des Hülnicliens 26mal vergr. vt Venu termiiialis; ps Blulpnnkte.
4 *
52 lüitw ii'klunii der l.eil)esforin.
Entstehung der Was ei'stens die Eiulolhelröhren des Gefiisshofes anlangt, so legen
tiefässe und des
Blutes. sicil dieselben als solitle Z el 1 en s t rän g e an. Als zweites Stadium
treten Holilgehilde auf, die an ihrer Wand reiehliclie Zellenniassen ent-
halten, welche letzteren nach und nach eine immer entschiedener gelbe
und dann r(»the Farbe annciinicn und nichts anderes als die oben er-
wähnten Blulinseln otler Blut])unkle sind. Solche eben wegsam wer-
dende Gefässe. sind äusserst unregelmässig gebildet (Fig. 41), mit schma-
len und weilen, ohne Gesetz abwechselnden Stellen und mit Knoten-
punkten oder Verdickungen der mannigfachsten Form, welche eben die
Blutpunkte sind. Im weiteren Verlaufe werden dann die Zellen, die
diese Blutpunkte bilden, alle zu rothen Blutzellen , lockern sich und
treten alle in die Gefässi'öhren ein, die schon vorher ein helles Plasma
enthalten, bis am Finde alle Blut punkte verschwunden und alle Gefässe
mit rothem Blute versehen sind.
In dieser Weise findet in der gesammlen yl?'ea iv/.9n</o5o die Bildung
von Gelassen und von Blut statt, und ei'weist sich somit dieser Theil des
Mesoderma als ein sehr bedeutungsvoller, um so mehr, als sonst in
keinem anderen Theile des Blasloderma, mit einziger Ausnahme der hin-
tersten Gegend der Area pellucida, und auch im Embrjo selbst nicht
Blulzellen gebildet werden.
Ks ist jedoch nicht nui- die erste BInll)ildung. sondern auch die erste
Gefässbildung auf die Area vasculosa und einen kleinen Theil der Area
pellucida beschränkt, indem sonst nirgends und vor Allem auch in der
Embryonalanlage nicht selbstständige Gefässe auftreten. Vielmehr sind
die hier erscheinenden Gefässe alle nichts andeies als Sprossen der pri-
mitiven Gefässe, die von der Area vasculosa aus nach und nach gegen
den Embryo hin und schliesslich in diesen hinein sich bilden.
Hobiwerden der Anmerkung. Uelciiclitcii wir die eben boriiiirlen Vorgänge noch et-
'räHsVniagenr ^^''*^ näher, so lässt sich in Betrell' des Hohlwerdens der primitiven Gefässan-
lagen lliiitsächlicli nichts weiter vorbringen, und bleibt somit für jede Hypothese
freier Spielranin. Tnimerhin kann man an andere llohlramn- und Spaltbil-
dungcn eriiHiern, vor .Allein an diejenigen, welche hei der Kniwickluiig von
Drü.sen Guaai" sehe Follikel, Drüsen dei- llaiit u. s. w. und von serösen
Höhlungen Haiichliühle, ilühlen im (ielioilai)yiinthj stallhiiden, und erscheint
die Annahme gerechtfertigt , dass hier wie dort eine Flüssigkeilsau.s.sc-jieidung
oder -ansannnlung zwi.schen conipact(Mi Zellenmassen die Lfsaclie der Kanali-
.sirung sei. Diese Flü.ssigkeilsbildung nun gehl so vor sich, dass die Zellen-
slränge, die wir als (iefässanlagen keinien gelernt haben , rnchl alle in der
Milte, sondern z. Th. mehr excenlriscli ihre llijhlnni^iMi erhallen, und so blei-
ben dann an i;owi.s,sen Stellen grössere Zellenanli;iurwiiL;en stehen, die wie Ver-
dickungen «ler Wand erscheinen, Hilihiniien , die nichts .nwIrMes als die Bil-
dungsheerde des Blutes sind.
Ks <\u<l somit flie sogenamilen Uliilinseln oder Uliilimnkle iiiiejirirende
Hildiin^ der Blutzellen.
53
Tlicile der Gefässe, uiul denkt man sich dieselben am besten als verschieden-
t;est;dtige , meist rundiiihe , länglichrunde oder sirangförmige Verdickungen
der Gefässwand.
Bei der Tmw andlung der Zellen der Blulpunkte in rothe Blulzellen färben
sich zuerst die mittleren
Zellen derselben . dann c c
auch diejenigen, die ge-
gen das Lumen des Ge-
lasses zugewendet sind,
und hier beginnt dann
auch die Lösung der Zel-
len und ihre allmälige
Beimengung zum ßlut-
strome : bis am Ende alle
Zellen mit Ausnahme der
iiussersten Schicht sich
trennen, welche letzteren
als spätere GetTissvvand
sich erhalten.
Die Bildung der |.s "^^ ^^ ^~ :='"M^y^
B I u t z e 1 1 en selbst geht
in ungemein einfacher c
Weise vor sich. Anfangs Fig. 42.
den übrigen Zellen der
Gefässanlagen ganz gleich, rund, kernhaltig, mit dunklen Körnchen, 9 — II [x
gross , werden dieselben erst blasser und dann intensiN er gefärbt , wobei sie
nach und nach die Körnchen verlieren. Hierbei werden dieselben zugleich
länglich rund und zeigen dann auch , wie Remak zuerst gesehen hat , eine
leicht nachzuweisende Vermehrung durch Theilung in der Art , dass erst die
Kerne sich theilen und dann die Zellen der Quere nach zerfallen.
Das erste Auftreten rother Blutzellen fällt in der Regel in die erste Hälfte
des zweiten Brültages, bald etwas früher, bald etwas später, je nach der Brüt-
temperatur und anderen äusseren Verhältnissen, und verdient alle Beachtung,
dass die Blutzellenbildung beginnt , bevor noch die Circulation eingeleitet ist,
und manchmal selbst vor der Anlage des Herzens in ihren ersten Spuren zu
erkennen ist. Im Uebrigen sind der äussere Theil der Area vasculosa und vor
Allem die .Anlage der Randvene und die mit ihr zusanmienhängenden Gefäss-
stränge die Hauptsitze der Blutzellenbildung, und werden weiter einwärts die
Blutinseln kleiner und nehmen je länger je mehr die Gestalt von begrenzten
rundlichen Heerden an, so dass die allerkleinsten in der Area pellucida und
zwar im vordersten Theile des Abschnittes liegen, der überhaupt Blutheerde
enthält.
Sobald die ersten Gefä.ssanlagen hohl geworden sind, erscheinen an den-
selben feine secundäre Gefässanlagen, die theils zwischen den primi-
tiven Canälen sich bilden, theils, wie His zuerst gezeigt hat, als Sprossen
Bildung derBlut-
zellen.
Secundäre Ge-
fässanlagen.
Fig. 42. Gefässe der Area pellucida von einem Hühnerembryo von 2 Tagen.
Vergr. *Omai. a Gefässe, b Interstitien derselben (Substanzinsein der Autoren), c
Blutheerde.
54 Kniw iikluiit; der Leibesform.
der ;im weitesten gegen den Embryo zu gelegenen Gefässe erscheinen und
von liier aus innner weiter niedianwärts wachsen, bis sie endlich in den
Embryo selbst eindringen, der alle seine primitiven Gelasse d. h.
deren E n d o t h e 1 r ö h r e n in d i e s e r W e i s e erhält und, abgesehen von
der äusseren llerzw and , keinen Theil seines Gefässsystems selbstständig er-
zeugt. Diese Gefässsprossen sind solide dünne Stränge von eckigen oder \on
spindelförmigen Zellen, zum Theil von nicht mehr als 4 — 8 [x Breite, die zu
Netzen sich zusammenordiien und Non den primitiven Gefässen aus hohl wer-
den. Indem die zuerst gebildeten secundären Gelasse innner neue Sprossen
treiben , wachsen dieselben gegen den Embryo heran und treten endlich zwi-
schen dem Entoderma und der Darmfaserplatte in der Gegend des Stammes
der Vena omphalo-mcsenterica in denselben hinein. Von hier aus dringen die
Gefässsprossen in die beiden Herzanlagen und weiter, um dieEndothelschläuche
dieses Organs und ilie Aortae descendentcs zu bilden. — Später als diese
secundären Gefässanlagen wuchern auch in der Haulplatte Gelasssprossen in
ileu Embryo hinein, welche vor Allem zu Venen sich gestalten.
§ 10.
Ausbildung der Leibesform von dem Eintreten der Krümmungen an,
Amnion, Allgemeine Kappe, Allantois.
Während der Kopf, in dessen Bereich auch das Herz geliört . nach
den im § 6 ^ogchenen SchildciMingen fi-üh sich anlegt, tritt eine ent-
sprechende Ausbildung des Runiples viel später ein, und ist hier sell>st
am z\\('iteii Tage Non einer vorderen l.eil)es\\and und von seillichen
Wandungen kaum mehr als die erste Andeutung zu sehen. Erst am
3. Briitlage entsteht am hinleren Ende der Knihryonalanlage in ähn-
licher Weise \\ ie vorn diM'ch einen IJinschlagsrand eine kleine Höhle,
Be.kendarni- ,|i(> H o c k. c n <1 a i" ui li o li I (' iiiil dem hinteren I) a r ni e i n s> an 2 e , und
hohle. . . ;
Hinterer Darm- j,pfrinii(Mi die KündcM" der Seilen plat I (Ml auch in der Mitte des Runiples
eingang. ■ ' _ '
sich nach uiilcii zu hiegen, um dann nacli und nacli auch die Bauchwand
der n»iltlei-en Theilc zu erzeugen. Die hierbei voikominenden , etwas
schwieriger aurzuCassenden l']inzel\erliällnisse erläiilerl man am hesfen
an Durclischnillen.
Die Fig. 5() zcigl den Querschnitt der Mitte des Rumpfes eines Em-
bryo Non 36 Slunden, bei dem, obschon von einer Krünminng der Seilen-
plallen noch nichts zu sehen ist, doch schon ein NOi'gaiig sich eingeleitet
lial. der mit der Itiidung der l'('ritoMealli()lile zusamiiiciihäiigt , iiäiiilich
'[.aUnng <i<r ({{)> S [) a I l u II u der Sei Icii plat tcu in (Miie mit dem lloriiblaltc // \erbun-
-'•iteiiphitlrn, ' ■ '
iiantpiaUe. «h'iie bleibende II a u I p I a t t (•// /W und eine mit dem Daiiiidiiisenblallc!
Darinfaiter- tl s'\v\\ \ ere j iiIltik Ie 1 ) ;i|- Ml f a s (' r | > I 'i ' I ( w/ /'. beide diese l'lalleil ifchen
platt«. ' ' - r
liarji iiMsseli \ erscliiiielzend in das milllere Keiiiiblall (h'S KruchlholeS
Spaltung der beitenplatlen.
55
^
■^
iil)(M% Miif'li iiiiKMi (Iftiictioii h;inü;en sie bogenförniit; iiiilrr sich ziisaniiiicn,
wcichor Vorbindiiiii^sdioil die M i 1 1(> 1 1) hi 1 1 (> {'" p) 'xMiisl, und ij;renzen Muteipiatte.
hier an die Urwirhel [ii iv) und an
die zvviseiien beithMi Tlieilen j^e-
h'i^enen Urnierengänge {tiny) und
absteigenden Aorten (ao). Die
zwischen den genannten Blättern
belindliciien Lücken erstrecken
sich canaiar(ig durch die Pai'ietal-
zone (h\s MmbrNo. Hinten linden
sie sicii noch deutlich zu beiden
S(Mten (h'r hintersten beibeswand
lind gehen l)ogenlöi'uilg von einer
Seite aul" (be andei'e über, wah-
rend sie nach vorn in (be anfangs
doppelte und später einfache
Spaltungslücke auslaufen, in der
das Herz seine Lage hat. L^in
weiteres Slatliuni zeigt die Fig.
43, einen Querschnitt durch den
mittleren Runipflheil eines Eni-
l)ryo vom Anfange des 3. Tages
darstellend. Hier haben sich die
H a u t p I a 1 1 e n hp mit dem ihnen
anliegenden Hornblatle h schon
stark bogenförmig gekrümmt und
zugleich ist der Spaltungsprozess
im mittleren Keimblatte über den
Bereich des Embryo hinaus eine
Strecke weit in den Fruchthof
oder den peripherischen Theil der
Keimhaut vorgeschritten und hat
s^ fe
Fig. 43. Quersclinitt durch ein
hinteres Urwirbelpaar eines Hühner-
embryo vom Anfange des 3.Tages. Vergr.
135mal. mrMeduilarrohr ; /; Hornblatt ;
M »' Urwirbel ; ung Urniercngang ; ch
Chorda; hp Hautplatte; mp Mittel-
platle ; d/" Darmfaserplatte; p Bauch-
höhle; ao Aorta; dd Darmdrüsen-
blaU.
56
Rntwickluiic; der Leihesfoirn.
sifli die Fortsotzimi; clor llaiilplallcn saiiinil doiii lloi'iihlatte etwas er-
hoben, wek'lio Krliohiinu die erste Spur der Amn ionla I te ist , Nvelche
in der Fig. 44 schon \iel weiter gediehen l)ei af sichtbar ist. Nach
innen gehen die llaiilplatten bogenlörniig durch die M i ttoip la tlen
[mp] in die Darnilaserplatlen d f ül)er, docii zieht an der Umbiegungs-
stelie eine Fortsetzung l^eider und vor Allem (Um- Darnti'aserplatte , die
Aorten Iheilweise umgebend, näher an die Mittellinie heran, eine Lage,
die als erste Andeutung des Gekröses erscheint. Die Bauchseite des
Embryo ist noch wenig vertieft, tloch l)emerkt man eine vom Enloderraa
itariuriune. [ß (() ausgekleidete Furche in der Mittellinie, die Darmrinne.
dfi^'
Fig. 44.
Im weiteren Verlaufe biegen sich nun, wie die Fig. 44 zeigt, die
Hautplatten hp stark nach unten und gegen die Mittellinie zu, während
zugleich die Amnionfaltc rt/" gegen den Rücken sich erhebt. Das Darm-
faserblalt ist mächtiger und namentlich an der Umbiegungsslelle in die
llautplalle unterhalb der einander näher gerückten Aorten verdickt,
welcher Tlicil nun schon eher den Namen G ekrösp la t ten oder
Mit lel pla Iten Ke.mak) verdient. Es ist jedoch das Entoderma dd
in der .Mille der tiefer gewordenen Darmrinne [dr) noch immer nicht
von einer Forlselziing der Daiiiifaserplalten bekleidet, sondern grenzt
nach wie \oran die (lhoi-da eh. nur dass es jelzl dui'ch die vorlrelenden
Aorten etwas mehr von derselben gcliciuit ist als früher.
hie l"i^. 4;') eiidlicli siclll ein Stadiiiiii dar. in welchem dcrNCr-
schliiss dci- haiichhohlc und des Dairues fast zur NOIlendung gediehen
PrimitivMiaii.h- isl- Die Hiuuliliiih le isl (lu i'cii ei iic (lü iitie I laul . die |) r i m i ( i \ e Hauch-
\\ ;i n (I /'// . die ;mis der I hiiilphil Ic iMid deru lloi-nltlallc besIcliL und in
V\\!. 44. yiicrscimill eines Hührioicmhryo vom Anfange des 3. Tagos, 90 bis
1 OOniid verpr Buchslabeii wie in Fif.'. 4H. Ausserdem, wntlrniere; w Mnsltelplalle ;
uwh Lrwiilielholile; rc Vena cardinalis ; r/r Dannrinne ; a/" Aninionfalte.
wand.
Gekröse, Nabel.
57
das Amnion am sich l'ortsolzl, l'iisl i^jinz s^eschlosson, und innt'iliall» der-
selben lieü;l der stark rinncnförmige Darmkanal, der mit seinen beiden
Häuten, der Darinrasorplatle r//und i\o\\\ l)arin(h'üseid)latler/, in die ent-
sprechenden lliiulc (h's Ulaslodeniia (d)ciLielit . wehdie nun schon den
Dotter fast iianz uniwaclisen haben mid die Anlage des Dottersackes
darstellen. Belestiizt uirti der Darm durch ein deutliches Gekröse , Gekröse,
das von einer vor der Chorda
und der Anlage der Wirbel-
säule gelegenen Schicht des
mittleren Keimblattes aus-
geht, welche die nicht darge-
stellten WoLFF'schen Körper,
die jetzt unpaare Aorta [sa]
und die Cardinalvenen [vc]
einschliessl und nichts ande-
res ist als die nach: innen
gewucherte und zu einer un-
paaren Masse verschmolzene
ursprüngliche Undiiegungs-
stelle der Hautplatlen in die
Darmfaserplatten oder die
Mitte Iplalten , aus welcher
Wucherung auch das Gekröse
selbst hervorgeht.
Schliesslich verwachsen
auch die Hautplatten von
allen Seiten her (von vorn und hinten her) gegen die Mitte der Bauch-
wand vorschreitend mit einander, mit Ausnahme Einer noch länger offen
bleibenden Stelle, welche nichts anderes ist als der sogenannte Haut-
nabel oder Leibesnabel, an welchem nach wie vor die primitive Hautnabei
Leibes wand in die zwei Lagen des Amnion sich fortsetzt. In ähnlicher
Weise schliessl sich gleichzeitig mit dem Leibe auch der Darm durch die
Fig. 45. QucrscJiniü durch den Rumpf eines Stägigen Embryo in der Nabel-
gegend. Nach Remak. sh Scheide der Chorda ; /< ttornblatt; am Amnion, fast ge-
schlossen; sa secundäre Aorta; vc Venae cardinales ; mu Muskelplalte ; gf Spinal-
ganglion; V vordere Nervcnwurzel ; hp Hautplatte; up Fortsetzung der Urwirbol
in die Bauchwand (Irwirbciplatle Remak, Visceralpialle Reichert,; feÄ Primitive
Bauchwand, aus der Hautplalte und dem Hornblalle bestehend; d/" Darmfaserplatte ;
d Darmdrüsenblatt, beide hier, wo der Darm im Verschlusse begriffen ist, verdickt.
Die Masse um die Chorda ist der in Bildung begrifTeneAYirbelkörper, die vor den Ge-
fässen enthält in den seitlichen Wülsten die Urnieren und setzt sich in der Mitte ins
Gekröse fort.
Fig. 45.
58 iMitwickliiiii; dor Leibesform.
sdurniiiuilo Da rin iia li l iiiiltM- Kflialtung einer tieni llaiilnahel entsjii'e-
Darmuabei. eilenden oHenen Stelle, des sogenannten Darm nah eis, an dein die
Dottergang. Darinwände durcli einen engen (iang, den Do Hergang, Dnclus vitello-
Douetittcit. {ntestinulis s. ütnphalo-mescnto'icus, mit dem D ollersacke, Sdccus vi-
tellitnis. sieh verl)inden.
Wahrend so der Leil) und der Darm sich suliliessen, enlsteht auch
Amiiinn. seiiaf- | ,^ \ „j j^ j q n odcr S c h a Ih ä u l e h e n , eine zai'te durchsichlit!;e Blase,
\\elehe am 4. Tage den Embryo des llidinehens dicht umgiehl und von
den jeweiligen Rändern des Bauchnal)els ausgeht (Fig. 46).
Die erste Andeutung dieses lläulchens tritt beim Ilühnerembryo
s(>lir IVilhe auf, gleichzeitig mit ilei" ersten Erhebung des Kopfes und der
Hildiing eines \ orderen Umschlagsrandes, inid ist nichts anderes als die
in mehrfachen Figuren (Figg. 13 und 15) dargestellte Aussenfalte
oder vordere Amnion falte. Rasch wächst nun diese Falle weiter
Kopfscheide. „,,,| ,|,.ckt Schon am F^nde des 2. Brültages als Kopfscheide den vor-
dersten Theil des Kopfes zu (Fig. 35 a/"). Viel langsamer bilden sich
dann auch seitlich und hinten und sonüt schliesslich in dem ganzen den
Embryo umgebenden Theile der Äj^ea pellucida solche Falten, seitliche
und hintere A m n i o n f a 1 1 e n , und noch länger dauert es , bis diese
Falten so sich erheben, dass sie auch in diesen Gegenden den Lei!) des
Seitenscheiden. K„,bryo cinzuscheideu beginnen, worauf sie dann den Namen Seiten-
Schwanzscheide. s c h e i d e n uud Seh wanzsche ide annehmen. Von der letzteren
zeigen die Figg. 35 haf und 49 af die erste Spur, und die ersteren stellen
die vorhin gegebenen Figg. 44 und 45 dar. Diese Anuiionfalten ent-
stehen dadurch, dass rings um den F^mbi'yü herum, mit Ausnahme der
Kopfgegend, die Forlsetzung des mittleren Keimblattes oder die Seiten-
[»latten in ähnlicliei' \Veis(^ in zwei Blattei' sich spalten, wie dies im Be-
iciciie des l-liubrNO selbst gescliielil. Indem dit^se A m n i on -S pa 1 t en
sir-li Ncrgrösser-n, erheben sich die \on der Uiickseite her dieselben begren-'
zenden IhHilplalleii samml dem lloinbla(l(^ zur- Bildung der Anmionschei-
den, während die Dai'mlaserplalle mit dem hJitoderma an dieser F^rhebung
zwar auch Anlheil ninunt.aber nie zu ein(>i' vollständigen ümhiHlung
des l'jiibryo g(dangt, wi(> dies sofort des Näheren dai-geleg! werden soll.
Der- Verschluss des Anuiion gescliielil Ixmmi llilluiclien in einer* eigen-
Ihümlichen Weise. Nachdem die Kopf.scheide in eiru'r gewissen Länge
als Umschlagsrand sich gebildet hat. Iretei\ die Seilenscheiden gegen die
Amnionnaht. Mille vor Und verwacliscu in einer" li n ie n f ö rrii i ge n Naht, der Am-
nion n a h I , die man. auch nachdem si(^ gebildet ist, noch leicht er'kennt,
weil in ihr die Subslanzlage dickei" ist und oft selbst eine ,\r-t Wulst dar-
slelll. Diese Amnionnaht verwächst von vorn nach hinten, bis sie
am liirilersleri Ijide des Friilti\o iiiil (\i'v nie ein gewisses geringes Maass
Amnion, Seröse Mülle.
59
ülxM'scIii'ciltMKlcn Sj.'li\v;in/,scli(M(lo ziiSiiniiiKMistössl. Als lolzlc Spur dos
iHxli iiiclit ganz geschlossenen Amnion findet sich dann liier eine kleine
hii'iiloiiiiiiie liiiiiiliclirunde und zulctzl rundliche Lücke dicht über dem
SchwjuizcMde des iMuhrjo.
Vor dem Kopfende des Kmhryo, woselbst in dov Area pellucida eine
Forlselzuui; des mitl-
lereu Keiinblaltes des
Kinbr^o Cehlt, besteht
die Amiiionssclieid(^ ui-
s[)rünglich nur aus dem
Mornblatle (s. Fig. 40),
doch wäre es möglich,
dass hier spater auch
eincMesodermalage auf-
träte, wie dies auch bei
der Kopfkappe der Fall
zu sein scheint.
Die vorhin ge-
schilderte Amnionnaht
erhält sich nicht lange,
sondern löst sich später
in der Ait, dass der
äussere Theil der Am-
nionscheiden sich ab-
trennt und eine zusammenhängende Haut darstellt, die v. Baer die
seröse Hülle genannt hat. Von dem Momente dieser Lösung an ist seröse Haiie.
auch das Amnion eine ganz selbstständige Blase, die nur mit dem Nabel
des Embryo zusammenhängt.
In der Fig. 46 sind an einem ganzen Hühnerdolter schematisch die
Verhältnisse beider dieser Hüllen im Querschnitte dargestellt und er-
kennt man, dass zwischen dem Amnion am, der serösen Hülle s und
dem Dollersacke ein Raum sich befindet 6//? , den wir als Höhle desHohiedesBiasto-
Blastoderma bezeichnen wollen und der mit der Pleuroperitonealhöhle
in Verbindung steht.
In dieselbe Zeil wie die Entstehun^ des Anmion fällt auch die Bil- allgemeine
~ Kappe V. Baer.
dung der sogenannten allgemeinen Kappe : v. Baer i oder des '^^'„'^jon^^"'
Fig. 46.
Fig. 46. Ein Hülmerdotter mit dem Embryo und Blaslodernia vom 3. Tage im
Quer.sctinitt. Der Embryo ist viel zu gross dargestellt, r Rand des Blastoderma oder
des Dotterhofes, aus dem Ectoderma ect und Enloderma ent bestehend. Mes Rand
des Mesoderma oder des Gefassholes. s Seröse Hülle; dr Darmrinne; am Amnion;
6 //j Höhle des Blastoderma ; dDotlerhaul; gr gelber Dotter.
60
Eiitwiikluiii: der Leibost'orm.
fal schon Amnion von Wulff, deren Verhällnissö schon v. Baer tref-
fend iiesehildert hat. Löst man ein Blastoderma von der zweiten Hälfte
des 3. BrUttages oder vom 4. Tage mit dem Embryo ab und betrachtet
man dasselbe von der Bauchseite Fig. 47; , so sieht man keinen Tlieil
des Kmbi-yo mehr mit Ausnahme der mehr weniger geschlossenen Darm-
liiHU'. und erscheinen der Kupf, die Seilentheile und das Schwänzende
von einer gefässhalligen Haut bedeckt, w olchc von den Gesammträndern
der [Jai-mrinne ausgohl iiiid in ihren einzelnen Ai)schnilton die Namen
Kopfkappe, Seh \>a n z ka |) |)(' , Seilen kappen erhallen hat. Be-
sichtigt man einen solchen Kml)ryo von der Bückseile, so findet man,
dass diese allgemeine gefjisshallige Kappe bis in die Höhe des Rückens
des Embryo sich erhebt, jedoch (Jie Mitte des BUckcns breit frei lässt, in
welcher- (iegend unter dem .MikroskofX' leicht oberiliichlich die seröse
Fifj. 47. flefassliof eines llüliiieieiiiluNo \oii 3 Taf;eii. von der Bauchseite 4mal
ver^r. Der Embryo ist, von dieser Seile besehen, f^anz \nii den tieferen Lagendes
Blaslodcrnia. dem Darmdrüseiiblalle luiil der Daiinfaserplallc bedeckt, welche um ihn
sicli hcruriis(hlaj.'cti iinrl die sofiriiaiiMlcn Seilcni\a|)|ten Itildcii. Kinzi}^ uikI allein die
Darmrinrie ist in der Mitle des lünbryo sichtbar, unil wie aus dieser heraus k(»mmen
die Arter. ornphnla - innsentericae. Die Gefassverzweit^uni^en im (ieliissliofe sind
nur iibersictdiicli darj^eslellt , so dass nicht alle Einzelidieilen erkennbar sind, vor
Allem nicht die Vena vUellina lateralis, vf Vena teriiiinatis : ip Vom vitellina po-
sterior.
Allgemeine Kappe.
61
Hülle und tiefer das Amnion mit der Aiiinionniilil und einer l)idd grösse-
reiK bald kleineren, noeli nielil geschlossenen Lücke dieser Haut erkannt
wird. Untersueht man ferner die (Jefässe dieser allgemeinen Kappe, so
ergieht sich, dass dieselben nichts anderes sind als dieSlamnu^ dei- Arte-
rien und Venen (h's Gefässhofes samml der Verästelung derselben, die am
2. Tage i'ings inn den Kmbryo in VAnor Ebene mil demselben sich be-
fanden, woraus hervorgehl, dass die genannte Kappe nichts anderes ist
als ein Theil der tieferen Lage des Blastoderina des Fruchthofes, be-
stehend aus der Darmfaser])lalte und dem Entoderma , welches jelzl fal-
lenarlig den Knd)r\() umgiebl. Nocli besser erkennt man diese Verhält-
nisse aus Querschnitten und Längsschnitten, und zeigen solche (Fig. 48),
dass der F:nd)ryo schon vor der Schliessung des Amnion wie in eine
Grube des Blastoderma eingesunken ist.
s^
^.f
clr/
Fig. 48.
Die Bildung der eben geschilderten allgemeinen Kappe hängt mit
der Gestaltung des Amnion zusanunen und beginnt gleichzeitig mit der
Entstehung dieser Haut. Vei-folgt man die Verhältnisse näher, so ei'hält
man den Eindruck, als ob die Amnionfalten bei ihrer F^ntstehung die tiefe-
ren Lagen des Blastoderma mitzögen Fig. 48 . Später werden die Amnion-
falten, zugleich mit der Entstehung undVergrösserung der yVmnionspalte
im mittleren Keimblatte, sell)Stständig und wuchern dann für sich über
den Rücken des End)ryo hin , während die Kappen zurück bleil>en und
eine gewisse Grenze nicht überschreiten (Fig. 44) . Hat sich dann endlich das
Fig. 48. Querschnitt durcli den niitlieren Tlieil eines llülinerembryo vom ^. Tage
mit offenem Amnion. Vergr. 40mai. ^Z" Amnionfalte; Sfc Seitenkappe; wp Muslvet-
platte; vc Vena cardinalis; «'(/ WoLKF'sclier Gang ; m'Ä' WoLFp'sche Drüse; p Peri-
tonealhöhle; h Hornblatt; p/i Hautplatte ; dd Darmdrüsenblatt; dfp Darmfaserplatte ;
uioh Rest der Lirwirbelhöhle.
62 luitwicklung der Leibesform.
Aiutiiüii yanz üesclilosson und \on der serösen Hülle i'etreiinl, so bildet
sich auch die Kappe zurück, ihre Falten schwinden, und liegt ;un5.Tage
der Enil>ryo nur von der serösen Hülle und dein Amnion bedeckt auf
dem Blastoderma oder dem sich entwickelnden Dottersacke (Fig. 46j.
Ein sehr wichtiges Organ ist die fast gleichzeitig mit dem Amnion
Aiiantois. auftretende Allantois oder der Harn sack, welche das Secret der
Urnieren oder der WoLFFSchen Körper aufnimmt und somit ihren
Namen mit Recht trägt. Später w ird jedoch diese Blase beim llühner-
embryo wesentlich als Bespirationsorgan verwendet, während sie beim
Säugethierembryo vor Allem zur Herstellung einer Verbindung zwischen
Mutter und Frucht dient und ganz besondere Schicksale erleidet , wess-
iialb auch hier nicht mehr als nöthig von den Verhältnissen der Allan-
tois der Vögel die Rede sein kann.
Die eben gebildete Allantois des Hühnerembryo ist ein birnförmiges
ürachns. ßiäschen, das mit einem hohlen Stiele, dem Ha in gange, Urachus.
aus dei" unteren Wand des Hinterdai-ines entspringt und selbst ausser-
halb des Leibes des Knibryo dicht vor der Beckenbucht und unlerhall)
dei" hinteren Darmpforte auf der rechten Seite seine Lage hat. Dieses
Gebilde besieht aus zwei Schicliten . einer innei-en dünnern E])itlielial-
auskleidung, welche die Fortsetzung des Darmepithels ist, und einer
äusseren dickeren, Gefässe führenden Lage, welche mit der Darmfaser-
platte des Hinlerdarmes verbunden eischeint. Die Gefässe slanmien von
den» Theile der primitiven Aorten , \\ eiche, neben der Allantois um den
Rand der Beckenbucht sich herumschlagend, in den Fruchlhof ausstrah-
len, und heissen, wenn sie grösser geworden sind, die Nabelarterien,
^ ^"caie»"* "Art. iimbi licales. Die Venen gehen zu den Venen der seitlichen
^«""e umbiUca- ßauchwändc und stellen spätei- die zwei Nabel venen, Venae nm-
h i licales , dar.
Lrae Bildung (jjp ^ij-j^te Entwicklunii der Allantois ist an Länusschnilten leicht zu
der Allaotois.
\ erstehen. Fig. 49 zeigt einen Längsschnitt durch das hinlersle Ende
eines Embryo \oii dn- zweiten Hälfte des zweiieii Tages. .S ist ilvr
schon fi'iiher beschiiebene l'lndwiilsl. in welclieiii (Chorda und Me-
dullarrohr, mit einander Nersclimclzcnd . in eine zusaiiiiiienliiiiigende
Masse übergehen, an der aiirli das Eclodernia imdeiidicli isl und die so-
mit auf dem Standpmikle der Iriiheren Axenplatte sich bcliiidcl. An der
Bauclilläche dieses Enduulstes oder der Anlage des Scliwanzendes liegt
vorn eine kleine Verliefung od, die erste Andiiiliini: des Enddarmes,
und hinten eine grössere i-uur Ikiclit all von 0,2Smiii Tiefe, die nichts
anderes als die erste Spur der Allantois isl. Hintei" dem Endwulste gehl
der Enibrjo in das Blastoderma dor Area pcllnnidd über, an welchem
das Mesodeniia wie wcilcr \oiii in ciiw llaiilplalle li /t / und eine Darm-
Allantois, Harnsack.
G3
faserplatte dfp) gespalten ist, die (liircli eine Spalte ä/j von einander
gesondert erscheinen.
r/^
Fig. 49.
Ein weiteres Stadium zeigt die Fig. 50 , aus der sich ergiebl . dass
die Allantoisanlage allniälig nach vorn geschoben wird, indem einerseits
der sie von hinten Ijegrenzende Wulst oder Umbiegungsrand der tieferen
Lagen des Blastoderma . der niciits als ein Theil der späteren \ orderen
Darmwand ist. sich nach vorn umbiegt, andrerseits der Endwulst oben
und nach hinten in einem Fortsatz auswächst, in dem man leicht die .An-
lage des Schwanzfortsatzes erkennt.
Hat die Allantois die in der Fig. 50 dargestellte Entwicklung er-
reicht, so sind ihre Beziehungen zum Enddarm hinreichend klar, und be-
merke ich nur, dass die Wand der Blase nun zu dem Allantois-
höcker (Gässer i verdickt ist. Die sich entwickelnde Allantois ist
dem Gesagten zufolge in allen Stadien hohl, ja es ist eigentlich die
Höhlung, mit anderen Worten ein vom Entoderma ausgekleideter klei-
ner Blintlsaek, das erste, was man von dem Organe wahrnimmt. Zu
diesem Blindsacfce kommt dann in zweiter Linie eine vom mittleren Keim-
blatte abstammende äussere Lage , die Faserhaut der Allantois, wefche
jedoch erst später so von den ])enachbarten Theilen sich abgrenzt, dass
die Allantois auch von aussen als ein besonderes Organ erscheint. Diese
äussere Hülle stanmit in iiirer vorderen oberen Wand, die zuerst als
Fig. 49. Längsschnitl durcli das liintere Ende eines Hülmerembryo vom 3. Tage.
60mal vergr. fd Enddarmanlage ; s Sctiwanzende des Embryo ; a// .\llantoisanlage ;
o/" Amnionfalte, /i Hornblatt derselben , Zip/ Hautplatle derselben ; d6 Darmdriisen-
blatl; dfp Darmfaserplafte, welche beide in die tieferen Lagen des Blastoderma hin-
ter dem Embryo übergehen, die später zum Dottersacke sich umwandeln, sp Spalte
im Mesoderma des Blastoderma.
64
Eiilwicklunt? der Leibesform.
liinlere lU'iiivnzunt; iM-st-lieint , vou der Uebor^angsslelle zwischen der
lluutplalte und der Üarmfaserplalte am hinleren Ende des Embryo oder
einem Theile des miülei-en Keimblattes, den man auch hier Mittel-
platte nennen konnte. Die liinlere untere^ Wand dages:en, die anfangs
die vordere Begrenzung der
Allanloisanlage l>ildel, ist
eine mittelbare F'ortsetzung
der Wand des Hinterdarmes.
Die Höhle, in die die Allan-
tois sich hinein entwickelt,
ist eine Sj)altungslücke im
iiiiulcren Keimblatte, Fort-
setzung der Lücke, die bei
der Bildung des Amnion rings
um den Embryo auftritt, und
gestaltet sich auch hier die
obere Wand der Lücke [am]
zum Amnion und zur serösen
Hülle, die untere [dg] zur
Wand des Dottersackes.
Eine l)esondere Beachtung Aerdient nun übrigens noch die Art und
Weise, wie der l-jiddarm und die Beckenhöhle ihre \ o rd e ren Wan-
dungen erlangen, indem hier- ganz andere Vorgänge Platz greifen, als
am vord(M"en Leibesende. Dort bilden einfach alle drei Keimblätter
nn* te i n ;mi d c r einen Umschlagsrand, und legen sich somit die a ordere
Darniwand und die \ ordere Leibeswand gleichzeitig an. Anders am hin-
teren Leibesende. woselbst vor der Bildung der l)elrellenden voi-deren
Wandungen das niillleie Keiniblalt in zwei Lagen sich spaltet und die
tiefere Lage, beslehend aus der l)airnfaser])lalte und dem Darmdi'üsen-
blatle, zuerst allein \or\vächsl und eine vortJere Daiinwaiid bildet. Der
hinterste Tlieil dieser vorderen Darmwand ist die Allanloisanlage, und
erst nachdem (Jiese eine bedeutende Entwicklung erlangt hat. erkennt
man, (Jass die hinter ihr gelegene Zone, \on der die Anmionfalte aus-
geht, nach und nach zur vorderen Beckenwand sich gestaltet (Figg. 51,
Fig. 50.
Fi;.'. 50. Liinjissr-Iinilt durcli (l;is liiiilcic Kiidi! eines Kmliiyo von t Tiiiien und
16 .Stunden. \ v.y^lv . VM\va\ . d Hintere Dioiiipforte ; r/' Finde des Hinlerd.oiiies ; ul
Höhle dei Aljanlois; a l' Allatiloisliocker ; rf^Wiind des s|)iiteren l)otleit.'iinf{es, d. Ii.
L't*l)erj;aiif.' der Darinwinid in die lieferen Lii|.'eti des Hiaslodeinifi , die später den
Uoltersack liefern, am l rsprunj: des Amnion am liinleren linde der Allanloisanlage.
In der Tiefe der Spalte zwischen Amnion und ileni Sehwanzende v bildet sich spülei'
der After; c/ Cioakeiiliöeker ; r// Chorda; //ifMi-dnliarrohr; u »' Ui'wirbel.
Allantois.
65
52 , während zugleich die Ali;intois von ihrer Vei-l^indiini: mit der Ani-
nionfcdte sich trennt.
Bevor dies iiescheiien ist, scheint die Allantois einen Theil der vor-
deren Beckenwand zu bilden und hängt auch in der That mit derselben
zusammen, wie die Figg. 51 und 52 dies zeigen.
Betrachtet man die Allantois von der Fläche , so erscheint dieselbe
in früheren Stadien so, wie die Fig. 52 dies zeigt, und hebe ich den bis-
herigen Angaben gegenüber hervor, dass dieselbe schon sehr früh eine
Fig. 5).
Fig. 51. Querschnitt durch die Beckengegend und Allantois eines Hühnerembryo
mit eben hervorsprossenden hinteren Extremitäten (vom 5. Tage , etwa 30mal vergr.
ch Chorda; w Medullarrohr; ao hintere .Aorten (Sch\sanztheilj, die in die Art.umbili-
cales sich fortsetzen ; vc Venae cardinales ; un Urnieren ; mp Muskelplatte, etwas in
die Extremitätenanlage sich hineinerstreckend; np Hautplatte des Rückens ; /(Horn-
blatt; /t' stark verdickte Stelle desselben an der Spitze des Extremitätenstummels;
a Amnion 'nicht ausgezeichnet) mit seinen beiden Lagen , dem Hornblatte und der
Hautplatte; d Höhle des Hinterdarms; dd Darmdrüsenblatt oder Epithel ; d/"Darm-
faserplatte , an der aussen schon die Serosa deutlich ist, den Darm nicht ganz um-
gebend; jo Peritonealhöhle; sl seitliche Leibeswand in vi, die vordere Bauchwand,
übergehend ; a l Allantois mit der Bauchwand noch verbunden und von einer dünne-
ren Fortsetzung des Darmdrüsenblattes ausgekleidet.
Fig. 32. Hinteres Ende eines Hühnerembryo vom Ende des 3. Tages mit abge-
löstem .\ranion und getrennter Verbindung des Darmes mit dem Bla>toderma. Vergr.
20mal. « .Mlantois; «Schwanzende; dr Darmrinne; d ?c Darmwand ; ä de hinterer
Darmeingang; hd Hinterdarm; liv seitliche Leibeswand; he Anlage der hintern
Extremität.
K öl 1 ike r , Grumlriss. r
<Qß Kntwicklung der Leibesform.
schlofo Stellunii mehr nach rechts darbietet, auch anfiiniilich mehr kegel-
fönnii; ist. wie dies sclion v. Haer hervorhebt.
Ist die Ailantois weiter entwickeil, so erscheint sie kugelförmig und
zielü sicii bald in einen deutlichen Stiel aus. Zugleich legt sie sich ent-
schietlen auf ilie rechte Seite des End)ryo und wird bald zu einer grossen
gefassreiehen Blase, tlie ihre Lage zwischen Amnion, Doltersack und
seröser Hülle hat und deren weitere Schicksale hier nicht geschildert
werden können.
§ IL
Krümmungen des Leibes, Mund, After, Kiemenbogen und -spalten,
höhere Sinnesorgane, Extremitäten.
Gleichzeitig mit der Ausbildung von Amnion und Ailantois ent-
wickelt der Leib des Hühnerembryo eigenlhümliche Krümmungen , die
als Drehungen um die Queraxe und solche um die Längsaxe bezeichnet
Drehungen um werden könueu. Die Drehungen um die Queraxe geschehen so,
dass der Leib nach der Bauchseite sich zusammenkrümmt und schliess-
lich so stark sich l)iegt, dass Kopf und Schwanz sich nahezu berühren.
Diese Krünunungen beginnen am Kopfe schon am 2. Tage (Fig. 35),
werden jedoch erst am Anfange des 3. Tages stärker, und stellt sich jetzt
Vordere Kopf- die sogenannte vordere Kopf krümm ung ein (Fig. 53), indem der
krummung. ^.Qj.^j^py Kopftlieil untcr rechtem Winkel sich umbiegt, so dass die Ge-
gend des Miltelhirns den erhabensten Theil" des Kopfes bildet. Zu dieser
Scheitelhocker, vorderen Kopfkrüinmung mit dem sogenannten Scheite 1 höcker ge-
Hintere Kopf- Seilt sich in (Icr zweiten Hälfte des 3. und am 4. Tage eine hinlere
kruminnng. j^ ^ p f j^ ,. q ,,, ,,, „ 11 g an dor Grenze des verlängerten Markes und des
Nackenhöcker. Rückenmarkes mit dem Nackenhöcker fFig. 54). In ähnlicher Weise
-1.wan7.krum- tritt schon am 3. Tage hinten eine Seh wanz krümm u ng (Figg.50,52)
""""^ auf, zu der dann auch noch eine Krümmung in der HUckengegend sich
Drehungen um gesellt. Vou den Drehungen um die Längsaxe erwähnen w'ir
die Läng«axe. ^^^ Hühnchen eine sehr auffallende Drehung am 3. Tage in der Art,
dass. während der Buini)f mit seiner Bauchfläche gegen den Doller
schaut, der Kopf so sich dielil. dass er seine linke Seite l)auchwärts
kehrt (Fig. 53 .
Beiderlei Drehungen, soNNohl die um die Längsaxe als die um die
OiK'iJivr, sind ;iiii ausgeprägtesten am 4. und 5. Tage. Von da an streckt
sich der Ijiibrxo iiiirner mehr gerade und dreht sich auf, so dass vom
6. Taiic an tlie Lcilx'saxe wieder fast gerade verläuft und die Bauch-
wjiiid iiniiier inriir ;ni I.iiiige gewimil.
Kienienspaltcn. Kiemenbogeii.
67
- /,
Während die Itoscliricbenen Veränderungen In der Stelluns des
Leibes vor sich gehen, entwickelt siel» nicht nur der Kopf immer mehr,
sondern es l)ildet sich allmälig iiuch der
Ihils aus, wobei sehr l)emei'kenswerthe -j
Phänomene sich ergeben. Es treten näm-
lich in der seitlichen Halsuand am 3.
Brut tage Spalten auf, welche von
aussen in den Schlund durchdringen und
K i e m e n s p a 1 1 e n oder \' i s c e r a 1 -
spalten, auch Schi und spa 1 len
[Fissurae branchiules] heissen. Solcher
Spalten treten erst nur drei auf, welche
von vorn nach hinten gezählt werden
'Fig. 54 . Am Ende des 3. Tages gesellt
sich zu denselben noch eine vierte Spalte.
Nach Remak entstehen diese Spalten da-
durch , d a s s der Schlund n a c h
aussen tl u r c h b r i c h t , nicht die Haut
nach innen, auch nicht in der Weise, dass
beide Theile einander entgegenkommen,
so tlass demnach die Ränder der Spalten
vom Enloderma des Schlundes oder Vor-
derdarmes ausgekleidet wären.
Mit der Bildung dieser Spalten am
Halse nun geht das Auftreten der soge-
nannten » K i e m e n b 0 g e n « oder » V i s -
c e r a 1 b 0 g e n « [Arcus hranchiales Hantl
in Hand. Es verdickt sich nämlich, von
hinten nach vorn vorrückend , die zwi-
schen den Spalten gelegene Masse der
Schlundwand und bildet dicke Streifen,
die man eben mit dem Namen der Kie-
menbogen bezeichnet und deren l)eim
Kienionspalten.
Kiemenbogen.
Fig 53. Hühnerembryo von 7,41 mm Länge von 2 Tagen und 8 Stunden von der
Rückseite. Vergr. \k^jomd\. Das Amnion ist an dem ganzen vorderen Theile abge-
löst und ausserdem das Herz blosgelegt. a Ein Rest des geschlossenen Theiles des
Amnion; 5 «/■ Seitenfalten des Amnion; /; rt/" hintere Amnionfalte , beide hier noch
eine grosse Lücke begrenzend ; pz Parietalzone des Embryo; stz Stammzone; r Vor-
hof; A: Kammer; b a Bulbus Aortae ; :: Zotten am Venenende des Herzens RemakS. 64
Taf. IV, Figg. 36, 37 2 ; m Mundbucht; ksp' erste Kiemenspalte, hinter welcher
noch zwei solche sichtbar sind;, k' erster, //" dritter Kiemenbogen; g Gehörgrube,
über dem zweiten Kiemenbogen gelegen ; s Scheitelhöcker.
5*
68
h;iit\\i(.kluni: der Leibesform.
llühnerenil)ryo vier sicli (inden. Der erste dieser KienienJjoizen Fig. 54 A')
liegt zwischen der Mundönhung und der ersten Spalte, der zweite zwi-
schen der ersten und zweiten Spalte ,' der dritte zwischen der zweiten
und dritten und der
vierte zwischen der
dritten und vierten
Spalte. Von diesen
Kiemenbogen nun
sind beim Hühnchen
der erste und zweite
anfangs am vorderen
Ende kolbig ange-
schwollen (Fig. 53 ,
so jedoch, dass sie
in der Mitte zusam-
menhängen , später
jedoch verschmelzen
dieselben so mitein-
ander , dass keine
Trennungslinie mehr
wahrzunehmen ist.
Etwas verschieden
hiervon laufen der
di'itte und vierte liogen einfach verdünnt und ohne Grenzmarke in die
. ursprüngliche untere Schiundwand aus. In den inneren Theilon dieser
Kiemenbogen laufen die primitiven i vorderen Aortenbogen , während
der 5. hinler der 4. Kiemenspalte seine Lage hat. Der erste Kiemen-
bogen zeigt ferner einen kleinen Ausläufer, welchei' von hinten und
Oberkieferfort- oben den Muud umciebl und der Oberkieferfortsatz des ersten
satz des ersten ^
Kiemenbogens. Hogens lieisst.
Der Zusammenhang der so eben besprochenen Bildungen mit der
weiteren Ausbildung des Halses findet sich in späteren §§ geschildert,
doch kann schon jetzt folgendes erwähnt werden. Im Laufe der Enl-
Viil. 54.
Fi".'. 54. Vorderer Theil eines HülineremhiAo des 3. Tages, äiimal verKi". vh
Vonlrrliiinficgend ; z Zwisclietiliirrifiegend ; m h Mittclhirngcgend, Sclieiteliiöcker ; hh
Hinterhirngefjeiid; nh Nactdiirngegend , Nackcnhocivcr ; a .\uge niil Auticn.spalte,
hohler Linse mit nocli offener Linsengruhe ; o Ohrbliischen , birnförmig, nach oben
noch offen ; ks', k.s", fes"' 1., 2., 3. Kiemenspalle; m Gegend der Mundöffimng; k'
erster Kiemenbogen (Unt«rkiefergegend, ; w ;e Urwirbei ; vj Vennjur/ularis; Älterz;
die das Herz bedeckende vordere llalswand li<MZk;ii»|)(' ist bis /( // cMtfernl , sodass
die Vena carditialix und omphido-uiesenlerira sicidbar sind.
Mund, Anus. QQ
Wicklung verschwinden bei den Säugethieren und Vögeln alle Kienien-
spallon bis auf die erste, welche sich zum äusseren Gehörgange, der Ca-
ritas tijmpani und der Ohrlronipete gestaltet. Kbenso vergehen auch
dieKiemenbogen z. Th. als besonders unterscheidbare Bildungen, z.Th.
werden dieselben knorpelig und verwandeln sich , indem sie theilweise
verknöchern, in gewisse langer oder ganz sich erhaltende Theile , vor
Allem in den MECKEL'schen Knorpel am Unterkiefer, den Hammer und
Ambos, das Zungenbein und den Gritfeifortsatz bei den Säugethieren,
bei den Vögeln in die Cartilago Meckelii, das Articulare maxUlae inferioris^
das Quadratum und das Zungenbein.
Während am Kopfe die erwähnten Krümmungen sich ausbilden,
erleiden auch die Anlagen der 2 bereits vorhandenen höheren Sinnes-
organe wichtige Veränderungen, die später im Zusammenhange werden
geschildert werden, und tritt auch das Geruchsorgan auf.
Hier Ist nun auch der Ort, von der Mund- und Af teröffnun gMnndöffnung.
zu reden. Die Mundöffnung entsteht beim Hühnchen am 4. Tage.
Als erste Spur der Mundhöhle zeigt sich schon am 2. Tage die Mund-
bucht in Form einer Einbuchtung an der unteren Seite des Kopfes unter
und hinter der Vorderhirngegend '^Fig. 31). Nach und nach gestaltet
sich diese Vertiefung am 3. Tage zu einer von 5 Seiten begrenzten
Grube, indem dieselbe hinten von den zwei Hälften des ersten Kiemen-
bogens , seitlich von den Oberkieferfortsätzen dieses Bogens und vorn
von dem vordersten Ende des Schädels, dem später so genannten Sti rn-
fortsatze begrenzt wird. Im Grunde dieser Bucht kommen das Ecto-
derma und das Entoderma des Schlundes, nachdem dieselben anfangs
durch eine dünneLageMesoderma getrennt waren, nach und nach unmittel-
bar zur Berührung, wie schon die Figg. 31 und 40 dies zeigen, und bilden
die Rachen haut von Remak, welche Scheidewand dann am 4. Tage Rachenhaut,
durch eine senkrechte Spalte einreisst, wodurch eine erste Verbindung des
Vorderdarmes mit der Aussenfläche des Kopfes hergestellt wird. Die
Reste der Rachenhaut, die anfangs wie primitive Gaumensegel Primitive Gau-
darstellen, verkümmern jedoch bald, und schon am 5. Tage stehen Mund
und Rachen in weiter Verbindung. Die primitive Mundhöhle entsteht so-
mit durch eine Einbuchtung von aussen und stellt eigentlich nichts als
den Raum dar, der vom ersten Kiemenbogen und dem vordersten Theile
der Schädelbasis begrenzt wird. Später zerfällt dieselbe durch die Bil-
dung des Gaumens, der von den Oberkieferfortsätzen des ersten Kiemen-
bogens aus entsteht, in einen unteren Abschnitt, die eigentliche Mund-
höhle, und in einen oberen Theil, der nichts anderes ist als der respira-
torische Abschnitt der Nasenhöhle.
Die Entwicklung der Anusöffnung beim Hühnchen ist bis jetzt Annsöffnung.
70
Kntwicklunt; der Leibesfoim.
Eitremitäten.
nur iliuili houNMAiiT uml Gas^er genauer unlersuchl worden. Nacli dem
letzten Autor sollen in der Gegend dieser Oeffnung von vorne herein
Kntoderma und Ectoilernia zusanuuenhängen und ein mittleres Keiui-
hlall fehlen. Uiermil kann ich nirhl übereinstimmen, indem Querschnitte
von Embryonen des 2. Tages lehren, dass hinter dem Endwulsle das
mittlere Keimldatt ü])erall \orhanden ist. Es ist demnach die Vereini-
gung der zwei oberllächlichen Keimblätter in der Gegend der späteren
AnusüHnung, wie sie in der That später sich findet, eine secundäre Er-
scheinung. Die Bildung der Afleröffnung seilest steht beim Hühnchen
mit der Entstehung der jBu/"sa
Fabricii, eines in die Cloake
einmündenden Blindsackes,
in Verbindung und kann hier
nicht im Einzelnen bespro-
chen werden. Ich bemerke
daher, auf Gasser und Born-
HALPT verweisend , nur so
viel, dass der Durchbruch des
^r Darmes erst nach dem 1 5. Tage
sich macht und dass so viel
feststeht, dass der äussere
Theil dei' Cloake sannnt der
Bursa Fuhvicii von aussen her,
also unter Betheiligung des
Ecloderma sich entwickelt
und vom 6. — 7. bis zum 15.
Tage als selbstständige, vom
Darme gelrennte Einstülpung besteht. Diese wichtigen Beobachtungen
stellen die Bildung der Mundhöhle und des letzten Endes des Darmes in
Parallele, in welcher Beziehung später noch einiges vorgebracht werden
wird.
Ich gebe schliesslich noch einige Andeutungen über die erste Bil-
dung der Extremitäten. Die erste Andeutung derselben zeigt sich
Fi^. 5'). Oueisclinitl eines llühnereinljrvo noim 4. Tajze in der Gegend der vor-
deren Extremitäten, etwa 20mal vcrgr. Nacli Rkmak. Zu l)eiden Seiten des Rücken-
marks sieht man die Muskelplalte, die liintere Nervenwurzel mit dem Ganglion und
die vordere Wurzel, alle drei in die Extremität sich fortsetzend und in der helleren
Axe derselben E sicli verlierend. Unter der Chorda zeigen sich die verschmolzenen
Aorten, zu beiden .Seilen die Cardinalvencn , unter diesen die Urnleren. Der Uarm
ist fast geschlossen, das Amnion ganz gebildet und mit beiden Lagen der nach innen
von den Extremiliitcnanlageti belindlichen seitlichen Hancliwand, der Mautplatte und
dem llf»rnl)l.'itte. verlnindi-n.
Fig.
Innere Ausbildung des Hühncrenibryo. 71
in einer leistenförniigen Vortlickung der Iiaul|)laUen an ilireiii oberste»
Tiieile, da wo sie an den Rücken angrenzen (Fig. 52 he . Nach und nacli
wird diese Leiste dickerund uielir hei-vorragend, und nininitdann später
ilu'e liasis oder ihr Ausgangspunkt fast die ganze Jireito der Hautplatte
ein, wie die Fig. 55 dies von der oberen und die Fig. 51 von der unleren
Exlreniitäl des Hühnchens zeigen. Stärker iiervorwachsend erscheint
die Extremität in Form eines kurzen Ruders oder einer Schaufei, an
welchem dann seichte Furchen erst zwei und dann drei Abschnitte her-
vortreten lassen, die Anlagen von Oberarm, Vorderarm und Hand und
den entsprechenden Theilen der unteren Extremität. Die weitere Aus-
bildung der Extremitäten des Hühnchens in der äusseren Form zu schil-
dern, liegt nicht in meinem Plane und verweise ich in dieser Beziehung
auf Ert)l.
§ «2.
Innere Ausbildung des Hühnerembryo.
Wir haben den Hühnerembryo so weit verfolgt, dass im Allgemei- innere Ansbii-
nert zu erkennen ist , wie aus der platten Eml)ryonalanlage mit ihren "nlrembryo"
3 Blättern ein Leib von dem Typus eines Wirbelthieres sich entwickelt,
nun fehlt aber noch jede Darstellung der Innern Veränderungen, durch
welche die späteren Organe und Systeme sich bilden, die aus dem mitt-
leren Keimblalte hervorgehen, unter denen das Knochensystem und das
Muskelsystem die Hauptrolle spielen. Betrachten wir den in der Fig. 56
dargestellten Embryo und fragen wir uns, ob wir im Stande sind, zu er-
rathen, wie aus dieser im Innern so einfachen Anlage die mannigfachen
späteren Theile sich entfalten, so werden wir sicherlich davon abstehen
müssen, eine Antwort zu geben. In der Gegend der Leibesaxe befindet
sich über dem Rückenmark, an der Stelle der Haut, der Muskeln und
Knochen und der Hüllen des Organes selbst, nichts als der mit dem
Namen Hornblatt der späteren Epidermis) bezeichnete Theil des Ecto-
derma, und an derVenlralseite grenzt statt einer Wirbelsäule die Chorda
dorsalis unmittelbar an das Mark und an das Entoderma oder das spätere
Darmepithel. Ebenso aufl'allend sind die Verhältnisse in denSeitentheilen
der Embryonalanlage, wo einerseits ein jeder Urwirbel eine zusammen-
hängende, weder morphologisch noch histologisch difTerenzirte Zellen-
masse bildet, die an das Entoderma und das Ectoderma anstösst, und an-
derseits an der Stelle der späteren seitlichen Leibes- und Darmwand
nichts als die gleichartigen Zellen der Hautplatlen mit dem Hornblatte
und den Darmfaserplatten mit dem Darmdrüsenblatte sich finden und von
Cutis, Mucosa, Muskellagen, Rippen, Bauchfell nichts zu sehen ist. Sehr
72
Hntwickluim der Leibesforni.
eiiienthüinlicli ist encllicli auch, dass die primitiven Aorten an das Darni-
epithel und die Urnierengänge an die Epidermis angrenzen. '
Es ist wesentlich das Verdienst von Rathke, Reichert und vor Allem
von Hemak, genau ermittelt zu haben, wie diese primitiven Zustände in
die späteren übergehen, und giebt das Folgende nach eigenen Erfahrungen,
die einem guten Theile nach die Angaben von Remak bestätigen , eine
Schilderung dieser Vorgänge.
r . I'pi
urwirbei. Die Urwirbel, anfangs ganz solide, aus Zellen zusammengesetzte
Gebilde, entwickeln später eine Höhle im Innern , in Folge eines Vor-
ganges, der mit demjenigen der Spaltbildung in den Seitenplatten ver-
glichen werden kann, um so mehr als diese Höhle auch während einer
kurzen Zeit mit der Spalte der Seitenplatten in Verbindung zu sein
scheint. Nachdem die Urwirbelhöhle Fig. 57; eine Zeit lang bestanden.
Fig. ;57.
wuchert die untere Wand der Urwirbell)iasc , namentlich an der Um-
biegungsstelle in die mediane Wand, in die Höhle hinein und füllt die-
selbe mit einer immer breiter werdenden Wucherung nach und nach
Fi{i. 56. QuerscIiniU durch einon lliiliiiercinl)i yo vom zwoileii Taj^e, 90 — tOOmal
vcrf-T. dd Darnidrüsenblatt; c/i Chorda; um L'rwirbel; uxöh Irwirbclhöhle ; ao pri-
mitive Aorta; un(j Lrnierenganp;; .9p Spalte in den .Seiten|)lallon (erste Andculuni;
der IMeuroperitoneaihühle), die durch dieselbe in dieHautpiatlen /ipi und Darmfaser-
platlen ri/" zerfallen, die durch die Millelplatten jwp unter einander zusammenhängen ;
mr Mcdullarrohr Uückenmark; ; /* Hornblatt, stellenweise verdickt.
Ki}.'..'j7. Liinjisschnilt durrh die hinleren Urwirbei eines lliihnerembrNo von 1 Tag
und 20 Stunden. Vfrgr. 70mal. mw Urwirbei; m?o' Urwirbelhöhle ; h Hornblatt,
Kctoderma ; V.ni Enlodernia.
Bildung der Wirbel. 73
so aus, (Itiss von der ursprünijUchen Höhle bald nur noch eine Spalte
übrig bleibt, welche später ganz schmal wird und schliesslich verschwin-
det. Bevor dies geschiolit, hat sich jedoch die obere Wand der Urwirbel-
blase als ein besonderes Gebilde, die Muskel pla It e oder Rücken- Muskeipiatte.
tafel von Remak, von dem übrigen Urwirbel, dou ich nun den e i s e n t - Eigentlicher Ur-
' .' ' ■' Wirbel.
liehen Ur wir bei nenne i Wirbelkernmasse bei Hk.mak . abgelöst und
bleibt fortan durch Stellung und gestreckte Form ihrer Elemente als ein
l)esonderes Gebilde erkennbar.
In zweiter Linie um\\achsen die eigentlichen l'rwirbel die Chorda,
die vorläufig noch ihre frühere Stärke beibehält, und das Rückenmark.
Die Umschliessung des letzteren beginnt am 3. Tage durch eine dünne
Lamelle, welche von den seitlich nel)en dem Rückenmark gelegenen
Theilen der eigentlichen Urwirbel ausgeht und, zwischen Rückenmark,
Muskelplatte und Hornblatt wuchernd, am 4. Tage mit derjenigen der
anderen Seite verschmilzt (Figg, 58 u. 59^ . Diese Lamelle ist die obere obe^« Jhaut"'*
V e r e i n i g u n g s h a u t von Rathke [Membrana reuniens superior] , welche
auch a potiori mit dem Namen der häutigen Wirbelbogen bezeichnet
werden kann. Die ümwachsung der Chorda geschieht von den tie-umwachsungder
feren Theilen der eigentlichen Urwirbel aus und zwar zuerst an der un-
teren Seite derselben i^Fig. 38 1 und später erst durch ein dünnes Blatt,
das zwischen ihr und dem Marke hineinwuchert (Fig. 59 . So wird
schliesslich die Chorda ganz von dem Blastem der eigentlichen Urwirbel
umschlossen, welches hier als äussere Scheide der Chorda be-AenssereScheide
zeichnet werden kann, und ist nun aus den eigentlichen Urwirbeln,
welche auch in der Länge miteinander verschmelzen,
eine vollkommene Wirbelsäule, freilich noch im häutigen Zu-
stande , hervorgegangen , indem aus dem unteren Theile der Urw irbel
die äussere Scheide der Chorda oder die Anlage der Wirbelkörper sich
entwickelt hat, aus dem oberen Theile derselben dasegen die damit un-
trennbar verbundenen häutigen oberen Bogen. Nachdem diese häutige
Wirbelsäulenanlage, welche ganz und gar an die häutigen Wirbelsäulen
der Cyclostomen und der Embryonen der höheren Fische erinnert , eine
Zeit lang bestanden hat , verknorpelt dieselbe von den AYirbelkörpern
aus, sodass wie aus Gusse gebildete Knorpelw irbel mit Körper,
Bogen und Fortsätzen entstehen und der Rest als Ligamenta interverte-
bralia, Lig. flava etc. und als Perichondrium erscheint.
Nachdem die geschilderten Veränderungen in der Axe und am
Rücken staltgefunden haben, beginnen wichtige Vorgänge, welche nach
und nach zur endlichen Vollendung der Rücken- und Bauchwand führen
und wesentlich darauf beruhen, dass Theile der Urwirbel, d. h. die
Muskeipiatte und der Wirl)elbogen, denen Auswüchse aus dem Rücken-
74
tiiitwicklimi; der l-eibosform.
iiiai-ko in Geslall der Spiiuilnerven sich Iteiiiesellen, llieils nach oben um
das Mark herum, theils nach unten in die Bauciiwand, d. h. in die Haul-
platten hineinwaclisen , während zugleich diese letzten Platten auch
sellisl nach dem Rücken sich hinauf entwickeln. Betrachten wir zuerst
Bildung der spä-,iie Biidunü licr Bauchwand. Die ursprüngliche Bauchwand
teren Bauch- "^ i i^
wand. besieht, wie w ir oben sahen, aus der äusseren Lamelle der Seitenplatten
oder aus den Hautplatlen h p und dem hier etwas dickereu llornblalte.
Anlänglich von den Urwii-beln getrennt , verwachsen später die Haut-
platten mit denselben Figg. 58, 59, 60 , und nun beginnen die Muskel-
platte, der Spinalnerv und die Seitenlheile der häutigen Wirbelsäule,
welche Theile zusammen Re.mak als Pro du de der Urwirbel bezeich-
Fif;. 58. yuersclinilt duicli den liintern Tlieil des IUiini<fes eines Hüiinerembi-yo
von 4 Tillen. 90 — lOOnial veriir. Die Buihstaben wie in Fi^. 57. ao die schon ver-
schmolzenen 2 printiiliven Aorten ; vc Vena rardinalis ; ;r/i hüutijie Anlage des Wirbel-
körpers, aus einem Theile desl rwirltels entslandcn, dieChonia niirunlen umfassend;
www wenit; scliarf markirte (ircnze der Producte des Lrwirbeis {iegen die I'roducte
der MiUelplaUen und die Aorta; wb häutige Wirbelbogen über dem Medullarrohre
vereint Meinhr. teuniens superior Hathkk) ; wq I-'ortsetziinf; der "SVirliehmhige gegen
die Bauchwand Querfoitsatz und Hijipe) ; mp Mnskelplalte ; hpr llaulpiatte des
Rückens; inh Mulle des Markes, ein I'roduct des Urwirbels; «Amnion, welclies ganz
geschlossen war, aber nicht ausgezeichnet ist. Die Markhohle ist auch mit mh
bezeichnet.
Baucliwand.
75
net, in die Haulpialten hineinzuwachsen, in der Art , dass sie dieselhen
in einen dickeren äusseren und einen dünneren inneren Theil sondern
oderspaiten. Ist die-
ser Vorgang bis /ai
einer gewissen Ent-
wiclvlung gelangt, so
besteht dann die
Hauciiwand aus fol-
genden Schichten :
I dem Hornblatte
yder der spateren
Epidermis , 2) der
äusseren dickeren
Lage der Hautplalten
oder der Anlage der
Cutis, 3 der Muskel-
platte oder der An-
lage der visceralen
Muskeln Intercosta-
les u. s. w. sammt
den Anlagen der
Xervi intercostales und der Rippen , welche letzteren im Knorpelzu-
stande anfangs durch Bandniasse mit den Wirbeln verbunden sind , und
4 der inneren Lage der Hautplalten oder der Anlage der Serosa. Wo
keine Rippen sich finden, fehlt das Hineinwachsen derUrwirbelproducte
und Axengebilde in die Bauchwand doch nicht, beschränkt sich jedoch
auf die Muskeln und Nerven sammt begleitendem Bindegewebe, und ge-
hören daher die Bauchmuskeln in dieselbe Muskelgruppe wie die Zwi-
schenrippenmuskeln.
Der erste , der die eben geschilderten Vorgänge beobachtet hat,
Rathke, nennt die ursprüngliche Bauchwand die untere Verein i-
üunsshaut Membrana reuniens inferior und die hineinwachsenden jV«miraHa «»<>«-
Theile die Bauchpia tlen , doch hat Rathke darin geirrt, dass er die Bauchplatten.
Vereinigungshaut durch die Bauchplatteu verdrängt werden lässt. Hier-
auf hat Reichert gesehen, dass die Bauchplatten, die er Visceral-
Fit:.
Fig. 59. Querschnitt eines Hühnerembryo vom 4. Tage. Vergr. 32mal. ch
Chorda; a Aorta; g- Ganglion spinale; mp Muskelplatte ; mp' Fortsetzung dersel-
ben in die Bauchwand; nsp Nervus spinalis ; ng Lrnierengang; tv WoLFFScher
Körper; p Bauchhöhle; m Mesenterium; fe Anlage der Sexualdrüse mit Keimepithel ;
rsp .Spinalkanal; (r ÄWirbelkörperanlage; vvVena cardinaUs ; bw primitive Bauch-
wand.
76
KntNvickluns der Leibesforni.
Letzte Ansbil-
dnng dee
Kückens.
p lallen lieisst, nur in die Bauchwantl liineinwachsen. und endlieh
Remak eine sehr gelungene Darstellung des ganzen Vorganges gegeben.
Ihre letzte Ausbildung erreicht die Bauchwand dadurch, dass , nachdem
die Rippen knorpelig ange-
legt und die einzelnen Mus-
keln difT'erenzirt sind, was
lange vor der Zeit geschieht,
„, in der die Bauchplatten die
vordere Mittellinie erreichen,
nun diese Theile selbst durch
j „ fortgesetztes Wachsthuni in,
der ursprünglichen Bauch-
wand, die mittlerweile bis
auf den Nabel sich geschlos-
■'^ ^ sen hat, sich weiter schieben,
4 bis sie endlich in der vorde-
ren Mittellinie zur Berührung
kommen, wie die Recti, oder
selbst verwachsen , wie die
beiden aus den Rippenenden
hervorgegangenen Brustbein-
hälften , wovon später noch
weiter gehandelt werden soll.
Bei der letzten Ausbildung des Rückens ist nach Remak der
erste Schritt zur Vollendung der, dass die Hautplatten der Bauchwand
mit ihrem aussen an den Bauchplatten gelegenen und dicht an die Ur-
wirbel angrenzenden Theile nach dem Rücken heraufwuchern und nach
und nach als Hautplatten des Rückens, zwischen den Muskel-
platten und dem Hornblatte sich forlschiebend , die obere Mittellinie
erreichen , wo sie dann , zwischen dem Hornblatte und dem oberen
häutigen Bogen der Membrana reuniens superior von Rathkk gelegen,
verschmelzen.
Fi.K. 60.
Fig. 60. Querschnitt durch den Rumpf eines Stägigen Embryo in der Nabel-
gegend. Nach*RKMAK. sh Scheide der Chorda ; /(Hornblatt; ajH.\mnion, fast ge-
schlossen; «a secundäre Aorta; vc Venae cardinales; mu .Muskelplattc ; gr Spinal-
ganglion; V vordere Nervenwurzel; hp Haulplatle; up Forlsetzung der Urwirbel
in die Bauchwand (Urwirbelplalte Remak, Visceralplalte Rkichert) ; 6/j Prirailive
Bauchwiind, aus der Haulplatle und dem Hornblatte bestehend; d/" Darmfaserplatle ;
d Darindrüscriblatt, beide liier, wo der Darm im Verschlusse begriffen ist, verdickt.
Die .Masse um die Chorda ist der in Bildung begriirene Wirbelkorper, die vor den Ge-
fässen enthält in den seitlichen Wülsten die Urnieren und setzt sich in der Mitte ins
Gekröse fort.
Erste Entwicklung der Säugethiere. 77
Ist (He llautschiciu des Rückens einniiil angelegt (Fig. 58, 59) , so
wird der Rücken langsam dadurch vollendet, dass erstens die knorpe-
ligen Wirbeil)ogen , die mittlerweile entstanden sind, mit ihren oberen
Enden in den ursprünglichen häutigen Bogen einander entgegenwachsen
und endlich, was jedoch erst später geschieht, sich vereinen und zwei-
tens die Muskelplalten auch nach oben Ausläufer senden , aus denen
dann , zusannnen mit den übrigen im Bereiche der Wirbelanlagen ge-
legenen Theilen derselben, die vertebralen Muskeln sich gestalten.
§ 13.
Erste Entwicklung des Säugethiereies nach der Furchung. Bildung der
Keimblase, des Fruchthofes und der ersten Anlage des Embryo.
Ich wende mich nun zu einer Besprechung der ersten Entwicklung
der Säugethiere, wobei ich vorwiegend an das am genauesten unter-
suchte Kaninchen mich halte.
Wie schon oben angegeben, macht dasKaninchenei im Eileiter einen
totalen Furchungsprozess durch , in Folge dessen der Dotter schliesslich
in einen kugeligen Haufen zahlreicher kleiner Furchungskugeln von 20
bis 45 u, Grösse übergeht. In dieser Gestalt tritt das Ei, umgeben von
der unveränderten äusseren EihUlle, der Zona pellucida, und beim Kanin-
chen auch umhüllt von einer mächtigen Eiw eissschicht, in den Uterus.
Hier vergrössern sich nun sofort alle oberflächlichen Furchungs-
kugeln, erhalten scharfe Begrenzungen und polygonale Gestalt, und bil-
den so ein schönes Zellengew^ebe , ähnlieh einem einfachen Pflasterepi-
thel , so dass dann innerhalb der Zona und derselben dicht anliegend
eine Blase entsteht, welche aus einer einzigen Schicht mosaikartig ange-
ordneter Zellen besteht (Fig. 61).
Im Innern dieser sogenannten Keimblase [Vesicula hlastodermica) Keimbiase.
befindet sich Flüssigkeit und die centrale Masse der Furchungskugeln.
Anfangs ist die erstere spärlich und die Keimblase den inneren Kugeln
noch dicht anliegend. Bald aber hebt sich die Blase an Einer Seite mehr
ab, ihre Elemente wachsen und vermehren sich auch, während immer
mehr Flüssigkeit zwischen der Blase und dem Reste der Furchungs-
kugeln sich bildet, und so wird dieser Rest schliesslich an Eine Seite der
Blase gedrängt (Fig. 61 c , wo er zuerst eine halbkugelig vorspringende
Masse bildet, deren Elemente als noch unveränderte Furchungskugeln
anzusehen sind.
Während nun die Keimblase wächst, wandelt sich der Rest der
78
Knlwifkluiig der Leibcsldi-in.
Fiircluiniiskuiioln. iiulein dessen Elemenle sich verkleinern, innuei' mehr
in eine scheibenförmige PhUte um (Fig. 62eMf), welche endlich un Keim-
l)lasen von 0.6 mm als eine dünne (von 4 tx) einschichtige Lage von 0,3 mm
Durchmesser erscheint und das in der Anlage begrillene innere Keimblatt
(Entodermai darstellt, während die zuerst gebildete Blase oder das was
bisher Keimblase hicss, das primitive äussere Keimblatt Ectoderma
ist. Diese beiden Bildungen, das blasenförmige Ectoderma und das
scheibenförmige Entoderma , entsprechen den beiden primitiven Keim-
blättern des Huhnes und führen noch eine Zeitlang zusammen den Namen
Keimblase.
Fiii. 61.
Fi2. 62.
In \\eileixM- Entwicklung wächst nun die Keimblase als Ganzes und
ebenso ihre Entodermaschicht immer mehr und dann erscheint, wenn die
Blase einen Durchmesser von 1,6 — 2,0 nun erlangt hat, ein weisser,
Embryonalfleck, ruudcr Undurchsichtiger Fleck, d e r E m b r y o n a I f I e c k [Area embryo-
7Uilis , lache embnjo7iatre) , früher fälschlich der Frachthof genannt , der
nichts anderes ist als die erste Anlage des End)ryo.
Die Figg. 63 und 64 zeigen ein älteres solches Ei des Kaninchens
von 3,47 mm Länge und 2,85 mm Breite vom 7. Tage, das noch frei im
Itcriis lag, in zw ei Ansichten. Die von der Keimblase etwas abstehende
Fig. 61. Kaiiinchenci aus dem Uterus , von ciica 0,011 l'ar. Zoll Grösse, das
innerhalb der Zona pellurida a die einsctiicIitiRc Keiml)lasc h und im Innern dersel-
Iten einen Rest nicht verbrauchter Furchungskiii^ein r zeij;!. Die in diesem Stadium
noch zicmlicli miichtigc Kiwei.ssscliiclil isl tiidil diif;.'('sl('lll. Nacii Bisciioi-i- Tafel IV,
Fig. 35.
Fig. 62. Keind)lase eines Kaninchens aus dem Uterus von OjAO'i mm, lOOmal
vergr. z Zonn polliK kUi und Kiweissschicht; erl Primitive Lage der Keimblasc oder
Ectoderma derselben; enl innere Furchungskugein in der Umbildung in das Ento-
derma begrifTen.
Einbivonalflock.
79
Kihaul mo besteht aus zwei Lagen. Die innere ist die Zo7ia pellucicld,
zeigt scharfe Conturen und Ivesitzt überall dieselbe Dicke von II.O
bis I l,ö|jL, während eine nach aussen von ihr behndliclie Lage, die als
Rest der Eiweissschicht des Eileitereies sich darstellt, durch ihre wech-
selnde Dicke von 7 — 15 u sich auszeichnet und überdies stellenweise
tlache. warzenförmige Verdickungen zeigt, deren Dicke jedocii nicht
mehr als das doppelle der Eiweissschicht beträgt. Die Keimblase selbst
ist wie das ganze Ei länglich rund und zeigt einmal einen runden weiss-
lichen Fleck, den Eml)ryonaineck ag, von 0,57 nun Durclimesser genau
Fie. 63.
Fii.'. 64.
in der Mitte der Keimblase, da, wo der längere und der kürzere Durch-
messer dersell)en sich schneiden, und zweitens in einer ziemlichen Ent-
fernung von demselben eine leicht wellenförmige oder schwach ge-
zackte unregelmässige Linie ge, welche die Stelle bezeichnet, bis zu
welcher, vom Embryonal flecke an gerechnet, das Entoderma giewuchert
ist und die Keimblase d o p p e 1 b 1 ä 1 1 e r i g erscheint.
Der Embryonalfleck Figg. 65, 66) besteht, ebenso wie die Keim-
blase in seiner Umgebung, aus zwei Schichten, einem äusseren und
einem inneren Keimblatte, von welchen das eine, und zwar das innere,
am EmJjryonalflecke genau ebenso beschaffen und ebenso dünn von
7,6 — I 1 .0 [x) ist, wie im doppelblätlerigen Theile der Keimblase Fig. 67, ,
wogegen das Ectoderma im Embryonalflecke 22 ;x in der Dicke misst,
Fig. 63. Ein Ei des Kaninclicns aus dem Uterus von 7 Tagen und 3,47 mm Länge
von oben gesellen, mo Zona pellucida mit dem Rest der Eiweisssctiiclit, eine äussere
Eihaut darstellend und von der Keimblase künstlich abgehoben; ag Embryonaltleck
{Fruchthof, ; ge Grenze des Entoderma oder die Linie, bis zu welcher die Keimblase
doppelblätterig ist. Vergr. fast tOmal.
Fig. 64. Dasselbe Ei in der Seitenansicht dargestellt, mit Weglassung der äusse-
ren Eihaut. Buchslaben wie vorhin. Vergr. fast lOmal.
80
Entwicklune; der Leibesforni.
Während dasselbe im übrigen Tiieile der Keimbiase nicht mehr als 7 bis
8 jx beträgt.
Es beruht somit die grössere Dicke der Keim blase
amEml)ryonalflecke einzig und allein auf der grösseren
Dicke des Ectoderma, welches jedoch auch hier einschichtig
ist und aus walzenförmigen kernhaltigen Klemenlen von 11— ISjx Breite
besteht, wogegen die Zellen des Enloderma hier 19 — 26 \i in der Breite
messen und so abgeplattet sind, dass die Stellen, wo die 11 — 1 2 }i grossen
Zellenkerne sitzen, oft als Verdickungen erscheinen. Beiderlei Zellen
sind von der Fläche zierlich polygonal, wie Pflasterepithelien.
gcT
Fi2. 65.
ect\
Fig. 67.
Die Zellen des Ectoderma des Embryonalfleckes gehen in die Ele-
mente der äusseren ursprünglichen Schicht der Keimblase über (Fig. 65),
und stellen somit l)eiderlei Elemente eine vollkommen geschlossene ein-
schichtige Blase dar. Dagegen setzt sich das Enloderma des Embryonal-
IJeckes nur bis zur Linie (je auf die Keimblase fort, und ist somit die
innere Lamelle der Keind)lase in diesem Stadium noch von Kelchform.
In weiterer F^ntwicklung dehnt sich das innere Blatt der Keimblase
immer weiter gegen den dem Embryonalflecke gegenüberliegenden Pol
aus und wird die Area cnihri/oiKilis selbst birnförmig (Figg. 68, 69),
Fif.'. G5. iJurcIiscIiiiill diiicli den iiocli luiidcn Kniljiyonalllcck (Fruclitliofj eines
Kaninchcneies von 7 Tagen. Vergr. SOniai. «ry HriiliiNfniallU'ck ; rr/ Keimbiase ; ent
Enloderma; erl Kctodeima.
Fig. 66. F:in Theil dos Flmlirxoiialllcekes Fniclitiiofes der Fig.6ü, 360mai vergr.
ßiiclislabcn wie dort.
Fig. 67. Ein Theil des doppelblätlrigen .\bsclinittes der Keimblase der Fig. 65,
360n)ai vergr. IJiielistabeii wii- dorl.
Primi(iv.stieilen.
81
worauf dann an noch lirösseren Keiniblasen die ersten Spui'en der Organe
des Embryo auftreten.
Es bildet sich iiäinlicli am liinlerslen l^^n(h^ des l)irn form igen Imu-
l)ryonalfleckes eine rundliche Verdickung , \veU;he allmälig nach vorn
in einen kegelförmigen Anhang sich verlängert (Fig. 70) , welche Ver-
dickung, wie der weitere Verlauf lehrt , nichts anderes ist als die erste
Fii^. 68.
Fig. 69.
/"^,
vT' /"•
Fig. 70.
Fig. 71.
Fig. 68 und 69. Keiinljlasen des Kaninchens von 7 Tagen ohne äussere Eihaut von
der Seite und von der Fläche. Länge 4,4 mm. ag» Embryonalfleck {Area embryonalis) von
1,3 mm Länge und 0,8 mm Breite; ge Stelle, bis zu welcher die Keimblase doppel-
blältrig ist. Vergr. lOmal.
Fig. 70. Area embryonalis (Enibryonalfleck) eines Kanincheneics von 5 mm von
7 Tagen. Länge des Embryonallleckes 1,61mm. Yergr. fast 30 mal. pr Anlage des
Primitivstreifens von 0,4 5 mm Länge, 0,25 mm grösster Breite, 38—57 [a Dicke.
Fig. 71. Embryonalfleck eines Kanincheneies von-S Tagen. Grösse des Embryo-
nalfleckes 1,73mm. arg Area embryonalis; pr Primitivstreifen mitRinne von 0,85mni
Länge, 0,22 mm Breite. Vergr. etwa 22mal.
Kölliker, Grundriss. 6
82 J'liilw ickluiii,' (icr l,eiln'sl'(irin.
.\n(loiilmi,!4 (It's l'iiiiiiliNslicilVMis , den tlic Fi|j;. 71 mit doi' l'i-imitivriiine
\un t'iiKMii t'lwjis iilliMiMi Kio und zwar in dor liinloren Hiilflc der Kni-
lirNonnlanla^c /(>ijj;l.
Die wirkliche i\;ilur dos auftrelendon Priinilivslrcirens kann aucli
heim Kaninchen nur an Schnitlen erkannt werden, und ergel)en solche
Fiii. 72), dass aucli beim Säiit;elhiere, wie heim Hühnchen, derPrimiliv-
slreifen als eine Verdickung oder Wucherung des Eclo derma
auftritt, welche Verdickung, wie das Weitere ergieht, nichts an-
deres ist als die erste Spur des mittleren Keimblattes.
Wir verfolgen nun den Primitivstreifen in seinerEntwicklung weiter.
/7
_"f Ff _ Y
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efit
e/il ;■
Fig. 72.
Zwischen dem 7. und 8. Tage setzen sich die Eier des Kaninchens
im Uterus fest, und erst von dieserZeit an erscheint der Primitivstreifen
in einer Form, die derjenigen des Hühnchens entspricht (Figg. 73, 71).
Solche Eier zeigen scheinbar noch denselben birnförmigen Enibryonal-
lleck wie früher, sieht man jedoch genauei- zu, so findet man, dass diese
'''^'s o'fwa*""' '^''^'" noch von einem grösseren Hofe umsäumt ist, der nichts anderes
darslelil, als das, was wir beim Hühnchen ylrea vascidosu nannten, wäh-
rend dor bisher so genannte Eni])ryonallleck, der Fruchthof der früheren
Autoren , nun ganz und gar als Embryonalanlage erscheint. Wie beim
Hühnchen hängt die Bildung des Gefässhofes auch beim Kaninchen mit
der Entwicklung des Mesoderma zusanmien , welches vom Primitiv-
streifen aus zwischen Ectoderma und Entoderma wuchernd allmälig über
den ganzen l-lmhryonalllcck sich ausdehnt und dann von hier aus auch
auf die Keimblase übergeht. J)cr Anfang dieser Gestaltung fällt in die
Zeil des ersten Auftretens des Primitivslrcifens , die weitere Entwick-
lung findet jedoch erst statt, nachdem die Eier (die Keimblasen) an die
Uteruswand sich fcsigesetzt haben, und ist nicht leicht zu vei'folgen, da,
weiiigslons an l'liiclicnbildciii, dei' iiand des Mesoderma im Hereiche der
Kciniblasc odci" iiiil aiKlcrcii WorU.'n die Grenze der Area vascu/osa an-
fangs sclir iiii(lciillich isl. lici der l'jid)rynnalanlag(^ dor iMg. 73 wai" die
V'n!,. 72. OufTSfliiiiU flurcli den dickeicii Tlicil der ersten AnUigt' des Priiniliv-
stn'ifons r-int-s Kaninrlicncics von 7 Tüiiimi. 105mal vcrj^r. pr l'iiinilivslrcifcn; Ol
Kciiidtlüse ; cc< Ectoderma ; vnl \in[t>iir.nuu.
Hiickciiriiichc
83
Area vasculosa i;;iiiz ii n s\ in in c ( ri sc h ciilw ickcll , g;mz .iikIcis üIs
HisciioKF sie zcicliiiol , iiiul dassi'H«; liahc ich l>ci iillcti jiiniicn K;miii-
cliciiemlti'yoiioii i^crimdcn, wie dies iiiicli IIi:i\si;n vor mir luichi^cw icseii li;il.
Genauer hezeicliuel eryieht sicli , dass vei'schiedeii vom llidiiiclien
der Gcfässhoi" am \oi(l(u-cn Ende der Embryonalanliii^e schmal , seillich
von dei'selhen hrcilei- und hinten am allerhi-eileslen ist, so dass die Vaw-
brjonalanlage i^anz excenlrisch in der Area casculosa ihre l^iige hat
(1%73).
Weitere Umbildungen der Embryonalanlage des Kaninchens.
iNachdem der Primiti\slreifen einige Zeil ijeslanden iial, entslehl vor
demselben die llückeniurche als ein anfänglich ganz kurzes Gebilde liii'keiitmcho.
(Fig. 73) , das jedoch bald, zugleich mit der Embryonalanlage, einejgrössere
Fia. 73.
Kiü. 74.
Fig. 73. Area vasculosa und Eml)ryonaltleck Embryonalaiilago) eines Kaiiinchen-
eies von 7 Tagen, 28mal vergr. o üctä.sshof {Area opaca) vorn 0,20 mm, seitlich
0,57 mm, hinten 1,71 mm breit; ag Embryonallleck oder Embryonalanlage; pr
Primitivslreifen ; rf Rückonfuiche.
Fig. 74. Embryonallleck oder Embiyonalanlage eines Kanincheneies von »Tagen
und 4 Stunden. 20mal vergr. r/' Rückenfurche ; p?' Primilivstreifen.
6*
84
Kiitw irkiiuiL; doi' Loibesfonn.
Parietalzoue
Urwirbel
Her/, anlagen.
I.iiMiit» iiowinnt. wiiliroiul diT Primitivslroiren allniälig relativ und absolut
.ihniiniiil und undeutlit'h wird. So entstehen Zustände wie sie die Figg.
71 und 7ö d.ii-slellen. Bei dein letzteren Eie ergab sich auch zum ersten
.Male inil voller Heslirnnitheil, dass die ganze, nun leierförinigo Knibryo-
nalanlaL;e zum Kmhi-yo wii'd. tienn hier konnte man bereits mit Aus-
stammzoue. nähme der hintersten Tlieile die breite Stanimzone stz mit zwei Ui-
wirbeln von der Parielalzune p z, unterscheiden, die den Randtheil der
bisher so genaiini(Mi i'^iubryonalanlage oder des früheren Embryonalfleckes
bildete, bn riiichenbilde sah man dieRücken-
birche (/•/') deutlich, welche in der Uj"vvirl)el-
gegend und hinter derselben am breitesten
war, vorn dagegen um das doppelte sich ver-
schmälerte, und ausserdem fand sich in der
Parietalzone zu beiden Seiten der Kopfgegend
eine dunklere Stelle am Rande, h, welche
nichts anderes als die erste schwache Andeu-
tung der l)eiden Herz an lagen ist, wie
später gezeigt werden soll.
Die nun folgenden Stadien sind, wenn
man bereits mit der Entwicklung des Hühn-
chens vertraut ist, leichtverständlich. Bei dem
Embryo dei' Fig. 76 besass die S ta nj mz one
[slz-j dieselb(Mi Umrisse wie die Embryonalan-
lage und war ringsherum scharf gezeichnet, voi-
allem vorn, vor den Urwirbeln, woselbst ihre Begrenzung mit dem
Rande der Medul lar platte mp zusammenfiel und eigentlich
v(in den noch wenig vortretenden Rückenwül sten darge-
stellt wurde. Dieser Kopfthcil der Stanunzone zerfiel in einen
vorderen hreiteren Abschnitt , die Anlage des Vorderhi ms, und in
einen schmäleren hinteren Theil, die Anlage von Mittelhirn und'Ilin-
te r h i rn.
Milien ülxM-don ganzen Kopftheil zog sich eine Furche, die Rücken-
furche, deren tiefsler Theil allein im Flächeid)ilde sichtbar war, wo-
gegen Querschnitte lehrten, dass die Ruckeidinclie und ebenso die Me-
dnllarplalle die ganze Län.ye und Breite der Slanunzeiw am Kopie ein-
nahmen. Im Vergleiche mit dem Hühnchen lallt besondcsrs die scharfe
vordere Begrenzung der Meduilarplalle auf, und lässl sich überhaupt
Fig. 75.
Fig. 7:;. iMiiliisdiiiiliinliij^c eines ;imli'icii Ivics (Icsscilicii Kiinincliriis , von dem
flieFig.7'i sliunnit. Vcigr. 20mal. ;7Hii(k('iil'niclic ; j>r Hcsl di-s l'rimilivstreifeiiH ;
stz .Sliinitiizone mit 2 ljr\virt)oln; pz l'iiricliii/eiie ; h erste Andeutung der Ilcrzati-
lagen.
riuclilliolc des K'iiiiiii(;lK'iieii»l)rv<
85
sagen, dass bei Säugelhieren sclioii in diosom früheren Stadium die An-
lage des Gehirns viel bestimniler gezeichnet auftritt. Von der Pa r le-
tal zon eist nur das zu erwähnen, dass diesell)e vorn am Kopfthelle
nahe am Rande jedersells ein röhrenförmiges Gebilde zeigt [hz], welches
die nun deutliche erste Anlage je einer Ilerzlüilfle ist.
Fig. 76.
Der Gefässhof [ao] zeigte bereits undeutliche Gefiissanlagen, in
Gestalt solider und hohler Zellenstränge, und als Novuni einen hellen
Frucht hof Area pelhicida, in Form eines am Kopfe schmalen, nach hin- Area peiiudda.
ten sich verbreiternden hellen Saumes , der dadurch in die Erscheinung
tritt, dass nun das Blastoderma in der nächsten Nähe der Embryonal-
anlage dünner ist, als weiter nach aussen. Während jedoch beim Hühn-
Fig. 76. Area apaca {vasciilosa) und Embryonalanlage eines Kaninchens von 8
Tagen und 9 Stunden mit 3 ürwirbeln. Länge des Embryo 3,13 mm. Vergr. nahezu
18mat. ao Area vasculosa s. opaca ; ap Area pellticida ; mp Meduliarplatte am Kopfe ;
h' Gegend des späteren Vorderhirns; h" Gegend des späteren Mittelhirns; r/'Rücken-
furche; äs Herzanlage; sfz Sfammzone ; pz Parietalzone; pr Primitis streifen.
86
l'liilw ickliiim der Leiltt'sfoi'in.
clieii in (Ici- Aica oimca das J'^nlodcrma sich vei'dickl, ist es beim Kanin-
cluMi i:ciadi' umgekehrt das Ectodoinia, (his in ehier gewissen Entfernung
vom l']nd»r\o mächtiger wird.
Einen weiter vorgei'ücklen Embi'yo mit 8 deutlichen Urwirl)ehi
i»..i'i'i'it<» iif>r/- zeigen die Figuren 77 und 78 , an dem \or allem die Herzanlagen
crwiilnienswerth sind. Die beiden llei-zliiilflen bilden seitlich am KopCe
wie zwei henkelarlige, ganz fremd-
artige Ansätze, deren laterale Be-
grenzungen um 1,31 mm von v\w-
andcr abstehen. An jeder Anlage
unterscheidet man jetzt deutlich
den eigentlichen Ilerzschlauch (/))
und eine Spaltlilcke oder Höhle,
die das Herz umschliesst [ph) , die
llalshöhle oder Parielalhöhle (His).
Am Herzschlauche erkennt man hin-
ten die aus den) hellen Fruchthofe
Pjg 77. kommende Venaomphalo-mesente-
vica f?'o), dann einen spindelförmi-
gen min leren Tlieil (//;, die Kammer, endlich einen vorderen medianwärts
gebogenen Abschnitt a, das Aorlenende mit dem Anfange der Aorta.
Y'y^. 77. Möller Friiclilliof und l'iiiibiyoiuilanlago fiiics Kaninclieiieiubryo von
STagcn und 14 Stunden und 3, 6.1 mm Länge nach Erhürlung in Osmiumstiure. Vergr,
21 mal. aj) Area pellucida ; «/'vordere Au.ssenfalte; sts Stammzone; pz Parietal-
zonc; »7 Hiickenfurclie; ?<t/; Urwirl)el ; /j/i Ilinlerhirn ; m/i Millelhirn ; 7'/i Vorder-
liirn ; «/> Anla^ie der Aiif;enl)lasen ; // llerzl<ammer; ro Vena oinplialo-iiipsenlerica ;
a Aorlenende des Herzens; jili l'aiielalliiihle oderllalshöhl*! ; rrf (hii(;lis(;liiinmern<ler
Kand der vorderen Dariiiiiforic.
I*'if;5. 78. Kopf desselben Krnhryo von «li-r IJanciiseilc in Uniiissen. JJuciisialiiMi
und VcrgrOsscrung wie vorlnti.
Dujjpi'ltc llLTzaiilai^eu. S7
Die Begrenzung der Pariotalhühle , die das Herz umschliessl, ist beson-
ders ialoi'idwürts sehr deutlicli, al)er auch an der anderen Seite nicht zu
verkennen. Nach hinten geht die seitliche Hegi-cnzung dieser Höhle in
eine Isilte (ifübev, weiche den Kopf bogenförmig unigiebt und als erste
AnchMitung der Kopfscheide des Amnion und der Kopfkappe betraciilet
werden kann.
In zweiler Linie verdient bei diesem Embryo die Medu I la ip I a t te
und die Rücken furche alle Beachtung. Die Furche ist noch in ihrer
ganzen Länge offen , nichtsdestoweniger zeigt dieselbe vorn am Kopfe
ganz deutlich drei Abtheilungen. Von diesen ist die hinterste hh, dem
späteren H i n te rh im e entsprechende, die längste, kürzer die Anlagen
des Mitteihirns mh und Vorderhirns vh, von welchen das letztere schon
jetzt die Augenblasen aö als zwei seitliche, nach oben offene Aus-
buchtungen erkennen lässt. Der vorderste Theil der Gehirnanlage ist
übrigens etwas nach der Bauchseite gekrümmt, und zeigt der Kopf jetzt
auch einen deutlichen vorderen Umschlagsrand der Parietalzone mit der
Anlage d e s V o r d e r d a r m es [vd) .
Von liesonderem Interesse erscheint ])eim Säugethierembryo die Bil-
dung des Herzens, da dieselbe in so manchem von derjenigen der Vögel
abweicht, und gebe ich daher in den Figg. 79 und 80 noch zwei weitere
Abbildungen, die die allmälige Verschmelzung der Herzhälften illuslriren.
Die Fig. 79 stellt einen Embryo von 8 Tagen und 18 Stunden dar,
der in Osmium erhärtet etwa 3 nmi mass. Derselbe zeigt die beiden Herz-
hälften einander so genähert, dass sie nicht mehr weit von der Mittel-
linie der vorderen Brustwand ihre I^age haben, welche nun auch eine
viel grössere Länge besitzt , so dass die vordere Darmpforte nicht mehr
weil von der Gegend des ersten Urwirbels absteht. Ausserdem verdient
Erwähnung, dass jede Herzhälfte stark gekrünunt und mit einer con-
caven Seite der anderen zugewendet ist , ferner dass dieselben — und
dies ist wohl noch wichtiger — schon die drei Abschnitte des späteren
verschmolzenen Herzens erkennen lassen, den Bulbus aorlae, die Kammer
und das Venenende. — Ausser dem Herzen sind auch die dasselbe
umschliessenden Parietalhöhlen sehr deutlich, welche, wie Querschnitte
lehren, um diese Zeit noch ganz getrennt sind.
Auffallend ist an diesem Embryo sonst noch der bedeutende ven-
trale Umschlag am hinteren Leibesende, der nun eine ganz deutliche
hintere Darmpforte begrenzt. In der Ansicht vom Rücken her erkannte
man auch, dass die Kopfscheide und Schwanzscheide des Amnion schon
ziemlich gut entwickelt waren, und ferner das Medullarrohr bis in die
(iegend der letzten Urwirbel geschlossen erschien.
Die Fig. 80 endlich zeigt einen 9 Tage und 2 Stunden alten Embryo,
gg Eiilwicklung dor LtMhesform.
bei (loiii luiii die beiden Merzhälflen vereinigt sind, und als letzte Spur
der früheren Trennnni; ein Septum {sc) im Innern aller drei llerzab-
schnitte erselieinl. Kin Herz aus diesem Stadium ist sehr verschieden
von dem primitiven Herzen eines HUhnerembryo, was einfach darin be-
iiründel ist, dass , wie bemerkt, bei Säugethieren schon vor der Ver-
schmelzung der beiden Herzhälften die drei Herzabschnitte angelegt
sind. Doch ninmit das Herz bald, indem es sich in die Liinge zieht, eine
f:'' /■ /
//
^ \
C^-^^?^
^ hnf
Fig. 79.
1-i;;. SO.
Fig. 79. Embryo des Kaniiiclions von 8 Tagen Und 18 Stunden. Vorgr. 24 mal.
In der vordem Leitjcswand am Kopfe die l)eiden Iler/anlagen , an deren Endotliel-
schläuchen das Venenende, der Kamrnerllieil und das Arterienende deutlich zu unter-
sclieiden sind. Wirbel sind 10 da und am liinlcrcii Ende ein l'msclilagsrand milder
hinteren Dartiipforte siclitbar.
Fig. KO. Kaninchcnembryo von 9 Tagen und 2 Stunden von der Hauciiseite. 19
mal vergr. /./i K<ipfka|)|)e; am Amnion; f a/" vorderi' , .9a/" seiliiclM' , /i «/' hintere
Amnionscheidi" ; r/i Vorderhirn; t; Ileizkammci-; Ixi hiilhtis uortae ; h Vorhof; t'O
Vena oinphalo-viexciilerica; s c Seplurn cüidix ; nir Mcdiillarroiir ; .v<3 Stammzonc ;
pz Parielalzone; hd hintere Darmpforte.
Li'ilirsk i'ii III Hill iiL^i'n. ^9
S-föriniiic Gostall ,in , wio sie heim llülinclien vorkoinint und wie sie
auch vom SäUij;elliierenil)ryo schon liiiiiist durch Uisciiokf bekannt i^ewor-
den ist.
Die Ul)riij;en Verhältnisse dieses KmhVyo sind folgende. Derselbe
war schon ei-heblich dei- fJinge nach t;ekrümmt und zeii^le ausserdem
auch die vordere Koplkrümmunü; ij;anz i;nt ausiijepräij;! , so dass von der
Bauchseite her das Vorderhirn rli in seinen l)ei(lon IliiHten mit den
Augenblasen sichtbar war. Die hinter dem Vorderhirne vor der Aus-
gangsstelle der vorderen Anniionfalte [vaf) gelegene leichte Vertiefung
mit den zwei seitlichen Wülsten sind die ersten Anlagen der ersten
Kiemenbogen und der MundöfTnung. Am Kopfe und Schwan/ende fanden
sich gut ausgebildete Umhüllungen vom Amnion [am, liaf] und ausser-
dem waren auch die Seitenfallen dieser Haut selbst von der Bauchseite
her deutlich zu sehen [saf). Immerhin war an diesem Embryo noch
ein grosses Stück des Rückens unbedeckt, welche Stelle in der Fig. 80
z. Th. zu erkennen ist und beiläufig von den Buchstaben ha bis zu haf
reichte. Gut entwickelt war an diesem Embryo der Vorderdarn),
dessen Eingang nun am I . Urwirbel stand, und el)enso erschien auch der
Hinterdarm [hd] länger angelegt als früher. Eine Verdickung (Ver-
breiterung) am hinteien Leibesende ist die erste Spur der Allantois.
Letzte Ausbildung der äusseren Leibesform des Kaninchens. EihüUen.
Nachdem der Kaninchenembryo die am Schlüsse des vorigen § be-
schriebene Gestalt angenommen hat, wird er in ähnlicher Weise wie
derjenige des Hühnchens in seine typische Form übergeführt. Zunächst
entwickelt sich der Kopf mächtig und innner mächtiger, was vor allem
durch die Grösse und rasche Entwicklung des Gehirns bedingt wird, und
zugleich bildet sich die schon in § 14 erwähnte Krümmung desselben
immer mehr aus, die auch hier als eine doppelte erscheint.
Einen Embryo des Hundes aus dem Anfange dieser Zeit zeigt die
Fig. 81 , an der man die vordere und hintere Kopfkrümm ung , mit vordere «ndinn-
. ' tere Kopfkrüm-
dem Scheitel- und Nacken höcker deutlich erkennt, während das mung.
Scheitelhöcker.
hintere Leibesende noch ganz gerade ist. Eine weitere Stufe stellt die Nackenhöcker.
Fig. 82 von einem Kaninchenembryo dar, indem hierauch die Schwanz- Schwanzkrüm-
1 "" ^ e mung.
krümm ung sehr gut ausgeprägt erscheint, wogegen die hintere Kopf-
krümmung oder die Nackenkrümmung lange nicht so ausgebildet ist,
wie beim Hunde.
90
Kiitwiiklunu der Leibesfonn.
Das Mjixiimiiii dirstT Kiuiiimmii^cn /eiij;on die Figg. 83 und 84, und
slelll nanientlich die Fig. 83 vom Embryo eines Hundes den höchsten
(Jrad (ItT Krüniinuiigoii dar. der ül)erhaupl erreicht wird. Bozeiclinet
liir. 81.
Fig. 82.
man die Axe dieses Embryo mit Linien , so ergiebt sich , dass die Axe
(h's Rückens ungefahi' unter einem recliten Winkel in die des hinteren
Ko[)(llieiles und dieser wiederum in dersell)en Weise in den vorderen
Kopfabschnitl übergeht. Ferner findet sich eine starke Biegung zwischen
Fig. 81. Embryo eines Hundes mit vollkoninien gel)ildetem, aber diclit anliegen-
dem Amniun, noch ohne Allantois mit angrenzenden Theilcn de.s Dollersaclves in der
Seitenansicht, etwa lOmal vergr. Nach Bischoff. Der Embryo ist mit seinem Kopfe
wie in den Dottersack eingestülpt, d.h. in einer Einsenkung desselben gelegen.
« Vorderliirn ; <; Zwischenbirn ; rMillelhirn; rf dritte primitive llirnblase; eAuge;
/" (iehörbliiscben ; 7.7.7 Kiemenbogen ; h Herz. Am Haucbo siebt man die Hiinder des
riimenförmig ausgehöhlten Leibes.
Fig. 82. Kaninclienembryo von 10 Tagen nach lilntfcrnung des Amnion, der
Allantois und der Keimbla.sc, und mit blosgelegtem Herzen, 12mal vergr. v Vorder-
kopf; a Auge; » Scheitelhöcker mit dem Mittelhirn; fc'/i;"Ä:"' erster, zweiter, dritter
Kiemenbogen ; 0 Oberkieferfortsatz des ersten Kicmenbogcns. Von Kiemenspalten
sind 3 sichtbar. Die vierte ebenfalls vorhandene war mit der Loupe nicht zu erken-
nen ; V Herzkammer, davor der Bulbus aortne, dahinter das Atrium ; ve vordere Ex-
IremilJit; he hintere Fixtremilüt; m .Mundgegend; r« Gehörorgan; hit |)rimilivc
Kauchhaul, dorsalwärls die Visceralplatte ; n Nackenhöcker, Gegend des 4. Ventrikels.
Ki'iininiiini^cn dos Leil)es.
91
dei' Hills- vmd BiMis(ij;('izc'ii(l iiiul (Miie /Avcilc solclic in der Hohe dei" liin-
Icreii l'Alrcinitiit, (li(^ Si'hwiinzkrümimmi^. Die (iosiimnitkriinmiun!^ ist
so, dass das vordere und hintere Leibesende einander sehr nahe liegen
und eine ziondicli i^osrhlosscncHuchl umfassen, in welcher, von den eben-
falls woilei" enlwic'kelton seillichen (und voi'dcron) Lcibeswändon um-
schlossen , das Herz , die Anlage der Leber und der sich entwickelnde
Fig. 83.
Darmkanal ihre Lage haben, während aus ihr der Stiel der AUantois, der
Urachus, und der Dottergang (r) heraustreten. Etwas weniger entwickelt,
d. h. zurückgebildet , erscheinen diese Krünuiiungen bei dem älteren
Rindsembryo der Fig. 84, jedoch immer noch deutlich genug.
Zu der beschriebenen Kopf- und Schwanzkrümmung gesellt sich
nun noch eine D rehung des Embryo um seine Längsaxe, die
in einer bestimmten Zeit sehr ausgeprägt ist (Fig. 82 dieses Werkes und
Fig. 178 meiner Entwicklungsgeschichte).
Spiral-, Kopf- und Schwanzkrümmung erhalten sich, nachdem sie
vollkommen ausgebildet sind, noch eine gewisse Zeit, dann aber streckt
Fig. 83. Embryo eines Hundes von 25 Tagen, 5mal vergr. Nach Bischoff.
« Vorderhirn ; ^ Zwischenhirn ; c Mittelhirn ; d dritte Ilirnbiase ; e Auge; f Gehiiv-
bläschen ; g Unterkieferfortsatz; h Oberkieferforlsalz des ersten Kiemenbogens, zwi-
schen beiden der Mund; t zweiler Kieuienbogen , davor die erste Kiemenspalte; k
rechtes Herzohr; l rechte, m linke Kammer; n Aorta; o Herzbeutel ; p Leber; </
Darm; r Dottergang mit den Vasa omphalo-mesenterica ; s Dottersack; < AUantois;
«Amnion; v vordere, a; hintere Extremität ; 5 Riechgrube.
92
Kiilwicklmit; dor Leibcsform.
--'.9
llo. Sl.
sicil d(M- lunhryo \vi(Nl(M-, voiI'km-I /uerst dio spiralige Dreluing und end-
liol\ auch die um di(> Oueraxe . ohsehou die lelztei'e noch lange Zeil an-
gedeutet bleibt.
II A; A-" ^.' Wjis nun die Ursachen
dieser Krümmungen im All-
gemeinen anlangt, so werden
dieselben unstreitig dadurch
bedingt, dass der Rücken und
vor Alletn das centrale Ner-
vensystem , von denen wir
schon früher gesehen haben,
dass sie vor allen anderen
Theilen sieh anlegen und wei-
terbilden, mehr als die Tlieile
tler Bauchseite wachsen, wo-
durch der Eml)ryo nothwen-
diger Weise nach dem Rücken
zu convex wird. Später
rücken dann diese Theile im
Wachsthume langsamer vor,
und beginnen die Organe der
Ventralseile sich zu entwickeln , worauf dann der Kmbryo gewisser-
massen sich aufrollt.
Während die beschriebenen Veränderungen in der Stellung des
Leibes vor sich gehen, entwickelt sich nicht nur der Kopf immer mehr,
Hals, sondern es bildet sich a-llmälig auch der Hals aus und zwar in ganz
gleicher Weise wie beim Hühnchen (Figg. 85, 86). Es l^ilden sich näm-
KiemHjii.oKen u. lieh auch bciiu Säugcthierc am Halse K iemen sp al^en und Kiemen-
-spalten. '
bogen. Deutlich sind drei Kiemenbogen. Der erste begrenzt die Mund-
oberkieferfort- öflnung uiul zcrlüllt (Icutlicli iu ciiicii kürzcrcm Oberk ief erfortsatz o,
*"**■'■ 1 ■ II.-
welcher an die iiiilcrc fluche des \'()rder'k()])les sich anlegt, und in einen
^"**"|j''"^*'''^"''^' längeren U n te r ki e f e r f (» i- 1 sa l z ?/, der einen ])rovisoi'ischen Unter-
Fig. 84. Embryo eines Rindes, önial veif^r. r/ (ieruclisi^rühclien; /i' erster Kie-
menbügen mit dem Oljei- um! Untcrkieferfort.satze ; vor dem ersteren das Auge;
/f" k"' zweiter und driller Kiemcid)Og(!n. Zwisclien den drei Kiemenbogen zwei Kie-
menspalten sichtbar, während der Mund zwischen den zwei Korlsätzen des ersten
Bogens liegt, s Scheitclhöckcr ; n Nasonhückei-; o durchschimmerndes Gehiirbläs-
chen mit einem oberen Anhange {recessus vpslihuli); vp Visceralplatten oder
Kiiiii-hplallen ; re vordere KxtremitHl; / l.eberge^end ; (im Hcste des Anjuion; /)
Nidtelslran";. Die MancliwMiid dieses Kmbryo besti'ht noch gnisslentheils aus der ur-
spriingliclicn Haiuliliaul [Mi-iiihnina reuiiieus inferior), in weichi^r zierliche Gefiiss-
ratiiilicatioficM >ir|i finili'O.
Kiciuciiho^fii 1111(1 -s|nilltMi. 93
kiefer darslelll, jodocli iiiifaniis vom kolliiii; angeschwollen endet und mit
der anderen Seile nicht zusaniinenhängl.
Zwischen diesen Theilen finden sich die piiiiiitive grosse Mund-^'un^öffnung.
Öffnung m von raulenl'örtniger (ieslalt, an deren Stelle während der
Ausl)ildung der Kienienhogcn erst eine dünne liaul, die Kaehenliaut, sich
findet (Fig. 107 /), die dann später vergeht. Zwischen dem ersten und
Kig. 8ö. Fig. 86.
zweiten Kienienbogen findet sich die erste Kiemenspalte, die auch
bei Säugethieren sehr gut ausgeprägt ist (Figg. 8*2 — 84). Ebenso ist
auch der zweite Kienienbogen stai-k entwickelt und vora ebenfalls ab-
gerundet (Fig. 85, /,"), wogegen der 3. Bogen (Fig. 82, 85 /,"'i erheblich
kürzer ist, und ein 4. Bogen als besonders abgegrenztes Gebilde bei
Säugethieren sich nicht nachweisen lässt. Dagegen sind eine 3. (Fig. 82)
und 4. Kiemenspalte auch beim Kaninchen ganz deutlich, nur kleiner als
die vorderen Spalten.
Alle Kiemenbogen entstehen in der primitiven Schlundwand als
Wucherungen , die von den Seitenlheilen der Schädelbasis nach der
Bauchseite zu wachsen, und sind die Homologa der am Rumpfe vorkom-
menden Bauchplatten.
Die höheren Sinnesorgane treten, was ihre äussere Erschei-
nung anlangt, beim Kaninchen wesentlich in derselben Weise auf, wie
beim Hühnchen, und verweise ich daher mit Bezug auf diese Organe auf
die im zweiten Hauptabschnitte folgenden speciellen Schilderungen.
Fig. 85. Kopf des Embryo der Fig. 82, lialb von der Seite.
Fig. 86. Derselbe Kopf von vorn und unten. Beide 12mal vergr. v Vorderkopf
mit dem Vorderhirn ; a Auge ; 5 Scheitelhocker mit dem Mittelhirn ; fc' erster Kie-
menbogen, 0, u dessen Ober- und Unterkieferfortsatz; m Mundöflfnung; /( Hypophy-
sisfasche; A" k'" 2. , 3. Kienienbogen; b Bulbus aorlae •■, v Kammer; al Vorhof des
Herzens.
94 Eiilw ickliiiij; der Leihosloriii.
Litzte Ausbii- Njich Hespit'clmni^ iIcs Ivoiifos und Halses gehe icli zur I)arlee;un2;
düng des Kuiii- ' *" ''
pfes. iK'r (J esl a 1 1 iniiion des Ruinples in späteren Zeilen. Bei dem
iilteslen der friiliei- l>es('liriel)enen Einhryontm (Fii^. 80) war der Köi-per
in der .Mitte noch lange nicht geschlossen, und stellte sowohl die Darni-
anlage als der eigentliche Leib in dieser Gegend eine weit ofiene Ilall)-
riiuie dar, von denen die erstei-e in ilie tieferen Lagen des Blastodernia,
die letztere in (his Amnion überging; el)enso leidte auch jede Spur von
l^xlreinitäten. Diese Verhältnisse ändern sich jedoch rasch, und findet
man schon am Ende des 10. und vor Allem am 11. Tage die seitlichen
und ventralen Theile mehr ausgebildet und die Gliedmaassen im Ilervor-
sprossen l)egriffen (Figg. 82 — 86). Auch bei Säugethieren schliesst sich
der Leib an seiner Bauchseite anfänglich durch eine dünne Haut, die
iiuuri- vereiiii- untere Ve re inigungshaut (RathkeI, welche aus der Hautplatte und
aus dem Hornblatte besteht, welche in einem früheren Stadium in der
Fig. 83 , in einen» späteren in der Fig. 84 dargestellt ist. In diese pri-
mitive Bauchwand bilden sich dann später die schon beim Hühnchen ge-
schilderten Produclionen der Urwlrbel, der Muskelplatten und der Spinal-
iJaiichpiatten. nerven oder die sogenannten Ba uch- oder Visceralplatten hin-
ein, welche in der Fig. 84 bei vp mit scharfer Begrenzung durch die
Leibeswand durchschimmern und auch in der Fig. 83 deutlich sind,
Bildungen, welche nach und nach immer weiter gegen die ventrale
Mittellinie vorrücken und schliesslich, nachdem dieselben hier zur Ver-
einigung gekommen sind, die bleibende Bauchwand erzeugen.
Versthius8 des Ebcnso wic dcr Leib schliesst sich auch der Darm und schnürt sich
D»rine8.
DoUcrback. von den tiefei'cn Lagen der Keimblase ab, welche dadurch zum Dotter-
sacke werden, wie die Fig. 87 dies darstellt.
Eitremitäten. Von den Extremitäten endlich, die in fast allen in diesem § ge-
gebenen Figuren sichtbar siuti, ist nur zu bemerken, dass sie in fridien
Stadien in allen Beziehungen mit denen des Hühnchens vollkon)men
stimmen.
i;ihöiicnder Ich wendc mich nun zur Besprechung des Verhaltens der F^ihüllen
bauger. . ' "-^
des Kaninchens und der Säugethiere überhaupt in frühen Zeiten und
gebe an der Hand der Fig. 87 eine übersichtliche Schilderung, die für
die späteren Zustände mehr an den Menschen sich hält.
Die Fig. 1 stellt ein(! doppelblättrige Keimblase dar, an welcher In
der (Jegcnd der l'^n)br\onalaidage a auch ein mittleres Keimblatt in sich
(iiidcl . welches mit einem ilünneren Theile in' (ihei- den hereich des
EmbiNo liinaiisreicht , und eine Anut opacd s. rdscidosa eiv.eiigl. \)\v.
I'igui- wilnh? etwa dem Stadium ents[)re(;lien , welches im hliielienbilde
(liiicli die Fig. 73 versinnlicht worden ist. In 'i ist der l<>mbryo schon
entwiekelter mit aniielcL'lem Vorderdarm und llinterdarin und Merz, und
Fig. 87.
3.
Verlag V Wilh.Kngelnuinn., Leipzig
Li(fi.^ngt.V.JC63ntj,Leip>!i^
Klhullrli. [)Ö
zoist von Kihüllen ciniiuil diis in der Hilduni; b("i;riH('ne Amnion mit
d(M- Kopfscheide ks und derS(ii\v;ni/.selieide ss, welches ausser dem Im-Io-
deiMna auch eine vom milliei-en Keimhialle ahslanuncnde Laiie besitzt,
die mit der Hautplatte des Embryo Zusammenhang;!. Durch die Knt-
stehuiii; der Amnionfalte ist der Gefässe fUhrench» Theil des mittleren
Keimblattes oder di<» Darmfaserplalte m' ausser Berührung mit dem Kcto-
derma und der Hautplatte jicselzl und stellt nun, dem inneren Blatte der
Keind)lase oder dem Kntoderma folgend , mit demselben eine theilweise
gefässhaltiye Blase dar, die nichts anderes ist als die Anlatre des Dotier-
sackes, der durch einen weilen und kurzen Ganii r/r/, den Dottergang
Diirlus ritello-intestinalis s. omphdlo -mesenterkuH\ mit dem nocli weit
offenen Darmkanale dd in Verbindung steht. Die 3. Figur zeigt das Am-
nion geschlossen, jedoch mit noch bestehender Amnionnaht an, und lässl
erkennen, dass die oberflächliche Lamelle der Amnionfalte sanunt dem
übrigen Theile des Ectoderma oder der äusseren Lamelle der Keimblase,
so wie die Amnionnaht sich löst , eine besondere blasenförmige äussere
Fig. 87. Fünf schematische Figuren zur Darstellung der Entwicklung der fötalen
Eihüllen, in denen in allen, mit Ausnahme der letzten, der Embryo im Längsschnitte
dargestellt ist. I.Ei mit Zona petlticida, Keimblase, Fruchthof- \ind Embryonalanlage.
3. Ei mit in Bildung begriffenem Dottersacke und Amnion. 3. Ei mit sich schlicsscn-
dem Amnion, hervorsprossender Allantois. 4. Ei mit zottentragender seröser Hülle,
grösserer Allantois, Embryo mit Mund- und Anusüffnung. 5. Ei, bei dem die Gefäss-
schicht der Allantois sich rings an die serüse Hülle angelegt hat und in die Zotten der-
selben hineingewachsen ist, wodurch das lichte Chorion entsteht. Nabelstrang an-
gelegt. Dottersack verkümmert , Amnionhöhle im Zunehmen begrilTen. Ectuderma
gelb, Darmfaserplatte und Gefässschicht der Allantois und des Dottersackes rulh,
Entoderma grün; Schwarz ist die Zona pellucida in allen Figuren, ferner in Figur 1
ilas ganze mittlere Keimblatt, in den Figuren 2, 3 und 4 die Hautplatte des Amnion
und in den Figg. 2 — 5 das Mesoderma im Bereiche des Embryo mit Ausnahme der
Darmfaserplatte und des Herzens.
d Dotterhaut; sh seröse Hülle; s z- Zotten der serösen Hülle; ch Chorion (Gefäss-
schicht der AllantoiS; ; chz Chorionzotten aus den Fortsätzen des Chorion und dem
Ueberzuge der serösen Hülle bestehend; ; am Amnion; ks Kopfscheide des Amnion ;
SS Schwanzscheide des Amnion, beide aus der Hautplatte und dem Ectoderma be-
stehend; an Naht des Amnion; a/i Amnionhöhle; as Scheide des Amnion für den
Nabelstrang; a der Embryonalanlage angehörende Verdickung im äusseren Blatte
der Keimblase a' ; m der Embryonalanlage angehörende Verdickung im mittleren
Blatte der Keimblase m', die anfänglich nur so weit reicht, als der Fruchthof , und
später die Gefässschicht des Dottersacks d/" darstellt, die mit der Darmfaserplatte zu-
sammenhängt; st Sinus terminaUs ; dd vom Entoderma ausgekleidete Darmanlage,
entstanden aus eineniTheile von i, dem Innern Blatte der Keimblase (späterem Epithel
des Dottersackes, ; kh Höhle der Keimblase, die später zu ds, der Höhle des Dotter-
sacks wird; dg Dottergang; «/ .\llantois; e Embryo; r ursprünglicher Raum zwi-
schen .\mnion und Chorion, mit eiweissreicher Flüssigkeit erfüllt; vi vordere Leibes-
wand in der Herzgegend; h Herz; as .\mnionscheide des Nabelstranges. — In
Fig. 2 und 3 ist der Deutlichkeit wegen das Amnion zu weit abstehend gezeichnet.
Ebenso ist die Herzhöhle überall zu klein gezeichnet und auch sonst manches, wie
bes. der Leib des EmbrNO, mit Ausnahme der Fig. 5. nur schematisch versinnlicht.
96
Kiilwickliini; der Leibesforin.
Eiliüllo iliirstellt [sh] , woli-lio nirlils andores ist als die seröse Hülle
v. Bakr's, an welclior der iVühero Anllioil der ll.iiilplatte in der Gegend
lies Amnion nicht dargeslelll ist. Fernei- ist in ilioseni Stadium der Dolter-
sack weiter \()ni Darme abgeschnürt, der Dolteraang länger und enger,
und die vom mittleren Keindtlalte abstammende Gefässlage desselben,
deren Gefässe mit einer llandvene al sicli begrenzen, ausgebreiteter.
Als vollständiges Noviim ist nun auch die Allantois [al] erschienen,
ein hohles, mildem llinterdarm verbundenes Gebilde, ausgekleidet vom
Darnicpithel und umhüllt von einer Fortsetzung der Darmfaserplalte,
weiche in den Raum /■ z\\ischen Amnion , seröser Hülle und Doltcrsack
hineinragt. In 1,2 und 3 ist als äusserste Hülle der Eier die Zona pellu-
cida dai'gestelll, weiche später schwindet.
In 4 ist der Doltersack relativ kleiner und die Allantois grösser ge-
worden. Im Amnion beginnt Liquor amnii sich anzusammeln und an der
serösen Hülle 6//, einer einfachen epithelialen Zellenhaut, sind hohle Zöll-
V\!i. 88.
I'if;. 88. Friiclilliof eines KaiiiiicIitMis mit Kiiilnyo von (l(w Ihiucliseilc, von 4 Ptir.
Linien Durcliniesser mit vollkommen enlwlekelteni ersten Gefässsysteme. Nacli
BisnioFF, etwas verkl. a Vena M\i:v Sinus tenninalis ; h Vena omphalo-inesenterica ;
e starker liinlrier Asl derseilien ; d Herz schon .S'formifj f^ebofien ; e primilive Aorten
ni\Kv Arleriae rertebrales posteriores ; ff Art. owphalo-mesentericae ; r/ primitive Au^en-
hlasen. .Man sielit das feinere oherllaeldielie Inaeli aussen j^eie^^ene), nielii' arlcriellc
(rollie un<l (Jas stärkere liefe, mehr venöse ;ljlaue; Gefiissnelz im rruclilhof.
Kreislauf im l-iuehtliulo.
chen sjz aufgetreten, wodurch diesellaut zur primitiven Zotten-
h au t , Chorion primitivum, wird. In diese Zöttchcn bilden sich später Ge-
lasse von derAIIanlois hinein, wodurch dann das bleibende Chorion,
Chorion secundarium s. verum ch, entsteht. DieAliantois nämlich legt sich,
grösser geworden, an die seröse Hülle an und vergeht in ihrem inneren,
vom Entoderma abstammenden Theile, während die äussere gefässhaltige
Lage längs der ganzen inneren Oberfläche der serösen Hülle sich aus-
breitet und mit derselben zu einer gefässhaltigen Haut verschmilzt.
Während dies geschieht, wird der Dottersack relativ immer kleiner, wo-
gegen das Amnion , mit Flüssigkeit sich füllend , endlich dem Chorion
rerum sich anlegt und zugleich eine Hülle um die Allantois-Gefässe 'die
Nabelgefässe) und um den Dottergang und seine Gefässe herum bildet,
welche Theile zusammen den Nabelstrang darstellen.
Zum Schlüsse gebe ich nun nach Bischoff noch ein Bild des ersten
Kreislaufes im Frucht hofe des Kaninchens, welcher in Vielem
mit demjenigen des Hühnchens übereinstimmt, nur dass die Sym-
metrie beider Seiten grösser ist als dort und sich an der Stelle zweier
Arteriae omphalo-mesentericae viele Paare kleiner Arterien finden, die
von den Aortae descendentes seitlich in den Fruchthof treten. Ferner ent-
hält hier der Fruchthof im grösseren Theile seines Umfanges zweier-
lei Gefässnetze, ein oberflächliches arterielles und ein tiefer gelegenes
Venenn§tz.
Die ersten Spuren der Gefässbildung fand ich bei Kaninchen-Em-
bryonen vom 8. Tage mit Rückenfurche und Primitivstreifen, aber noch
ohne Urwirbel und deutliche Herzanlagen. Hier waren am Rande des
Fruchthofes einige Gefässanlagen deutlich , vor allem die Anlage der
Randvene selbst, und hie ^^f
und da auch noch ein Ge-
fäss an der Seite dersel-
ben,und stellten sichdiese,
wie die Fig. 89 zeigt, ein-
fach als Verdickungen des
Mesoderma dar, die aus
rundlichen Zellen bestan-
den, während die Elemente der angrenzenden Theile dieser Keimschicht
mehr abgeplattet waren. Von der Fläche erschienen diese Gebilde als
dunkle Zellenstränge ohne jegliche schärfere Begrenzung, die netzförmig
Kreislauf im
Fruchthofe.
Erste Ent-
stehung der Ge-
fässe.
Fig. 89. Senkrechter Schnitt des Randes des Fruchthofes {Area opaca] eines
Kaninchenembryo mit Rückenfurche und Primitivstreifen ohne Urwirbel vomT.Tage,
200mal vergr. ect Ectoderma , hier verdickt Ectodermawulst) ; ent Entoderma;
mes Mesoderma; gg Gefässanlagen darin, davon die eine die Randvene.
Kölliker, Grundriss. 7
98 Eiilwicklung der Leiliesforiii.
unter einander zusammenhingen. Bei etwas älteren Embryonen mit 3 — 4
L'rwirboln erschienen diese Stränge zum Theil schon hohl als wirkliche
Gefüsse mit vleutlicher Wand, zum Theil noch ebenso wie früher als
solide Zellenslränge, und noch später waren alle Stränge verschwunden
und ül)erall im Fruchlhofe gut begrenzte Gefässe mit rothen, kernhal-
tigen Blutzeilen vorhanden, deren Bau vollkommen derselbe war, wie
beim Hühnchen. — Aus diesen Daten geht mit Sicherheit hervor, dass
die ersten Gefässe und das erste Blut beim Kaninchen ebenso sich bilden
wie bei den Vögeln.
§ «6-
Innere Gestaltungen beim Kaninchenembryo, Keimblätter.
Primitivorgane .
Nachdem in den vorhergehenden §§ die äusseren Formverhältnisse
junger Kaninchenembryonen in allen wesentlichen Punkten geschildert
worden sind, ist es nun an der Zeit auch die inneren Vorgänge ins Auge
zu fassen, wie sie an Quer- und Längsschnitten sich ergeben.
Keimblätter. Die erstc Frage . die sich hier aufdrängt, die nach der Zahl und
Entstehung der Keimblätter, ist schon im § 13 im Wesent-
lichen beantwortet worden. Dort wurde nachgewiesen, dass nach der
Furchung in erster Linie ein äusseres Keimblatt entsteht , und die
sogenannte Keimblase darstellt. Aus dem Reste der Furchungskugeln
bildet sich eine scheibenföi'mige Platte, die an einer Stelle der Keimblase
von innen her sich anlagert , und diese Platte stellt die erste Anlage des
inneren Keimblattes dar. Im weiteren Verlaufe vs^ächst diese Platte an
der inneren Oberfläche der primitiven Keimblase herum und stellt
schliesslich eine zweite innere Blase dar, so dass das vollgebildete Pri-
mitivorgan, mit welchem die Entwicklung des Kaninchens beginnt, eine
doppelbiättrige, ganz geschlossene Blase ist. Bevor jedoch diese Do])pel-
blaso ganz vollendet ist . hat auch schon die Entwicklung des mittleren
Keimblattes begonnen , die wesentlich in derselben Weise wie beim
Hühnchen sich n)acht und mit dem ersten Auftreten des Eml)ryo in innig-
stem Znsammenhange steht.
Kntstei.ung de» Die crstc Spur des Kaninchenembryo erscheint in Gestalt einer
scheibenförmigen Verdickung des äusseren Blattes der Keimblase oder
des Ectoderma , die ich oben als E m br y o n a I f I eck oder End)ryonal-
anlage bezeichnete. Diese Vei-diekung besteht anl'iinglich aus einer ein-
zigen Schicht höherer schmälerer Zellen, welche aus den ursprünglichen
platten Pfl.islerzellen des äusseren Keiml)lattes sich hervoi-bilden : sol)aId
jedoch auf der End^ryonalanlagc dei' Primitivstreifen hervortritt, be-
Keiiiiljiailoi lies kaiiiiicliou». 'j'j
ginnen diese Zellen yn einer Stelle in die Tiefe zu wuchern, und stellen
eben dadurch den Primitivstreifen dar, wie dies die Figii. 90 und 91
erkennen lassen. Diese Wuche run g des äusseren Ke i m l)lat Ifs
ist, wie beim Hühnehen, nichts anderes als die erste Anlage
des Me soder ma. In weiterer Entwicklung nämlich breitet sich diese
Wucherung rasch nicht nur über die ganze Embryonalanlage, sondern
ect ,
I pr tcl
eilt
Fig. 90.
auch weiter über die Keimblase aus, sodass sie bei den Embryonal-
anlagen, die die allererste Andeutung der Rückenfurche zeigen, bereits
einen breiten Saum um dieselben bildet, wie die Fig. 73 zeigt. In diesem
Blatte oder dem Mesoderma entwickeln sich die ersten Gefässe, und be-
zeichnet die Grösse des Gefässhofes oder der Area opaca auch diejenige
des mittleren Keimblattes, welcher Gefässhof anfänglich als schmaler
ect
/
■>nej-
Fis. 91.
Saum den Embryo umgiebt und zuletzt die innere Lamelle der Keim-
blase ganz umwuchert , und mit ihr den Dotiersack bildet. Vergl. in
Betreff des speciellen Verhaltens des Dottersackes des Kaninchens die
Monographie von Bischoff und meine Entwicklungsgeschichte, 2. Aufl.)
Fig. 90. Querschnitt durch den dickeren Theil der ersten Anlage des Primifi\-
streifens eines Kanincheneies von 7 Tagen. lOömal vergr. p ?• Primitivstreifen : b\
Keimblase ; e cl Ectoderma ; ent Entoderma.
Fig. 91. Primitivstreifen oder Axenplatte eines Kaninchenembryo von S Tagen
und 9 Stunden, der noch keine Rückenfurche und keine Urwirbel besass, quer durch-
schnitten. Vergr. 220mal. öj; Primitivslreifen oder Axenplatte; pr Primitivrinne ;
p/" Primitivfalten; er? Ectoderma ; jh es Mesoderma; e>i f Entuderma.
J 00 Entwicklung der Leibesform.
Vor der Anlage der Geffisse an Fruchthöfen , wie sie die Fig. 73 dar-
stellt , ist das iMesodernia am Rande ganz dünn und überhaupt nur im
Bereiche der Embryonalanlage dicker. Später jedoch zeigt der Rand
eine wulstige Verdickung, die Anlage des Sinus tenninalis, um\ gewinnen
die peripherischen Theile des Mesoderma überhaupt an Mächtigkeit.
Entstehung der Ich weudc mich uuu zur Darstellung des Verhaltens der ersten
ürganbddungen an Querschnitten, und glaube ich dieselben am besten
klar machen zu können, wenn ich von einem etwas älteren Embryo aus-
t:ehe. l)ei welchem die Primitivoreane schon alle angelegt sind. Die
Fig. 92 zeigt einen Querschnitt durch die Urwirbelgegend eines Embryo
von 9 Tagen und 2 Stunden, der noch keinerlei Leibeskrümmung besass,
und lehrt, dass in diesem Stadium, abgesehen von den Grössenverhält-
nissen, die Verhältnisse der Säugelhierembryonen denen des Hühnchens
so ähnlich sind , dass eine weitere Besprechung des Bildes ganz über-
flUssis erscheint.
4-
1 \eA
Fi2. 92.
y
Geht man von diesem Stadium rückwärts, so bleiben anfangs die
Bilder leicht verständlich , dann aber treten zur Zeit der ersten Bildung
der Rückenfurche Gestaltungen auf, die ganz eigener Art zu sein scheinen
und zum Glauben veranlassen könnten, dass die Chorda dorsalis aus dem
Entoderma hervorgehe. Ich habe jedoch durch genaue Verfolgung der
Entwicklung dieses Organes mich überzeugt, dass dasselbe auch beim
Kaninchen aus dem mittleren Keiniblattc sich entwickelt, jedoch ur-
sprünglich in sehr eigenthümlicher F'orm und Lagerung zum Entoderma
erscheint, wie die Figg. 93 — 9ö ergeben.
Fig. 92. Qiiersciiniü tiurcli die milllcre Riirn|)ft.'cf,'pnd eines Kaninclienembryo
von 9 Tagen und 2 Slunden. Vergr. löSinnl. r/r Diuniriiine , von Entoderma aus-
gekleidet; ch Chorda; n oAortac flesrendpnlrs ; t/u' l'rwirhcl mit Höhle; mrMedullar-
rohr: wn// Lrnierengang : dfp Darmfast-rplalle ; 7 Gefiisse in den tieferen Theiien
dieser Platte: /i/< llautplallc . h llonihlatt ; ;y;< l'critoni'allWihle.
l'riiniti\ori;ane, Cliorda.
P 'm ao Ott
Yn
Fig. 93. Querschnitt durch einen Kaninchenembryo von 9 Tagen hinler den l'r-
wirbeln. 208malvergr. cft Chorda; e« < Entoderma; e« i' dünnere Lage desselben
unter der Chorda; uwp Urwirbelplatten ; h Hornblatt; rw Rückenwülste: rf
Rückenfurche; mp Medullarplatte.
Fig. 94. Querschnitt durch denselben Kaninchenenibryo nahe am letzten Ur-
wirbel. Vergr. 283mal. Buchstaben wie dort, ausserdem ao Aorta descendens.
Fig. 95. Querschnitt durch denselben Kaninchenembryo am letzten Urwirbel.
Vergr. 222mal. Buchstaben wie früher, ausserdem ao Aorten; «w^ Anlage des l'r-
nierenganges; wu' Urwirbel ; »«Mittelplatte; d/" Darmfaserplatte; /?p Hautplatte;
p Peritonealhöhle.
102
Entwickluiiii der Leibesform.
Die neben der Chorda sonst noch auftretenden Primitivorgane , die
Medulhirphilte , Urwirbel und Seilenplallen, stimmen in allen wesent-
lichen Verhältnissen mit denen des Hühnchens so sehr überein , dass
eine specielle Schilderung derselben wohl unterbleiben kann. Ich ver-
weise daher einfach auf die in diesem § gegebenen Figuren , aus denen
die erste Entstehung derselben hinreichend klar hervorgeht.
Behufs der Schilderung der späteren Umgestaltungen der Embryonen
des Kaninchens im inneren Baue wollen wir den Rumpf und den Kopf
für sich betrachten. Den ersteren anlangend, so finden wir für die
mittlere R u m p f g e g e nd , dass das schon besprochene Stadium der
Fig. 92, ebenso wie es in seiner Entstehung mit den Verhältnissen beim
Hühnchen übereinstimmt, so auch in seinen weiteren Umwandlungen
nicht wesentlich von demselben abweicht, und zeigt die Fig. 96 von
einem 10 Tage alten Fötus, wie der flache Kaninchenembryo im Laufe
Fig. 96.
der Entwicklung in seinen Axentheilen an Masse zunimmt und zugleich
mit den Seilenlheilen nach der Ventralseite sich krünmit, und auch der
Darm rinnenförmig sich gestaltet. Eine Vergleichung dieser Figur mit
den Figg. 44 und 48 vom Hühnchen macht jede weitere Schilderung
überflüssig.
Ein weiteres Stadium desselben Embryo ist in der Fig. 97 darge-
stellt, welche einen Schnitt dicht hinter der hinteren Darmpforte wiedor-
giebt. Derselbe zeigt die tiefe Darmrinne (/ r, die spätere vordere Darm-
wand bei df und die seitliche Leibeswand bei hp mit der Vena umbi-
licalis u in dem Randwulste der Hautplatte. Dieser Randwulst ist auch
mit der Darmfaserplattc df des Blastoderma verschmolzen, wodurch die
Peritonealhöhle ;) in dieser Gojjend zu einer ganz geschlossenen Höhle
l'ifi. 96. QuersciiiiiU durcli den initiieren Hiiin[ifllieil eines Knninciienembryo
von 10 Taften. Vergr. 81mal. am Amnion; ch Cliorda ; uw Urwirbel; hp Ilaut-
plaüc; d/" Darmfaserplattc; m .Mittelplatte; iv WoLFp'schcf Gang; u Vena umbilicalis,
im Randwulsle der ilautplatte gelegen. Merlianwärls davon die Bauchhöhle; c Aorta ;
(l r Darmrinne.
Iiiuwickluiii; des Kumpfes.
1U3
wird, wahrend sie weiter hinten Fig. 96) einfach durch die Aneinander-
laiieruni: der Hautplatte und Dannfaserplatte verlegt wird.
Bei nocli vorgerückteren Einbr\onen. wie sie zum Theil sclion am
10.. sicherer am 11. Tage der Trächtigkeit gefunden werden , sind die
wesentlichsten gegen früher eingetretenen Veränderungen am mittleren
Rumpftheile folgende :
Vor allem bilden sich die Axengebiide in der Art weiter aus , dass
einmal die Urwirbel in eine Muskelplalte und in den eigentlichen Ur-
wirljel zerfallen. Letzterer umwächst dann nach und nach die Chorda
Fi2. 97.
von beiden Seiten her und sendet auch Verlängerungen nach oben . die
das Rückenmark umhüllen [Membrana reuniens superior). Schon am
10. Tage fand ich bei dem Embryo der Fig. 82 in der Gegend der vor-
tleren Extremitäten die Chorda ganz von den Urwirbeln umschlossen,
und die Anlagen der Wirbelsäule gebildet. Die Ausläufer der Urwirbel
nach oben w aren bis zum Rücken herauf dick , mit Ausnahme der dor-
salen Mittellinie , an welcher das Mark nur von dem sehr dünnen Horn-
blatte und einer ebenso dünnen Schicht des Mesoderma bedeckt war.
Gut entwickelt war die Mu s k e 1 p 1 a 1 1 e . die übrigens auch bei jüngeren
Embryonen schon gefunden wurde, und zog sich dieselbe deutlich eine
kleine Strecke weit in die Extremitätenanlage hinein. Einwärts von
dieser erkannte man in gewissen Schnitten auch bestimmt die Anlage
der Spinalganglien in Gestalt länglichrunder neben dem Marke gelegener
Massen an jeder Seite, von denen aus ein spitzer Ausläufer . die hintere
Fig. 97. Querschnitt durch den Rumpf des Embryo der Fig. ^96 . dicht hinter der
vorderen Darmpforte. Vergr. Simal. Buchstaben ^sie bei Fig. 96. Ausserdem rf/"'
Darmfaserplatte der späteren vorderen Wand des Yorderdarmes : e' Epithel des Vor-
derdarmes; eEntoderma; om Vena-omphalo-mesenterica.
J((4 Entwicklung der Leibeslorni.
NervenwinvA'l, zum dorsalen Theile des Markes ging. Von einer vorde-
ren Xervonwui-zel Nvar dagegen nichts wahrzunehmen.
Die E X t r e m i l ä l e n a n 1 a g e n waren so JieschatTen wie junge An-
lagen iiinlerer Extremitiiten des Hühnchens und auch ebenso gelagert.
Abgeseiien von der wenig weit in sie hineinreichenden Muskelphiüe. lie-
st anden dieselben aus einer mächtigen Genirahnasse von gleichmässigen
rundlichen Zeilen, die durch eine zarte Membran (Hensen's il/emftrana
prima?: gegen das bekleidende Hornblatt sieh abgrenzten.
Von den Gebilden der ventralen Seite fallen besonders die grosse,
nun einfache Aorta descendens in die Augen, dann die starken Uro-
genital wülste an der hinteren Bauchwand mit den Urnierenanlaaen
und der Vena cardinaUs^ endlich der geschlossene Darm mit einem kur-
zen dicken Gekröse und einer mächtigen Arterie und einer ebensolchen
Vene in den vorderen Theilen seiner Faserwand (ylr^und Vena-omphalo-
mesenterica) . Ausserdem fanden sich an der Umbiegungsslelle der seil-
lichen Leibeswand in die vordere Bauchwand zwei Nabel venen, die
stärker waren als die Venae omphalo-mesentericae.
Hintere Kampf- In der hinteren R u mp f g e g e n d (Figg. 98 und 99) ist vor Allem
bemerkenswerth die eigenthümliche Stellung der seitlichen Leibeswände
Fig. 98.
oder der Hautplatten ph und die Beschaflonhoit des Amnion, dessen
Hautplatte an den die Leibeswand angrenzenden Theilen von mäch-
tiger Dicke ist. Dickwandig und reichlich mit Gefässen versehen ist
;iiifli die vordere Wand [df) des Enddannes er/, während derselbe hin((>n
Tit.'. 98. yiicrschnitt durch die iiiiitorc Datnipforlc eines Kiininciienemljryo von 9
Tagen bez. VIII). Vergr. 4150131. w w Urwirbcl ; am Amnion; p h Ilaul[tlatlc der
seiliici)en Leibeswand; edFinddarm ; e Entodcrma desselben; r//' Darnifaserplalte
der vorderen Wand des Enddarrnes, mit Gcfiisslücken ; a Aorta ; r//" Üarmfaserplalte
des Biaslodcrma ; e' Endoderma desselben; vli Cliorda.
Entwicklung des Kumpfes. 105
einer besonderen Wiind entbelirt. und sein Epithel , das Entoderma ee.
unniiltelbar an die Enden der Aortae descenüentes [ao , die Ur\virl)el
[iiw und die Chorda <?// angrenzt. Von Urnieren und Urnierengängen
war nichts zu sehen, doch sind die letzteren in vorderen Schnitten dieses
Eml)ryo vorhanden und vielleicht auch die Anlagen der ersteren da.
Von demsellteu Embryo . und nur drei Schnitte weiter rückwärts,
stammt der Querschnitt Fig. 99. der als wichtigstes Novum einen frühen
Fig. 99.
Zustantl der Allantois zeigt, in welchem diesell>e. wie aus den fol- Aiiantois.
genden Längsschnitten Figg. 100 und 101 hervorgeht, anfänglich einen
dicken Wulst am hintersten Ende des Embryo darstellt. Diese Allantois-
anlage ist. wie schon Flächenbilder Fig. 173 meiner Entwicklungs-
geschichte lehren . in einem frühen Stadium doppelt . w enigstens am
vorderen Ende in zwei Höcker auslaufend . und diese zeigt auch der
Querschnitt ganz deutlich bei a u- . aic. Bemerkenswerth ist ferner an
dieser Figur der Zustand der Axengebilde. Einmal ist das Medullarrohr
hier noch offen, oder der primitive Zustand der Rückenfurche da. und
zweitens findet sich auch keine Chorda mehr . und an der Stelle der-
selben eine Zellenmasse, die einerseits mit den Theilen zusammenhängt,
die w eiter vorn die Urwirl>el darstellen . andererseits aber auch ohne
Grenze in die tieferen Zellen der Medullarplatte übergeht. Somit ist
hier beim Kaninchenembryo ein ähnlicher Zustand vorhanden . wie er
in früheren Zeiten bei der Axenplatte oder dem Primitivstreifen sich
findet ^siehe oben Fig. 91 . oder, noch genauer angegelien, dasselbe Ver-
hältniss, das der Endwulst beim Hühnchen und auch beim Kaninchen
Fig. 99. Querschnitt durch den vordei-en Theil der Allantoisanlage des Embryo
der Fig. 98. Vergr. 1 lömal. Buchstaben wie dort. Ausserdem: a u- Allantoiswulst:
mr offenes Medullarrohr; ax Axenplatte: hp' dicke Hautplatte am Ausgangspunkte
des .\ranion.
](j(3 Enlwicklunt,' der Leibesform.
zeigt (Fig. 191 inoinor EntNV.-Gesch.) , in welchem ebenfalls die Chorda,
Medullarpiatte und UrNvirl)elplatten in Eine Zcllenniasse sich vereinen.
Sehr wichtige Aufschlüsse über die Allantois des Kaninchens geben
Längsschnitte, wie sie die Figg. iOO und 101 darstellen. Fig. 100
zeigt, dass die Allantois in erster Linie eine Wucherung des hintersten
Theiles der Parietalzone des Embryo ist, nahe an der Stelle , w'o die-
sell^e. von der Slammzone ausgehend, den Umschlagsrand zu bilden be-
ginnt, der zur Entstehung des Enddarmes und der vorderen Beckenwand
.'•p
Fig. 100.
führt. Diese Wucherung aw ist so gelagert, dass anfänglich die hintere
Amnionfalte von ihr ausgeht, im weiteren Verlaufe jedoch rückt die
Allantoisanlage mehr und mehr auf die ventrale Beckenwand über, von
welchem Vorgange die Fig. 101 ein Zwischenstadium zeigt. Die ganze
Allantoisanlage ist eine Wucherung des Mesoderma in einer Gegend, wo
die llautplatte der Parietalhöhle am hinteren Ende des Embryo an die
Darmfaserplatte angrenzt, und Messe sich somit auch der Mittelplatte am
hinteren Ende des Embryo zurechnen, von welchen Verhältnissen, wenig-
stens was die primitiven Zustände angeht, die beim Hühnchen gegebene
Fig. 49 eine gute Vorstellung giebt. Der el)en angelegte Allanloiswulst
aio enthält im Inneren eine kleine Ausstülpung des Enddarmes al und
besteht durch und durch aus Zejlen, wie sie das Mesoderma charakteri-
siren, d. h. theils rundlichen, theils sternförmigen Elementen, zwischen
denen sehr früh zahlreiche Gefässe auftreten, die bald dem ganzen Wulst
einen entschieden schwammigen Charakter verleihen.
Fig. 100. Längsschnitl des liintcren Loibescndcs eines Kaninclicnembryo von 9
Tagen. Vergr. 76ni<'il. cd Fnddnrm ; hi\ liinleie Dnrinpforle ; al Allctnloisliöiili*;
aw Aliantoiswulsl ; rfd DarmdriiscnbiaU des Mitleldaiincs; c/i Ciiorda , in das niitl-
lere Keimblatt auslaufend; m .Medullarrohr, nach hinten auslaufend; h Hornblall;
«Schwänzende des Embryo ; /i;; llautplatte des Amnion am; v vordere Wand des
Enddarmcs, Umbiegungsstelle in das Blasfoderma , das aus der Darmfaserplatte Af
und dem Etilodcrma e Itestehl.
Allantois des Kaninchens.
107
dd^
hp
Wie die Allantoishöhle und der AUantoiswulst , die anfänglich ganz
nach hinten stehen . nach und nach an die ventrale Seile der hinteren
Leil)es\v;ind zu liegen konunen . zeigt deutlich die Fig. 101, und ersieht
sich zugleich, dass in dieser Beziehung die Verhältnisse beim Kaninchen
ebenso sind, wie beim Hühnchen.
Zum Kopfe übergehend ist vor Allem zu bemerken, dass derselbe Kopf.
l>ei jüngeren Embryonen
des Kaninchens durch die
Entstehung des Herzens
aus zwei getrennten, weit
von einander abstehenden
Hälften ein ganz besonde-
res Gepräge erhält. Was
schon im Flächenbilde s.
die Figg. 77 und 79 so
sehr auffallend schien, er- jf
giebt sich an Querschnitten
nochvielfremdartiser, und --.«...^...^.^
verweise ich vor Allem «7
auf die Figg. 102 und 103. Fig. loi.
welche Querschnitte von
dem Embryo der Fig. 77 stammen , zur Darlegung dieser Verhältnisse.
Die Fig. 102 giebt eine Totalansicht der Herzgegend des Kopfes und
zeigt die Stelle der beiden Herzanlagen h und h' zur mittleren Region,
in welcher das MeduUarrohr noch weit offen ist, deutlich. Die genaueren
Beziehungen der einzelnen Theile zu einander erkennt man jedoch erst
aus der Fig. 103. Hier zeigt die Mitte die dicke Medullarplatte m\^ in
Gestalt eines weit offenen Halbcanals \rf] , oder die Anlage des Gehirns,
an welcher die Ränder oder die Rückenwülste /^r) dicker sind, als der
Boden. Unter der Medullarplatte zeigt das Entoderma scheinbar eine
Verdickung dd . welche nichts anderes ist als die platte Chorda mit dem
sehr dünneu. unter ihr gelegenen Darmdrüsenblatte oder Entoderma.
Seitlich davon und grösstentheils unter der Medullarplatte gelegen,
finden sich die Urwi rbe Ipl atten des Kopfes und diese gehen dann
ohne Abgrenzung in die Seitenplatten (5/) über, welche in ihrem
äusseren . ungemein verdickten und abwärts gekrümmten Theile die
llerzanlage tragen. Prüft man diese letztere Gegend an einem guten
Schnitte eenauer . so ersiebt sich folsendes. Erstens findet sich hier
Entwicklung des
Herzens.
Fig. 101. Längsschnitt des hinteren Leibesendes eines Kaninchenembryo von 9
Tagen. Vergr. 78mal. Buchstaben wie in Fig. 100.
108
Entwicklung der Leibesforni.
iniKM-liall) des Mosodenua eine Spalte {pli) , die der Parielalhöhle oder
Ilalsliühlc des lliihncliens entspricht , welche das Herz unischliesst , mit
dem grossen Unterschiede jedoch, dass die Parietalhöhlen des Kaninchens
anfänglich weit von einander gelrennt sind. Die Begrenzungen dieser
Parietalhöhle sind einerseits eine dünne Haut platte hp) und eine
dickere Darmfaserplatte [dfp] ^ von welchen die letztere in eine
besondere Beziehung zur Herzanlage oder dem Endothelrohre des Her-
zens ihh) tritt, indem sie eine besondere Hülle für dasselbe, die äussere
Fia. 102.
/TZÄf /i
Herzhaut Uihhj erzeugt. Beide diese Theile müssen zusammen als Herz-
anlage aufgefasst werden, und da die äussere Herzhaut wie durch einen
Stiel mit der Darmfaserplatte verbunden ist , so kann man auch sagen,
MeBccardinm. dass jede dcr beiden Anlagen bereitsein Mesocardium besitzt, welches
dem Mesocardium posterius des Hühnchens entspricht.
An der lateralen Seite der Parietalhöhle vereinigen sich die Haut-
platte und die hier dünnere Darmfaserplatte, und ziehen als ungelheiltes
¥'\c. 102. Ouorschnitt durch den Kopf eines Kaninchenembryo von 8 Tagen und
U .Stunden, mit den angrenzenden Thcilen des Biastodcrma. Vcrgr. 48mal. hh' An-
lagen des Herzens; sr Scidundrinne.
Fig. 103. Ein Theil der vorigen Figur, 152mal vergr. ?Y Rückenfurche; rw
Rückenwülste; mp Medullarplalle, Anlage des Gel)irn.s ; ä Hornblatt; /ipHaulpialte;
dfp Darmfaserplafte, sich fortsetzend in die äussere Ilcrzhaut nhh; ihh innere Herz-
haiit Enriolhelrohr ; ph Parietalhöhle, die das Herz iimschlicssl ; mes mittleres un-
gcllieiltes Keimi)latt jenseits der Ilerzanlage; dd Darmdi iisenblatt; drf' scheinbare
Vcr«lickung des Darmdrüscnblattcs, aus der Chorda und einem Theil des Entoderma
bpslehend; sw .Scilenwand des sich entwickelnden Schlundes.
Doppelte Ilerzanlagc.
109
Mesoderma in den Fruchthof, welcher jedoch hier sehr dünn ist und erst
weiter nach aussen eine etwas grössere Dicke annimmt. Ja in gewissen
Fällen wird sell)st eine Verl)indung der Wunde der Parietalhöhle mit
ilem Mesoderma des Fruchthofes ganz vermisst.
Nachdem Herz und Kopf in der beschrielienen Weise angelegt sind,
werden dieselben im Laufe des 9. Tages ihrer Vollendung entgegenge-
fahrt. In Betreff des Verschlusses des Medullarrohres und Schlundes
und der Ausbildung des Gehirns findet sich nicht viel vom Hühnchen
Abweichendes , mit Ausnahme einiger welter unten noch zu erwähnen-
der Verhältnisse, dagegen zeigen sich beim Herzen gewisse Eigenthüm-
lichkeiten, die im Folgenden noch zu erörtern sind.
In erster Linie hebe ich hervor, dass beim Kaninchen auch nach der
Bildung und dem vollkommenen Verschlusse des Schlundes die beiden
Herzhälften noch eine Zeit lang getrennt bleiben, und dass überhaupt die
Vereinigung der beiden Herzhälften in etwas anderer Weise sich macht,
als beim Hühnchen. Geht man von dem Stadium der Fig. 103 aus, so
finden sich zunächst eine Reihe von Stufen, die den Schlund in verschie-
denen Graden des Ver-
schlusses und die Herz- j\
hälften entsprechend ge-
nähert zeigen. Weiter
folgt dann ein Zustand,
in dem der Schlund be-
reits geschlossen , da-
gegen die Herzhälften
sich noch nicht vereinigt
haben, wie ihn die Fig.
104 vertritt. In diesem
Querschnitte finden sich
noch zwei vollkommen
getrennte Parietalhöhlen
p und Endothelschläuche
ih, dagegen sind die beiden äusseren Herzhäute [ah], die von der Darm-
faserplatte abstammen , im Begriffe mit einander zu verschmelzen, und
Fig. 104. Querschnitt durch die Herzgegend eines Kaninchenembryo von 9 Tagen.
Vergr. SOnial. ih innere Herzhaut (Endothelrohr] ; a h äussere Herzhaut, übergehend
in rf/'die Darmfaserplatte des Schlundes ph und df dieDarnifaserplatte der späteren
vorderen Wand der Parietalhöhle p; ao Aorta; j Venajugidaris; e' Fortsetzung des
Entoderma des Schlundes und der vorderen Wand der Parietalhöhle in die Scheide-
wand zwischen beiden Herzhalften: 6/ Blastoderma, bestehend aus ent, dem Ento-
derma, und ect, dem Ectoderma; hp Hautplatte der seitlichen Leibeswand.
110
Enlwickluns der Leibesform.
luit eine Vereiniizung l)elin Entodenua wirklicli slatliiefunden. Somit
wird die Seheiilewund zwischen beiden Parielalhöiilen gebildet erstens
von einem Reste des Entodenua <?' und zweitens von dem Theile der
äusseren Ilerzhaut, die in die Darmfaserplatle sieh umbiegt.
Weiter verschmelzen dann die l)eiden Parielalliöhlen mit einander
und werden zugleich mit dem Grösserwerden des Herzens geräumiger.
Während dies geschieht , vereinigen sich auch die beiden Herzanlagen
in der Art, dass ihre Endothelschläuche zusammenfliessen und die äusse-
ren Herzhäute an der ventralen Seite unter einander verw achsen und von
der Darmfaserplatte sich lösen. So wird das Herz an seiner ventralen
Seile ganz frei , ohne jemals ein ausgesprochenes Mesocardium inferius
gehabt zu haben , und enlsleht eine selbstsländige vordere Wand der
nun einfachen Parietalhöhle, die wie beim Hühnchen aus der Darmfaser-
platte und dem Entoderma besteht. Diese Wand setzt sich laleralwärts
in das Blastoderma fort,
und verhält sich
schliesslich wie J)eim
Hühnchen (s. Fig. 40).
An der dorsalen Seite
erhält sich dagegen die
A'erbindung des Her-
zens mit der Darm faser-
platte des Schlundes
längere Zeit, und giebt
die Fig. 105 eine deut-
liche Anschauung des
hier befindlichen hinte-
Fig. 105. ren Herzgekröses [mp).
In Betreff der weiteren
Verhällnisse des eben gebildeten Herzens habe ich bei einem Kaninchen-
embryo von 10 Tagen eine Reihe von Fjfahrungen gesammelt, die der
Erwähnung nicht unwerth erscheinen , da v(im) Hühnerembryo ähnliche
Verhältnisse, wenigstens bis jetzt, nicht bekannt geworden sind. Als ein
Herz auf aufeinanderfolgenden Schnitten verfolgt wurde, ergab sich in
der Gegend des Bulbus aorlae das, was die Fig. i05 zeigt. In der Höhe
der Kammern fand sicli zum Tlieil ein Mesocardium posterius, und erfüllte
Fig. 105. Qucrsciinitt durcli die Herzgegend eines Kaiiinclieiieiubryo von 10
Tagen, H'Jmal vergr. pli Pharynx; ao Aorta descendeiis ; df Darmfaserplatle des
.Schlundes; m p Mesocardium jwsterius ; ba Bulbus aortne ; ah, ili äussere und innere
Maut de.sselben; d/" Darnifas('r|)Ialle der vorderen Wand dci- I'aiielaliiui)le ;j , enl
Knlodenna derselben; h Jlaiil|iiulle; ecl Eclodcruiii.
EiitwickluiiK des Heizens.
111
das Herz als geräumiger Schlauch seine Höhle (die Farletalhöhle/ einem
guten Theile nach. Dagegen trat nun, sowie der Vorhof erschien , ein
Novum auf, nämlich eine Verbindung der seitlichen Theile des Herzens
mit der seitlichen Leibeswand , da wo diese eine starke Vene , die Vena
jugularis ij] enthält, wie dies die Fig. 106 zeigt. Ich nenne diese Sub-
stanzbrücke, die natürlich dem mittleren Keimblatte angehört, und wahr-
scheinlich als eine ursprüngliche Bildung anzusehen ist, MesocardiumMesocnrdium la-
laterale, und lege auf dieselbe Gewicht, da sie einmal zur Ueberfüh-
rung von Gefässen aus der Hautplatte zum Herzen dient, und ausserdem
den untersten Theil der Halshöhle in drei Räume scheidet, die ich dieHintereParietai-
hohle.
hintere und die vordere P a r i e t a 1 h ö h 1 e nenne ih n und v p) . Vorderei'arietai-
' ■' ^ ' höhle.
eet
Fig. 106.
Zur Vervollständigung der Schilderung der Verhältnisse des Herzens
des Säugethierembryo aufschnitten, gebe ich nun noch in Fig. 107 einen
Längsschnitt des Kopfes und Herzens eines Kaninchenembryo von 9 Tagen
und 2 Stunden , dessen Verhältnisse ohne weitere Beschreibung klar
sind. Nur möchte ich betonen, dass auch beim Säugethiere das mittlere
Keimblatt nicht in die Kopfscheide des Amnion iks) und in die Kopf-
kappe \k k) übergeht. Dasselbe zeigt der vorhin geschilderte Quer-
schnitt Fig. 106 , indem auch bei diesem der an den Embryo grenzencle
Theil des Blastoderma nur aus dem Ectoderma und Entoderma besteht.
Fig. 106. Querschnilt No. 19 durch die Herzgegend eines Kaninchenembryo von
10 Tagen. Vergr. SOmal. Buchstaben wie in Fig. 105. Ausserdem: /ip hintere, vp
vordere Parietalhöhle; a Yorhof; v Ventrikel; bl 'Blasiodcrma; j V. jugularis.
112 Enlwicklunt; ilor Leibcsfonn.
fn BetroH" der üln-igen Vorliiiltnisse des Koj3fes , soweit sie auf die
Sinnesorgane, das Geliini und die Bildung des GesiclUes sicli bezielien,
verweise icii auf die später fol-
genden ausführlichen Besehrei-
bungen bei den betreffenden
•'' .^HH^^^''*^^ *'^ W // ^ Orcanen.
§ 17.
Erste Entwicklung des
Menschen.
Die Beobachtungen über
die ersten Gestaltungen des Men-
schen sind so spärlich, dass nicht
von ferne daran gedacht werden
kann , dieselben in ähnlicher
Weise zu entwickeln, wie dies
beim Hühnchen und bei den
Säugethieren geschehen ist.
urhrEmbryo^e': 1 ^ f |^ Aus der^ crstcu Woche
der Schwangerschaft, während
welcher das Ei den Eileiter
durchwandert und hier unzwei-
Fig- lo?. feihaft einen totalen Furchungs-
prozess durchmacht, besitzen
Eier der 2. ^vir keine zuverlässige Beobachtung. Dagegen liegen aus der zweiten
Woche einige Angaben vor, die Erwähnung verdienen, obschon vielleicht
iiuch keine derselben auf eine ganz normale Frucht sich bezieht.
Ki voiiKKr.iiF.RT, Das jüngste bis jetzt beobachtete Ei wurde vor zwei Jahren von
Heiciiert lieschriobon, und schätzt er das Alter desselben auf 12 — 13 oder
\'] — 14 Tage. Dasselbe wurde im Uterus einer Selbstmörderin in situ
beobachtet und bestand aus einem blasenförmigen Gebilde von Linscn-
Fig. 107. Längsschnilt durch Kopf und Herz eines Kaninclicncniltiyo von 9 Tagen
und i Stunden, ph Schlund; v d vordere Darnipfoito ; [r Rarhenliaut ; j) Parielal-
hühU- ; hk vordere Wand derselben (Herzkappe, Rkmak, aus dem Enlodcima und der
Darmfaserplatle bestehend ; a Vorhof ; r Kammer; ha Bulhus nortfie ; A/r Kopfkappe,
aus dem Enloderma allein bestehend; /es Kopfscheide des Amnion, aus dem Ecfo-
derma allein bestehend; »ir Meduliarrohr; i'/( Vorderhirn ; >»/i Mitleihirn ; hhlWn-
terhirn ; .? Scheitelhöcker; ms mittlerer Schädclbalken Rathke's; cA vorderstes Ende
der Chorda, an das Edoderma anslossend; h Icirjilc Finbiofzung des Eeloderma, aus
welcher sj);itcr die llyitophysis sich bildet.
Enlwickluns des Menschen.
113
Fis. 108.
F\s. 109.
form von 5,5 : 3.3 nun , das etwa 4 mal vergiössert in der Fig. 108 von
der Fläche, und in der Fig. 109 von der Seite dargestellt ist. Die Rand-
zone dieses Bläschens trug einen reichen Besatz von Zöllchen, von denen
die entwickeltsten 0,2 nun massen und auch zum Theil kurze Nebcn-
ästchen trugen. Von hier aus zouen sich die Zöllchcn mit ahnehmondcr
Grösse eine Strecke weil auf
die Uterinflächo des Bläs-
chens fort, Hessen jedoch hier
eine kreisförmige Fläche von
2,5 mm frei, die in der Mitte
einen ebenfalls kreisförmigen
trüben Fleck zeigte. An der
entgegengesetzten Fläche des
Bläschens, die etwas gewölb-
ter war, fehlten dagegen die
Zöttchen ganz und gar.
Bezüglich auf den Bau dieser »bläschenförmigen Frucht« ermittelte
Reichert Folgendes. Nirgends, weder äusserlich noch im Innern, war die
geringste Spur einer embryonalen Bildung , etwa einer Primilivrinne
oder der Rückenfurche , oder gar eines deutlichen Embryo mit einem
Gefässhofe zu entdecken. Vielmehr bestand das betreflende Ei einfach
aus einer zarten Membran von epithelialer Beschaffenheit , von welcher
die ebenso beschaffenen Zöttchen ausgingen. Nur in der Gegend des
trüben Fleckes an der Uterinfläche des Eies fand sich innen an der ge-
nannten Lage eine dünne Schicht kleinerer, feinkörniger, kernhaltiger,
polyedrischer Zellen. Von emer Zona pellucida war nichts zu sehen. Da-
gegen war das Innere mit faserig -häutigen Bildungen erfüllt, welche
Reichert als Gerinnsel ansieht.
Diesen Thatsachen zufolge deutet Reichert das fragliche Ei als
Keimblase und die doppelblättrige Stelle desselben als Fruchthof
oder Embryonalfleck, eine Auffassung, deren Richtigkeit kaum zu bean-
standen ist, wenn man die innere Lage als Enloderma deutet. Eine
andere Frage dagegen ist, ob das betreffende Ei ein vollkommen norma-
les war, und hebe ich vor Allem hervor, dass das Vorkommen von Zotten
bei einem befruchteten Eie ohne Embryonalanlage und ohne Amnion
Bedenken erregt. Bei allen Säugethieren , bei denen bis jetzt Zotten an
den Eihüllen gefunden wurden, treten dieselben erst nach der Bildung
Fig. 108und109. Menschliches befruchtetes Ei bläschenförmige Frucht Reichert)
von 12 — 13 Tagen, von der Fläche und von der Seife etwa 4mal vergr. An der
Flächenansicht ist das zu sehen, was Reichert für den Embryonaltleck hält.
Kölliker, Grnndriss. 8
114 Entwicklung der Leibesfüim.
des Amnion an der äusseren Lumelle der Keimhlase auf, die die seröse
Hülle heisst. niemals vorher. Da jedoch die Möglichkeit nicht bestritten
werden kann . dass die Keimblase schon früher Zotten entwickle , und
sogar beim Kaninchen, wie ich fand, der zottenbildende Theil der Keim-
blase schon sehr bald sich verdickt und als von mir so genannter Eclo-
dermawulsl auftritt, so scheint es mir doch gewagt, der REicHERt'schen
Beobachtung nach dieser Seite Bedenken entgegenzustellen, und bin ich für
mich bereit, dieselbe für einmal, und solange als nicht bestimmte Erfah-
rungen Anderes lehren, nicht anzuzweifeln. In diesem Falle hätte man
dann anzunehmen, dass der Embryo auf der zottenfreien Mitte der Uterus-
fläche der Keimblase entsteht und dass hier, nach der Bildung des Am-
nion und der serösen Hülle , später auch Zotten entstehen , ebenso wie
auf der gegenüberliegenden zottenfreien Stelle . indem nicht zu bezwei-
feln ist, dass alle etwas älteren menschlichen Keimblasen oder Eier, wie
man dieselben hier nennt, ringsherum mit Zotten besetzt sind. Und zwar
finden sich solche Zotten schon vor der Bildung des Nabelstranges und
der Allantois, wie die gleich zu schildernden Eier von Thomsox lehren,
die in dieser Beziehung jetzt erst verständlich werden.
Ausser dieser Erfahrung von Reichert besitzen wir noch mehrere
andere üljer menschliche Eier, die noch keinen Embryo enthielten. Die-
selben waren alle kugelrunde, rings mit Zotten besetzte kleine Bläschen,
und zeigten die besser erhaltenen unter denselben , von denen auch ich
eines untersuchte, innerhalb einer epithelialen, die Zotten tragenden Lage
eine bindegewebige Schicht, die nur von der Allantois oder dem An)nion
abstammen kann, wesshalb anzunehmen ist, dass in denselben der Em-
bryo zwar angelegt wurde, aber nachher zerfiel.
Von jüngsten Eiern mit Embryonen, die noch auf einem grossen
Dottersacke aufliegen und keine Allantois und keinen Nabelstrang be-
Ersu» Ei von sitzen , kennen wir nur zwei sichere Fälle von Thomson. Ein erstes Ei
Fig. HO) von 12 — 13 Tagen und 6,6 mm Grösse zeigte im Innern des
mit kleinen Zotten besetzten Chorion einen grossen Dottersack und auf
diesem einen Embryo von 2,2 mm Länge , der mit seinem vorderen und
hinteren Ende schon etwas vom Dottersacke abgeschnürt war, mit seinem
mittleren Theile dagegen unmittelbar auf demselben auflag und mit
seinen Rändern in denselben sich fortsetzte, somit noch keinen Darm
besass. Aus dem von Thomson angegebenen Umstände, dass der End^ryo
mit seinem Bücken an die äussere Eihaut festgeheftet war, lässt sich
scbliessen, dass auch das Amnion .schon da war, wesshalb auch die
äussere Eihaut als seröse Hülle zu deuten ist.
Zweitem Ei von Die Zweite Beobachtung von Thomson bezieht sich auf ein Ei von
13,2 mm Grösse (Figg. 111, 112), das wahrscheinlich jünger ist als das
Junge menschliche Embryonen.
115
vorige, jedoch durch eine abnorm grosse Eihaut sich auszeichnet. Im
Innern der zottenlragenden Eihaut fand sicii Flüssigkeit und eine kleine
Blase von 2,2 mm Grösse, welche die Anlage eines 2,2 mm grossen Em-
bryo zeigte , der eine sehr deutliche, in der Mitte schon im Schliessen
begriffene Rückenfurche und starke Rückenwülste und an der Bauch-
seile das Herz erkennen iiess. Auch von diesem Embryo giebt übrigens
Fis. 110.
Fis. m.
Thomsox wieder an, dass er mit dem Rücken am Chorion feslsass, und
liegen somit mit Bezug auf die Deutung der äusseren Eihaut die Ver-
hältnisse wie in dem vorigen Falle.
Nun folgen Eier , bei denen der Embryo ein Amnion , Dottersack
und Allantois zeigt ; doch besitzen wir leider keine sichern Beobach-
tungen von einem menschlichen Eie mit freier Allantois, d. h. von einem
solchen, bei dem die Allantois noch nicht an das Chorion festgewachsen
und der Nabelstrang noch nicht angelegt war.
Von Eiern mit Nabelstrang aus der dritten Woche der Schwanger-
schaft ist ein von Coste beschriebenes unstreitig das vollkommenste
und am genauesten beobachtete von allen menschlichen Eiern aus frühe-
rer Zeit. Das Ei selbst, dessen Alter Coste auf 15 — 18 Tage schätzt, war
13,2 mm gross und rings mit kürzeren, leicht ästigen Zöttchen besetzt.
Im Innern befand sich ein ziemlich grosser Raum und an Einer Stelle
Eier der
-.i. Woche.
Fig. MO. Menschliches Ei von 12—13 Tagen , nach Thomson. 1. Nicht geöffnet
in natürlicher Grösse, 2. geöffnet und vergrössert.
Fig. 111. Menschliches Ei von 15 Tagen, nach Thomson, in natürlicher Grösse ge-
öffnet, um den grossen Innenraum und den kleinen Embryo zu zeigen.
Fig. H2. Embryo dieses Eies vergrössert. a Dottersack; 6 Nackengegend , wo
die Rückenfurche schon geschlossen ist : c Kopftheil des Embryo mit noch offener
Rückenfurche; d hinteres Ende, wo dasselbe der Fall ist; e hautartiger Anhang,
vielleicht ein Theil des Amnion.
116
Entwicklung der Leibesform.
der Embryo mit Amnion und Dollersack durch einen kurzen Nabelstrang
an das Ghorion befestigt (Fig. I 13 . Der Embryo von 4,4 mm Länge
(Figg. 113. 114 war leicht nach dem Rücken zu gekrümmt mit abge-
schnürtem vorderem und hinterem Ende, von denen jedoch ersteres,
wenigstens in dem eigentlichen Kopflheile, nur wenig verdickt sich zeigte,
•f /iW^^^
Fi2. 113.
Fis. 114.
wogegen die Halsgegend, wo das S förmige Herz seine Lage hatte, stärker
vortrat und der massigste Theil des Embryo war. Am Herzen selbst er-
kennt man die dasselbe umschliessende Halshöhle (Parietalhöhle) und
Fig. 113. Menschlicher Embryo mit Dottersack, Amnion und Nabelslrang von
15— 18 Tagen, nach Coste , vergr. dargestellt, i Aorta; c Herz ; d Rand derweilen
Bauchüffnung ; e Oesophagus; /" Kiemenbogen ; i Ilinterdarm ; m Arteria omphnlo-
mesenlerica; n Vena omphalo-mesenterica; o Dottersack, dessen Gefässe nicht aus-
gezeichnet sind ; u Stiel der Allantois [Vrachus] ; cAllantois mit deutlichen Gefässen,
als kurzer Nabelstrang zum Ghorion ch gehend; v .Vmnion; ah Amnionhöhle.
Fig. 114. Derselbe Embryo von vorn starker vergrüssert, mit gcöfTnctem und
grosstentheilsentfL-rntem Dottersacke, a Allantois, hier schon Nabelstrang; m Urachus
oder Stiel desselben; i Ilinterdarm; v Amnion; o Dotiersack oder Nabelblase ; g pri-
mitive Aorten, unter den Urwirbcln gelegen, die weisse Linie ist die Trennungs-
linie zwischen beiden Gefa.s.sen; x Ausmündung des Vorderdarmes in dem Dotter-
sack; A Stelle, wo die Vena umbilicalis und die Venae omphalo- mesentericae n zu-
sammenlrefTen , um ins Herz einzumünden ; /j I'oricardialhöhle; cHcrz; /; Aorta ;
t Stirnfortsatz.
Junge menschliche Embryonen. 117
den Bulbus aortae (Fig. 114 6), dagegen sind die Vorkammern und Kam-
mern bei c) noch kaum von einander zu unterscheiden. Am Kopfe
zeigen sich Andeutungen von Kiemenbogen und Kiemenspalten Schlund-
spalten , Fig. 113/) ziemlich weit vorn, doch sind die letzteren noch
nicht durchgebrochen. Bei der Ansicht von unten Fig. 114 sieht man
ferner am Kopfe vor den ersten Kiemenbogen, die ziemlich deutlich
sind, einen conischen unpaaren Fortsatz ganz nach vorn zu, den Stirn-
oder Xasenfortsatz, und zwischen diesem Fortsatze und den vordersten
Kiemenbogen eineGrul)e, die in der Bildung begriffene Einstülpung,
die später zur Mundhöhle wird. Der Bauch des Embryo ist weit offen,
und steht der ungestielte, 2.75 mm grosse Dottersack in Fig. 114 ge-
öffnet dargestellt in grosser Ausdehnung in offener Verbindung mit dem
Darme, von dem nur der Anfangsdarm , dessen Ausmündung in den
Mitleldarm in der Fig. 1 14 bei x zu sehen ist , und der Enddarm i ent-
wickelt sind. Am hinteren Leibesende findet sich die Allantois ?/) in
Form eines Stranges , der durch einen breiten Stiel o), den späteren
Urachus, mit dem Enddarme und. wie es scheint, auch noch mit der
vorderen Beckenwand zusammenhängt und dann in die äussere Eihaut,
die jetzt Chorion heissen kann , sich verliert , dessen innere Lamelle sie
bildet. Wie weit die Höhle der Allantois und die epitheliale innere
Lamelle derselben sich erstreckte, darüber hat Coste nichts mitgetheilt.
Am Dottersacke und der Allantois sind Gefässe beiTierklich. Am Dotter-
sacke iwe'x Arteriae omphalo-mesentericae rechts und links ziemlich in
der Mitte Fig. 113 m und zwei Yenae omphalo -rnesentericae mehr nach
vorn Fig. 113 ?i, ; ebenso sieht man Gefässe an der Allantois. welche
auch in die haufartige Ausbreitung derselben am Chorion übergehen,
hier jedoch nur mit dem Mikroskope wahrzunehmen sind. Das Amnion
geht von den Rändern der grossen Bauchhöhle aus, umhüllt ziemlich ge-
nau die untere Seite des Kopfes, steht aber vom Rücken sowie vom hin-
teren Leibesende weit ab und bildet mit seinem hintersten Theile auch
eine unvollkommene Scheide für die hintere Seite des Stieles der Allan-
tois. Von Extremitäten, Augen- und Gehörbläschen ist an diesem Em-
bryo noch keine Spur zu sehen, ebenso meldet Coste nichts vonWoLFP'-
schen Körpern, welche jedoch sehr wahrscheinlich angelegt waren,
dagegen will er zwei ziemlich grosse Aorten Fig. 114^) zu beiden
Seiten der mittleren Theile des Leibes gesehen haben . die aber nicht
besonders deutlich hervortraten.
Das Chorion dieses Eies besitzt eine gefässhaltige innere Lamelle,
welche ich mit Coste als Ausbreitung der Allantois auffasse: die äussere
Lamelle ist epithelialer Natur und trägt hohle, leicht verästelte Zotten,
in welche die gefässhaltige Lage noch nicht eingeht.
118
Entwickluni; clor Leibesform.
Fis. 115.
Embryo vom Gescn den Schluss der 3 . Woche treten sehr namhafte Veränderuneen
hnue der .!.<-• "-^
Woche. (|p,. Embryonen auT Fig. 115.. In der äusseren Leibesform fällt vor
Allem die Krümmmiii des Kopfes und Leibes, das erste Auftreten der
Extremitäten und eines Schwanzes und die gute Ausbildung der Kie-
menliogen und Kiemenspalten auf. die beide in der vollen Zahl 4 vor-
handen sind. Ferner unterscheidet man jetzt auch die primitiven Nasen-
grübchen und die ersten Anlagen der
Augen und Gehörgruben, deren ge-
nauere Verhältnisse jedoch noch von
Niemand untersucht wurden. Von
inneren Organen ist jetzt die Leber
angelegt und der WoLFF'sche Körper
deutlich, ferner der Darm vom Dotter-
sacke abgeschnürt und das Herz mit
seinen Hauptabtheilungen erkennbar.
Die EihüUen anlangend, so ist
das Chorion überall gefässhaltig, und
gehen die Gefässe nun auch in die Zotten ein ; der Nabelstrang ist kurz
mit zwei Arterien und zwei Venen , der Doltersack gross und breitge-
stielt, dasAmnion dem Embryo dicht anliegend.
Hierher zähle ich 1) den Embryo von Coste (PI. II, a\ von 20 — 2t
Tagen 's. d. Tafelerklärung), mit einer Reflexablase von 4,2 : 3.0 cm und
einem Chorion von 2,7 cm; 2; den hier abgebildeten Embryo von Thom-
son, Grösse des Eies chorion] 2.7 cm, des Embryo 4,5 mm, des Dotter-
sackes 3,3 mm, 3^ den Embryo von R. Wag\er Icon. phys. 2. AufL
Taf. XXV, Fig. V), Grösse der Reflexa 19 mm, des Chorion 13 mm, des
Embryo 4,5 mm; des Dottersackes 2,8 mm; 4) den Embryo von Hensex
1. s. c.) von 4,5 mm.
Embryonen der Embnoncu der 4. Wochc besitzen noch einfache Geruchsgrtibchen,
dagegen bilden sich die Kiemenspalten nach und nach auf zwei und die
Kiemenbogen auf drei zurück. Die Extremitäten sind grösser, schaufei-
förmig, aber ohne Gliederung, die Schwanzspitze deutlich. Die Leber
ist grösser und bewirkt einen deutlichen Vorsprung am Bauche; der
Darm ist geschlossen und bildet eine kleine Schleife, von welcher der
Gang des nun deullich gestielten Dottersackes, der Ductus omphaln-mesen-
V\',i. Wh. Emhiyo einos mcnsclilichen Eies vom Eruli- der diitleii oder Anlange
der vierten Woche nach A. Thomson vergrossert. a .\mnion; h Dotlersack, c erster
Kiemenliofjoii , Liiterkieferforlsalz ; d Oherkieferfortsalz desselben Hogens; e zweiter
Kiemenbogen, hinici- dem noch zwei kleinere sichtbar sind. Spalten sind drei deul-
lich. zwischen dem I. und 2., 2. und 3. und 3. und 4. Bogen; /"Anlage der vorderen
Fvlrciiiiliit ; 7 primilives OhrbliKchcn : /i Auge: / Fterz.
Junge menschliche Embryonen.
119
tericus, •duss,eht. Ausser den schon genannten Innern Organen sind nun
auch die Lungen und der Magen angelegt.
Jüngere Embryonen dieser Zeit schildern 1)Coste PI. III , Chorion
17,3 mm, Embryo 9,25 mm, Doltersack 5,8 mm; 2 Waldeyer Stud.
d. phys. Inst, zu Breslau H. III), Chorion ohne Zotten gemessen 19,0mm,
Embryo 8,0 mm; 3 A. Thomson- (m. Ent-
wicklungsgesch. 2. Aufl. Fig. 232), Em- ^ '■
bryo in der Krümmung gemessen 11, 0 mm;
i'i A. Ecker (Taf. XXVI, Fig. I , Embryo
9,0 mm. Vom Schlüsse der 4. Woche
stammt \ meine Fig. 116, Embryo 13 mm,
Dottersack 9,0 mm; 2 Coste PL III a.
Der zweite Monat ist durch wichtige
äussere Veränderungen ausgezeichnet. An-
fangs noch stark gekrümmt, beginnt der
Embryo vor Allem am Rumpfe sich zu
strecken. Das Gesicht entwickelt sich durch
Bildung der Xasenfurche, Vortreten der
Stirnfortsätze , Verwachsen der Oberkiefer-
fortsätze mit den äusseren und inneren
Xasenfortsätzen , doch bleibt die äussere
Nase noch platt. Die Kiemenspalten und
die hinteren Kiemenbogen vergehen, doch
erhält sich der dorsale Theil der ersten
Spalte als Anlage der äusseren Ohrmün-
dung. Die Extremitäten ferner gliedern
sich deutlich, und erscheinen am Ende dieses
Monats auch die Finger- und Zehenanlagen
schwellen an und der Kopf tritt stärker vor.
Embryonen des
2. Monates.
Fie. -116.
. Herz- und Lebergegend
Die Schwanzspitze vergeht
nach und nach. Die Geschlechtsöffnung erscheint und die ersten Spure»
der äusseren Genitalien. Von inneren Organen lesen sich in diesem
Fig. i16. Menschlicher Embryo von vier Wochen und 13 mm Länge, vergr. 1.
in der Seitenansicht. Das Nabelbläschen , das einen ganz kurzen Stiel hatte , 2/3 der
Grösse des Embryo besass und auf der linken Seite seine Lage hatte , ist nicht dar-
gestellt. 2. Kopf desselben Embryo von unten. aAuge; »Nasengrübchen; 0 Ober-
kieferfortsatz; u Unterkieferfortsatz des ersten Kiemenbogens; 6 leichte Erhebung,
die die Stelle des Labyrinthes andeutet; i' rechte Vorkammer; fc Kammer; Z Leber ;
1 vordere, 2 hintere Extremität ; s schwanzartiges Leibesende; m Mundspalte: äA:
zweiter, 3fe dritter Kiemenbogen; t<i' untere Yereinigungshaut , hier als Bekleidung
des Herzens erscheinend, das abgeschnitten ist; a in Fig. 2 Aorta; r Mark, etwas
verzerrt. Die Gegend zwischen den letztgenannten zwei Theilen in 2 nicht ausge-
zeichnet, weil hier eine Nadel zu Fixinmg durchgestossen war.
J20
liiitwickliinii der Leibestorm.
5. Woche
Monale ;in : Zuniie , Kohlkopf, Thyreoidea, Thymus, Pancreas, Nieren,
j\el)ennieren. Goschlechlsdriisen.
Das Chorion ist rings mit Zotten besetzt , der Nabelstrang kurz und
dick und nicht gewunden. Derselbe enthält eine oder mehrere Dünn-
darmschlingen, ferner die epitheliale Blase der Allantois und im Anfange
dieses Monates auch 2 Nabelvenen. Der Dottersack ist gross, der Dotter-
gang und seine Gefässe deutlich, das Amnion weiter.
Die einzelnen Wochen dieses Monats sind schwer zu unterscheiden.
In die 5. Woche fallt das erste Auftreten der Nasenfurche, die Anlage
der Zunge und der beginnende Verschluss der ersten Kiemenspalte
(Fig. 118), die scharfe Abgliederung von Hand und Fuss, das erste Deut-
lichwerden von Knie und Ellenbogen, das Auftreten der Gloaken-
mündung. Kiemenbogen sind noch zwei vorhanden. Der Embryo der
Fi2. 117.
Fi2. H8.
Figur 118 missl 8,5 nmi, der Dollersack 4,5 mm. In dieselbe Zeit ge-
hören die Abbildungen von Ecker Taf. XXVI, Figg. III, IV, V, VII, VIII,
IX und X, deren Grössen mit Ausnahme der Figg. IV und X, auf 9, 12,
8, 10 und 11 mm angegeben sind.
«.Woche. Die erste Kiemenspalte ist bis auf die äussere Ohröffnung zu, an
der Hand werden die F'ingeranlagen sichtbar, die Nasenfurche verwächst
und die Mundüffnung gestaltet sich zu einer grossen queren Spalte, in
der die Zungonsjjilze frei sichtbar ist; die Gcnilalwülste treten auf, die
Kiemenboüen sind verschwunden. Freies Schwanzende noch vorhanden.
Fig. in. Ei aus der ö. Woclic, geöfTnet. 2mal vergrösscrl. Man sieht das Cho-
rion mit den Zotten und demselben anliegend (.We Membrana intermedia, dann das ge-
öfTncte Amnion, innerhalb desselben den Embryo von der Rückseite und den Nabel-
strang. Zwischen Amnion und Chorion der Dottersack.
Fig. 118. Embr\o dieses Eies 4mal vcrgr. Aeusserer Nasenforlsalz und Ober-
kieferforlsatz sind fast ganz verscbniolzen. Nasengrube und Mundspaltc durch die
Na.scnfurchc verbunden. An der ersten Kicmenspalte di'r hintere Thcil alsOhrüflnung
sichtbar, der vordere Theil zu.
Juiiüe mcnsclilictie Eiiihrvunen.
121
Einen solchen Eml)ryo von 16 mm Länge von 35 Tagen stellt nach
CosTE die Fig. I 19 dar, andere von 13 und 14 mm die Figg. XI und XII
der Tafel XXVI und Fig. V auf Taf. XXVII von Ecker, ferner die Taf. Va
von CosTE (Embryo von 17 mm und 40 Tagen) und dessen Taf. Vc, meine
Fig. 127. Embryo von 15 mm und 40 Tagen.
Durchmesser der Reflexablase 47 mm, des
Chorion mit den Zotten 33 mm, des Dolter-
sackes 6.3 mm, des Amnion 20,0 mm. Länge
desXabelstranges 12,5 mm. des freien Thei-
les des Dotterganges 22,0 mm.)
In der 7. und 8. Woche wächst der Em-
bryo bis zu 20 mm und streckt sich mehr.
An den Extremitäten treten die ersten zwei
Abschnitte deutlich hervor, die Finger tren-
nen sich, am Fusse erscheinen die Zehen-
anlagen ; das äussere Ohr ist noch spalten-
förmig, tritt aber mehr vor und bekommt
einen Rand, die Augenlider bilden sich,
lassen aber das Auge noch weit unbedeckt,
an dem das Pigment des Corpus ciliare mit
blossem Auge zu sehen ist. Das Gesicht ist
angelegt , aber die Nase noch kaum vor-
springend, die Lippen treten wenig vor, der
Gaumen ist noch gespalten. Hierher zählt
meine Fig. 120 Embryo v^on 19,3 mm Länge
und 8 Wochen ; Ecker's Fig. XIII auf Taf.
XXVI Embryo von 7 Wochen und 21 mm,
Amnion von 26 mm, Dottersack von 6,5 mm ,
desselben Autors Fis. VI auf Taf. XXVII Fig. ii9.
und S. Woche.
Fig. 119. Menschlicher Embryo von 35 Tagen von vorn nach Coste. 3 linker
äusserer Nasenfortsatz; 4 Oberkieferfortsatz <ies ersten Kiemenbogens; 5 primitiver
Unterkiefer; ; Zunge; b Bulbus aortae; b' erster bleibender Aortenbogen , der zur
Aorta ascendens wird; 6" zweiter Aortenbogen, der den Arcus aortae giebt ; b'" dritter
Aortenbogen oder Ductus Botalli ; y die beiden Fäden rechts und links von diesem
Buchstaben sind die eben sich entwickelnden Lungenarterien ; c' gemeinsamer
Venensinus des Herzens; c Stamm der Cava superior und Azygos dextra; c" Stamm
der Cava sup. und Azygos sinistra; o linkes Herzohr; r rechte, v' linke Kammer:
a e Lungen; e Magen; j Vena omphalo - mesenterica sinistra; s Fortsetzung derselben
hinter dem Pylorus, die später Stamm der Pfortader wird; x Dottergang; a Art.
omphalo -mesenterica dextra \ m WoLLFscher Körper: /Enddarm; n Arteria umbili-
calis, n Vena umbilicalis : 8 Schwanz ; 9 vordere , 9' hintere Extremität. Die Leber
ist entfernt.
122
Eotwicklunu clor Leibesforin.
Embryonen des
:i. Monates.
Emhrvo von 7 'o Wochen und 16,1 mm und Fisur VllI Embrvo von
8 Wochen und 20,9 mm).
Eml)ryonen des 3. Monates characlerisiren sich durch die guteAus-
bihlung der Extremitäten, vor Allem von Hand und Fuss, an denen das
Nagelbett deutlich zu werilen beginnt. Der Kopf streckt sich und tritt
der Hals hervor, so dass die Schulter bald nicht mehr dem Unterkiefer
anliegt, wie am Anfange dieses Monates. Am Auge schliessen sich schon
in der ersten Hälfte dieses Monates die Lider, die Nase tritt vor, die Ohr-
muschel bildet ihre Hauptabtheilungen. Brust und Bauch ragen weniger
hervor als früher. Die Cloakenmündung trennt sich in der 9. und 10.
Woche in Geschlechts- und DarmötTnung, und sind in der 2. Hälfte dieses
Monates die äusseren Geschlechtsorgane deutlich als männliche oder
weil)liche zu erkennen , indem die Rinne an der unteren Seite des
Penis sich schliesst und die Scrotalfalten verwachsen. Am Chorion bildet
sich der Unterschied zwischen Chorion frondosum und Chorion laeve aus.
Der Nabelstrang wird länger, windet sich und ziehen sich die Darm-
schlinsen aus ihm heraus.
Vi'' t-20.
122.
Die Fig. 121 stellt einen Embryo der 9. Woche von 21 nun dar, der
noch in Vielem an die Embryonen des 2. Monates erinnert. Schon ab-
weichender ist der End^ryo der 10. Woche Fig. 122 mit einer Länge von
3,8 cm. und in der Fig. 170 ist ein End)r\o der 12. Woche von 5,4 cm
iiimipflimgc dargestellt. Gute Abbildungen Smonatlicher Eml)ryonen
haben auch Ecker (Taf. XWIL Fig. IX und Eitin. fTal). XI mit Längen
von •").ö. i.4 und 5,0 cm.
Ng. MO. Mcnscliliclicr Embryo der 8. Woche iiiial vergr.
Kig. 12). .Mcfiscliliclier Kmbryo der 9. Wdctic in natürlictier (ircisse.
Kig. \ii. .Mciischliclicr Enibr\o der 10. Woche in naliiriiclier (irüsse. Zwisclicn
Bein und Steiss ist der Penis siclilbar.
Menschliche Etnhryoiien des 3. Monates. 123
Der Embryo zeigt In seinem Aeusseren wesentlich dieselben Ver- ^■ Monat.
hällnisse wie im 3. Monnte , nur dass alle Thoile grösser werden. An
den männlichen Geschlechtsorganen erscheint die erste Spur des Prac-
putiiim in Form eines ringförmigen Wulstes hinter der Glans ; bei weib-
lichen Embryonen treten die grossen Schamlippen mehr hervor und neh-
men die Clitoris zwischen sich.
In diesen Monaten ist das Auffallendste die Entwicklung der Haut. 5. und 0. Monat.
Die Wollhaare, Lanugo, brechen gegen das Ende des 5. Monates zuerst
an den Augenbrauen und an der Stirn durch , und bis zum Ende des
6. Monates ist der ganze Körper mit denselben bedeckt. Zugleich be-
ginnt auch die Bildung der Fruchtschmiere, Vernix caseosa, in schwachen
Anfängen. Die Nägel werden härter und die Hautdrüsen entwickeln sich.
Im Anfange des 5. Monates bei Embryonen von 10 — H cm Rumpflänge
bildet sich das Praeputium vollständig aus. Die Clitoris steckt nun ganz
zwischen den Labia majora , die Nymphen sind noch klein, das Hymen
schmal, tief im Grunde des Vorhofes verborgen. Mit dem Beginne des
6. Monates erscheinen die ersten Bewegungen des Embryo.
Der Embryo ist noch kaum lebensfähig, die Haut roth, mit Vernix 7. Monat.
caseosa bedeckt. An den weiblichen Genitalien treten die Nymphen stark
hervor und erscheinen wie zwei von den Labia majora unbedeckte
Klappen, die von einer Commissur zur andern reichen und am oberen
Ende unmittelbar in das Frenulum und Praeputium der ganz verborge-
nen kleinen Glans clitoridis übergehen. Bas Hymen ist grösser, aber noch
im Yorhofe verborgen. Die Hoden treten in den Leistenkanal.
Die Vernix caseosa nimmt zu, an der Nase und um den Mund finden s. 0. 10. Monat.
sich den Comedonen und dem Milium ähnliche Zustände der Talgdrüsen
(s. Küstner, Arch. f. Gynaek. Bd. XII), das Kopfhaar vermehrt sich, ein
Theil der Lanugo stösst sich ab. Die Augenlieder lösen sich , die Pupil-
larhaut schwindet, die Hoden steigen ins Scrotum. An den weiblichen
Genitalien wird das Hymen grösser und treten die immer noch sehr
langen (hohen) Nymphen etwas in die Tiefe.
124
Entwicklung der Leibesfoim.
Tabelle
über Grösse und Gewicht der Eml)ryonen in verschiedenen Altern.*)
R u ui p f 1 ii n g e G e s a ni ni 1 1 ä n g e Gewicht
in Cenlimetern. in Grammen.
i . Monat.
3. Woche
4. Woche
2. Monat.
5. Woche
6. Woche
7.8. Woche
3. Monat.
4. Monat.
5. Monat.
6. Monat.
7. Monat.
8. Monat.
9. Monat.
10. Monat.
0,45
0,8 — 1,1
0,85—1,28
1,3—1.7
1,6—2,1
2,1—6.8
6,9-9,0
9.7—14,7
15,0 — 18,7
18,0 — 22,8
24—27.5
27—30
30—37
6 — 1 1 Ecker.
7 — 9 Hecker.
14—16 E.
10—7 H.
19—28 E.
18—27 H.
26—37 E.
28—34 H.
35—38 H. E.
41—42 E.
39—41 H.
42—65 H.
42—64 E.
45—67 H.
11 Hecker.
3—13 ich.
57 Hecker.
25—50 ich.
284 H.
72—256 ich.
634 H.
265-489 ich.
1218 H.
517-860 ich.
1569 H.
1971 H.
2334 H.
*; Obschon es gebräuchlich ist, bei Embryonen die gesammte Länge vom Schei-
tel bis zur Sohle anzugeben, so ist doch unzweifelhaft die Messung der Rumpflänge
(bei jüngsten Embryonen die Messung der entferntesten Körperpunkte richtiger, weil
bei Embryonen des 1. und 2. Monates nur diese sich messen lässt und auch im 3.
und 4. Monate die Beine nicht leicht gestreckt werden können. Ich habe übrigens
auch die Gesammtlängen nach Ecker Arcli. f. Anthr. Bd. 3 und Heckkr Monats-
schr. f. Geburtsk. Bd. 27; l)eigegeben. Die Gewichte sind nach Heckeh (Mitlelzahlen
der Gewichte frischer Fötus; und eigenen Beobachtungen Bestimmungen an Spiritus-
piüparaten mitgclheilt, und erklären sich die bedeutenden Unterscliiede der beider-
lei Bestimmungen z. Th. aus den Verschiedenheiten des Beobachlungsmateriales
(End>ryoneri nehmen in Spiritus, je nach der Stärke desselben, um 3 — 5X im Mittel,
i — 14 X '" den Extiemon ab;, z.Th. aus den abweichenden Schätzungen des Alters.
In dieser Heziohung fehlen übrigens genauere, auf sicheres statistisches Material ge-
gründete Angaben ganz und gar. Die besten Kriterien sind pewisse Entwicklungszu-
stände, wie das erste Mervorsprossen der Haare, die Bedeckung des ganzen Körpers
mit \V<illhaaren u. s. w. , die bei den einzelnen Monaten nach sorgfältiger Prüfung
zu (irundc gelegt wurden.
Heiter lülus und Neii;^eborener. 125
Aninerkune. Ich fii£>e nun noch einige Bemerkungen über den reifen ^^'f®''^''*«« nnd
c" c> DO ^eugeborene^.
Fötus und den Neugeborenen bei, hauptsächhch mit Rücksicht auf die Bedürf-
nisse des Arztes, indem zu einer ausführUchen anatomischen Schilderung dieses
Lebensalters hier nicht der Ort ist und auch manches, was die Geburtslehre
behandelt, wie die Durchmesser des Kindskopfes, die Fontanellen u. s. w.,
nicht besprochen werden kann.
I. Skelett. Zur Zeit der Geburt sind von ganzen Knochen noch knor- Skelett.
pelig der 2. — 4. Steissbeinwirbel , seltener auch der erste, alle Stücke des
Carpus, die Patella , die Fusswurzelstücke mit Ausnahme des Calcaneus und
Astragalus und manchmal auch des Cuboideum. Ferner fehlen Neben- und
Epiphysenkerne am ganzen Skelette mit einziger Ausnahme des unteren Epi-
l)hysenkernes im Femur, der in der grossen Mehrzahl der Fälle vor der Geburt
sich bildet und im Mittel 0^5 cm misst. Bei den Knochen, die aus mehreren
Hauptabschnitten sich bilden, wie den Wirbeln^ gewissen Schädelknochen,
dem Brustbeine, sind zur Zeit der Geburt einmal gewisse Gegenden noch knor-
pelig, wie die Lamina perpendicularia des Siebbeins, der Processus ensiformis
des Sternum und der Arcus anterior atlantis, und zweitens die bereits ver-
knöcherten Theile noch alle unvereinigt, mit Ausnahme des Keilbeines, bei
dem nur noch d'\eAlae magnae getrennt sind, und des Brustbeins, bei dem in-
conslante Verschmelzungen der Kerne des Körpers vorkommen.
Von sonstigen Eigenthümlichkeiten des Skelettes des Neugeborenen er-
wähne ich den Mangel einer bestimmten F'orm oder Krümmung der Wirbel-
säule, die geringe Weite der Brusthöhle und der Beckenhöhle, welche letztere
bei beiden Geschlechtern sich gleich verhält, das Ueberwiegen des Schädels
über das Gesicht, die geringe Ausbildung (Sinus ethmoidalis, maxillaris) oder
der Mangel [Sinus frontalis, sphenoidalis] der Nebenhöhlen der Nase, der un-
vollkommene Zustand des Felsenbeins [A7mulus tympanicus, Mangel des Proces-
sus mastoideus , unvollkommene Ausbildung der Hauplkanäle) , die besondere
Gestaltung der Kiefer an ihren Rändern und im Innern, die Grösse der Orbita,
die gute Ausbildung des Labyrinthes im Ohre.
2. Nervensystem und Sinnesorgane. Das Rückenmark hat seine Nervensystem .
Spitze im 3. Lendenwirbel, und reicht auch der Sack der Dura im Kreuzbeine
bis zum 4. Wirbel.
Das Gehirn ist so entwickelt, dass dasselbe alle Hauptwindungen und auch
viele Nebenwindungen zeigt und schwer zu sagen ist , in wie weit dasselbe
etwa noch von dem des Erwachsenen verschieden ist. Die Hirnhöhlen sind
relativ weit, die Adergeflechte gross. Gewicht des Gehirns 3 85 grm.
Das Auge ist beim Neugeborenen relativ gross und beträgt dem Gewichte Auge,
nach etwa ^/^ — Y4 desjenigen des Erwachsenen. Die Sclera ist dünn , die
Hornhaut dicker als beim Erwachsenen, die Aderhaut sehr dünn und ohneLcrm/«a
fusca. In der Pupille können Reste der Membrana papillaris vorkommen. An
der Netzhaut fehlt der gelbe Fleck. Die Linse besitzt gewölbtere Flächen als
später, der Linsenstern ist dreistrahlig.
Vom Geruchsorgane erwähne ich nur die Enge der Nasenhöhle und Geruchsorgan
vor Allem ihren geringen vertikalen Durchmesser, ferner die deutliche Aus-
prägung des Organon Jacobsonii und des Canalis nasopalatinus.
Beim Gehörorgane verdient die Kürze des Gehörganges und die fast Gehörorgan.
horizontale Stellung des Trommelfells Beachtung, ferner die Enge der Höhlen
im mittleren Ohre, die erst nach der Geburt durch Schwinden der Gallert-
126 Euhvicklung der Leibesfonn.
Schicht der Mucosa sieh crNveitcrn. Das knöcherne Labyrinlli und die Ossicula
(niilitua sind der Grösse nach voUkoninien ausgebildet. i
Aeussere Haut. Die Haut des Neugeborenen ist meist von einer dicken Lage Vernix
caseosa bedeckt und rüther als später. Die Comedonen und Milium ähnlichen
Bildungen im Gesichle sind noch vorhanden. Von Haut-Organen erwähne icli nur
die Milchdrüsen beider Geschlechter, die bei allen grösseren Neugeborenen
von 3.5 — 4,0 Kilo und darüber als heller oder dunkler rothc Organe scharf
gegen das umliegende Gewebe sich abgrenzen. Die Warze ist entweder noch
nicht gebildet oder nur sehr sclnvach angedeutet und die spätere Areola un-
gefärbt. Die Nägel, besonders der Finger,, haben einen mehr weniger langen
freien Rand, der, wenn gut ausgebildet, dem Nagel des 6. Monates entspricht
und später sich abstösst.
Muskeisj-stem. 3. M u s k e 1 s v s t e m. Ich hebe hier vor Allem die noch unvollkommene
Ausbildung der vorderen Bauchwand hervor, indem die Recti über dem Nabel
I — 2 cm und mehr von einander abstehen. Als fernere Eigenthümlichkeiten,
die jedoch durchaus nicht immer zutretl'en, werden angegeben: die Stärke
der Inscriptiones der Recti abdominis, der Mangel einer Zwischensehne am
Omo-hyoicleas, die relative Grösse der Pyramidales.
Die Ossa scsamoidea sind angelegt, aber noch knorpelig,
iiarinkanai. 4 Darmsvstem. a. Darmcanal. Die L i ppe n zeigen eine scharfe
Grenzlinie zwischen der Schleimhaut und der äusseren Haut und am Saume
der ersteren mehrere Reihen hervorragender Papillen, die am Mundwinkel am
dichtesten stehen (Klein) , Verhältnisse, die schon bei älteren Embryonen
sichtbar sind. Am Zahnfleische finden sich in der Gegend der späteren
Eckzähne eigenthümliche platte, dreieckige, jedoch nicht immer gut entwickelte
Fortsätze der Mucosa Roiun und Magitot) , die vielleicht beim Saugen mit-
helfen und um den 3. — 4. Monat undeutlich werden Die Kiefer enthalten
alle 20 Milchzähne und den 1. grossen bleibenden Backzahn in Ossilication
begrill'en. Von den bleibenden Zähnen sind die Säckchen der Schneide-
zähne und Eckzähne meist beim Neugeborenen zu erkennen, die andern nicht,
mit welchem Ausspruche über das erste Auftreten der Anlagen dieser Säck-
chen nichts ausgesagt sein soll.
Die Zunge zeigt die Pupillae circumvallatae auffallend deutlich und
lässt häutig auch die Papilla foliala als ein gut abgegrenztes Gebilde erkennen.
Die Papulae filiformes sind klein, die funijiformes gut ausgebildet und besonders
an der Zungenspitze mächtig entwickelt. Am Rande der Zunge erscheinen die
späteren Ouerleistcn als zierliche Reihen kleiner Papillen, die noch auf die untere
Fläche übergehen und dann scharf sich abgrenzen. Am Boden der Mundhöhle
ist der Kamm, der die Ausmündungen der kleineren Speicheldrüsen trägt
iCrista salivalis inferior mihi , ungemein entwickelt, weniger derjenige der
Zungendrüse an der Zunge (Crista salicalis superior] . Die (Handulae siiblin-
fjuales bedingen einen starken Wulst am Boden der Mundhöhle. Am harten
Gaumen linden sich am vorderen Theile gut entwickelte Querfallen und eine
deullichc Gaumenpapille (Gege.mui:i») .
Im Ph arynx erscheinen die Tonsillen meist in Form senkrecht stehender
Taschen mit zahlreichen OelFnungen in der Tiefe, die von vorn her wie durch
eine Fall»; thoilweisc bedeckt werden. Der weiche Gaiunen steht n)ehr hori-
zontal, und zcif.'! die Zä|»f(hf'iis|)ilzr meist noch eine deutliche Spaltung. Die
Tubcnnnindung ist mehr spaltciiförmig und etwas tiefer gelegen als der Boden
Reifer Fötus iiiul Neugeborener. 127
der Nasenhohle Kinkel . Das SchluiKlkopfgewölbe ist ^\•enig gewölbt und die
Jieccfisiis pharijngis kaiun angedeutet, dagegen die Tonsilla pharijngett in Gestalt
einer Gruppe sagittal stehender, bogenförmig gekrümmter Spalten und dieBalg-
driisen der Zungeuwurzel gut entwickelt.
Am Magen fällt die geringe Entwicklung des Blindsackes auf, die jedoch
mannigfach variirt.
Der Dünndarm misst beim Neugeborenen 2,93 m, der Dickdarm
0,448 m; Verhältniss 6^2 • '• ^'^ Valvuluc h'erkriiifjii sind niedrig. Die
Valvuht Bauhini ist nichts als das in Form einer kurzen Höhie in den Dick-
darm vortretende lleum. Das Coecum steht hoch , in gewissen Fällen selbst
noch im rechten Hypochondrium, ist klein, mehr kegelförmig und geht unmittel-
bar in den langen Wurmfortsatz über, an dem die Klappe fehlt. Dickdarm
im oberen Theile häufig nicht viel weiter als der Dünndarm, im untern Ab-
schnitte durch Meconium ausgedehnt. Haustrae und Taeniae von aussen sicht-
bar. Innen fehlen gut ausgebildete Valvulae sigmokleae, dagegen finden sich
viele, zum Tlieil netzförmig verbundene Längsfalten. Mastdarm weit,, meist
mit zwei oder drei gut ausgesprochenen, je den halben Umfang des Darmes
einnehmenden Ringfalten in 3 — 4 cm Entfernung vom Anus und einer Ver-
dickung der Ringmuskulatur an dieser Stelle. Unterhalb dieser Falten findet
man oft \ier stärkere und vier schwächere Längsfalten, die in die schon deut-
lichen Columnae Morgagnii auslaufen.
Das Bauchfell zeigt den Netzbeutel weit offen, und lässt sich Aas Omen- Poitonaemn.
tum majus in seiner ganzen Ausdehnung nach unten und bis in seine äusser-
sten Räuder, das Ligamentum pleurocolkum und das Omentum coUciim Hallen'
aufblasen. Das erstgenannte Ligament ist beständig und gut entwickelt, so
dass die Milz wie in einer Nische gelagert ist. Von den kleinen Bauchfelltaschen
fehlt die Fossa phrenico-hepatica nachHE.xLE, und ist die obere Fossa ileo-coeca-
lis nach Waldever immer da. Omentum majus und Colon transversum sind so
verbunden, dass man in der Mehrzahl der Fälle deutlich erkennt, dass das Netz
vor dem Colon vorbeigeht.
b Respirationsorgane. Der Kehlkopf ist auffallend durch die Kehlkopf.
Kürze der Stimmbänder und der Plicae arij-epiglotticae, sowie durch die Klein-
heit und die starke Krümmung des Kehldeckels. Die Morgagnischen Taschen
sind vorhanden und I — 2 mm tief. Zwischen- den Taschenbändern und dem
Kehldeckel stehen auf einem besonderen, weit am Kehldeckel heraufreichenden,
leicht vertieften Felde zahlreiche kleine Längsfalten.
Die Luftröhre ist vor demAthmen platt gedrückt und selbst vorn etwas Trachea.
vertieft. Die hintere Wand ist äusserst schmal und bilden die Knorpel fast
vollständige Ringe. Bei den Lungen verdient Beachtung ihre Lage im hin- Lungen,
leren Abschnitte des Thoraxraumes , so dass das Herz und die Thymus vorn
ganz frei liegen und die Lungen diese Organe nur seitlich berühren. Doch sind
die beiden Pleurahöhlen schon jetzt in viel grösserer Ausdehnung angelegt, und
schieben sich die Lungen, so wie das erste Athmen eintritt . einfach vor und
decken das Herz je länger je mehr. Vor dem Athmen sind die Lungen röth-
lich und von der Consistenz der Thymus , der sie auch durch die deutliche
Sonderung der Läppchen 2. und 3. Ordnung gleichen. Mit dem Athmen wird
die Farbe heller und die Consistenz schwammig. Die Bronchien des reifen
Fötus sind eng und enthalten Schleim und die Pleurahöhlen etwas Serum. Ge-
wicht des Organes bei Todtyeborenen 40 ^rm. bei Neugeborenen, die geathmet
128 Entwicklung der Leibesform.
haben. 70 grm. Verliälliiiss des Lungengewichles zum Körpergewichte im All-
gemeinen, Ausnahmen abgerechnet, bei Todlgeburten 1 : 67 — 70, nach ge-
schehener Athmung I : 32 — 41. Der Thoraxraum ist beim reifen Fötus
kurz, und .steht der höchste Theil des Zwerchfelles rechts in der Höhe des An-
satzes der 4. Kippe ans Brustbein, Hnks etwas tiefer, dem 4. Intercoslalraume
gleich.
Th/fmus. Die Grösse der Th y mus beim Neugeborenen ist bekannt, doch schwankt
dieselbe innerhalb sehr bedeutender Grenzen von 5 — 25 grm und beträgt im
-Mittel 13,7 grm. Die grösste Thymus, die ich beim Neugeborenen sah, ging
links bis über die Lungenspitze, die sie von ihrer Stelle verdrängte, und hatte
den Unken PhrenicKs vor sich. Farbe etwas heller als die der Lunge des reifen
Fötus. Beacistung verdient ausserdem, dass die oberen llörner des Organes
häufig bis an die Schilddrüse heranreichen und selbst noch etwas hinter der-
selben heraufragen, ferner dass dieselben von der Hauptmasse des Organes
getrennte, nur durch Bindegewebe mit ihr verbundene Theile Nebenthymus ?)
darstellen können.
Thyrtoidia. Die Schllddrüse ist braunroth, unverhältnissmässig gross und 6, 5 grm
Leber, schwer. Die Leber des Neugeborenen ist dunkel braunroth und relativ viel
grösser als später, was sich vor Allem in der grossen Ausdehnung des linken
Lappens ausspricht, der bis über die Magengegend und die 3Iilz herüberragt
und mit dem Lig. trianguläre sinistrum selbst an der linken Pars costalis
(liaphragmatis festsitzen kann. Ferner ragt die Leber erheblich um 2,5 bis
4,0 cm über die Rippenknorpel hervor und kann selbst bis in die Nähe des
Nabels oder sogar etwas unter denselben herabgehen. Endlich ist das Organ
auch dicker und an der oberen Seite , wegen der stäikeren Wölbung des
Diaphragma, convexer. Mit dem Eintreten des Athmens errälirl die Leber eine
rasche Verminderung an Grösse und Gewicht , was daher rührt , dass nun auf
einmal der Blutzufluss von Seiten der Umbilicalvene wegfällt , ein Verhalten,
das zur Aufstellung der sogenannten Leberprobe, Docimasia hepatis , ge-
führt hat , deren Brauchbarkeit vorläufig bei den grossen Schwankungen des
Lebergewichtes Neugeborener und dem Mangel einer sorgfältigen Statistik eine
sehr geringe ist. Gewicht: 77 — 123 grm.
Gallenblase. Die Gallenblase ragt gewöhnlich nicht über den Rand der Leber vor.
In Einem Falle trat ihr Grund an der convexen Leberfläche in einer kreis-
förmigen Lücke der Lebersubstanz zu Tage.
i'nncrtas. Milz. Vom Pancrcas und der Milz ist kaum etwas besonderes zu melden,
als da.ss ersteres bald graugelb , bald röthlich gefärbt und wegen der Zartheit
der Netze und des Mesocolon traxsci-rsuin leichter sichtbar ist. Gewicht des
Pancreas 3,2 grm, der Milz 11,1 grm.
Herz. 5. Ge fässsy st em.' Das Herz des reifen Fötus ist im Mittel 2 4 grm
schwer und zeichnet sich durch die stärkere Entwicklung der rechten Kammer
aus, deren Muskulatur derjenigen des linken Herzens nahezu gleich kommt
und die meist auch an der Bildung der Heizspitze sich betheili!,'!. Im Innern
findet sich das Foramen ovale, eine grosse Valvula foraminis ovulis und Val-
vuln Eustachii. Capacität der linken Kammer (i — 7 cm, der rechten 8 — I 0 cm
HiFFELSIIEIM und ROBI.N .
Herzbeutel. Der Horzbentel ist mit deni JJid/ihraginit lockerer verwachsen, als
später.
Reifer Fötus unil Neiiiieboreiier. 129
Die Lungenartcrien sind eiii; .4, Omni), der Ductus Botalli weit Gefässe.
(3.8 mm .
Die Nabelarterien erscheinen als unmittelbare Fortsetzungen der
Arlt. hi/pogastricce und sind weiter als die Iliacce exterme. Es messen in mm:
Aorta über der Tlieilung 6,0 — 7,0; Iliaca communis 4,0 — 5,0; Umbilicalis
3,0 — 4,5: Iliaca externa i,^ — 3,0. D'\e V ena um bili calis 2.ichl , bevor
sie den Sulcus transiersus hepatis erreicht , eine Zahl Aeste an den linken und
den viereckigen Lappen ab und verjüngt sich daher in der linken Leberfurche
auffallend. Der Ductus vcnosus misst in mm 2,7 — ö,0, die Vena portae 3.3 bis
5,1. die Umbilicalis an der Leber 6,8 — 10,0, der rechte Ast derselben 4,0bis
5,5. die Cava an der Leber 4.3 — 7.0 mm.
6. Geschlechts- und Harnoreane: Die Nieren des reifen Geschiechts-
^ 1 /> • 1 1 I -i. Harnorgane.
Fötus zeichnen sich durch ihre relativ bedeutende ürosse und durch ihre Nieren.
höckerige Obertläche aus, welche mehr weniger deutlich die früheren Lappen
Ißenculi] erkennen lässl. Beachtenswerth ist auch ihre tiefere Lage , sodass
sie unterhalb der 12. Rippe stehen und den Hüftbeinkamm und selbst den
Beckeneingaug erreichen können. Von den inneren Verhältnissen ist zu er-
wähnen die geringe Mächtigkeit der Bindensubstanz und der fast ausnahms-
lose Mangel an Harnsäureablagerungen in den Papillen Harnsäureinfarct bei
Neugeborenen, wogegen derselbe zwischen dem 2. — 8. Tage nach der Ge-
burt in mindestens - 3 aller Fälle sich findet.
Gewicht einer Niere 6 — I 0 — I ogrm : Verhältniss zum Körpergewicht beim
Neugeborenen I : 82 — 100. beim Erwachsenen I : 223. Dicke der Rinden-
substanz 1,80 mm, der Pyramiden 8,31 mm. Farbe der Niere hellroth, der
Pyramiden dunkelroth, der Rinde gelblichroth.
Die Harnblase ist meist spindelförmig und entsendet den Urachus vom Harnblase.
Scheitel selbst und. allmälig sich verengernd, die Harnröhre vom unteren Ende
aus. so dass um diese Zeit wohl von einem Halse, nicht aber von einem Grunde
die Rede sein kann, doch giebt es Fälle, in denen die hintere Wand schon mehr
ausgebuchtet ist als die vordere Wand und der Oac/h/s etwas unter dem Schei-
tel abgeht. Die Länge des Organes beträgt über 6,3 cm, von denen der grösste
Tlieil über der Si/mphyse im Bereiche der Bauchhöhle seine Lage hat. Die
Mündung des Urachus ist manchmal noch als feinste OetTnung , manchmal in
Gestalt eines kleinen vorspringenden Röhrchens, anderemale gar nicht sieht- •
bar. Die Mucosa bildet oben Längsfalten . unten mehr unregelmässige Falten-
bildungen. Das Trifjonum ist undeutlich.
Die Nebennieren sind immer noch unverhältnissmässig gross, ebenso Nebennieren.
gross oder nicht viel kleiner als beim Erwachsenen, 4 — 7 grm schwer. Ihr>er-
hältniss zur Niere ist I : 3 — 4 beim Erwachsenen \ : 14 — 30). Die Mark-
substanz ist rothbraun, die Rinde gelbweiss. Beide Organe und vor Allem die
rechte Nebenniere besitzen an ihrer vorderen Fläche eine mehr weniger voll-
ständige Bekleidung vom Peritonaeum.
Von den w e i b 1 i c h e n G e s c h l e c h t s 0 r g a n e n sei zunächst der hohe ^"^3^^^ ^'^
Stand des Fundus uteri . der die Symphyse erheblich überragt, und die Lage
der Eierstöcke in der Fossa iliaca im Bereiche des grossen Beckens erwähnt,
womit auch die horizontale Lage der Lirj. rotunda zusammenhängt. Die Eier- Ovarien.
Stöcke sind lang und schmal und quergestellt. Die Tuben umgreifen die-
selben und zeigen sowohl die Fimbrien als die Ampulle. Der N eben eier-
st oc k ist klein.
K'Jlliker, Grundriss. 9
130 Entwicklung der Leiljesturiii.
Uterus. Die 2,6 — 3,6 cm lange Gebärmutter steht mehr nach vorn und ist
in einzelnen Fällen Sfürmig, so dass der obere Theil leicht nach vorn um-
gebogen ist. Dieselbe besteht zu 2/3 oder •y4 aus dem Halse, und ist der obere
Theil des Organes noch ganz unentwickelt. Ersterer, im Querschnitte cylin-
drisch, hat dicke Wände, während letzterer viel dünnwandiger und von vorn
nach hinten abgeplattet oder im Querschnitte dreieckig mit hinterer mittlerer
Kante gefunden wird. Der Fundus ist ziemlich scharf, manchmal mit einer
leichten Einbiegung. Die Portio vaginalis ist gross, bis zu 0,6 — 1,0 cm
lang, ihre vordere. Lippe ist ebenso lang oder länger als die hintere Lippe.
Oberfläche der Lippen meist mit Falten besetzt. Muttermund unregelmässig
zackig. Höhle des Cervix mit zwei ungemein entwickelten Plicae palmatae, von
denen aus zarte divergirende Längsfällchen in die kurze Höhle des Körpers
und Grundes übergehen. In der Höhle des Cervix reichlicher glasartiger
Schleim. Das Bauchfell überzieht an der vorderen Seite auch einen guten
Theil des Cervix und ragt hinten oft bis gegen die Mitte der Scheide herab.
Am Leistenkanale ist die Ausstülpung desselben , der Processus vaginalis oder
Canalis Xuckü, in der Regel geschlossen.
Va^na. Die Scheide ist lang und weit, oben gerade und am unteren Viertheile
in einem rechten Winkel geknickt. Ihre innere Oberfläche ist über und über
mit Falten besetzt und ausserdem mit einem vorderen und hinteren Längswulste
versehen, neben welchen auch zwei schwächere seitliche vorkommen können.
Fehlen diese, so laufen die andern unten in je zwei Falten aus, die auch sonst
manchmal vorhanden sind.
Hymen. Das Hymen ist deutlich die in das Vestibuluni vortretende Scheidenwand,
deren Länge hinten grösser ist als vorn.
Aeussere Organe. Von den äusseren Genitalien ist erwähnenswerlh die Länge der
Nymphen, die häufig von einer Commissur zur andern sich erstrecken, und die
im Verhältniss zur Mitte des Fölallebens geringere Entwicklung der Clitoris.
Praeputium und Glans ditoridis sind verklebt- Die ß.^RTHOLiNi'schen Drüsen
sind gut ausgebildet, und ihr Gang weit. Bei entwickelteren Neugeborenen
ist der ganze Vorhof mit mannigfachen Falten und Crypten besetzt, unter
denen oft zwei grosse zu beiden Seiten der Urethralinündung ihre Lage haben.
Männliche Or- Von den männlichen Geschlechtsorganen sind die Hoden
Hoden.# absoIut grösser als die Eierstöcke und haben ihren Dcscensus meist vollendet ;
llodenparenchym blutreich, oft dunkelroth. Der Scheidenkanal ist, wenn die
Hoden im Scrotum liegen, meist noch olFen, doch kann er auch am Abdominal-
ende zu, oder an beiden Enden olfen und in der Mitte geschlossen sein.
Die Samenbläschen sind klein und von einfachem Baue , diePro-
stata ziemlich gut entwickelt mit deutlichem Samenhügel, die Cowi'En'schen
Drüsen etwa .3 mm gross. Die Corpora cavernosa sind blutreich und ihre
Muskeln gut au.sgebildet. Glans und Praeputium werden immer in
grösserer oder geringerer Ausdehnung verklebt gefunden, und fallen bei weit
nach vorn reichender Verklebung die Lippen der Urethralmündung durch ihre
rolhe F'arbe auf.
Das Peritonaeum steigt aucii im männlichen Becken scheinbar tiefer
herab, als später und bekleidet die Samenbliischen und häufig auch die Pro-
stata zum Theil. iiiorbei sIcIhmi die Plirac Donglasii am Beckeneingange und
bilden wie eine einzige starkgebogene Falte Plira rccto-vesicalis Henle). Der
DoLGLAs'sche Raum ist somit sehr tief und in der Regel leer , doch sah ich in
einem Falle Dünndarmschlingen in demselben.
Menschliche Eihüllen. 131
§ 18.
Embryonalhüllen des Menschen im Allgemeinen, Chorion, Amnion,
Vesicula umbilicalis, Vera, Reflexa.
Mit dem Niinien Eihüllen, besser E mbrvonalhül len , bezeich- Menschliche eu
' " ' hüllen.
net man alle organisirlen Haute, welche den Embryo umhüllen und von Uebersicht.
ihm selbst oder vom Uterus erzeugt werden, und theilt man dieselben in
fötale und mütterliche Hüllen ein. Zu den ersteren gehört die
Schafhaut, Amnion, die seröse Hülle, der Harnsack. , Allantois , und die
aus den beiden letzteren entstehende Zottenhaut , Chorion , zu den letz-
teren die wahre hinfällige Haut. Decidua vera, sammt der Place nta uterina,
und die umgeschlagene hinfallige Haut, Decidua reflexa. Da ferner die
Embryonalhüllen alle Blasenform haben , so dass man sie auch fötale
Blasen nennen könnte , so rechnet man auch meist den Dottersack oder
das Nabelbläschen zu denselben, obschon dieses Gebilde in keiner Weise
als Umhüllung des Embryo dient.
Von den Embryonalhüllen sind die Eihüllen zu unterscheiden,
unter welchen Begriff man alle nicht zelligen Umhüllungen zusammen-
fassen kann, welche das unbefruchtete oder befruchtete Ei vom mütter-
lichen Organismus erhält.
Bei der Beschreibung der menschlichen Embryonalhüllen geht man
am besten von der zweiten Hälfte der Schwangerschaft aus. Oeffnet man
einen Uterus im 5. oder 6. Schwangerschaftsmonate, so findet man in
der Höhle desselben eine umfangreiche Blase, die mit einer Seite an der
Wand des Uterus festsitzt und die Höhlung ziemlich erfüllt. Diese Blase,
welche den Embryo sammt seinen Hüllen oder das was man immer noch
Ei nennt, enthält, die in dem schematischen Durchschnitte Fig. 123 bei
d r aus einer etwas früheren Zeit dargestellt ist, wird von einer dünnen
durchscheinenden Membran, der umgeschlagenen Haut, Membrana deci-
dua s. caduca reflexa. gebildet und geht da, wo das Ei festsitzt, einfach
in die innere Auskleidung des Uterus über und hängt mit dieser zu-
sammen. Die Höhle des Uterus selbst ist in dieser Periode von dieser
Blase und dem Eie schon ganz eingenommen, im 2. und 3. Monate jedoch
findet sich zwischen beiden Theilen ein etwelcher mit Schleim angefüll-
ter Zwischenraum (Fig. 126). Die Einmündungssteilen der Tuben sind
entweder beide oder blos eine offen, je nach dem Sitze des Eies; das
Orificium uteri internum ist ebenfalls offen, der. Canalis cervicis dagegen
durch einen Schleimpfropf, eine Ausscheidung der Gruben der Plicae
palmatae , verlegt. Die Schleimhaut des Uterus selbst [d v) ist in der
ganzen Höhle des Körpers des Organes von erheblicher Dicke und eigen-
thümlicher Beschaffenheit und führt jetzt den Namen Membrana decidua
9*
i;^>2
Entwieklunc der Loibosform.
Fig. 123.
s. cadtwa rera , wahre hinfällige Haut. Beide Membranae deciduae setzen
sich aiK'h auf den Tlunl dos Uterus fort, an dem das Ei durch das Chorion
festgewachsen ist, und bilden hier den
Mutterkuchen, Placenta uterina oder
die Membrana decidua serotina der
Autoren (Fig. ^23plu), die in noch zu
schildernder Weise mit der Placenta
foetalis , dem Fruchtkuchen , zusam-
menhängt und mit derselben die Ge-
sammtplacenta oder den Mutter-
kuchen im weiteren Sinne bildet.
Untersucht man das Innere des Eies,
so findet man zunächst, dicht anlie-
gend an der Decidua reflexa und an
der Placenta uterina, das Ghorion oder
die Zottenhaut des Eies , das eine
vollkommene Blase ])ildet. Das Cho-
rion muss jetzt in zwei Theile zer-
fällt werden, einen Theil, der mit sehr dichten, reich verästelten, baum-
förmigen Zotten besetzt ist, die Placenta foetalis oder das Chorion frondosum
ich f], und durch diese Zotten auf's innigste mit der Placenta uteinna zu-
sammenhängt, und einen zweiten Theil, das glatte Chorion, Chorion laeve
ichii, das glatt zu sein scheint, ])ei genauerer Besichtigung dagegen auch
kleine Zotten zeigt, die jedoch mit Ausnahme des Placentarandes , in
ziemlich weiten A])ständen stehen und wenig verästelt sind, und daher
auf den ersten Blick dem Auge sich entziehen. Diese Zöttchen haften an
und in der Decidua reflexa und verbinden diese und das Chorion wie
kleine faserige Fäden. Auf das Chorion folgt das Amnion oder die Schaf-
haut, jedoch befindet sich zwischen beiden Gebilden eine gallertige Lage,
die an Spirituspräparaten wie eine weisse Haut erscheint, die sogenannte
Membrana intermedia [Magma reticule Velpeau) . die in den einen Fällen
nichts anderes ist als ein eingedickter Best der ursprünglich in ])edeu-
tender Menge zwischen dem Amnion und Chorion befindlichen eiweiss-
haltigen Flüssigkeit, in andern Fällen dagegen die Natur von gallertiger
Hindosubstanz l)osilzt und dann in sehr verschiedener Mens;e vorhanden
Fig. 123. Eihüllen des Menschen in situ, schematisch dargestellt, w Muscularis
des Uterus nicht ausfjczcichnet; dv Decidua vera; plu Placenta uterina, äussere
Schicht; piu' innere Lage derselben mit Fortsätzen zwischen die Choiionzoitcn c/is
hinein; rfr Decidua reflexa; cht Chorion laeve; chf Chorion frondosum mit den Zollen
ch z (\\f l'lacenta foelalis diirstcllcnd ; aAmnion; ah Amnionli()ble ; os Ainnionschcide
für den Nabelsirang ; d ff Dollcrgang; ds Dollcrsack ; / (»clTnung einer Tuba ; u li
Hohle des Uterus, zu geräumig dargestellt.
Cliorion laevc. 133
sein kann. Das Amnion kloidel zusammen mit dieser Gallerte die ganze
innere Oberfläche des Chorion aus und setzt sich an der Placenta auf
den schon ziendich langen Ncüielstrang fort, um so eine Scheide für dieses
Gebilde darzustellen, und endigt dann ani Nabel in Verbindung mit der
Haut des Embryo. An der Insertionsstelle des Nabelslranges an der
Placenta findet sich unter dem Amnion wie eine kleine Oellnung , aus
welcher 'der Dott ergang {dg) hervortritt und zwischen Chorion und
Amnion weiter verläuft, um in verschiedener Entfernung von der Inser-
tion des Nabelslranges in den Dottersack oder das Nabclbläschen [ds)
einzumünden. Die grosse vom Amnion umschlossene Höhle ist mit dem
Fruchtwasser (Schafwasser) erfüllt , in welchem der Embryo frei seine
Lage hat.
Zu einer speciellen Beschreibung der Embryonalhüllen übergehend, chono>i laete.
l)ei der auch ihr Verhalten am Ende der Schwangerschaft berücksichtigt
werden wird, schildern wir zuerst das Chorion. Den wichtigsten Theil
desselben, die Placenta foetalis, auf später aufsparend, gedenken wir hier
nur des Chorion laeve. Dasselbe ist eine dünne, weissliche, durch-
scheinende, bindegewebige Haut ohne Blutgefässe, die durch spärliche,
wenig verästelte, kürzere oder längere Zöttchen , deren Menge in der
Nähe des Placentarandes am bedeutendsten ist, und die natürlich auch
gefässlos sind, mit der Reflexa verbunden erscheint, jedoch ziemlich gut
von dersejben sich trennen lässt. Bezüglich des Baues besteht das
Chorion laeve aus einer Bindesubstanz mit sternförmigen und spindel-
förmigen Zellen, die je länger, je mehr die Natur des faserigen Binde-
gewebes annimmt und am Ende der Schwangerschaft wirklich diesen
Namen verdient. An der äussern Fläche der Haut befindet sich in den
mittleren Monaten der Schwangerschaft ein einfaches Pflasterepithel,
welches auch noch am Ende der Schwangerschaft vorhanden ist und in
den meisten Fällen eine mehrschichtige Lage darstellt , deren Zellen ge-
wöhnlich in mehr oder weniger weit vorgeschrittener Fettmetamorphose
sich finden. Mehrschichtig ist auch nach meinen Erfahrungen das Epi-
thel auf den Zotten des Chorion laeve , und zwar stellenweise so ver-
dickt, dass dasselbe aus vielen Lagen von Zellen besteht. Mit der Reflexa
ist übrigens das Epithel des Chorion laeve so innig verbunden , dass
selbst auf feinen Durchschnitten die Grenzen desselben nicht immer mit
Sicherheit wahrnehmbar sind. Um so deutlicher ist dasselbe an Flächen-
ansichten, und verdient mit Hinsicht auf das Epithel der Chorionzotten
Erwähnung, dass die Zellen hier äusserst scharf gezeichnet sind.
Auf das Chorion folgt nach innen das oben erwähnte Gallertgewebe,
das unmöglich auf den Namen einer Haut Anspruch machen kann und
am besten als Theil des Chorion aufgefasst wird. Wenn dasselbe in
einigermassen grösserer Menge vorhanden ist, so zeigt es die Organi-
134 Entwicklung der Leibesform.
salion des gallertartigen Bindegewebes und besteht aus mannigfach
gestalteten steraförmigen Zellen mit gallertartiger Zwischensubslanz
und auch aus vereinzelten Faserbündeln und amöboiden Zellen
W INKLER ! .
Amnion. Das Amnion zeigt an der der Höhlung zugewendeten Seite ein Epi-
thel, das am Nabelstrange geschichtet (mit 2 — 5 Lagen\ in den übrigen
Gegenden einfach ist und hier anfangs aus Pflaster- und Cylinderzellen
gebildet wird. Der übrige Theil der Haut besteht aus einer dünnen Lage
Bindesubstanz, die wesentlich ebenso sich verhält, wie die des Chorion,
und am Nabel, d. h. 7 — 9 mm von demselben entfernt, unmittelbar in
die Cutis sich fortsetzt. An der Uebergangsstelle des Amnion auf den
Nabelst rang finden sich in wechselnder Menge die sogenannten Carun-
keln . einfache Epilhelwucherungen mit verhornten obern Zellen von
kegelförmiger oder plattenförmiger Gestalt bis zu 2 und 3 mm Breite.
Die Höhle des Amnion enthält das Amnionwasser oder Schafwasser,
welches , was seine Menge anlangt , bei verschiedenen Individuen und
in verschiedenen Zeiten der Schwangerschaft verschieden sich verhält.
Letzteres anlangend, so ist der Liquor amnii im 5. und 6. Monate am reich-
lichsten und kann bis zu 2 Pfund betragen, gegen Ende der Schwanger-
schaft nimmt derselbe wieder ab und ist meist nur noch zu etwa 1 Pfund
vorhanden. Die chemischen Verhältnisse anlangend, reagirt das Frucht-
wasser alkalisch und verhält sich im Allgemeinen wie ein verdünntes
Blutserum mit I % fester Theile beim reifen Embryo, wogegen dasselbe
in früheren Monaten etwas concentrirter ist. Von organischen Materien
hat man immer Eiweiss gefunden, ausserdem Harnstoff, unzweifel-
haft von den Nieren abstammend, und Traubenzucker besonders bei
Herbivoren.
Herkunft des Dje Herkunft des Amnionwassers anlangend, so beweisen die eier-
legenden Vögel und Reptilien , die ein Amnion und Amnionwasser be-
sitzen, unwiderleglich, dass der Liquor amnii vom Fötus gebildet werden
kann, und ist es in hohem Grade wahrscheinlich , dass dies auch beim
Menschen geschieht. Die Quellen wären in diesem Falle einmal die Haut,
die namentlich bei jungen Embryonen ungemein gefässreich ist, und
zweitens die Nieren , für deren Beiheiligung das Vorkommen von Harn-
bestandtheilen im Z,/^. öw7?// spricht, und dann der Umstand, dass, wenn
pathologisch die Entleerung des Harns unmöglich ist. Krankheilen der
ilarnwege entstehen (Virchow). Mit dieser Annahme soll jedoch nicht
gcsaiit sein, dass nicht auch der mütterliche Organisiinis an der Bildung
des Fruchtwassers sich betheilige, ebenso wie schon die Bildung der
Flüssigkeit in der Kciriiblase von demselben abhängt, und werden für
diese Annalirnc jiuch die pathologischen Fälle von Hydropsien des
Amnion Hydranmion) aufgeführt. Ilieihei wäre meiner Meinung nach
Dottersack. 135
vor allem an die reichlichen Gefässe der Decidua vera zu denken , die
von dem Zeitpunkte des Verklebens der beiden Deciduae an (s. unten)
in eine sehr günstige Lage kommen, um der vermutheten Funktion vor-
zustehen.
Der Dottersack oder das Nabelblaschen , Vesicula umbilicalis^ ist Dottersack.
im 4. und 5. Monate noch ein ganz deutliches rundliches Gebilde von weisser
Farbe, das 7 — 9 — II mm im Durchmesser besitzt und zwischen Amnion
und Chorion in der Gegend der Placenta, jedoch meist ziemlich entfernt
von der Insertionsstelle des Nabelstranges gegen den Rand der Placenta
zu oder ausserhalb derselben seine Lage hat. Dieses Bläschen , welches
im Innern eine geringe Menge von Feuchtigkeit enthält , deren Natur
unbekannt ist, besteht aus einer bindegewebigen Hülle und einem deut-
lichen Pflasterepithel mit fetthaltigen Zellen , zeigt häufig noch Blut-
gefässe, die Vasa omphalo-mesenlerica. und bemerkenswerther Weise an
seiner inneren Oberfläche kleine gefässhaltige Zotten , die an die gefäss-
haltigen Vorsprünge des Dottersackes tiefer stehender Wirbelthiere er-
innern, ohne deren Bedeutung zu besitzen. Ein Stiel ferner, der, soweit
er freiliegt , den Doltergang noch erkennen lässt , verbindet das Nabel-
bläschen mit dem Nabelstrange, in dem dann die Vasa omphalo - mesen-
terica, wenn sie noch vorhanden sind, weiter bis zum Embryo verlaufen.
Am Ende des Fötaliebens ist der Dottersack immer noch, so zu
sagen ohne Ausnahme, vorhanden (B. Schlltze) . Derselbe misst jetzt
4 — 7 mm. liegt meist ausserhalb des Bereiches der Placenta , oft weit
von derselben entfernt und haftet gewöhnlich am Amnion. Auch der
Ductus omphalo-mesentericus und in selteneren Fällen die Dottersack-
gefässe sind um diese Zeit noch nachzuweisen. Im Inneren des
Dottersacks finden sich jetzt Fett und kohlensaure Salze in wechselnder
Menge.
Von den mütterlichen Eihüllen kleidet die Decidua vera. um vi\\{ Oeddua tera.
dieser zu beginnen , nicht blos die gesammte Höhle des eigentlichen
Uteruskörpers aus, soweit dieselbe nicht von der Placenta eingenommen
wird, sondern gehl an den Oeffnungen des Uterus auch in die Schleim-
häute des Cervix und der Eileiter über, in welcher Beziehung jedoch zu
bemerken ist, dass an letzteren — von denen übrigens, wie erwähnt,
die eine Oeff^nung durch die Placenta verlegt sein kann — der Ueber-
gang ganz allmälig sich macht, wogegen am Os uteri internum die Decidua
vera meist ziemlich scharf gegen den Cervix abgesetzt und mit einem
ganz unregelmässig zackigen, wulstigen Rande aufhört, der selbst etwas
von der Uteruswand sich abheben kann und dann wie eine gesonderte
Mündung der Decidua erscheint. Ihrer Natur nach ist die Decidua vera
nichts anderes als die umgewandelte Schleimhaut des Uterus. Im 4.
Monate ist dieselbe nur noch I — 3 mm dick, während sie im 3. Monate
136 üiitwicklunf: der Leibesfonn.
bis zu i — 7 iniii holriiul , so duss um diese Zeit uni^efälir '/4 — '/s der
Dicke der Gesaiumlwand des Uterus aul" ihre Rechnuni: kommt. Nichts-
destoweniger iS'l die Vera auch im 4. Monate noch sehr gefässreich, und
l)emerkt man an ihrer inneren Oberfläche bei frischen Objeclen eine
grosse Menge von Gefässverästelungen und unter diesen besonders weite
Venensinus, die am Rande der Placenla , da wo die Decidun vera in die
Rellexa übergeht, am entwickeltesten sind, und durch zahlreiche Anasto-
mosen wie einen ringförmigen Sinus, den Randsinus der Placenta,
bilden, aber auch an den übrigen Gegenden nicht fehlen. Das Gewebe
der Decidua vera anlangend, so ist in Betrelf der Oberflache sicher, dass
das frühere Flimraerepithel des Uterus nicht mehr vorhanden ist. Im
Innern der Decidua findet man verschiedene Elemente , vor allem eine
mehr amorphe Grundsubstanz , die alle andern Elemente trägt , unter
denen neben den zahlreichen Gefässen und umgewandelten Drüsen
runde und spindelförmige Zellen bei weitem die Hauptsache ausmachen.
Die runden sogenannten Decidualzellen sind schön und gross bis zu
30 — 40 |i,|, mit scharfen Conturen, wie wenn sie eine besondere Mem-
bran besässen, und mit deutlichen Kernen und Kernkörperchen. Anfangs
die einzigen zelligen Elemente desDecidualgewebes, wandelt sich später
ein guter Theil der Decidualzellen in Spindel- oder Faserzellen um,
welche man schon am Ende des ersten Monats neben denselben findet,
und zwar sind es vor allem die Zellen der tieferen Schichten der Deci-
dua, die diese Umwandlung erleiden . während die Elemente der ober-
flächlichen Lagen vorwiegend rund bleiben. Die genannten Faserzellen
sind ausgeprägte spindelförmige Zellen von verschiedener Form und
Grösse, alle mit deutlichen, rundlichen oder länglich runden Kernen,
neben denen nach und nach auch eine mehr weniger deutlich faserige
Grundsubstanz auftritt.
In Betreff der nicht unwichtigen Frage, ob die Decidua vera Uterin-
drüsen besitze , haben die Bemühungen zahlreicher Forscher Folgendes
ergeben :
\i Die Utcrindrüsen erleiden in den ersten Monaten der Schwanger-
schaft eine ungemeine Vergrösserung und werden einerseits sehr lang
und schlängeln sich, andrerseits erweitern sie sich auch und werden
buchtig.
2) An dieser Zunahme betheiligen sich ursprünglich allcThcile der
Drüsen gleichmässig , bald jedoch beschränkt sich die Vergrösserung
mehr auf die mittleren und oberen Theile, während die blinden Enden
nur wenig zunehmen. In diesem Stadium, das im 2. Monate beginnt und
bis zum ö. und 6. Monate anhält, wird die Oberfläche der Decidua durch
die colossal erweiterten Drüsenmündungen siebförmig , ebenso die fol-
genden Lagen bis zu einer gewissen Tiefe porös, während die mittleren
Decidua vera. 137
und unteren Lagen bis nahe an die MuskelhiiiC heran ein ausgesprochen
spongiöses Ansehen gewinnen. In der obern oder Zellenscliicht sind es
l)esonders die oben geschilderten Deciduaizellen , die, lebhaft sich ver-
mehrend und auch sich vergrössernd, die grosse Flächen/.unahnie der
Haut besorgen, und weniger die Drüsen, welche dadurch auch in weitere
Abstände von einander zu stehen kommen. In der spongiösen Lage da-
gegen sind es umgekehrt die Drüsen, die ungemein sich vergrössern,
und fehlt ein mit gleicher Energie wachsendes Element in der Zwischen-
substanz, in der die Spindelzellen vorwiegen.
3) In den letzten Monaten der Schwangerschaft, sobald einmal die
Vera mit der Reflexa verklebt ist und beide Häute zusammen immer
dünner w'erden , verstreichen nicht nur die Drüsenkanäle und Räume in
der Zellenschicht der Vera immer mehr , sondern es verödet auch der
obere Theil derer der spongiösen Lage, so dass nur noch der tiefere
Theil dieser Schicht in seinen früheren Verhältnissen sich erhält. Die
blinden Drüsenenden sind in dieser Zeit entweder noch in früherer
Weise vorhanden oder mit in dem spongiösen Gewebe aufgegangen.
4) Die umgewandelten Drüsen zeigen in allen Stadien der Schwanger-
schaft noch in einzelnen Theilen Epithel, und lässt sich als Gesetz auf-
stellen, dass dasselbe von der Oberfläche gegen die Tiefe schwindet. Die
Drüsenräume der Decidua werden an gut erhaltenen Präparaten stets
leer gefunden und führen wohl im Leben Flüssigkeit , über deren Natur
keine Thatsachen Aufschluss geben.
Die Decidua reflexa ist an ihrer äusseren , der Uteruswand zu- Dtcidtta reflexa.
gekehrten Oberfläche glatt und in der Mitte der Schwangerschaft ohne
Epithel; die innere Oberfläche dagegen ist mit dem Chorion laeve ver-
klebt und nimmt die Zotten desselben auf. Gefässe fehlen der 0,5 — 1.0
nun dicken Haut in der Regel ganz, und Drüsenreste finden sich nur an
der Umbiegungsstelle in die Vera.
Das Gewebe der Reflexa stimmt so ziemlich mit dem der Vera überein,
nur sind ihre Elemente mehr abgeplattet und epithelähnlich , blasen-
förmige grosse Zellen dagegen spärlicher.
Gegen das Ende der Schwangerschaft, vom 6. Monate an. werden
beideDeciduaemit einander verklebt und zugleich so verdünnt gefunden,
dass sie an der Nachgeburt nur eine einzige dünne Haut darstellen.
Natürlich ist hiermit auch jeder Zwischenraum zwischen Ei und Uterus-
wand verschwunden, und füllt das Ei den Uterus ganz aus. Untersucht
man von aussen nach innen die Schichten eines hochschwangeren Uterus,
so stösst man nach Durchschneidung der sehr verdünnten Muskelhaut
auf ein Y2 — • "^"^ dickes, gelblichweisses , aussen schwammiges, innen
faserig blätteriges Häutchen, und dieses, welches von den beiden Deciduae
gebildet wird, führt durchschnitten gleich zum Chorion und Amnion.
Placoüa
foetalis.
138 Entwicklung der Leibesform.
Anmerkung. Die Drüsen der I>eci(/ua vera habe auch ich bei neuen
Untersuchungen 'in allen Zeiten der Schwangerschaft in den tieferen Lagen
der Haut gefunden.
§ 19.
Placenta. Nabelstrang.
piacenta. Die PUicenta. als Ganzes senommen, ist ein sehr weiches und blut-
reiches Gebilde von Scheiben- oder Kuchenform , in der Mitte der
Schwangerschaft von 10 — 13 cm Durchmesser, am Ende derselben von
16 — 21 cm Grösse und etwa 3 — 4 cm Dicke. Man unterscheidet an ihr
eine convexe uterine und eine concave embryonale Fläche und kann
dieselbe behufs der Beschreibung in den mütterlichen und den fötalen
Theil, Mutterkuchen und Fruchtkuchen, sondern, die beide in der Mitte
der Schwangerschaft aufs innigste mit einander vereinigt sind . jedoch
bis zum 3. Monate von einander sich trennen lassen.
Die Placenta foetalis w ird , wie schon früher angegeben , von dem
Theile des Chorion gebildet, der ursprünglich der Uteruswand zuge-
wendet ist, und an dieser Stelle zeigt sich eine ungemeine Entwicklung
der Chorionzotten ; hier allein breiten sich auch die sogenannten Placen-
largefässe, die Arteriae und die Venae umhilicales^ aus. Die an der fötalen,
vom Amnion bekleideten Seite des Fruchlkuchens gelegene Membran des
Chorion ist eine ziemlich feste, glatte, weisslich durchscheinende Haut,
an welche der Nabelstrang sich ansetzt und in welcher die grösseren, an
der fötalen Seile vorspringenden Verästelungen der Umbilicalgefässe
liegen, um dann von hier aus in die Stämme der Chorionzotten einzu-
treten. Diese Stämme gehen von dei" Membrana chorii ab und bilden
durch ihre zahlreichen Verästelungen eine ziemlich dichte und zu-
sammenhängende , frisch röthliche Masse , die bei weitem die Haupt-
masse der ganzen Placenta bildet, und für sich allein, getrennt von der
Placenta uterina , nach aussen eine hügelige gelappte Oberfläche dar-
bieten würde. Die Stämme der Chorionbäumchen sind an verschiedenen
Placenten der Zahl und Dicke nach so verschieden, dass sich kaum etwas
Allgemeines über dieselben sagen lässt, und dasselbe gilt auch von ihren
Verästelungen, in Betreff welcher die Bemerkung genügt, dass dieselben
an jedem Büumchen ungemein zahlreich sind, ferner nach allen Rich-
tungen abgehen und schon in der nächsten Nähe dov Membrana chorii
beginnen. Die gröberen Zweige gehen entweder durch wiederholte
Zvveitheilungen aus den Aesten erster Ordnung hervor, oder dieselben
treten unter rechten Winkeln von den Stämmen imd grossen Aesten ab,
und Aehnliches findet sich übrigens auch bei den feineren Verästelungen.
Placenta foetalis. 139
Sehr bezeichnend sind übrigens für diese letzteren viele von den feine-
ren Aestchen und Zweigchen unter rechten Winkeln abgehende kurze,
einfciche oder wenig getheilte Ausläufer, so dass manche Zweige in
grosser Ausdehnung nur von solchen besetzt sind. Die letzten Enden
der Bäumchen zerfallen in freie Ausläufer inid in solche, w'elche in die
Placenta uterina sich einsenken. Die freien Ausläufer finden sich in
allen Höhen der Placenta und sind der Gestalt nach fadenförmig, walzen-
förmig . birnförmig und selbst keulenförmig, ferner entweder gerade
oder geknickt und gebogen , endlich gestielt oder unmittelbar aus den
letzten Aesten hervorgehend. Die Menge dieser Ausläufer, deren Breite
57 — 114 u. beträgt, ist so ungemein gross und ihr Ineinandergreifen so
mannigfach , dass sie für sich allein fast das ganze innere Gewebe der
Placenta erzeugen und auf jeden Fall nur enge spaltenförmige Lücken
zwischen sich lassen , deren muthmasslicher Inhalt später besprochen
werden soll.
Eine zweite Art von Ausläufern ist erst in neuerer Zeit von Lang-
HAXS aufgefunden worden. Dieselben, die ich Haftwurzeln nenne,
sind feinere und gröbere Ausläufer der Stämme der Chorionbäumchen in
einer Dicke bis zu I mm , welche ungetheilt oder einige Male verästelt
bis zur Placenta uterina reichen und dann in diese sich einsenken, um,
frei von Epithel , mit dem Gewebe derselben so innig sich zu vereinen,
dass selbst ein starker Zug die Verbindung nicht löst. Am zahlreichsten
sind die Haflwurzeln an den Scheidewänden mütterlichen Gewebes, die
tief zwischen die Gruppen von Zotten oder Cotyledonen sich einsenken,
woselbst viele derselben ganz wagerecht verlaufen , und am dicksten
und noch immer zahlreich genug finden sich dieselben in den mittleren
Theilen der Cotyledonen , wo sie wie senkrechte Pfeiler zwischen den
Stämmen der Chorionbäumchen und der mütterlichen Placenta ausge-
breitet sind. Alle als Haftwurzeln endenden Aeste der Chorionbäum-
chen geben übrigens in ihrem ganzen Verlaufe feinere Zweige ab, die
in gewöhnlicher Weise sich verzweigen und frei enden.
Bezüglich auf den Bau, so verhält sich der Piacentartheil des Chorion
im Wesentlichen ebenso wie das übrige Chorion und besteht aus einer
äussern, alle Theile überziehenden Epilhellage und einer inneren, dem
Embryo zugewendeten bindegewebigen Haut. Dieselben Bestandtheile
setzen auch die Chorionbäumchen zusammen , und zwar besteht jedes
derselben in allen seinen Theilen aus einer inneren bindegewebigen
Axe und einem äusseren, 7 — 1 1 \i dicken Pflasterepithel von mehr klei-
neren Zellen, dessen Elemente in sehr verschiedenen Graden der Deut-
lichkeit zur Anschauung kommen. An frischen Zotten und vor allem an
den Zotteuspitzen erkennt man häufig keine Zellengrenzen , und er-
scheint das Ganze nur wie ein feinkörniger üeberzug mit zahlreichen
140 Elitwicklung der Leibesform.
kleineren runden oder länglich runden Kernen, wogegen an den Stäm-
men der Baunichen , an der Membrana chorii und namentlich an nicht
ganz frischen Placentcn die Zusammensetzung aus Zellen oft deutlich zu
sehen ist. Gewisse Epitiielialgebilde der Zotten zeigen in keinem Falle
Zellengrenzen, und zwar die sogenannten Epithelialsprossen. Mit
iliesem Namen l)ezeichnet man Wucherungen des Epithels von sehr ver-
schiedener Form und Grösse, die vor Allem an den letzten Ausläufern der
Bäumchen endständig oder seitenständig, aber auch an den sie tragenden
Zweigelchen sich finden. Diese Sprossen, meist von Warzen-, Walzen-
oder Keulenform , bestehen aus dem feinkörnigen Protoplasma der
Epithelzellen mit einer bald grösseren , bald geringeren Anzahl von
Kernen, die haufenweise beisammen liegend das Innere einnehmen, so
dass auf den ersten Blick klar wird , dass diese Fortsätze des Epithels
nicht aus getrennten Zellen bestehen. Da nun ferner die Epithelial-
sprossen häufig mit breiter Basis aus dem Epithel hervorgehen , so folgt
weiter, dass auch das Epithel selbst an diesen Stellen nicht aus getrenn-
ten Zellen besteht.
Das Bindegewebe der Zottenbäumchen ist in den Stämmen der-
selben derber , fester , mehr fibrillär , in den- feineren Verästelungen
weicher und selbst gallertartig. In allen Theilen enthält dasselbe eine
gewisse Menge spindelförmiger, auch wohl sternförmiger Zellen , von
denen die letzteren besonders in den weicheren Theilen sich finden,
und hier oft zierliche Netze mit mehr homogener Zwischensubstanz
bilden.
In jedes Chorionbäumchen tritt ein Ast der einen oder der anderen
Arteria umbilicalis herein und aus jeder Zotte kommt eine Vene heraus,
die in eine Wurzel der Vena umbilicalis übergeht, und diese Gefässe
verästein sich nun bis in die letzten Ausläufer hinein. Arterien und
Venen gehen in diesen durch Haarröhrchen einfach schlingenförmig oder
unter Bildung einiger Anastomosen in einander über und ausserdem
finden sich auch in den Stämmen zahlreiche Capillarnetze. Aus dem Ge-
sagten folgt, dass das Gefässsystem des Embryo, insoweit es in die
Placenta eingeht, ein vollkommen geschlossenes ist ; auch verdient Be-
achtung , dass in den letzten Enden der Chorionbäumchen die Gefässe
eine sehr oberflächliche Lage haben , und so zu sagen dicht unter dem
Epithel liegen.
piacinta Viel Schwieriger als der fötale Antheil doi- Placenta, ist der mülter-
ulttina. . "
liehe Theil zu erforschen. Betrachtet man eine in regelrechlerWeise vom
Uterus gelöste Placenta von ihrer convexen oder Uteriniliiche , so findet
man. dass sie an dieser Fläche wie in eine gewisse Anzahl von unregel-
mässigen. rnndiich-polNgonak'n Abtlicilnngon oder Lappen, die sogenann-
ten Cotyledonen der Placenta, zerfällt. Diese Colyledonen werden von
l'laceiila uterina.
141
Dccidna
placentalis.
den Zotten des Chorion gebildet, die gruppenweise dadurch zusammen-
gehallen werden, dass der mütlerliche Anlheil der Placenta in bestimm-
ter Weise von der Uterinseite her sie umgiebl
und zwischen diesell)en eindringt. Es liegen
nämlich an der Uterinseite einer natürlich los-
gelösten Placenta die Chorionzotten nicht frei,
vielmehr sind dieselben immer von einem Theile
der miltterliclien Placenta bedeckt, der jedoch
kaum mehr als 0,5 — 1 ,0 mm Dicke hat und, wenn
er gut erhalten ist , als eine zusammenhängende
Haut erscheint, die den fötalen Thell der Pla-
centa bedeckt und am Rande in die Vera und Re-
(lexa sich fortsetzt.
Diese Haut, die ich mit ihren Fortsetzungen
in die Placenta hinein Pars caduca placentae nie-
rinae oder Decidua placentalis nennen will,
ist nur der innerste Theil der eigentlichen Placenta uterina, während der
äussere mächtigere Theil dieser Lage . die die Pars non caduca s. fixa
placentae uterinae heissen mag . bei der Lösung der Placenta beim Ge-
bärakte auf der Muskelhaut sitzen bleibt. Beide diese Lagen zusammen
entsprechen der Decidua vera und zeigen auch ursprünglich dieselben
Strukturverhältnisse wie diese, namentlich auch Drüsen. Später jedoch
und zwar schon gegen die Mitte des Fötallebens verkümmern, unter
gleichzeitiger, mächtiger Entwicklung der Blutgefässe an dieser Stelle,
die schlauchförmigen Drüsen, sodass zuletzt wesentlich nur eine weiche,
gefässreiche Bindesubstanz zurückbleibt. Nichtsdestoweniger kann man
auch noch an der Placenta uterina aus der zweiten Hälfte der Schwanger-
schaft ein Stratum spongiosum als Homologon der Drüsenlage der Vera
und ein Stratum cellulosum unterscheiden, mit dem Bemerken jedoch,
dass wohl erhaltene Drüsenreste nach meinen Erfahrungen um diese
Zeit in der Placenta uterina wenigstens nicht immer zu treffen sind.
Die Beziehungen der Placenta uterina zu den Chorionzotten an-
langend, so ergiebt sich , dass die Decidua placentalis mit stärkeren und
schwächeren Fortsätzen zwischen die Colyledonen sich hinein erstreckt
und wie Scheidewände zwischen denselben bildet, welche Fortsätze alle
untereinander zusammenhängen und mehr weniger tief in die Placenta foe-
talis oder zwischen die Chorionzotten eindringen. In der Regel erreichen
diese Fortsätze, die ich die Septa placentae nenne, die innevsien Septa placentae.
Theile der Placenta foetalis oder die Membrana chorii, von der die Stämme
Fig. Mk. Ein Theil eines injicirten Aestchens einer Chorionzotte. Nach Ecker.
Icon. phys. Erklärung zur Tafel XXYIII. a Hauptgefässstamm ; n Capiliaren des ober-
flachlichen Netzes.
142 Entwicklung der Leibesfonn.
der Chorionbäuruchen ausgehen, nicht, obschon r..an:!;e tlc.selben bis
niihe an das Cnoilon lieranreiclien ; doch i^iebt es in jeder Plaeenta eine
Gegend und zwar die Randliieile, wo dies regelrecht geschieht und die
Sepia den ganzen Fruchtkuchen durchdringen und bis zum Chorion sich
erstrecken, wo sie in einer an der fötalen Fläche der Plaeenta befind-
lichen Lage der Decidua plucentalis enden , auf die ich gleich zurück-
kommen werde. Genauer untersucht , lassen sich die Septa meist leicht
in zw^ei Blätter spalten, von denen je eines einem Cotyledo angehört, und
zwischen diesen finden sich dann in verschiedenen Höhen mütterliche
Blutgefässe, von denen noch weiter die Rede sein soll. Theilungen der
Septa in ihrem Verlaufe in die Tiefe scheinen nicht vorzukommen, oder
sind wenigstens selten, und würde somit die Plaeenta ntoina, wenn man
sich die Chorionzotten alle wegdenkt, an ihrer fötalen Oberfläche eine
gewisse Aehnlichkeit mit einer Bienenwabe haben , deren Fächer — an
Zahl den Cotyledonen gleich — tief und mannigfach zusammenfliessend
wären. Zur Vervollständigung des Bildes hätte man jedoch weiter sich
vorzustellen, dass auch der Grund dieser grossen Fächer noch leicht un-
eben ist , indem die Decidua placentalis auch über jedem Cotyledo mit
mannigfachen kleinen Unebenheilen eegen das Chorion vortritt.
Ich erwähnte vorhin einer subchorialen Lage der Decidua placen-
talis und habe nun diese noch wenig gekannte Bildung zu beschreiben.
Löst man an einer frischen Nachgeburt in der Nähe des Randes der
Plaeenta, und gegen diese fortschreitend, das Chorion laeve von deü Deci-
duae ab, so überzeugt man sich leicht , dass diese Häute am Rande der
Plaeenta auch auf die fötale subchoriale Fläche dieser übergehen, und
gelingt es, wenn man auch die Membran des Chorion frondosum unter
sorgfältigem Abschneiden der Stämme der Chorionbäumchen abhebt,
eine mütterliche Haut auf eine Strecke von 2 — 3 cm und mehr unter
dem Rande der Plaeenta zu verfolgen. Genauer bezeichnet, gehen von
der Gegend des Randsinus der Plaeenta aus, der an der Grenze der Vera
und Reflexa und der Decidua placentalis seinen Sitz hat, zwei mütterliche
Lagen auf die Placeuta über, einmal die die Cotyledonen der Plaeenta
bekleidende oben schon erwähnte Lamelle (Basalplatte, VVinkleri , die
ich Decidua placentalis sensu strictiori heisse, und dann die unter dem
"'"hr"i iT'' ^^^'orion hinziehende Lage i^Schlussplatle , Winkler , die Decidua pla-
centalis suhchorialis . Beide diese Lagen stehen durch die Septa
placentae in Verl)indung, und sind daher hier die Cotyledonen ganz und
gar von mütterlichem Gewebe umgeben.
der"/'^'«^/« '^'' komme nun zur Betrachtung der feineren Structurverhültnisse
der Plaeenta uterina. Was das Gewebe der Plaeenta uterina anlangt, so
stimmt dasselbe mit dem der Deciduae im Wesentlichen überein, und
besteht nur insofern eine Verschiedenheit beider , als in der Plaeenta
utirinu.
Placenia uleriiia. 143
uterina eine Zellenforni sich findet, die in der Decklua vera und reflexa.
auch wenn sie vorkommen miig, doch auf jeden P'all selten ist, nämlich
im Älittel 37 — 76{x grosse, in den Extremen bis zu 0,13 mm ansteigende
runde Zellen mit zahlreichen runden Kernen von lö — 19 tx. Diese Rie-
senzellen oder vielkernigen Zellen finden sich vor Allem in
der Dccidua placentalis und in den Septa , fehlen jedoch auch in den
äussern Schichten nicht , in denen jedoch lange , l)reite Spindelzeilen
zum Theil mit mehrfachen Kernen und kleinere, runde Zellen vorwiegen,
von denen eine kleinste Art als farblose Blutzellen angesprochen werden
darf. Den Rest des Gewebes bildet eine bald spärlicher, bald reichlicher
vorkommende Zwischensubstanz , in älteren Placenten stellenweise von
deutlich fibrillärer Natur, wie vor Allem in den innersten Lagen gegen
die Zotten zu und in den Septis , wo dieses Gewebe die Riesenzellen in
grösseren und kleineren Nestern enthält , jedoch allerdings in verschie-
denen Placenten einen sehr verschiedenen Grad der Entwicklung zeigt.
Sehr eigenthümlich ist das Verhalten der Ge fasse der P/acenfa Blutgefässe der
i . . .. . . <• 1 • r.1 1 Placenta
Uterina. An emer uijicu'ten oder sonst einlach präparirten Placenta lassen uterina.
sich von der Seite des Uterus her ohne Schwierigkeit zahlreiche spiralig
gewundene Arterien nachw eisen . welche in den äusseren Theil der
Placenta uterina eindringen, und noch leichter tiberzeugt man sich . dass
diese Schicht auch eine übergrosse Menge weiter und vielfach verbun-
dener Venen enthält. Geht man weiter nach innen und untersucht man
den Theil der mütterlichen Placenta , welcher bei der Geburt abge-
stossen wird, so zeigt sich, dass an der üterinfläche dieser Decidiia
placentalis Fortsetzungen der genannten Arterienstäramchen vorkommen,
die immer noch stark gewunden und getragen von dem Gewebe der
Decidua ins hinere dringen. Diese Gefässe sind jedoch nicht die unver-
änderten Fortsetzungen der Arterien der Muscularis , vielmehr ergiebt
sich mit Hülfe des Mikroskopes leicht, dass dieselben ausser einer Endo-
thellage kaum mehr eine besondere Wand besitzen, indem eine nach
aussen von dieser Zellenschicht befindliche dünne, längsstreifige Binde-
substanz gegen das Gewebe der Decidua placentalis nicht scharf abge-
grenzt ist. Namentlich fehlen Muskelfasern und elastische Elemente
ganz und unterscheiden sich somit diese Gefässe im Baue kaum von den
gleich zu beschreibenden Venen. Aus diesem Grunde sind diese Arte-
rien auch nur sehr schw er weiter ins Innere zu verfolgen ; immerhin
führen sowohl Injectionen , als auch sorgfältige Präparationen an noch
mit Blut gefüllten solchen Gefässen zu dem übereinstimmenden Ergeb-
nisse, dass dieselben, ohne Capillaren zu bilden, nach wenigen Ver-
ästelungen von den Septa der Cotyledonen aus in buchtige Räume aus-
gehen , die zwischen den Verästelungen der Chorionbäumchen sich
befinden und die ganze Placenta foetalis durchziehen. Was so für die
J4-1 Entwicklung der Leibesforni.
Arterien izilt . passt ;iufli für die VcMion. In den inneren Thoilen der
Plaeenla gegerf den Embryo zu ist keine Spur von Venen zu sehen ;
dieseil)en treten erst in den Gegenden der Arterien und am Rande des
Organes auf, und zwar in folgender AVeise.
Venen der /"/<(- Ym die Placeuta herum, zum Theil noch im Bereiche derselben,
zum Theil sclion in der Decidua vera findet sich eine Art weiten Rand-
gefässeS; der sogenannte Venensinus der Placenta oder der ring-
förmige Sinus, der an der einen Seite viele Nebenwurzeln aus der
Placenta bezieht . auf der andern Seite durcli zahlreiche Abzugskanäle
zu den Venen des tieferen Theiles der Vera und der Muscularis führt.
Genauer betrachtet ist dieser ringförmige Sinus nicht ein einziges zu-
sammenhängendes Gefäss , vielmehr besteht derselbe aus Anastomosen
der aus dem Innern der Placenta herauskommenden Venen , die ge-
wöhnlich da und dort unterbrochen sind, sodass selten ein vollständiger
Kreis vorhanden ist. Die Wurzeln, welche von Seite der Placenta in
den Ringsinus einmünden, sind zweierlei. Die einen kommen aus
den am Rande befindlichen Septa und lassen sich innerhalb dieser oft
auf lange Strecken zwischen die Cotyledonen hinein verfolgen, wobei
sich zeigt, dass sie eine grosse Anzahl Emissarien aus den benachbarten
Cotyledonen aufnehmen, deren Mündungen ihrer Wand ein siebförmig
durchlöchertes Ansehen geben. Schliesslich laufen auch diese Venen
mit ihren Enden frei in die Maschenräume in den Cotyledonen aus, wo-
bei das mütterliche Geweihe, das sie bisher begrenzte, sich verliert. In
ähnlicher Weise verhalten sich auch eine gewisse Anzahl von Venen,
die von der convexen Seite der Placenta herkommen und von hier aus
in die Septa hinein in die Tiefe treten.
Eine zweite Art der in den Ringsinus einmündenden Wurzeln
mündet dicht am Chorion in dieses Gefäss ein und kommt aus einem
reichen Lacunensystem , welches an der fötalen Seite der Placenta dicht
unter dem Chorion und der Decidua subchoiHalis , soweit dieselbe noch
vorhanden ist, seinen Silz hat und die ganze Placenta überzieht. Ooff-
nel man den Ringsinus von der Aussenseite, so sieht man, dass ein Theil
desselben wie von den Cotyledonen des Placentarrandes überwölbt ist,
.so dass die dem Chorion zugewendete Randfläche der Placenta noch von
der Wand des Ringsinus überzogen ist. In dieser Gegend finden sich
nun eine grosse Menge Löcher uml Spalten und wenn man durch die-
selben eindringt, so gelangt man untci- die Decidua subchorialis , und
weiter gegen die Mitte der Placenta unmiltel})ar unter das Chorion in
wtfite anaslomosirende Räume . die die Stämme iler (;iiorionl)äumch<m
umgeben und wie gesagt iinicr dem ganzen Chorion sich hindurch er-
strecken. Dieses s u Im- h o r i a 1 c , \<'nöse L a c n n en n e t z , das von
Placenta uterina. 145
der Randvene aus mit Leichtigkeit sich aufblasen und injicircn lässt,
steht nun seinerseits wieder mit den inneren Maschenrüumen der Co-
tyledonen in der reichlichsten Verbindung, und ist durch dasselbe offen-
bar eine Einrichtung gegeben , durch welche das mütterliche Blut in
der Placenta einen leichten Abfluss findet. Alle Venensinus der Placenta
uterina^ welche noch von dem Gewe])e der Deckhta placcnlalis begrenzt
werden, besitzen als Auskleidung ein schönes Endothel. Dagegen fehlt
allen Fortsetzungen derselben in das cavernöse Placentargcwebe hinein
eine solche Auskleidung, und findet sich selbst in den weiten sul)choria-
len Lacunen keine endotheliale Lage.
Dem Gesagten zufolge ist im mütterlichen Theile der menschlichen
Placenta von Capillargefässen keine Spur zu sehen, und hängen Arterien
und Venen einzig und allein durch ein System anastomosirender Lücken
zusammen, welche ganz und gar von den fötalen Chorionzotten be-
grenzt werden. Nach dieser Auffassung umspült das Blut der Mutter in
der Placenta unmittelbar die embryonalen Zotten, und ist, ohne von be-
sonderen Wandungen umschlossen zu sein , nur durch das Zottenepithel
und deren Bindegewebsschicht von den fötalen Blutgefässen getrennt.
Die Circulation des mütterlichen Blutes in der Placenta muss bei ?'"*MY5^V."? '°
der mütterlichen
dem angegebenen Baue, wie leicht begreiflich, im Ganzen eine unregel- i'iacenta.
massige sein. Da die Arterien an der convexen Seite der Placenta zu-
treten und die Hauptvenen am Rande derselben entspringen, so wird
man wohl sagen dürfen, dass der Blutstrom im Allgemeinen von der
convexen gegen die concave Seite und den Rand der Placenta zii geht.
Bei den vielfachen Verbindungen der Maschenräume jedoch müssen
nothwendig manche Unregelmässigkeiten in dieser Blutbewegung ein-
treten, Aenderungen der Blutströme, vorübergehende Stockungen u.s.w.,
denen zwar durch die anderweitigen venösen Abzugskanäle , welche an
der convexen Seite der Placenta sich befinden, entgegengearbeitet wird,
die aber nichtsdestoweniger in vielen Fällen zu bleibenden Störungen
und Blutgerinnungen führen , welche in der Placenta zu den gewöhn-
lichen Erscheinungen gehören. Als wesentliche Regulatoren zur Erhal-
tung einer geregelten Circulation in den mütterlichen Bluträumen der
Placenta erscheinen: I) Die Turgescenz der Chorionzotten, die unter-
normalen Verhältnissen wohl immer innerhalb grösserer Zeiträume die-
selbe ist, und somit auch eine gleichbleibende Form der Spalt räume
zwischen denselben zur Folge hat. 2) Der Druck, den die Amnionflüssig-
keit auf die Membrana chorii ausübt, durch welchen besonders die Weite
der subchorialen Lacunen bestimmt wird, und 3) Die Contractionszu-
stände des Uterus und der mütterlichen Placentargefässe.
Die Placenta sitzt gewöhnlich am Grunde des Uterus . bald mehr an sitz der pia-
° ' centa.
K öl like r, Grundriss. 10
146 Entwicklung der Leibesforni.
der vorderen. l)ald mehr an der hinleren Wand, jedoch selten genau in
der Mitle, sondern meist mehr auf einer Seite, so dass die eine oder an-
dere Eileilerinüntlunp; verlegt ist. Es kann jedoch der Mutterkuchen
auch mehr gegen den Cervix rücken und ganz seitlich sitzen, ja es hat
derselbe manchmal seine Lage selbst ganz unten . so dass er über das
ptactnta pia(- Qyifichim uteri intemum herüberwuchert und dieses verstopft Plucenta
via. ' ^
praevia , welches Vorkommen sehr gefährlich ist. Gleich beim Beginne
des Gebäractes wird in diesen Fällen mit der Eröffnung des Mutter-
nmndes die Placenta immer mehr vom Uterus getrennt , was l)eim Weg-
falle einer dauernden Contraction. die sonst auf die Lösung der Placenta
folgt, natürlich schon beim Beginne der Geburt furchtbare Blutungen
bedingt, während in gewöhnlichen Fällen das Bersten der dem Orificiian
uteri anliegenden ganz gefässlosen Eihäute Rellexa , Chorion , Amnion
durchaus ohne Nachtheil eintritt.
Varietäten der Grösscrc Abweichunecu der Placenta in der Form und im Baue sind
Placenta
nicht häufig. Ich zähle hierher \ die Plac. marginata mihi, bei der das
Chorion frondosum nur die Mitte der Placenta einnimmt, 2' die PL succen-
turiata Hyrtl mit einem mehr weniger getrennten Nebenlappen. Ausser-
dem beschreibt Hvrtl auch ganz Werne Placentulae succenturiatae. 3) die
Placenta duplex. Diese Placenta mit zwei ganz getrennten Hälften ist
von besonderem Interesse, da die Affen der alten Welt, mit Ausnahme
der Anthropoiden normal eine solche Placenta haben . doch wird bei
diesen Geschöpfen die zweite Placenta immer von den Gefässen der
andern versorgt, während es beim Menschen Regel zu sein scheint, dass
der Nabelstrang getheilt an beide Kuchen geht. Doch beschreibt Hyrtl
eine PL dimidiata , bei der der Nabelslrang an der einen Placenta sich
inserirte, und bildet auf Tab. XI eine PL succenturiata ab, die auch
doppelt genannt werden könnte, die ebenso sich verhält. 4i Die
Placenta bipartita. Sehr seilen. 5) Die Placenta multiloba Hyrtl mit
einer grösseren Zahl (bis zu 20 — 40) ganz getrennten Lappen, die jedoch
immerhin so nahe beisammenstehen, dass keine grössere Aehnlichkeit
mit den Cotyledonen der Wiederkäuer herauskommt, wie denn auch eine
solche im Baue wohl sicher nicht vorhanden ist.
it.eistrang. Dbf Nabelstrang, Funiculus umbilicalis, den ich zum
Schlüsse noch beschreibe, ist ein zusammengesetztes Gebilde. Das grö-
bere anatomische Verhalten anlangend bemerke ich, dass derselbe in
der Mille der Schwangerschaft 13 — 21 cm Länge hat und eine Dicke
von 9 — I I mm besitzt. Beim ausgetragenen Embryo misst derselbe im
Mittel 48 — 00 cm. und sind als Extreme auf der einen Seite 12 — 20 cm,
auf der andern 1,67 m beobachtet. Die Dicke ist 11 — 13 mm. Fast
immer ist derselbe spiralig gedichl in der Arl , dass einmal der ganze
IMacenta uterina. 147
Strang eine Drehung zeigt , und zweitens im Innern die Arterien um
die weniger gedreiite Vene herumlaufen , oder umgekehrt . so dass l)is
zu 36 und 40 Spiraltouren im Ganzen herauskonmien. Diese Drehung,
die nach der Mitte des 2. Monats beginnt und in den meisten Fällen
vom Embryo aus von links nach rechts gegen die Placenta verläuft, hat
Anlass zu ziemlich langwierigen Discussionen über die ihr zu Grunde
liegenden Ursachen gegeben. Sehr wahrscheinlich ist es, dass durch ein
in Spiralen fortschreitendes Wachsthum der Nabelgefässe, ähnlich wie
J)ei Ranken, die Drehung des Stranges zu Stande kommt , welche dann
auch den Embryo zu Drehungen veranlasst, denen er, weil er frei im
Fruchtwasser schwimmt, keinen grösseren Widersland entgegenzusetzen
vermag. Dadurch wird auch die Scheide des Nabelstranges, jedoch
nicht noth wendig ebenso stark wie die Gefässe, gewunden.
Mit der Placenta verbindet sich der Nabelstrang selten genau cen-
tral, in der Regel jedoch nahe der Mitte , doch sind Ausnahmen hiervon
und ein sonstiges abweichendes Verhalten nicht selten. In seltenen
Fällen spaltet sich der Nabelslrang vor seiner Insertion und geht mit
zwei Aesten an die Placenta heran [Insertio furcata, Hyrtl) , was auch
bei velamentöser Insertion gefunden wird (ich) , oder es verbindet sich
ein einfacher Strang stark excentrisch, ja selbst am Rande mit dem
Mutterkuchen [Insertio excentrica , marginalis) . Ja es kann selbst vor-
kommen, dass der Nabelstrang gar nicht an die Placenta, sondern an den
zottenfreien Theil des Chorion sich inserirt und von hier aus seine Ge-
fässe weiter gegen die Placenta hinsendet [Insertio velamentosa;. Am
N'abelstrange selbst finden sich als Abweichungen knotenartige Ver-
dickungen und verdünnte Stellen, schleifenförmige Hervortreibungen
der Gefässe und Verknäuelungen derselben , und wirkliche , durch Ver-
schlingung der ganzen Nabelschnur während der Schwangerschaft oder
bei der Geburt entstandene Knoten , und was seine Lage anlangt , so
zeigen sich die verschiedenartigsten Beziehungen zum Embryo, nament-
lich auch in einzelnen Fällen Umschlingungen desselben um Hals, Rumpf
und Extremitäten.
Die Zusammensetzung anlangend, so sind die den Nabelstrang
bildenden Theile folgende :
1) Die Scheide vom Amnion, die sich nur an der Ansatzstelle zusammen-
/ ' Setzung des
des Stranges an der Placenta auf eine kurze Strecke ablösen lässt , dann Nabeistranges
aber sofort in ihrer Bindegewebslage mit dem Bindegewebe des Stranges
untrennbar verschmilzt.
2) Die zwei Arteriae umbilicales. Diese Gefässe , die nur in
sehr seltenen Fällen in der Einzahl vorkommen , erweitern sich vom
Fötus nach der Placenta zu und zeigen fast ausnahmslos in der Gegend
10*
148
Ent\viokliinti der Leibesform.
der Insertio fnniciili eine Anastomose und zwar meist durch einen Yer-
bindungsast.
3) Die Vena umbilicalis. Diese Vene, die in seltenen Fällen
doppelt sich erhält , wie sie bei jungen Embryonen und bei gew issen
Säugethieren, wie den Wiederkäuern, sich findet, ist dünnwandiger als
die Arterien, und besitzt im Innern an den Knickungen faltenartige
Vorsprünge, welche IIyrtl als »Klappen« bezeichnet und weniger ent-
wickelt auch an den Arterien findet.
4) Der U r a c li u s oder g e n a u e r b e z e i c h n e t die epitheliale
Blase de r A I lan tois. Diese Lamelle, die ich die Allantois im engeren
Sinne nennen will, ist im 1. und 2. Monate ein regelrechter Bestandtheil
des Xabelstranges, schwindet dann aber in einer noch nicht genauer be-
stinnnten Zeit. Doch habe ich in so vielen Fällen im reifen Nabelstrange
noch Reste der Allantois gefunden, dass ich Grund habe, dieses Vor-
kommen als ein nicht seltenes betrachten zu dürfen. Diese Reste be-
standen in einem meist central zwischen den Gefässen gelegenen Strange
von 0,076 — 0,114 mm Breite, der ganz und gar aus epithelartigen Zellen
bestand, jedoch in keinem Falle auf grössere Strecken zu verfolgen w^ar
und bald am fötalen Ende, bald in der Mitte des Stranges vorkam.
5. Die Vasa omphalo-mesenterica. Diese Gefässe finden sich,
wie schon früher angegeben wurde , sehr selten im reifen Nabel-
strange.
Alle genannten Theile werden durch ein zum Theil weiches und
gallertartiges,, zum Theil festeres Bindegewebe zusammengehalten , das
wiiAKTo.s'sche unter dem Namen der W'HARTON'schen Salze bekannt ist und bei ge-
Sulze. ^ "^
nauerer Untersuchung eine ziemlich constante Vertheiiung der weiche-
ren und festeren Theile zeigt. Die letzteren bilden 1) eine dünne,
oberfljichliche Lage unter dem Epithel; 2) eine Scheide um jedes der
drei Gefässe, und 3 1 eine Art Centralstrang, welcher mit drei Ausläufern
zwischen den Gefässen auch gegen die Oberfläche sich erstreckt und hier
in drei verbreiterte Massen gallertiger Substanz ausläuft, welche an der
Obcrfiäche des Nabelstranges in Form dreier weisslicher Streifen sicht-
bar sind. Die mehr gallertartigen Theile des Nabelstranges bestehen
1) aus den drei ol)erflächlichen Gallertsträngen an den Enden des cen-
tralen Stranges; 2; aus einer oberflächlichen Lage unter der dünnen
Rindenschicht und 3) aus inneren Zwischenlagcn zwischen den Gefäss-
scheiden und dem Centralstrange von wechselnder Entw icklung, welche
Lagen alle ohne scharfe Grenzen in die festeren Theile übergehen.
^*'°*defl ^*° ^^'''^ '^ •' " *' ''•*' -^ a b e I s t r a n g e s anlangend, so war von dem Epi-
Naboistranges. ijjg) gchon früher die Bede. Die WiiARTOiv'sche Sülze besteht in iliren
weicheren Theilen, ähnlich dem rnlerhaulbindegewebe von pjnhr^onen,
aus einem Netzuewebe von weichen Fasern und dazwischen befindlieher
Nabelstrang. 149
gallertiger Substanz. Genauer bezeichnet, zeigt diese Sülze stärkere und
schwächere Züge von Fibrillen, die. meist in der Längsrichtung ver-
laufend, netzförmig untereinaniler sich vereinen, und Maschen verschie-
dener Grösse bilden, in denen eine weiche, schleimartige helle Substanz
enthalten ist. In den oben namhaft gemachten festeren Theilen ist dieses
Gewel>e dichter mit engeren Maschen , stärkeren Bündeln und weniger
Zwischensubstanz, lockerer in den dazwischen gelegenen Theilen. Was
dieses Schleimgewebe Virchow oder gallertige Bindegewebe (ich) noch
auszeichnet, ist das Vorkommen zahlreicher mannigfaltig gestalteter,
grosser, meist spindel- und sternförmiger Zellen, zum Theil auch runder
Elemente mit amöboider Bewegung und in ausgetragenen Placenten auch
von elastischen Fasern.
Von den Gefässen des Nabelstranges ist hinsichtlich des Baues zu
erwähnen, dass dieselben eine ungemein entwickelte Muskelhaut mit
Längs- und Querfasern haben und auch sehr contractu sind. Ausser den
grösseren Gefässen enthält der Nabelstrang keine Blutgefässe und ebenso
sind auch in ihm noch keine Lymphgefässe nachzuweisen gewesen. Da-
gegen hat KösTER durch Einstich sogenannte Saftkanäle injicirt,
welche reichlich anastomosirend die ganze WHARTox'sche Sülze durch-
ziehen, und deren Wandungen von den oben erwähnten verlängerten
Zellen gebildet werden sollen, die Köster als Homologa der Gefässepi-
thelien ansieht. Angaben, die mir nicht ohne Begründung erscheinen.
Nerven hat man bis jetzt nur in der Nähe des Embryo im Nabel-
strange an den Gefässen desselben gefunden.
Werfen wir nun noch einen Blick auf das Verhallen der Eihüllen
bei der Geburt und die Wiederherstellung eines normalen Zustandes
der Uterusschleimhaut. Unmittelbar nach der Geburt stossen sich die
Eihüllen mit der Placenla ab und zeigt in regelrechten Fällen die soge-
nannte Nachgeburt iSecundinae] die ganze fötale Placenta und von der ^'^'^iige^'^rt.
mütterlichen Placenta den innersten Theil , die oben beschriebene Decl-
dua placentalis. Man findet ferner die beiden verwachsenen Deciduae
und das Chorion und Amnion meist ziemlich gut erhalten in Verbindung
mit der Placenta in der Form eines Sackes, der natürlich an Einer Stelle,
die. je nach dem Sitze der Placenta, derselben näher oder ferner liegt,
eingerissen ist. Die Decidiia vera und placentalis der Nachgeburt be-
stehen , wie schon aus den früheren Schilderungen hervorgeht , nicht
aus der ganzen Schleimhaut des Uterus, vielmehr löst sich die Schleim-
haut meistens an der Grenze der Zellenschicht und der schwammigen
Lage ab . so dass bald etwas von der letztern an der Nachgeburt sich
findet, bald nicht.
Nach der Geburt stossen sich dann während der Lochien immer
noch vorzüglich von der Placentarstelle, die durch ihre unebene, zackige,
150
Entwicklung der Leibesform.
Eitrauterin-
schwanger-
schaften.
Zwilliogg-
«cbwanger-
acbafUn.
zerrissene OI>erflächo und die von Thromben erfüllten abgerissenen
grossen Venen sich auszeichnet, aber auch von den übrigen Gegenden
Theile der Uterinschleimhaut ab. So löst sich nach und nach fast cler
ganze schwammige Theil der Schleimhaut, der die erweiterten, des
Epithels mehr weniger entbehrenden Drüsenräume enthält, ab, und
erhalten sich nur die tiefsten, an die Muscularis angrenzenden Lagen der
Mucosa, in denen die wenig veränderten Drüsenenden sich finden, und
von diesen aus regenerirt sich dann die Mucosa in Zeit von 3 — 5 Wochen,
mit Inbegriff der Placentarstelle. Hierbei scheint von dem Epithel der
DrUsenreste aus das Oberflächenepithel sich zu erzeugen durch \or-
gänge, die noch nicht hinreichend verfolgt sind.
Anmerkung. Ich füge noch einige Angaben über das Verhalten der
Eihüllen und der Placenta unter aussergewöhnüchen Verhältnissen bei. Es
giebt Fälle, in denen das befruchtete Ei nicht in den Uterus gelangt und trotz-
dem sich entwickelt. Üas Ei bleibt entweder in den Tuben liegen (gewöhn-
liche Tubarschw angerschaft und interstitielle Schwanger-
schaft, wenn das Ei in dem Theile des Eileiters sitzen bleibt, der durch die
Substanz des Uterus verläuft , welche letztere Form wohl nicht mit der nöthi-
gen Bestimmtheit nachgewiesen ist , oder es gelangt dasselbe gar nicht in die
Tuben, sondern verirrt sich in die Beckenhöhle und setzt sich da oder dort
hinter den breiten Mutterbändern fest lAbdom inalschwa ngerschaf t).
In beiden Fällen läuft die Entwicklung des Eies selbst in regelrechter Weise
ab und entstehen die normalen fötalen Hüllen , was freilich weniger merk-
würdig ist, als dass auch eine Art Decidua vera und Placenta uterina sich aus-
bildet und eine Verbindung des Eies mit dem mütterlichen Organismus ent-
steht, die eine ziemlich gute Ernährung der Frucht ermöglicht. Bei der
Abiiominalscliwangerschaft veranlasst das Ei einen Congestionszustand der be-
nachbarten Theile, und bildet sich nach und nach eine solche Hypertrophie
des Bauchfelles aus , dass dasselbe befäliigt wird, die Rolle der Mucosa uteri
zu übernehmen , und was die Tubarschwangerschaft anlangt , so ist die hier
eintretende Bildung regelrechter mütterlicher Eihüllen, mit Ausnahme einer
Heflexa, um das sich entwickelnde Ei 'eichter zu verstehen, weil ja hier eine
Schleimhaut vorhanden ist, welche die des Uterus vertreten kann. Bemerkens-
werth ist, dass bei den Tubar- und Abdominalschwangerschaflen der Uterus,
obwohl er an der Bergung und Ernährung des Eies keinen Antheil nimmt,
(loch etwas an Grösse zunimmt und in seiner Schleimhaut hypertrophisch
wird , so dass sich neben der andern eine ächte Decidua vera wenigstens in
der .Vnlage bildet. Ganz dasselbe findet in dem Iceren Uteruslheile statt, wenn
in einem Uterus duplex oder bicornis nur Ein Fötus sich entwickelt.
Bei Z wi llingssch wangerschaften zeigen die Eihüllen und die
Placcnten ein sehr verschiedenes Verhalten, und sind folgende Fälle zu unter-
.schciden.
I. Es finden sich zwei ganz getrennte Eier mit zwei
Placenten u n tl zwei Deciduae reflexae.
Diese Form erklärt sich am leichtesten, wenn man annimmt, dass 2 Eier
durch verschiedene Tuben in den Uterus eintraten und in einer gewissen Ent-
fernung von einander sich einpllanzten. In zwei Fällen , die ich genau unter-
Zwillingsschvvangerschaflen. 15 J
suchte, zeigte der Eine zwei ganz getrennte, aber z. Th. verklebte Reflexae,
der andere zwei an der Berührungsstelle der Eier dergestalt verwachsene Re-
flexae, dass dieselben nur Eine einzige sehr dünne Lage darstellten, in die von
beiden Seilen her die Zotten der zwei glatten Theile des Chorion sich ein-
senkten. Ausserdem war die Eine Placenta an der einen Hälfte eine PL inar-
ginata (s. S. I 47).
2. Zwei ganz getrennte Eiei' besitzen nur Eine Keflexa.
In diesem Falle, der häufiger ist als der vorige (Hyrtl), sind die Placen-
ten verwachsen, aber die Umbilicalgefässe getrennt. Das Chorion ist doppelt^
aber an der Berühriingsstelle verwachsen und nicht in zwei Lamellen trennbar
(IIyrtl) . Derselbe setzt voraus , dass zwei Eier nahe beisammen im Uterus
sich fixirten , was am leichtesten geschehen wird , wenn die Eier durch einen
und denselben Eileiter eintreten, mögen sie nun aus Einem Follikel stammen
oder nicht.
3 . Es f i n d e n s i c h zwei Amnion, zwei Nabelschnüre,
Eine Placenta, Ein Chorion, Eine Reflex a.
Nach Hyutl häufiger als 1 und 2 , nach Späth seltener. Die fötalen Ge-
fässe der beiden Nabelschnüre anastoraosiren immer auf der Placenta (daher
bei Zwillingen immer auch der peripherische Theil der Nabelschnur des Erst-
geborenen zu unterbinden ist) und sind die Zwillinge Eines Geschlechtes. Die
Erklärung dieser Fälle ist noch zweifelhaft. Entweder waren Anfangs zwei ge-
trennte Chorion da, wie bei 2, die dann nachträglich an der Berührungsstelle
schwanden (Bischoff), oder es war der Ausgangspunct ein Ei mit doppeltem
Dotter, wie sie Barry und Wh. Jones gesehen haben wollen, ebenso Bischoff
wenigstens in Andeutung, oder ein Ei mit zwei Keimbläschen , wie ich sie
beim Menschen gesehen (Gewebel. 5. Aufl. Fig. 400 D). Aus solchen Eiern
könnten möglicherweise zwei Keimblasen und zwei Chorion innerhalb Einer
Zona pellucida entstehen und müsste dann noch eine Verschmelzung der beiden
Chorion angenommen werden. Noch zusagender aber scheint mir die Vor-
stellung, dass in diesen Fällen die Entwicklung mit zwei Fruchthöfen in einer
gewissen Entfernung von einander auf Einer Keimblase begann. Dies gäbe
zwei Amnion, aber nur Eine seröse Hülle, und würde dann nothwendig eine
Verschmelzung der beiden AUantois und ihrer Gefässe bei ihrer Ausbreitung
innen an der serösen Hülle eintreten müssen. Der Dotter.sack müsste einfach
sein mit zwei Dottergängen. Solche Eier mit Einem Dottersacke, zwei Dotter-
gängen, zwei Amnion und zwei AUantois haben ich beim Hühnchen und Dr. M.
Braun bei Eidechsen gesehen (Braun, in Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. XXVII),
und Panum beschreibt wenigstens getrennte Fruchthöfe auf Einem Dotter.
4. Wie bei 3, nur ist auch das Amnion einfach.
Ein sehr seltener Fall, der nur eine Keimblase mit zwei getrennten Em-
bryonen auf Einem Fruchthofe als Ausgangspunct gehabt haben kann,
wie sie C. F. Wolff [Ovum simplex gemelliferum in Novi Comment. Ac. Petro-
pol. Tom. XIV 1770) und Allen Thomson [Edinh. MonthhJ medical Journ.
1844) vom Hühnchen beschrieben haben, und den nächsten Uebergang zu den
Doppelmissbildungen darstellt .
Bei Drillingen hat man den Fall 3 mit Einem Chorion gesehen, aber Pniiings-
auch getrennte Chorion (Nr. 2), ja selbst getrennte Reflexen (Nr. I . In Einem schaften.
Falle war ein Ei selbständig, die andern beiden nach dem Typus 3 vereinigt.
Von Fünflingen ist ein Fall bekannt, in dem 3 Embryonen Eine Placenta
152 Eiilwiclvluiii; der Leibesfoim.
und Ein Aiiiiiioii hatten und die andern zwei sich ebenso verhielten. iBlblioth.
Med. T. A'IX pag. jli.)
§ 20.
Entwicklung der menschlichen Eihüllen.
Entwicklung der Nachdem die Eihäute des Menschen aus der Mitte der Schwanser-
menschlichen i r j
EihüHen. seliaft Und aus späterer Zeit geschildert worden sind, wenden wir uns
zur Fräse nach ihrer Entstehuns.
Entwicklung des Das Chofion ist bei allen Säusethieren aus zwei Bestandtheilen zu-
Chorion. "-^
samniengesetzt; und zwar \) aus einer Epithelialschicht nach aussen,
welche auch die Zollen überzieht , und 2) aus einer Bindegewebsschiclil
mit Gefässen nach innen. Die Epithelialschicht ist, wie alle bisher ange-
stellten Beobachtungen unzweifelhaft darlhun , nichts Anderes als die
seröse Hülle, deren Entwicklung mit der Bildung des Amnion in nahem
Zusammenhanse steht (Fia. 125 . Die Bindesewebsschicht des Chorion
stammt bei den meisten Thiereu von der Allantois, es kann jedoch, wie
bei den Nagern, auch der Dottersack Gefässe an die äussere EihüUe ab-
geben und sich so an der Bildung des Chorion betheiligen. Es ist nun die
Frage,- wie die Verhältnisse in dieser Beziehung beim Menschen sich ge-
stalten, ob wir berechtigt sind, die belThieren gellenden Gesetze auch auf
denselben überzutragen, odei- ob wir für ihn besondere specifischeVerhäll-
nisse anzunehmen haben. Vor allem ist zu betonen, dass unsere Kenntnisse
über die ersten Zustände menschlicher befruchteter Eier äusserst mangel-
haft sind und dass sich daher über das erste Auftreten des Chorion nichts
ganz Bestimmtes sagen lässt. Während man bis vor Kurzem annehmen
durfte, dass Zollen auf dem menschlichen Eie erst auftreten, nachdem
das Amnion gebildet ist, und auch die zwei Fälle von Thomson Figg. 1 10,
Hl) einer solchen Deutung nicht gerade entgegen waren, sind wir in
dieser Beziehung durch den oben beschriebenen Fall von Beichert (Figg.
108, 109 wieder in Zweifel geralhen , die für einmal sich nicht lösen
lassen. Doch lässt sich immerhin so viel sagen, dass, wenn das Ei von
Beichert ein noiniales gewesen sein sollte , dannzumal eine Bildung der
Zotten auf dem Ectoderma der Keimblase anzunehmen wäre, noch l)evor
dasselbe in Amnion und seröse Hülle sich gesondert hat und bevor der
Embryo angelegt ist.
Ist dem Gesagten zufolge weniaslens so viel mit Wahrscheinlichkeit
anzunehmen, dass die Epithelschicht des Chorion von dem Ectoderma der
Keimblase abstammt, so lässt sich auf der andern Seile mit Sicherheit
festsetzen, dass die innere Lage des Chorion einer Uinl)ildung der Allan-
tois ihren Ursprung verdankt, denn es ist dieselbe, wie Coste zuerst bc-
Entwicklung der menschlichen Eihüllen.
153
wiesen hat, in frühester Zeit ^im \. und im Anlange des 2. Monates)
in ihrem yanzen Umkreise sefässhall is und wird von
den Nabelgefässen versorgt.
Fi2. 125.
Fig. 125. Fünf schematische Figuren zur Darstellung der Entwicklung der föta-
len Eihüllen , in denen allen , mit Ausnahme der letzten , der Embryo im Längs-
schnitte dargestellt ist. 1. Ei mit Zona pellucida, Keimblase, Fruchthof und Embryo-
nalanlage. 2. Ei mit in Bildung begriffenem Dottersacke und Amnion. 3. Ei mit sich
schliessendem Amnion, hervorsprossender AUantois. 4. Ei mit zottentragender serö-
1 54 Entwicklung der Leibesform.
Fragen wir nun, in weicher Weise sich dieAllantois an der Bildung
der erwälniten gefasshalligen Schicht des Chorion betheiligt , so ergiebt
sich nach meinen Erfahrungen folgendes. Die AUantois wächst als Blase
nur soweit aus dem Embryo hervor, bis sie die seröse Hülle erreicht hat.
Ist dies geschehen , so wuchert dann ihre Bindegewebsschicht mit den
Blutgefässen für sich allein an der ganzen inneren Oberfläche der
serösen Hülle weiter und bildet eine Blase, welche der inneren Ober-
fläche der serösen Hülle anliegt, jedoch mit der ursprünglichen Allanlois
nichts mehr zu thun hat und nur einer Wucherung der Gefässschicht
derselben ihren Ursprung verdankt. Der Rest der eigentlichen AUantois
oder die Epithelialschicht derselben verschwindet dann später, ohne eine
weitere Bedeutung zu erlangen, und ist alles, was von der ursprüng-
lichen Blase übrig bleibt, die Harnblase mit dem bis zum Nabel sich er-
haltenden Urachus, von denen später die Rede sein wird. Dieser Auf-
fassung zufolge würde somit beim Menschen die AUantois als Blase an
der Bildung des Chorion keinen Antheil nehmen, und als solche nur eine
vorübergehende Existenz haben , dagegen ihre bindegewebige äussere
Haut mit den Nabelgefässen mächtig sich entwickeln, an der Innenfläche
der serösen Hülle herum wuchern und so das eigentliche bindegewebige
Chorion darstellen, von welchem aus dann in zweiter Linie, wie sich von
selbst versteht , später Wucherungen in die hohlen Zotten sich hinein-
bilden, durch welche das Chorion erst ganz zur Vollendung kommt.
Die späteren Schicksale des Chorion sind grösstentheils bekannt
ser Hülle, grosserer AUantois, Embryo mit Mund- und Anusöffnung. 5. Ei, bei dem
die Gefiissschicht der AUantois sich rings an die seröse Hülle angelegt hat und in die
Zotten derselben hineingewachsen ist, wodurch das achte Chorion entstoht. Dotter-
sack verkümmert, Amnionhühle im Zunehmen begrilTen.
d Dotterhaut, d' Züttchen der Dolterhaut ; sh seröse Hülle; sz Zotten der serö-
sen Hülle; ch Chorion (Gefässschicht der AUantois) ; chz ächte Chorionzotten (aus
den Fortsätzen des Chorion und dem Ueberzuge der serösen Hülle bestehend); a ni Am-
nion ; fes Kopfscheide des Amnion; ss Schwanzscheide des Amnion; ah Amnionhöhlc;
OS Scheide des Amnion für den Nabclstrang; a der Embryonalanlagc angehörende
Verdickung im äussern Blatte der Keimblase«'; m der Embryonalanlage angehörende
Verdickung im mittleren Blatte der Keimblase m', die anfanglich nur so weit reicht,
als der P'ruchthof, und später die Gefässschicht des Dottersacks rf/' darstellt, die mit
der Darmfaserplalte zusammenhängt; st Sinus terminaUs; dd Darmdrüsenblatt, ent-
standen aus einem Theile von i, dem inncrn Blatte der Keimblase (späterem Epithel
des Dottersacks) ; kh Höhle der Kcimbiase, die später zu ds , der Höhle des Dotter-
sacks wird; rf gr Dottergang ; a/Allantols; eEmbryo; r ursprünglicher Raum zwischen
Amnion und Ciiorion , mit ciweissreicher Flüssigkeit erfüllt; vi vordere Leibeswand
in der Herzgegend; hh Herzhöhle ohne Herz dargestellt. — In Fig. 2 und 3 ist der
Deutlichkeit wegen das Amnion zu weit abstehend gezeichnet. Ebenso ist die Herz-
höhle überall zu klein gezeichnet und auch sonst manches, wie bes. der Leib des
Enibrvo mit Ausnahme der Fig. 5 nur schematisch dargestellt.
Entwicklung der menschliclien Eihüllen. 155
und habe ich nur Weniiies noch beizufügen. Haben sich einmal in der
vierten Woche die Uml)ilicaigef;isse im ganzen Chorion sammt dem sie
tragenden Bindegewebe in die hohlen Zotten der serösen Hülle hinein-
gebildet, so wächst das Chorion eine Zeitlang in allen seinen Theilen
gleichmässig fort, bis gegen das Ende des zweiten Monates. Dann erst
und im dritten Monate beginnt die fötale Placenta sich zu bilden, indem
an der Stelle, mit welcher das Ei der Uteruswand anliegt, die Zotten
immer weiter wuchern , während dieselben an den übrigen Stellen im
Wachsthume zurückbleiben und ihre Gefässe atrophisch werden. So
bildet sich nach und nach der Unterschied zw ischen einem zottenreichen
und zottenarmen, zwischen dem gefässhaltigen und gefässlosen Theile
des Chorion aus.
Von dem Nab e I st r a n g e habe ich noch zu bemerken , dass seine
Bindegewebsschicht oder die WnARTO\'sche Sülze offenbar zum grössten
Theile von der Allantois abstammt, einem geringen Theile nach mag die-
selbe auch von dem Bindegewebe herrühren, das dem Dottergange und den
Dottersackgefässen angehört. iKer von der Allantois herstammende Theil
und der Stiel des Dottersackes sind in sehr frühen Zeiten als besondere
Gebilde deutlich zu unterscheiden, und liegt letzterer Theil w ie in einer
Furche des ersteren, später aber umwächst der zur Allantois gehörige
Theil vollständig den Dottergang und seine Annexa, und bildet sich so
unter Mitbetheiligung der immer enger werdenden Nabelstrangscheide
des Amnion ein einfacher cylindrischer Strang , an dem man keine Spur
der ursprünglichen Verhältnisse mehr erkennt.
Ich wende mich nun zur Entwicklungsgeschichte der müt- Mütterliche Ei-
terlichen Eihüllen und erwähne zunächst die wichtige Thatsache,
dass die Decidua reßexa hei jüngeren Eiern Gefässe enthält und '
zwar um so mehr, je jünger dieselbe ist, mit einziger Ausnahme einer
narbenähnlichen Stelle in der Mitte. Ausser diesen Gefässen , die man
im zweiten Monate deutlich erkennt, zeigt die Reflexa ebenfalls mit
Ausschluss ihrer Mitte in frühen Stadien fast überall Drüsen mün-.
düngen oder jene Löcher, die ich schon früher von der Decidiia vera
beschrieben habe.
Ueber die Entstehung dieser Haut hatte man früher ganz unrichtige -o«c»<i«a reßexa.
Vorstellungen, w'eil man von der falschen Ansicht ausging, dass die Oeff-
nungen der Tuben durch die als Exsudat aufgefasste Decidua vera ver-
schlossen seien. Von dieser Voraussetzung ausgehend behauptete man,
das Ei schiebe, wenn es aus dem Eileiter in den Uterus gelange , diese
Membran vor sich her , stülpe sie ein und dehne sie dann durch sein
eigenes Wachsthum zu einer besonderen Umhüllung aus , die ihrer Bil-
dungsweise halber den Namen Decidua reßexa erhielt. Mit der Erkennt-
156
EiitNvickiuiiL; der Leibesform.
niss, dass die Decidua vera nichts als die uingewandelte Schleimhaut
des Uterus sei? trat auch in der Geschiciitc der Reflexa ein Wendepunkt
ein, und folgt man jetzt allgeinein der zuerst von Sharpey aufgestellten
Hypothese. Dieser
Forscher nimmt an,
dass das Ei , nach-
dem es in die Höh-
lung des Uterus ein-
getreten , sich in
eine Falte der ge-
wulsteten Schleim-
haut oder der Deci-
dua vera einbette,
worauf dann diese
über das Ei herüber-
wuchere und es voll-
ständig einschliesse.
Die Möglichkeit
solcher Vorgänge ist
nicht zu läugnen, im-
merhin sollnicht ver-
schwiegen werden,
dass esnoch Niemand
gelungen ist , ein Ei
im Momente der Bil-
dung der Reflexa zu sehen, mit andern NN'orten eine noch nicht voll-
kommen geschlossene Reflexa zu beobachten , wenn auch jene früher
schon erwähnte narbenähnliche Stelle auf der Mitte der Reflexa in hohem
Maasse für die Theorie von Sharpey spricht.
Hat sich die Uterusschleimhaut als Reflexa um das Ei zu einem
Sacke geschlossen, so findet man anfangs das rings mit Zotten besetzte
Ei noch ganz frei und kann man dasselbe noch in der vierten Woche
leicht aus seinem Behälter herausnehmen , ja selbst im zweiten Monate
ist die Trennung meist ganz leicht : am Ende des zweiten Monates al)er
})ilden sich die Zotten auf der Placentarseite mehr aus, und im dritten
Monate wird die Verbindung des Eies mit dem Uterus immer ausge-
Fi2. 126.
Fij:. 126. SctiNvangerer L'lerus von etwa 40 Tagen, um die Hälfte verkleinert.
Nach CosTK. Der L'lerus ist von vorn geöffnet und sieht man an seiner hintern Wand
und am Grunde die das Ei umschliessende Reflexa und an der Seife derselben Eine
Tubamündung. Die Reflexa ist mit Gefässen bestit , die mit denen der Vera zusam-
nienliängcn, mit .\usnalime Einer Stelle, an der wie eine Narbe sich findet.
Entwicklurii: der menschlichen Eihüllen.
157
sprochener. Die innige Vereinigung des Eies und der Ulerinschleimhaut
kommt dadurcii zu Stimde . dass zuerst die ganze dem Eie zugeiiehrle
Flache der letzteren, mithin auch die Innenfläche der Reflexa und nicht
blos die Stelle der spätem Placenta uterina grubig wird, und ein ma-
schises, bienenwabenähnliches Ansehen annimmt. Diese Gruben ver-
schwinden später an der Reflexa. an dem Theile dagegen, der zum Mut-
terkuchen sich gestaltet, werden dieselben immer grösser , indem die
Sehleimhaut den Chorionzotten entgegenwuchert und dieselben immer
inniger umschliesst. Meiner Uel)erzeugung nach darf man es als sicher
betrachten, dass die Chorionzotten beim Menschen nicht in Uterindrüsen
hineinwuchern. Meinen Erfahrungen zufolge verschwinden nämlich die
Drusenmündungen in der Placenta utcriiui in der kürzesten Zeit und
sind am Ende des ersten Monates zu einer Zeit, wo das Ei noch gar keine
Fi2. (27. Der Uterus der Fig. ^26 mit geöffnetem Sacke der Reflexa. Vergr. t/oma'-
Nach CosTE. Ein Lappen der Reflexa ist nach unten geschlagen und zeigt derselbe
eine grubige innere Oberfläche, in welcher Chorionzoften stecken. Aehnliche und
tiefere Gruben zeigte auch die Placentarstelle, nachdem dasEi herausgenommen war.
Das Chorion ist durch einen Kreuzschnitt geöffnet, so dass der Embryo mit seinem
Amnion, dem Xabelstrang und dem Dottersack zwischen Amnion und Chorion sicht-
bar wird.
15S Entwicklung der Leibesforni.
Verbindung mit dem Uterus eingegangen hat, nicht mehr nachzuweisen,
obschon in der Tiefe dieser Lage noch Drüsenreste sich finden (s. oben) .
Der jMensch schliesst sich somit an die Geschöpfe an, bei denen die Ute-
rinschleimhaut mit ihrer gesammten Oberfläche den Chorionzotten ent-
gegenwuchert und dieselben iimfasst. Im dritten und vierten Monate ist
die Vereinigung schon sehr innig geworden, und geht um diese Zeit das
Gewebe der Placoita uterina^ reichlich wTichernd und weite dünnwandige
Blutgefässe in grosser Zahl in sich entwickelnd, weit gegen das Chorion
hin und kann selbst die Stämme der Zotten an ihrem
Ausgangspuncte erreichen. Im weiteren Verlaufe hält jedoch
das Uteringewebe der Placenta im Wachsthum mit den Chorionzotten
nicht gleichen Schritt, und erhalten sich schliesslich nur die oben be-
schriebenen Reste in den Sepia und an der Membrana chorii.
Am schwierigsten ist die Beantwortung der Frage , wie es dazu
kommt, dass das mütterliche Placentargewebe , das doch unzweifelhaft
ursprünglich ein geschlossenes Gefässsystem mitCapillaren besitzt, später
jene eigenthümliche Anordnung darbietet, die oben beschrieben wurde,
wonach sowohl Arterien als Venen schliesslich in wandungslose Räume
zwischen den Zotten auslaufen. Da directe Beobachtungen in dieser
Beziehung bis jetzt keine Auskunft geben, so bleibt nichts anderes übrig,
als die Lücke durch eine Hypothese zu ergänzen, und da scheint mir die
Vorstellung am meisten für sich zu haben, dass die wuchernden Chorion-
zotten das mütterliche Placentargewebe von allen Seiten anfressen und
theilweise zerstören , und so eine Eröffnung der Gefässe desselben her-
beiführen, die naturgemäss zu einem allmäligen Eindringen des mütter-
lichen Blutes in die intervillösen Räume fiihren muss. Noch zusagender
wäre freilich, w-enigstens vom vergleichend anatomischen Gesichtspuncte
aus, eine andere Hypothese, und zwar die, dass anfänglich alle Chorion-
zotten von Scheiden mütterlichen Gewebes mit Blutgefässen umhüllt sind,
welche Scheiden sogar einfach als endotheliale Gefässröhrchen aufge-
fasst werden könnten, ähnlich den kleinen Venen der Milz. Nähme man
dann ferner an , dass an diesen Scheiden später das Endothel verloren
geht, so würden aus den zartwandigen mütterlichen Gefässen einfache
Sinus entstehen und die so auffallenden Verhältnisse der Placenta ge-
geben sein. Da jedoch bis jetzt solche Umhüllungen der Chorionzolten
durch mütterliches Gewebe zu keiner Zeit der Schwangerschaft zur Be-
obachtung kamen , so wird diese Hypothese auch keine Ansprüche auf
Geltung zu erheben im Stande sein , während für die erste Auffassung
vor Allem der Umstand spricht, dass, wie längst bekannt, ein Hinein-
wachsen von Chorionzolten in mütterliche Gefässkanäle selbst an älteren
Placcnlen noch zu beobachten ist.
Zweiter Hauptabsclmitt.
Von der Entwickhmg der Orgaue und Systeme.
I. Entwicklung des Knochensystems.
§• 21.
Wirbelsäule, Rippen, Brustbein.
Wie wir in früheren S6 sahen , t-eht der Bildunß der Wir bei- Entwicklung der
, , ? , Wirbelsäule.
Säule und des Skelettes überhaupt die Entstehung der Rücke nsaite
oder der Chorda dorsal is voraus, eines im Allgemeinen spindel- CAojia dorsaifs.
förmigen Stranges, welcher , in der Axe des Embryo gelegen , vorn im
Kopfe zugespitzt endigt und am hinteren Ende so lange ohne scharfe Ab-
grenzung ausgeht , als die erste Anlage der Wirbelsäule noch nicht
vollendet ist, und, sobald dies der Fall ist , ebenfalls spitz aufhört. Die
Chorda dorsalis besteht ursprünglich aus einem einfachen Zellenstrange,
in zweiter Linie erhält dieselbe eine structurlose Scheide, die eigent-
liche oder innere Chordascheide, die nach und nach etwas dicker
wird und an einer ausgebildeten Chorda als ein glashelles, dünnes Um-
hüllungsgebilde erscheint, während das ganze Organ ebenfalls an Breite
zunimmt und auch seine Elemente etwas sich vergrössern und zu poly-
gonalen , allem Anscheine nach mit Membranen versehenen Zellen mit
hellerem Inhalte sich umgestalten.
Die Chorda dorsalis, die als eine Art Knorpelstrang gedeutet werden
kann, ist der Vorläufer der Wirbelsäule, und bildet sich diese aus den zu
l)eiden Seiten derselben gelegenen Urwirbeln in einer Weise hervor, die
in einem früheren § vom Hühnchen ausführlich dargestellt wurde. Es
ergab sich , dass der tiefere und an das Rückenmark angrenzende Theil
der Urwirbel oder der e i g e nt 1 i c h e U r w i r b el in seiner Hauptmasse
zur Umhüllung der Chorda und des Rückenmarkes verwendet wird und
hierbei in Eine zusammenhängende Masse verschmilzt , die den Namen
1(30 Entwickluui; des kuuchensyslenis.
^^"*'slnie''^^^' ^^^ häutigen W i r 1> e 1 s ä u 1 e erhalten hat. An dieser ist 1 ) ein Axen-
sebilde in Form eines dicken u nee el lederten Stranges, der Vor-
läufer der Wirbelkörpersäule, zu unterscheiden, das in seiner ganzen
Länge die Chorda dorsalis enthält, und 2) unmittelbar mit demselben zu-
sammenhängende häutige Ausläufer nach oben, die sogenannte Membrana
reuniens superior oder die häutigen Wirbel bogen, welche eine
vollständige Scheide um das Rückenmark darstellen , die nur da unter-
brochen ist , wo in der Gegend der späteren Foramina intervertebralia
die grossen Spinalganglien ihre Lage haben. Ganz ähnliche Verhältnisse
finden sich auch bei den Säugethieren, und stellt die Fig. 249 meiner
Entwicklungsgeschichte, 2. Aufl., einen früheren Zustand der Wirbelsäule
des Kaninchens dar.
Knorpelige Nachdem die häutige Wirbelsäule eine kurze Zeit bestanden hat,
Wirbelsaule. ^ _ '
wandelt sich dieselbe in die knorpelige W'irbelsäule um, in wel-
cher zum ersten Male die Anlagen der bleibenden Wirbel als besondere
Organe auftreten. Diese Umwandlung geschieht so (Fig. 129), dass in
dem die Chorda dorsalis umgebenden Axengebilde von Stelle zu Stelle
durch histologische Differenzirung rings um die Chorda herum Knorpel-
gewebe auftritt , welches Gewebe dann auch eine Strecke weit in die
häutigen Bogen hinein sich entwickelt. So entstehen wie aus Einem
Gusse geformte zahlreiche Anlagen knorpeliger Wirbelkörper mit dazu
gehörenden knorpeligen Wirbelbogen, welche letzteren jedoch anfangs
an der Dorsalseite nicht vereinigt sind, sondern das Rückenmark in
grosser Breite unbedeckt lassen (Fig. 130).
Der nicht zu den knorpeligen Wirbelanlagen sich umbildende Theil
der häutigen W'irbelsäule gestaltet sich zu den Ligamenta intervertebralia
und den übrigen Wirbelbändern, doch geht die Umwandlung in diese
Tlieilo zum Theil sehr langsam vor sich, und erhält sich z. B. die ur-
sprüngliche Membrana reuniens superior noch lange Zeit als Verschluss
des Wirbelkanals. Beachtung verdient ferner, dass die Zvvischenwirbel-
bänder anfangs den knorpeligen Wirbelkörpern im Baue sehr nahe
stehen und auch später, wenn das Bindegewebe in ihnen schon ent-
schiedener auftritt , neben demselben reichliches Knorpelgewebe ent-
wickeln, Verhältnisse, die im Hinl)licke auf die Wirbelsäulen der niede-
ren Wirbelthiere nicht ohne Interesse sind.
v\'^uhXlZ M''' Ilinsicht auf die Beziehungen der knorpeligen Wirbel zu den
''w'i^b'e'in*" Urwirbeln so hat Rem.\k beim liülinclicn gefunden, dass dieselben ein-
ander nicht entsprechen. Es geht nämlich bei den Vögeln nicht einfach
jeder Urwirbel in einen knorpeligen Wirbel über, vielmehr gliedert sich
die durch Verscjimelzung der eigentlichen Urwirbel entstandene häutige
Wiibelsäiile bei ihrem L'ebergange in das Knorpelstadiiim neu in der
Entwicklung der Wirbel.
161
Art, dass die Grenzen der knorpeligen Wirbelkörper den mittleren
Regionen der früheren Urwirbel und umgekehrt entsprechen, sodass so-
mit die Ligamenta intervertebralia aus den mittleren Theilen der früheren
Urwirbel hervorgehen würden. Ganz dieselbe »Neugliederung« der
Wirbelsäule findet sich nach meinen Untersuchungen auch beim Kanin-
chen, und liisst sich daher vernmthen, dass dieselbe den
Säugethieren überhaupt und auch dem Menschen zu-
kommt.
Die Verknorpelung der Wirbelsäule beginnt beim
Menschen im Anfange des 2. Monates, und ist schon in der
6. — 7. Woche eine vollständige Säule von knorpeligen
Körpern mit dünnen häutigen Ligamenta intervertebralia '
vorhanden. Hierbei bleibt die Chorda anfänglich noch er-
halten, beginnt jedoch schon jetzt im Innern der Wirbelkör-
per zu verkümmern, während sie in den Zwischenbändern
und den angrenzenden Theilen der knorpeligen Wirbel Fig. 128.
gut entwickelt ist, so dass sie nun auf Längsschnitten das
perlschnurartige Ansehen zeigt, das die Fig 128 wiedergiebt. In den
Wirbelbogen schreitet die Verknorpelung langsam weiter, und sind in
der achten Woche die Bogen nicht mehr ausgeprägt, als die Figur 130
mi-p
Fig. 129.
Fig. i28. Senkrechter frontaler Längsschnitt durch einige Brustwirbel eines 8
Wochen alten menschlichen Embryo in der Gegend der Chordareste, vergrössert.
i' knorpeliger Wirbelkörper ; li Ligamentum intervertebrale ; ch Anschwellung der
Chorda zwischen zwei Wirbeln.
Fig. 129. Sagittaler Längsschnitt durch 4 Lendenwirbel eines 16 Tage alten
Kaninchenembryo, 26 mal vergr. a Aorta abdominalis , ai Arteriae interveriehrales,
V knorpelige Wirbelkörper, li Lig. intervertebralia mit den Chordaverbreiterungen,
ch dünne Theile der Chorda, msp Medulla spinaUs , s w submedullares gallertiges
Gewebe, prv praevertebrale Bindesubstanz.
Kölliker, Grnndriss. /{/[
Kreuzbein.
1(32 hiitw ickluiii^ des kiiochensysteins.
zeigt , so dass das Rückenmark und die zwei Reihen Spinalganglien
neben demselben um diese Zeit einfach von der Membrana reuniens
superior bedeckt sind, welche als direcle Fortsetzung des Perichondrium
der Wirbelbogen erscheint. Im 3. Älonate wachsen die knorpeligen
Bogen, die dem Gesagten zufolge mit dem Wirbelkörper stets Ein Stück
ausmachen, weiter gegen die obere Mittellinie, doch ist auch um diese
Zeit der Wirbelkanal in der Lumbal- und Sacralgegend und ebenso in
der Halsgegend noch ziemlich weit offen 'Fig. 130 , während am Rücken
die Bogen schon zur Berührung gekommen sind.
Im vierten Monate kommt dann die vollkommene Vereinigung der
Bogen zu Stande, und ist um diese Zeit der knorpelige Wirbel, dessen
Ossification freilich schon begonnen
hat, vollkommen ausgebildet und im
Wesentlichen mit allen den Thcilen
versehen, die der spätere knöcherne
Wirl)el besitzt.
Nach dem eben dargelegten Plane
nun entwickelt sich beim Menschen
steissbein. "' tüe grosse Mehrzahl der W'irbel. Eine
Fig- 130. Ausnahme bilden die Steissbein-
w i r b e 1-, deren Maximalzahl , wenn
das Sacrum mit dem 29. Wirbel endigt, nach E. Rosenbeug 6 beträgt,
indem bei denselben die Bogentheile entweder gar nicht oder nur sehr
unvollkommen sich ausbilden. Dagegen enthalten die WMrbelkörper,
mit Ausnahme des 35. Wirbels (Rosemjerg) , wenn sie ausgebildet sind,
in ihrem Innern, ebenso wie die andern W'irbelkörper, anfangs noch die
Chorda dorsalis. Eigenthümlich ist dagegen wiederum den Steissbein-
wirl)eln, dass die letzten derselben (der 33. — 35. Wirbel) im knorpeligen
Zustande mit den Seitentheilen untereinander verschmelzen können
(E. RosE.NBERG , wclclic Vcrschmclzung bei den Sacralwirbeln im knor-
peligen Zustande typisch vorkommt und in der Regel 5 Wirbel (den
25. — 29.) betrifft, aber bis zum 30. und 31. reichen kann (E. Rosen-
BERGj .
AUas. Der Arcus anterior des Atlas entsteht zwar nach Art eines knorpe-
ligen Wirbelkörpers und entwickelt aus sich die Bogen, doch hat Ratiike
gezeigt (Nr. 14), dass der Aliaskörper im Zahne des Epislropheus zu
suchen ist, eine Annahme, die eine weitere Bestätigung darin fand,
dass Rathke bei den Schildkröten die Chorda auch im Os odontoideum
Fig. 130. Querschnitt durch einen Brustwirbel und 2 Rippenköpfchen eines
8 Wochen allen menschlichen Embryo, vcigrossert. eh Chorda, cv knorpeliger Wir-
belkörper, pr Querfortsalz, a Wirbelbogen, t Rippe.
Eiitwicklunj^ der NViibel. I(j3
und \n\ Lüjamentum Suspensorium dentis nachwies, was zuerst H. Müller
für die Säugelhiere und den Menschen bestätigte.
Die Verknöcheruug der Wirbeisäule l>eginnt am Ende des zweiten Verknocherung
Monates, und zwar ossificiren die Wirbel im Allgemeinen von drei Punk- Wirbelsäule.
ten aus . je Einem in den Bogen und Einem im Körper, von denen die
ersteren früher entstehen in der 7. Woche als der letztere. Der letztere
Knochenpunkt bildet sich in den letzten Rückenwirbeln zuerst , um von
da nach beiden Seiten fortzuschreiten, und tritt in der Nähe der Chorda
dorsalis und zwar erst hinter derselben auf (Robi.n um dann bald die
Chorda zu umschliessen. Gleichzeitig mit diesem Ossificationspunkte,
der nach Schwegel aus zwei getrennten Brücken sich entwickelt . die
erst am Ende der Fötalperiode verschmelzen, bemerkt man auch Blut-
gefässe im Knorpel, welche vom Perichondrium aus eindringen und sich
schon vor der Verknöcherung zu bilden scheinen. Sehr bald wird nun
durch den grösser werdenden Ossificationspunkt die Chorda ganz ver-
drängt, so dass man im Innern der Wirbelkörper später nichts mehr als
einen Kalk- oder Knochenpunkt oder durch Auflösung von jungem
Knochengewebe gebildete Markräume findet.
Aehnliche Knochenpunkte t^reten früher als in den Wirbelkörpern
in den Bogen auf und zwar an der Stelle, wo der Bogen mit dem Körper
zusammenhängt, und von diesen drei Knochenpunkten aus entwickelt
sich dann die Hauptmasse des Wirbels. Ziemlich rasch wuchern näm-
lich diese Ossificationspunkte weiter , erreichen im vierten oder fünften
Monate die Oberfläche des Knorpels und kommen auch einander immer
näher. So entstehen schliesslich knöcherne Wirbel , w eiche aus drei
Stücken zusammengesetzt sind , einem Körper , der etwas kleiner ist als
das. was in der Osteologie Wirbelkörper heisst, und zwei Bogenstücken,
welche ausser den Quer- und Gelenkfortsätzen auch die Seitenlheile der
Wirbelköi*per bilden , die die Rippengelenkflächen tragen. Bogen und
Körper sind durch dünne Knorpelplatten verbunden und zwischen den
Bogen selbst befindet sich eine dickere Knorpelmasse , w eiche nach und
nach in einen knorpeligen Dorn ausw^ächst. Dieser mittlere Knorpel der
Bogen ist in der primitiven Anlage der Wirbel nicht mit enthalten und
entsteht nicht durch histologische Umwandlung der Membrana reuniens
superior in Knorpel , sondern durch Wachsthum und spätere Verschmel-
zung der ursprünglichen knorpeligen Bogenhälften. — Die Vereinigung
der drei Theile des knöchernen Wirbels beginnt an den Bogen während
des ersten Lebensjahres, so dass man im zweiten Jahre die knöchernen
Bogen in der Bildung begriffen findet. Etwas später, zwischen dem
dritten und achten Jahre, vereinigt sich dann auch der Körper mit dem
Bogen.
1 1 *
1(34 Entwicklung tlcs Knochensysteras.
Atfif^Jud" Ep^^ ^ '® ^®' ^^^^ ersten Bildung so verhalten sich der Atlas und der
stropheus. Epistropheus auch bei der Verknöcherung abweichend. Der Atlas ver-
knöchert von drei Punkten aus , von denen zwei die Stelle der Bogen
einnehmen und ebenso früh wie bei den andern Wirbeln entstehen,
der dritte im ersten Jahre im Arcus anterior auftritt und einem Theile
lies Wirbelkörperkernes der anderen Wirbel gleichwerthig erachtet
werden darf. Die knöchernen Bogen vereinen sich im 3. Jahre, und bildet
sich vorher manchmal ein besonderer Kern im Dorne. Ihre Verschmel-
zung mit dem vorderen Stücke fällt dasesen ins 5. bis 6. Jahr. Der
Epistropheus hat die drei Kerne der anderen Wirbel und ausser-
dem noch einen vierten im Zahne, der den Haupttheil des Wirbelkörpers
des Atlas darstellt. Die Kerne im Körper und im Zahne entstehen im
i. und 5. Fötalmonate und verschmelzen erst im 6. und 7. Jahre voll-
ständig auch im Innern, wobei es zur Bildung einer unvollkommenen
Ossification im Zwischenknorpel kommen kann, welche, wie ein ähn-
licher nicht beständiger Kern in der bis zum 6. Jahre knorpelig bleiben-
den Spitze des Zahnes , den Epiphysenplatten der anderen Wirbel sich
vergleichen lassen.
ossacrum. Das Kreuzbeiu entwickelt sich aus 5 Wirbeln, welche alle aus
denselben drei Stücken hervorgehen, wie die übrigen Wirbel, zu denen
dann bei den ersten 3 oder Quaix, Gege>balr) 4 Wirbeln im 6. — 8.
Fötalmonate noch accessorische, Rippen homologe Stücke hinzukommen,
die am vorderen Theile des seitlichen breiten Anhanges ihren Sitz haben.
Die Vereinigung der 3 Haupttheile dieser Wirbel findet von unten nach
oben fortschreitend im 2. — 6. Jahre statt und etwas später die der seit-
lichen Kerne der oberen Wirbel , von denen ebenfalls die unteren am
frühesten verschmelzen.
Die Verschmelzung aller Kreuzbeinwirbel untereinander, die an-
fangs durch dünne Ligamenta intervertehralia geschieden sind , beginnt
im 18. Jahre von unten nach oben fortschreitend, so dass die Vereinigung
der ersten zwei Wirbel meist erst nach dem 25. Jahre statt hat. Vorher
erhalten jedoch alle Kreuzbeinwirbel nach der Pubertät knöcherne Epi-
physenscheiben wie die anderen Wirbel , zu welchen Knochenkernen
sich dann noch im 18. — 20. Jahre je zwei seitliche Platten, eine obere
an der Superficies auricularis und eine untere neben den zwei letzten
Wirbeln gesellen, die um das 25. Jahr mit dem Hauptknochen sich ver-
binden.
os coceyi/is. Von den 4 typischen S t e i s s bo i ii w i r b o 1 n hat joder einen Kno-
chenkern, der im ersten Wirbel meist noch vor der Geburt, im zweiten
zwischen dorn o. und 10. Jahre, im dritten etwas früher und im vierten
nach der Puherliit entsteht. Die Verschmelzung der drei unteren Wirbel
Rippen, Brustbein. 165
untereinander fällt in das 3. oder 4. Decennium und die Verbindung
dieser mit dem ersten Wirbel und dem Sucnim in noch spatere
Zeiten.
Zu den drei Knochenpunklen nun , welche die Hauptmasse der Kn"chlnpnnkte
Wirbel darstellen, gesellen sich in spiiteren Jahren noch viele a c c e s s o- ^^"^ wirbei.
rische. Dieselben finden sich 1) an den Spitzen aller Dorn fortsetze.
2 an den Spitzen aller Querfortsätze , in beiden Fällen einfach oder
doppelt , 3 an den Processus rymmmiUares der Lendenwirbel , 4 ver-
einzelt an den Gelenkfortsätzen , 5 als Rippen homologe Theile an den
vorderen Schenkeln der Querforlsätze der Halswirbel in einzelnen Fäl-
len und zwar vor Allem am 7.. aber auch am 2., 5. und 6. Wirbel, und
6; an den Endflächen der Wirbelkörper in Gestalt der sogenannten
Epi phy s enpl atten. Alle diese Kerne erscheinen im Allgemeinen
spät, vom 8. bis zum 15. Jahre nach Schwegel (1. i. c). und verschmelzen
erst um das 2lo. Jahr bei der Vollendung des Wachsthums mit der Haupt-
masse der Wirbel.
Nun noch einise Bemerkungen über die Liqamenta intervertehralia. Ligamenta jnUr-
Während in den Körpern der Wirbel die Chorda sehr früh verschwin- chordareste
' derseiDen.
det. sobald die Ossificationspunkte auftreten, findet sich in AenLig. inter-
vertehralia gerade das Gegentheil. Wie oben bemerkt wurde, ist
schon im zweiten Monate die Chorda in den Zwischenwirbelbändern
stärker entwickelt, und bei weiterer Verfolgung zeigt sich, dass dieser
Chordarest mit der Wirbelsäule fortwuchert und den Haupttheil der
späteren Pulpa der Lig. intervertehralia bildet und noch beim Erwachse-
nen vorhanden ist.
Aber nicht nur in den Lig. intervertehralia , sondern auch in den
knorpeligen Theilen der Wirbelsäule erhält sich die Chorda lange, und
zeigen die lange knorpelig bleibenden Theile. wie das Steissbein, der
Zahn des Drehers und die Schädelbasis, noch bei der Geburt und darüber
hinaus Chordareste.
Ich wende mich nun zur Entwicklung der Rippen und des Brust-
beins.
Die Rippen sind Produkte der Urwirbel oder der primitiven hau- Kippen.
tigen Wirbelsäule, welche, wie bereits früher angegeben wurde, in noch
weichem Z4.istande gleichzeitig mit der Muskelplatte und den Spinal-
nerven , von denen die erstere ebenfalls aus den Urwirbeln sich ent-
wickelt, in die ursprüngliche Bauchwand hineinwachsen. Gleichzeitig
mit den Wirbeln verknorpeln im 2. Monate auch diese Fortsätze der
Axe und entstehen die Anlagen der knorpeligen Rippen , welche jedoch
von Anfang an von den Wirbeln abgegliedert und durch eine weiche
1 (j(J KiHw hkluiiL: lies Kiiocliens\steins.
Bandmjisse mit denselben verbunden sind, welche nichts anderes als ein
Ueberrest des Blastems der häutigen Wirbelfortsätze ist. Die knorpe-
ligen Rippenanlagen sind kurze Stäbchen, welche in dem hinteren Theile
der seillichen Leibeswandungen ihre Lage haben und, einmal gebildet,
langsam in der ursprünglichen Bauchwand oder der Membrana reuniens
inferior immer weiter gegen die vordere Mittellinie zu wachsen, wobei
die oberen Rippen nach Rathke's Schilderung (Müller's Arch. 1838
S. 365) beim Schweine ein merkwürdiges Verhalten zeigen. Es ver-
einigen sich nämlich die 7 Rippen einer Seite, bevor sie die vordere
Bruslgegend erreicht haben , mit ihren vorderen Enden alle miteinander
zur Darstellung eines längliehen Knorpelslreifens, und diese zwei
Streifen sind nichts- anderes als die beiden Brustbeinhälften , die erst
später zur Vereinigung kommen. Die ganze Masse der sieben Rippen mit
der sie \ereinenden Knorpelplatte wuchert nämlich immer weiter in
der ursprünglichen Bauchwand gegen die vordere Mittellinie zu, bis
endlich die Brustbeinhälften zur Vereinigung gelangen, welche zunächst
oben zu Stande kommt und von hier aus nach unten fortschreitet . so
dass zuletzt alle I 4 Rippen durch eine einzige Knorpelplatte miteinander
zusammenhängen und das knorpelige Brustbein angelegt ist, welches
dann nachträglich noch seinen Processus ensiformis entwickelt. Diese
Entwicklungsweise des Brustbeins, die Rathke auch beim Hühnchen
auffand, erklärt jene bekannten Missbildungen, welche man mit dem'
Namen der Brust h) einspalten [Fissurae sterni) bezeichnet. Es sind
dies Fälle, in denen die Brustbeinhälften nicht ganz zur Vereinigung ge-
langen, sondern grössere oder kleinere Lücken als Ueberreste der ur-
sprünglichen grossen Lücke zwischen den Rippen vorkommen und in
der Mitte der Brust nur die Haut als Bedeckung sich findet.
Nach den Untersuchungen von E. Rosenberg (1. c.) entwickeln beim
menschlichen Embryo auch die Lendenwirbel knorpelige Rippenrudi-
mente, die später mit dem Querfortsatze verschmelzen und in den vor-
deren Theil desselh)en übergehen. Die beim Menschen nicht selten vor-
kommende 13. Rippe am 20. Wirbel ist eine weitere Entwicklung der
ersten dieser Lumbairippen.
OsBiflcation des Die Verknöchcrung des knorpeligen Brustbeines beginnt ziemlich
IirugtbeiD8. o 1 .-3 ö
spät, d. h. vom 6. Fötalmonate an, indem sich meist Ein Knochenpunkt
im Manubrium , eine gewisse wechselnde Zahl von solchen (4 — 13 nach
ScHWEGEL , die häufig paarweise in 3 — 4 Querreihen stehen, im Körper
und dann gewöhnlich noch ein Punkt im späteren Processus ensiformis
bildet. Später beim reifen Embryo und im ersten Jahre verschmelzen
die einzelnen Punkte des Körpers zu drei bis vier grösseren Stücken,
welche vom 4. .lahre an auch noch von unten nach oben so miteinander
Primordialschädel. 167
sich verbinden, dass der Knochen nur noch die bekannten drei Stücke
zeiiit, deren weitere Verhältnisse uns nicht berühren.
Die Rippen verknöchern sehr früh, schon im zweiten Monate, jede Ossification der
' ' ' '' Rippen.
mit Einem Knochenkerne , der sich rasch nach beiden Seiten ausbreitet,
so dass dieselben schon im dritten Monate eine erhebliche Länge haben.
Wie andere Röhrenknochen wachsen dann die Rippen theils auf
Kosten des Knorpelrestes — von dem übrigens ein Theil zu den bleiben-
ilen Rippenknorpeln sich gestaltet — theils vom Perichondrium aus
weiter, bis endlich in später Zeit (vom 8. — 14. Jahre nach Schwegel)
in den Knorpeln der Köpfchen und Höcker Epiphysenkerne sich bilden,
die zwischen dem !i. — 18. — 25. Jahre mit der Diaphyse verschmelzen.
§ 22.
Entwicklung des Schädels , häutiges und knorpeliges Primordial-
cranium. Chorda im Schädel.
Der Schädel durchläuft wie die Wirbelsäule drei Zustände , den
häutigen, knorpeligen und knöchernen, von denen wir die
l>eiden ersten, mit einem von Jacobsox zuerst gebrauchten Namen, die
Primordialschädel heissen. Ferner ist hervorzuheben, dass auch der
Schädel in erster Linie aus einem Rlastem hervorgeht , welches zu den
Seiten und am vorderen Ende der Chorda sich findet, oder, um mit den
Worten der neueren Entwicklungsgeschichte zu reden, aus den Urwirbel-
platten des Kopfes unter Mitbetheiligung der Chorda sich entwickelt.
Retrachten wir nun zunächst die Art und Weise der Entwicklung Hantiger Primor-
■- dialschädel.
des häutigen Primordialschädels, so finden wir, dass derselbe, wie be-
reits in den früheren §§7,8 und 16 vom Hühnchen und Kaninchen
dargestellt wurde , aus den vordersten Theilen der Urwirbelplatten des
Mesoderma sich hervorbildet . welche im Rereiche des Kopfes bei den
höheren Wirbelthieren niemals in Urwirbel zerfallen , und auch nie von
den Seitenplatten sich trennen. An diesen Urwirbelplatten des
Kopfes oder den Kopfplatten hat man, von ihrem ersten Auftreten
an. zwei Abschnitte zu unterscheiden: einen hinteren Abschnitt, der,
ebenso wie die Anlage der Wirbelsäule , noch die Chorda enthält, und
einen vorderen Theil, in welchem das Mesoderma im Rereiche der Stamm-
zone, ohne in Chorda und Urwirbelplatten zerfallen zu sein , eine zu-
sammenhängende Platte darstellt.
Die Art und Weise w ie der chordafreie Abschnitt der Kopfplatten
die Schädelanlage bildet, wird aus Fig. 131 ersichtlich. Anfänglich ganz
16S
EntNvieklung des Knochensystems.
Uach ausgebreitet, nimmt derselbe im Zusammenhange mit der Bildung
der Rückenfurehe am Kopfe eine rinnenfönuig vertiefte Gestalt an und
entwickelt zugleich an seinem Rande dorsalwärts eine Leiste , welche
allmälia sesen die dorsale Mittellinie herauf wuchert und noch vor der
C" ö C
Fi2. 131.
Schliessung des Gehirns (Fig. 131) eine ansehnliche -Entwicklung ge-.
winnt. Ist einmal das Gehirn geschlossen, so wächst diese Leiste, die
der oberen medialen Kante der Urwirbel entspricht und Membrana
reuniens des Kopfes genannt werden kann, rasch um das Hirnrohr herum
und bildet l)ereits am 3. Tage eine vollständige häutige Kapsel um das
Gehirn, wie die Figur 176 von einem K<ininchen von 10 Tagen dies
darstellt.
Im chordahaltigen Abschnitte des Schädels sind die Verhältnisse
wesentlich dieselben. In denFigg. 103 und 37 ist dieser Theil des Schädels
mit weit offenem und fast geschlossenem Medullarrohre dargestellt und
die Fig. 31 giebt ein Bild mit geschlossenem Medullarrohre. Auch in
dieser Gegend wird das Gehirn rasch von den Kopfplatten umwachsen,
Fig. 131. Qucrsclinilt durch den vordersten Theil eines Hübnerembryo von
28 Stunden gerade durch den Rand der vorderen Darmpforte Nr. XX b). Vergr.
lOOmal. vh weit klafTende Ränder des Vordertiirns (offene Rückenfurche des Kopfes,;
h Hornblatt seitlich am Kopfe; kp mittleres Keimblatt oder Kopfplatten (Urwirbel-
platten des Kopfes) seitlich am Medullarrohre; kp' dieselben unter dem Hirn an der
Schädelbasis ohne Chorda; ph mittlerer spaltenförmigcr Theil des Vorderdarmes
(Pharynx) ; ph' seitlicher weiterer Theil; dfp vordere Schlundwand oder Darmfaser-
platte des Schlundes fSchlundplatte) ; e Schlundcpithcl ; cd, mes, ent die drei Keim-
blätter in der Area opaca neben dem Kopfe.
Primordialschädel.
169
ausserdem aber treten diesell)en liier auch in besondere Beziehungen zur
Chorda, die wesentlich die nämlichen sind, wie sie am Rumpfe zwischen
vuf
Fie. 133.
Fig. 132. Längsschnitt durch denKopftheil eines 38 Stunden alten Hühnerembryo
neben der Mittellinie und z. Th. in derselben. Vergr. 69mal. uiv erster Urwirbel ;
uw urwirbelähnliches Segment hinter der Gehörgrube g; uw" urwirbelähnlicher
Körper vor der Gehörgrube, der von einem Ganglion und zwei Nerven gebildet wird
(G. Gasseri?); cA Chorda; nir MeduUarrohr ; vd vorderes Ende des Vorderdarmes
(Schlund); vd' vordere Darmpforte, Eingang in den eigentlichen Vorderdarm ; enl
Entoderma des Vorderdarmes, übergehend in enl' das Entoderma der Kopfkappe
kk, an der hier keine Lage des mittleren Keimblattes vorhanden ist; eci Ectoderma
am Kopfe in ra/'die vordere Amnionfalte übergehend, die nur aus dem Hornblatte
besteht; p/i Parietalhöhle (Halshöhle), die das Herz enthält; 6a vordere und hin-
tere Begrenzung des Bulbus aortae ; k Herzkammer zweimal angeschnitten; dfp
Darmfaserplatte des Vorderdarmes; dfp' Darmfaserplatte der vorderen (unteren)
Wand der Parietalhöhle.
Fig. 133. Längsschnitt durch Kopf und Herz eines Kaninchenembryo von 9 Tagen
und 2 Stunden, ph Schlund; vd vordere Darmpforte ; r Rachenhaut ; p Parietal-
17U Entwicklung des knochensystenis.
Chorda und Unvirbel bestehen. Anfänglieh liegt die Chorda frei zwi-
schen den verschmälerten medialen Rändern der Kopfplatten , einerseits
an das Entoderma des Vorderdarmes, andererseits an die Medullarplatte
angrenzend. Bald aber wird die Chorda erst an der unteren Seite
(Fig. 30) und dann auch an der oberen Seite von den Kopfplatten um-
wachsen (Fig. 104) und dann ist die Anlage auch dieses Theiles des
Schädels im häutigen Zustande vollendet.
Die weiteren Veränderungen des häutigen Schädels betreffen in
ei-ster Linie den vordersten chordafreien Abschnitt desselben , der zu-
gleich mit dem Auftreten der Schädelkrümmungen nach und nach immer
mehr an Masse zunimmt und schliesslich zu dem ganzen Theile sich ge-
staltet, der dem vorderen Keilbeine und der Nasengegend entspricht,
welchen wir von nun an als Spheno-ethmoidaltheil oder als
praechordalen oder Gegexbaur) p r a e v e r t e b r a 1 e n Abschnitt be-
zeichnen wollen.
Um die hierbei stattfindenden Vorgänge richtig würdigen zu können,
werfen wir in erster Linie einen Blick auf die Fig. 132. In diesem Zeit-
punkte ist der Kopf noch fast ganz gerade und besteht so zu sagen nur
aus dem chordaführenden Abschnitte, der von dem Punkte i< t^' hinter
den Gehörgruben g, allwo der Kopf beginnt, bis zu einem Punkte in der
Höhe der Buchstaben ect unmittelbar vor dem blinden Ende des Vorder-
darmes sich erstreckt, während der chordafreie Theif des Schädels nur-
durch die kurze Gegend dargestellt wird, die in der Höhe der Buchstaben
kk liegt. Auch nachdem die Kopfkrümmung begonnen hat , ändert sich
dieses Verhältniss anfänglich noch nicht, wie die Fig. 133 darthut, in
welcher das dem Buchstaben h entsprechende Stück der Schädelbasis
den ganzen späteren Spheno-ethmoidaltheil darstellt, doch zeigt diese
Figur eine andere wichtige Umgestaltung gegen früher, nämlich die
Bildung einer Leiste an der inneren Fläche der Schädelbasis bei m s,
welchen sogenannten mittleren Schädelbalken Rathke's ich als
den vorderen Schädelbalken oder die primitive Sattel-
lehne bezeichnen will.
Während nun der Kopf immer mehr sich krümmt und zugleich der
vorderste Theil desselben, entsprechend der mächtigen Vergrösserung
liühle; hk vordere Wand derselben (Herzkappe, Remak), aus dem Entoderma und der
Darmfaserplatte bestehend; o Vorhof; v Kammer; b a Bulbus aorlae ; /cfc Kopfkappe,
aus dem Entoderma allein bestehend; fc* Kopfscheide des Amnion, aus dem Ecto-
derma allein bestehend; mr Medullarrohr; r/i Vorderhirn ; wA Mittelhirn; A/i Hin-
terhirn; s Schciteihöcker; ms mittlerer Schüdelbalken Rathke's; cä vorderstes Ende
der Chorda, an das Ectoderma anstossend; h leichte Einbiegung des Ectoderma, aus
welcher später die Ilypopliysis sich bildet.
Primorflialschädel.
171
des Vorderhirns und Zwisclienliirns oder der früheren ersten Hirnblase,
ansehnlich zunimmt, wächst auch der Spheno-ethmoidallheil rasch und
gestaltet sich je länger je mehr zu einem ansehnlichen Abschnitte des
Schädels. Ein solches Zwischensladium zeigt die Figur 134 , in welcher
Alles, was vor dem Buchstaben p gelegen
ist, den vergrösserten Spheno-ethmoidal-
theil darstellt. Zugleich ergiebt diese Fi-
gur, dass. gleichzeitig mit der Ausdehnung
der Schädelbasis nach vorn , auch der vor-
dere Schädelbalken t mächtig sich er-
hebt , während zugleich noch andere Fort-
sätze an der inneren Oberfläche des Schä-
dels dazutreten, die die Schädelhöhle in
Unterabtheilungen für die einzelnen Ab-
schnitte des Gehirns sondern
Spheno-ethmoidaltheil noch sehr dünn und auch mit dem Spheno-occipi-
taltheil der Schädelbasis scheinbar ausser aller Verbindung , was daher
rührt . dass um diese Zeit eine Ausstülpung der Schlundhöhle (bei p)
durch die Schädelbasis statt hat. welche zur Bildung eines Theiles der
Hypophysis in Beziehung steht. Doch sind diese Verhältnisse nur von
kurzer Dauer, indem die Lücke in dev Basis cranii rasch sich schliesst
und der vor derselben seleeene Theil bald mächtig sich
verdickt und auch, beim Menschen langsamer, bei Thieren
rascher, sich verlängert. Die Fig. 135 zeigt von einem 8
Wochen alten menschlichen Embryo den Spheno ethmoidal-
theil bereits recht sut entwickelt und in ununterbrochener Fis. 133.
Fie. 134.
In diesem Stadium ist nun übrigens der
Fig. 134. Schädel eines vier Wochen alten menschlichen Embryo, senkrecht
durchschnitten, von innen und vergrössert dargestellt, a unbestimmt durchschim-
merndes Auge; no hohler platter Nervus opticus; v, s, m, h, n Gruben der Schädel-
höhie, die das Vorderhirn, Zwischenhirn. Mittelhirn, Hinterhirn und Nachhirn
enthalten: t mittlerer Schädelbalken oder vorderer Theil des Tentorium cerebelli ;
t' seitlicher und hinterer Theil des Tentorium, jetzt noch zwischen Mittelhirn und
Zwischenhirn gelegen ; j) Ausstülpung der Schlundhöhle, die Rathke zuerst milder
Bildung der Hypophysis in Zusammenhang gebracht hat; o primitives Gehörbläschen
mit einem oberen spitzen Anhange durchschimmernd.
Fig. 135. Senkrechter Durchschnitt durch den Schädel eines acht Wochen alten
menschlichen Embryo in natürlicher Grösse. Die Schädelbasis erhebt sich in der
Gegend der späteren Sattellehne in einen grossen, mittleren, am Ursprünge in:i Innern
knorpeligen, sonst häutigen Fortsatz, welcher der mittlere Schädelbalken Rathke's
ist. Von diesem zieht sich bis zu 2 eine Falte der harten Hirnhaut, das Tentorium ce-
rebeUi, zu dem auch der häutige Theil des erwähnten Fortsatzes gehört. Die kleine
Grube vor dem Tentorium unmittelbar über dem Fortsatze ist für das Mittelhirn
(Vierhügel;, die grössere Grube zwischen 2 und 3 für das Cerebellum. Bei 3 ist eine
172
Entwickluut; dos Knochensvsteins.
Verbindung mit dem hinleren Theile der Schädelbasis, an welcher ausser
dem slark. entwickelten vorderen Schädelbalkeu noch ein von mir vor
Jahren schon beschriebener hinlerer Forlsatz (4) sichtbar ist, den ich
den hinteren Schädelbalkeu nenne. Noch deutlicher sind diese
Verhältnisse an dem Schädel eines
Thieres (Fig. 136), bei welchem nun
freilich derEthmoidaltheil der Basis
deutlich als Schnauze vortritt.
Der im Vorigen beschriebene
Schädel mit Ausnahme der zwei
zuletzt geschilderten Cranien ist
nichts anderes als das sogenannte
häutige Primordialcranium , doch
ist zu betonen, dass eigentlich
nur ein Theil desselben zur Bil-
dung des späteren Schädels ver-
wendet wird. Abgesehen nämlich
^ von einer Schicht, die zu den
Kig. 136. äusseren Bedeckungen und den
Deckknochen des späteren knö-
chernen Schädels sich gestaltet und jetzt noch nicht deutlich unterscheid-
bar ist, enthält das häutige Cranium auch die Anlagen aller Hirnhäute'
in sich, und sind namentlich die an demselben beschriebenen Fortsätze
nach innen nichts als vergängliche oder bleibende Theile der Dura und
Falte der Hirnhaut, die zwischen Cerebellum \ix\A MeduUa oblongata sich einsenkt,
für welche letztere die Grube hinter dieser Falte bei 4 bestimmt ist. In diese erhebt
sich noch eine kleine Kante der Basis, die unmittelbar hinter dem Pons liegt' und
dem hintersten Tlipile der Schädelbasis entspricht. Der grössere Raum der Schadel-
hühle vor dem gro.'^sen Basilarfortsatze wird nochmals durch eine seitliche Hirnhaul-
falte bei i in zwei Räume geschieden, von denen der vordere das grosse Hirn, der
hintere den Sehhügel mit den entsprechenden Basaltheilen [Tuher cinereum, Hypophy-
sis etc.) enthält. Der vorderste höhere Theil der Schädelbasis ist das Siebbein und
der Nasentheil derselben. — Zur bessern Orientirung vergleiche man die spätere
Zeichnung des Gehirns eines Embryo aus dem 3. Monate.
Fig. 136. Kopf eines Srhafembryo von 3,6 cm Länge (Kopflänge 1,46 cm) sagittal
in der .Medianebene durchschnitten, 3mal vergr. u L'nlerkiefer ; z Zunge; 5 Septum
narium; ob Occipitale basilare ; tho Thalamus opticus ; r < Decke des Ventriculus ter-
tius ; cp Commissura posterior; mh Mittelhirn mit einer zufällig entstandenen Falte;
m* der" mittlere Schädelbalken v. Rathke (vorderer Schädelbalken ich) ; hs hin-
terer Schädclbalken ; f Falx cerebri; f Schlussplatte des "Vorderhirns; fm in der
Verlängerung dieser Linie das Foramen Monroi, von welchem aus eine Rinne rück-
wärts und abwärts zum Sehnerven zieht, der hohl ist. ( Tentorium cerebelli ; cl
Cerebellum; pl Plexus chorioideus venlriculi IV.
Primordialschädel. 173
Pia mater. Auch kann man schon in diesem Stadium an vielen Stellen
den Anlheil der einen und der anderen Bildungen ganz deutlich unter-
scheiden, vor allem an der Schädelbasis, wo die Meninx vasculosa durch
eine kolossale Entwickelung sich auszeichnet. Der vordere und der hin-
tere Schädelbalken bestehen in ihrer ganzen Dicke aus einem lockeren
gefässreichen Gallertgevsebe , das später fast ganz Pia mater wird, und
ein ähnliches Gewebe zieht sich auch von einem Balken zum andern
längs der Schädelbasis hin und erstreckt sich a])wärls vom hinteren Bal-
ken bei Säugethieren längs der ganzen hinleren Fläche der Wirbelsäule
herab (Fig. -129 sm). In diesem Gallertgewebe der Schädelbasis verläuft
die Arteria basilaris und ihre Aeste, und hebe ich besonders hervor, dass
dieses Gefäss den vorderen Schädelbalken in seiner ganzen Höhe durch-
läuft und erst an dessen oberem Rande in seine Aeste sich theilt.
Sieht man von diesen Theilen ab, die zu den Hirnhäuten und zur
äusseren Haut sich gestalten, so bleibt als häutiges Cranium immer
noch eine ganz geschlossene Kapsel übrig, die, abgesehen von den
Durchtrittsstellen der Nerven und Gefässe, nur an Einer Stelle eine vor-
übergehende Unterbrechung oder Lücke zeigt , da nämlich , wo der vor-
dere Lappen des Hirnanhanges als eine Ausstülpung aus der Schlund-
höhle sich bildet, welche Gegend der späteren Sella turcica entspricht.
Es schliesst sich jedoch auch diese Gegend bald wieder, und kann daher
nur vorübergehend von einer ünvoUständigkeit des häutigen Cranium
die Rede sein. Ebenso wenig wie diese erste Schädelanlage erhebliche
Lücken darbietet, zeigt sie auch auffallende Verschiedenheiten mit Hin-
sicht auf die Dicke ihrer einzelnen Gegenden mit Ausnahme dessen, dass
der Spheno-occipitaltheil der Basis der dickste Theil des Ganzen ist , in
welcher Beziehung jedoch auch noch zu bemerken ist , dass im Anfange
in keiner Weise sich unterscheiden lässt,-wie viel auf Rechnung der
Hirnhäute, wie viel auf die eigentliche Anlage des Schädels kommt.
DieVerknorpelune des Schädels besinnt beim Menschen im zweiten verküorpeiung:
' "- '-' des Schädels.
Monate und führt bald einen bedeutenden Theil des häutigen Cranium
in einen festeren Zustand über, während der übrige Theil häutig bleibt
(Fig. 137). Zu diesem letzteren gehört das ganze Schädeldach und ein
erheblicher Theil der Seitentheile, während die Basis fast ganz knorpelig
wird. Genauer bezeichnet, ist ganz und gar knorpelig das spätere Hinter-
hauptsbein , die Pars petrosa und mastoidea des Felsenbeins, das Keil-
bein mit den grossen und kleinen Flügeln, das Siebbein und die äussere
Nase, doch verdienen folgende Punkte als von den Verhältnissen der
späteren Zeit abweichend besondere Erwähnung. Erstens ist, gewisse
kleine Knorpel am untern Rande des Septian narium ausgenommen (s.
unten) , die ganze Knorpelmasse zusammenhängend und wie aus einem
174 Eulwicklung des Knochensystems.
Gusse , so dass , wenn man von gewissen Theilen der Schädelbasis ab-
sieht, die später noch berührt werden sollen, keinerlei Grenzen ent-
sprechend den späteren Trennungen der Knochen sich finden und z. B.
auch die knorpelige Nase (Septum und Nasen-
^Ä^% flügelknorpcli mit den entsprechenden Theilen
„JBbWL,-" des knorpeligen Siebbeins unmittelliar verbunden
^^^T^fc. ^f »«^^-^ ^'"^ ^^^^^^ ebenso die Cartilago petrosa mit der
"-■/^i^^BP^^^' knorpeligen Schädelbasis und den knorpeligen
■'' jj^fi^HtMÄ i'' Seitentheilen. Zweitens ist der knorpelige Schä-
fjBjjj^^^KJph del ausgedehnter als die entsprechenden gleich-
'^^^^LJP^y/ ' genannten knöchernen Theile . in welcher Be-
^^^^K^^>^ Ziehung besonders auf Folgendes aufmerksam zu
^i<j '^ . a machen ist. Einmal hängen die Labyrinthe des
Fig. 137. Siebknorpels mit den alae parvae und dem vor-
deren Keilbeine durch die Frontalplalte, Spöndli
(Orbitalplalte , Dursv) (Fig. 137/)), zusammen, so jedoch, dass zwi-
schen beiden Theilen eine Lücke, das Foramen spheno-frontale (Spöndli),
übrig bleibt. Zweitens verbreitert sich die knorpelige Pars mastoi-
clea so weit nach oben in die Parietalgegend hinein , dass füglich
von einem Parietalknorpel oder einer knorpeligen Parietalplatte ge-
sprochen werden kann '^Fig.137c). Endlich hängt diese 'Parietalplatte
auch laterahvärls von der Cartilago petrosa mit der yl/a magna und deiil
hinleren Keilbeinkörper zusammen , so dass auch eine Art rudimentärer
knorpeliger Squama temporalis hergestellt wird. Viel vollständiger als
beim Menschen sind die knorpeligen Cranien gewisser Säugethiere, wie
z.B. des Schweines und der Maus.
des^'knorpei'igen ^'*^ crste Entstehung des knorpeligen Cranium oder Chondrocranium
^crTnTum.' ^'^'^^ '^''^ bei Kaninchcnembryonen gcuau untersucht. Die Verknorpelung
beginnt am U. und 15. Tage des Fötallebens, und ist am 16. Tage der
knorpelige Primordialschädel bereits fast ganz angelegt. Das wichtigste
Ergebniss meiner Untersuchungen ist , dass die Knorpelbildung an der
gesammten Schädelbasis und den unteren Seitentheilen des Schädels,
sowie ferner im Septum narium und den Seitentheilen der Ethmoidal-
P'lg. 137. Primordialschädel eines 3 Monate alten menschlichen Embryo von
oben ; o obere Hälfte der Squama ossis occipiiis ; b untere Hälfte derselben; c knor-
pelige Parietalplatte; d Pars condyloidea ossis occipiiis ; e Pars basilaris; f Pars pe-
trosa mit dem Mealus audilorius internus; g Sattellehne, davor zwei Kerne des hintern
Keübeinkorpers ; h Kerne in den Processus clinoidei anteriores; i grösstentheils knö-
cherne .J/a maf^/ia; Je Ata parva ; t Crisla r/alli; »i Labyrinth des Siebbeins; «knor-
pelige Nase; o Knorpelstreif zwischen der Parietalplatte und dem Keilbeine ; ;) Fron-
tal[)latle odrr knori)cligor Verbindungsstreif zwischen der Al^parva und den Lamina
rrihrosa , 7 l'orrnnen opticum.
Chondrocranium. 175
und Nasenijeijend gleichzeitig beginnt , und somit das Chondrocranium
auf einmal und wie aus Einem Gusse entsteht, genau in derselben
Weise, wie auch jeder Wirbel mit einem Theile seines Bogens als ein
einheitliches Geljilde sich entwickelt. Als selbständig auftretende Bil-
dungen des Chondrocranium erscheinen der Steigbügel, der Ambos, der
Hummer mit dem MECKEL'schen Knorpel und vielleicht die Pflugschaar-
knorpel, zwei kleine Knorpel am vorderen unteren Bande des Septum
7iarium.
Das einmal angelegte knorpelige Primordialcranium wächst nicht
nur nach allen BIchtungen. sondern ändert auch seine Form, setzt neue
Theile an und verliert andere. An der Schädelbasis zeigt sich besonders
eine einfache Vergrösserung der einmal angelegten Theile , die im
Längen- und Höhenwachsthume der Nasenscheidewand und in der Ver-
grösserung der Cartilago petrosa ihren beredtesten Ausdruck findet.
Doch zeigen sich auch hier neue Theile , wie vor allem die Sattellehne,
die bei der ersten Verknorpelung kaum angelegt ist. Auffallender sind die
Veränderungen der seitlichen Knorpeltheile, von denen die Labyrinthe
des Siebbeines und die seitlichen Nasengegenden die weitgehendsten Um-
bildungen zeigen (Fig. 138, . Dieselben bestehen in lokalen Wucherungen
in Folge welcher die Muscheln entstehen und die Nebenhöhlen der Nase.
Erstere treten ganz bestimmt als lokale , in bestimmten Bichtungen vor
sich gehende Wucherungen der knorpeligen Seitenvtand der Nase auf,
mit denen die Schleimhaut stets gleichen Schritt hält. Von den Neben-
höhlen der Nase hat Dlrsy zuerst gezeigt , dass dieselben alle in erster
Linie als von Knorpel umgebene Ausbuchtungen der Schleimhaut ent-
stehen und anfangs knöcherner Hüllen ganz entbehren. So stellen die
primitiven Sinus sphenoidales anfangs nichts anderes dar als die hinter-
sten Enden der Labyrinthe des Ethmoidalknorpels und liegen einfach
neben dem knorpeligen vorderen Keilbeinkörper , ohne die geringsten
Beziehungen zu demselben zu zeigen. In derselben Weise besitzen die
Knorpelkapseln des Sinus maxillavis anfangs keine Berührungspunkte
mit dem Oberkiefer, u. s. w.
Als weitere Beispiele von Umgestaltungen des Chondrocranium hebe
ich hervor , dass in der Hinterhaupts- und Parietalgegend der Knorpel
anfangs nicht über die unteren Seitentheile hervorgeht und erst später
langsam gegen die obere Mittellinie heranwächst, so dass beim Occipi-
tale schliesslich auch eine Vereinigung der Gelenktheile durch eine
Squama cartilaginea und weiter vorn knorpelige Parietalplatten ähnlich
wie beim Schweine sich bilden. Diese letztgenannten Vorgänge erschei-
nen von besonderem Interesse . weil sie eine Uebereinstimmung des
Schädels mit den Wirbeln in der Entwickelung herstellen , welche
17G
liiilwicklung des Knochensystems.
Verhalten der
Chorda in der
Schädelbasis.
letzteren bei der ersten Knorpelanlage auch gleich mit dem Körper einen
Theil der BoiJien bilden , den Sehlusstheil dieser jedoch mit den Dornen
erst später ansetzen.
Es erübrigt nun noch das Verhalten der Chorda dorsalis in der
Schädelbasis zu schildern. Wie wir schon oben sahen, reicht die Chorda
niemals bis zum vor-
dersten Schädelende,
wie DuRSY behauptet,
endet vielmehr etwas
hinter demselben in
einer Gegend , die spä-
ter, noch vor dem Ein-
tritte der Kopfkrüm-
muna;. als dem hinter-
sten Theile des Vorder-
hirns entsprechend zu
erkennen ist. So wie
die Kopfkrümmung sich
einstellt, krümmt sich
die Chorda mit dem
ganzen Kopfe und endet , das blinde Ende des Vorderdarmes umkrei-
send, am Ectoderma der Schädelbasis unmittelbar vor der Stelle, wo
F\2. 138.
Fig. 139.
Fig. 138. Froiilalschnilt iliirch die Nasenhöhlen eines menschlichen Embryo von
5 Monaten in der Gegend des Antrum Hujhmori. Zur .Seite die Augenhöhlen , unten
die -Mundhöhle. Vergr. 4mal. crj Crisia galli; er Foramina cribrosa; cl seitliche
Nasenknorpel; es Knorpel des Sinus maxiUaris ; a Antrum Highmori; cm Concha
media; ci Concha inferior ; ms Maxilla stiperior ; s Septum carlilagineum.
Fig. 139. .Sfigiltaler Schnitt durch den hinteren Theil der Schädelbasis eines
Schweineembryo von 3,2 cm, 13,3 mal vergr. e Zahn des Epistropheus ; at Alias;
a Anschwellung der Chorda zwischen dem Körper uml dem Zahne des Epistropheus;
Verknochcrung des Schädels. 177
später die Mundöfrniina; sich bildet, und hinter dem Punkte, wo dasselbe
Eetoderma die oben schon berührte Hypophysisausslülpung bildet (Fig.
133). Die weitere Enlwickelung der Chorda in der Schädelbasis ist bei
Vögeln und Säugethieren etwas verschieden, und erwähne ich hier nur,
dass dieselbe bei den letzten Geschöpfen später eigenthüniliche Anschwel-
lungen zeigt , w ie in den Intervertebralgegenden der Wirbelsäule , und
an gewissen Stellen lange sich erhält, wie die Fig. 139 dies zum Theil
versinnlicht.
§ 23.
Verknöcherung des Schädels.
Der knoipelige Primordialschädel , dessen Entwicklung im vorigen umtiidnng des
§ geschildert wurde , wandelt sich in folgender Weise in den bleiben- deis in den wei-
den Schädel um. Erstens geht ein Theil des knorpeligen Schädels un-
mittelbar in Knochen über und zwar in derselben Weise wie überall da,
wo knorpelig vorgebildete Theile ossificiren, Bildungen, die ich die pr i-
m ä r e n oder primordialen Knochen heisse , nicht weil sie immer
früher als die anderen entstehen , sondern weil sie dem primordialen
Skelette ihren Ursprung verdanken. Zweitens erhält sich ein Theil des
Primordialcraniums im Knorpelzustande und bildet die auch beim Er-
wachsenen vorkommenden knorpeligen Theile. Drittens verschwindet ein
nicht gerade bedeutender Theil des primordialenKnorpels durch Atrophie.
Viertens endlich bilden sich an der Aussenseite des knorpelig häutigen
Cranium besondere Deck- oder Belegkno chen , wie man dieselben
nennen kann, die später z. Th. untereinander und mit denjenigen Knochen
verschmelzen, welche aus dem Primordialschädel selbst hervorgehen.
Betrachten wir zunächst die Veränderungen des eigentlichen prim- ossification des
ordialen Knorpels, so finden wir, dass aus demselben fast das ganze cmnium.
Hinterhauptsbein , das hintere und vordere Keilbein und das Siebbein
sammt den unteren Muscheln hervorgehen. Dazu kommen dann noch die
Pars petrosa und mastoidea des Felsenbeins , deren Entwicklung jedoch
erst später beim Gehörorgane vollständig besprochen werden kann.
Anmerkung, l) Das Hinterhauptsbein verknöchert im Anfange des Os occipitis.
3. Monates und zwar mit Einem Knochenpunkte in der Pars basilaris Fig. I 40 e,
b Anschwellung der Chorda im Ligam. suspetisorium dentis; c Anschwellung der
Chorda im hinteren Theile des Occipitale basilare ; c' kleine Chordalverbreiterung da-
vor ; h Hypophysis mit einer Höhle und einigen Läppchen, darunter Gefässgeflechte ;
pi Processus infundibuU des Gehirns; s Sattellehne.
Kölliker, Grundriss. 42
178 Entwicklung des Knochensystenis.
je Einem in den Partes condyloideae [d] und zwei bald verschmelzenden in
der knorpeliijen S({uama [b]. Zu diesen Knochenkernen gesellt sich dann noch
ein anderes aus zwei Kernen entstehendes Stück [a] , welches ausserhalb des
Chondrocranium als Deckknochen sich entwickelt und den oberen Theil der
Scluippe bildet. Dasselbe verschmilzt si)äter mit dem unteren primordialen
Schuppenstiicke vollständig, so jedoch , dass eine Fissur rechts und links am
Rande der Squama in der Hohe derProtuberantia externa längere Zeit hindurch
die Yereinigungsstelle andeutet und meist noch bei Neugeborenen sichtbar ist.
Die im Knorpel entstandenen vier Knochenkerne kommen in der zweiten Hälfte
des Embryonallebens unter allmäliger Verdrängung des Knorpels einander
immer näher, sind jedoch noch bei Neugeborenen durch dünne Knorpelreste
getrennt. Ihre endliche Vereinigung zu Einem Knochen beginnt im ersten oder
zweiten Jahre zwischen dem Gelenktheile und dem Schuppentheile, allwo die-
selbe von aussen nach innen (gegen das For. occipitale magnum) fortschreitet.
Später erst, im dritten und vierten Jahre, verbinden sich auch, und zwar
vom Foramen magnum aus, die Gelenktheile und die Pars basilaris , so dass
im 5. oder 6. Jahre alle Tiieile zu einem Knochen verschmolzen sind.
^^''^te'rlul'. ^''' -^ Das h i n t e r e K e i 1 b e i n , Os sphenoidale posterius, entwickelt sich im
3. Monate a) aus zwei Knochenkernen in der Gegend des Türkensattels (Fig. 137,
welche bald zu Einem Kerne verschmelzen (Figg. 140, 141), b) aus zwei seit-
lichen Punkten in der Gegend des Sulcus caroticus und der Ligula , c) zw^ei
Knochenkernen in der Ala magna (Figg. 140, 141 i), welche auch die Lamina
externa processus pterygoidei liefern . endlich d) zwei Ossificationspunkten an
der Stelle der nicht knorpelig vorgebildeten inneren Lamelle der Flügelfort-
.sätze , welche aus dem Oberkieferfortsatze des ersten Kiemenbogens hervor-
zugehen scheinen, wie dies noch später angegeben w erden soll. In der zweiten
Hälfte des Fötallebens vereinen sich 1 die innere Lamelle des Flügelfortsatzes
mit der an der Ala magna sitzenden äusseren Lamelle und 2) der Körper und
die seitlichen Kerne. Ebenso verbindet sich noch vor der Geburt das hintere
Keilbein mit dem vorderen, so dass bei Neugeborenen nur noch die Alae mag-
nae, an denen die Flügelfortsätze halten, als getrennte Stücke sich linden,
welche jedoch bereits im Laufe des ersten Jahres mit dem Reste verwachsen,
ßemerkenswerlh ist übrigens, dass bei der Geburt noch der grösste Theil der
Sallellehne knorpelig ist und dass der Knorpel auch noch über den Clivus bis
zur Synchondrosis spheno- occipitalis sich hinzieht (Vinciiow). Diese Syn-
chondrose erhält sich bei manchen Individuen zeitlebens, in der Regel je-
doch vergeht dieselbe vom 13. Jahre an von innen nach aussen, so dass bei
Vollendung des Wachslhumes das Hinterhaupts- und das Keilbein zum Grund-
beine synostosirt sind.
SpiuHoidaie an- 3) Das vordere Keilbein, O.s nphenoidalc antcrius, entsteht ebenfalls im
dritten Monate aus zwei Knoclienkernen in den Alae parvae nach aussen vom
Foramen oplicum 'Fig. I 40 z, , dazu kommen etwas später zwei Kerne im
Körper Fig. 1 iO) , welche vier Kerne nach dem 6. Monate unter einander
und vor der G(;burt auch mit dem hinteren Keilbeine verschmelzen. Nach
Viiu;no\v"s Untersuchungen ist jedoch um diese Zeil der intersphenoidale Knor-
pel noch keineswegs verschwunden, vielmehr an der unteren Seite noch in er-
lieblichem Grade erhalten und mit dem knorpeligen Roslrum sphenoidale in
Verbindung, welches seinerseits ununterbrochen mit dem knorpeligen Septum
nurium zusammeidilin.i;!, DieserTlieil der Svnchondrose vergeht auch nur lang-
Verknocheruns des Schädels.
179
sani, so dass noch im 13. Jahre Reste derselben mitten im Knochen vorkonmien
können. Die Cornua sphenoiilalia sind keine Theih; des Keilbeins, da dieselben
als Belegknochen der hintersten linden des Siebbeinlabyrinthes sich entwickeln,
d.h. des Theiles, der die primitiven von Knorj)el umgebenen Keilbeinhöhlen
bildet. Dieselben entstehen schon in der Fötalperiode bei Embryonen von
8 cm Länge und sind bei solchen von 20 cm schon recht gut ausgebildet, ein-
lach oder doppelt. Zur Zeit der Pubertät verschmelzen dieselben mit dem
Keilbeine.
4) Das sehr zierliche knorpelige Siebbein , dessen Labyrinthe allerdings Os etkmoideum.
den knöchernen wenig glciclien, aus umgerollten Knori)ellamellen bestehen
und auch die untere Muschel in sich begreifen, verknöchert in der Mitte des
Fötallebens zuerst in der Lamina papyracea und dann in den Muscheln. Bei der
Geburt besteht der Knochen aus den zwei Labyrinthen und den zwei davon
getrennten unteren Muschehi, während der Rest noch knorpelig ist. Im ersten
Fig. UO
Fig. 1 40. Sciiädelbasis eines 5 Monate alten Embryo von innen, a obere Hälfte der
Squama ossis occipilis ; 6 untere Hälfte derselben, c Parietalplatte; d Pars condyloi-
dea ossis occipitis ; e Pars basilaris ; f Pars petrosa mit dem Meatus auditorius inter-
yius ; fc .-t/a pa/ra mit Kernen in den Processus cUnoidei anteriores; i grösstentheils
knöclierne Ala magna; o Knorpelstreifen zwischen der Parietalplatte und dem Keil-
beine; d Fronlalplatte oder Verbindungsstreifen zwischen der Ala parva und der ia-
mina cribrosa ; q Foramen opticum ; z Kerne des vorderen Keilbeinkörpers ; p' Scheitel-
bein ; f Stirnbein.
Fig. 141. Senkrechter Durchschnitt durch den Kopf eines 4 Monate alten Em-
bryo. A' Nasenbein mit P dem Perioste unter demselben; F Stirnbein; p Scheitel-
bein; S^ Schuppe des Schläfenbeins; j¥s Oberkiefer; .!/( Unterkiefer; T' Pflug-
schaar; sKern im hinteren Iveilbeinkörper ; //Zungenbeini^örper ; Th Schildknorpel;
Cr Ringknorpel; C T Wirbelkörper mit Kernen ; ^ T' Wirbelbogen, a obere Hälfte
der Squama ossis occipitis; 6 untere Hälfte derselben; c Parietalplatte ; d Pars con-
dyloidea ossis occipitis; e Pars basilaris ; darüber die Pars petrosa mit dem Meatus
auditorius internus; i grösstentheils knöcherne Ala magna.
12*
1^0 Eiitwickluni; des Knoclicnsysteins.
Jahre bei,'imU tlie Ossification in der Lamina perpendicularis und Crista galli,
während die Vorkiioclierung von den Labyrinthen aus auch auf die Lamina
cribrosa lortsciireilet. Endlicli im 5. und 6. Jahre verschmelzen die drei
Stücke untereinander , wobei jedoch zu bemerken ist , dass ein Tlieil des
Knorpels der unter den Nasenbeinen liegt, durch Resorption verloren geht.
Ospürosum. Ich füge nun noch einige Bemerkungen über die knorpelig vorgebildeten
Theile des Felsenbeins, die Pyramide und den Zitzentheil, bei. Man war früher
geneigt diese Theile als ganz sui gcncris zu betrachten, es ist jedoch unzweifel-
haft . dass dieselben ebenso gut zum Primordialcranium gehören , wie das
Siebbein und die ganze Nasengegend , und einfach Anpassungen des Schädels
an das Gehörorgan ihren Ursprung verdanken. Bei den höheren Wirbelthieren
hängen auch die Cartilagines petrosa et mastoidea mit dem übrigen Ghondro-
cranium zusammen, wie dies oben schon angegeben wurde. Die Verknöcherung
dieser Theile wird später beim Gehörorgane geschildert werden.
Deck- oder Be- Was Zweitens die D eck- odcT B e leeknoclien clcs Schädels anlangt,
legliDocben des
Schädels, so iiehören zu denselben ausser den schon erwähnten inneren Lamellen
der Processus ptenjrjoidei und den oberen Theilen der Schuppe dös Hinter-
hauptbeines noch die Scheitelbeine , Stirnbeine und Nasenbeine , die
Schuppe des Schläfenbeines und der Paukenring , Annulus tijmpcmicus,
ein kleines Knöchelchen von der Gestalt eines oben offenen Ringes, aus
welchem der äussere Gehörgang entsteht, endlich die Thränenbeine, das
Pflugschaarbein und die Zwischenkiefer. Alle diese Deckknochen ge-
hören, wie neuere Untersuchungen es wahrscheinlich machen , der Haut
des Kopfes oder der Schleimhaut des Anfangsdarmes an , auf jeden Fall
aber ist ganz sicher, dass nicht eine und dieselbe embryonale Schicht
das knorpelig häutige Primordialcranium und die Deckknochen liefert,
vielmehr die letzteren aus einem Blatte hervorgehen, welches dem Prim-
ordialcranium von aussen aufliegt. Keiner von den Deck- oder Beleg-
knochen, die ich früher auch secundäre Knochen hless, welchen Namen
ich jetzt aufgebe, ist knorpelig vorgebildet, und findet sich kein knorpe-
liges Stirnbein oder ein knorpeliges Scheitelbein, wie man z. B. bei
jungen Embryonen ein knorpeliges Hinterhauptsbein oder ein knorpe-
liges Keilbein wahrnimmt. Die Deckknochen sind aber auch nicht im
weichen oder häutigen Zustande präformirl, sondern entwickeln sich
von kleinen Anfängen ans in einer weichen, allerdings meist haulartigen,
aber morphologisch nicht bestimmten, d. h. nicht deutlich begrenzten
Grundlage.
Die Zeit des ersten Auftretens der Deckknochen fallt im Allgemeinen
an das Ende des zweiten und den Anfang des dritten Fötalmonats. Die
ricIiiiLic Auffassung dieser Verhältnisse, die Unterscheidung von zweier-
lei Knochen, einmal von primordialen Knochen, die aus dem Primordial-
craniiiiii frilstehen, und zweitens von Deck- oder Beieüknochen, ist von
Verknücherung des Schädels. 181
grosser Wichtigkeit, jedoch weniger in iiistologischer Beziehung, da wir
seit H. Müller wissen , dass das ächte Knochengewebe auch bei den
knorpelig vorgebikleten Knochen nicht unmittelbar aus dem Knorpel--
gewebe entsteht, als mit Hinsicht auf die Morphologie, und hat unstreitig
Jacobson, der zum ersten Male diese Unterscheidung aufstellte Müll.
Arch, 1844 , durch dieselbe ein grosses Verdienst sich erworben. Erst
seitdem diese Unterscheidung besteht, sind wir zu einer richtigen Deu-
tung der Schädelknochen der verschiedenen Wirbelthiere gelangt . erst
seit dieser Zeit konnte der Satz ausgesprochen werden, dass alle Schädel-
knochen im ganzen Thierreiche in zwei besondere und scharf getrennte
Gruppen zerfallen, sow'ie dass vom morphologischen Gesichtspunkte aus
nur Deckknochon mit Deckknochen und primordiale Knochen mit solchen
in Vergleichung zu ziehen sind. Von diesem Standpunkte aus sind
w eder die Funktionen noch die Lagerung der Knochen das massgebende,
sondern einzig und allein ihre Entwickelung.
Wir halten nun noch von denjenigen Theilen des Chondrocranium c^^^^^^^f
zu handeln, welche am fertigen Schädel sich erhallen, und von denen, craninm.
welche schwinden. Zu den ersteren gehören die äusseren Nasenknorpel
und der Nasenscheidewandknorpel , von welchem hervorzuheben ist,
dass er durch einen langen vom Vomer umfassten Fortsatz , den von mir
so iiennnnlen Processus sphenoidaUs septi cartilaginei (s. m. Abh.über die
jACOBSOx'schen Organe des Menschen in der Festschrift von Rinecker
1877), mit dem Rostrum sphenoidale verbunden ist, ferner die Jacobson-
schen Knorpel am unteren Rande des Septuni cartilagineum il. c. ' .
Was die Theile des Chondrocranium anlangt, die im Laufe der Ent-
wickelung schwinden, so sind es folgende: 1) die Knorpellage unter
den Nasenbeinen, ^1 die Frontalplatte Spöndli (Orbitalplatte Dlrsy ,
3) die Parietalplatte, 4) die Verbindung dieser mit der .-1/a magna. 5 die
Knorpelkapseln der Sinus sphenoidales ^ maxillares , frontales, 6j Theile
der Muscheln vor der Ossification derselben, 7) die Cor/Z/a^o Meckelh
z. Th., 8) Ein Theil des zweiten Kiemenbogens, der zum Lig. stylo-hyoi-
deum sich gestaltet.
Anmerkung. In Betreff der wichtigen Frage . ob am Schädel Wirbeln schädeiwirbei.
homologe Theile vorkommen oder nicht , bemerke ich folgendes : Wenn auch
die weiche erste Schädelanlage, soweit die bisherigen Untersuchungen reichen,
nur in seltenen Fällen (Bombinator, Elasmobranchier , Hühnchen Andeu-
tungen von Segmentirungen oder Urwirbeln zeigt s. m. Entw. 2. Aufl.], folgt
doch der häutige Primordialschädel in seinem hinteren sphcno-occipitalen oder
o/iorda/enTheile dem Wirbeltypus und lässt eine deutliche Gliederung erkennen.
Derselbe enthält in seiner ganzen Länge die Riickensaite und entwickelt sich
aus einem zu beiden Seiten derselben gelegenen Blasteme , den Urwirbel-
platten , das auf dieselbe Keimschicht, wie das Blastem der Wirbel zurück-
1 S2 Ent\\i(-'kluni; des Kuochensystenis.
zuführen ist. Dieses Blastem umwächst die Chorda, sendet Ausläufer nach
oben zur L'iniiiilhing dos centralen Nervensystems und Fortsätze nach der
anderen Seile zur Bildung der Wände der Kopfvisceralhöhle. Bei der Ver-
knorpelung spricht sich am Schädel sowohl in den 3 Paar Visceralbogen als
in den rosenkranzförmigen Verbreiterungen und Verschmälerungen der Chorda
und in dem Auftreten eines wuhren Liga7nentum intervcrtcbrale in der Schädel-
basis eine Metamerenbildung aus , die auf 3 Wirbelabschnitte hinweist , wo-
gegen bei der Verknöcherung dieses Theiles des Schädels nie mehr als zwei
Glieder, das Orcipitalc und Sj)henoidale posterius, auftreten. Auf eine grössere
Zahl von Schädelmetameren , welche bei den Vorfahren der höheren Verte-
braten unzweifelhaft vorhanden waren, weisen nur gewisse fötale Verhältnisse
der Weichtheile (zahlreichere Chordaanschwellungen^ KiemenspaUen, Aorten-
bogen, Einschnürungen der 3. Hirnblase?), und ist daher anzunehmen, dass
bei diesen Geschöpfen im Laufe ihrer Stammesentwickelung eine bedeutende
Reduction früherer typischer Bildungen stattgefunden hat. Während der
chordale oder vertebrale Abschnitt des Schädels in der auseinandergesetzten
Weise noch den Wirbeltypus erkennen lässt , ist bei dem prächordalen oder
prävertebralen (Gegenbair) Theile desselben die Abweichung so gross, dass
es nicht mehr möglich ist , in derselben Weise von Wirbelä([uivalenten zu
reden, wie bei dem hinteren Abschnitte. Ich fasse diesen Schädelabschnitt,
wie MiiiAi.Kovics , auf als eine Wucherung des vordersten Abschnittes der
primitiven Schädeianlage , welche keinen Theil der Chorda enthält, und be-
merke zur Vermeidung von Missverständnissen noch einmal, dass dieser prä-
chordale Abschnitt, wenn auch anfänglich noch so klein, doch schon bei der
allerersten Anlage des Schädels und vor der Sonderung der Chorda in dem
vordersten Theile des von mir so genannten Kopffortsatzes (s. § 6) und .später
in dem vordersten Abschnitte der Urwirbelplatfen gegeben ist. Diese anfäng-
lich sehr kleine prächordale Schädelanlage wächst, wie Gegenbaür treffend
schildert , im Zusammenhange mit der grossen Entwicklung der vorderen
Abschnitte des centralen Nervensystems , der Augen und des Geruchsorganes
und gestaltet sich so nach und nach zu dem ganzen, vor dem Türken-
sattel gelegenen Abschnitte des Schädels. Enthält nun auch dieser Schädellheil
keine Chorda, so entsteht er doch durch eine Wucherung des Blastems, das
die Chorda umgiebl , und bildet sich in ähnlicher Weise wie der chordale
Schädel aus seiner ersten Anlage hervor , indem auch hier das Blastem von
der Basis cranii aus das Vorderliirn umwuchert, .hi selbst beim Verknorpeln
und bei der Verknöcherung zeigen sich noch Uebereinstinnnungen genug,
welche keine Schädel deutlicher erkennen lassen als die der Seiachier (Gegen-
baür) und erscheint es sicherlich nicht gerathen , zwischen den beiden
Schädelahschnitten eine zu tiO'fe Kluft zu ziehen. Ich halte es daher für
ganz erlaubt , das Sphoioidaln anlerius, die Lamina perpctidicularis des Sieb-
beins und das Scptuin nariurn als das vordere Ende der Wirhclkörpersäule des
Schädels anzusehen und die Alac. orbitales, die Labyrinthe des Siebbeins und
die Nasenflügelknorpel den Alae magnae und Occipitalia lateralia anzureihen,
welche Auffassung sowohl für die knorpeligen als die knöchernen Theile zu-
tretend f.Tscheint.
In der bisherigen Betracliluni; war rnclir nur vom Primordialcranium und
den aus demsclbr-n hervorgehenden Knochen die Bed(\ Selbstverstiindlicli
sollten die eigeiitinirnlirlion Gestaltungen, die dem Schädel durch das Vor-
Visceralskelett des Kopfes. 1^3
kommen zahlreicher Deckknoclien erwachsen, nicht mit Stillscliweigen über-
gangen werden ; es würde jedoch der Tendenz dieses Werkes zu weit ab-
liegen , wenn auch noch tliese Frage ausluhrüch erörtert werden sollte. Es
genüge daher die Bemerkung, dass auch diejenigen, welche in der Annahme
von Schädelwirbein am weitesten gingen , niemals die grossen Verschieden-
heiten verkannten , welche zwischen dem Schädel und der Wirbelsäule sich
finden und vor Allem in der Anpassung desselben an das centrale Nerven-
system , die höheren Sinnesorgane und das Visceralskelett des Kopfes be-
gründet sind.
§ 24.
Entwicklung des Visceralskelettes des Kopfes.
ZurVervollständigims der Entwicklungsgeschichte des Kopfskelettes
haben wir nun noch von den Gesichtsknochen zu handeln, insoweit die-
selben nicht schon beim Schädel zur Besprechung kamen, und führt dies
von selbst dazu, auch die äusseren Formen des Gesichtes zu berück-
sichtigen , ohne deren Kenntniss ein Verständniss der Gestaltung der
Knochen nicht möglich ist.
Das Gesicht bildet sich aus zwei paariaen und einem unpaarenAeussere Gestalt
^ "- ' des Gesichts.
Gebilde hervor. Die ersteren sind der erste Kiemen- oder Visceralbogen
mit seinem Ober- und Unterkieferfortsatze, die schon aus früheren
Schilderungen bekannt sind, das unpaare Gebilde ist der Stirnfortsatz
mit den äusseren und inneren Xasenfortsätzen. Um die Verhält-
nisse dieser verschiedenen Theile und ihre Umbildungen leichter verständ-
lich zu machen, beginne ich mit der Hinweisung auf die Fig. 142, die ein
Stadium zeigt, in welchem alle genannten Theile vollkommen ausge-
prägt sind. Bei diesem menschlichen Embryo bildet der Mund , der im
geöffneten Zustande dargestellt ist, eine grosse Querspalte, welche die
schon gebildete Zunge (:;] erkennen lässt. Begrenzt wird dieselbe nach
hinten durch die vereinigten Unterkieferfortsätze des ersten Kiemen-
bogens (5), die wie einen primitiven Unterkiefer darstellen, während
vor der Mundspalte seitlich die Oberkieferfortsätze desselben Kiemen-
bogens 4) und in der Mitte der Stirnfortsatz mit den Nasenfortsätzen
einen fast zusammenhängenden Oberkiefertheil bilden. Der Stirnfort-
satz erscheint als eine kurze und breite Verlängerung der Stirn, eine
Betrachtung desselben von unten und auf Durchschnitten zeigt jedoch,
dass derselbe die Verlängerung nicht blos des Schädeldaches , sondern
auch der Schädelbasis ist und mit Einem Worte das vordere Ende des
gesammten Schädels darstellt. Es sind übrigens an diesem Stirnfortsatze
ein mittlerer Theil, der eigentliche Stirnfortsatz, und zwei seit-
Ib4
liiitwickhuiü; des Knuchensysteais.
liehe Anhänge, die äusseren Nasenfortsätze, zu unterscheiden. Der
oigcnllifho Stirnforlsatz ist nichts anderes als eine Fortsetzung der
Schädelbasis, welche im Gesicht als Nasen-
scheidewand erscheint, anfänglich kurz,
niedrig und breit (dick) auftritt und erst
allmälig in die bekannte typische Form
übergeht. Das vorderste Ende dieses Sep-
tum narium erscheint im Gesicht in der
späteren Zwischenkiefergegend' in Gestalt
eines breiten in der Mitte eingekerbten Vor-
sprunges (Fig. 143«?), der seitlich mit zwei
Spitzen , den inneren Nasenfortsätzen , die
äussere Nasenöffnung und eine zwischen
diesem Vorsprunge und den Oberkieferfort-
sätzen gelegene Furche, die Nasenfurche,
begrenzt. Die äusseren Nasenfortsätze [an]
sind die Fortsetzungen der Seitentheile des
Schädels und entwickeln später in sich die
knorpeligen Siebbeinlabyrinthe und das
knorpelige Dach sammt den
Seitentheilen der vorderen
Theile der Nasenhöhle. Im'
' Stadium der Figg. 1 42 und
1 43 begrenzen die äusse-
ren Nasenfortsätze (seit-
•r liehe Stirnfortsätze von
Fiff. U3. Reicheut) die Nasenlöcher
Fig. 142. Monsclilichcr Embryo von 35 Tagen von vorn nach Coste. 3 linker
äusserer Nasent'ortsatz; 4 Oberkieferfortsatz des ersten Kiemenbogens; 5 primitiver
Unterkiefer; s Zunge; b Bulbus aorlae; b' erster l)leibender Aortenbogen , der zur
Aorta ascendens wird; b" zweiter Aortenbogen, der den Arcus aortae gicbt; b'" dritter
Aortenbogen oder Ductus Botalli ; y die beiden F'äden rechts und links von diesem
Buchstaben sind die eben sich entwickelnden Lungenarterien ; c' gemeinsamer
Venensinus des Herzens; c Stamm der Cava superior und Azygos dextra; c" Stamm
der Cava sup. und Azyrjos sinistra; o linkes Herzohr; v rechte, v' linke Kammer;
a e Lungen ; e .Magen ; ,/ Vetm omphalo - mesenlerica sinislra; s Fortsetzung derselben
hinter dem Pylorus, die später Stamm der IMortader wird; x Dottergang; a Art.
omphalo -mesenlerica dextra \ m Woi.i.i-'scher Körper; (Enddarm; n Arteria umbili-
calis, u Vena umbilicalis ; SScIiwanz; 9\()rdcre, 9' hinlcre Hxticmitiit. Die Leber
ist entfernt.
Fig. 143. Kopf eines sechs Wociien alten menschlichen Embryo von vorn und
unten, vergrösserl. u Stelle, wo der Unterkiefer sass; o Oberkioferforlsatz des ersten
Kiemenbogens; «w äusserer Nasenforlsatz; n Nasengrube; s « Stirnforsalz ; (/Aus-
stülpung der Rachenschlcimhaut (Hypophysistasche).
Visceralskelett dos Kopfes. 185
von aussen und bilden zuizleieh mit dem Oberkieferfortsatze eine Furche,
die von der Nasenluiehe bis zum Auge verlauft und die Thränen-
furche heissen mag. weil in der Gegend derselben der Thränenkanal
sieh entwickelt.
Indem ich nun mit Bezug auf die allererste Enlwickelung der
äussern Gesichtsform auf die später zu gebende Bildungsgeschichte des
Geruchsorganes und des Darmkanales verw eise . wende ich mich gleich
zur Schilderung der wichtigsten weiteren Veränderungen, durch welche
die noch sehr unvollkommene Gestaltung der Fig. 142 in die bleibende
ül>ergeht. Die äusseren Theile anlangend, so ist das Erste, dass Stirn-
fortsatz und die Oberkieferfortsätze einerseits, anderseits aber diese
letzten Fortsätze und der äussere Nasenfortsatz ganz mit einander ver-
schmelzen, wodurch ein vollständiger Oberkieferrand und eine einfache,
jedoch noch wenig ausgedehnte Wangengegend entsteht. Ist dies ge-
schehen, so entwickelt sich der Rand der Oberkiefergebilde zur Lippe
und zum Alveolarrande der Olier- und Zwischenkiefer, während äusser-
lich aus dem Stirnfortsatze im weiteren Sinne ganz allmälig die Nase
hervorwuchert, und aus einer breiten, platten primitiven Gestalt immer
mehr in die schlanke typische Form übergeht, in welcher Beziehung auf
die naturgetreuen Abbildungen von Erdl und A. Ecker verwiesen wird.
Während die ersten der eben erwähnten Veränderungen sich ein- ^'^^^^^^^
leiten, gehen auch mehr in der Tiefe namhafte Umgestaltungen vor sich.
Anfangs ist die Mundhöhle eine weite Höhle, an deren Dach ganz vorn
die Geruchshöhlen durch zwei kleine Löcher, die ich die inneren Nasen-
ööuungen nenne, ausmünden. Bald jedoch und zwar schon vor dem
Ende des 2. Monates beginnt ein Vorgang, durch welchen schliess-
lich die einfache Mundhöhle in einen unteren grösseren digestiven und
einen oberen engen respiratorischen Abschnitt gesondert wird. Es
wuchern nämlich die Oberkieferfortsätze des ersten Kiemenbogens nicht
Itlos äusserlich. sondern auch innerlich in Gestalt einer Leiste oder
Platte, die ich die Gaumeuplatt e nannte, anfänglich DiRsv, Fleischer^
in schief absteigender, später in horizontaler Richtung medianwärts. so
dass sie eine immer enger werdende Spalte, die Gaumenspalte, zwi-
schen sich oflen lassen , deren Verhältnisse au Frontalschnitten des Ge-
sichtes aus einer späteren Zeit die Fig. 144 sehr deutlich zeigt. Von
der achten Woche an verschmelzen dann die Gaumenplatten unterein-
ander von vorn nach hinten, so jedoch, dass sie vorn auch mit dem
unteren breiten Rande der noch ganz kurzen Nasenscheidewand sich
vereinen. In der 9. Woche ist der vordere Theil des Gaumens . der dem
späteren harten Gaumen entspricht , schon vollkommen geschlossen, der
weiche Gaumen dagegen noch gespalten , doch bildet sich dieser von
ISO
Knl\\ iolvliiiii; des Knocheusystenis.
nun an rascli aus, und zeigen Embryonen der zweiten Hälfte des dritten
^lonates das Vehim iiobildet und auch die Uvula im Entslehen begriffen,
die übrigens schon vor der Vereinigung der beiden Hälften des Palatum
molle als eine kleine Her-
vorragung an den hinteren
Enden derselben zu er-
kennen ist.
Wir kommen nun zur
Betrachtung der Hartge-
bilde des Gesichtes, die
einerseits im Zusammen-
hange mit dem ersten
Kiemenbogen , anderseits,
Fig. 14 4. . j. ''
* wie dies schon im vorigen
§ auseinandergesetzt wurde , vom vordersten Ende des eigentlichen
Schädels aus sich entwickeln.
Der erste Kiemenbogen besteht anfänglich aus einerweichen
Bildungsmasse, welche, wie wir früher sahen (S. 67), von der Schädel-
basis und zwar der Gegend des hinteren Keilbeines aus in die ursprüng-
liche Bauchwand hineinwuchert in ähnlicher Weise wie am Rumpfe die
Bauch- oder Yisceralplatten (s. S. 75). Anfänglich von einander ge-
trennt, verschmelzen später diese beiden Bogen mit einander (Fig. 145J
und treiben zugleich nahe an ihrem 'Ausgangspunkte an der Schädel-
basis dicht hinter dem Auge den schon mehrfach erwähnten Oberkiefer-
fortsatz Fig. 145 0, Figg. 81 — 86), der im Zusammenhange mit der
Bildung der Nasen- und Thränenfurche ein freies vorderes Ende erhält
m. vergl. Figg. 143 und 145). Dieser Bildungsweise zufolge sind Ober-
und Unterkieferfortsatz des ersten Kiemenbogens bei ihrer ersten Bil-
dung aussen vom Ecloderma und innen vom Entoderma des Mundes
(das eigentlich noch zum Ectoderma gehört) und demjenigen des Rachens
bekleidet, während ihre inneren Theile von einer weichen Mesoderma-
lage gebildet werden, die anfänglich als eine ganz zusammenhängende
erscheint. Hierauf bildet sich im Unterkieferfortsatze Knorpel, während
das ol)ere Ende des ersten Kiemenbogens und sein Oberkieferforlsatz
anfänglich noch weich bleiben und erst später Deckknochen entwickeln.
Fig. 144. Senkrecliter Sciinill durcli den Gcsichlsliicil eines jungen Ivalbsembryo
mit Gaumenspalte, mit Weglassung des Unterkiefers und der Zunge. Ger. Vergr.
a knorpelige Nasenschcidowand, /> Gaumenforlsülze des Oberkiefers mit der Gaumen-
spalte; r die jungen Sclmielzkcime (\(ir Backzähne des Oberkiefers; d knorpelige
Decke der NasciilHililc e\ f .lACoiisoN'sche Organe sainrnt den sie begrenzenden
Knorpeln.
Visccralskclelt dos Kopfes.
187
Fis. 146.
Fig. I
Fig. 145. Menschlicher Embryo von vier Wochen und 13 mm Länge, vergr. 1.
in der Seitenansicht. Das Nabelbläschen, das einen ganz kurzen Stiel hatte, 2/3 der
Grösse des Embryo besass und auf der linken Seite seine Lage hatte , ist nicht dar-
gestellt. 2. Kopf desselben Embryo von unten. a Auge; n Nasengrübchen; 0 Ober-
kieferfortsatz; u Unterkieferfortsatz des ersten Kiemenbogens; ö leichte Erhebung,
die die Stelle des Labyrinthes andeutet ; 'v rechte Vorkammer; fc Kammer; i Leber ;
1 vordere, 2 hintere Extremität; s schwanzartiges Leibesende; m Mundspalte; 2fc
zweiter, 3 fr dritter Kiemenbogen; wi- untere Vereinigungshaut, hier als Bekleidung
des Herzens erscheinend, das abgeschnitten ist; a in Fig. 2 Aorta; r Mark, etwas
verzerrt. Die Gegend zwischen den letztgenannten zwei Thellen in 2 nicht ausge-
zeichnet, weil hier eine Nadel zu Fi\irung durchgestossen war.
Fig. 146. Kopf und Hals eines menschlichen Embryo aus dem 5. Monate (von
circa 18 Wochen) vergrössert. Der Unterkiefer ist etwas gehoben , um den Meckel'-
schen Knorpel zu zeigen , der zum Hammer führt. Aussen an demselben liegt der
Nervus mylohyoideus, innen davon der Querschnitt des Pterygoideus internus und des
M. mylohyoideus. Das Trommelfell ist entfernt und der Annulus tympanicus sichtbar,
der mit seinem breiten vorderen Ende den MECKELschen Knorpel deckt und dicht
hinter sich den Eingang in die Tuba Eustachii zeigt. Ausserdem sieht man Ambos
und Steigbügel sammt dem Promontorium, dahinter die knorpelige Pars mastoidea
mit dem Proc. mastoideus und dem langen gebogenen Proc. styloideus, zwischen bei-
den das Foramen stylo-mastoideum ; ferner den M. styloglossus , darunter das Lig.
stylohyoideum zum Cornu minus ossis hyoidei, dessen Cornu majus auch deutlich ist,
und den abgeschnittenen .¥. stylo-hyoideus. Am Halse sind biosgelegt der N. hypo-
glossus, die Carotis, der Vagus; einige Muskeln und der Kehlkopf zum Theil.
1^8 Entwicklung des Knocliensyslems.
So zerfällt dieser Bogen in zwei Haupltheile, von denen der erslere den
knoi'jieliizen Ainl)o.s und den Hammer sannnt dem sogenannten Meckel'-
schen Knorpel oder Fortsätze, der andere das Gaumenbein und den Ober-
kiefer und \ ieileicht auch die innere Lamelle des Processus pterygoideus
liefert.
Cartiiago j)^,. äusserst Nvichtiseu von Reichert gemachten Entdeckung von der
Meckeln. Di. C
Entwicklung der beiden genannten Gehörknöchelchen aus dem Unter-
kieferfortsatze des ersten Kiemenbogens ging die Beobachtung eines
Knorpelstreifens durch J. F. Meckel voran, welcher bei Embryonen vom
Hammer aus an den Unterkiefer sich erstreckt. Die Fig. 146 zeigt diesen
MECKEL'schen Fortsalz oder Knorpel von einem 41/2 Monate alten mensch-
lichen Embryo. Derselbe tritt als ein ziemlich starker cylindrischer
Knorpelstrang oben und vorn aus der noch sehr engen Paukenhöhle her-
vor, gedeckt von dem verbreiterten Ende des vorderen Schenkels des
um diese Zeit noch sehr zarten knöchernen Anmdus tympanicus. Median-
wiirts ^on der Parotis und der Carotis externa gelegen, wendet sich der-
seH)e gleich an die innere Seite des Unterkiefers und verläuft hier in
einer bei 3- und 4monatlichen Embryonen sehr stark ausgeprägten Furche
nach vorn , bis nahe an die vorderen Enden beider Unterkieferhälften,
wo die beiden Knorpel schliesslich bis zur Berührung kommen. In seiner
Lage am Kiefer befindet sich der Knorpel hinten zwischen dem Knochen
und dem Pterygoideus internus mit dem Nervus lingnalis an seiner me-
dialen und dem Nervus mylohyoideus an seiner lateralen Seite , während
der Maxillaris inferior gerade über ihm seine Lage hat. Weiter nach
vorn liegt der MECKEL'sche Knorpel hart am Ansalze des Musculus mylo-
hyoideus , jedoch an der Aussenseite des Muskels , so dass er hier nur
vom Biventer und der Glandula submaxillaris verdeckt wird und eine
verhältnissmässig oberflächliche Lage hat. Ganz vorn endlich tritt der
Knorpel an die mediale (obere) Seite des Muse, mylo-hypideus und be-
findet sich mit seinem vordersten Ende unmittelbar unter der Schleim-
haut der Mundhöhle, d.h. den Keimen der Schneidezähne. Entfernt man
den Paukenring und das Trommelfell , so gewahrt man , dass der Knor-
pel , ungefähr so wie später der Processus Folianus mit dem Hammer
sich verbindet, genauer bezeichnet vom Kopfe desselben abgehl und mit
iliin Eins ist.
Hammer, Dicscr Forlsatz nun, sowie der Hammer und Ambos, sind weitere
Ambus.
Entwicklnngen des Unterkieferfortsatzes des ersten Kiemenbogens. Der-
selbe sondert sich , indejn er im Innern knorpelig wird, welche Verknor-
pelung gleichzeitig mit derjenigen derWirhel (beim Menschen in der 3 . und
4. Woche) vor sich geht, zuerst in zwei Absclinilfc. ein kl(>ineres hinleres
und ein grosseres vorderes Stück, und dann niinnil das erslere und der
Visceralskelett des Kopfes. 189
hinlere Theil des letzteren durch l)esondere Wachslhuraserscheinungen
nach und nach die Formen des Ambosses und des llannners an , so je-
doch , dass der letztere mit dem vorderen Knorpelstücke verbunden
bleibt. Zugleich drängen sich Hammer und Ambos wie in einen Theil
der ersten Kiemenspalte (die spätere Paukenhöhle) ein , ohne wirklich
in die Höhlung derselben zu gelangen, und setzen sich mit dem Steig-
bügel in Verbindung. Die weiteren Schicksale dieser Theile nun sind
folgende :
Hammer und Ambos, anfangs ganz knorpelig, beginnen im 4. oder
5. Monate zu verknöchern und zeigen hierbei das Eigenthümliche , dass
sie in erster Linie vom Perioste aus ossificiren. Im 6. Monate sind beide
Knöchelchen scheinbar ganz ausgebildet, doch ist um iliese Zeit weder
die äussere periostale Knochenlage ringsherum vorhanden , noch auch
der innere Knorpel ganz geschwunden. Ja es behält nach neueren Unter-
suchungen der Hannner auch später noch, sowohl an seiner Oberfläche
als im Innern (am Processus brevis und am Manubrium) Knorpelreste
und verknöchert eigentlich nie vollständig.
Der MECKEL'sche Knorpel ist kein so vergängliches Gebilde wie Viele
anzunehmen geneigt sind. Beim Menschen liegen die die vorderen Enden
dieser Knorpel dicht beieinander in der Gegend der späteren Sutura
maxillaris, sind jedoch in der Regel (ob immer, ist noch zu untersuchen)
nicht untereinander verbunden , wie dies bei Säugethieren stets der
Fall ist. Mit der Entwicklung des Unterkiefers halten dieselben noch
eine Zeit lang Schritt, verkümmern dann aber vom 6. Monate an in dem
grössten Theile ihres Verlaufes mit einziger Ausnahme ihres vordersten
Endes, welches schon sehr früh (im 3. Monate) sich verbreitert und ver-
knöchernd mit dem vordersten Theile des Unterkiefers verschmilzt und
spurlos in demselben aufgeht (m. Entwickig. Fig. 2961. Ausserdem er-
hält sich auch noch ein knorpeliger Rest des fraglichen Organes in dem
der Mundhöhle zugewendeten Theile der Symphyse bis nach der Ge-
burt, ohne mit dem Unterkiefer zu verschmelzen, welches Knorpelslück
im ersten .lahre bei der Vereinigung der beiden Unterkieferhälften ent-
weder mit dem Knochen verschmilzt oder vergeht. Aus dem hintersten
Ende des MecKEL'schen Knorpels , von ^der Ligula am Foramen alveolare
bis zur Fissura petroso-tympanica, gestaltet sich, indem der Knorpel ver-
geht, das Ligamentum laterale internum maxillae inferior is , das somit
mit Recht als ein für das Gelenk unwichtiges Band angesehen wird.
An der Aussenseite des MECKEL'schen Fortsatzes bildet sich der \]\\-M(miia inferior.
terkiefer, und steht dieser Knochen wesentlich in demselben Verhält-
nisse zu ihm, wie die Deekknochen am Schädel zum Primordialcranium.
Von einem kleinen unscheinbaren Anfange an, der schon in der zweiten
190 L^iitw ickluii,u des Ivuücliensystoins.
Hälfte des zweiten Monates, mithin sehr früh auftritt, gestaltet sich der-
selbe bald zu einem liiniilichen, halhrinnenformigen, an der Aussenseile
des MECKKLschen Forlsatzes jiclegenen Scherhchen und wird schon im
Anfange des dritten Monates grösser als dieser, während zugleich seine
verschiedenen Forlsälze sich zu entwickeln beginnen, und der Knochen
allmalig rinnenformig sich gestaltet, wobei er bei gewissen Thieren eine
anfangs selbständige mediale Lamelle erhält (Semmrr) , die jedoch bald
mit der Hauptmasse verschmilzt. Der Unterkiefer ist somit nicht knor-
pelig augelegt , wohl aber entwickelt derselbe schon sehr iVüh am hin-
tern Ende einen Knorpelansatz, der bald den ganzen Angulus und Con-
dylus bildet und auch weit ins Innere sich erstreckt (ich, Brock .
Maxiiiasuperioi; Im überkicferfortsatze des ersten Kiemenbogens entwickeln sich die
Processus ptay- Hügelbeine [Lamina mediaiis processus pterygoiaei i , die Gaumenbeine
und der Oberkiefer, die alle einer knorpeligen Anlage ermangeln und
die Bedeutung von Belegknochen zu haben scheinen, in welcher Be-
ziehung übrigens alle Beachtung verdient , dass zwei dieser Knochen an
der medialen Seite des Primordialcranium , einer an seiner lateralen
Fläche sich bildet. Das letzte ist der Fall beim Oberkiefer, der an der
Aussenseite des Nasenflügelknorpels und unterhalb desselben entsteht
und so die Stelle eines Deckknochens dieses Knorpels vertritt , obschon
die Anlage desselben unzweifelhaft auf den Oberkieferfortsatz des ersten
Kiemenbogens führt. Verschieden hiervon liegt das Gaumenbein bei-
seinem ersten Auftreten an der medialen Seite des seitlichen Nasen-
knorpels zwischen diesem und der knorpeligen unteren Muschel, welche
Lage jedoch nur für die vorderen Theile dieses Knochens zutrill't, indem
derselbe weiter hinten an der unteren und Aussenseite des Nasenknor-
pels seine Lage hat. Eine ähnliche Lage hat auch das Flügelbein an der
medialen Seite des knorpeligen Processus pterygoideus [Lamina lateralis
proc. pterygoiaei) , und weisen diese Verhältnisse darauf hin , dass die
letzten beiden Knochen »Schloimhautknochen« sind.
Die genannten Knochen treten alle am Ende des zweiten Monates
auf und zwar das Pterygoideum und Palalinum mit Einem Kerne. Beim
Oberkiefer beschreiben Aeltere (Beclard , Meck. Arch. VI) und Neuere
(Ra.mbalü und BE.vArLT^ mehrfache Kerne, da dieselben jedoch sehr früh
(im 3. — 5. Fölalmonatei verschmelzen, so ist noch genauer zu unter-
suchen, ob dieselben wirklich beständig sind.
0» tygomaiicum. Aucli das Wangenbein geht aus dem Oberkiefci-fortsalze des ersten
Kiemenixtgens hervor, ebenso wie der Oberkiefer. Seine Verknöcherung
geschieht nach neueren Eilalirmii^cii mit zwei Kernen.
Zur Vervf)llsländigiing der gegebenen Schilderung sind nun endlich
iio<-h die sogenannleii (iesichlsknochen zu erwiihnen, die ganz unzweifel-
Visceialskelctl dos Kopfes. 191
haft als Belegknochen des vordersten Theiles des Schädels sich ent-
wickeln. Es sind dies die Nasenbeine, die Thränenbeinc, die Pllugschaar
und die Zwischenkieler. Die N a s e n b e i n e und T h rä n e n b e in e , die Nasenbeine.
Thranenbein.
im Anlange des 3. Monates verknöchern, sind ächte Helegknochen des
knorpeligen Slebboines. Die nändiche Stellung hat auch der Vo mer zurvomer.
Nasenscheiilewand , der im 3. Monate aus zwei llüHten entsteht und
hinge Zeit hindurch die Form eines zusannnengebogenen Plättchens mit
einer Rinne an seiner oberen Seite hat.
Was die Z wischenkieler anlangt, so linde ich, dass dieselben als Zwischenkiefer.
selbständige Knochen sich entwickeln , jedoch ungemein bald mit dem
Olterkiefer verschmelzen. Bei der dopi)elten Hasenscharte mit Wolfs-
rachen bleibt wegen der mangelnden Vereinigung der Oberkielerfort-
sätze und der inneren Nasenfortsätze die Verbindung der Oberkiefer
und Zwischenkiefer aus , und s])richt das selbständige Auftreten von
Knochenslücken, w^elche Schneidezähne tragen, in dem von der Nasen-
scheidewand getragenen Stummel , wie leicht ersichtlich , entschieden
zu Gunsten der Annahme einer selbständigen Entstehung des Os inter-
maxillare, welches diesem zufolge am vordersten Ende des Septum
narium ungefähr dieselbe Stellung einnehmen würde, wie weiter hinten
der Vomer.
Wir wenden uns nun schliesslich auch noch zur Besprechung der ^^|^^'^^i*^^jj^^"g']^_
Umwandlungen des zweiten und der folgenden Kiemenbogen. Nicht blos ''"Ben-
der erste, sondern auch der 2. und 3. Kiemenbogen gehören, wie die
Fig. 82 lehrt , ursprünglich zum Kopfe. Im weiteren Verlaufe , mit
tlem Hervortreten des eigentlichen Gesichtes rücken jedoch die hin-
teren Kiemenbogen immer mehr an den Hals und hier liegt dann auch
der grössere Theil der bleibenden Gebilde , die aus diesen Bogen her-
vorgehen.
Der zweite Kiemenbogen zeigt, sobald in ihm Skelettgebilde ^ Knorpel des
~ ~ " '-'2. Kiemenbogens
erkennbar werden, auf jeder Seite einen einzigen langen schlanken Knor-^nd EEiunEnT'-
' J n o scher Knorpel.
pelstab , der von der knorpeligen Gehörkapsel vor- und medianwärts
vom Zitzenfortsatz unmittelbar hinter der Paukenhöhle und den Gehör-
knöchelchen und laterahvärts von denselben und dem Nervus facialis
ausgeht und bis in die vordere Halsgegend und zum Körper des Zungen-
beins sich erstreckt. Dieser REicHERt'sche Knorpel, wie ich ihn
nennen will, ist mit dem knorpeligen Felsenbeine ohne Spur einer Grenz-
linie verschmolzen und Eins, dagegen hängen die beiden Knorpel
vorn am Halse nie miteinander zusammen, setzen sich vielmehr, wie es
scheint, gleich nach ihrem Entstehen sofort mit den Seitentheilen des
Zungenbeinkörpers in Verbindung , und hier gliedern sich dann , auch
bei Säugethieren , zwei kleinere Stücke auf jeder Seite ab, während
192 Kiitwiokluny; des Knochensystems.
(las llauptslück mit (k'iii Si-hädel verbunden bleibt. Verknöchernd hil-
Kieines Hörn des den dann die iienannten 3 Stücke das vordere kleine Hörn des Zungen-
beins, dessen längstes Schädelslück entweder durch Knorpel oder Band-
masse mit dem Petrosum verbunden ist. Beim Menschen sind die
Verhältnisse anfangs dieselben wie bei Säugern, nur gliedern sich keine
besonderen Stücken vom REicuERT^chen Knorpel ab. Die späteren
Schicksale dagegen erscheinen insofern andere , als das mittlere Stück
Lig. styio- eines jeden Knorpels zu Bandmasse sich gestaltet und das Liqamentum
i'foc. stijioid<s. stylo-hyoideum darstellt, währentl das Schädelslück zum Processtts styloides
und das Zungenbeinslück zum Cornu minus verknöchert, doch ist, wie
längst bekannt, die Länge dieser drei Theile eine sehr wechselnde, und
können unter Umständen der Griffel und das kleine Zungenbeinhorn so
entwickelt sein, dass das Zwischenband äusserst kurz wird oder selbst
ganz fehlt.
Steigbügel. Auf den zweiten Kiemenbogen hat Reichert seiner Zeit auch den
Steigbügel bezogen. Es ist jedoch zu bemerken, dass eine Verbindung
desselben mit dem REicHERT'schen Knorpel bis anhin sich nicht hat nach-
weisen lassen und dass manche Wahrnehmungen dafür sprechen , dass
dieser Skelettheil ein besonderes von der Gehörkapsel beim Verknorpeln
derselben sich abgliederndes Stück ist. Der Steigbügel desMenschen ist
ursprünglich ein plumpes keulenförmiges Gebilde , das später durch
Resorption ein Loch erhält und dann nach und nach seine typische Form'
gewinnt. Der Steigbügel verknöchert später als die anderen Gehör-
knöchelchen und zwar nach Rathke mit drei Kernen.
Dritter Kiemen- Der dritte Kicmeubogen wird nur in seinen vorderen vereinigten
bogen. '" ^
Theilen knorpelig und gestallet sich zum Zungenbeinkörper und zu den
grossen Hörnern, welche im Knorpelzuslande beim Kaninchen anfäng-
lich aus vier besonderen Stücken bestehen. Bei einem Rindsembryo von
3o mm V^ilden diese Theile ein einziges Stück und dasselbe linde ich
beim Menschen im 3. Monate. Die Ossification des Zungenbeins beginnt
gegen das Ende des Fötallebens in den grossen Hörnern, und entwickelt
sich der Knochen mit Inbegriff der kleinen Hörner aus fünf Stücken, die
häufig unverschmolzen sich erhalten,
wachsthum des Nach Bcschreibunt.' der Entwicklunu der einzelnen Ko])fknochen
Schädels als ' ''
Ganzes. füge ich noch einige Bemerkungen über das Gesammlwaclisthum des
knöchernen Kopfes bei. Die am meisten in die Augen fallende Erschei-
nung ist, wie dies schon früher betont wurde, die, dass der Spheno-
occi[>itallheil des Kopfes zuerst und erst in zweiter Linie auch derSpheno-
ethmoidallheil desselben sich ausbildet (Figg. 134, 135). Vom zweiten
Monate an entwickelt sich jedoch der vordere Kopftheil rasch, so dass
er .schon im i. und ö. Monate eine nicht unbedeutende Länge besitzt
Skelett der Cilieder. 19^^
und ebenso wie in der zweiten Hälfte des Embryonallebens rascher
wachst als der hinlere Theil. Sind einmal die Yerknöcherungen einge-
treten, so ij;e\vinnt der Schädel an Länge und Umfang durch Wucherungen
der Knorpelreste und Nähte , welche Wucherungen überall selbständig
auftreten und am Nasentheile ebenso gut, wie an den Synchondrosen
der Schädelbasis und an den Nähten des Schädeldaches sich zeigen. Die
genaueren Gesetze dieses Wachsthums zu erörtern ist hier nicht am
Platze und sei nur das bemerkt, dass Störungen desselben zu fridi-
zeitigen Synostosen an der Schädelbasis und am Schädeldache führen,
welche , je naclidem sie vereinzelt oder in grösserer "Verbreitung auf-
treten, geringere oder stärkere Deformitäten bedingen. Schädel und
Gehirn haben beide ihr sell)ständiges und unabhängiges Wachsthum,
doch bedingen Störungen in der Entwicklung des einen auch Abwei-
chungen des andern Organes in der Art jedoch , dass fehlerhafte Aus-
l)ildung des Gehirns vor Allem und zuerst das Schädeldach und viel
weniger die Schädelbasis beeinflussl.
§ 25.
Entwicklung des Skelettes der Glieder.
"Wir beginnen diesen S mit einer kurzen Schilderung der äusseren Entwickeiung
ci J '- ^ der äusseren Ge-
Form der Glieder, weil dieselbe für das Verständniss der Homologien stait der GUed-
massen.
der vorderen und hinteren Extremität von grösster Bedeutung ist. Zur
Zeit, wo die Extremitäten in den ersten Spuren sichtbar sind , stellen
dieselben wesentlich gleich beschaffene kurze Stummelchen dar, welche
da, wo die Visceralplatten enden, seitlich vom Rumpfe abstehen und,
wie die späteren Zustände lehren , ihre Streckseite dorsalwärts wenden
und die spätere Radial (Tibial-)seite kopfwärts gerichtet oder am proxi-
malen Rande zeigen (Fig. 1 47) . Mit zunehmendem Wachsthume legen sich
die Glieder immer mehr ventralwärts dem Leibe an und stellen sich auch
nach und nach etwas schief nach hinten, so jedoch , dass die vordere
Extremität stärker geneigt ist , als die hintere Gliedmasse. Gleichzeitig
hiermit tritt auch die erste Gliederung auf, indem Hand und Fuss von
der übrigen Gliedmasse sich abschnüren. Nicht viel später erscheint
dann auch an dem noch sehr kurzen Anfangstheile der eigentlichen
Gliedmasse die erste Andeutung einer Scheidung in zwei Abschnitte
dadurch, dass am Arme der Ellbogen als eine nach hinten gerichtete
Convexität und am Beine das Knie als eine leichte Wölbung nach vorn
auftritt, wie solches alle besseren Abbildungen junger Embryonen
Kölliker, Gnindriss. 13
194
Entwicklung tles Knochensvstems.
wiedergeJjen. Mit diosein fjoreils im 2. Monate auftretenden Unter-
schiede, der immer ausgesprocliener wird, ist die wichtigste Verschieden-
heit beider Glieder angelegt, und kann man denselben auch so aus-
drücken , dass man sagt , die vordere Extremität rotire aus ihrer
primitiven lateralen Stellung allmälig um ihre Längsaxe nach der dista-
len Seite , während bei der hinteren Gliedmasse das Umgekehrte statt
habe, was dann die \\ eitere Folge nach sich ziehe, dass am Arme die
Streckseite an die distale, am Beine an die proximale Seile zu liegen
komme. Die Homologien der
beiden Extremitäten müssen
nach ihrer frühesten fötalen
Stellung bestimmt werden
und sind daher alle Extenso-
rengruppen einander gleich-
werthig , und ebenso alle
Flexorenabtheilungen , sowie
^ /i Radius und Tibia , und Ulna
und Fibula.
/y/7?
Alle Theile der Extremi-
täten bestehen ursprünglich,
abgesehen von den herein-
sprossenden Nerven und Ge-
fässen, aus ganz gleichartigen
iy ^ „v Zellen mit Ausnahme derer
des sie bedeckenden Ecto-
. derma. In diesem gleicharti-
gen Blasteme , das aus den
Hautplatlen sich hei-vorbildet, entstehen im zweiten Fötalmonate, so wie
die Extremitätenanlagen nur etwas grösser geworden sind , bei Kanin-
chen am 14. und 15. Tage, durch histologische Differenzirung die ein-
zelnen Gewebe und Organe , vor Allem die Skeletttheile , die Muskeln
i
-s
'147.
Fig. 147. Embryo eines Rindes, 3mal vergr. g Geruchsgrübchen; k' erster Kie-
menbogen mit dem Ober- und Unteri<ieferfortsatze ; vor dem ersteren das Auge;
k" k"' zweiter und driller Kiemcnbogen. Zwischen den drei Kicmenbogen zwei Kie-
nienspaMen sichtbar, wälirend der Mund zwischen den zwei Fortsätzen des ersten
Bogens liegt, s .Scheilelhückcr ; n Nasenhücker; o durchschimmerndes Gehorbläs-
clien mit einem oberen Anhange [recessus vestibuH); vp Viscoralplatten oder
Bauchplatten; ve vordere Extremität; / Leljcrgcgend ; am Reste des Amnion; //
Nabclslrang. Die Bauchwand dieses Embryo besteht noch grüsstentheils aus der ur-
sprünglichen Bauchhaul [Membrana reuniens inferior) , in welcher zierliche Gefäss-
ramificationen sicli finden.
Entstehung der Gelenke. 195
und die bindegewebigen Organe , wie die Sehnen und Fascien , von
denen liier nur die ersteren etwas näher zu liesprechen sind.
Nach meinen Erfahrungen entstellt das ganze Extrem itätenskelettEg^*«J«^^{'fJf
als eine von Anfang an zusammenhängende Blaslemmasse , in der vom skeietts.
Rumpfe gegen die Peripherie zu , Knorpel um Knorpel , Gelenkanlage
nach Gelenkanlage deutlich wird und sich diflerenzirt , so dass jeder
Knorpel vom ersten Anfange an selbständig und ohne Zusammenhang
mit den Nachbarknorpeln sich anlegt , zugleich aber auch von seinem
ersten Entstehen an mit seinen Nachbarn durch die gleichzeitig mit ihm
deutlich werdenden Gelenkanlagen vereinigt ist. Je mehr die Extremi-
tät wächst, um so mehr verlängert sich auch in ihrem Innern die Anlage
der Skelettgebilde, indem dieselbe zugleich die den einzelnen Ab-
schnitten entsprechende typische Gestaltung annimmt , und gleichzeitig
rückt, gewissermassen immer einen Schritt später, auch die histologische
Dilferenzirung nach. Wie man sich das Wachsthum der Anlage der
Skelettgebilde im Einzelnen zu denken habe, ist eine schwer genau zu
beantwortende Frage. Entweder setzen sich an die wachsende End-
zone, z. B. einer sich entwickelnden Phalangenreihe, aus dem umliegen-
den Blasteme immer neue Zellen an und ordnen sich histologisch den
schon vorhandenen Elementen unter , oiler es wächst die erste einmal
gebildete Skelettanlage durch eigene Thätigkeit ihrer Elemente weiter
etwa wie eine Drüsenalilage. Mag die eine oder die andere Vorstellung
die richtige sein, so erinnert auf jeden Fall das allmälige Deutlichwerden
eines Skeletltheiles nach dem andern an das , was bei der ersten Ent-
stehung der Urwirbel so bestimmt in die Erscheinung tritt, und was
auch bei der allmäligen Entstehung der Gliederung wirbelloser Thiere
(Arthropoden, Annelliden, Cestoden etc.) zu beobachten ist, in welchen
Fällen allen die Annahme einer wuchernden , successive sich gliedern-
den Blastemzone die den Verhältnissen entsprechende zu sein scheint.
Hier ist der Ort auch noch der Gelenkbildunü zu cedenken. Kein Entstehung der
^ _ Gelenke.
Gelenk entsteht von Hause aus als das , was es später ist und sind alle
Theile des Skelettes ursprünglich durch Syndesmosis verbunden , wenn
man einen Zustand so nennen darf, in welchem weiche, noch indifferente
Zellenmassen die Bindeglieder darstellen. Diese Zellenmassen sind, wie
schon angegeben, gleich bei der ersten Anlage des Extremitätenskelettes
gegeben und anfänglich von den Elementen nicht zu unterscheiden , die
die Knorpel liefern. So wie dann aber diese Hartgebilde deutlich zu
werden beginnen, fangen auch die Zwischenglieder an einen bestimmten
Charakter anzunehmen in ähnlicher Weise , wie bei der Dilferenzirung
der knorpeligen Wirbel und der Lig. intervertebralia. Anfänglich zeigt
jede Gelenkanlage in ihrer ganzen Breite so ziemlich dieselbe Dicke und
13*
196 Enh\icklung des Knochensystems.
zugleich überragen dieselben die Knorpelenden an gewissen Stellen,
wie L. B. an den Finger- und Zehengelenken, so dass sie wie grosse
»Zwisdienscheiben« (Henke und Reyher) erscheinen. Nach und nach ver-
ändern sich jedoch die Gelenkanlagen so , dass sie an ihren Randtheilen
sich verdicken und in der Mitte je zwischen den beiden Knorpeln dünner
werden, was am Ende so weit geht, dass die Gelenkgegenden wie dicke
Ringwülsle um die Knorpelenden erscheinen , welche letzteren mittler-
weile einander ganz nahe gerückt sind. Gleichzeitig hiermit wandeln
sich die Gelenkstellen in ihren äusseren Theilen je länger um so deut-
licher in Fasergewebe um, worauf dann in einem gewissen Stadium
auch die Gelenkhöhle in Form einer engen Spalte erscheint. Diese für
die Gelenkbildung wichtigste Erscheinung ist, wie mir- scheint, ein
ziemlich verwickelter Vorgang. Untersucht man die Handgelenke mensch-
licher Embryonen des 4. Monates, so findet man, dass überall die Knor-
pelenden ohne bindegewebigen Ueberzug die Gelenkhöhle begrenzen,
und führt dies zur Annahme , dass die einander entgegen wachsenden
Knorpel die mittleren Theile der Gelenkanlagen nach den Seiten drängen,
bis sie selbst zur Berührung kommen, womit dann die Gelenkhöhle ge-
geben wäre. Zu diesem Vorgange kommt dann in den peripherischen
Theilen der Gelenke noch eine Solutio continui ^ welche vielleicht in ge-
wissen Gelenken, wie denen mit Zwischenscheiben, als einziger Factor
auftritt, bei welcher Spaltbildung wohl unzweifelhaft mechanische, von
den umgebenden Weichtheilen Muskel, Sehnen, Bänder) ausgehende
Wirkungen eine Hauptrolle spielen. Ob in einzelnen Fällen auch Er-
weichungen bei der Gelenkbildung eine Rolle spielen, ist fraglich, und
möchte ich die sogenannten Halbgelenke, bei denen so etwas sich findet,
hier nicht herbeiziehen.
Die erste typische Gestaltung der Gelenkflächen leite ich von Wachs-
thumserscheinungen ab, indem dieselbe, wie z. B. am Tarsus, Carpus,
Hüftgelenke, Ellbogengelenke u. s. w. zu einer Zeit auftritt, in welcher
an einen Einfluss von Muskelwirkungen (L. Fick) unmöglich gedacht
werden kann , dagegen bin ich vollkommen bereit zuzugestehen , dass
die gebildeten Gelenkenden später noch mannigfach sich umgestalten und
gewissermassen sich abschleifen.
In Betreff der Zeit, in welcher die Gelenke sich bilden, so bemerke
ich, dass dieselben bei menschlichen Embryonen 6 — 8 Wochen nach
dem ersten Auftreten der bctreirenden Knorpel erscheinen. So finde ich
bei i Monate alten inenschlichcn Etubi-yonen an den Extremitäten alle
Gelenke bis auf di(! der letzten Phalangen angelegt.
Die SkcU'Kiiir-ilc der Extremitäten sind jillc als ächte hyaline Knor-
pel Norgf'bildfi inil Aiisiuihriic der Claviculd , die zwai- auch präformirt
Knochen der oberen Exiremilat. 197
ist, aber aus einem Blasteme besieht, das zwischen Knorpel und zelliger
Bindesubslanz die Mitte hält.
Anmerkung. Die Clavicula ist der erste Knochen der bei Menschen
ossificirt , und zwar in der 7. Woche, und erreicht rasch eine bedeutende
Grösse, so dass sie im 3. Monate bereits 8 — 9 nmi Länge besitzt.
Die Sternale Epiphyse der Clavicula entwickelt zwischen dem 15. und
18. — 20. Jahre einen Knochenkern in sich, der erst am Ende der Wachs-
Ihumsperiode (2 2. — 25. Jahr) mit dem Ilauptstücke verwächst.
Das Schulterblatt verknöchert im Anlange des 3. Monates mit einem mitt- Seapula.
leren Kerne, der bald über den ganzen Knorpel sich ausdehnt mit Ausnahme
des hinteren Randes, des unteren Winkels des Processus coracoideus , der Ca-
ritas glenoidea, der Sjntia scajmlae (Knorpelbeleg sehr dünn) und des Acro-
mion, die noch beim Neugeborenen knorpelig sind und wie Epiphysen und
Apophysen eines Röhrenknochens beim weiteren Wachsthume sich betheiligen.
Im ersten Jahre erhält der Proc. coracoideus einen besondern Kern. Andere
Kerne erscheinen erst später , so im zehnten oder elften Jahre ein Kern am
oberen Abschnitte der Cavitas glenoidea, und zur Zeit der Pubertät : l) zwei
neue Kerne im Proc. coracoideus , einer an der Spitze und einer an der Basis
nach hinten zu, 2) zw'ei bis drei Kerne im Acromion, 3) ein dünner scheiben-
förmiger Kern in der ganzen Ausdehnung der Cavitas glenoidea , 4) ein Kern
im untern Winkel , 5) ein langer streifenförmiger Kern in der ganzen Länge
der Basis, und 6) ein nicht beständig vorhandener Kern in der Spina. Von
allen diesen Nebenkernen verwächst zuerst der Hauptkern des Rabenschnabel-
fortsatzes mit dem Knochen (nach dem 16. — 17. Jahre), und bis zum 22. bis
25. Jahre hat der Knochen in der Regel alle Kerne in sich aufgenommen.
Das Oberarmbein ossificirt in der 8. oder 9. Woche in der Diaphyse. Huraerus.
Bei der Geburt sind die beiden Epiphysen noch vollkommen knorpelig, die
Diaphyse verknöchert. Im ersten Jahre bilden sich dann zuerst zwei Kerne
in den Epiphysen, und zwar Einer in der oberen Epiphyse und etwas später
einer in der Eminentia capitata. Bald nachher (im 2. Jahre) erscheint ein
Kern im Tuherculum majus, und etwas später einer im Tuberculum minus. Zu
diesen Kernen gesellen sich dann noch solche in den Condylen (5. — 10. Jahr)^
von denen der im Condylus internus vor dem andern auftritt, und in der
Trochlea (12. Jahr, nach Scuwegel im 2. — 5. Jahr), von welchen Neben-
kernen die oberen früher als die unteren mit dem Hauptepiphysenkerne sich
verbinden. Zwischen dem 16. und 20. Jahre verwachsen die Epiphysen mit
der Diaphyse, und zwar die untere früher als die obere.
Bei den Vorderarmknochen beginnt die Verknöcherung der Diaphyse im Vorderarm-
3. Fötalmonate, doch bleiben die Epiphysen auch nach der Geburt noch lange
knorpelig. Bei beiden Knochen erscheinen die unteren Epiphysenkerne vor
den oberen , und zwar beim Radius früher (im 5. Jahre Uffelmann), als bei
der Ulna (im 6. Jahre UffelmäiNn) . Der obere Kern tritt im Radius im 5. bis
7. Jahre einfach, in der Ulna, an der Endplatte des Olecranon , doppelt auf,
und zwar ein medialer grösserer Kern im 1 I . Jahre und ein lateraler kleinerer
im 14. Jahre (Uffeljiann . Nebenkerne, die zum Theil nicht beständig sind,
kommen vor in der Tuberositas radii. im Processus coronoideus ulnae (Scnw egel) ,
zwischen Olecranon und Diajjhyse (Scuwegel, von Uffelmann geläugnet), in
jys
Liilwickluag des Knücnensysieiiis.
den Griirelforlsälzen von Radius und Ulna. Epiphysen und Diaphysen ver-
scliiuelzen au den oberen Enden dieser Knochen um das 16. Jahr, an den
unteren Enden im 19. bis ?0. Jahre.
Handwurzel. Die knorpeligen Handwurzelslücke werden schon im 2. Fötahiionate
deutlicli und bleiben in der Regel knorpelig bis zur Geburt. Die Verknöohe-
rung findet bei allen mit Einem Kerne statt, und zwar in folgender Reihenfolge
und Zeit: 1^ Capitatuin I. Jahr.; 2) Hamatum (I. Jahr ; 3 Triquetrum
(3. Jahr); 4) Trapezium (5. Jahr); 5) Lunatum (5. Jahr); 6) Naviculare
(6. und 7. Jahr) ; 7) Trapezoideum (7. — 8. Jahr) ; 8) Pisiforme (l2.Jahr .
Centrale carpi. Sehr bcachtcnswerth erscheint die Entdeckung eines 9. Handwurzel-
knorpels bei jungen Embryonen durch Henke und Reyher und E. Rosenberg,
welcher ofTenbar dem bleibenden Centrale des Carpus einiger Säuger, der
Reptilien und Amphibien cnts])riclit. Nach E. Rosenberg erscheint das Centrale
bei Embryonen des i. Monates, sobald die übrigen Handwurzelknorpel deut-
lich sind, erhält sich bis in den Anfang des 3. Monates, zu welcher Zeit es
sich noch in einer Extremität von 0,85 cm Gesammtlänge vorfand. Von da
an schwindet das Centrale von der Volarseite nach dem Handrücken zu und
ist bereits bei einer Länge von Vorderarm und Hand von \ , 5 cm nicht mehr
da. Diese Angaben kann ich nach Beobachtungen an vier Embryonen aus dem
2. und 3. Monate bestätigen, deren Hände (vom Lunatum bis zur Spitze des
Mittelfingers) 2,13; 3,13; 4,21 und 4,78 mm
rnassen. Das Centrale erschien genau so, wie E.
Rosenberg es dargestellt hat (Fig. \ 48), umgeben
von den Carpalia I., 2. und 3. [Multangula wwl
Capitatum) und dem Radiale [Naviculare] und
ohne alle Beziehungen zum Iniermedium Luna-
tum] , rundlich dreieckig von Gestalt und mass
beim zweiten Embryo 0,097 : 0,13mm; beim
dritten 0,17 : 0,20; beim vierten 0,U : 0,17.
Wie E. Rosenberg bin auch ich zur Annahme ge-
langt, dass das Centrale später schwindet und
nicht mit dem Radiale sich vereint , denn es war
dasselbe bei einem Embryo des 3. Monates,
dessen Metacarpus \\\. 1,36 mm lang war, nur
noch an der Dorsalseite des Carpus in einer Grösse
von 0,14 mm vorhanden, und fehlte ganz bei
einem etwas älteren Embryo , bei dem die Ossifi-
cation der Metacarpusknochen bereits begonnen
hatte.
Ein zweites überzähliges Handwurzelelement sahen Henke und Revuer
neben einem Centrale (1. c. Taf. I. Fig. l). Möglicherweise ist dieses Gebilde,
wenn es als selbständiger Knorpel sich bestätigt, dem Sesambein des Abductor
poUicis tonr/us des Orang und anderer Primaten gleichzusetzen (E. Rosenberg).
Fig. U8. Fiüchenschnitt der Hand eines menschlichen Embryo vom 3. Monate.
Daumen und Carpale primum (MultanyuUnn majus) nicht siclitl>ar. Vergr. lOmal.
n Naviculare [Hadialej ; l Lunatum [Iniermedium ; t Triquetrum l'lnare] ; cc Centrale
rarpi ; uti MiiHnnfiulum minus [Carpale secundum] ; c Capitatum Carpale tertium] ;
h Hamatum iCarpale t/uarlum); 2 Zweiter Metacarpus ; "> Fiinfler Metacarpus.
Knochen der unteren Extremilät. 199
Die Ossa metacarpi verknöchern in den Diaphysen schon im 4. Monate, Ossa metacarpi.
und zwar nach Sciiweckl gewöhnlich in folgender Reihenfolge: Zweiter .Ve/a-
carpus, dann dritter und erster, endlich nach einander vierter und fünfter. In
derselben Reihenfolge und um dieselbe Zeit verknöchern aucli die Phalangen,
und zwar die der ersten Reihe früher als die andern. Bei der Geburt sind
alle diese Knochen von der Diaphyse aus fast ganz verknöchert , besitzen je-
doch alle je Eine grosse knorpehge Epiphyse, welche bei allen Phalangen und
dem Mctacorpus l das proximale, bei den anderen Metacarpusknochen das
distale Ende einnimmt. In dieser Epiphyse entstehen in den Metacarpusknochen
vom zweiten, in den Phalangen vom dritten Jahre an früher oder später be-
sondere Kerne, welche erst nach der Pubertät mit den Diaphysen sich ver-
binden. Nacli ScHwEGEL sollen alle Phalangen und Metacarpusknochen an
beiden Enden Epiphysenkeme besitzen , wie dies schon Albix für den Meta-
tarsus und Metacarpits I angegeben hatte. Allen Thomson 'und Hvmphry) be-
stätigt Albin's Angabe und fand auch am 2. Metacarjms eine proximale Epi-
physe, meldet jedoch nichts derartiges von den Phalangen. Dagegen sah
TnoMSON beim Seehunde an der hinteren Extremität an den Metatarsusknochen
und beim Delphine auch an den Phalangen je 2 Epiphysen.
Von den Knochen der unteren Extremität hat das Hüftbein als Vorläufer Hüftbein.
einen zusammenhängenden Knorpel von der Gestalt des späteren Knochens,
der jedoch, wie Gegenbair meldet Morph. Jahrb. II. S. 238), nach E.
Rosenbergs Entdeckung beim Menschen ursprünglich aus zwei Stücken be-
steht, dem Schanibeintheil und dem Darmbeinsitzbeintheil. Die Verknöcherung
beginnt mit 3 Kernen, einem im Darmbeine im 3. — 4. Monate, einem selten
zwei; im absteigenden Aste des Sitzbeines im 4. — 5. Monate und einem
(selten zwei) im horizontalen Schambeinaste im 5. — 7. Monate. Beim Neuge-
borenen sind noch knorpelig der Darmbeinkaram , der ganze Pfannenrand und
die Pfanne , in deren Tiefe jedoch die drei Knochenkerne durch Knorpel ge-
trennt der Oberfläche nahe stehen , der absteigende Schambein- und der auf-
steigende Sitzbeinast, der SitzbeinhÖcker und der Sitzbeinstachel. Zwischen
dem 6. — 12. — 14. Jahre entstehen drei Epiphysenkeme da, wo die drei Kno-
chen im Acetabuhim zusammenstossen, Epiphijses acetabuU ^Schvvegel), deren
Beständigkeit und genaueres Verhalten noch weiter zu untersuchen ist. Einer
davon am Schambeine os cotyloidien, Ramb.ud und Renailt, os acetabüU, W.
Krause] erweckt besonderes Interesse, weil derselbe, w enn er, wie beim Kanin-
chen nachKRAiSE, später mit dem Sitzbeine verschmilzt, das Schambein von der
Pfanne ausschliesst, auf welches Verhalten bei gewissen Thieren Gegenbair die
Aufmerksamkeit gelenkt hat l-c). Um dieselbe Zeit wie diese Kerne entsteht
auch ein Epiphysenkern an der Superficies auricidaris des Os ileinnd am Sym-
physenende des Os pubis (Schwegel) und Nebenknochenpunkte in der Spitm
anterior inferior Hei , der Crista Hei, der Tuberositas und Spina ischii, dem
Tuberculum pubicum , der Eminentia iliopectinea und dem Grunde der Pfanne
[Apophyses juncturae , Schwegel). Von allen diesen Knochenpunkten ver-
einigen sich zuerst vom 7. oder 8. Jahre an die den Arcus pubis begrenzenden
Theile der Schambeine und Sitzbeine , dagegen sind die drei Hauptstücke,
sammt ihren im 14. — 18. Jahre mit den betrelTenden Diaphysen verschmel-
zenden Epiphysen, in der Pfanne bis zur Pubertätszeit durch einen Yförmigen,
die Knochenkerne der Apophyses functttrae enthaltenden Knorpel geschieden,
und tritt die Verschmelzung dieser Theile im 17. oder 18. Jahre ein, nachdem
200 Eiitwickliuii; des Knocliensystems.
im Grunde der Pfanne vorher oft ein einziger Knochenkern entstanden ist, auf
den der Name Os acetabuli am besten passen würde. Die Nebenkerne ver-
schmelzen erst liegen das Ende der Wachsthumsperiode mit dem übrigen
Knochen.
Femur. Der OberschtMikrl erhiilt seinen Diaphysenkern am Ende des 2. Monates
und verknöchert bald in seiner Diaphyse in grosser Ausdehnung. Am Ende
der Fütalperiode zeigt sich ein Kern in der unteren Epiphyse und bald nach
der Geburt einer im Kopfe. Dazu kommen dann noch im 3. — \\. Jahre ein
Kern im Trochanter major und im 13. — 14. Jahre einer im Trochanter minor.
In umgekehrter Reihenfolge verschmelzen dann diese Kerne mit der Diaphyse
zwischen dem 17. und 24. Jahre, und somit der Trochanter minor zuerst, zu-
letzt die untere Epiphyse. Nach Schwegel haben auch die Condylen des
Femur ihre besonderen, vom 4. bis 8. Jahre ent.stehcnden Kerne, die vom
7. bis 14. Jahre mit dem Epiphysenkerne sich vereinen.
Crus. Die Unterschenkelknochen verknöchern von der Mitte aus im Anfange
des 3. Monates. Bei der Geburt sind beide Enden noch knorpelig, erhalten
jedoch ihre Kerne, von denen die oberen zuerst auftreten, im ersten bis dritten
Jalire. so dass die der Fibula um ein Jahr und mehr später auftreten als die
der Tibia. Um das 18. — 20. Jahr, auch wohl später, vereinen sich die Epi-
physen mit den Diaphysen, und zwar die unteren zuerst. Nebenkerne können
vorkommen in der Tuberositas tibiae und in den Malleoli (Schwegel) . Die
Kniescheibe ist schon im 2. Monate als Knorpel sichtbar, erhält jedoch ihren
Kern nicht vor dem 1 . — 3. Jahre.
Ossapedis. Von den Fusswurzelknochen verknöchern vor der Geburt meist nur der
Calca7ieus (6. Monat) und Astrag aliis (7. Monat), manchmal auch das Cuboidcum.
Im ersten Jahre ossificiren das Naviculare (Schwegel; nach Qiain im 4. oder
S.Jahrey und Cunei forme l., das Cuneifornie U. im dritten und das III. in) vier-
ten Jahre. Der Calcaneus erhält zwischen dem 6. und 10. Jahre einen Neben-
kern oben am Fersenhöcker, der nach der Pubertät mit dem Hauptknochen
verschmilzt.
Mittelfussknoclien und Zehenglieder verhaUen sich wie die der Hand,
nur dass ihre Kerne und die Verschmelzungen derselben im Allgemeinen etwas
später auftreten als an der Hand.
II. Entwicklung des Nervensystems.
§ 26.
Erste Entwicklung des Gehirns, der Hirnblasen, Krümmungen des
Gehirns. Frühe Zustände des Vorderhirns und Mittelhirns.
Erste Anlage deH Aus früheren Schilderuni.'on i.sl hinreichend l)ek;innt, d;iss das con-
Medniiarrohres. ^^^j^ Nervensvstem im Bereiche der Slamnizone der Eml)ryonalanlage
au.s einer lani];en , miisslG breiten Platte, der Med u 1 1 a rpl a t te , sich
anicf^t, welche mit dem llornblatle ununterbrochen zusammenhangt
Primitive Hiinabtheilungen.
201
Mh-
Hh
Primitives Vor-
derhirn.
und njieh und nacli zu einem Ilalhkanale sieh umwandelt , dessen nach
der Rückseite oll'ene Rinne die R Uek e n f u rclie und dessen Begren-
zungsränder die Rücken Wülste heissen (Figg. 26, 27). Der allmälige
Verschluss dieser Rinne am Rum])fe
und am Kopie und die Hildunj: eines Vh
zusammenhängenden MeduUarrohres '
ist el)enfalls schon besprochen, el)en-
so wie die ersten Zustände des Ge-
hirns, das Auftreten der drei Hirn-
l)lasen und der aus dem Yorderhirn
hervorsprossenden Augenblasen , in
welcher Beziehung daran erinnert
w erden kann , dass bei den Säugern
diese Gliederungen schon vor dem
Verschlusse der Rüctenfurche deut-
lich werden.
In weiterer Entwicklung ver-
ändert sich zuerst das Vorderhirn.
Dassell)e Ijosteht ursprünglich ge-
wissermassen nur aus zwei seitlictien
Ausbuchtungen, den Augenblasen.
Nach und nach aber w^ächst der zwi-
schen den Augenblasen gelegene Theil
nach vorn und oben aus (Fig. 149 Vh]
und kommen so die Augenblasen et-
was nach hinten und unten zu liegen.
Indem nun diese Vorgänge immer pj„ ^^g
mehr an Ausdehnun» sewinnen, und
zugleich die primitiven Augenblasen vom Vorderhirne sich abschnüren
und mit einem Stiele, der Anlage des Optikus, sich versehen, sondert
sich endlich das Vorderhirn in zwei Abschnitte ; in einen vorderen, das
secundäre Vorderhirn, Mihalkovics , vor und über den Aueen- secundäres vor-
' "^ derhirn.
blasen, und einen hintern, das Z w^i sehen hi rn , mit dessen unterer zwischenhirn.
Seite die Augenblasen in Verl)indung stehen.
Eine Sonderung in zwei Theile macht sich auch an der dritten Hirn-DritteHimWase.
blase in einer gewissen Weise geltend : doch werden diese Abschnitte,
die Hinterhirn und Nachhirn heissen, erst von dem Zeitpunkte an Hinterhim,
Nachhirn.
l)emerklich, in welchem die Anlasen des kleinen Gehirns bestimmter
A hl
Mr'
tl
Vo
ri
Mr
Fig. 149. Vorderer Theil eines Hühnerembryo vom Ende des zweiten Tages vom
Rücken her. 4 0mal vergr. Buchstaben wie in Fig. 34. Mr' Wand der 2. Hirnblase.
2U2
ImiIw irkiuui.' des Nervensystems.
auftreten
sc'hieht.
was nicht vor der Ausbildung der Ilirnkrümmung ge-
Krümmnngen j)j,s eben gebildete Gehirn liegt anfänglich mit allen seinen Theilen
des Uehirns. o r> fJ
in Einer Ebene , später jedoch biegt sich dasselbe gleichzeitig mit den
schon früljer gebildeten Kopfkrünimungen in eigenlhünilicher Weise.
Nacken-
krümmung.
Brücken-
kiümmnng.
Fig. 150.
Verfolgt man die Längenaxe
des Gehirns solcher Embryonen
oder noch besser den Verlauf der
inneren Höhlung desselben oder
des Hirnkanals, so ergiebt sich " *^
eine erste Krümmung am lieber- Fig. I5i.
gange des Rückenmarkes in die
Medulla oblo7igata, die Nackenkrtimmung des Gehirns, welche viel
stärker ausgeprägt ist als die entsprechende Krümmung des Kopfes.
Eine zweite noch beträchtlichere Biegung findet sich am Ilinterhirne, da
wo Hinterhirn und Nachhirn in einander übergehen , und zwar genau in
der Gegend, wo später die Varolsbrücke entsteht; ich heisse dieselbe die
B rücken krüm mung. Der vordere Schenkel dieser Krümmung führt
Fig. 150. Centralnervensystem eines menscliiiclien Embryo von 8'" Länge
(7. Woche). 1. Ansicht des Embryo von hinten mit blosgeicgtcni Hirn und Marii und
den neben demselben gelegenen Spinalganglien. 2. Ansicht des Gehirns und oberen
Ttieiles des Rückenmarkes von der Seite. 3. Ansicht des Geiiirns von oben, ■;• Vorder-
hirn; z Zwischenhirn ; 7?! Mittel hirn; /i Hinterhirn; n Nachhirn ; j: vorderes unteres
Ende des Zwischenhirns, wo später das Tuber cinereum liegt. Die rundliche Stelle
davor ist der Sehnerv.
Fig. 151. Kopf eines Schafembryo von 3,6 cm Länge (Kopflänge 1,46 cm) sagitlal
in der Medianebene durchschnitten, 3mal vcrgr. m Unterkiefer ; 3 Zunge; s Septum
narium; oh Ocripilale basilare ; Iho Thalamus o]ilivus ; it Decke des Veutriculits ter-
lius ; cp Commissura posterior ; mh Miltclhirn mit einer zufällig entstandenen Falle;
ms der mittlere Schädelbalken v. Ratiike (vorderer Schädclbalken ich ; hs hin-
terer Schädelbalken ; f Falx cerebri; f Schlussplatte des Vorderhirns; fm in der
Verlängerung dieser Linie das Foramen Monroi, von welchem aus eine Rinne rück-
wärts und abwärts zum Sehnerven zieht, der hohl ist. / Tmtnrium cerebelli ; cl
Cerebellum; pl Plexus rhorioideus venlriculi IV.
Krümmungen des Gehirns. 203
bis zum Mitlelhirn, wolclies in dieser Zeit den erhabensten Theil des
|j;anzen Gciiirns (larst<'llt Fii:u. 150, 151 . Am Mitlelhirn beginnt dann
eine letzte oder die Sehe i le I k rü mm unc , indem Zvvischenhirn und Scheitei-
~ ' Krümmung.
Vorderhirn wiederum naiiezu unter einem rechten Winkel zum Mittel-
hirn und Ilinlerhirn gestellt und mit ihrer Längenaxe nach unten ge-
richtet sind. Diese Krümmungen des Gehirns entsprechen bis zu einem
gewissen Grade den Biegungen . welche am Kopfe junger Embryonen
sich finden, indem der Nackenhöcker und der Scheitelfiöcker des Kopfes
auch am centralen Nervensysteme und zum Theil noch deutlicher sich
bemerklich machen; allein dieses hat noch eine Biegung, von welcher
der Kopf nichts zeigt und diese ist die mittlere Krümmung zwischen
Hinterhirn und Mittelhirn oder die Brückenkrümmung.
Es ist nicht leicht zu sagen , was die Ursache der Krümmunaen des Ursachen der
^ *" , Krümmnngea
centralen Nervensystems ist. Meiner Ansicht zufolge erklärt sich ein des GeMms.
Theil der Krümmungen , und zwar die Nackenkrünuiiung und die
Scheitelkrümmung, wie dies Rathke zuerst richtig angegeben hat,
aus dem in frühen Zeiten alle anderen Theile übertreffenden Längen-
wachsthume des centralen Nervensystems. Dass die Biegungen ge-
rade an diesen zwei Stellen eintreten, erklärt Rathke aus dem Um-
stände, dass die Axe des Skelettes an der Grenze zwischen Wirbel-
säule und Schädel und an der Schädelbasis , da wo die Chorda aufhört
und, wie ich hinzufügen möchte , die Hypophysis sich bildet , am nach-
giebigsten ist. Wird nun auch in dieser Weise die Krümmung von
Kopf und Hirn im Allgemeinen ganz gut erklärt , so genügt das Aufge-
stellte doch nicht, um die eigenthümliche Gestalt des letzteren im Ein-
zelnen begreiflich zu machen. Es muss daher noch ein besonderes Mo-
ment bei der Gestaltung des Gehirns im Spiele sein , und dieses finde
ich in dem Auftreten der Hirnhautfortsätze , die oben als vorderer der
hinleren Schädelbalken bezeichnet wurden. Von diesen sehr früh auf-
tretenden Fortsätzen setzt offenbar der vordere der einfachen Biegung
des Hirnrohres nach der ventralen Seite ein Hinderniss und bewirkt
eine viel stärkere Knickung desselben, als sie der Schädel erleidet,
während der hintere Balken durch Hebung des unteren Endes des Hin-
terhirns die rechtwinklige Knickung dieses Abschnittes vervollstän-
digen hilft.
Bevor ich weitergehe . will ich vorerst im Allgemeinen angeben, Umgestaitungea
welche Theile des ausgebildeten Gehirns aus den fötalen Hirnabschnitten im Allgemeinen.
hervorgehen. Das secundäre Vorderhirn wird zum grossen Gehirn mit
Inbegrilf der Corpora striata, des Corpus callosuin und des Fornix, wo-
gegen aus dem Zwischengehirn die Sehhügel und die Theile am Boden
des 3. Ventrikels sich entwickeln. Das Mittelhirn, anfangs ein grosser
204
Entwicklung des Nervensyslems.
Vorderhirn und
Zwischenhiru.
Fi2. 152.
Al)S('hnilt. tritt später izanz zurück und iiestallel siel) zu nichts anderem
als zu den Vierhüizeln . das llinlerhirn giobl die Varolsbrücke und das
Cerehelluni. und das Nachhirn das verlängerte Mark.
Zu den einzelnen Hirntheilen übergehend, bespreche ich zuerst das
secundüre Vorderhirn und Zwischenhirn. Das secundäre Vorderhii'n,
dessen Entstehung aus dem mittleren Theile des primitiven Vorderhirns
oben schon l)esprochen wurde, wandelt sich bald nach seinem Auftreten
in ein paariges Gebilde um . indem die seitlichen Theile desselben nach
oben und hinten sich ausbuchten, und schon im Stadium der Fig. 152
hinten durch eine starke Einbiegung vom Zvvi-
schenhirne sich scheiden, während auch an ihrer
oberen Seite eine Längsfurche sich bemerklich
macht, in welche ein von der Schädelwand aus-
gehender sagittaler Fortsatz, die primitive
grosse Sichel, hineinragt. Die Höhle dieser Hemi-
sphärenblasen [hfl] mündet, durch je eine grosse
Oeffnung [m] , das primitive Foramen Monroi, in
einen mittleren Theil des secundären Vorder-
hirns und durch diesen in die Höhle des Zwi-
schenhirns [t] ein. Diesen mittleren Theil, den die Fig. 152 zeigt, be-
trachte ich mit MmALKovics als Boden- oder Stammtheil des secundären
Vorderhirns.
Die einmal gebildeten Hemisphärenblasen liegen nur kurze Zeit vor
dem Zwischenhirn, und findet man beim Menschen, dass dieselben schon
im zweiten Monate nach hinten und aussen sich verlängern, bogenförmig
um den Sehhügel und Hirnstiel herumwachsen und erst den Unter-
lappen und dann auch den Hinterlappen anbilden. Im dritten Monate
ist der Thalamus opticus von dem mächtig heranwachsenden Grosshirn
schon ganz überlagert, dagegen bleibt der Vierhügel oder das Mittelhirn
längere Zeit frei Figg. 153, 154), wird jedoch im fünften Monate eben-
falls ül)erragl, so jedoch, dass derselbe in der Ansicht von hinten anfangs
noch sichtbar ist und erst im sechsten Monate ganz sich verbirgt, um
welche Zeit das grosse Gehirn über das.Cerel)ellum hinausreicht und
zwar mehr als dies später der Fall ist.
Indem ich nun- die genauere Schilderung der Veränderungen der
äusseren Fläche tler Hemisphären für einen späteren § mir aufspare,
Fig. 1.j2. llorizontiilscimitt durcti das Vordcrliirn und Zwisctienliirn eines
45 mm langen ,Scliafend)iyo. Veigr. 15 mal. /( llcinispliüren des Vorderhirns; m
Gegend des späteren Foramen Monroi; t' mittlerer Theil des Vorderhirns; Ih Tala-
mus opticus ; 0 Ausbuchtung, die liefer zum Opticus führt, t Höhlung des Zwlsclien-
hirns [Venlriculus lertius,.
Grosses Hirn.
205
wende ich mich zur schwierigen Darlegung; der inneren sie betreffenden innere verände-
'~ , rungenderHemi-
V'^orcjini'e. Unter diesen fallen in erster Linie die \ ereni:erun^en der Sphären.
Höhle der Heniisphärenblase, die Bildung des SlreifenhUgels, des Plexus
chorioideus lateralis und die Entwicklung der sog. grossen Hemisphären-
spalte in die Augen, und erscheint es am zweckmässigsten , behufs der
Schilderung derselben von einem etwas vorgerückteren Stadium aus-
zugehen.
Oeffnet man bei einem Embryo von drei Monaten die Hemisphären
von oben durch einen horizontalen Schnitt Fig. 155) , so findet man im
Fig. 133.
Fi2. 155.
Fig. 154.
Fig. 133. Gehirn eines 3monatiichen menschlichen Embryo von der Seite in
natürlicher Grosse, h Hemisphäre des grossen Hirns, an der schon alle Lappen und
breit und kurz auch die Fossa Sylvii deutlich ist. m Mittelhirn ; c Cerebellum; mo
Rest der Membrana ohturatoria ventricuU IV, die als bogenförmige Leiste vom kleinen
Hirn auf die Medulla oblongata übergeht.
Fig. 154. Gehirn und Mark eines vier Monate alten Embryo des Menschen in
natürlicher Grösse. Ä Hemisphären des grossen Hirns; rVierhügel; c kleinesGehirn,
dessen scheinbar hinterste Windung nichts Anderes ist, als die Membrana obturatoria
ventricuU; mo verlängertes Mark.
Fig. 135. Gehirn eines dreimonatlichen menschlichen Embryo in natürlicher
Grösse. I. Von oben mit abgetragenen Hemisphären und geöffnetem Mittelhirne.
f Vorderer Theil des abgeschnittenen Randbogens des grossen Hirns ; f hinterer
Theil des Randbogens, der einen Vorsprung nach innen , das Ammonshorn bedingt;
est Corpus striatum , davor eine starke nach innen vortretende Einbiegung der Hemi-
206 • Entwicklung des Nervensystems.
IniUM-n derselben eine grosse Höhle, die jedoch von einer röthliehen, ge-
kräuseüen, faltigen Masse nahezu ganz erfüllt wird, die nichts anderes
dfusVtfraiit ^^^ ^^^ *^^'" unverhältnissmässig grosse Plexus chorioideus lateralis.
Schneidet man densell)en von der medialen Wand der Heniisphärenblase,
von welcher er ausgeht, ab, so findet man unter demselben eine läng-
corpui^itind,,,,,. liehe kolbenförmige Erhabenheit, das Corpus striatum. welches
nach aussen und vor dem Zw ischenhirne oder Sehhügel befindlich tief
unter demselben liegt und durch eine tiefe enge Spalte von ihm getrennt
erscheint , in Wahrheit aber doch in seinen hinleren zwei Dritttheilen
mit dem Thalanuis verschmolzen ist. Ein noch engere, aber weniger
tiefe Spalte scheidet den Streifenhügel auch von der äussern Wand der
Ilemisphären])lase . die hier etwas dicker ist als an den benachbarten
Stellen und sowohl nach aussen als nach innen leicht convex vorspringt.
Die Hemisphärenblasen sind in diesem Stadium an der ganzen oberen
Seite und vorn durch eine tiefe Spalte von einander geschieden und
ganz ohne alle Verbindung, wogegen sie vorn und nach unten zu zw;u*
durch eine Fortsetzung der eben erwähnten Spalte getrennt erscheinen,
jedoch im Grunde der Spalte unter einander zusammenhängen. Diese
dMHemffptoen^ 6'''5iii dungsp la 1 1 e oder Schlussplatte ist eine weitere Enl-
*"^*' "h^h-ns?'^^*^' Wicklung des ursprünglichen Mittelstückes zwischen beiden Hemisphären-
blasen (Flg. 152 bei t'), und läuft an der untern Seile des Gehirns bis
zur Gegend des Chiasma der Sehnerven. In der grossen Hirnspalle liegt
Primitive Sichel, die nun gut entwickelte primitive Sichel, welche jedoch um diese
Zeit beim Mangel eines Balkens und des Gewölbes bis zur Oberfläche
des Sehhügels reicht und zum Theil zwischen diesem und den Hemisphä-
ren zur Schädelbasis herabzieht Fig. '156), ;cun) Theil in das Bindegewel>e
der Tela chorioidea superior und der seitlichen Adergeflechte sich fortsetzt,
\\'\e dies später genauer auseinander gesetzt werden wird. Noch be-
merke ich . dass die Höhle der Hemisphären zwischen dem vorderen
Ende des Sehhügels und der Schlussplatte beider Hemisphären durch
ein spaUenfönniges . abei" immer noch ziemlich weites Foramen Monroi
mit dem engen dritten Ventrikel zwischen beiden Sehhügeln sich ver-
bindet.
Versuchen wir nun die eben geschilderten Verhältnisse aus den
einfachen Anfängen der Fig. \'62 abzuleiten, so ist es an) zweckmässig-
sten, eine Reihe von Schnitten früherer Zustände zu Grunde zu legen.
splicircnwaiKl . die später vergeht; tho Tiilamus opticus. 2. Dasselbe Gehirn von
unlen , / o Tractus opticus noch (juerslchend ; cm Corpora mcwiillaria , eine einfache
Masse bildend, p Pons Varoli; luo Rest der Membrana ohturntorin vcntriculi IV.
Ausserdem sieht man noch das Tuher cinereum und die ai)f.'eschnitlenen zwei Nervi
optici und am Vordeilajipen die beiden Bulbi nnd Tractus olfactorii.
Grosses Hirn.
207
Die Fig. 156 zeiel einen Horizontalabschnill der olleren Theile beider
Hemisphären eines Kanincheneml)ryo über den Adergeflechten , von
welch letzteren jedoch der ol)erste Theil , obschon nicht angeschnitten,
hei pl sichtbar ist. und lässt die grosse Höhle sv im Innern der Hirn-
blasen erkennen , deren Wandungen an der lateralen Seite stärker sind
als an der medialen, die dem Thalamus opticus zugewendet erscheint.
An diesem [tho] erkennt man die dicken Seitentheile, den engen 3. Ven-
trikel und \orn eine dünne Decke oder Deckplatte tho', aus der ^f'^'^P'****
' ' :j. Ventnk
später das Epithel der Tela chorioidea superior und des Plexus chorioideus
ventricuU tertii sich gestaltet. Zwischen beiden Hemisphären dringt von
vorn her die primitive Falx f ein, spaltet sich am Sehhügel in 2 Blätter,
die rechts und links vom Thalamus zwischen ihm und den Hemisphären
rückwärts laufen und mit den seitlichen Theilen des mittleren Schädel-
balkens ms sich verbinden.
Ein zweiter tieferer, durch dasselbe Gehirn gelegter Schnitt (Fig. 157)
des
Ventrikels.
Fig. 156.
Fig. 157.
Fig. 156. Horizontalschnilt des Schädels und Gehirns eines Kaninchenembryo
von 16 Tagen über dem Streifenhügei durch den seitliclien Ventriicel 10 mal vergr.
niÄ Mittelhirn; ms mittlerer Schädelbalken ; t/io Zwischenhirn oder Thalamus opti-
cus mit dem 3. Ventrikel; tho' vordere Wand des Thalamus opticus oder Deckplatte
desselben; sv Höhle der Hemisphären oder seitlicher Ventrikel; pl Plexus chorioi-
deus lateralis ; f Falx cerebri primitiva und Pia ; f Fortsetzung dieser Theile zwischen
Sehhügel und Hemisphäre bis zum mittleren Schädelbalken; crc Crus cerebri..
Fig. 157. Horizontalschnitt durch das Gehirn und den Schädel desselben Kanin-
chen wie Fig. 156 in der Gegend der Corpora striata. Vergr. fast 40 mal. hc Hemi-
sphäre des Gehirns; t'Ä Vorderhirn; u Schlussplatte der Hemisphären ; fm Foramina
208 Entwicklung des Nervensystems.
zeigt in bemerkenswerther Weise abgeänderte Verhältnisse. Vorderhirn
und Zwischenhirn hiUh^n hier eine einzige zusammenhängende Masse,
und sieht man nicht nur den vorne zweigetheillen Streilenhiigel (c str)
mit dem Thalamus [th o) in breiter Verbindung , sondern es strahlt auch
bei er' die Faserung des Hirnstieles aus dem einen dieser Ganglien in
das andere aus, und ist die Verbindung des Slreifenhügels mit der äusse-
ren Wand der Hemisphäre zu erkennen. Ferner hängen die Hemisphären
vorn durch die Schlussplatte v im Grunde der von der Sichel s ausge-
füllten vorderen Spalte mit einander zusammen, wogegen hinten noch
ein Rest der zwei seitlichen Platten der Sichel sichtbar ist, die den
Thalamus und die hinteren Theile der Grosshirnblasen [uh) scheiden.
Die Höhlen anlangend, so ist der dritte Ventrikel rf vorn durch zwei
Foramina Monroi •fm) mit den Höhlen der Hemisphären verbunden, von
denen hier nur bei vh der vorderste und bei uh der hinterste Theil
sichtbar ist.
Der Frontalschnitt (Fig. 158) zeigt den vor deh Hauptmassen des
Zwischenhirns gelegenen Theil des Vorderhirns eines Schafembryo von
27 mm aus der Gegend des Foramen Monroi . Die grossen mit einer Furche
versehenen Kolben der Streifenhügel [st] bilden theils den Boden des
seitlichen Ventrikels [vi], theils begrenzen sie gemeinschaftlich mit den
vordersten Theilen der Sehhügel [th] den Mittelraum des eigentlichen
Vorderhirns m, der nach unten zu in den vordersten, vor dem Chiasma
gelegenen Theil des dritten Ventrikels [t] übergeht. Als Decke des
Mittelraumes des Vorderhirns dient w'ie beim Erwachsenen der vorderste
Theil der Tela chorioidea snperior [s] , die seitlich jederseits in den
Plexus chorioideus lateralis übergeht. Die bindegewebigen Theile dieser
zwei Gebilde sind Fortsetzungen der primitiven Sichel , die nicht nur
bei f \i\ die grosse Längsspalle des Gehirns eintritt, sondern auch beim
Mangel eines Balkens und Gewölbes bis auf die Vereinigungslamelle der
beiden Hemisphären und ihren Uebergang in die Deckplatte des 3. Ven-
trikels U) dringt und mit der letzleren zusammen die Tela superior er-
zeugt. Ein anderer Theil der Sichel dringt unterhalb einer eigenthüm-
lichen Windung h (Ammonswindung, Miiialkovics) an der medialen Wand
der Hemisphäre in den Plexus lateralis ein, dessen Zellenuberzug nichts
anderes als eine Forlsetzung der Wand des Vordcrliirns ist. Und zwar
setzt sich die mediale Wand der Hemisphäre in die obere Begrenzung
Monroi; r xtr Corpus slriatum ; th o Thalamus opticus: er' Ausslriilihinj^ des Ilirn-
stieles in beide diese Theile; vi Ventriculus IIl ; uh Unicrhirn; ms uiiltlererScIiädei-
balkcn ; r rc Hirnstiel ; vm Velum medullnrp supcrius ; Ic Tentoriiim rerebelli , i\n\\\n-
ler der hinterste Theil des Mitielhirns. Zur liclilJL'cn AiilTiissiiii!.; dieses Schnittes
vergleiche nism den Sagitlaischnilt Fig. I.il.
i'IoMis cliurioKlci.
2U'J
lies Plexus fort , während die untere Zellenlage desselben in die Ver-
einigungslanielle beider Hemisphären übergeht. Diesem zufolge hat der
ganze Plexus einen Leberzug von der Medullarplatte. und ist die Stelle,
wo derselbe scheinbar in den Seitenventrikel eindringt, keine Spalte der
Hemisphäre, sondern nur eine Kinbuchlung der medialen \Vand der-
selben.
In der Fig. 159 ist bei demselben Schafembryo die Stelle gewählt,
wo Sehhügel und Streifenhügel verschmolzen sind, und ist dieser
Schnitt vortrefflich geeignet, erkennen zu lassen, wie die späteren Ver-
hältnisse der Plexus laterales aus den primitiven hervorgehen. Man
denke sich nämlich den tiefen breiten Theil der Falx /' durch den in der
Geuend der Windung h aus der Hemisphärenwand . hervorgewachsenen
Balken und das aus dieser Wand selbst entstandene Gewölbe von dem
ol)eren Theile. der zur bleibenden Sichel wird, getrennt, so stellt dieser
untere Theil die Tela chonoidea superioi- dar, welche da, wo sie über
dem 3. Ventrikel liegt, die Deckplatte desselben als epithelähnlichen
Fig. 13S. Frontalschnitt durth das Gehirn eines Schafembryo von 2,7 cm Länge.
Vergr. lOmal. st Corpus striatuni ; m Foramina Monroi : t Veniriculus III; pl Plexus
lateralis; l Ventriculus lateralis; s Schlussplatte der Hemisphären, hier Verbindungs-
platte der beiden Plexus laterales und Fortsetzung der Deckplatte des 3. Ventrikels:
/Grosse Hirnspalte mit der primitiven Sichel; th tiefster vorderster Theil des Tha-
lamus opticus; ch Chiasma ; o Opticus; cHirnstielfaserung; k Hemisphären mit einer
in den Seitenventrikel vorspringenden Windung an ihrer medialen Wand ; p Pha-
rynx; s a Sphenoidale anleiius ; a . IIa parva.
Kölliker, Grundriss. 44
210
EntNvicklung des Nervensystems.
Ueberzug gewinnt und mit ihr zusammen auch den Plexus Ventriculi III
bildet. Weiter seitwiiits sitzt die Tela der oberen Fläche des Thalamus
als Pia auf und zieht sich dann von dem Punkte an , wo der Plexus late-
ralis abgeht, in das Innere desselben hinein. Der Ueberzug dieses
Plexus ist auch jetzt noch unmittelbare Fortsetzung der Wand der Hemi-
sphäre, doch geht in diesem Stadium nur noch an der oberen Seite die
üanze Wand auf den Plexus ül>er. während an der untern Seite nur das
bereits deutliche Ependyma des Bodens des Ventriculus lateralis und der
untern Seitenhäifte des Thalamus es ist. welches diese Rolle übernimmt.
Tela chorioidea superior und Plexus lateralis hängen somit wohl unmittel-
bar zusammen, doch sind die von der Medullarplalfe herrührenden Be-
Fig. 1.59. Frorilfjlsciinilt durch das Gehirn des Schafenibryo der Fig. 158, drei
Schnitte weiter liinten. Seitlich sietit man noch eine Spur der Pigmentschiclit des
Auges. Thalamus und Corpus strialum sind in der Tiefe versctimolzen, und begrenzt
der unterste Theil der lateralen Oberfläche des Thalamus den Ventriculus lateralis,
weiche Gegend später zum lateralen Abschnitte der oberen Fläche des Thalavius
wird, oder zur Zone zwischen der Stria cornea und der Anlieftungsstelle des Plexus
lateralis, to Tractus fj])ti':us ; t Ventriculus HI : d Deckplallo desselben ; th Thalamus
opti'us; st Corpus striatum; c Hirnstielfaserung; c' Ausslralilun,!: derselben in die
laterale Wand der Hemisphären; e seitlicher Ventrikel mit dem Plexus lateralis pl;
hin den Ventriculus lateralis vorspringende Windung; f Primitive Sichel; am Ala
maf/na ; a Ala parva ; s a Sphenoidale aulerius ; p l'harx ii\ ; m k MKCKEL'scher Knorpel.
Secundäres Vorderhirn. 211
lege beider an dieser Stelle ganz und gar gelrennt und nur im Bereiche
des Foramen Monroi in Verbindung, wie ein Blick iiuf die Fig. 158
dartliut.
Fassen wir nun an der Hand dieser Schnitte die wesentlichen Ver- Veränderungen
änderungen ins Auge, welche das secundäre Vorderhirn nach seiner *vorde"Mrns*°
ersten Bildung erleidet, so sind es folgende.
Einmal entwickelt dieses Vorderhirn schon in früher Zeit auf jeder
Seite einen selbständigen hohlen Fortsatz , der neben und über dem
Zwischenhirne nach hinten und unten wuchert und niemals mit dem der
anderen Seite in direkte Verbindung gelangt. Wahrend dies geschieht,
trennt sich der mittlere Theil des Vorderhirnes durch eine longitudinale,
von der primitiven Sichel eingenommene Spalte immer schärfer in zwei
Hälften, welche jedoch im Grunde der Spalte durch eine mittlere Schluss-
oder Verbindungsplatte vereinigt bleiben . welche vor dem Thalamus
beginnt und bis zum Boden des 3. Ventrikels herabläuft (Fig. 151 .
Ein zweiter erwähnenswerther Vorgang ist die Verdickung der
Wandungen der Hemisphärenblasen, welche am Boden derselben be-
ginnt und zur Entwicklung des bald mächtig werdenden Streifenhügels
führt. Ausserdem tritt auch schon in früher Zeit, vom Corpus striatum
ausgehend, eine langsame Verdickung der lateralen Wand der Gross-
hirnblase auf.
Mit der Entwicklung der Grosshirnganglien yeht drittens auch eine
Verschmelzung derselben mit dem Sehhügel Hand in Hand. Während
anfangs die Hemisphärenblase nur mit dem vordersten Theile des hinter
ihr liegenden Abschnittes in Verbindung ist (Fig. 150 , vereinen sich
später die Bodentheile derselben nach hinten fortschreitend inuner mehr
mit dem Zwischenhirne (Fig. 157), bi's am Ende beide Ganglien mit
den einander zugewendeten Theilen ganz verschmolzen sind (Figg. 155,
158, 159 .
Die Verengerung der ursprünglich so weiten Höhle der Grosshirn-
blasen hängt in erster Linie ab von den Verdickungen ihrer Wände bei
der Bildung der Streifenhügel, doch sind ausserdem auch noch von Ein-
fluss die Bildung einer Falte an der medialen Wand iFig. ]'69h und die
Entwicklung der Schlussplatten nach hinten, die mit dem VVachsthume
der Sichel in Zusammenhang steht. Durch den letzt genannten Vorgang
wird vor Allem das MoNROi'sche Loch immer enger s. die Figg. 152. 157 ,
an dessen Verkleinerung möglicherweise auch einWachsthum der Hirn-
eanglien nach vorn seinen Antheil hat. Das in Verengerung l)egritTene
Foramen ist eine von vorn und oben nach unten und hinten gekrümmte
Spalte, wie sie die Fig. 151 zeigt. Endlich trägt indirekt zur Verenge-
rung der Höhlen auch die früh erfolgende Bildung der Adergeflechte bei.
212 Kiitwicklunt; dos Nervensystems.
welche tlurcli eine Einstülpung der medialen Wanil der llemisphären-
blase unter gleichzeitiger Bildung gefässreicher Fortsätze der primitiven
Sichel onlslolien. Diese Einstülpung bildet sich in einer Linie, die vom
Furdiiit'ii Moni Ol aus längs der oberen Theile der Seitenfläche des Thala-
mus rückwärts zieht und In der Höhe der Cauda des Slreifenhügels
endet. In dieser Gegend ist die Hemisphärenblase nicht gesj)alten oder
ofl'en, wohl aber verdünnt sich im ganzen Bereiche des Plexus die Me-
dullarplatte und gestaltet sich schliesslich zum Ependyma desselben.
§ 27.
Zwischenhirn, Mittelhirn, Hinterhirn.
Zttis.heniiirn. In den bisherigen Betrachtungen geschah des Zwischenhirns
mehr nur gelegentlich Erwähnung, nun ist aber dieser Ilirnlheil genauer
in seinen Einzelheilen zu schildern.
Anfänglich eine dünnwandige Blase, wie die übrigen Abtheilungen
des Hirns, verdickt sich das Zwischenhirn bald in seinen Seitentheilen
und lässt sich dann mit Reichert passend in einen Sehhügel- und einen
sehhögeitheii Tr ich t c r t li e i 1 sondern. Der Sehhüseltheil nimmt die obern und vorde-
aes •"
Zwischenhirns, reu Seitenthcile ein und gewinnt rasch eine sehr erhebliche Dicke
^Fig. 1Ö6 , so dass die ursprüngliche breite Hohle dieses Ilirnabschnittes
(Fig. 452) zu einer engen senkrechten Spalte, dem 3. Ventrikel, sich ge-
staltet. Den Umfang dieser Verdickung und somit auch die Gestalt des
eben entstandenen Sehhügels, dem diese entspricht, ersieht man am
besten aus Längsschnitten, wie die Fig. 151 einen darstellt, welche er-
giebt, dass die Sehhügelregion die vorderen und oberen Theile des
Zwischenhirns einnin)mt und durch eine Furche, den Sulcus Monroi
Reichekt, von der Trichterregion des Zwischenhirns geschieden ist.
Deckplatte des Nach obcu wird der 3. Ventrikel durch eine Deckplatte ge-
•J. Ventrikels. ^^ °
schlössen, deren Verhältnisse aus den Figg. 156, 158, 159 hinreichend
deutlich werden. Diese Deckplatte b(!ginnl als unmittelbare Fortsetzung
der Decke des Vierhügels und zeigt hier bald eine Verdickung, die nach
und nach die Foi-m eines kleinen Umschlages jmninmit (Fig. 151) und
f'ommiHHurn die crstc Spur (Icr hinteren Com m i s s u !• darstellt . Etwas vor dieser
Stelle erscheint bei etwas vorgerückteren Embryonen eine kleine, nach
Zirbel, hinten gerichtete Ausbuchtung, die erste Spiw der- Z i r b e I , (i hin d ula
j) in eal is.
Weiter njieli vorn wird die Deckplatte des 3. Ventrikels immer
schmäler Fig. 159 , um jedocli . dicht iilx'i' dem .MoNnoi'schon Loche,
Zwischeiiliiin. 213
wiederum sieh zu verl)peilorn (Fig. 156 und d;mn unniitlelhar in die
Schlussplalle oder Vereinigungsplalle der Hemisphären sich fortzusetzen
(Figg. 156, 157 r. Diesen Uebfergang stellt die Fig. 151 ;nn klarsten
dar, indem hier die Deckplatte des 3. Ventrikels c]) und vt längs des
Randes der Sichel f in ihrer Fortsetzung in die Schlussplatte der Hemi-
sphären f in ihrer ganzen Ausdehnung dargestellt ist.
Die Tricht e rregion des Zwischenhirns zerfällt in einen Trichterregion.
hinteren und einen unteren Abschnitt. Der erslere geht aus dem Boden
des Mittelhirns hervor und steigt an, der vorderen Seile des mittleren
Schädelbalkens bei jungen Embryonen (Fig. 151) ganz steil herab bis
zum Infundibulum und zur Gegend des Sattels. Hier biegt die Trichter-
region wie unter rechtem Winkel um , zeigt bald darauf seitlich eine
OelVnung , den Anfang des Nervus opticus , und endet vor dieser Stelle
blind durch die Lumina terminali s geschlossen, w-elche, in iker Lumina urminn-
Fig. 1o1 unter dem Buchstaben/' gelegen, als das Ende der Schluss-
platte der Hemisphären angesehen werden kann. Anlangend die Be-
schaflenheit der Wandungen der Trichterregion , so ist der Boden der-
selJjen nur hinten vor der Spitze des mittleren Schädelbalkens dick,
w eiche Gegend noch an der Bildung der Hirnstiele sich betheiligt, weiter
^orn dagegen ist die Trichterregion unten nur durch eine dünne
Lamelle geschlossen, die die Grundplatte heissen kann und in Grundplatte der
" ' ' Inchterregion.
früherer Zeit , ohne weitere Differenzirungen zu zeigen , in die Lamina
terminalis übergeht. Bald jedoch entwickelt sich in ihr in der Gegend
zw ischen beiden Sehnerven [Sehnervenplatte Mihalkovics) das Chiasma f'hiasma.
und ein Theil des Tractus opticus, ferner am Infundibulum eine stärkere
Hervorwölbung, das Tuber cinei'eum , und hinter diesem eine unpaare ^'«*«»' "««»•«'"'' •
Wucherung, die Anläse der Corpora mamiUaria iFig. 155,2], w^ährend Corpora ma-
zugleich die dicke Hirnstielanlage seitlich etwas mehr hervortritt und
paarig w ird . von welchem Zeitpunkte an der Boden der Trichterregion
nicht mehr weit von den bleibenden Verhältnissen verschieden ist.
Die untere Trichterregion ist das eigentliche Ende des primitiven
Gehirns oder des ursprünglichen Vorderhirns . und betrachte ich an ihr
als den vordersten Theil nicht die Gegend des Trichters, sondern die der
Sehnervenursprünge sammt der vor diesen gelegenen Lamina terminalis,
w eil am primitiven Gehirn die hohlen Sehnerven oder die Abgangstellen
der primitiven Augenblasen die allervordersten Theile einnehmen.
Es erübrigt nun noch von dem Hirn anhange und der Zirbel
im einzelnen zu handeln.
Der Hirnanhane. Hi/pophusis cerebri. ist ein Gebilde, das Hypophysts ce-
nui- in seinem hintern kleineren Lappen dem centralen Nervensysteme
angehört , während der grössere vordere Abschnitt desselben von der
214 Entwiiklung des Nervensystems.
priniitivon Miindluihle aus sich eutwickelt, und zwar von dem Theile
. lier. dtT iirspiUiiulich vor der Rachenhaul liegt und die primitive, vom
äusseren Keimblalte ausgekleidete MuniHjucht darstellt (s. S. 1 71 , Fig. 1 33) .
Von diesem Keind)iatte oder dem Ecloderma aus bildet sich sehr früh
eine durch die primitive häutige Schädelbasis dringende Aussackung, die
"■*'t'?^he*" H\ popln sen ta sehe oder das H\ pop h ys en sacke he n , welche
später im Zusammenhange mit der Entwicklung der knorpeligen Schädel-
basis von der oberen Schlundwand sich abschnürt und in die Schädel-
höhle zu liegen kommt, wo sie dann w"eiter in ein zusammengesetztes
drüsenartiges Organ, den grösseren Lappen des Hirnanhanges, sich um-
Hinterer kleiner bildet. Umgekehrt entwickelt sich der hintere Lappen der Glandula
Lappen der *- r^'
Hypophysis. pituitaiia aus einem hohlen Fortsatze der Trichterregion des Zwischen-
f,oc(sj,,si,ifun- hivns, welcher primitive Trichter [Processits infundibuli] später
an seinem unteren Ende solid wird und zu indifferentem Gewebe sich
gestaltet und nur im bleibenden Infundibulum hohl und nervös sich
erhält.
Anmerkung. Die abgeschnürte Hypophysentasche treibt in weiterer
Entwicklung aus ihrer vorderen Wand hohle Sprossen , welche bald sich ver-
ästeln, wjihrend zugleich das umliegende Gewebe reich an Gefässen wird und
alle Lücken zwischen den Sprossen von solchen eingenommen werden. Wäh-
rend nun diese Sprossen sich fortwährend vermehren , werden zugleich auch
ihre Enden durch die wuchernde Gefässlage abgeschnürt , was jedoch ihrem
Wachsthunie kein Ziel setzt; vielmehr geht, so lange die Hypophysis noch
nicht fertig ist, diese Sprossenbildung und die Abschnürung der Sprossen un-
imterbrochen fort , wobei jedoch das Beachtung verdient , einmal dass Reste
des ursprünglichen Hohlraumes sehr lange , vielleicht zeitlebens sich erhalten,
und zweitens , dass die anfänglich als hohle Sprossen auftretenden und als
solche wuchernden und sich verästelnden Gebilde später an ihren Enden solid
werden und auch in diesem Zustande weiter wachsen.
Zirbel. Uie Zirbel ^Coiiariutti , Glandula pineulis) ist in ihrer primitiven
Form einfach eine Ausstülpung der Decke des Zwischen hirns. Später
tT-eibt beim Hühnchen dieser Blindsack hohle Sprossen, die sich abschnü-
ren, während zugleich reichliche Gcfässe sich um dieselben entwickeln,
bis am Ende so zu sagen die ganze Ausbuchtung in blasenförmige, von
epithelähnlichen Zellen ausgekleidete Gel>ilde sich umgewandelt hat. Bei
Säugethieren sind die Vorgänge dieselben, nur verlieren die abgesonder-
ten Theile später ihre Höhlung. Diesem zufolge sind die Drüsenblasen
der Zirbel der Vögel und die Zellennesler der Säugethiere auf die Medul-
larplatlo zurückzuführen und in demselben Sinne epitheliale Organe wie
das Ef)ilhcl der Adcrgellcchtc.
Miueihirn. l);is .M i 1 1 (• I li i r" II erleidet keine so bedeutende Veränderungen, wie
.Mittelhirn.
215
die bisher heschrieltenen Hirntheile. Ursprünglich ein grosser, ganz frei
gelegener Hirntheil Figg. 150, 153), wird derselbe, wiesehon früher
angegeben, allmälig vom grossen Hirn bedeckt, während er zugleich im
Wachsthume weniger fortschreitet und nach und nach zu einein unter-
geordneten Gebilde zurücksinkt Fig. 154). Zugleich verengert sich
auch die Höhle der Blase, vor Allem durch Wucherung ihrer Anfangs
dünnen oberen Wand, während die untere
der S|)itze des mittleren Schädelbalkens
anliegende Wand schon früh sehr dick
erscheint Fig. 156) , so dass am Ende
nur noch der Aquaeductus Sylvii als Rest
derselben übrig bleibt.
Die Vierhügel sind schon im 5. Mo-
nate mit zwei Furchen versehen Fig.
160 , doch ist die Längsfurche nur zwi-
schen dem vorderen Hügelpaare da und
die schief gelagerte Ouerfurche erreicht
die obere Mittellinie nicht. Im 6. Monate
rücken diese Furchen w eiter , erreichen
jedoch erst im 7. Monate ihre volle Aus-
bildung. Die Form anlangend, so ist in
diesen Zeiten der steile und hohe Ab-
sturz der hinteren Hügel gegen die Crura cerehelU super iora auffallend.
Sehr bemerkenswerth ist auch die frühe starke Entwicklung der Corpora
geniculata.
Das primitive Hinterhirn gestaltet sich zum Pons, zum Cer e-Hinterhim.
bellu m und zur Me d ulla oblgngata, welche im Zusammenhang be-
sprochen werden sollen.
Das Cerebellum entwickelt sich als eine Verdickung der Decke cerebeiium.
der vordersten Theile des Hinterhirns , welche bald die Gestalt einer
querstehenden Platte und in der Seitenansicht die einer Umknickung
des Hinterhirns annimmt Fig. 161), während Längsschnitte und Frontal-
schnitte (Figg. 151. 162) darthun, dass das Organ zwar keine Spur einer
Höhlung besitzt . wohl aber an der vorderen Seite in eigenthümlicher
Weise einseboeen ist.
Fia. 160.
Fig. 160. Gehirn eines menschlichen Embryo von 5 Monaten mit biosgelegten
Ganglien nach Wegnahme des Balkens, Fornix und Plexus lateralis sammt Tela cho-
rioidea sup. und Zirbel, st Corpus striatum; o Thalamus opticus ; la Lohus lunatus
anterior mihi; Ip Loh. lunatus posterior mihi; ss Semilunaris superior ; si Semilunaris
inferior; p Pyramis. Natürliche Grösse.
216 liiitw kkluiiu de> XervL'iis\>lcins.
Nach vorn steht das kleine Hirn durch eine dünne Lamelle mit dem
.Mittelhirn in Verbinduna. welche vor der Anlage des Tentorium aeleaen
als Forl.setzinia des tiefsten vordersten Tlieiles des Oraans erseheint und
nichts anderes isl jIs die Anläse des Veluni meihdlare siiperiiis. An der
Fis. 161,
Fig. 162.
Venlralseile geht dasselbe unmerklich in die Gegend der 3. Hirnblase
über, die später zum Pons Varoli sich gestaltet, und zwar in einer
Weise, dass es in seitlichen Ansichten den Anschein hat. als ob der nach
vorn umgebogene Theil des sogenannten Nachhirus hackenförmig un-
mittelbar in das Cei-ebellum sich umböge (Fig. 161 .
Die eigenthünilichsten Verhältnisse zeigt das kleine Gehirn nach
hinten, indem es hier an die umgestaltete Decke des 4. Ventrikels oder
des Hinterhirns im engeren Sinne angrenzt, die ich M e m h r (ni a oh-
Memhrana oit>i- ( u v a 1 0 v i (i V eiitricuU üuürti genannt habe. Ursprünulich besitzt
ratoria tentri- ■• '-'
cuu 17. Jas Hinterhirn eine dorsale Wand, welche, obschon viel dünner als die
Seitenwände und auch als die vordere Wand, doch aus mehreren
Zellenschichten besteht. Sehr bald verdünnt sich jedoch diese Wand
in der auffälligsten Weise an gewissen Stellen (Fig. 151 j, während sie
Fig. 161. Gehirn eines 3nionallicl)en menschiicticn Embrvo von der Seite in
natürlicliei- Grosse. Ii Heniispliäre des gros.sen Hirns, an der sction alle Lappen und
l)reil und kurz auch die Fossa Sylvii deutlich ist. m Miltelhirn; c Cerehellum ; mo
Rest Acr ^teml^rana ohturaloria ventricuU IV, die als bofjenforniige Leisle vom kleinen
Hirn auf die Medulla ohtongata übergeht.
Fig. 162. Frontalschnilt durch das Goliirn eines Kaninchens von Iß Tagen in der
Gegend ries 4. Ventrikels. Vergr. lOmal. ni o Medulla ohlongatn : v (j Ventriruhts quar-
tus ; c Cerehellum; pl I'le.rus rhorioideus rentricuVi IV ; w h Miltclliirn mit grosser
Hohle.
Moinbraiia ül)Uiiatoria ventriculi IV. 217
an anderen dicker sich erhält, und zugkMch erleidet dieseli)e auch be-
sondere Faltuniien , indem von aussen her die sich entwickelnde Pia
mater die Medullarplalle vor sich her gegen die Höhle zu drängt, welche
Ad e r ü e f 1 e c h t s f a 1 1 e n dann später zu den Aders;eflechten des 4 . Yen- Adergeflecbts-
i' 1 II I falten.
trikels sich gestallen, während ihr üeherzug von der Medullarplalte zum
Ependyma wird. Frühere Stadien dieser Umgestaltung geben die
Fig. 151 im Längsschnille und die Fig. 162 im Querschnitte, spätere die
Fig. 163, welche den vorderen Theil der Membrana obturatoria \\\q
aus zwei Windungen gebildet erscheinen lässt, die man den Gyriis cliö-
rioideus anterior und posterior heissen kann, und die Fig. 161 . welche
die Ausgangsstellen dev Membrana obturatoria am
Cerebellum und an der Medulla oblongata zeigt. ^
In Betreff der späteren Umgestaltungen der
Membrana obturatoria ist so viel sicher, dass aus
dem dünnsten mittleren Theile derselben die
Tela chorioidea inferior und das Adergeflecht des
4. Ventrikels sich entwickelt. Dagegen gehen
ihre Randlheile überall in Xervenmasse über und ,,.
r lg. 1 00.
liefern die an das Cerebellun) angrenzenden
Theile derselben (die vordere Lamelle der Adergeflechtsfaite oder der
Grjrus chorioideus anterior) die Vela medullaria inferiora^ die Pedunculi
F/occulorum, und die Flocke , während aus den an die Medulla oblongata
anstossenden Theilen der Obex am Calamus scriptorius und die Ligula
am Rande des Sinus rhomboidalis hervorgeht.
Die 4. Hirnhöhle ist bei Embryonen jederzeit geschlossen, und halte
ich nach wie vor dafür, dass dies auch beim Erwachsenen die Regel ist
Fig. 163. Ansichl des ' hinteren Theils des Gehirns eines 4 Monate alten,
4" 4V2'" langen menschlichen Embryo in natürlicher Grösse, h Hemisphäre des
grossen Gehirns; q noch einfacher Vierhügel, vordem das abgeschnittene Tentorium
cerebelU sichtbar ist; e kleines Gehirn, und zwar bezeichnet der Buchstabe die ver-
einigten Lobt semilunares, die am Wurme durch eine einfache Querwindung zusammen-
hängen, welche die \evein[en Laminae transversales superiores und <H/eno>T5 darstellt.
Die vor dieser Windung liegende Furche ist die einzige , die sonst noch am Vermis
superior sich findet, und scheidet seitlich in etwas die vereinigten Semilunares und den
späteren Quadrangularis. Hinter der einfachen Lamina Iransversalis liegt die Pijra-
mis, die an den Hemisphären den Lobus inferior wie einen kleinen Anhang zeigt, und
hinter der Pyramis erscheint noch ein ganz schwacher Streifen der Uvula ; mo Mem-
brana obturatoria ventriculi IV wie einen zweibäuchigen Lappen [Gyrus chorioideus
anterior et posterior] darstellend. Die quere Furche zwischen diesen Lappen bezeich-
net die Stelle, durch welche die Pia mater eindringt und in den Plexus chorioideus IV
ül)ergeht; mo' mittlerer brückenartiger Theil der Deckmembran, / hinterer Theil
derselben, der znr Ligula Sinus rhomboidei wird; g Fasciculus gracilis ; c Fase cu-
neatus ; l Fase, lateralis.
21^ lüilw icklimii (.los NerNcusysteiui.
iiml (l.iss die ÜetVnuni; am Calanius scriptorius {Foramen Magemlii], wo
sie vorlianden, keine gesetzniiissige Bildung ist, noch weniger die Löcher
am ReccssKs lateralis, die Bochdalek zur Aufstellung des Namens «Füll-
horn« Veranlassung gaben.
SpätereEntwuit- jj^ Betreff" der späteren Entwicklung des kleinen Gehirns des Men-
lungdeslerebel- ' *-
luindesMen- sclicn vcrwcise ich auf meine Entwicklungsgeschichte und l»emerke nur
sehen. "^ "^
Folgendes :
Bei Neugeborenen misst das kleine Gehirn 4,7 — 5,0 cm in der Breile
und weicht in seinen Formalverhältnissen nicht wesentlich von denen
des Erwachsenen ab. Auch die Zahl der Windungen ist annähernd die
gleiche , und nimmt die Bildung derselben in den letzten Fötalmonaten
einen raschen Fortgang, indem noch im 7. Monate die Windungen der
Zahl nach nur etwa ein Drilttheil von dem zeigen , was die des Neuge-
l>orenen betragen.
Meine Beobachtungen über die Entwicklung der Windungen lassen
sich wie folgt zusammenfassen (Figg. 160, 163, 164, 165, 166):
1) Die Windungen und Furchen entstehen zuerst am Vermis und
schreiten von hier aus auf die Hemisphären fort.
2 Die Windungen der oberen Seite des Cerebellum gehen in der
Entwicklung denen der unteren Seite voran.
3) Nach der Zahl der zuerst auftretenden Furchen und Windungen
lassen sich am Cerebellum folgende primitive Theile oder Haupt läppen
unterscheiden.
A, Am Wurme:
1) Oberwurm. 2) Laminae transversales. 3) Pyramis 'p). 41 Uvula
[u] . 5) Nodiilus (n) .
B . An tl e n He m i s p h ä r e n :
1) Lohns quadrarnjularis. 2i Lohns posterior {ss,si' , VLe^le [Semilu-
naris superior et inferior cum gracili). 3) Lobus inferior <). 4) Tonsille
[t). 5) Flocke sammt den Vela medullaria posteriora •'/).
Als seeundäre Lappen ergeben sich :
A. An den Hemisphären:
1) Der vordere Abschnitt des Lohns quadrangularis, den ich Lobus
Innatus anterior heissen will (Fig. 160, la).
2) Der hintere Abschnitt desselben , Lohns lunatns posterior (Fig.
160, Ip).
3 Der Lohns semilnnaris superior [ss).
4 Der Lohns semilnnaris inferior [si).
B. A m W u r m e :
I Die Lingu'a.
Medulla oblonf;ata.
219
2) Der Lobulus centralis.
3) Die Yerbiiulung des Liinattis anterior [Monticulus] .
4) Die Verbindung des Lunatus posterior [Declive].
5) Die Lamina transversalis superior Folinm cacnminis , Wipfel-
blatt)
6) Die Laminae transversales inferiores [Tuher valvidae, Klappen-
vvulst)
Fic. 164.
Fig. 163.
Von der Medulla oblonqata oder demNachhirn isl eine der Medniiaohiott-
•J gatn.
bemerkensvverthesten Ersclieinungen ihre bedeutende Grösse in früheren
Zeiten, die schon bei zweimonatlichen Embryonen auftritt (Fig. 150) und
später noch auffallender wird, und zwar ist es nicht nur die Breite, son-
dern auch die Dicke, durch welche dieser Hirntheil sich auszeichnet.
In Betreff der einzelnen Theile der Medulla oblongata bemerke ich
Folgendes.
Die Brücke tritt im 3. Monate als ganz schmale und dünne Quer- ^ohs
faserung am vordersten Theile der Medulla oblongata auf, wird jedoch
schon in diesem Monate und zwar gleichzeitig mit der Entwicklung der
Lappen des Cerebellum deutlicher und grösser und mass bei einem
Fig. 164. Gehirn und Medulla oblongata eines Embryo von 5 Monaten. Breite
des Cerebellum 28mm. ss Semilunaris superior; si Semilunaris inferior, beide durch
eine einfache Querwindung (Lam. tranversales) verbunden; vs hinterster Theil des
Vermis superior; p Pyramis seitlich in den wenig entwickelten Lobus inferior aus-
laufend; ( erste Andeutung der Tonsillen mit der Uvula in der Mitte; m Velum me-
dulläre inferius mit dem Nodulus in der Milte.
Fig. 165. Gehirn eines menschlichen Embryo des 6 Monates in natürlicher
Grösse, o l Olfaclorius ; o Klappdeckel ; g l Corpus geniculatum laterale ; f Flocculus ;
t Tonsilla mit der Uvula zwischen denselben; i Lobus inferior; p Pyramis; si
Semilunaris inferior; ss Semilunaris superior; r Corpus restiforme.
220
liiitNN ickluiiii des NerveiiSNStoms.
l>iiil)i"\o . dessen Cox'biion "27 nun lang wai*. 4 nini in der Länge und
sprang um 1.7 mm über das Niveau der MeditUa oblo/Hjata vor. Von
da an wächst dieser Hirnlheil rascli und nimmt bald seine typische
Gestalt an. nur dass ilas Crus cerebelli ad
rc
pouteni natUi-lich anfangs mehr lilos liegt
als später. Charakteristisch für das fötale
Gehirn ist auch der Uebergang eines Thei-
les des Fasciculus lateralis des Corpus re-
stiforme auf und in die seitlichen Theile
der Brücke medianwärts von der Flocke,
und hat es oft den Anschein, als ob die be-
treffenden longitudlnalen Fasern median-
Nvärts in die Brückenfaserung sich um-
bögen. Dieses Bündel, das ich Fasciadus
conncctens heisse , kommt nach meiner Erfahrung auch sehr häufig Ijei
Erwachsenen vor und liängt zum Theil mit den Striae medulläres^ zum
Theil mit dem Corpus restiforme zusammen (s. He>'Le. Anatomie, Bd. III,
5. 180).
ouvae. Von den Strängen des verlängerten Markes treten die Oliven im
3. Monate auf und früher, als die Pyramiden deutlich werden. Anfangs
dicht neben einer seichten Medianfurche gelegen , werden diese]l)en im
6. Monate durch die zwischen denselben erscheinenden Pyramiden nacli
und nach zur Seite gedrängt und nehmen bald zusammen mit den letzl-
Pyramides. genannten Strängen ihre typische Stellung und Form an. An den Pyra-
miden liegt die Kreuzung ganz oberflächlich, und Pyramiden und
Oliven sind von äusserst deutlichen oberflächlichen Querfasern l)edeckl,
die auch im Grunde der liefer werdenden vorderen Furche erscheinen
und oft hinten unmittelbar vor der Decussationsstelle wie einen tpieren
Absatz bilden. Diese Querfasern sind oft an den vordersten Theilen der
Pyramiden [Propons. Ponticulus , Arnold) und am hinteren Theile der
Oliven [Fihrae arcuatae posteriores ^ stärker entwickelt.
\)?i^ Corpus restiforme anlangend, so entwickeln sich dessen
Stränge ebenfalls im 4. Monate. Am Fase icu l ii s gracilis ist von
Anfang an die starke Entwicklung der Clara auffallend, die im 5. Monate
häufig ganz quer steht und last unter i'echtem Winkel in den zarten
Corpus resti
forme.
Fig. 166. Unten.' Fläche des kleinen Geliirns eines incnsehliclien Endjiyo jzegen
das Ende des 6. Monates nach Wegnahme der Medulla ohliDigala und eines Tiieiles
des l'ons p zur Demonstration des Nodnlus n, der l>/a meduHaha itifcriora v und der
Klock(.'n /". u l'vuln ; (Tonsille; p Pynimis ; i Lohns inferior : si Seinilunaris inferior ;
SS Seniitunnris superior , lieide mit je zwei Windungen; 7 {Inndranr/ularis; cc Crus
cerehi 1.
Fiunix. 221
Strang sich umbiegt, der lange durch eine auffallende Zartheit (geringe
Breite sich auszeichnet. Der Keilstrang verdient beim Fötus ganz
eigentlich diesen Namen und beginnt spitz, und ohne weiter an der
Medulla oblongata herunterzulaufen, in der Höhe des hinteren Endes der
Olive nelien dem obersten Theile des zarten Stranges sensu strictiori,
wird dann aber im weitern Verlaufe gegen das Cerebellum untl den Pons
zu ebenso breit und noch breiter als der Fasciculus lateral is. Erst
im 6. Monate verliert dieser Strang sein hinteres spitzes Ende und zieht
sich neben dem Gracilis weiter herab. Von diesem Augenblicke an wird
erst der Fasciculus lateralis deutlich, über dessen morphologische Ent-
wicklunii nichts weiter zu sasen ist.
§ 28.
Letzte Ausbildung des Cerebrum, Fornix, Corpus callosum, Windungen,
Histologie, Hirnhäute.
Die Henn'sphären des grossen Hirnes stehen beim Menschen und
den Siiugethieren während einer langen Zeit in keiner andern Verbin-
dung unter einander, als vorn im Grunde der grossen Hirnspalte durch
die schon früher beschriebene Schlussplatte oder Vereinigungsplatte
(Fig. 157 v) , welche die unmittelbare Fortsetzung der Deckplatte des
3. Ventrikels ist, jedoch von dem Augenblicke an als eine besondere
Bildung erscheint, wo die genannte Deckplatte zum Epithel der Tela
clivrioidea superior sich ausbildet. Am oberen Ende dieser Schlussplatte
dicht hinter dem Foramen Monroi beginnt auch die Einsenkung der
Pia in die Höhle der Hemisphären , welche den Plexus chorioideus
lateralis erzeugt. Denkt man sich nun diesen mit dem ihn überziehenden
Epithel einem Abkömmlinge der früher hier befindlichen Hemisphären-
wand weggenon)men , so erhält jede Hemisphäre eine grosse quere
Spalte, die sogenannte Querspalte des Hirns, und wenn dann Queispaite de&
auch die Tela chorioidea superior und die Fortsetzung ihrer bindege- * ^"™
w ebigen Lage in die des Plexus lateralis entfernt wird , so steht der
3. Ventrikel nicht nur am Foramen Monroi, sondern längs der ganzen
oberen Fläche des Sehhügels mit dem Seitenventrikel in Verbindung
(Fig. 167 . Diese Spalte , die allerdings benannt zu werden verdient,
da in dieser Gegend im ausgebildeten Gehirn keine Nervenmasse sich
vorHndet, wird im embryonalen Hirn vorn begrenzt durch die Schluss-
platte (\ev Hemisphären Fig. 167 db), unten vom Sehhügel und oben
durch den unmitteibai' über dem Plexus chorioideus lateralis gelegenen
Theil der Hemisphäreninnenwand, der durch eine Furche Bogenfurche,
222 Knlwieklunii des Nervensystems.
Ar.nold, Fissiii-a hippocampi ^ Hixley, Ammonsfurche , Mihalkovics) von
den oberen Theilen dieser Wand geschieden ist und den sogenannten
Randbogen von Schmidt (Fig. 167 /('/;") darstellt.
Eine besondere Beachtung
verdient unter diesen Theilen
Randbogen. ^ f-'j^X^' . ^^^' Raudbogen. Derselbe
stellt wie eine zarte bogenför-
mige Windung dar und verläuft
anfänglich vs'ie der hintere Theil
der Querfurche fast ganz gerade
nach hinten, krümmt sich dann
a])er mit der Entwicklung des
Unterlappens bogenförmig nach
unten und zerfällt zugleich durch
eine nach und nach von v^orn
nach hinten in ihm sich ent-
wickelnde Längsfurche in 2 Bo-
^ gen, einen unteren [h") , die
Querspalte begrenzenden, und einen oberen (/?'), von denen der erstere
oder der untere Randbogen in die Schlussplatte der Hemisphären
sich fortsetzt.
Die im Vorigen besprochenen Theile nun, die Schlussplatte und der
Fornix, Corpm Randboi'en, stehen in eenauester Beziehung, zur Bilduns; des Fornix
callosuiti, Sep- o ? o i^j <-
inmpiiiucidwn. y^d hängen auch mit der Entwicklung des Balkens und des Septum
pelluci dum zusammen. Aus der Schlussplalte nämlich entsteht, indem
dieselbe nach vorn zu sich verdickt und senkrecht aufsteigende Fasern
entwickelt, die von beiden Seiten her aneinander sich legen, der vor-
dere und mittlere Theil des Gewölbes, während aus dem unteren Rand-
bogen die Crura posteriora fornicis am Annnonshorn sich entwickeln.
Der Balken und das Seplum pellucidum entslehen dadurch, dass vor der
Schlussplatte und vor dem MoNROi'schen Loche die medianen Wandungen
der beiden Hemisphären in einer gewissen Ausdehnung verwachsen.
Quere aus beiden Hemisphären hervortrelende Fasermassen vereinen
Fij.'. 107. Vier liallischenuitischp Ansichten der medialen Kiiiclie der Hemispliare
zur Darstellung der Entwicklung derselben nach Fu. Scilmidt. 1 Von der 6. Woche;
2; von der 8. Woche; 3) von der 10. Woche; 'tj \on der 16. Woche, a Fissura
transversa cerebri; b Lamina terminalis ; c .Scltnitlllächc zwischen Seh- und Streifcn-
hügel; d Oberes Ende der Schlussplatte (ler Hemisphären; e Lobus inferior ; i Stria
Cornea; n Bulbus olfartarius ; ff Längsfurche Schmidt) , deren hinterer Theil /' der
Sulrus pfiriPlo-orripilalis ist; /( Hiindbo.L'i'n ; // äusserer Handbogen ; h" h'" innerer
Kandliogni l'nnii.r und Srjilinn pcUuriduui ; n Hidken; k Cummissura anterior.
Corpus callosiiui. 223
sich zum Balken , während unlerhall) desselben die Verwachsung nur
in einer schmalen Zone eintritt, die vom vorderen Ende des Balkens bis
zur Lamina (erminulis oder dem Ende der Schlussplatle reicht. Das zwi-
schen dieser Linie , die als dem Rostnon des späteren Balkens entspre-
chend schon jetzt so heissen kann, dem Balken und der Schlussplatle der
Hemisphären gelegene dreieckige Feld ist das Septinn pellucidutn , wel-
ches beim Menschen für gewöhnlich nicht mit dem der andern Seite ver-
wächst und somit eine Spalte einschliessl , den sogenannten Ventriculas
septi, der dem Gesagten zufolge nichts als ein abgesackter Theil der
früheren medialen Wand der Hemisphäre ist.
Indem der Balken , an dem sehr bald Knie und Wulst unterscheid-
bar werden , rückwärts sich ausdehnt , schiebt er sich gewissermassen
immer mehr in den Randbogen ein, welchem Vorgange die Bil-
dung der von Schmidt gesehenen Furche vorangeht , die bald, wie der
Randbogen selbst, bis zur Spitze des Unterlappens (zum Uncus) sich er-
streckt. Aus dem unteren Theile des Randbogens wird , wie wir schon
wissen, der hintere Tiieil des Fornix von den Säulchen an, und erübrigt
nur noch die Schicksale des oberen Randbogens zu erwähnen. Derselbe
kommt, sobald der Balken vorgetreten ist, an die obere Seite desselljen
zu liegen und wandelt sich später in die Stria alba Lancisi und die Stria
obteda des Balkens und in die Fascia dentata des Ammonshornes um,
welche letztere beim Menschen schon im 5. Monate deutlich wird.
Die CoDunissura anterior entsteht wahrscheinlich ebenso wie die commisswa an-
terior et inollis,
Commissura niollis durch eine Verwachsung von Fasern l^eider Hemi-
sphären.
Die Entwicklung der Oberfläche des grossen Gehirns anlangend, Lappendes
SO Stelle ich die Bemerkung voran . dass dasselbe beim Menschen gar
keine gut geschiedenen Lappen enthält, mit Ausnahme derZ,ü6i olfactorii.
Es ist mithin einfach Convenienzsache , welche von den mehr weniger
getrennten Theilen man als Lappen bezeichnen will. Die Lobi olfac- loIus oifacto-
torii entstehen durch Auswachsen der unteren Wand der Hemisphären
und enthalten auch anfänglich jeder eine Höhle, welche eine Abzweigung
des Cornu anterius Ventriculi lateralis ist. Später schwindet die Höhle,
und wird beim Menschen der ganze Lappen zu dem unscheinbaren
Tractus und Bulbus olfactorius sammt den Wurzeln des letzteren , wäh-
rend bei vielen Säugern der Riechlappen als ein mächtiges Gebilde sich
• erhält.
Die Hirn w i n d u n g e n anlangend, so lassen sich am embryonalen Windungen.
Gehirn zweierlei Windungen unterscheiden, erstens primitive, solche,
die Faltungen der dünnen Wandungen der Hemisphären ihren Ursprung
verdanken, und zweitens secundäre, die einfach durch Wucherungen
221
Entwioklunj^ des Nervensystems.
der Oberflächen der lleinis[)hiiien entstehen. Dem entsprechend kann
man auch die Furchen als primitive und secundäre, oder, wie
llis vorschläiit, als »Total- und Uindenfurchen« bezeichnen.
Fis. 168.
/
Fi". 169.
Primitive Fnr
chen und Win
düngen.
flyri (t S'ulci pi
inititi perma-
nentes.
Die prim i tiven Furchen und Windungen (Fig. 353 m. F^ntw.)
entwickeln sich im 3. Monate, jedoch in verschiedener Mächtigkeit in ver-
schiedenen Gehirnen, erreichen im 4. Monate ihre grösste Entwicklung
und verschwinden im 5. Monate wieder, mit Ausnahme gew^issor Züge,
die noch l)esonders werden erwähnt werden , so dass im 6. Monate die
äussere Hirnoberfläche wieder vollständig glatt ist. Alle diese Win-
dungen beruhen auf Faltenbildungen der Hemisphärenblase, und ent-
spricht jeder äusseren Furche eine innere Windung und umgekehrt, und
was ihre Entstehung anlangt, so beruhen dieselben off"enbar darauf, dass
in einer gewissen Zeit die nemis[)hären stärker in die Fläche wachsen als
die Schädelkapsel. Eine besondere Stellung unter den primitiven Fur-
chen und Windungen nehmen diejenigen ein , welche sich erhallen, die
'-ich die (iyri et Siilci pr iinitiv i 'permanentes heisse. Zu den-
selben gehören:
a] Die B o g e n f u r c h e oder A nun o n s f u r c h e [Sulcus hippocampi,
Fig. 167 zwischen h' ^h' und h" h"), welche im Hirne des 3monallichen
Fötus von der Gegend des ol)en entstehenden Balkens zur Spitze des
Fig. 1G8. Gel)irn eines Hmonallichcn menscliliclien Embryo von der Seite in
natürlicher Grösse, /j Hemisphäre des grossen Hirns, an der schon alle Lapjjen , zwei
primitive Furchen und breit und kurz auch ilie Fusaa Sylvii (hnitlicli ist. m Miltel-
liirn : c CerebeUum ; mo Rest der Membrana obluraloria Venlriciili /!', die als Ixii^cn-
fcirmige Leiste vom kleinen Hirn auf die Medulla oblongata ül)crgcht.
Fig. 169. Gehirn eines Gmonatlichen menschlichen Embryo in natürlicher
Grösse, ol Bulbus olfacloriu.i ; fs Fossa Sylvii ; c Verebcllum ; p Pons Varoli; f Floc-
rulus; 0 Oliva,
Windungen und Kuiclien des Gehirns. 225
l'nterlappens reiclil untl inwendig die Wülbunu des Ammonshornes
bodiniit :
b der Sulcus va r ieto-occipilul is oder die senkrechte Ilinler- ^'««"'? f«'^««'o-
• r occtpituhs.
Iwiuptsfurche (Fig. 167/");
c der Sidcu s c a Ica r in u s . der die W'ölbinit; der Voeelsklaue im "^'«'^"s (^"^f:«-
' '-' nniis.
llinterhirn erzeugt.
d In gewisser Hinsicht liissl sicii auch die Sylvi'sche Furche Fissma Syivu.
zu den bleibenden primitiven Furchen zählen, doch entspricht derselben
innen, wie wir schon sahen, keine einfache Falte, sondern eine Wu-
cherung Fig. 169 fs).
e] Zu diesen Windungen kann man auch mit Mihalkovics die seit- seitu.he Ader-
ßfoflcclitsfurcliö.
liehe Adergeflechtsfalte zählen, deren Epithel , wie wir sahen,
aus einem Theile der medialen llemisphärenwand hervorgeht, und zeigt
diese Einstülpung deutlich, welchen Einfluss Wucherungen der Hirn-
häute auf die Bildung primitiver Falten haben können.
Die secundä reu Wind un g en oder die Wülste der Oberfläche Secundäre Win-
des Gehirns oder die Rindenwülste sammt den entsprechenden Sulci
treten nicht vor Ende des 5. oder dem 6. Monate auf und l)eruhen auf
partiellen Vorwölbungen der oberflächlichen Hemisphärenlagen, an denen
graue und weisse Substanz gleichmässig sich betheiligt. Die genaueren
Vorgänge bei diesen Oberflächenwölbungen sind unbekannt . jedoch ist
es am wahrscheinlichsten, dass dieselben nicht von äusseren Momenten
abhängen, sondern besonderen Eigenthümlichkeiten der inneren Ent-
wicklung und des Wachsthums des Organes ihren Ursprung ver-
danken.
Die Lehre von der Entwickelung der secundären Hirnwindungen
im Einzelnen zu behandeln, liegt nicht im Plane dieses Werkes, und ver-
weise ich für Weiteres auf die monographischen Arbeiten über diesen
Gegenstand von Reichert. Bischokf, Paxsch, Mihalkovics, A. Ecker und
auch auf meine Entwicklungsgeschichte 2. Aufl.
Bei Neugeborenen ist das Cerebrum , was seine Windungen Hirn des Nenge-
anlangt, soviel ich finde, so ausgebildet, dass es auch bei sorgfältiger
Vergleichung schwer hält zu sagen , ob dasselbe hinter dem des Er-
wachsenen zurücksteht oder nicht , vor Allem , wenn man erwägt , wie
viele Schwankungen bei diesem sich ünden. Auf jeden Fall aber ge-
nügt die geringe Zahl der vorliegenden Beobachtungen und genauen
Abl>ildungen noch nicht, um ganz bestimmte Schlüsse zu erlauben, und
gebe ich es daher nur als den Ausdruck meiner bisherigen Erfahrungen,
wenn ich sage, dass beim Neugeborenen alle Hauptwindungen und auch
viele Xebenwindungen angelegt sind, und dass auf jeden Fall bei Er-
wachsenen Gehirne vorkommen , die nicht reicher an Windungen sind.
K ö 1 1 i k e r , Grundriss. | 5
226 Eiilw ickluiii: des XervensNSlenis.
Entwkteng''des L'eber die h i s l o 1 o g i s c h e Entwicklung des Gehirns bemerke
Gehirns. jp|j Folgendes :
Die Modullarplatte doi- llirnl)lasen l)estel!l anfänglich aus mehreren
Lagen gleiclimässig \ erlängertcr Zellen, welche bald, wie die des Markes.
entschieden zu Spindelzellen sich gestalten , während zugleich die
Medullarplalte sich verdickt und nun mehr einem geschichteten Epithel
ähnlich wird. Dann beginnt — beim Kaninchen am 1 1 . Tage — zuerst
an der vorderen Seile des Hinterhirns die Bildung der weissen Substanz
in Gestalt einer Auflagerung von feinsten kernlosen Fasern auf die
äussere Oberfläche der Medullarplatte und zugleich sondert sich dieselbe
in zwei Lagen, eine innere, dem 4. Ventrikel zugewendete, die ihren ur-
sprünglichen epithelialen Charakter beibehält , und eine äussere mit
mehr rundlichen Elementen, in der die ersten Anlagen der grauen Sub-
stanz nicht zu verkennen sind. Gleichzeitig mit dem Ilinterhirn oder auf
jeden Fall nur wenig später entwickelt auch die Gegend der spätem
Hirnstiele oberflächlich weisse Substanz , von wo aus dieselbe rasch aiif
das Zwischenhirn übergeht und hier auch in das Innere eindringt. Bei
Kaninchen von 16 Tagen ist schon eine mächtige Hirnstielfaserung vor-
handen, welche dann von hier aus nach und nach in die Slreifenhügel
hineinwächst und am 18. — 20. Tage auch in die Seitenwand der Hemi-
sphären sich verlängert und das Dach derselben erreicht. Scheinbar in
der Fortsetzung dieser Fasern tritt dann beim Kaninchen nach dem
20. Tage auch die Balkenfaserung auf. die bis zum 23. Tage sich gut aus-
bildet, mit welcher Bemerkung ich jedoch nicht gemeint bin zu behaup-
ten, dass diese Faserung keine selljständige sei.
Gleichzeitig mit dem Hineinwachsen- der Fasern des Hirnschenkel-
fusses in den Thalamus und das Corpus striatum tritt dann aber auch
die Faserung des Tegmentum auf, die ebenfalls zuerst am Hinterhirn
deutlich wird und von hier nach oben sich fortbildet, und auch gewisse
Nervenwurzeln zeigen sich sehr früh im Innern des Hirnes, unter denen
ich vor Allen die Fasern des Tractus opticus und den Facialis erwähne,
dessen Wurzel in ihrem ffueren Verlaufe durch die Medulla oblonrjata und
mit ihrer recht\\inklig(>n Umbeugung am Boden der Rautengrube beim
Kaninchen schon am 16. Tage ganz ausgebildet sich vorfindet.
Die Entwicklung der grauen Subslanz zeigt sich am frühesten an
der vorderen Seile des Ilinlcrliirns. svoselbst an den Ursprüngen des
Tri(/emini(s und Var/iis schon bald grosse Kerne runder Zellen, zum The il
in ganz anderer Lage als s|)älei". nachzuweisen sind. N'on hier aus geht
die Bildung der grauen Substanz auf die Basis des Miltelhirns über,
<lann auf den Thalamus und das Corpus strialuin und erreicht zuletzt
die seitlichen und oberen Theile aller llii-nblasen . wo sie l)ekanntlicli
llibluloiAisclie lüiiw ickliuiy do (jeliini>. 227
ein i^ewissen Orten (Decke des Ventrkulus IV, III, Querspalte der Henii-
spluiren; seihst g;inz ausbleibt. An den seitliehen und oberen Wänden
der Hemisphären des grossen Hirns ist das erste eine Sonderung in zwei
Lagen, eine oberflächlichere dünnere von Rundzellen und eine innere
dickere von epithelialen Elementen. Dann schiel)t sich, während die
erste Lage sich verdickt, die llirnstielfaserung nach und nach zwischen
beide Lagen ein , und zuletzt erscheint auch noch eine oberflächliche
Lage weisser Substanz auf der grauen Rinde. Am 20. Tage finden sich
so beim Kaninchen vier Schichten in der Wand der Hemisphäre : \) eine
äussere weisse Lage , 2) eine graue Schicht , 3) weisse Substanz , Fort-
setzung der Hirnstielfaserung , endlich 4) eine innerste epithelartige
Schicht, die von allen die grössle Dicke besitzt.
Der späteren histologischen Entwicklung des Gehirns und der ner-
vösen Centralorgane gedenke ich hier nur insofern, als ich auf die neuen
interessanten Angaben von Flechsig hinw eise , denen zufolge das Auf-
treten der Markscheiden an den ursprünglich marklos sich anlegen-
den Nervenfasern ganz bestimmten Gesetzen folgt, in der Art, dass
bestimmte zusammengehörige Fasersysteme auch zusammen (wenn auch
nicht an allen Stellen gleichzeitig) weiss und markhaltig werden.
Flechsig vermuthet . dass das erste Auftreten der Nervenfasern im cen-
tralen Nervensysteme der Zeit nach und nach der Richtung ihres Hervor-
wachsens Und das Markhalligwerden derselben sich entsprechen, in der
Art, dass Fasergruppen, die zusammen entstehen und in einer bestimm-
ten Richtung wachsen, auch zusammen weiss werden und das Mark in
derselben Richtung nach und nach anbilden , eine Annahme, die zwar
unbedingt Manches für sich hat , aber doch nach verschiedenen Seiten
hin noch weiterer Prüfung und Ergänzung bedarf.
Die Hirnhäute, zu deren Besprechung ich am Schlüsse noch Hirnhäute.
übergehe, entstehen alle aus dein mittleren Keimblatte, d. h. aus dem
Theile des Mesoderma , der die Schädelkapsel selbst erzeugt , und sind
anfänglich von derselben nicht geschieden. Noch vor der Entstehung des
knorpeligen Primordialschädels jedoch bildet sich die innerste Lage der
häutigen Schädelkapsel in eine weiche einfache oder gallertige Binde-
substanz um , in der zahlreiche Gefässe sich entw ickeln , und stellt die
erste Anlage der Gefässhaut des Gehirnes dar. So wie die Verknorpe-
lung eintritt , gesellt sich zu dieser Schicht noch eine äussere , mehr
faserige und festere Lage , welche die nicht getrennte Knorpelhaut und
harte Hirnhaut darstellt, jedoch von der Anlage der Pia anfänglich eben
so wenig scharf gesondert erscheint . wie die ursprüngliche häutige
Schädelkapsel. Erst später und \o\' Allem von der Zeit der Yerknöche-
rung an grenzen sich die beiden Häute inuner besser von einander ab.
15*
22S Entwicklung des Nervensystems.
so class ^onl 3. Monate an eine Unterscheidung derselben keine Schwierig-
keit mehr macht. Die Arachnoidea ist als eine Abzweigung der Pia auf-
zufassen und wird erst in den letzten Monaten des embryonalen Lebens
deutricher.
So wie das ursprüngliche einfache llirnrohr die ersten Umbildungen
(M-Ieidet und die Hirnblasen und die llirnkrUinmungen auftreten , folgt
die innere Oberfläche tier Schädelkapsel oder die Anlage der Pia mater
Hirnhautfort- derselben und entstehen die soyenannten H i rnhaut fort Sätze, von
Satze. ~ '
denen drei, der vordere und hintere Schädelbalken und die Sichel, schon
früher beschrieben wurden und zwei andere, die Anlage des Tentoriion
und die hintere Adergeflechtsfalte, wenn auch nicht geschildert, doch
durch die Fig. löl t, pl versinnlicht wurden. Wie diese primitiven Fort-
sätze nach und nach in die bleüjenden übergehen, kann ohne tiefer ein-
zugehen im Einzelnen nicht dargelegt werden, und verweise ich in
dieser Hinsicht auf meine Entwicklungsgeschichte.
Die genannten Umbildungen machen sich im 4. Monate, und sind
am Ende dieses Monates Sichel, Tentorium und Pia ganz ausgebildet.
Adereeflechte. Vou dcu Plexus cho 7'i 0 idet Und den Telae chorioideae war in
'den früheren Schilderungen schon so oft die Rede, dass ich hier nur
noch einmal hervorheben will , dass das Epithel aller dieser Theile auf
die embryonale MeduUarplatte zurückzuführen ist und mit den ent-
schieden nervösen angrenzenden Theilen, d. h. dem Ependym dersel-
ben, unmittelbar zusammenhängt. Diesem zufolge ist beim Embryo
keine Hirnhöhle jemals offen oder gespalten, und müsste , wenn solche
Oeffnungen beim Erwachsenen am 4. Ventrikel wirklich als normale
Bildungen vorkämen, wie Manche behaupten, dies als eine secundär auf-
tretende Erscheinung angesehen werden.
oefässe des Mit Hiusicht auf die Gefässe der Hirnsubstanz lässt sich wie
beim Uückenmark leicht wahrnehmen, dass dieselben anfangs nicht da
sind und \ on aussen hineinwachsen. Mit denselben gelangen wohl auch,
wie dies beim Riickonmark nicht zu bezweifeln ist, Bindesubstanzzellen
in die Hirnsubstanz, doch lässt sich vom Gehirn nicht wie beim Rücken-
mark die Behauptung aufstellen, dass alle Zellen der weissen Substanz
eingewanderte sind, indem ;dlem Anscheine nach bei der Entwicklung
der Markmasse der Hemisphären ein guter Theil der Zellen der primiti-
ven Hemisphärenwand zwischen die einwachsenden Hirnstielfasern zu ■
Wciicn kommt.
Gehirns.
Medulla spinalis. 229
Rückenmark.
Dys R ückon iiui i"k iils Ganzes aufcefasst folul im Allgemeinen den- Erste Anlage des
Markes.
selben Gesetzen der Entwicklung wie der ganze Körper. Bei der ersten
Anlage des Leibes des Hühnchens und der Säugethiere wird zuerst das
Gehirn und dann der vorderste Theil des Markes angelegt (Figg. 22. 23,
76, . worauf dann nach und nach von %orn nach hinten immer neue
Abschnitte des letzteren aus der sich diflerenzirenden Axenplatle sieh
hervorljilden l'igg. 3i. 77 . zuerst in Form einer rinnenfürmig vertief-
ten Medullarplatte auftreten und dann zu einem Rohre sich schliessen.
Bald ist nun beim Hühnchen nahezu das ganze Mark in der Anlage
vorhanden Fig. 35 und bei Embryonen mit mehr als 13 Urwirbeln
auch die Rückenfurche ganz geschlossen, von welchem Zeitpunkte an
das Mark als geschlossenes Rohr an seinem hintersten
Ende sich fortbildet,^ eine beachtenswerthe Thatsache, welche
lehrt, dass das Medullarrohr nicht nothwendig in erster Linie als Furche
auftritt. Es erscheint nämlich dieses Wachsthum des ganz' geschlossenen
Medullarrohres zu einer Zeit, wo noch lange nicht alle Urwirbel gebildet
sind, und ist hervorzuheben, dass das Ende des Medullarrohres in dieser
Periode ebenso mit dem Ectoderma . den Urwirbeln und der Chorda zu
Einer Masse, dem Axenwulste . verschmilzt, wie dies früher mit der
rinnenförmigen Medullarplatte der Fall ist S. 40' .
So wie alle Urwirbel angelegt sind, hat auch die erste Anlage des
Medullarrohres das Ende ihres Wachsthums erreicht und ist dasselbe in
diesem Stadium beim Hühnchen so lang als die Wirbelsäule.
Beim Menschen reicht das Medullarrohr , wie Ecker zuerst ge-Mark des Men-
zeigt hat , anfänglich ebenfalls bis zum Ende der Schwanzwirbelsäule
(Icon. phys. 2. Aufl. Taf. XXXI, Fig. VII, YIII , und durch E. Rosenberg
haben wir das Genauere über dieses Ende erfahren, welches ganz
hinten erhel>lich verschmälert ist . an das Ectoderma der Schwanz-
spitze angrenzt und die Schwanzwirbelsäule noch überragt. In weiterer
Entwicklung wächst nun das Mark anfänglich noch eine Zeit lang
gleichmässig mit der Wirbelsäule fort, wie sich bei ein-, zwei und drei-
monatlichen Embryonen leicht nachweisen lässt Fig. 170 . Vom 4. Monate
an tritt dann aber eine raschere Entwicklung der Wirbelsäule ein. in
Folge welcher das Mark nach und nach seine Stellung zu den untern
Wirbeln ändert und scheinbar heraufrückt [Ascensus meduUae spmalis .
Es reicht übrigens das Mark im 6. Monate noch bis an den Sacralkanal
und selbst am Ende des Embryonallebens steht seine Spitze immer noch
230
Edtwickluiig des Nervensystems.
im drillen Lendenwirbel, wonius zu ersehen ist. dass die l)lelbenden
Verhältnisse erst nach der Geburt ganz sich ausbilden.
Während so das Mark, wenn aucli in der Länusrichlunu wachsend,
doch mil der Wirbelsäule nicht gleichen Schrill hält, zeigen die untern
Nervenwurzeln ein abweichendes Verhalten. Anfäng-
lich ebenso wie die Hals- und Rückennerven unter
rechten Winkeln vom Marke aligehend ,. beginnen die-
selben mit dem scheinbaren Höhersteigen desselben
sich zu verlängern, nehmen eine immer schiefere Rich-
tung an und bilden endlich die cauda equina. Die Dura
und Arachnoidea betheiligen sich ebenfalls an diesem
Wachsthume und auch die Pia bleibt nicht zurück und
liefert das Filum terminale. Letzteres anlangend ist
übrigens zu bemerken , dass dasselbe beim Menschen
t heilweise und bei den Thieren, bei denen es in seiner
ganzen Länge eine Verlängerung des Cunalis centmlis
enthält , wohl ganz und gar als eine Fortsetzung des
Rückenmarkes zu l)etrachten ist , und dass somit die
vorhin gemachte Angabe, dass das Mark vom 4. Monate
an in seinem Wachsthume mit der Wirbelsäule nicht
mehr Schritt halte, dahin näher zu bestimmen ist, dass
dasselbe von dieser Zeit an mit dem Theile, der die
Rückenmarksnerven abgiebt , allerdings zurückl)leibt,
dagegen aus seinem untersten Ende eine rudimentäre Bildung ent-
wickelt, die gleichmässig mit der Wirl^elsäule sich verlängert.
Die l)eiden A n seh w el I un gen. des Rückenmarks sind schon im
2. Monate beim Menschen angedeutel und vom 3. Monate an sehr be-
stimmt ausgeprägt Fig. 170 .
Ich wende mich nun zu den inneren Veränderungen des Markes des
Menschen.
Innere Umbii- ßgr, frühesten von mir beobachteten Zustand zeiirt die Fii:. 171.
•luDRen itn Marke • "^
''"L^.^Pf'^^.l? '"Bei diesen) 4 Wochen allen Eml)ryo betrugen die Durchmesser des Mar-
kes in der Halsgegend in der Richtung von vorn nach hinten 0,92 bis
0,96 mm und in der Querrichtung am l>reitesten Theile 0,52 — 0,55 nun.
Der Centralkanal war beiläufig rautenförmig und seine epithelartige Aus-
kleidung mit länglichen geschichteten Zellen 88 — 96 ix dick. Vorn und
hinten erreichte dieselbe die Oberfläche, und fehlte an ersterem Orte
Fig. 170.
froher Zeit.
Fig. 170. Dreimonatlicher menschlictier Embryo in nalüriiclier Grösse mil blos-
licleatem flchirne und Marke. A Hemisphären des gros.sen Hirns; »? Mittelhirn; c
kleines Hirn. An der Medulla ohlonyatn sieht man einen Rest der Membrana ohtura-
toria ventriculi r/uarli.
Rückcnniark des Menschen.
23 h
ein bestimmtes Anzeichen einer vorderen Conimissur. Die üraue Sul)-
slanz , aus riindliclien kleinen Zellen bestellend, bildete hinten und
seitlich eine sehr dünne Luge </', war dagegen vorn schon in ansehn-
licher Mächtigkeit vorhanden und zeigte liier auch wie eine rundliche,
etwas dunklere Masse (j, aus der die in der Abbildung nicht dargestellte
vordere Wurzel entsprang. Von einer hintern Wurzel war nichts zu
sehen, dagegen fanden sich die Spinalganglien schon angelegt und eben-
so die Vorder- und Ilinterstränge h und r, die beide aus einer kern- und
zellenlosen hellen Masse bestanden, die auf dem Querschnitte nichts als
feine Punkte zeigte. Beide Stränge lagen seitlich und waren übrigens
noch sehr wenig ent\^ ickelt.
Etwas weiter war das Mark bei einem 6 Wochen alten Embryo
Hg. 172), bei dem dasselbe als Ganzes im Querschnitte ebenfalls birn-
förmig erschien. Der Centralkanal zeigte ziemlich dieselbe Form, wie bei
jüngeren Embryonen, erschien jedoch im Verhältnisse zur übrigen Mark-
masse unverhältnissmässig gross. Sein Epithel bestand im Allgemeinen
Fig. 171,
Fis. 172.
Fig. 171. Querschnitt des Halstheils des Rückenmarks eines vier Wochen alten
menschlichen Eml)ryo. 36malvergr. c Centralkanal ; e epithelartige Auskleidung
desselben; g vordere graue Substanz mit einem dunkleren Kerne, aus dem die vor-
dere nicht dargestellte Wurzel entspringt ; g' hintere graue Substanz; f Vorderstrang;
h Hinterstrang.
Fig. 172. Querschnitt des Halsmarkes eines 6 Wochen alten menschlichen
Embryo von 1,42 mm Höhe und 0,99 mm Breite am breitesten Theile, 50 mal ver-
grössert. c Centralkanal ; c epithelartige Auskleidung desselben; g» vordere graue
Substanz mit einem dunkleren Kerne, aus dem die vordere Wurzel entspringt;
gr' hintere graue Substanz; v Vorderstrang; /j Hinterstrang; caCommissura anterior;
)U vordere , s hintere Wurzel ; r' hinterer Theil des Vorderstranges (sogen. Seiten-
strang,; e' dünner Theil der Auskleidung des Centralkanales in der hinteren Mittel-
linie.
232 Eiilwickluiii; des Nervensystems.
aus mohrlachen Lagen senkrechter schmaler Zellen und war überall von
szieicher Dicke mit Ausnahme der hinteren Mittellinie, wo dasselbe
izenau in der Mitte äusserst dünn war. während die benachbarten
Theilc kiilbi^Lc Anschwellungen zeigten. Hier lag auch, wie bei dem
eben erwühnton jungen menschlichen Embryo . der Markkanal mit
seinem Epithel frei zu Tage, sonst war derselbe überall theils wie seit-
lich von der grauen Substanz, theils wie in der vorderen Mittellinie von
der vorderen Commissur bedeckt. Die graue Substanz bestand über-
all aus kleinen kernhaltigen Zellen, vielleicht mit etwas Zwischensub-
stanz, und war vorn mächtig, hinten dagegen immer noch sehr wenig
entwickelt. Die weissen Stränge erschienen als 2 schwächere Hinter-
stränge seitlich am hinteren Theile des Markes, aus denen nach vorn die
hinteren Wurzeln hervortraten, und als 2 stärkere Vorderstränge. Am
entwickeltesten waren diese zu beiden Seilen der vorderen Commissur,
bis zur Austrittsstelle der vorderen Wurzeln . wo dieselben auch leicht
vortretend schon einen seichten und breiten Suicus anterior begrenz-
ten. Hinter den vorderen Wurzeln schien auf den ersten Blick die weisse
Substanz ganz zu fehlen , eine Untersuchung mit starker Yergrbsserung
ergab jedoch, dass auch hier bis etwas vor der Stelle, wo der Spinal-
kanal seine grösste Breite besitzt . ein ganz dünner Rindenbeleg vor-
handen war. Die gesammte w eisse Substanz mit Inbegriff der Comniis-
sura anterior w^ar übrigens wie früher durchscheinend, ja fast glashell,"
auf dem Querschnitte fein punklirt . in Längsansichten streifig und ohne
Spur von Zellen und Kei-nen.
Gestützt auf diese Erfahrungen beim Menschen, mit denen Be-
obachtungen beim Hühnchen und Säugern übereinstimmen, spreche ich
mich dahin aus, dass die erste Anlage des Markes nur die des sogen.
Epithels und der grauen Substanz in sich schliesst, und dass die weissen
Stränge und die Commissur erst in zweiler Linie als eine äussere Beleg-
masse erscheinen. Dies geschieht wahrscheinlich so. dass die Nerven-
fasern ursprünglich als zarte kernlose Ausläufer der inneren Zellen des
Markes auftreten. Mit Bezug auf die Zahl der Stränge kann nicht liezwei-
felt werden, dass eigentlich nur zwei Paare solcher vorhanden sind,
und dass die Seilenslränge aus Theilen dieser sich entwickeln.
Es ergeben sich mithin in Bezug auf die erste Bildung des Markes
folgende Sätze :
\] Das Mark beslchl nach der Schliessung d(M- Rückenfurche aus
einem Kanäle, dessen Wandung von ganz gleichartigen radiär gestellten
Zellen gebildet wird.
2 In zweiter Linie bildet sich in dieser Wand ein(^ Scheidung in
zwei Lagen, von denen die äussere zur grauen Substanz sich ge-
RUckcnniark des Meiischen.
233
staltet, während die innere als Auskleiduni; des Centralkanyles er-
scheint.
3 Die weisse Substanz erscheint später als die graue Substanz und
ist eine äussere Belegung derselben, die unzweifelhaft in erster Linie
von den Zellen der grauen Substanz geliefert wird. Die Zahl der Stränge
ist vier, zu denen noch eine weisse Coniniissur kommt, und treten die
ersteren von Anfang an paarig auf.
Die weitere Entwicklung des Markes des Menschen anlangend, so spätere Ausbii-
zeigen die Figg. 173 und i74 Querschnitte dos Markos von einem 8 menschlichen
Wochen und einem 9 — 10 Wochen alten menschlichen Embryo, und stellt
sich bei Vergleichung dieser Figuren mit Fig. 172 leicht heraus, dass
das Wachsthumsgesetz des Markes im Allgemeinen das ist, dass, wäh-
rend der Centralkanal nacli und nach verkümmert, die graue Substanz
Markes.
dm'
FiU. 173.
Fis. 174.
Fig. 1 73. Querschnitt des Rüclceninarlvs eines menschlichen Embryo von 8 Wochen
von 1,3 mm Höhe und 1,5 mm Breite, 50mai vergr. Bezeichnung wie in Fig. 172.
)i' hervorragende Theile der Hinterstränge, die später als besondere Keilstränge er-
scheinen ; zwischen ihnen bei c Epithel des Centralkanals.
Fig. 174. Querschnitt durch einen Halswirbel und das Mark eines 9 — 10 Wochen
alten menschlichen Embryo , 35mal vergrossert. Höhe des Markes 1,5 mm. Breite
2,0 — 2, 25 nun ; e Epithel des Centralkanals ; e'in Obliteration begriffener hinterer Theil
desselben; v Vordersirang; h Hinterstrang; // Keilstrang desselben; vw vordere
Wurzel; ft iü hintere Wurzel ; g Ganglion spinale; p ni Pia mater ; dm Dura mater,
der Wirbelanlage noch dicht anliegend; wA; Wirbelkörper; c /i Chordarest ; u'6Wir-
belbogen knorpelig : ov Rest der Membrana reuniens superior.
234 Kiitw iikliinti llo^s Ner\oiis\slL'ius.
sowohl, als uml voiAlleni ilor weisse Beleg an Masse zunehmen. Einzel-
nes anliinücMitl. so zeigt erstens der Cenlralknnal eine von hinten nach
vorn fortschreitende Atrophie, die allem Anscheine nach vor Allem durch
die mächtige Entwicklung der Hinlerstränge bewirkt wird. So geschieht
es, dass derselbe von der Oberfläche ins Innei'e sich zurückzieht und
endlich nur noch einen relativ kleinen Raum im Centrum des Markes
einnimmt.
Von der Entwicklung der Stränge lehren die gegebenen Figu-
ren, dass dieselben beim weiteren W'achsthume des Markes immer mehr
sich verdicken und verbreitern, so dass beim Embryo von neun bis zehn
Wochen (Fig. 174) die Vorder- und Hinlerstränge zur Vereinigung ge-
langen , und die graue Substanz rings von der weissen Masse umgeben
ist. Zugleich treten auch die Vorderstränge vorn neben der Mittellinie
stark vor und wird die Fissura anterior deutlich, während an der ent-
gegengesetzten Seite die Hinterslränge unter Verdrängung des Central-
kanales bis zur Berührung aneinander rücken , wobei zugleich ein be-
sonderer Keilstrang (der spätere GoLL'sche Strang) von ihnen sich
abzweigt.
Die graue Substanz bietet in morphologischer Beziehung nicht viel
Besonderes dar. Dieselbe wächst gleichzeitig mit den weissen Strängen,
wenn auch anfänglich langsamer als diese, und zeigt schon im 3. Monate
Andeutungen der Hürner, die dadurch zu Stande kommen , dass stellen-
weise die graue, an andern Orten die weisse Substanz mehr W'ächsl.
Die Häute des Rückenmarks entstehen wie die des Gehirns aus
dem Mesoderma und zwar aus den angrenzenden Theilen der Urwirbel.
Ueber die Entwicklung des Markes des Hühnchens und des Kanin-
chens vergleiche man meine Entwicklungsgeschichte, 2. Aufl.
§ 30.
Peripherisches Nervensystem.
Das peripherische Nervensystem ist, wie ncueic l'nler-
snchungen lehren, höchst wahrscheinlich in allen seinen Theilen ein
Abkömmling der Centralorgane, und wachsen sowohl die cerebrospinalen
Nerven als auch der Si/mpalliicvs aus dem Gehirn und Rückenmark
hervor.
Motorische Am läng.slen bekannt und am leichtesten nachzuweisen ist die Ab-
siammimg der motorischen Nerven. Die.se Nerven, d.h. die motori-
.schen Wurzeln der RUckenniarksnerven und die molorischen Hirnnerven,
N<^rven.
Entwicklung der pcrii)hercn Nerven. '235
kommen niemals als selltslständiLie Gebilde zur Beohaehtuni? , sondern
stehen von ihrem ersten Ersclieinen an mit den Cenlraloriianen in Ver-
binduni:. Ferner zeigen dieselben bei ihrem ersten Auftreten keine Spur
von zelligen Elementen, .somlern bestehen einzig und allein aus feinsten
und kernlosen Faserchen , die spiiter zu den Axeneyiindern ihrer Fasern
sich gestalten.
Aus diesen Thatsachen folgt unzweifelhaft . dass diese Nerven aus
dem centralen Nervensysteme hervorsprossen, und erscheint, in Anbe-
tracht der bekannten Ursprungsverhältnisse der Nervenfasern, die An-
nahme berechtigt , dass die Fasern der primitiven motorischen Nerven
nichts als Ausläufer gewisser Fortsätze der centralen Nervenzellen sind.
V^on den sensiblen Fasern und Nerven war bis auf die neueste SensibieNerven.
Cerebrospinale
Zeit die Herkunft unbekannt; doch glaubte man eine Zeit lang n)it Ganglien.
Remak die Ganglien derselben als selbstständige Erzeugnisse des mitt-
leren Keimblattes und zwar der Urwirbel ansehen zu dürfen. Nun ist
aber durch Balfüir und A. M. .\I.\rschall der von mir bestätigte Beweis
er])racht worden, dass diese Ganglien aus dem Rückenmark und Gehirn
hervorwachsen, und lässt sich somit , da auch die sensiblen Nerven an-
fänglich einzig und allein aus kernlosen Fäserchen'l)estehen, auch für
diese Al)theilung der Nerven die Annahme begründen, dass dieselben
Erzeugnisse des Medullarrohres sind.
ZurVersinnlichung dieser Verhältnisse mögen die Figg. 175 und 176
Fig. I7.J.
dienen, welche zeigen, dass es die dorsale Fläche des Medullarrohres ist,
von welcher die Bildung der sensiblen Nerven und ihrer Ganglien aus-
Fig. 175. Querschnitt durch das Mark und die angrenzenden Theile eines Hüh-
nerembryo vom Ende des zweiten Tages. Vergr. 255mal. mw Urwirbel; /(Hornblatt;
h' verdünntes Hornblatt über dem Marke; s Anlage der sensiblen Wurzel.
23t)
Eiilw kkluim des NerveiisNstouis.
Fig. 176.
geht; und zwar cnlsleht in erster Linie ein zusammenhängender zelli-
iJier Aus\MK-lis, welcher nichts anderes ist als die Anlage je zweier Gang-
lien. Später sondert sich dieses Gel)ilde in zwei Hälften, welche mehr
zur Seile und jjeim Gehirn
selbst an die ventrale Fläche
rücken , während zugleich
jede Hälfte wie einen faserigen
Stiel, die Anlage der Wurzel
enthält. Aus dem Gang-
lion wächst dann der sen-
sible Nerv in derselben Weise
hervor wie der motorische
Nerv aus dem Marke.
Wenn dem Angegebenen
zufolge die Ganglien der Spi-
nal- und Ivopfnerven aus dem-
centralen Nervensysteme her-
vorwuchern und somit ebenso
gut wie die Netzhaut und der
Bulbus olfdctorius unmittelbare Abkömmlinge des Medullarrohres sind,
so liegt es nahe anzunehmen, dass überhaupt alle Ganglien,
auch die des Sympathicus, diesen Ursprung nehmen. Die That-
sachen sind nun allerdings noch nicht sow^eit, dass dieser Satz als voll-
konmien erwiesen sich ansehen Hesse, immerhin sprechen eine Anzahl
Wahrnehmungen von mir und Andern (Schenk's Mittheilungen H. 3) so
laut, dass wir allen Grund haben, für einmal an dieser Annahme fest-
zuhalten. Demzufolge hätte man sich zu denken, dass die sympathischen
Ganglien aus den Spinal- und gewissen Hörnervenganglien und alle klei-
neren solchen Organe aus den grösseren hervorw-achsen und dann nach
1111(1 nach (hirch zwischen ihnen auftretende Commissuren sich sondern.
hr.ie, A.iiir.t.ii In JJcirolV der Zeit des Auftretens der peripherischen Nerven l)e-
der peripheren
Nerven. iiuM'ko icli Folgendes: Beim Hühnchen treten die ersten Spuren der
Spinalganglien am Ende des 2. Brültages auf und beim Kaninchen am
9. Tage. Um dieselbe Zeit erscheinen auch die Ganglien der IHrnner-
ven, dagegen scheinen die niolorischen Nerven etwas später aufzutreten
als die sensiblen und sicher erscheint der Sympathicus um ein (ieratunes
später als die eeichrospinalen Ganglien.
I'i^'. 17G. yueischiiiü clurcli das Mintciiiirn und dio angrenzenden Theilo eines
Hiihncn'nd)ryo von U .Stunden in der Gc^'ond der Geliöihlnse. Verf^r. 222mal.
0 Offene (Icliürbiasc ; /i Kctoderina idx-r dnn lliiilciiiii n ; /< // llinlciliiin ; r7 Anlage
des {.'angiioscn Nervux acuslirus.
S\ nipiilliiciis des .\i<'!iS(li('
•IM
Beim Menschen sah ich den Gren/strang des SijmpaÜücus bestiniml
bei 17 — 19 nini langen Embryonen, doch wii'd derselbe erst am Ende des
zweiten und im dritten Monate deutlicher. Die Ganglien desselben liegen
von Anfang an dicht an den knorpeligen Wirbelkörpern. Anfanglich
ohne Zwischenstränge, eines dicht am andern gelegen, entwickeln sich
nachher solche Fäden zwischen ihnen, doch gehl es hiermit
sehr langsam vorwärts, wie nebenstehende Fig. 177 zeigt,
die den Grenzstrang eines Embryo aus dem 4. Monate dar-
stellt, in welchem die Brustganglien noch gar nicht geschie-
den sind und die Lendenganglien eben anfangen sich zu
trennen, während auffallender Weise die Sacral- und Ilals-
knoten schon Verljindungsstränge besitzen.
lieber die Entwicklung der peripherischen Geflechte des
Sympathicus des Menschen und der Säugethiere wissen wir
fast nichts. Den Plexus coeliacus sah ich schon bei Embryo-
nen des 3. Monates von der 9. Woche an, zu welcher Zeit
auch die Splanchnici majores schon deutlich sind. Auffallend
war mir, dass bei solchen Embryonen aus dem dritten Mo- <-■
nate der ganze Raum zwischen den Nebennieren, Nieren und ^'S- ^'^'^■
Geschlechtsdrüsen von einem Nervengeflechte mit zahlreichen grösseren
Ganglien eingenommen war, das ziemlich deutlich zwei Hälften erkennen
liess, und erinnerte dasselbe lebhaft an die von Remak beschriebenen
Geschlechtsnerven des Hühnchens. Ja es ergaben sich selbst einige That-
sachen, die für eine Beziehung dieser Geflechte zu den Nebennieren
sprechen. So sah ich bei einem dreimonatlichen Embryo die Neben-
nieren vor der Aorta durch eine Quermasse verbunden, in welche der
Splanchniciis sich verlor und die off"enbar zu dem erwähnten Nervenge-
flechte gehörte, und kann bei dieser Gelegenheit daran erinnert werden,
dass schon Valentin und Meckel die Nebennieren ursprünglich als zu-
sammenhängend beschreiben. Untersuchungen ferner an Kalbsembryo-
nen haben ergeben, dass auf jeden Fall dasselbe Blastem, das den er-
wähnten Nervenplexus liefert, mit seinem oberen Theile die Nebennieren
erzeugt, die keinerlei genetischen Zusammenhang weder mit den Wolff'-
schen Körpern noch mit den bleibenden Nieren haben, doch ist es bisher
noch nicht gelungen nachzuweisen, ob dieselben wirklich in einem in-
nigeren Verbände mit den sympathischen Plexus vor der Aorta stehen
oder nicht.
Sjjmiuithicus
lies Men sehen -
Fig. »77. Grenzstrang des Sympathicus eines viermonatlichen Embryo von
4" 4' 2'" Länge in natürlicher Grösse. 1. 2. 3. Ganglia cenicalia ; 4. letztes Ganglion
thoracicum; c Ganglia lumbalia; 5. Ganglia sacralia ; e Ganglion coccygeum ; sp
Splanchnicus major.
238 liiitwickluni! der Sinnesorgane.
^ntwkkilnV Leber die EntwickluDü: der Eleinenle des peripherischen Nerveu-
derKerven. svstems berichte ich in Kürze Folgendes. Die Släninie der sensiblen
und molurischen Nerven treten oiuie Ausnahme in erster Linie als Bün-
del feinster paralleler Fäserehen auf. zwischen denen keine Kerne und
keine Zellen sich befinden. Von dieser fundamentalen Thatsache ist es
leicht bei Kaninchenenibryonen am Trigemiuus uv)d Oculomotovms . so-
wie an den Nerven der hervorsprossenden Extremitäten sich zu über-
zeugen und beweist dieselbe wohl überzeugend , dass die Nerven-
fasern nicht in loco aus peripheren Zellen sich bilden, sondern aus den
Centralorganen Gehirn. Mark. Ganglien hervorsprossen. In zweiter
Linie ordnen sich die die Nerven umgebenden Mesodermaelemente zu
einer zelligen Scheide, und in dritter Linie wuchern diese Zellen an-
fangs spärlich und dann immer reichlicher in das Innere der Nerven-
stämme herein. Diesem zufolge sind die ScHMxxN'schen Scheiden mit
ihren Kernen secundäre. der Nervenfaser, d. h. dem zuerst allein vor-
handenen Axencylinder urspiüngiich fremde Bildungen, die ich als En-.
dothelscheiden auffasse, mit welcher Deutung der Wichtigkeit dieser
Elemente für die Bildung des Nervenmarkes und die Ernährung der
Axencylinder natürlich kein Eintrag geschieht. Bei den Nervenendigun-
gen von Embryonen, wie z. B. der Froschlarven, deute ich die von mir
vor .lahren beschriebenen kernhaltigen verästelten Fäden, in denen dun-
kelrandige Fasern zu einer oder mehreren sich bilden s. meine Abh. in
An. d. sc. nat. 1846 , als Nervenscheiden mit eingeschlossenen Axency-
lindern, und im Gehirn und Rückenmark, dessen Elementen ScHWANN'sche
Scheiden fehlen, sind die Zellen der Stützsubstanz die Vertreter dersel-
ben in anatomischer und in physiologischer Beziehung.
I'riii,iti\'-
AogfiiliUben.
III. Entwicklung der Sinnesorgane.
A. Auge.
§ 31.
Erste Entwicklung des Auges, Anlage seiner Haupttheile.
Die Entwicklung der Augen beginnt beim Hühnchen und beim Säu-
gpthiere mit dem Auftreten zweier seitlicher Ausstülpungen des primi-
tiven Vorderhir-ris, den piimiliven Augen blasen, von denen in
fi-üheren §§ schon die Hede war.
l'iiiiiUi\c AuLroiiblasoii.
2'6\)
A hl
Mr'
Einmal gebildet, schnürl sich die primitive Augenblase allmälig vom AugenbUsen-
Vorderhirne ab, so dass sie wie einen Stiel bekommt, der nichts anderes
ist als die Hahn , in welcher später die Fasern des Nervus opticus sich
entwickeln, und zugleich rückt die ganze Augenanlage nach und nach an
die untere Seite des Vorderhirns in
die Gegend, die später Zwischenhirn yh
heisst.
Auf dieser Stufe angelangt gehen
die Augenl)lasenstiele von der Basis
des Zwischenhirns aus, während die
Blasen selbst so gelagert sind , dass
sie mit der oberen und proximalen Mfi —
Seite dem Vorderhirne zugewendet
erscheinen, mit der unteren dagegen,
sowie mit der dem Stiele entgegen- 7//i-
gesetzten (distalen) Polfläche gegen die \— //
äusseren Bedeckungen gerichtet sind. 1
Die äussere Bedeckung der Augenblase
wird beim Hühnchen nur von dem
Hornblalte [Ectoderma] gebildet, wäh-
rend bei den Säugethieren eine dünne
Mesodermalage zwischen der Augen-
blase und dem Hornblatte sich hin- |
durchzieht.
In Betreirder weiteren Verände-
rungen der primitiven Augenblasen
gebe ich nun zunächst zur Erleichte-
rung des Verständnisses der etwas
schwierigen Verhältnisse folgende
übersichtliche Schilderung. Die primitive Augenblase wird nicht als
solche zum späteren Bulbus, vielmehr bildet sich dieser i) aus der
primitiven Blase , 2) aus einer dieselbe einstülpenden Wucherung des
Mesodenna und des Hornblattes , die man kurzweg als der äusseren
Haut angehörig bezeichnen kann , aus welcher die Linse, der Glaskör-
per , und bei Säugern die Tunica vasciilosa lentis entsteht, und 3) aus
einer vom mittleren Keimblatte oder den sogenannten Kopfplatten
abslammenden äusseren Umhüllung , welche die Sclerci und Cornea
Fig. 178. Vorderer Theil des Embryo eines Hühnchens vom Ende des zweiten
Tages vom Rüciien her. 40mal vergr. T'ä Vorderhirn; 3//; Mittelhirn ; ///; Hinter-
hirn ; .-16/ Augenblasen ; W Herz ; t'«' Lrwirbel ; 3/>' MeduUarrohr; Ur' Wand der
2. Ilirnblase.
—Mr
Umwandlungen
der primitiven
Augenblase im
Allgemeinen.
Fig. ■178.
240
Entwickluntj des Auüos.
saimal dov Atlerhaul uiul Iris mit Ausnahme des Pignicntunt myrn/n
erzeugt. SoJwId nämlich die primitive Augenblase ihre bleibende Stel-
lung eingenommen hat Fig. 179 , wird diesel})e am distalen Pole durch
Linse, eine Wucherung des Hornblattes, die zur Linse sich a])SchnUrt, so ein-
gestülpt . dass ihre vordere Wand an die hintere Wand sich anlegt,
wodurch die primitive Blase als solche ganz verschwindet und mm
ein doppelblätteriges becherförmiges Gebilde darstellt, das mit seinem
vorderen Rande die Linse umfasst (Fig. 180). Gleichzeitig mit dieser
Fig. 179.
Fi2. 180.
Einstülpung und unmittelbar nachher wuchert aber auch die Cutis
d. h. die an das Ectnderma angrenzenden Mesodermalagen) median-
wärts von der Linse und unterhalb derselben gegen die primitive Blase
und ihren Stiel , oder den späteren Sehnerven und treibt die untere
Wand der Blase gegen die obere. Hierdurch entsteht unter und hinter
Fig. 179. Schnitt durch den Vorderkopf eines Kaninclicns von 10 Tagen. Vergr.
40mal. ab Augenblasen 0,26 mm Ilöhej; as Augenblasenstiel Xumen 83 ji. weit,;
V Vorderhirn; m Mittelhirn; i Infundibulum ; ch durchschimmernde Chorda;
V Venen; g verdicktes Hornblatt in der Gegend der späteren Geruchsgrübchen;
mes Mesoderma.
Fig. 180. Fronlalsctinitt durcii die Anlage des Auges eines Hühnerembryo vom
Endo des 2. Tages, so dass der Stiel der primären Augcnblase sichtbar ist. Mit punk-
tirlen Linien sind die Conlouren eines Sctinittes angegeben, der neben dem Augen-
sliele durchgehen würde. Vergr. etwalOOmal. r/i Holde des Vorderhirns; «Stiel
fler primären Augenbiase ; pa primäre Augenblase vorn schon etwas eingestülpt;
r vordere Wand derselben, die später zur Retina wird; p hinlere Wand derselben,
Anlage des Pigmenlum nigrum; h Hornblatt vor der Augenblase; l Linsenanlage,
eine verdickte Stelle des llnitdilaUcs mit citior Grube, der Linsengrube.
(Ilaskörper.
241
der Linse ein besonderer Raum, der die neue Wucherung oder die An-
lage des Glaskörpers enthält und gewinnt so die primitive Augen- Glaskörper.
blase eine eigenthümiiche llaubenlorm, welche die Fig. 181 deutlich
macht. Der Augenblasenstiel wird
in Folge dieser Wucherung bei Säu-
gethieren von einem hohlen Cylin-
der, der er bisanhin war, zu einem
abgeplatteten Gebilde, und schliess-
lich biegt sich derselbe noch so
um, dass er nach der Ventralseite
zu eine Halbrinne erhält, während
zugleich der frühere innere Hohl-
raum immer mehr schwindet. Denkt
man sich Linse und Glaskörperan-
lage, sowie die Einstülpung in den
Stiel der primitiven Augenblase
weg, so würde die letztere nun
wie ein gestielter doppelblättriger
Becher erscheinen, an dessen einer
Seite eine breite Spalte sich fände.
Die Höhlung, zu der die erwähnte
Spalte führt, ist natürlich nicht die
ursprüngliche Höhlung der primiti-
ven Blase , die mit der Hirnhöhle
in Verbindung steht , sondern ein
neues, an der Aussenseite der ursprünglichen Blase entstandenes Cavum,
für welches nun auch ein neuer Name, der der Höhle d e s A u g a p f e 1 s,
nöthig wird, während die eingestülpte primitive Blase die »secundäre
/.
Fig. 181,
Augenblase« heisst.
(Fig. 181.) Im weiteren Verlaufe nun verwächst
die Spalte der secundären Augenblase und des Augenblasenstieles, oder die
Höhle des Aug-
apfels.
Secundäre
Augenblase.
Flg. 181. Senkrechter Längsschnitt durch das Auge eines vier Wochen alten
menschlichen Fötus in zwei Ansichten, die durcli verschiedene Einstellung gewon-
nen wurden. 1. Ansicht der Schnittfläche selbst, die neben dem Eintritte des Seh-
nerven und der Augenspalte angelegt wurde. 2. Scheinbare Schnittfläche in der Ge-
gend der Augenspalte, o untere Wand des platten, aber noch mit einer Höhlung co
versehenen Nervus opticus, die in 2 mit i, der inneren Lamelle der secundären Augen-
blase oder der Retina, in Verbindung steht, in 1 dagegen mit der äusseren Lamelle a
derselben verbunden erscheint, o' obere Wand des Sehnerven ; p Stelle der äusseren
Lamelle der secundären Augenblase, wo die Bildung des schwarzen Pigmentes schon
begonnen hat ; l Linse, deren Höhlung nicht dargestellt ist; «/Glaskörper; jr' Stelle
wo der Glaskörper durch die Augenspalte mit der in das Auge eindringenden Cutis-
lage zusammenhängt. Vergr. 100.
K ölliker, Grundriss. 16
242 Entwicklung des Auges.
Fötale Augen- fötale A u ii tMi s p a 1 1 e und erscheint dann die vorhin erwähnte Wuche-
spalte. '
rung des Me^soderma als isolirtes Corpus vit)-euni und als l>indegewebige
Axe mit den Vasa centralia im Sehnerven. Die vordere Oeflnung dei-
seeundären Bhise, in der die Linse liegt, wird bei den Vögeln von An-
fang an nur von dem Hornblatte verschlossen, wogegen bei den Säugern
auch eine dünne Mesodermulage vor der Linse vorbeigeht, die mit einer
älinlichen, die hinteren Theile der Linse umfassenden Lage zusammen-
hängt, welche Umhüllung der Linse von der uranfänglich zwischen der
primitiven Augenblase und dem Ectoderma gelegenen Mesodermaschicht
abstammt, mit dem primitiven Glaskörper untrennbar zusammenhängt
und mit demselben zusammen die Anlage der später zu beschreibenden
gefässhaltigen Kapsel der Linse darstellt. Aus den die secundäre Augen-
blase von aussen umschliessenden Mesodernialagen, die bei Säugern mit
der gefässreichen Kapsel der Linse zusammenhängen, diflferenzirt sich
nach und nach eine besondere Faserhaut heraus, die später in Aderhaut
und Sclera zerfällt , jedoch noch bevor diese letzte Sonderung vollendet
ist, aus ihrem vorderen Theile die Hauptmasse der Cornea und die Iris
hervorlreibt.
§ 32.
Linse, Glaskörper.
Linse der Vögel. '^^' ^^'^ Vögeln ist die Linscubildung leicht zu verfolgen, und zeigt
die Fig. 180 nahezu den frühesten Zustand des Organes, in welchem
dasselbe eine 0,026 mm dicke Stelle des Ectoderma darstellt, die in der
Mitte eine leichte Einsenkung, die Linsengrube, besitzt. Diese Linsen-
anlage, die der Stellung der Kerne zufolge wie mehrschichtig erscheint,
und an der freien Fläche ebenso wie das Ectoderma eine einfache Lage
ganz platter Schüppchen besitzt, wandelt sich nach und nach in eine
Blase um, indem der Rand der Grube sich zusammenzieht, welchem Sta-
dium die Fig. 182 entnonnuen ist. Endlich schliesst sich am 3. Tage die
Oeffnung, die in die Linsengrube führt, von welcher die Fig. 182 noch
den letzten, etwas excentrisch gelagerten Rest zeigt, so dass dann die
Linse eine fast gleichmässig dicke rundliche Blase darstellt (Fig. 183).
Die weitere Entwicklung der Linse dos Hühnchens ist anfangs ebenso
wie bei den Säugethieren (s. unten). Auffallend und eigenlhümlich ist
an dieser Linse später nur die Dicke der seitlichen Wand der Linsenblase,
welche mit einer besonderen Bildung der ferliucn Linse des Vogels in
Zusammenhang sieht.
i.iii:,edMSäuge- f},.; ,1,.^, S ii II l: e t iij e r e n entwickelt sich die Linse wesentlich wie
l>inse.
243
beim Hülinclien, und zeigt die Fig. 484 eine offene LinseDgrul>e. Arn
12. Tage scijnürt sich heim Kaninchen die Linse ah und ersciieint dann auf
eine kurze Zeit als eine üheraii gleich dicke HIase, wie die Fig. 187
eine solche vom Menschen zeigt. In weiterer Entwicklung wuchern die
Fig. 183.
Zellen der hinteren Wand der Linsenl)lase und nimmt die Linse die Form
an, welche die Fig. 185 wiedergiebt. Noch später zeigt die Linse die
Verhältnisse der Fig. 186 und lässt sich aus diesen Figuren mit Leich-
tigkeit das Bildungsgesetz der fötalen Linse nachweisen. Es bilden sich
nämlich die Zellen der hinteren Wand der fötalen Linsenblase alle in
Fasern um in der Art, dass die mittleren Zellen am raschesten, die seit-
lichen weniger schnell wachsen, wodurch bewirkt wird; dass die ganze
hintere Wand der Linsenblase in Gestalt einer kugeligen Warze sich
erhebt , welche immer mehr in die Höhle der Blase vorspringt und
Fig. 182. Flächenschnitt durch die Augenanlage eines Hühnerembryo vom
3. Tage (Osmiumpräparat). Vergr. 143mal. a Linsengrube; 6 Wand der Linsenblase ;
c Zusammenhang derselben mit dem Hornblatte ; de secundäre Augenblase; e vor-
dere Hälfte derselben Retina); d hintere Hälfte derselben (Pigment); m Wand des
Vorderhirns. — Die warzenartige Wölbung an beiden Blättern der seeundären Augen-
blase scheint Wirkung des Reagens zu sein.
Fig. 183. Horizontalschnitt durch das Auge eines HiUmchens vom 3. Tage.
Vergr. 106mal. m Mesoderma*; e Ectoderma ; l Linse (im Diam. antero-posterior dick
0,136 mm); r Retina, dick 0,07 mm; p Pigment: g Glaskörper.
16*
244
Kiilwicklunti des Auges.
schliesslich dicht an die vordere Wand heranrückt, so dass dann die
Höhle bis auf eine schmale Spalte verschwunden ist. Hierbei zeigen die
aus den Epithelzellen der Linsenblase hervorgehenden Linsenfasern ganz
beslininite Anordnungen, und zwar verlaufen die in der Axe gelegenen
Fasern ganz gerade nach vorn, während die seitlichen inuner mehr sich
K ^
Fia. 184.
Fla. 185.
krünunen in der Art, dass sie ihre Concavilät dem Aequator der Linse
zuwenden. Diese Bogenfasern werden gegen den Linsenrand immer
kürzer und gehen dann ganz allmälig wesentlich in derselben Weise
in die Zellen der vorderen Wand der Linsenblase über, wie ich dies
Fig. 184. Horizontalschnitt durch das Auge eines Kaninchens von 12 Tagen
und 6 Stunden. Vergr. 70mal. o Stiel der Augenblase mit weiter Höhlung; ä' Rest
der liühlung der primären Augenblase; p proximale Lamelle der secundären Bla.se
{Pigmentum nigrum]; »• distale Lamelle (Retina); (/Glaskörper; l Linsenblase bei ol
weit offen, im Grunde bei /' wie mit einer warzenförmigen Auflagerung; m Meso-
derma mit v einem Ringgefässe am vorderen Rande der secundtiren Blase; c Ecto-
derma.
Fig. 185. Auge eines Kaninchens von 14 Tagen und 0,76 mm Breite im Horizon-
lalschnitte. Vergr. Gömal. o Opticus; p Pigmenlum nigrum ; >• Retina; fl» Glaskörper.
Zwischen beiden Theilen ein durch Schrumpfen des Glaskörpers entstandener Zwi-
schenraum; /hintere dicke Wand der Linsenblase oder Anlage der Linse; /e vor-
«lere dünne Wand der LinsenbJasc oder Epithel der Linsenkapsel. Zwischen beiden
der Rest der Höhlung der Linscnblase; m Mesoderma um die secundäre Augenblase
herum, noch ohne Andeutung von Sclera und Chorioidea; m' Stelle wo dieses Meso-
derma mit der mesodermalischen Umhüllung der hinteren Wand der Linse oder dem
Glaskörper zusammenhiingt ; m" dünne Mesodermalage vor der Linse, Anlage der
F'upillarhaut und zum Thcil auch der Cornea. Das Kpilhel vor dem Auge (.späteres
Conjunclivalcpitholj ist bis auf einen kleinen Rest bei c abgefallen.
Linse.
^45
von Erwachsenen vor langer Zeil ahgehildel halie. fMikr. Anal. Fig.
426.)
Die fötale gul ausgebildete Linse unterscheidet sich sehr wesentlich
von dem fertigen Organe einmal dadurch, dass alle Linsenfasern Kerne
besitzen, und zweitens durch den Verlauf der FaSern, die lier Axe des
Organes mehr weniger
|)arallel von der hinte-
ren zur vorderen Fläche
ziehen. Der spätere
concentrisch blätterige
Bau kommt dadurch zu
Stande, dass nach und
nach die jungen, neu
sich anlagernden Fasern
derOberllächederLinse o
parallel sich krümmen ,
und die erst gebildeten
Fasern überwuchern, so 3
dass zuletzt die fötale
Linse zum Kerne des J ™,™_^
fertigen Organes wird. ''^^^H^^iffi^-^Ä ~ /
Hierbei tritt dann auch
die Bildung der Linsen-
sterne ein , die unter
der Voraussetzung, dass
alle Linsenfasern eine
gleiche Wachsthums- Fig. -ise.
grosse besitzen und
gleich lang sind, im Allgemeinen leicht verständlich ist, wenn auch auf
die Erklärung der besonderen Form der Sterne für einmal verzichtet
werden muss. Während dieser Umgestaltungen der Gesammtlinse än-
dern sich auch die Verhältnisse der Kerne der Linsenfasern. Anfangs
sind dieselben, wie schon bemerkt, in allen Fasern vorhanden und liegen
P
— pp
— /
/'
iwp
Fig. 186. Horizontaischnilt durch das Auge eines 18 Tage alten Ivaninchens.
Vergr. 30mal. o Opticus; «p Ala parva; m, in Musculi recti ; oi Obliq. inferior;
p Pigmenhim nigruni ; r Retina; /Anlage der Sdem und Chorioidea; rc Pars ciliaris
retinae; p' vorderer Rand der secundären Augenblase oder Anlage des Irispigmentes;
.(/ Glaskörper, durch Schrumpfen von der Retina abgehoben, ausser hinten, wo die
Art. capsularis als Fortsetzung der Art. centralis retinae erscheint; i Iris; mp Mem-
brana pupillaris ; c Cornea mit Epithel e; pa Palpebra superior: pp Palpebra inferior;
l Linse 1,45 mm breit; /' Linsenepithel.
246 Entwicklung des Auges.
in iler cIhmi gebildeten Linse so, dass sie eine besondere Zone bilden,
deren Geslali aus den Figuren 185 und 186 deutlieh hervorgeht. Später
verklliniiiorn die centralen Kerne, so dass die fertige Linse nur noch in
ihren Handschichten solche zeigt.
Linsenkapsel. Die structurlose Linsenkapsel ist entweder eine Cuticularbildung
und wird \on den Linsenzellen al)gesondert oder es stammt diesell)e
vom mittleren Keimblatte und stellt die äusserste Begrenzungslage des-
selben gegen die epidermoidale Linse dar.
Linse des Men- Icli reihe nuu noch das Wenige an,
sehen.
was wir von den frühesten Zuständen
der Linse des Menschen wissen. Die von
mir beobachtete Linse eines 4 Wochen
alten menschlichen Embryo hatte einen
Gesammtdurchmesser von 0,13 mm, war
hohl, wie die eben abgeschnürten Lin-
sen von Säugern und bestand in ihrev
45 jx dicken Wand aus länglichen, 7 — 9 jx
breiten Zellen, die höchstens in drei
Lagen angeordnet schienen (Fig. 187).
Eine äussere Ausmündung der Linsen-
höhle war in diesem Falle nicht vorhanden, dagegen hat Kessler bei
einen) 3 Wochen allen Embryo des Menschen eine noch offene Linse ge-
funden.
Die Linse des älteren menschlichen Fötus vom 5. Monate an und die
des Neugebgrenen hat einen dreistrahligen Linsenstern. Die Linsenkap-
sel missl beim Neugeborenen an ihrer vorderen Wand 7,6 — 8,1 [jl.
Bildung de.^ Zu derselben Zeit, in welcher die Linse sich anlegt, erscheinen auch
(h"e ersten Spuren des Glaskörpers. Während nämlich von vorn her die
Lin.se sich gegen die primitive Augenblase heranbildet, geschieht diess
nahezu gleichzeitig auch von unten her durch einen Fortsatz oder eine
Wucherung des Mesoderma, die man nicht unrichtig als der Cutis und
dem subcutanen Gewebe angehörig bezeichnen kann , wenn auch das
mittlere Keimblatt um diese Zeit am Kopfe noch gar keine Unterablhei-
Fig. 187. Vordere llalfle eines rioiilai duiclisclinitlenen .\uges eines vier
Wochen alten menschlichen Emhryo, von der Scluiittnaclie aus gesehen, lOOnial
vergr. l Linse mit einer centralen Höhle; g Glaskörper durch einen Stiel g' , der
durch die .Vugen.spalte hindurchdringt, mit der Haut unterhalb des Auges verbunden;
V Gefässschlinge, die in diesem Stiele in das Innere des Glaskörpers eindringt und
hinter der Linse liegt; i innere Lamelle der secundären Augenblase oder Retina;
a äussere Lan)elle derselben, die bei n' schon Pigment in ihren Zellen enthält und zur
rigmenllagc der Clwrioidea sich gestaltet; /; Zwischenraum zwisciien beiden Lamellen
oder Hcst der Hohle dor priiriitiveri Aiigciiblase.
Glaskörper.
-247
hingen zeigt. Anfanglich ersclieinl dieser Fortsatz in Gestalt einer kur-
zen und schmalen Leiste, welche unmittelbar hinter und unter der Linse,
die untere Wand der primitiven Blase gegen die obere drängt, bald aber
wuchert dieser Fortsatz, mit Ausnahme seiner Abgangsstclle vom Meso-
tlcrma, zu einem massigeren Gebilde heran, welches im Allgemeinen
die Form einer mehr weniger dicken , vorn und unten offenen Kugel-
schale besitzt, mit andern Worten, in seiner Gestalt derjenigen der Höh-
lung der secundären Augenblase entspricht, wenn man den Raum al>-
zieht , den die Linse erfüllt. Mit dem äusseren Mesoderma hängt der
Glaskörper so lange zusammen , als der enge Zugang zur Höhlung der
secundären Augenblase, der die fötale Augenspalte beisst, offen ist. So-
bald jedoch diese sich geschlossen hat, erscheint die secundäre Augen-
blase als ein Becher, der in seinem Innern den Glaskörper und an seiner
Mündung die Linse enthält. Von
diesen Vorgängen kann man sich
sowohl bei den Vögeln als bei
den Säugethieren überzeugen,
doch ergeben sich zwischen die-
sen beiden Thierabtheilungen
bemerkenswerthe Unterschiede,
insofern als einmal bei den Säu-
gethieren auch der Sehnerv in
ansehnlicher Länge eingestülpt
wird, während bei den Vögeln
ein solcher Vorgang nur an der
Eintrittsstelle desselben ins Auge
statthat, und zweitens der eben
gebildete Glaskörper der Säu-
ger zellige Elemente enthält, die demjenigen der Vögel ganz fehlen. Von
den Vögeln ist noch zu bemerken, dass die Augenblasenspalte auch von
aussen am Auge zu bemerken ist, wie die Fig. 54 zeigt.
In Betreff des Menschen sind alte Erfahrungen von mir auch jetzt Glaskörper de&
° "' Menschen.
noch die einzig vorliegenden. Bei einem 4 Wochen alten Embryo war
an Frontalschnilten Fig. 189^ die Einstülpung der primitiven Augen-
l)iase hinter der Linse und der von aussen eindringende Mesodermafort-
satz deutlich zu sehen. Dasselbe zeigt auch die Fig. 187. welche den
vorderen Abschnitt desselben Auges von der hinteren Seite gesehen zu-
gleich mit der Linse wiedergiebt. In beiden Figuren stellt / die innere
Fig. ISS. Frontalschnitt durch den Kopf eines Hühnerembryo von 3 Tagen und
6 Stunden in der Augengegend, etwa 40mal vergr.; o Augenblasenstiel am Zwischen-
liirn ; p proximale, d distale Wand der secundären Augenblase; /Linse; ^'Glaskörper.
Fig. 188.
24!i Eiilwickluiig des Auges.
dickere und (/ die äussere dünnere Lamelle der eingeslülpten primitiven
Blase dar. die an der Aiiuenspalte in einander übergehen. Der Glas-
körper y ersfheinl im Umkreise kreisrund, von etwa 0,17 nun Durch-
messe» und steht durch einen am vorderen Segmente breiteren, am hin-
teren schmäleren Stiel g , oder besser durch eine Leiste mit der das Auge
von unten her begrenzenden Mesodermalage im Zusammenhang. Im
vorderen Segmente drang durch diesen Stiel
y. ein Gefäss in den Glaskörper ein und en-
— ' dete im untern Drilttheile desselben mit
einer Schlinge, eine Bildung, die kaum an-
ders, denn als erste Andeutung der Glas-
körpergefässe zu deuten ist. Der Glaskörper
selbst sah bei schwächeren Vergrösserungen
körnig, bei stärkeren wie aus kleinen Zel-
— ' len zusammengesetzt aus. Zur Yervollstän-
,^' digung dieser Erfahrungen können die
Fig. 189. in der Fig. 181 dargestellten sagittaleu
Durchschnitte des andern Auges desselben
menschlichen Embryo dienen, die, wenn sie auch von Säugethieraugen
desselben Stadiums durch die Grösse des Glaskörperraums abweichen
und wahrscheinlich etwas verändert sind, doch als die einzigen, die wir
vom Menschen haben, von Werth sind und die Hauptverhältnisse deut-'
lieh erkennen lassen. Fig. 181 1 ist leicht verständlich und zeigt einfach
die eingestülpte primitive Augenblase mit Linse und Glaskörper so wie
sie erscheinen, w^enn der Schnitt neben der Augenspalte und dem Seh-
nerven durchgeht. Fig. 181 2 dagegen stellt einen Schnitt mitten durch
den Sehnerven und die Augenspalte dar, an welchem somit eine untere
Begrenzung der secundären Augenblase fehlt, indem der Glaskörper hier
unmittell)ar in das mittlere Keimblatt übergeht.
Ich wende mich nun zur Schilderung der Gefässe des Glaskörpers
inmca vaacu- mj^i jg,. Linse, oder den Bildungen, die man bisher als Tiinicd vasculosa
losa lentis. ' "^ '
/e«//s bezeichnet hat, welche Gefässe füi- das menschliche und Säugc-
thierauge bezeichnend und ofrenl)ar für die Bildung des Glaskörpers und
der Lin.se von gro.sser Wichtigkeit sind, während sie bei den Vögeln
fehlen. Nehmen wir als Ausgangspunkt für die Schilderung der Tunica
Kig. \Hi). Hinten' Ilälflc des senkreclit durchscliniUeneri Auges eines vier Wocheti
alten mcnscldiclien Kmljryo 'desseliien Auges das in der Fig. 187 dargestellt ist) bei
au(T,illen(lein I.iclile von vorn hetrachlet, 64nijU vcrgr. a äussere Lamelle der secun-
dären Augenhlase (Pigmcntscliichlj; i innere Lamelle derselben fllelina;; </ ("ilaskör-
per; //' .Stiel desselben in der Augenspalle; /i Hes( der lliiliie der primitiven Augen-
hlase.
Tiinica vasculosa lentis.
249
vasculosct lentis eine spätere Zeit, in der alle Tiieile derselben gut fius-
u;eprägl sind, so finden wir Folgendes. Die grosse und so dicht an der
Hornhaut anliegende Linse , dass von einer vorderen Augenkainmei"
eigentlich noch keine Rede sein kann, ist nach aussen von ihrer Mem-
brana propria \l von einer dichten Gefässschicht umschlossen , welche
sich eng an die hinlere Fläche des Organes anschliessl [v . dann am
Rande der Linse auf die vordere Fläche umbiegt und zwischen Iris und
Linse, die ebenfalls dicht l)eisanimen liegen, bis zum Irisrande nach
vorn verläuft c;/ . woselbst sie mit der Ii-is zusammenhängt und der
Cornea dicht anliegend das Sehlocli verschliesst /> . Die einzelnen Theile
Membrana
pupillaris.
dieser gefässhaltigen Kapsel kamen nur nach und nach den Anatomen
zur Beobachtung, und erklärt es sich so. dass dieselben unter verschie-
denen Namen eingeführt wurden, was zu mehrfachen Missverständnissen
Veranlassung gab. Am frühesten ;1738 durch Wachendorff^ wurde die
Haut l)ekannt. welche das Sehloch schliesst. und ist dies die viell)espro-
chene Membrana pupillaris [p). Erst viel später wurde dann
auch durch .1. Müller und Henle die Fortsetzung der Pupillarhaut bis
zum Rande der Linse 'cp] oder die sogenannte Membrana capsulo- Membrana cap-
•• '■ ' "^ ^ sv.lo-pupillaris.
;j(q)///flr/s genauer untersucht , und ist es namentlich das Verdienst
von Henle, nachgewiesen zu haben, dass beide Häute und die längst
bekannte Gefässausbreitung an der hinteren Wand der Linse oder die
sogenannte Membrana capsulari s [v] zusammengehören und eine
besondere gefässreiche fötale Umhüllung der Linse bilden.
Mfmbrana
capsnlaris.
Fig. 190. Vorderer Theii des l)albirten 10. ö mm grossen Auges eines Kalbs-
embryo, vergr. / structurlose Linseni<apsci : r hinterer Theil der gefässhaltigen
Kapsel der Linse; c}) Membrana capsulo-pupillaris ; p Membrana pupillaris : fiM.hya-
(oidea und Fortsetzung derselben in die Zontila Zinnii. die mit der 3/. capsulo-pupil-
laris sich vereint. Die hintere Wand des PEinschen Kanales wurde nicht gese-
hen , und ist daher nicht gezeichnet; r Retina ; sc Sclerotica und Chorioidea ;
I Iris; c Cornea ohne Conjunctiva dargestellt. — Alle Zwischenräume zwischen der
Linse und ihrer gefässreichen Kapsel, sowie zwischen dieser und der Iris und Cornea
und zwischen diesen beiden Theilen selbst sind in natura nicht da und mussten der
Deutlichkeit wegen gezeichnet werden.
250
Eiitwkkluni: des Auses.
Gefässe der Tir
nicii tasculosti
lentis.
Die Gefässo der Ttuiica vasciilosa lentis zeigen folgendes Verhalten:
Die Arteria centralis retinae giel)t beim Eintritte in den Bulbus eine
kleine Arterie, die .1/7. hyahidea s. capsularis ah , Nvelche in dem so-
iienannten Canalis lujaloideus , der mit der Area Martegiani beginnt,
durch den Glaskörper gegen die Linse verläuft. Etwas hinter der letz-
teren und gewöhnlich nicht ganz in der Mitte, sondern der unteren Seite
näher, spaltet sich dieselbe pinselförmig in Aeste , welche au der hin-
teren Wand der Linse hautartig sich ausbreiten. Nach allen Seiten strah-
len hier unter spitzwinkligen Theilungen , welche sich vielfach wieder-
holen , die kleinen Aeslehen der Arteria capsularis aus, und gehen
endlich am Aequator der Linse in eine grosse Menge feiner paralleler
Zweigelchen aus Fig. 191 . Verfolgt man diese weiter, so findet sich,
dass dieselben um den Rand der Linse herum in den vorderen Theil der
Gefässhaut der Linse, d. h. in die Membrana capsulo-pupillaris und
pupillaris übersehen . und hier mit anderen Gefässen , die von der Iris
in die Pupillarhaut übergehen , sich vereinen. Von vorn gesehen er-
scheint das Gefässnetz in folgender Weise (Eis. 192 . An der Stelle
Fi". 191.
Fii!. 1'J-2.
der Pupille bemerkt man eine zarte durchsichtige Membran mit zahl-
reichen radiären Hiiitgefri.'^sen. Die feineren unter denselben, deren Zahl
aberwi<'gt, sind alle F(»rtset/.ungcn der Aeste der Arteria capsularis, die
L-röbereti da-ieiien stainmen Min den Iris^efässen ab, bilden jedoch mit
Fi;:. IUI. AiisJjreituiig der Art. hjjnloidea. an der liiiitereii Kapsehvand der Linse
einer neu^rcborencn Katze. Nach einer Injection von TniKiisr.ii.
Fi«. 1'J^. fiefassc di's vorderen Al)sciinil(es der gef.issreiclien Membran der Linse
[M. capsulD-jnipillnris et pupillaris, einer neugeborenen Katze. Nach einer Injection
von Thiekscii.
Tunica vasculosa lentis. 251
den anderen überall reiehliclie Anastomosen , jedoch ohne wirkliche
Capillainetze zu erzeugen, wobei die Mille entweder von Gefässen frei
bleibt (Fig. 192] oder nicht. Manche dieser Irisgefiisse der Pupillarhaut
tragen sehr bestiniml den Charakter von Venen an sich und ist wohl
kaum zu bezweifeln, dass das Blut der Arteria capsularis durch die Venen
der Iris abfliesst, da diese Arterie, so viel man weiss, von keinen Venen
begleitet wird.
Die Gefässe der fötalen Linse werden als in einer besonderen
.Meml)ran liegend beschrieben und das Ganze auch als sell)ständige Hülle
der Linse aufgefasst, doch entspricht dies für entwickeltere fötale Augen
dem wirklichen Sachverhalte nicht. Einmal ist nur bei der Membrana
papillaris eine wirkliche Membran als Grundlage der Gefässausbreitung
vorhanden und auch mit Leichtigkeit nachzuweisen, wogegen eine Mem-
brana capsularis und capsulo-pupillaris, welcher letztere Theil ül)rigens
l)esser nicht als l)esonderer Theil unterschieden wird, als solche nicht
existirt und die Gefässe hier einfach von den vordersten Theilen des
Glaskörpergewebes getragen werden. Es ist daher in dieser Gegend die
sogenannte gefässhallige Kapsel nichts weniger als eine selbständige
Bildung , und da die Membrana papillaris auch mit der Anlage der
äussern Tunica vasculosa oculi verbunden ist, so ergiel)t sich hieraus
der wirkliche Sachverhalt, dass nämlich der Glaskörper und die Gefässe
desselben zur Linse zusammengehören und den hinteren Abschnitt einer
gefässhaltigen Umhüllung der Linse bilden , während der vordere Al)-
schnitt dieser Umhüllung oder die Membrana pupillaris mit der das
ganze Auge umhüllenden Mesodermaschicht verbunden ist. Somit bildet
die ganze gefässhallige Umhüllung der Linse und die Tunica vasculosa
oculi eine höhere Einheit.
Zum richtigen Versländnisse der gefässreichen Linsenkapsel habe
ich nun noch anzuführen , dass dieselbe , bevor die Iris gel)ildet ist . mit
ihrer vorderen V^'and ganz genau einerseits der Linse und anderseits der
Cornea anliegt. So wie aber die Iris hervorwächst, scheint die Pupillar-
haut mehr vom Rande der Iris auszugehen , obschon sie immer noch mit
dem Glaskörper zusammenhängt. ISichts destoweniger liegt auch nach
deni'Hervorsprossen der Iris die Membrana capsulo-pupillaris und pupil-
laris der Linse genau an und fehlt eine hintere Augenkammer ganz und
gar. Ja es fehlt selbst die vordere Augenkammer beim Fötus bis gegen
das Ende der Schwangerschaft . zu welcher Zeit sie ganz langsam sich
entwickelt, und liegt daher die Linse auch später dicht an der Cornea,
nur durch die Pupillarhaut von ihr gelrennt.
Die gefässhallige Umhüllung der Linse hat die Aufmerksamkeit der Bedeutung der
Analomen und Aerzte schon lange auf sich gezogen und ist es besonders ^umhüiiuifg.'^
252 EiilwickluiiL; des Auges.
die Pu|)illaruieinbr;in gewesen, welche this Interesse deshalb erregle,
weil sie in gewissen Fällen beim neugeborenen Kinde noch exislirt und
die sogenannte angeborene Verschliessung der Pupille [Älresia pupillae
(.oiKjLiiiUi bewirkt. Die praktische Seite dieser Angelegenheit führte
dann 7-u einei- genaueren Untersuchung der Pupillarhaut, sowie ül)er-
haupt der ganzen gefässhaltigen Kapsel, in welcher Beziehung noch Fol-
gendes zu sagen ist. Die gelässhaltige Kapsel erhidt ihre Gefässe schon
im zweiten Monate des Embryonallebens und zeigt dieselben von da an
bis zum sechsten und siebenten Monate auf's zierlichste entwickelt. Von
da an beginnt der Schwund derselben , und in der Membrana pupillaris
auch eine Resorption der sie tragenden bindegewebigen Haut, die
jedoch, wenn man die Angal)en aller Autoren zusammenfassl, an keine
ganz bestimmte Zeit gebunden ist, so dass sich nur so viel sagen lässt,
dass in der Regel beim Neugeborenen von der ganzen Bildung entweder
gar nichts oder nur am Rande der Iris l^efindliche Reste von Gefässen
sich vorfinden. — Die physiologische Bedeutung der gefässreichen Um-
hüllung der Linse anlangend, so unterliegt es mir keinem Zw-eifel , dass
dieselbe als eigentliches Ernährungsorgan der Linse anzusehen ist. Nach
HiscHKE 'niingeweidelehre S. 786) wiegt die Linse beim sechzehn Wochen
allen Kinde 123 mg und beim Erw-achsenen nur 67 mg mehr, nämlich
190 ms, W'oraus hinreichend ersichtlich ist, dass nach der Geburt ihr
Wachsthum ein ungemein langsames ist.
Entwicklung ])\q Entwicklung und anatomische Bedeutung der gefässreichen
der gefäss- *- , i
reichen Kapsel. Kapsel der Linse betreffend bemerke ich Folgendes. Zur Zeit, wo die
Linsengrube und Linsenanlage beim Kaninchen sichtbar wird, l)enndet
sich zwischen letzterer und der sich einstülpenden primiti\en Augen-
blase eine dünne Mesodermaschicht. Wenn nun die Linse sich abschnürt,
so kommt diese Lage mit in das Innere des Auges zu liegen und schliesst
sich zugleich vor der Linse zu einem besonderen Blatte, und fragt es sich
nun, welche Stellung diese Lagen zum Glaskörper und zur Pupillarhaut
einnehmen, in welcher Beziehung sich Folgendes ergiebt.
Die Mesodermaschicht, die wir als Glaskörperanlage bezeichnen,
und die von der Linse mitgenommene Lage bilden ein zusammenhängen-
des Blatt (Fig. 18ö</), das genau die eigenthümliche Becherform der
secundären Augenblase wiederholt, am Aecjuator der Linse bei m' mit
der vor der Linse befindlichen und an der Aussenfläche das Auge um-
hüllenden Mesodermaschicht in" in Verbindung steht und ausserdem
auch an der unteren Seile des Auges, an der .sogenannten Augenspaltc,
mit derselben sich vereint. Sieht man von diesen Verbindungen ab, so
kann man auch sagen, es bilde die Gla.skörperanlage und das mit der
Linse si(!h abschnürende Mesoderma eine besondere Kapsel um die Linse,
Tunica vasculosa lentis.
253
v^^^-W^^p^^S^^l
rp
!:^iA
und diese Auffassung ist aucli in der Thal für die Säugelhiere volliionnnen
begründet, indem bei ihnen anfiinglicli noch kein ächter gallertiger Glas-
körper, sondern nur eine zusannnenhiingende gefässhaltige Hülle um
die Linse sich vorfindet, welche nichts anderes als die oben geschilderte
Tunica vasculosa lentis ist.
Zur Begründung dieser Aufstellung, welche den Glaskörper und
den hinteren Theil der gefässhaltigen Linsenkapsel (die sog. Metnbrana
capsularis) als eine ein-
heitliche zusammenge-
hörige Bildung erklärt,
diene Folgendes. Beim
Menschen und bei den
Säugethieren beginnt
die Glaskörperbildung
mit dem Hereinwuchern
einer Lage äciiten zel-
ligen Mesodermas, wie
dasselbe üi)erall um die
Augenanlage herum ge-
funden wird, und gleich-
zeitig entwickeln sich
auch Gefässe in dieser
Schicht. Bald wuchern
diese von der Arteria
centralis retinae abstam-
menden Gefässe stärker
und entwickelt sich
rasch ein die ganze hin-
tere Hälfte der Linse
umfassendes Gefässnetz , womit dann die Anlage der Membrana capsu-
laris gegeben ist (Fig. 193 g). Am Rande der secundären Augenblase
gehen die Gefässe der Capsularhaut in die die Linse vorn bedeckende
Mesodermaschicht über, und geben so zur Entstehung der Pupillarhaut
als vorderer Ergänzung der gefässhaltigen Linsenkapsel Veranlassung
(Fig. 193 mp). Gleichzeitig entwickeln sich aber auch Gefässe an der
Fi" 193.
Fig. 193. Horizontalschnitt durch das Auge eines Rindsembryo von -23 mm. Vergr.
etwa 42mal. pp hinteres unteres Augenlid; pa vorderes oberes Augenlid ; m Meso-
derma um das Auge herum noch ohne Differenzirung ; c Anlage der Hornhaut sammt
deren Epithel; mp Membrana pupillaris ; «Irisanlage; che Choriocapillarisanlag-e ;
g Glaskörper; p Pigmentum nigrum oder proximale Lamelle der secundären Augen-
blase; )• distale Lamelle derselben, vorwiegend Netzhaut.
254 Entwicklung des Auges.
äusseren Fläche der secundären Augenblase, welche am Riinde der-
selben mit denen der Pupillarhaul sich verbinden und mit der sie
Iraijenden Mesodermaschicht die erste Anlage der Aderhaut und Iris dar-
stellen [chc,i]. Diesem Verhalten zufolge könnte man auch sagen, es sei
um diese Zeit die secundäre Augenblase sammt der Linse von einer
äusseren gefässhaltigen Hülle umgeben , welche am Aequator der Linse
ein HIalt in das Auge hinein zwischen Linse und Anlage der Netzhaut
(dem vorderen Blatte der secundären Blase) abgebe.
Mit dieser Behauptung wird allerdings die gefässhallige Linsen-
kapsel ihrer bisher l^ehauptelen Selbständigkeit beraubt und mit Recht,
denn nach den Kenntnissen, die wir jetzt über das Auge haben, ist die-
selbe nur als Theil eines umfassenden, der Ernährung und dem Wachs-
thume des embryonalen Auges dienenden Apparates anzusehen , wenn
auch der Name aus Bequemlichkeitsrücksichten beibehalten werden kann.
Wir kehren nun zum ebengebildeten Glaskörper oder zur primitiven
Membrana capsularis zurück, der, wie wir oben sahen, anfangs nichts
als eine dünne gefässhaltige Haut darstellt, die als eine Lage embryo-
naler Bindesubstanz mit Gefässnetzen anzusehen ist.
In weiterer Entwicklung wuchern die Gefässe dieser Schicht immer
weiter, während zugleich auch die Zwischensubstanz des sie tragenden
Gewebes oder die Glaskörpevgallerte zunimmt , und bilden sich dieseU
ben schliesslich in die oben geschilderten , an der hinteren Seite der
Linsenkapsel sich ausbreitenden Gefässe um , indem sie wie in eine
Ebene sich zusammendrängen und dann auch von einem längeren, mitten
durch den Glaskörper verlaufenden Slämmchen , der Arteria capsularis,
versorgt werden.
Ausser diesen Gefässen entwickelt nun aber der Glaskörper bei ge-
wissen Säugern (Katze, Hund, Rind*, Schaf, Kaninchen) und beim Men-
schen gleichzeitig mit den Linsengefässen noch eine Gcfässausbreitung,
die in den oberflächlichsten Lagen des Glaskörpers liegt und vom An-
fange der Arteria capsularis ^ oder wenn man will, von der Arieria cen-
tralis retinae gleich nach ihrem Eintritte aus dem Opticus in den Glas-
körper abstammt, wobei jedoch zu bemerken ist, dass dieses Gefäss um
diese Zeit gar keine Aeste an die Netzhaut und den 0;)^/c7/s abgiebl. In-
EigenUiche dem nuu dicsc eigentlichen Glaskörpergefässe IVasa lii/aloidea propria)
Olaakörper- '^ i o \
gefäsi-e. in den äussersten Lagen des Glaskörpers vor der Limitans retinae (siehe
unten nach vorn ziehen, l)ilden sie ein anfangs lockeres, später immer
dichteres Maschennetz und enden vorn in der Gegend des Aetjuators der
Linse oder der späteren Zonula Zinnii in Verbindung mit den Linsen-
kapselgefässen (der Ausbreitung der Art. capsularis), mit denen sie auch
weiter hinten hie und da diircli Gefiisse. die den Glaskörper durchsetzen.
Vasa lijalüidea piopiia.
255
anastomosiren. Der sogenannte Circulus arterioSKS Muscugnü , der ))ei
älteren Enil)ryonon in dov Zonula Zinnii sicli lindet, ist eine weitere Ent-
wicklung der eben gesciiilderlen früheren Anastomosen und hängt eben-
falls mit den Verästelungen der Arteriu capsukiris zusannnen.
Aus diesen Glaskörpergefässen . die l)ei älteren Emljryonen wie in
einer besonderen, den Glaskörper umgebenden Haut ihre Lage ha])en
und ein immer dichteres Maschennetz bilden, entwickeln sich später die
Retinagefässe , doch ist der genauere Vorgang bei der Bildung der letz-
Fig. 194. Horizontalschnitt durcli das Auge eines Rindsembryo von 3,5 cm. Vergr.
etwa 30mal. o Opticus (die Punkte und Striche bedeuten die Kerne der Stützsub-
stanz); ha Vasa hyaloidea anteriora s. capsularia; hpVasa hyaloidea propria s. poste-
riora; p Pigmefitum nigrum ; r Retina mit der Ausbreitung des Opticus an ihrer Innern
Oberfläche; m Musculi recti ; sei Sclera ; ^c Anlage der Thränendrüse; pp hintere
Augenlidcommissur; pa vordere Augenlidcommissur ; til Canaliculus lacrymalis ;
mp Membrana pupillaris; Hris; c Cornea tiefe Lage (sclerale Schicht); c' Cornea
oberflächliche cutane Lage mit dem Epithel. Die Falle einwärts der Commissura me-
dialis der Lider ist die Plica semilunaris Membrana nictitans .
25(5 Entwicklung des Auges.
teren immer noch unerforscht und weiss man nur so viel . dass spä-
ter, während ilie Retina Gefässe erhält, die Vasa hyaloidea propria
schwinden.
Dem Gesagten zufolge entwickelt sich der Glaskörper der Säuger
zwischen zwei Gefässlagen, und wird es wohl erlaubt sein , die hintere
Lage oder die eigentlichen Glaskörpergefässe mit der Ausbildung des-
selben in Zusammenhang zu bringen. Immerhin scheinen mir die Vasa
hyaloidea propria vor Allem eine Beziehung zur Ausbildung der Netz-
haut zu haben, und will ich hier noch besonders darauf aufmerksam
machen, dass das ganze centrale Nervensystem von Säugern und Vögeln
bei jungen Embryonen von einer ganz dünnen Gefässhaut umgeben ist,
die in einfacher Schicht ein ungemein reiches Netz von Capillaren trägt.
In ähnlicher Weise ist die secundäre Augenblase aussen von der sehr
früh auftretenden Choriocapillaris und innen von der Ausbreitung der
Glaskörpergefässe überzogen, und unterliegt es mir keinem Zweifel, dass
hier wie dort in diesen Gefässhäuten die Hauptfactoren für das Wachs-
thurn der betreffenden Organe zu suchen sind.
Was von der primitiven hinteren Wand der gefässhaltigen Linsen-
kapsel gilt, dass dieselbe eine Mesodermaschichl sei und in einer Grund-
lage einfacher Bindesubstanz ihre Gefässe trage , das gilt auch von der
Membrana pupiltaris mit dem Bemerken jedoch , dass zellige Elemente
in dieser sehr dünnen Haut allerdings spärlich sind . so dass in Durch-
schnitten dieser Hnut oft gar keine und immer nur wenige solcher Ele-
mente sich finden. Ausserdem hebe ich noch besonders hervor, dass
diese Haut als Membran und nicht als einfache Gefässausbreitung lange
vor der Zeit vorhanden ist, in der die Cornea und Iris sammt der vor-
deren Augenkaramer sich ausbilden, und dass es daher unmöglich ist,
mit Kessler ihre häutige Grundlage einzig und allein vom Irisendothel
abzuleiten , welches auf die Gefässausbreitung der Membrana pupillaris
sich fortsetze.
Der Glaskörper zeigt schon in früher Zeit, da wo er an die Netz-
haut angrenzt, eine zarte Begrenzungslinie, von der es anfänglich schwer
ist zu sagen, ob sie der Ausdruck einer besonderen Haut ist oder nicht.
Bei etwas älteren Embryonen kann dagegen die Existenz eines beson-
deren zarten Häutchens zwischen Corpus vitreitm und Retina nicht be-
zweifelt werden, indem dasselbe häufig genug bei Trennungen des Glas-
körpers von der Retina theilweise oder auf grossen Strecken sich ablöst,
dann mei.st auf den Glaskörper übergeht und wie eine besondere Be-
grenzung desselben darstellt. Dieses Häutchen gehört , wie ich mit Be-
stimmtheit sagen zu dürfen glaube . der Netzhaut an , denn es geht das-
.selbe vorn nicht auf dem Glaskörper weiter iiiul liintcr der Linse auf die
Iloriiliaut. 257
tellerförmige Grube über, vielmehr setzt sich diese Lage um den Rand der
secundären Augenblase herum auf die Pigmentschicht fort, wo die-
selbe jedoch nicht für sich darstellbar ist, mithin entweder sehr /arl
wird, wofür die scharfe äussere Begrenzung des Vujmenlum nifpuin
spricht, oder fehlt. Hechnet man dieses Häutchen, das ich Limitans in- ^'»»'^ans interna
' primttiva.
fcnut pvimilira heisse , zur Netzhaut, wie Kessleu und ich, so besitzt
der fötale Glaskörper anfänglich keine Hegrcnziingshaut. Eine besondere
Hyuloidea bekommt derselbe erst von der Zeit der Ausbildung der Zo-
mda Zinnü und der Al)lösung und dem A^erschwinden der Vusa hyaloidea
propria an, was beim Menschen noch vor der Geburt statthat.
Die Fasern der Zonula Zinna entstehen im Glaskörper und in \\c.v zomdu zinnu.
Glashaut durch histologische Differenzirung und werden beim Menschen
im 4. Monate deutlich.
§ 33.
Faserhaut und Gefässhaut des Auges.
Beide diese Häute entwickeln sich aus dem mittleren Keimblatte, Allgemeines.
welches die Augenanlage umgiebt, und sind in Augen von dem Entwick-
lungszustande , wie derjenige der Fig. 183, noch nicht angelegt. Die
Aderhaut mit Ausschluss des Pigmenhon nigrum und die Sciera machen
hinsichtlich ihrer Entwicklung keine Schwierigkeiten und sind einfach
Difierenzirungsprodukte aus den umgebenden Mesodermaschichten oder
den Kopfplatlen von Remak , wogegen die b-is und auch die Hornhaut
wesentlich als Neubildungen anzusehen sind, welche uranfänglich vor
<ler Linse fehlen und aus dem am Rande der secundären Augenblase be-
findlichen Theile der Kopfplatten zu einer Zeit sich hervorbilden in
welcher die letzteren noch nicht deutlich in Sclcra und Chorioidea zer-
fallen sind. An der Bildung der Iris betheiligt sich auch der vordere
Rand der secundären Augenblase und liefert derselbe mit seinen beiden
Blättern das h-isplgment.
Gehen wir nun zu Einzelnheiten über und betrachten wir zuerst Hornhaut,
die Entwicklung der Cornea. Am einfachsten gestalten sich die Ver-
hältnisse beim Hühnchen. Wie wir oben schon sahen, nimmt bei den
Vögeln die Linse bei ihrer Abschnürung keinen Theil des mittleren
Keimblattes mit (Fig. 182) und ist daher auch die ebengebildete Linse
nur vom Ectoderma bedeckt (Fig. 183). In diesem Falle reicht das mitt-
lere Keimblatt nur bis an den Rand der secundären Augenblase heran
und besitzt somit vor der Linse eine kreisförmige Unterbrechung oder
Lücke. Dieser Zustand dauert jedoch nicht längere Zeit, denn schon am
Külliker, Grundriss. . ,,
'25S
liiUNvickluns des Auges.
4. Tage heginnt lUis Mesodermagewebe zwischen Linse und Kctoderma
hereinzuwachsen (Fig. 4 95), um bald zu einer vollständigen Zwischen-
schicht zwischen diesen Theilen sich zu gestalten . bei welchem Vor-
gange die Grundsubslanz des Mesoderma an l)eiden Seiten der Cornea-
anlage in Gestalt structurloser Lagen auftritt, von denen die distale
stärker ausgebildet ist.
Fi2. 195.
Hornhaut der
Säugetliiere.
Die Entwicklung der Hornhaut der Säuge thicre zeigt folgende
Stufen. Während vor der Linsenbildung eine dünne Mesodermaschichl
zwischen der primären Augenblase und dem Ecloderma ihre Lage hat,
tritt während der Abschnürung der Linse ein Zustand ein . in dem viel-
leicht während einer ganz kurzen Zeit unmittelbar vor der Mitte der
Linse eine Mesodermalage fehlt. Sofort entwickelt sich diese auch hier,
und ist die abgeschnürte Linse wiederum von einer dünnen Lage Meso-
derma bedeckt , welche in erster Linie die Anlage der Pupillarhaut ist,
jedoch offenbar auch die ersten Lineamente der Hornhaut in sich schliessl.
In weilerer Entwicklung verdickt sich die erste gemeinschaftliche An-
lage der Pupillarhaut und der Hornhaut rasch (Fig. 196;, vielleicht unter
Milbctheiligung von Einwanderungen von Zellen vom Rande her, und
scheidet sich dann in zwei Lagen (Fig. 193; , von denen die eine ganz
dünne, gefässreiche die Pupillai-Iiaut und die andere die bleibende Horn-
Fig. 195. Vfinlcrstor Tlieil der Auji^ciiaiilaf^c eines IlUIiiiorcmbryo von 4 Ta|.;cn.
Vergr. 2l6mal. / Vordere Wand der Linsenl)Iase ; /' hintere Wand derselben oder
Linse, nicht ausgezeichnet ; ce Epilliel der Cornea; fc Faserlage der Cornea, Fort-
.sclzung des um die secundäre Augenbhise gelegenen niitlloron Keimblattes mk, mit
einer an der Aussenseite gelegenen hellen Lage von Grutidsubslanz Kksslkh's Cornea
propria, ; /) Fücloderma ; r distale Wand der secundaren Augenblase (Retina); pn
proximah- Wand derselben '.Pigmentum nigruin).
Horiiluiut.
25V»
liaut ist. unil noch später tritt dann zwischen diesen beiden Schichten
eine Spaltlücke mit endotlielialer Auskleidung, die vo rd e re Auijen-
kamniei'. auf. die somit wie ein seröser Sj)allrauin entsteht und zu
der Zeit deutlich wird, in der die ersten Spuren der Ii-is erscheinen.
Bei menschlichen Embryonen ist die Faserhaut in der Mitte des
zweiten Monates deutlich und bestimmt vorhanden , während ich bei
einem 4 Wochen alten Embryo dieselbe nicht zu erkennen vermochte.
Am Ende des 2, und in der ersten Hälfte des 3. Monates sind jedoch der
vordere und der hintere Aljschnitt der Faserhaul noch n ollkommen
gleich beschaffen und w ird der er-
stere nicht vor dem Ende des drit-
ten oder dem Anfange des vierten
Monates durchsichtig, von welchem
Zeitpunkte an die wahre Cornea
gegeben ist. Um diese Zeit ist auch
die Hornhaut stark gew ölbt . w as
später nach und nach sich verliert,
und was ihre Dicke anlangt, so ist
diesell)e erheblich grösser als bei
der Sclerd und findet sich auch
noch bei Neugeborenen so. bei de-
nen sie. wie längst bekannt Petit ,
selbst absalut dicker ist als ])eim
Erwachsenen. Die Descemetsche
Haut will DoxDERS bei 2 — 3monat-
licheu Embryonen gesehen haben
(iXiederl. Lancet. 1851 p. 47 . Bei Neugeborenen bestinnnte ich
Dicke auf 3.8— 4.3 .j..
Mit Bezug auf die Gefässe der fötalen Hornhaut fehlen ausgedehn-
tere Untersuchungen. Nach einer alten Beobachtung von Henle und
.1. Müller wird angenommen, dass dieselben beim menschlichen Fötus
und bei Säugern entwickelter seien als später. Es hat sich jedoch für
die Säugethiere gezeigt , dass auch erwachsene Geschöpfe sehr ent-
iMg. 196. Horizontalschnitt durch das im Aequator 0.79 mm messende Auge
eines Kaninchens von 14 Tagen. Vergr. etwa 6ämai. o Opticus mit dem scheinl)aien
Querschnitte seiner oberen Wand an der Zutrittsstelie zur Netzhaut ; p Pigmentum
n'Hjrum ; »Retina; w! Mesoderma neben der secundären Augenblase; wj' Mesoderma
zwischen Linse und Rand der secundären Blase in das Innere des Bttlbus sich hinein-
erstreckend; w" Mesodermalage vor der Linse: /Linse; /e vordere Wand der Lin-
senblase oder Linsenkapselepilhel ; e Ectoderma, welches die ganze Augenanlage be-
deckt; (/Glaskörper. Die Lücke zwischen Glaskörper und Retina ist Kunstproduct
und vor allem durch Schrumpfen des (lllaskörpers entstanden.
17*
Vordere Augen-
kamraer.
Hnrnhaut des
Menschen.
ihre
Gefässe der
Cornea.
260 Eiilwicklung des Auges.
wickelte Hornluuili^efasse besitzen m. Mikr. Anat. II 2. S. 622) , und
was den Menschen anlangt, so kann ich wenigstens von Neugeborenen
sagen, dass ihre Hornhaut auch gefässarni getroffen wird.
Sciera. Die Sclerotica entwickelt sich aus den das Auge umgebenden
Kopfplatten , deren Gewebe in der Nähe der secundären Augenblase
nach und nach sich verdichtet und mit einem innern Theile zur Ader-
haut, mit einem äussern zur Sclera wird. Letztere entwickelt sich sehr
langsam und zeigt lange Zeit hindurch keine scharfen Begrenzungen
nach aussen Fig. 193), was daher ridirt , dass, wie Ammon zuerst ange-
cel^en hat, ihr Dickenwachsthum durch äussere Auflagerungen zu Stande
kommt, die in einer mittleren Ringzone beginnen und von da nach vorn
und hinten weiter schreiten. Doch ist die Sclera am Ende der Fötal-
periode in der Nähe der Cornea noch auffallend dünn Fig. 194, 197),
ebenso in der Nähe des Sehnerven besonders nach hinten und lateral-
wärts an einer Stelle, welche nach Ammon schon im 3. Monate deutlich
ist und die von ihm sogenannte Protuberantia scieralis bildet.
Tunica tascuiosn Die Gcfässhaut des Auses ist in ihrem bindegewebigen Theile
oculi. '^ ^ ^
eine Abzweigung der primitiven Faserhaut oder der mesodermatischen
Mülle des Auges und entsteht zu der Zeit, in welcher auch die Gefässe
des Glaskörpers und der Linsenkapsel sich bilden, und zwar legt sich zu-
erst die Choriocapülaris an in Gestalt einer dünnen gefässhaltigen Schicht, •
welche die eben gebildete secundäre Augenblase umhüllt und von An-
fang an mit der Pupillarhaut und auch mit dem Glaskörper zusammen-
hängt und einen Theil der oben besprochenen gefässhaltigen Hülle bil-
det (welche die Linse und auch die gesammte secundäre Augenblase
umschliesst), jedoch ihr Blut nicht aus der Ar teria centralis retinae [A.
cajjsularisj, sondern aus den Arteriae ciliares bezieht.
Iris. Während die Tunica vasculosa oculi in ihrem der secundären Augen-
blase anliegenden Theile lange keine weiteren Veränderungen zeigt,
beginnt der am Rande dieser Blase gelegene, an die Pupillarhaut an-
grenzende Abschnitt bald sich zu verändern. Und zwar bildet sich hier
wie eine Wuchernng der gefässführenden Lage, die zwar anfänglich,
ebenso wie die ganze Schicht von der Anlage der Sclera und Cornea
nicht scharf sich abgrenzt (Fig. 193], später jedoch, sobald die vordere
.\iigcnkammei- entstanden ist, im Winkel dersell)en wie einen Ring-
wulst bildet (Figg. 194, 197, 198 , der einerseits unmerklich in die Mem-
hrana pupillaris übergehl, anderseits aber auch in die äussere Gefäss-
haul sich fortsetzt und zugleich zwischen Linse und secundärer Augen-
blase mit dem Glaskörper zusammenhängt. Dieser Ringwulst Fig. 198/)
ist die erste .\n<leutung der Iris, die somit nicht als eine freie Platte von
der Gefässhaiil nach \orn vorwjiclist . sondern von Hause aus mit dev
I^i^
261
/
ap
X
.y
\.
I'upillarhuul verbunden ist und anlcins^s nur wie eine Verdickung der-
selben erscheint. Im weiteren Verlaufe wächst nun die Irisanlage nach
vorn und nimmt bald die Form einer Platte an und zugleich folgt ihr
auch der Rand der secundären Augenblase mit seinen beiden Schichten,
welche gleichzeitig sich verdünnen und wie einen doppelschichtigen
Zellenbeleg der Iris dar-
stellen. So entsteht der
Zustand , den die Fig.
198 wiedergiebt . in
welchem die Irisanlage
nun schon bestinunl ,,^, / / ^
hervortritt, jedoch eines
freien Randes innuer pp
noch ermangelt, viel- \ ^
mehr ganz allmälig sich " — ? ^ /
zuschärfend in die Pu- ,- * \ /'
pillarhaut übergeht und
in diesem Verhältnisse 9
während des ganzen
Fötallebens, verharrt
auch nachdem sie noch '^"
P —
breiter geworden Ist.
Das Irispigment
entsteht, wie Kessler ''^\
zuerst gezeigt hat . aus y *"
einer Wucherung des ; ''^ ^'
vorderen Randes der Fig. -197.
secundären Augenl)lase,
welche mit ihren beiden Blättern auf die Iris sich fortsetzt und auch im
distalen Blatte sich pigmentirt, von welchem Vorgange die Fig. 198 die
ersten Andeutungen zeigt.
''^ )np
Ich wende mich nun wieder zur Aderhaut. Das Corpus ciliare tritt weitere u«
Umlnl-
igender Ader-
geraume Zeit nach dem ersten Erscheinen der Iris auf, und beruht seine haut- ,
Fig. 197. Horizontalschnitt durcli das Auge eines 18 Tage alten Kaninchens.
Vergr. 30mal. 0 Opticus; ap Ala parva; m, in Musculi recti ; oi Obliq. inferior;
p Pigmentum nigrum ; r Retina; /"Anlage der Sc/eca und Chorioidea ; rc Pars ciliaris
retinae; p' vorderer Rand der secundären Augenblase oder Anlage des Irispigmentes;
g Glaskörper, durch Schrumpfen von der Retina abgelioben, ausser hinten, wo die
Art. capsularis als Fortsetzung der Art. centralis retinae erscheint; i Iris; mp Mem-
brana pupillaris ; c Cornea mit Epithel e; pa Palpebra superior: pp Palpebra inferior;
l Linse 1,45 mm breit; /' Linsenepithel.
262
Enlwiokluiis dos Auses.
Bildung auf oiuor WuclitM'ung der Tuniai vasculosa dicht hinter der Iris,
an welcher auch die secundäre Augenblase Antheil nimmt, indem sie
mit ihren beiden Lamellen . von denen jedoch die distale sich nicht pig-
mentirt, entsprechend den gefässhaltigen Fortsätzen der Tunica vascu-
losa ebenfalls sich faltet. Hierdurch sondert sich am Corpus ciliare die
Aderhaul ziemlich früh von der Sclera , während eine solche Trennung
im hinleren Abschnitte der Haut nur sehr langsam sich entwickelt.
sei
ch
'J' r
Fiti. 198.
PigiiKntiiin
uigruin.
Das schwarze Augenpigment entwickelt sich , wie ich vor Jahren
gezeigt, aus der proximalen Lamelle der secundären Augenblase und
hat man daher vorgeschlagen, diese Lamelle ohne weiteres zur Retina
zu ziehen und Relinapigmenl zu nennen Babuchin). Wenn man jedoch
erwägt, welche Schicksale die verschiedenen Theile der secundären
Augenblase erleiden, so ergiebt sich, dass mit so einfachen Bezeich-
nungen nicht auszukommen ist. Ich theile die secundäre Augenblase in
Fif^. 198. Kill Theil des Aui;es der Fig. 197 läSmal vergrössert. sd Sclera; ch
Chorioidca; p J'ir/ mcn tum ni r/nun [IKclinapiiimcni) ; p' Pigment der spateren Ciliar-
forlsätzc; pi Irispignienl vordere Lamelle; pi' Irispigment hintere Lamelle; er Pars
ciliaris retinae; r Retina; g C. vilreum; g' Verbindung desselben mit / der Irisanlage
und np dar Membrana pupillaris ; ce Epithelhim corneae; l Linse; c Cornea mit zwei
.Schichten, von denen die liintere in die Sclera, die vordere In die Conjunctiva sclero-
ticae übergeht. Die Lücken zu beiden Seiten des vorderen Randes der secundären
Augenblasc sind Kunsiproducte. Die Lücke medianwtirts der Irisanlage ist die vor-
dere Augenkamiiier.
Tiinica vasculosa iles Menschen. 20^?
erster Linie in zwei Theile. einen nervösen, die Retina, und einen indil-
lerenlen, den ich den epiliiclialon lieissen will. Dieser lelztei-e zerl'allt
a) in die pignientirteDoppellanieile, die die Iris überzieht, daslrispignient,
1)) in die Doppellamelle, die die Corona cilian's bekleidet, an der ein pig-
inentirler proximaler von einem nicht gefärl)ten distalen Theile, der Pars
ciliaris retinae, zu unterscheiden ist, und c in das Retinalpigment , das
dem nervösen Theile der Augenblase anliegt. Da nun dieser Theil phy-
siologisch unstreitig zur Retina gehört, so kann man von diesem Gesichts-
punkte aus die secundäre Augenblase auch in zwei Abschnitte Iheilen,
einen hinteren, die Retina und das Retinalpigment, der in unmittelbar-
ster Beziehung zum Acte des Sehens steht , und in einen vorderen mehr
untergeordneter Natur, der die Corona ciliaris und Iris bekleidet. Dieser
letzte Theil lässt sich nun al)er bei der Beschreil)ung des Auges nicht
wohl von den Theilen sondern, denen er aufliegt, und halte ich es somit
für das Zw eckmässigste , den gesammten epithelialen Theil der secun-
düren Augeublase zusammen mit der Vasculosa oculi zu l^eschreiben.
In Betreff der Entwicklung der Tunica vasculosa oculi des Menschen Tumca vasculosa
i-iT-,! 1 T\ 1 * • ,i'i« • des Menschen.
merke ich folgendes an: Das schwarze Augenpigment sah ich in seiner
allerersten Anlage Jiei einem menschlichen Embryo von 4 Wochen , bei
dem die Linse eben abgeschnürt aber noch hohl war und zwar in den
innersten Theilen der proximalen Lamelle und nur in den vordersten
Theilen der secundären Blase. — Das Corpus ciliare und die Iris bilden
sich am Ende des zweiten und im Anfange des dritten Monates und ist
letztere Haut, entgegen den bisherigen Angaben, von Anfang an gefärbt.
Bei einem Embryo von 31/2 Monaten ist die Iris nicht breiter als O.OSI mm,
hellbraun , die Processus ciliares dagegen schon recht gut ausgebildet,
von tiefschwarzem Pigment bedeckt und ausserdem von einer hellen
Zellenschicht Pars ciliaris retinae) von 0,035 mm Dicke überzogen, die
scheinbar aus 4 — 5 Zellenreihen besteht. Dann folgt eine sehr deutliche
Limitans und nach innen davon eine feinfaserige Zonula, die jedoch nicht
den Eindruck einer Membran macht. Im fünften Monate misst die Iris
0,058 mm, die Corona ciliaris von der Ora serrula an 0,50 — :0,57 mm,
die Höhe der Processus ciliares 0,12 — 0,18 mm und deren Breite 0. 10 —
0,12 mm, die Pars ciliaris retinae, die jetzt einschichtig mit verlängerten
Zellen erscheint, 0,016 mm. Das Pigment ist an der Corona ciliaris
schwärzer als an der Iris und hinter der Ora serrata , und am dunkel-
sten auf den Ciliarfortsätzen. Am Ende der Schwangerschaft ist die
Aderhaut noch ganz dünn , aber deutlich als besondere Membran zu er-
kennen, obschon sie des äusseren Pigmentes noch ganz entbehrt. Die
Elastica ist ganz gut entwickelt und an den Pigmentzellen sehr leicht
zu sehen, dass dieselben sehr verschieden sross und in auffallen-
2(34 liiitwicklung des Auges.
dcv Veriiit'hriniL; l)ogrifl'en sind, imleni viele derselhen zwei Kerne
besitzen.
Eine henierkenswerthe und vielbesprochene Erseheinunt; ist die so-
rhori.uJai- iienaiviile Chorioide alspalt e. Es zeiet nämlich die Chorioidea l)ei
spalte. ~ 1 ■-
Juniieu Embryonen aller Wirbelthiere und auch des Menschen an der
untern innern Seite einen eiirenthiUnlichen, nicht pigmentirten Streifen,
welcher vom Pupillarrande bis zum Oi)ticuseintritte verläuft und beim
Menschen in der 6. — T. Woche, beim Hühnchen vom 9. Tage an schwin-
det. Dieser Streifen ist. seit durch Schüler vom Hühnchen und durch
mich beini Menschen die Augenblasenspalle nachgewiesen und von mir
auch gezeigt worden ist, dass die äussere LameHe der secundären Augen-
blase die Pigmentschichl der Aderhaiit liefert, leicht zu deuten und ist der-
selbe, wie in der ersten Auflage m. Enlwicklungsg. bereits nachgewiesen
wurde, nichts anderes als eine nach dem Schlüsse der Augen])lasenspalle
noch eine Zeit lang bestehende Lücke der Pigmentschicht, welche später
vergeht. Das heisst es ]>leibt nach dem Verwachsen der Spalte, wobei
die beiden Lamellen der Augenblase ebenso verwachsen, wie das Medul-
larrohr und das Hornblatt beim Schlüsse der Rückenfurche, die Naht-
stelle des äusseren Blattes noch eine Zeit lang ohne Pigment. Diesem
zufolge besitzt die Chorioidea selbst keine Spalte, sondern nur die Retina
und die Pigmentschicht, und können die pathologischen Spaltbildungen,
der Aderhaut und Sclera nur in sofern aus fötalen Bildungen erklärt
werden, als ein nicht stattfindender Verschluss der fötalen Augenspalte
auch eine mangelhafte Ausbildung der Aderhaut und Sclera nach sich
ziehen kann. In ähnlicher Weise können auch Irisspalten [Coloboma iri-
dis, enstehen. wogegen die Irisspalte l)ei regelreclit stattgehabtem Ver-
schlusse der Augenspalte eine ganz und gar pathologische Bildung ist
und in der Entwicklungsgeschichte der Theile keine Erklärung findet.
§ 34.
Netzhaut.
Die .Netzhaut geht, wie schon zu \\ iederholten Malen luM-vorgchoben
wnrde, aus einem Theile der distalen (vorderen) Lamelle der secundären
Augenblase hervor. Anfangs überall ziemlich gleich dick, erleidet später
ihr vorderer Theil, der dem epithelialen Al^schnitte der secundären
Augenblase angehört, eine immer stärker werdende Verdünnung und
gestaltet sich 1 zu der sogenannten Pai'S ciliaris retinae oder der farl>-
loson. die Cdronn rilinri.s \on dcv Ora scrraUt an überziehenden Zellen-
Netzhaut. 26.")
laiic und 2 zu der liefen PigmentUiiie des Irispigmenles, die anfangs,
ebenso wie die Netzhaut selbst, scheinbar aus nieiirfachen Zellensehich-
len l)esteht. später jedoch in eine einfache Zellenhige sicii umbildet.
Von den uröberen Veriiältnissen der Netziiaul des Menschen er- Retina des Men-
■^ _ sehen.
Wähne ich nocii Folgendes. Indem tlie Retina rasciier wächst als die
übrigen Augentheile, schlägt sie schon im zweiten Monate nach innen
Fallen. Zuerst scheint eine Falte an der unteren Seite des Sehnerven
aufzutreten, zu der sich dann aber bald noch zahlreiche andere gesellen,
welche vorzugsweise im Grunde des Auges stehen. Gegen das Ende des
end)ryonalen Lebens verschNN inden nach und nach diese Fallen wieder
und beim Neugeborenen ist die Haut ganz glatt, wie beim Erwachsenen.
Der gelbe Fleck fehlt beim Embryo und ist selbst bei Neugeborenen
noch nicht sichtbar.
Wir w enden uns nun zur E n l \\ i c k 1 u n a des Sehnerven. Der Entwicklung des
Sehnerven.
hohle Augenblasensliel steht wiihrend der kurzen Zeil, in der nur enie
schwache Linseneinslülpung, aber noch keine Glaskörperanlage sich
hndel. nur mit dem proximajen Theile der in erster Entwicklung be-
gritrenen secundären Augenblase in Verbindung. So wie dann aber die
Glaskörperbildung beginnt und die eigentliche secundäre Augenblase
entstanden ist, findet man. dass der Augenblasensliel nun auch mit der
distalen oder vorderen Lamelle der secundären Blase verbunden ist,
was einfach daher rührt, dass bei der Entstehung der secundären Blase
nicht nur die distale Hälfte der primären Blase an die proximale, sondern
auch von der Insertion des Augenblasenstieles an nach vorn, die untere
Wand derselben an die obere gedrängt wird. Den so entstandenen Zu-
stand kann man mit Lieberkiiix auch so beschreiben, dass man sagt, es
hänge die obere Hälfte des Augenblasenstieles mit der proximalen und
dessen unlere Hälfte mit der distalen Lamelle der secundären Augen-
blase zusammen, welchem Verhalten zufolge die Verbindung wenigstens
eines Theiles des Augenblasenstieles mit der Retina eine ganz primi-
tive ist.
Während der Entstehung der secundären Augenblase wird bei
Säugethieren auch der Augenblasensliel oder der primitive Opticus in
einer gewissen Ausdehnung eingestülpt und dessen unlere Wand an die
obere gedrängt , so dass das Ganze einigermassen die Form der Augen-
blase w iederholt und eine nach unten offene doppelblällrige Rinne bil-
det. Das eingestülpte unlere Blatt dieses umgestalteten Augenblasen-
stieles steht mit dem eingestülpten distalen Blatte der Augenblase in
Verbindung, das obere mit dem proximalen pigmentirten Blatte und die
anfänglich noch vorhandene Höhlung des primitiven Opticus mündet in
den Rest der Höhlung der primitiven Augenl)lase. Hervorgerufen wird
266 Enlwickluiig des Auges.
diese Einstülpung durcii das gleichzeitig mit der Glaskörperbildung auch
hier in Form eines kurzen Blattes einwuchernde Mesoderma, in welchem
die Arteria cenlralis retinae sich l)ildet. Auch beim Hühnchen wird, wie
wir üben sahen, der primiti\e Opticus, jedoch nur in nächster Nahe der
Augenblase, eingestülpt. Ein« Arteria centralis retinae fehlt jedoch hier
ganz und gar.
In weiterer Umwandlung wird der primitive Opticus, der von An-
lang an den Bau der Medullarplatte der Hirn wand und der Augenblaso
besitzt und somit aus scheinbar geschichteten, radiär gestellten Zellen
besteht, sowohl in seinem eingestülpten , als in dem nicht eingestülpten
längeren Theile durch Wucherungen seiner AYände solid, und gleich-
zeitig hiermit verbindet sich auch der Theil des Opticus, der bisher mit
dem Pigmentblalte vereint war, nachdem die Höhle der primitiven
Augenl)lase ganz geschwunden ist und indem die Pigmenlbildung am
Opticus sich begrenzt, mit der Anlage der Retina, so dass nunmehr der
ganze Nerv mit der distalen Wand der Augenblase zusammenhängt.
Während dies geschieht , treten zugleich auch die Sehnervenfasern auf
und gestalten sich, nachdem sie einmal angelegt sind, folgendermassen
'Fig 199). Hinter und über dem in seinem Anfange inmier noch hohlen
Opticus oder dem Augenblasenstiele tritt aus dem unteren Seilentheile
eines jeden Thalamus opticus ein starkes Bündel feinster kern- und zellen-
freier Nervenfasern auf, der Tractus opticus , der an der Basis des Zwi-
scbenhirns in fast (juerom, nur wenig schief nach vorn gerichtetem Ver-
laufe dem andern entgegenzieht, in der Mittellinie mit demselben untei"
vollständiger Durchflechtung der Fasern sich kreuzt und sich dann zum
Augenblasenstiele der anderen Seite begiebt. h\ diBsen treten die Fasern
des Tractus opticus (Fig. 199 to) von hinten und oben her ein und er-
füllen denselben, soweit er noch hohl ist, anfangs nur in den oberfläch-
lichen Theilen , im weiteren Verlaufe dagegen , da wo der Stiel solid
geworden ist, auch im Innern in seiner ganzen Dicke und Breite, welcher
Vorgang etwas später auch am Anfange des Augenblasenslieles eintritt,
dei" nach und nach vom Auge nach der Ilirnbasis fortschreitend eben-
falls seine Höhlung verliert und ganz mit Opticusfasern sich erfüllt. Ist
der Nervus opticus so angelegt, so zeigt er eine sehr zierliche Structur.
Derselbe besitzt erstens eine massig dicke äussere Hülle von concentrisch
gelagerten platten Mesodermazellen mit Zwischensubstanz und im Innern
radiär gestellte, zcllige Elemente, welche so untereinander verbunden
sind, dass sie ein zartes Fächerwerk bilden, dessen Ltlcken der Länge
nach verlaufen. In den Lücken dieses Fachwerkes stecken einmal ein(^
grosseAnzahl kleiner, 7 — 15 jx dicker Bündel feinster, kern- und zellen-
loserOplicusfasern, und zweitens /alilreichc in Längsreihen angeordnete
Nervus opticus.
267
Zellen , tlie mit den radiär gestellten Elementen zusammenhängen und
das Gerüst vervollständigen helfen, welches die Nervenfasern trägt. Mit
diesem Baue gelangt der Xervus opticxs an den Bulbus, dringt durch die
Pigmentschicht durch bis an die innere üborflächc der Retina und
strahlt ^on hier aus in die Netzhaut aus. indem an der I^Lintrittsstelle in
der Regel eine leicht trichterförmige Vertierung. aber meinen Erfah-
rungen zufolge t\pisch keine grösseren Faltenbildungen oder Erhebungen
/
Fig. 199.
am Rande der Vertiefung vorhanden sind Fig. 194). An dieser Eintritts-
stelle gehen alle zelligeu Elemente der Stützsubstanz des Nerven bis zur
Innern , an die Limitans angrenzenden Oberfläche desselben und ver-
breiten sich von hier aus noch etwas über den Bereich des Durchmessers
des Opticus, um dann ganz und gar zu verschwinden. Somit bleibt zur
Ausstrahlung in die Netzhaut nichts übrig als die vom Tractus opticus
Fig. 199. Horizontalsclmitt durcli den tiefsten Tlieil des 3. Ventrikels und des
Chiasma opticonnn von einem Schweineembryo von 33 mm, fast 4 0mal vergrössed.
ch Chiasma; to aus dem Chiasma hervortretendes Ende des Tractus opticus mit Fa-
sern ohne Zellenbeimengung; st Rest des hohlen Augenblasenstieles, der oberfläch-
lich von den Fortsetzungen der Fasern des Tractus opticus durchzogen ist ; o Opticus
von einer kernhaltigen Slützsubstanz durchzogen , deren Kerne die Punktirung be-
wirken; ©'Opticus der anderen Seite, an welcher der Augenblasenstiel durch den
etwas schief verlaufenden Schnitt entfernt ist. Vor dem Chiasma sieht man rechts
das knorpelige Sphenoidale anlerius , dann folgt das Foramen opticum und rechts vom
Opticus die .4/a pana ; t Ventriculus tertius tiefster Theil, dessen Wand hinter dem
Chiasma und zum Theil auch inmitten der zeitigen Substanz Commissurenfasern
enthält.
2tj^ EiilNN itkluiii; des Auges.
iibslamiiuMulen Bündel kernloser feinster Fäsercheu , und solche sind
es nun in der Thal, die an der Aussenseite des Glaskörpers und der
Limitans priiiiitira als oberllächlichste Lage der Netzhaut weiter ziehen
und'bis zum vorderen Ende der eigentlichen Nervenhaut sich verfol-
gen lassen.
Den ansesebenen Thalsachen zufolge wächst 1) der Nervus opticus
mit kernlosen feinsten Fäserchen (Axency lindern) aus der grauen Sub-
stanz des Zwischenhirns bis in die Netzhaut. 2 bildet sich der fötale
Augenblasenstiel in indifferente Slützsubstanz um. Es ist demnach der
Nervus opticus fürderhin nicht mehr als ein Nerv im gewöhnlichen Sinne,
sondern als ein Ilirntheil zu betrachten, ebenso w-ie die secundäre Au-
genblase und alles was daraus hervorgeht. Ich vergleiche den Tractus
opticus und das Chiasma den liadices nervi olfactorii^ den Nervus opticus
dem Tractus olfactorius, und die primitive Augenblase dem Bulbus olfac-
forius. Der Unterschied zwischen beiden Apparaten liegt darin, dass
die Nervenfasern im Geruchsorgane als Nervi olfactorii über den Bereich
des Gehirns in das mittlere Keimblatt hineinwachsen, beim Sehorgane
dagegen nicht, indem ihre Endapparate aus der Medullarplatte selbst
sich bilden. Diese letztere Anordnung ist offenbar eine einfachere als
die andere und darf wohl auch als eine primitivere Einrichtung bezeich-
net werden.
§ 35.
Nebenorgane des Auges.
Augenlider. Die Augenlider entwickeln sich, nachdem die Hornhaut sich gebil-
det hat, als Falten der den Augapfel umgebenden Haut und zwar ungefähr
in der Gegend des Aequators des Bulbus oder selbst hinter demselben
(Figg. 193, 194, 197). Anfänglich aus gleichartigem Mesodermagewebe
mit einem Ectodermaüberzuge bestehend, sondern sie sich langsam in
eine mittlere festere und zwei oberflächliche lockerere Lagen, von denen
jene später den Musculus orbicularis palpebrarum , den Tarsus und die
MKiBo.>r.schen Drü.sen in sich erzeugt, während die andern zur Haut und
Bindehaut sich gestalten. Verfolgt man die Bindehaut der Augenlider
auf den Augapfel, so findet man, dass dieselbe in eine lockere Mesoder-
maschicht übcriieht, die den vordersten Theil der Sclera bekleidet und
dann nnmillelbar in die oberflächlichsten Ilornhautschichten sich fortsetzt,
die in vielen Fällen deutlich durch eine grössere Helligkeit und minder
(lichtes Gefüge von der llauptma.sse der Haut sich unterscheiden, welche
letztere rückwärts in die Srlo-a übergehl (,Fig. lOi .
Tliiaiionaiipiii.il. 2ü9
Ich beliMchle die helden zulelztiienaiinlon Laiien als Conjunclivd
corneae und scieroticae und nelinie niil and(M-n an der Cornea einen
cutanen und einen scleralen Tlieil an. die jedoch nicht scharf geson-
dert sind.
Als chorioidealer Theil der Cornea lässt sich die Membrana pupil-
laris bezeichnen, die ja ursprüni»lich , vor der Bildung der voi'deren
Augenkammer, mit -tler Hornhaut untrennbar zusammenhängt.
Wie man schon längst weiss, schliesst sich in einem gewissen Zeil-
punkte des embryonalen Lebens, beim Menschen im 3. — 4. Monate, die
Augenlidspalle und tritt hierbei keine Verklebung ein, wie man früher
annahm, sondern eine wirkliche Verwachsung der Epithelien beider Au-
genlidränder, so dass die Hornschicht derselben ein ungetheiltes Ganzes
bildet.
Während dieser Verwachsung entwickeln sich beim Menschen von
der Nahtstelle aus in typischer Weise die Augenwimpern und die Meibom'-
schen Drüsen und liedingt möglicherweise das Hervortreten der Haare
aus ihren Bälgen lind des Secretes der genannten Drüsen die spätere
Lösung der Lider, die beim Menschen meist vor der Geburt eintritt,
doch bemerke ich, dass bei Kaninchen von 23 Tagen an der Nahtstelle
des Lides noch keine Spur solcher Bildungen wahrzunehmen ist, ol)schon
die Haut der Lider viele Haaranlagen besitzt.
Die Thränendrüsen entstehen nach Art der Speicheldrüsen als an- Tiiiäuemiiüst?!».
fänglich solide Wucherungen des Epithels der Conjunctiva und fällt beim
Menschen ihre Bildung in den dritten Monat , um welche Zeil ihre an-
scheinend soliden Endigungen bis zu 0,1 mm messen und bereits eine
sehr deutliche mesodermatische Hülle haben.
In Betreff des Thränenkanals hat man bis jetzt seit Coste allgemein Tüiänenkanui.
angenommen , dass derselbe keine Ausstülpung der Mundrachenhöhle
sei, wie v. Baer seiner Zeit behauptete, sondern anfänglich in Gestalt
einer Furche zwischen dem äusseren Nasenfortsatze und dem Unterkie-
ferfortsatze auftrete und dann in zweiter Linie zu einem Kanäle sich
schliesse. Born dagegen behauptet für die Amphibien, dass der Thränen-
gang durch Einwachsung und Abschnürung eines Epithelstreifens von
der Nase bis zum Auge hin sich bilde , der dann ein Lumen bekomme
und sich mit der Nasenhöhle in Verbindung setze, während beim Hühn-
chen eine solche epitheliale Wucherung vom Grunde der Thränenfurche
aus entstehe. Der neueste Autor, Ewktskv, nähert sich mehr der bis-
herigen Auffassung, indem er bei den Säugethieren den Grund der
Thränenfurche selbst zum Thränenkanale sich abschnüren lässt, welche
Abschnürung allerdings anfänglich ohne Höhlung sei.
Beim Menschen ist der ganze thränenabführende Apparat bereits
270 Entwicklung des Geliüiorganes.
im 3. Monate gut enlNvk-kelt und hebe ich besonders hervor, dass vom
4. Monate au der Thränengang stark geschlängelt ist und eine Menge
Aussackuuiien besitzt.
B. Gehörorgan.
§ 36.
Allgemeines. Primitives Gehörbläschen und erste Umwandlungen
desselben,
Entwicklung de.- Das Gehörorgan entwickelt sich auf den ersten Blick ähnlich wie
AUgenieiiien. das Augc und findet man auch bei diesem Organe eine Anlage, die vom
Ecloderma ausgeht, dann einen Theil, welchen das Nervensystem liefert
und endlich eine Mitbetheiligung des mittleren Keimblattes; es zeigen
sich jedoch bei näherer Betrachtung sehr wesentliche Verschiedenhei-
ten zwischen beiden Sinnesapparaten. Während nämlich das Auge ur-
sprünglich als eine hohle Ausstülpung aus dem Medullarrohre auftritt,
zeigt sich , dass der nervöse Theil des Gehörorganes [Nervus acustims,
Ganglion acusticum) niemals die Form einer hohlen, mit dem Hirnrohre
zusammenhängenden Blase besitzt, sondern wie die andern gangliösen
Kopfnerven als solide Bildung aus dem Ilinterhirne hervorsprosst. Und
was die vom äusseren Keimblatle herrührenden Bildungen anlangt, so
stimmen dieselben zwar uranfänglich ])ei beiden Sinnesorganen insofern
überein, als sie hier wie dort nach aussen odene l)Iasenförmige Einstül-
pungen dieses Keimblattes darstellen (Linsenblase, Gehörbläschen), die
später sich abschnüren und zu geschlossenen Blasen sich umbilden, da-
gegen ist die weitere Gestaltung und Verwerthung dieser ectoderma-
tischen Bildungen eine ganz verschiedene , indem die primitive Gehör-
l)lase niemals zu einem solideu . der Linse im Auge vergleichbaren Or-
gane sich gestaltet, vielmehr zeitlebens hohl bleibt und in Verbindung
mit aufgelagerten Theilen des Mesoderma unter Eingehung mannigfacher
morphologischer Umgestaltungen alle wesentlichen Theile des Labyrin-
thes, d. h. die Vorhofsäckchen , den Canalis cochlearis sammt dem ('((-
nalis reimiens, die Canulea seinicirculares membranacei und den Aquae-
ductus vestibuli liefert. Zu diesen Theilen gesellen sich dann noch die
erste Kiemenspalte, Theile der vorderen Klemenbogen und gewisse Er-
zeugnisse der Haut dieser Gegend, aus welchen das mittlere und äussere
Olli- 11)1(1 die (ichörknöchelchen sich aufliauen.
.imitive» (je- Nach dieser übersiclil liclieu Schilderung N\ende ich mich zu einer
Darlegung des ersten Anflretens des (iehörbläschens und Hörnerven.
Primitives Gehorbläsclien.
271
Die ersle Entwicklung des jxiniiliven Gehörbläschens anlangend,
so zeigen sich l)eini Hühnchen in der zweiten Hälfte des zweiten Tages
zu beiden Seilen des Kopfes, ungefähr der Mitte des Nachhirns entspre-
chend, zwei seichte, von dem hier verdickten Hornl>Ialte ausgekleidete
Grübchen (Fig. 40), welche zusehends tiefer in die Kopfwand sich ein-
graben, und am Ende des zweiten Tages schon als zwei ziemlich tiefe
Gruben mit einer enüeren iMündunii erscheinen (Fia. 200 .
—Jf
Fisi. 200.
Im weiteren Verlaufe werden nun die Gehörgruben bald tiefer und
dringen allmälig so weit in den Rücken hinein, dass ihr Grund mit den
tiefsten Theilen des MeduUarrohres in Einer Höhe steht, während zu-
gleich eine dünne Lage Mesoderma die beiden Theile scheidet und von
oben her der aus dem Medullarrohre hervorsprossende Acusticus von
vorn an die Gehörgrube sich anlegt. Am dritten Tage, an welchem beim
Hühnerembryo die Kopfkrümmung rasch sich entwickelt, erkennt man
die Ohrbläschen in der seitlichen Ansicht leicht (Fig. 201) und befinden
sich dieselben in der Höhe des nun entstandenen zweiten Kiemenbogens
und der zweiten Kiemenspalte. Die Oeffnung derselben ist immer noch
Fig. 200. Querschniü durch den Hinterkopf eines Hühnerembryo der 2. Hälfte
des 2. Tages in der Gegend der Gehörgruben (Osmiumpräparat . Vergr. 84mal.
,4 w Amnion mit seinen zwei Lamellen; «m' Amnionnaht . nicht ganz ausgezeichnet
auf der reciiten Seite des Kopfes gelegen; va Gehörgruben weit ofTen ; a Aortae de-
scendentes ; c Wurzel der Vena cerebralis inferior; hp Hautplatte der seitlichen Lei-
beswand in das Amnion übergehend; ph Pharynx; dfp Darmfaserplatte des Schlun-
des in die äussere Herzhaut übergehend und ein liinteres Herzgekröse darstellend;
H Uevz : //;/( innere Herzhaut Endothel).
272
Kiitw ickhiiii; iles Gehüroriiciiies.
(leutlii'h als oine runde, mehr naeh dem Rücken zu gelegene Lücke, doch
wird nun dieselbe immer enger und schliesst sich am Ende dieses Brüt-
tages ganz, während zugleich die Bläschen eine leicht birnl'örmige Ge-
stalt mit dem breiteren Theile nach unten oder vorn annehmen. Am
..^f^^'l
i
Fig. 201,
/,y
' tik-
/is"'
Uehörbläschon
der Sängetliiere.
des Menschen.
vierten Tage sind dieselben ganz abgeschnürt und zeigen nun ausser der
vom verdickten Horbblatte herrührenden Wand, die ganz und gar aus
mehrschichtigen länglichen Zellen besteht, keine Spur einer anderen
Hülle, so dass mithin, gerade wie bei der Linse, auch hier, wenigstens
l)eim Hühnchen, nur die äussere Lage der Haut oder das Epidermisblatt
bei der Abschnürung betheiligt erscheint.
Bei den Säugeth ieren ist in neuerer Zeit die Entwicklung des
Gehörbläschens genau in derselben Weise gesehen worden wie beim
Hühnchen (S. m. Entw. 2. Aufl.).
Was dagegen den Menschen anlangt, so kennt man dasselbe nur
Fig. 201. Vorderer Thcil 'eines Mühnerembryo des S.Tages. 25mal vergr. vh
Vordorhirngegend; z Zwisciienhirngegend ; mh Miltelhiingegend , Scheitelhöclier ;
///( llinlfTliirngegend; >i /( Nacidiiingegend, Nackenliöcker ; «Auge mit Augenspalle,
liohlcr MiisiMnit noch ollenor IJnsengnibc ; o Ohrl)läsclien , birnfürmig, nach oben
noch olTen; W , ks", ks'" I., 2., 3. Kiemenspalte; ms Gegend der Mnndöirnung ;
k' erster Kiemcnbogen ( Unteriiiefergegend ; uv) l'rvvirbel; vj Vena Jufiularis ;
//Herz; ää Schnittrand der entfernten, <las Herz iicdcckendon vorderen Ilalswand
llfrzkappo'.
L'tiiwaiulliinneii des (Jehurblasclieiis.
21 ^
im bereits abgeschnürten Zustande (Fig. 1 15), weiss dagegen von seiner
ersten Entstehung nichts.
Wir wenden uns nun zur Schilderung der weiteren Entwicklung umwa^nd"ngen
dos Gehörbläschens. Die erste Veränderung, welche das Bläschen ^*^,ä^^!'^e^f'*'
nach seiner Schliessung oder gleichzeitig mit dieser erleidet, ist die,
dass es eine deutlich birnförmige oder keulenförmige Gestalt annimmt
und dann in zwei Theile, einen unteren mehr rundlichen und einen
oberen länglichen Abschnitt, der wie ein Anhang des ersteren erscheint,
sich scheidet Fig. 202 , von denen der letztere nichts anderes ist
Fis. 202.
Fis. 203.
als der sogenannte Anhang des Labyrinthes Recessus lahyrinthi s. vesti-
buli) von Reissner, während aus dem andern Theile der Schneckenkanal
und die Can. semicirculares memhranacei sich hervorbilden.
Bei einem 4 Wochen alten menschlichen Embryo fand ich diese Bil-
dungen schon ganz deutlich. Fig. 203 B zeigt das Labyrinth der rechten
Seite von aussen; v ist das primitive Vorhofssäckchen {Saccus vestibuli
Fig. 202. Schädel eines vier Wochen alten menschlichen Embryo, senkrecht
durchschnitten, von innen und vergrössert dargestellt, a unbestimmt durchschim-
merndes Auge; HO hohler platter Nervus opticus; v, z, m, h, n Gruben der Schädel-
höhle, die das Vorderhirn, Zwischenhirn, Mittelhirn, Hinterhirn und Nachhirn
enthielten; t mittlerer Schädelbalken oder vorderer Theil des Tentorium cerebeUi ;
t' seitlicher und hinterer Theil des Tentorium , jetzt noch zwischen Mittelhirn und
Zw ischenhirn gelegen ; p Ausstülpung der Schlundhöhle , die mit der Bildung der
Hypophysis in Zusammenhang steht; o primitives Gehörbläschen mit einem oberen
spitzen Anhange, durchschimmernd.
Fig. 203. Primitives Gehörbläschen eines vier Wochen alten menschlichen
Embryo von der rechten Seite, durch Präparation isolirt und vergrössert dargestellt,
A von hinten, B von der Seite und von aussen; v primitives Vorhofssäckchen;
rv Recessus vestibuli sive lahyrinthi ; es, es Anlagen des äusseren halbkreisförmigen
Kanalcs und des Sacculus rotundus ; cc Spitze vorderer oberer Theil der Schnecken-
anlage; a obere Ausbuchtung am Vestibuluin , Anlage des verticalen Can. semicir-
cularis. Länge des Recessus vestibuli 0,29 mm, Breite am breitesten Theile ebenso-
viel; Länge des Vestibulum primitivum sammt Cochlea 0,81 mm.
Eültiker, Grtindri?s. 4 8
274 luilw icklung des cieliürorganos.
pn'mitivi). das bei es eine rundliehe Aussackung, die Anlage dos äusse-
ren hall>kreisföimigen Kanals zeigt und in dieser Ansicht ohne scharfe
Grenzen in den Schneokenkanal c übergeht. Nach oben und vorn ragt
der Ijedeutende Vorhofsanhang oder der Rccessus vestibuli hervor. In
der Ansicht von hinten Fig. 203 .4: erscheint das Labyrinth etwas abge-
plattet, mit leicht mcdianwärts gebogenem Recessus vestibuli, einer deut-
licher abgesetzten mit dem Ende laterahvärts gekrümmten Schnecke,
d. h. dem Canalis cochlearis, und zwei Anlagen 'halbkreisförmiger Kanäle
am Vorhofssäckchen. Wie ich jetzt die Verhältnisse deute, gehört die
Ausbuchtung bei a dem verticalen halbkreisförmigen Kanäle an . die
laterale Ausbuchtung es ist der Canalis semieireiilaris externus in erster
Anlage und die mediale Hervorwölbung es violleicht der Saeeulus rotun-
(lus. Von vorn endlich ist die Gestalt im Wesentlichen ebenso, nur er-
scheint (He Schnecke l)reiter.
^Vorhofund Jq weiterer Entwicklunu w'wd nun das Labyrinth inniier zusam-
ualbkreisfurmige ■-
Kanäle. mengesotzter und sind es vor Allem das primitive Vorhofssäckchen und
die halbkreisförmigen Kanäle, welche rasch in neue Gestaltungen über-
gehen. Was ich vorhin primitives Vorhofssäckchen nannte, ist_nicht das
bleibende Vorhofssäckchen oder der Alveus communis s. Utriculus für
sich allein, sondern es enthält dasselbe auch die Anlagen der häutigen
halbkreisförmigen Kanäle und des Sacculus rotundus. Es bilden sieh
nämlich am primitiven Vorhofssäckchen im weiteren Verlaufe an den
Stellen der späteren Kanäle erst rundliche und dann langgestreckte, fal-
tenartige Erweiterungen oder Aussackungen , die später in ihren mitt-
leren Theilon verwachsen und vom Vorhofssäckchen sich abschnüren.
So entstehen kurze, gerade, dem Säckchen, das nun Alveus eom-
Jiiunis heissen kann, dicht anliegende Kanäle, welche dann durch fort-
schreitendes Wachsthum nach und nach eine grössere Länge, die typi-
sche Krümmung und ihre Ampullen gewinnen.
Ein lehrreiches Sladium zeigt die Fig. 20 i von einem Hühnerem-
bryo von 4 Tagen. Hier sehen wii- vom weitesten Abschnitte i', welchei-
jetzt schon Alveus communis canalium semieircularium genannt werden
kann, fünf l)eson(lere Ausbuchtungen ausgehen. Nach oben und median-
wärts erhebt sich der nur auf der rechton Seite sichtbare Recessus vesti-
buli av, der nun schon Aquaeductus vestibuli genannt w^erden kann, dem
laterahvärts der weitere Canalis semicircularis superior ss zur Seite
steht. Unterhalb dieser grösseren Aussackungen befindet sich auf der
einen Seite die erste Anlage des Canalis semicirculoris externus se und
demselben gegenüber eine Ausbuchtung, die ich als Sacculus rotundus
ansehe. Ganz nach der VentraKseite zu und mcdianwärts erstreckt sich
endlich die grösste Abiheilung des Labvrinlhes, der Schneckenkanal, an
UnnvandlunmMi des Geliorbläschen*
275
dem die eine Wand, welcher tlas (kinylion des Öchneckennerven ijc an-
liegt, erheblich verdickt ist.
Fast ganz auf demselben Stadium findet sich das häutige Laliyrinth
eines 19 mm langen Rindsembryo (Fig. 205), nur zeigt dassell)e den
Fi«. 204.
Fi2. 203.
äusseren halbkreisförmigen Kanal se weiter entwickelt und in der Ab-
schnürung begriffen, was' auch vom oberen Kanäle gesagt werden kann.
Der Recessus vestihuJi ist enger und länger, der Sacculus rotundus grösser
und die Schnecke mehr abgeschnürt. Die weiteren Veränderungen des
Labyrinthes habe ich nur an Säugethierembryonen verfolgt und giebt die
Fig. 206 eine gute Uel>ersicht des Labyrinthes eines Schweinsembryo
von 3 cm. Hier ist einmal der Aquaeductus vestibuU a auf beiden Seiten
in seiner ganzen Länge sichtbar und die eigenthümliche Lagerung des
oberen Endes dessell)en , das l>is zum Sinus petrosus superior hinauf-
reicht, ausserhalb der nun vorhandenen Cartüago petrosa in der Anlage
der Dura mater drin nicht zu verkennen. Zweitens ül^ersieht man sehr
gut die Einmündung des Aquaeductus in den Alveus communis und in
den Sacculus rotundus s, doch erscheint diese Stelle noch nicht deutlieh
als eine gabelige Theilung, wie später. Am Sacculus s ist auf beiden
Fig. 204. Querschnitt des Kopfes eines Hühnerembryo vom 4. Tage in der Ge-
gend des Hinterhirns. Vergr. 22mal. av Aquaeductus vestibuU s. recessus labyrinthi;
t' Alveus communis can. semicircularium s. vestibulum ; se Canalis semicircularis
externus ; ssCan. semicircularis superior; c Cochlea; gc Ganglion Nervi Cochleae;
ch Chorda; srh Sinus rhomboidalis ; vj Vena jugularis : a Aorta descendens ; ph
iMiarynx.
Fig. 205. Querschnitt durcii einen Theil des Schädels und das Labyrintli eines
18.7 mm langen Rindsembryo 30mal vergr. c/i Chorda in der noch weichen Schä-
delbasis; sh Schädelhöhle; a Begrenzung der Höhlung in der Schädelwand, die die
epitheliale Labyrinthblase b enthält, die an einigen Stellen etwas von der Wand ab-
steht; V Vestibulum; ss oberer halbkreisförmiger Kanal; se äusserer halbkreisför-
miger Kanal; rv Recessus vestibuU; sr Anlage des SaccM7«s rotundus?; c Anlage der
Schnecke; c' Ende der Anlage der Schnecke der anderen Seite.
18*
270
Entwicklung des Gehörorganes.
Seiten das der Schnecke zugewendete Ende spitz ausgezogen und stellt
den Anfang des Canalis reunicns dar. Der Canalis superior c und exter-
)uis e sind bereits gut ausgebildet und von der Schnecke und dem Mittol-
oiu'e dieser Figur wird später die Rede sein.
^ l-^^' .s-t
H
Fig. 206.
Umhüllungen
des Labyrinthes.
Bevor wir weiter gehen, wollen wir nun auch der Umhüllungen des
Labyrinthes gedenken. Das primitive Ohrbläschen 1)esteht einzig und
allein aus dem Hornblatte, und ist nicht im geringsten zu bezweifeln,
dass alle l)is jetzt geschilderten Veränderungen einzig und allein auf
Rechnung von Wachsthumserscheinungen der ursprünglichen epitheli-
alen Membran dieses Bläschens kommen. Haben diese Veränderungen
eine gewisse Stufe erreicht, so findet man das Labyrinth in allen seinen
Theilen von einer zarten bindegcwel)igen Membran, und dann von einer
äusseren dickeren und festeren Masse umgeben, welche den Seitentheilen
der Schädelbasis angehörend siehe oben) später die Natur eines Knor-
pels annimmt und zui" Par.9 petrosa ossis temporum sich gestaltet.
Fig. 206. .Schiidel eines Schweinsembryo von 3 cm in der Gehorgegcnd hori-
zontal durchscimilten , lOmal vergr. o Occipitale basilare , zu beiden Seiten die
Coctdea ; t Tuba; m Malleus ; m' Cartilnf/o Meckelii ; i Incus; s t Stapes ; tt Tenxor
lympani; v Servus vestihuli? \. facialis? ; q Ventriculus IV; c Can. semicircularis an-
terior; n Aquaeductus vestihuli; s Sacculus ; e Can. semicircularis externus ; f Facialis ;
sq Squnma rartilaf/inea. .\uf der linken Seite ist der Sinus petrosus superior quer ge-
Iroiren siclilhar. In der Carlilaf/o petrosa sind auf beiden Seiten Blulgefüsse darge-
slcllt.
l'mliüllungen tles Labyrinthes. 277
Aus dem Gesagten wird ersichllieh, dass die epitheliale Blase des
primitiven Labyrinthes genau in derselben Weise wie das ebenfalls vom
äusseren Koimblatte sich abschnürende Medullarrohr von dem mittleren
Keimblatte eine bindegewebige und gefässhaltige Hülle und eine äussere
festere, später knorpelige Kapsel erhält. Ja es lässt sich die Verglei-
chung noch weiter treiben. Vollkommen in derselben Weise wie das
Medullarrohr liegt auch die epitheliale Labyrinthblase anfänglich nur
locker in ilu'en Hüllen und schält sich verhältnissmässig leicht aus den-
selben heraus. Später verbindet sich dieselbe fester mit dem inneren
Theile der w^uchernden bindegewebigen Hülle , während der äussere
Theil derselben als inneres Perichondrium des knorpeligen Labyrinthes
erscheint, und zuletzt endlich bildet sich zwischen diesen beiden Blät-
tern der bindegewebigen Hülle ein Zwischenraum, der mit dem Laby-
rinlhwasser sich füllt, so dass dann das spätere häutige Lab\rinth wie
frei in einem Räume enthalten ist , der der Lücke zwischen Dura und
Pia matev verglichen werden kann.
Die Art und Weise, wie dieser Raum sich bildet, verdient beson- ^'i^?*^'!^;;''!^^'
(lere Beachtung, indem dieselbe als Typus für viele Hohlraumbildungen ^^°jj\;\^«g^
beim Menschen und bei Thieren (Unterarachnoidealraum , Höhlen der
Schleimbeutel; Sehnenscheiden, freie Räume in der Schädelhöhle von
Fischen, Hauträume der Batrachier u. s. w^) betrachtet werden darf.
Mit dem Wachsthume des epithelialen Theiles des Labyrinthes wuchert
auch seine bindegewebige Hülle und gewinnt bald eine beträchtliche
Dicke. Zugleich scheidet sich dieselbe in drei Lagen, eine äussere und
innere, festere und dünnere Schicht und eine mittlere weichere Masse,
die, vor Allem an Umfang zunehmend, bald die
anderen an Mächtigkeit weit übertrifft. Unter-
sucht man diese letztere mit starken Vergrösse-
rungen, so erkennt man leicht, dass dieselbe aus
dem von mir sogenannten gallertigen Bindege-
webe (Schleimgewebe Virchow), d. h. aus einem ,
Netzwerk von sternförmigen anastomosirenden '^■r'^'fy^&i^A
Zellen mit rundlichen, von Flüssigkeit erfüllten \.
Maschen besteht. Zur besseren Versinnlichung Fig. 207.
dieser Verhältnisse kann die Fig. 207 dienen.
welche den Querschnitt des oberen halbkreisförmigen Kanales eines sechs-
nionatlichen menschlichen Embryo sammt dem umgebenden Knorpel
Fig. 207. Querschnitt des oberen halbkreisförmigen Kanales eines seclis Monate
alten menschlichen Embryo, vergr. a bindegewebige Hülle des Tubulus membra-
naceus , dessen Epithel nicht erhalten ist. b Periost des im Knorpel ausgegrabenen
Kanales; c Gallertgewebe zwischen beiden : d Knorpel mit Verkalkung bei c.
278 Enlwicklung des Gehororganes.
darslellt. a ist die bindegewebige Hülle des Tubulus membranaceus,
dessen Epillu'l an diesem Präparate ausgefallen war, b das Periost des
Kanales im Knorpel und die mächtige helle Schicht c das Gallertgewebe.
Aus diesem Gallertgewebe nun bildet sich nach und nach der Hohlraum,
der später den häutigen hal])kreisförmigen Kanal umgiebt in der Art,
dass die Maschen desselben nach und nach grösser werden und endlich
zusanunenfliessen , wobei das Zellennetz theils gesprengt, theils nach
beiden Seiten an die betreffenden Wandungen angepresst wird, wo es
noch beim Erwachsenen oft in sehr deutlichen Ueberresten zu erken-
nen ist.
§ 37.
Spätere Ausbildung des Labyrinthes,
Biidungder Zui' Schilderung der letzten Umwandlungen des Labyrinthes überge-
hend, besprechen wir in erster Linie die Schnecke. In ihrer frühesten
Anlage ist die Schnecke , wie wir sahen , eine einfache längliche Aus-
buchtung der primitiven Labyrinthblase, die zuerst Fig. 203j weder
durch Gestall noch Lage an die spätere Schnecke erinnert. Bald aber
wächst innerhalb der noch weichen Umhüllung der Schneckenkanal in
die Länge und krümmt sich immer mehr medianwärts, bis er so hori-
zontal in der Schädelbasis drin liegt, wie die Fig. 205 zeigt, und somit
eine Lage und Form darbietet, welche fast auf ein Haar die Verhältnisse
der 'Vögel wiedergiebt. Die vogelähnliche Schnecke der niedersten Säu-
gethiere [Echidnu, Ornithorhynchiis muss auf dieser Stufe stehen blei-
ben, bei den übrigen Säugern und l)eim Menschen dagegen wächst das
Rohr weiter, und zwar in der bekannten Spiralkrümmung, während zu-
gleich die umgebende festere Schädehvand mitwuchert, so jedoch, dass
sie immer, von aussen besehen, eine einfache Kapsel um das Schnecken-
rolir darstellt, während ihre Elemente im Innern gewissermassen aus-
weichen und dem weichen Rohre Raum lassen. In der achten Woche
hat beim menschlichen Embryo der Schneckenkanal schon eine ganze
Windung, deren Ende nicht in derselben Ebene liegt wie der Anfang,
und in der elften bis zwölften Woche ist das Rohr Aollkommen ausge-
bildet. Die knorpelige Umhüllung ist in der achten Woche von aussen
gesehen eine kleine linsenförmige Kapsel, die durch ein dünneres Knor-
pelblatt mit der Mitte der knorpeligen Schädelbasis zusammenhängt und
nach unten leicht convex vorspringt, während sie nach oben zum Theil
schwach vertieft ist und hier durch eine Oefl'nung den Hörnerven auf-
ninuni. Im dritten Monate wird das ganze knorpelige Labyrinth mas-
siger inid zeiL'l am Finde desselben schon eine bedeutende rundliche
Schnecke.
.279
Fig. 208.
Auflreibung du, wo die Selinecke sitzl, die luin auch nach oben vortriil
(Fig. I37J.
Um die inneren Veranderuni^en der Sehnecke richtig aufzufassen,
gehen wir von der in Fig. 208 wiedergegebenen Schnecke eines acht
Wochen alten menschlichen Embryo aus. Hier zeigt das knorpelige
Labvriuth in der Gegend der
Schnecke eine einfache Höhle,
deren Innenwantl noch in keiner
Weise die Gestall des kaum mehr
als Eine Windung l)eschreiben-
den Schneckenkanales wieder-
giebt, sondern ohne alle Vor-
sprünge ist. Erfüllt wird diese
Höhle erstens von dem Epithe-
lialrohi-e des Schneckenkanales,
das jetzt noch im Querschnitte fast ganz rund und im Verliältnisse zur
ganzen Schnecke auch sehr weit ist und an der oberen Seite, wo später
die Scala ty mpan i liegl, eine viel grössere Dicke besitzt, und zweitens
von einer bindegeweliigen Lage , tue als Umhüllung des Schneckenka-
nales und als Träger der Schneckennerven erscheint, dessen grosses
Ganylion schon in die Aushöhlung der ersten Windung sich erstreckt.
Eine solche Schnecke hat mithin weder Treppen noch ein Spiralblatt,
und auch keine knorpelige spiralig gewundene Knorpelhülle. Fragt man,
wie diese Schnecke aus der in der Fig. 205 gezeichneten hervorgegan-
gen ist, so ist die Antwort nicht schwer. Vor Allem ist zu berücksich-
tigen, dass an der Säugethierschnecke schon von der ersten Zeit ihrer
Bildung an der Xervus Cochleae mit einem grossen Ganglion, das ich
Ganglion Spirale nenne, dicht anliegt. W'enn nun der Schneckenkanal
anfängt spiralig auszuwachsen, folgt das Ganglion demselben genau und
zieht sich strangförmig aus, und während dies geschieht, beginnt auch
eine histologische Difil'erenzirung der anfangs gleichartigen und w eichen
Kapsel um die Schnecke, so dass dieselbe in eine äussere festere Knor-
pellage und eine innere weich bleibende bindegewebige Umhüllung des
epithelialen Schneckenkanales und des Xervus Cochleae sammt seinem
Fig. 208. Quersctinitt durch die Schnecke eines acht Wochen alten menschlichen
Embryo, vergr. dargestellt. CC unterer, C oberer Theil der knorpeligen Kapsel der
Schnecke ; k ein Theil des knorpeligen Körpers des Keilboins mit der Schnecke un-
mittelbar verbunden; a Acusticus ; g Ganglion desselben; e verdickter Theil des
Epithels des Schneckenkanals c; Ib bindegewebige Ausfi-iilungsmasse im Innern der
knorpeligen Schnecke; f Facialis ; c Ende des Canalis cochlearis.
280 Eiitwickliiiig dos Geliöi'organes.
Ganglion sich soheitlel , und dann ist der Zustand gegeben , den die
Fig. 208 darstellt.
Die Umwandlung der eben geschilderten einfachen Schnecke zu den
späteren Formen lässt sich kaum errathen, und zeigt dieser Fall deutlich,
wie schwer es ist, den Entwicklungsgang eines Organes a priori zu con-
slruiren. Und doch sind, wenn man die Natur einmal befragt hat, die
Verhältnisse so äusserst einfach und wird es an der Hand der Fig. 209
nicht schwer fallen , das Weitere zu begreifen. Diese Schnecke eines
Kalbsembryo von 8,4 cm Länge, die schon ihre volle Zahl von Windun-
gen besitzt, zeigt fürs erste , dass während der epitheliale Schnecken-
kanal seine volle Länge erreicht, auch das knorpelige Schneckengehäuse
mitwächst und zwar so, dass seine innere Höhle zwar immer noch ein-
fach bleibt , aber doch schon au der Wand eine spiralige Furche aus-
gegraben zeigt, die auf dem Durchschnitte durch Vorsprünge [vv] be-
zeichnet wird. Weiter ist dann besonders die ungemeine Zunahme des
inneren Bindegewebes bemerkensw erth , in Folge deren der epitheliale
Schneckenkanal (a), der immer an der Peripherie des Binnenraumes der
knorpeligen Kapsel bleibt, einen verhältnissmässig viel kleineren Raum
einnimmt als früher, obschon seine absolute Grösse nicht abgenommen
hat. Diese Zunahme hängt zusammen mit der mächtigen Entwicklung
der Nerven und Blutgefässe des Organes. Letztere finden sich nun in
grosser Menge vom inneren Gehörgange her eintretend und verbreiten
sich sowohl im Innern, als auch in einer Art Pericliondriuni, das die
gesammte Höhle der knorpeligen Kapsel als eine zusammenhängende
Schicht auskleidet. Der Schneckennerv dringt ebenfalls weit ins Innere
hinein und zeigt nun sein Ganylion spirale in einen langgezogenen an-
nähernd cylindrischen Strang umgewandelt, der w ie der Schneckenkanal
gewunden ist und in der Fig. 209 bei gg im Querschnitte gesehen wird.
Eine genaue Untersuchung dieser Schnecke lässt nun forner noch erken-
nen, dass in derselben auch die Spindel, das Spiralblalt, die Treppen
und die bindegewebige Auskleidung derselben wenigstens in den ersten
Spuren angedeutet sind. Man findet nämlich, dass das innere Bindege-
webe der Schnecke, das in der Fig. 208 noch Eine zusammenhängende
und gleichartige Masse darstellte, nun in folgende Theile sich geschieden
hat: \) eine in der Gegend der späteren Spindel gelegene Axe , welche
<lie grösseren Gefässe und Nervenstämme enthält; 2) eine Umhüllung
des Schneckcnkanals selbst a), welche in allen Windungen der Schnecke
deutlich ausgeprägt ist; 3) dichtere, plaltenartige Züge sp, die von der
Axe der Scimecke gegen den Schneckenkanal verlaufen, Gefässe und das
Ganglion Spirale enthalten und von denen der in der ersten halben Win-
diiUL' enth.iltene Zniz schon so entwickelt ist. dass er deutlich als Anlage
Schnecke.
281
Fi2. 209.
des Spiralblattes erscheint; 4) eine äussere am Knorpel anliegende Mem-
bran {pi, das innere Perichondvhim der Sehnecke, die Andeutungen von
Scheidewänden [s] zwischen die einzelnen Windungen des Schnecken-
kanals in der Richtung gegen die A\e der Schnecke entsendet, und
5) endlich eine gallertige Substanz
[m]. die jedoch nur in der ersten
halben Windung deutlich ist . die
um den Schneckenkanal und die
Anlage des Spiralblatles sich ge-
l)ildet hat und die ei-ste Anlage der
Treppen bezeichnet. Diese Gallert-
substanz bietet genau densell^en
Bau dar. wie diejenige des Vorhofes
und der halbkreisförmigen Kanäle
und führt ebenfalls wie dort ein-
zelne Blutgefässe. Da wo diese
Substanz vorhanden ist, lässt sich
auch der Gegensatz zwischen dem Modiolus und den äusseren Theilen
am deutlichsten erkennen, doch ist auch an den anderen Gegenden die
Axe des Organs durch ihren Reichthum an Gefässen und Nervenzügen
vor den anderen Theilen ausgezeichnet.
Die Verhältnisse des Schneckenkanals selbst lassen sich nur an stär-
ker vergrösserten Präparaten erkennen und lege ich daher noch die
Fig. 210 vor. Dieselbe zeigt, dass das Epithel des Schneckenkanales au
der Seite der Schneckenbasis viel dicker ist als an der anderen , so wie
dass dasselbe dort eine grössere und zwei kleinere Aufwulstungen dar-
bietet [e e" e" \. Besonders auffallend ist das Vorkommen einer hellen
strukturlosen Schicht [m] auf dem grösseren Epithelialwulste. die sich
leicht isolirt und von der Fläche als eine feinstreifige Membran ergiebt,
die nichts anderes als die CoRxi'sche Membran ist. welche mithin, da sie
innerhalb des epithelialen Schneckenkanales sich entwickelt, die Bedeu-
tung einer Zellenausscheidung oder einer Cuticularbildung besitzt. Das
Fig. 209. Frontaler Sclinitt durch die Schnecke eines 8,4 cm langen Rinds-
embryo, vergr. dargestellt. C knorpelige Kapsel der Schnecke; v Vorsprünge der-
selben nach innen, die eine spiralige Furche begrenzen; fr knorpeliger Keilbeinkörper
mit C direct zusannnenhängend ; o Acusticus ; g Ganglion spirale desselben bei drei
Querschnitten von Windungen erkennbar ; a epithelialer Schneckenkanal mit seiner
Faserhülle; sp Andeutung der Lamina spiralis, ein derberer Bindegew ebszug mit
Nerven und Gefässen ; s Andeutung einer häutigen Scheidewand zwischen zwei Win-
dungen ; p inneres Perichondrivm der knorpeligen Schnecke; in Gallertgewebe zwi-
schen demselben und dem Schneckenkanale und der Lamina spiralis , Vorläufer der
Scalae; ch Chorda.
2S2
Hiitw iLkhing des Geliürortianes.
lüldung der
Scnlae.
Epithel des Si'hncckenkanales besieht übrigens in diesem Sladiuni bei
Kalbseml)ryonen an der dünneren Seile aus pflasterförmigen niedrigen,
an der anderen aus hmgen cylindrischen Zellen.
Ist nun einmal die Entwicklung der Schnecke so weit klar, so sind
die letzten Stadien nicht schwer zu l)egreiren. Das nächste was geschieht
ist die Bildung der Treppen. Zuerst entstehen im Gallertgewebe um
den Schneckenkanal grössere Hohlräume, welche bald zusammenfliessen
und dann das Netzwerk stern-
förmiger Zellen immer mehr
gegen das PericJwndrhnn, die
häutigen Septa der Windun-
gen, das Spindelblatt und den
Modiolus drängen , welche
letzten drei Theile zugleich
mit diesen Vorgängen auch
erst recht deutlich werden
(Fig. Sil). Zugleich wächst
auch der Knorpel der äusse-
ren Kapsel etwas weiter in
die Scheidewände der Win-
dungen in der Richtung ge-
gen die Spindel vor, ich habe
jedoch nie , auch im sechsten Monate nicht , zu welcher Zeit die Ossifi-
cation der Schnecke beim Menschen gut im Gange ist, die knorpeligen
Sepia entwickelter oder gar in der Mitte vereinigt gesehen , auch muss
ich nach meinen Erfahrungen, mit welchen alle späteren Untersuchungen
übereinstimmen, läugnen, dass der Modiolus und das Spindelblatt jemals
aus Knorpel beslehen. Der Schneckenkanal nimmt mit dem Wachslhume
der Schnecke und der Ausbildung dei' Treppen nicht auch gleichmässig
an Weile zu und erscheint daher relativ um so kleiner, je mehr das
1-ig. 210. Kill Stück der orsleii SciincfkciiwiiKliiiig von (.'iiiem S,4 oiii langen
Kall)seniljryo im Quersclinille, lOOmal vergrüsscrt dargesfelll (vergl. Fig. 209, die \on
demselben Emliryo stammt), p,^ inneres Perichondrium der Knorpelkapscl doi'
Sclinecke; t Gallerlgewcbe an der Stelle der späteren Scala lympani nicht ausge-
zeichnet ; V ein Theil desselben Gewebes, das die Scala irstihnli erfüllt ; ;/ GanrjUon
spiralr n\ch\ ganz ausgezeichnet mit einem davon ausgehenden Ncivonsllimmciien ;
,S7> .\nl.'igc (h-r Latnina .tpiralis ossea ; h Membrana basilaris oder untere l)indege\vebig(!
Wand des Schneckenkanales cc; li obere bindegCNvei)ige Wand desselben oder An-
lage d»T von mir .sogenannten REissNEK'schen Membran; a r\u zu dieser gehendes
Gcfäss, in dessen Gegend das Perichondrhtm viel dicker ist; e dünnes Epithel des
.Schncckenkanals an der FlKissNKK'schcn Membran; e', e", c"' Epilhelialwülsle auf der
Membrana basilaris; m Coirri'sche Membran, aiif dem gni^^sereii Wnlsl(> anfliegend.
Fig. 210.
Schnecke.
283
Fis. alt.
Organ seiner letzten Ausbildung sich naiiei't. Die bemerkenswerthesle
Umwandlung in seinem Bereiche ist die, dass die bindegewebige Hülle
des Schueckenkanales an seiner inneren mit der Lamina spiralia ver-
bundenen Wand . die schon vorher
auffallend verdickt war, zu den
Zähnen der ersten Reihe hervor-
wuchert, die l)eini Menschen schon
im vierten Monate deutlich sind
Fig. 2\iz . Um dieselbe Zeit wird
auch die Lamina spiralis memhra-
nacea im engeren Sinne 37. 605/-
laris Claudius und das Ligamentum
Spirale mit der Sti'ia vascularis
sichtbar, während die untere oder
vestibuläre Wand des Schnecken-
kanales immer noch so deutlich ist
wie früher und einwärts von den Zähneu der ersten Reihe im Zusammen-
hange mit dem Bindegewebe der Hahenula sulcata von Corti entspringt,
von wo auch die CoRTi'sche Membran dicker als früher ihren Ursprung
nimmt. Ueber die Bildung der so zusammengesetzten Apparate in der
Gegend der Nervenendigungen der Schnecke ergaben schon vor Jahren
meine Untersuchungen wenigstens das wichtige Resultat, dass dieselben
alle , mit alleinigem Ausschlüsse der Enden der Acusticusfasern selbst,
Productionen des verdickten Theiles des Epithels der tyrapanalen W'and
des Schueckenkanales sind, und bilden sich selbst die CoRii'schen Fasern,
die beim Menschen im fünften Monate auftreten , in jedem ihrer Glieder
aus verlängerten Epithelzellen hervor (Fig. 212 .
Der embryonale Schneckenkanal ist dem Gesagten zufolge kein ver-
gängliches Gebilde, sondern wandelt sich in den von Reissner beim Er-
wachsenen entdeckten mittleren Kanal der Schnecke oder den Canalis
cochlearis um, der als der wichtigste Theil der Schnecke anzusehen ist,
indem die Schneckennerven in demselben enden.
Fig. all. Senkrechterj Durchschnitt durch die Schnecke eines älteren Kalbs-
embryo, deren Gehäuse mit Ausnahme einer kleinen knorpeligen Stelle schon vei'-
knöchert war, während die Spindel und Spirallamelle noch häutig waren. In allen
Windungen ist der Canalis cochlearis sichtbar, dessen Höhe 0,56 mm, die Breite
0,59 mm betrug, wobei zu bemerken, dass die scheinbar grössere Breite desselben
in der Kuppel daher rührt , dass der Schnitt hier seitlich neben dem Spindelblatte
vorbeiging. Im Canalis cochlearis sind die Habenula sulcata und die zwei Epithelial-
wülste auf der Membrana basilaris sichtbar. Vergr. 6 mal. Breite der Schnecke an
der Basis 8,26 mm, Höhe derselben 4,95 mm.
2S4
Entwicklung des Gehöiorsanes.
lii Hetiell der Schnecke ist nun noch ein Punkt zu besprechen,
nämlich die Beziehuns derselb(Mi zum ül>riüen Lab\rinthe. Wie wir
Fis. 212
Fig. 212. Canalis coclilearis mit den angrenzenden Theilen von der in Fi.u. 211
dargestellten Schnecke, lOOnial vergr. C Canalis cochlearis 'embryonaler Schnecken-
kanal,; V Scala vestihuli ; T Scala tympani ; /{ REiss.NEu'sche Haut ; a Anfang dersel-
ben an einem Yorsprunge der Habenula sulcata oder des LaUum superius sulci spira-
lis c; b Bindesubstanzschicht mit dem Vas spirale internum unten an der Membrana
basUaris ; c' Crista acustica mit den Gehörzähnen; d Sulcus spiralis mit dickem Epi-
thel, das bis zum CoKii'schen, hier noch nicht ausgebildeten Organe /"sieh erstreckt ;
e Habenula perforala oder Labium inferius sulci spiralis; C»n CoKXi'sche Haut. i. Inne-
rer dünnerei' Theil derselben; 2. dicker mittlerer Theil; 3. dünneres \orderesEnde ;
.7 Zona peciinata ; h Habenula tecta , Habenula arcuata Deiters); A: Epithel der Zona
peclinata; k' der äusseren Wand des Canalis cochlearis; k" der Habenula sulcata, zum
Theil in den Furchen derselben gelegen und auf die RiüissNER'sche Haut übergehend ;
/ Lig. spirale ; i heller Verbindungsthoil desselben mit der Zona peclinata; m Vor-
sprung des /.».y. Spirale nach innen; « knorpelartigc Platte; o Stria vascularis ; p
Periost der Lumina spiralis, später in der Tiefe verknöchernd ; p' helle äusserste
Schicht desselben auf die REiss.NKu'schc Maut und das Periost der Scala vestihuli über-
gehend. Ein Epithel auf der Seite der Scala restibuli wurde in diesem Falle nicht ge-
sehen. 7 Ein Bündel des Schneckennerven ; s Stelle , wo die dunkelrandigen Fasern
aufljören ; l blasse Fortsetzungen denselben in den Kanälen der Habenula perforala;
r Periost der Lamina spiralis auf der Seite der Scala tympani, in einen Theil der tym-
panalen Wand ih-s Cunalis tochlearis sich fortsetzend.
Schnecke.
285
früher sahen, ist der Schneckerikanal ursprünglich ein Auswuchs des
Gehörbläschens und fragt es sich, ob diese Verbindung auch spater sich
erhält oder vergeht. Nach Böttcher's Untersuchungen , die ich voll-
kommen bestätigt linde, bleiben alle Theile des Labyrinthes, der Alveus
commitnis, die Canales semicirculares, der Snccnhis, der Canalis cochlearis
und der Recessus lahyrinthi oder
Aquaeductus vestibuli^ im Zusam-
menhange, doch gestallen sich spä-
ter die Verhältnisse so , dass der
Sacculus vom Utriculus ganz sich
abschnürt und beide nur durch die
gabelig getheilte Einmündungs-
stelle des Aquaeductus vestibuU
untereinander zusammenhängen.
wie die Figur 213 dies darstellt.
Somit zerfällt schliesslich die ein-
fache Labyrinthblase in zwei Haupt-
theile , den Alveus communis und
die halbkreisförmigen Kanäle einer-
seits und den Sacculus und den
Canalis cochlearis, sammt dem
Canalis veuniens anderseits, zu
welchen beiden physiologisch wohl
sehr verschiedenwerthigen Theilen
dann noch ein beiden gemeinsamer
Hülfsapparat , der Aquaeductus la-
hyrinthi oder Canalis endolympha-
ticus Hasse, sich gesellt. Der Cancdis cochlearis besitzt an seinem An-
fange, da wo er an den Canalis reuniens anstössl, einen kegelförmigen
Anhang c', den Vorhofsblindsack Reichert, und ist auch an seinem Ende
vollkommen geschlossen , Kuppelblindsack Reichert. Es hat somit die
Aqmda auditiva interna, die den Schneckenkanal erfüllt , keinen andern
Ausweg als durch den Canalis reuniens in den Sacculus. Auf der andern
Fia;. 213.
Fig. 213. Frontalschnitt durch einen Theil des Labyrinthes eines Schweinsem-
bryo von 9 cm, 23 mal vergr. a Alveus communis; av Aquaeductus vestibuU unterer
Their ; a' Schenkel desselben zum Alveus communis; s' Schenkel desselben zum
Sacculus s ; sp Canalis semicircularis superior ; er Canalis reuniens ; v Yorhofsraum
mit Gallertgewebe erfüllt; 5c v Anfang der Scala vestibuU; cc canalis cochlearis;
c Anfang des CoRii'schen Organes mit der Corti' sehen Membran ; c' Blindsack am
Anfange des Canalis cochlearis; cp Cartilago petrosa oberer Theil; co Anfang der
knorpeligen Schnecke ; /"Facialis.
286
liiilw ickhiiii; des Geliürori'anes.
Maculae
acusticae.
Seile inüiulet ilie Vürhofstreppe und iiulirekl durch das Helicotreina auch
die P;uikeiUrepi)e in den den Sacculus und den Utriculits uniiiel)enden Hohl-
raum des knöchernen Yorhofes. Die Fenestra ovalis und rotunda stehen in
keinem inneren Zusammenhange mit der Bildung des Schneckenkanales
und der Vorhofssäckchen und sind beide nichts als nicht verknorpelte
Stellen der ursprünglichen Unihüllungsmasse des Labyrinthes , in wel-
cher Beziehung jedoch hervorgeholten zu werden verdient , dass die
Fenestra ovalis nie ohne den sie fast ganz erfüllenden Stei2;bü2;el i^esehen
wird, wogegen die Fenestra rotunda lange Zeit hindurch eine von mäch-
tigen Weichtheileu erfüllte Lücke der knorpeligen Schnecke darstellt.
DerUtricuIuSj Sacculus und die Canales semicirculares zeigen, nach-
dem sie einmal angelegt sind, abgesehen von der Bildung der dieselben
später umgebenden lymphatischen Räume (Yoi'hofsraum) keine auffallen-
deren morphologischen Veränderungen mehr, weshalb ich auf folgende
kurze Schilderung njich beschränke.
Am Utriculus und Saccidus treten die Maculae acusticae schon sehr
früh auf, el)enso die Gehörhaare, die gallertige Membrana tectoria und
die auf und in ihr liegenden Otolithen. Von den Otolithen finde ich, dass
sie als ganz kleine punktförmige Körper auftreten und lange Zeit in
dieser Form verharren, bis sie endlich an Grösse zunehmen und allmälig
eine krystallinische Form gewinnen.
Ampullen und halbkreisförmige Kanäle unterscheiden sich schon
sehr früh von einander. An den letz-
teren erkennt man bei älteren Em-
l)ryonen an der concaven Seite höhere
Cylinderzellen (Raphe, Hasse) und
auch an der gegenüberstehenden
Wand etwas dickere Pflasterzellen als
an den Seitenwänden (Fig. 214).
In den Ampullen tritt bei älteren
Embryonen die Membrana tectoria
Hasse , oder Cupula terminalis Lanc,
als zierliche aber schwer zu erfor-
schende Cuticularbildung auf, welche
bisjicr bei den Säugethiercn und dem Menschen nur\on ILvsse und mir
bei Fmbrxonen LM'sehen woi'don ist.
Fic. 2U.
Fiji. 2U. Quorscliriill durch den Canalix senjicirculnris crlernus eines Kaninchen-
enibrjo von 24 Ta^'cn , tt\,")ina\ verfir. m Haphe tnhuli memhrauncei IIassi; ; / gegen-
ühcrstelicnde li()hero Pflastorzellen ; g Gallertgewebe um den Tulndus membranaceus ,
das .spüter Schwindel; /^ Periost des spülereii Knochens; v Cartilaf/o petrosa.
MitÜLM-cs iiiul UusstMOS Olir. 2S7
Der Ik'ccssus Idhiirinlhi odcv Aquaeductus vestibuU, der Canalis endo- ^\i,wu'}uchi>s
li/nij)haticus Hassk, ist vom Anfang an ein j)lattge(lrückter Ausläufer des i's endoiymphn-
Olirbläschons und zerfällt später in einen unlei'en kanalartigen Gang,
i\Qw Canalis s. Ductus ondoli/inphaticus, und einen oberen slark verbrei-
lerlen Theil, den Saccus endolymphaticus^ welcher letztere, wie Frontal-
schnille zeigen, innerhalb der Dura matcr seine Lage hat und, wie Untei-
suchungen der neueslen Zeit lehren, ebenso wie (h^r Ductus in» Knochen
drin, noch beim Erwachsenen unterhalb der Apertura aquaeductus vesti-
buU in der hinleren Schädelgrube sich findet.
Die Cartilaqo petvosa zeigt bei ihrer Ossilication das Auffallende, verknüciiening
d i o ' (leij Labyrinthes.
dass neben Knorpelverkalkungen und endochondralen Ossificationen pe-
riostale Ablagerungen nicht nur an der Aussenfläche des Knorpels, son-
dern auch an der Gesamnitoberfläche aller das Labyrinth begrenzenden
inneren Räume sich finden , so wie dass selbst die in diesen Räumen
enthaltene Bin(lesul)stanz zum Theil [Modiolus, Lamina spiralis ossea,
Grund des Meatus auditorius internus) einer Ossification unterliegt, die
mit den periostalen Bildungen zusammenhängt.
In ihrem gröberen Verhalten zeigt die Verknöcherung der CartiUujo
petrosa beim Menschen und bei Säugethieren das Uebereinstinuuende,
dass dieselbe mit einer grösseren Zahl von Knochenpunkten auftritt,
welche jedoch keine grössere Selbständigkeit besitzen, vielmehr schon
Nor dem Ende des embryonalen Lebens miteinander verschmelzen. Die
knöcherne Pyramide vereint sich dann noch vor der Geburt mit der Pars
mastoidea, in welcher selbständig zwei Knochenpunkte auftreten.
§ 38.
Entwicklung des mittleren und äusseren Ohres.
Das mittlere und äussere Ohr entwickelt sich in seinen liöhlun- Allgemeines,
gen unter wesentlicherßetheiligung der ersten Kiemenspalte. DieseSpalte
schliessl sich in ihrem ganzen vorderen Abschnitte, erhält sich dagegen
in ihrem hintersten Theile wegsam nnt Ausnahme einer kleinen dicht an
der äusseren Oberfläche gelegenen Stelle , welche verwächst und zum
Trommelfelle sich gestaltet. Aus der an der Aussenfläche des Trommel-
felles gelegenen Grube und ihren W^andungen entwickelt sich der Meatus
auditorius externus und das äussere Ohr, während der mediale Rest der
Kiemenspalte die Paukenhöhle und die Tuba Eustachii liefert. — Die
schon oben (§32) besprochenen und aus dem 1. und 2. Kiemenbogen
hervorgehenden Gehörknöchelchen liegen anfangs über und hinter der
Paukenhöhle und kommen erst nachträglich scheinbar in die Paukenhöhle
288
Entwicklung des Gehörorganes.
zu liegen, was iuu-li von der Chorda ti/mpani\ dem Stapedius und don
Bündern der Ossicula gilt.
Caiiias tyi,)pa»i. Die Paukeuliöhle und die Tuba Eustachü entwickeln sich unzweifel-
haft aus dem medialen Theile des hinteren Abschnittes der ersten Kie-
menspalte, welcher jedoch nicht ohne weiteres und unmittelbar zu diesen
Theilen sich umbildet, sondern in einen nach aussen, oben und hinten
gerichteten Fortsatz auswächst , der wesentlich zur Paukenhöhle sich
gestaltet und daher Canalis tubo-tympanicus genannt werden kann.
Während tlies geschieht , bildet auch der anfangs ganz seichte Meatus
externus ^ der nicht allein durch Wucherungen seiner äusseren Umge-
bungen sich vertieft, einen ähnlichen entgegengesetzt gerichteten hohlen
Fortsatz, und so entwickeln sich dann Verhältnisse, wie sie die Fig. 215
wiedergiebt. An diesem Frontalschnitle sieht man den Meatus externus
horizontal bis fast zur Hälfte des Canalis pharyngo- tympanicrcs ein-
dringen, dessen oberer über dem
Hammer ?n gelegener Theil den
Canalis tubo - tympanicus dar-
stellt. Der Canalis pharyngo-
tympanicus oder die spätere
Titba und Cavitas tympani ist in
diesem Stadium schon sehr eng
und zwar am engsten in dem
Abschnitte , der später zur
Paukenhöhle wird , es vergrös-
sert sich jedoch nach und nach
sein tympanaler Theil in der
sagittalen Richtung und gestal-
tet sieh zu einem seitlich platt-
gedrückten Hohlräume, w iihrend
die spätere Tuba mehr kanal-
artig bleibt. Dagegen verengern
sich die Höhlungen dieser Räume in der Richtung von aussen nach innen
je länger je mehr, und nähern sich deren Wandungen bald so, dass die-
selben sich berUliicn imd das Lumen ganz, oder nahezu ganz schwindet.
Fig. 21. j. Schädel eines Scliafembryo von 27 mm in der (icgond des Gehör-
organes frontal durchschnitten und 10,5 mal ver{j:r. m o Hinleihirn: o Occipital-
knorpel mit Chorda; c Cochlea; t Tuba; me Meatus audilorius e.rternus ; me' Ende
desselben; m 3/a//eMs mit Trommelfell ; c Canalis semicircularis superior ; e C. semi-
circularis exlernus ; sSacculus; stStapes; f Servus facialis ; a Auricula; v Alveus
communis; av Aquaeductus veslibuli (ist durch Versehen nur mit a bezeichnet); sp
Sinus petrosus superior ; sq Sf/uama cartilaginea.
Mittleres Ohr. 289
Die Ausbildung dieser Verhallnisse hängt mit der Entwicklung eines
eigenthünilichen gallertigen Bindegewebes zusammen, welches bei Em-
bryonen bis zur Geburt die Paukenhöhle und Tuba verschliesst und auch
die Gehorknüchelchen umhüllt und erst mit dem Eintritte der geathme-
ten Luft in die Tuba und Paukenhöhle einer gewöhnlichen Schleimhaut
Platz macht, in Folge welcher Veränderungen dann die Paukenhöhle
sowohl an ihrer medialen Seite , als nach oben und hinten an Umfang
gewinnt und die Ossicula scheinbar in ihr Inneres zu liegen kommen,
obschon dieselben, wie bekannt, allerwärts von der Schleimhaut beklei-
det und doch eigentlich von aussen in sie eingeschoben sind.
Die Tuba ist bei jungen Embryonen kurz und hoch und bleibt wäh- ima fustachn.
rend der ganzen Embryonalzeit im Verhältnisse zur Höhe kurz. Eigen-
thümlich sind auch ihre grosse Paukenhöhlenmündung und das wenig
vortretende enge Ostium pharyngeum, das lange Zeit hindurch dicht über
der Wurzel des weichen Gaumens steht, sowie ihre mehr horizontale
Lage. Der Knorpel der Tuba erscheint im 4. Monate als ein oben und
medianwärts gelagertes Plättchen hyalinen Knorpels und scheint kein
Theil des Primordialschädels zu sein.
Von den Cellulae mastoideae findet sich beim Neugeborenen nur <^'«""'"/ '""«'oi-
die Hauptzelle [Antruin Valsalvae] in schwacher Andeutung und bilden
sich die übrigen Räume erst zur Pubertätszeit weiter aus.
Das Trommelfell ist anfänglich gar nicht als solches zu erkennen, Jte>j<b>ana tym-
"^ _ ' pani.
und stecken bei jungen Embryonen die Gehörknöchelchen sammt dem
Tensor tympani^ Stapedius und Facialis in einer dicken bindegewebigen
Platte drin , die vom Grunde der Tuba bis zu der kleinen Einsenkung
der Haut sich erstreckt, welche die erste Andeutung des äusseren Ohres
ist (s. Fig. 206). Erst mit der Bildung des Canalis tubo-tympanicus und
dem Einwachsen des Meatus externus in die Schädelwand entwickelt
sich die die beiden Kanäle trennende Platte (Fig. 215) , doch ist, auch
nachdem diese Hohlräume schon w eit entwickelt sind , das eigentliche
Trom.melfell nur in massiger Ausdehnung gebildet. Der untere Theil der
Membran bildet sich schon vor der Geburt weiter aus, wogegen der
obere Abschnitt [Membrana flaccida) erst mit der letzten Entwicklung
der Paukenhöhle nach der Geburt ganz deutlich wird. Bei menschlichen
Embryonen steht das Trommelfell nahezu horizontal; und ist noch am
Ende der Fötalperiode diese Lage sehr ausgesprochen.
\)\Q Membrana tympani secundaria ^ die das runde Fenster -Vfmfcrn»!« tym-
pani secundaria.
schliesst , ist schon bei jüngeren Embryonen zu erkennen und stellt eme
nicht verknorpelte Stelle der Cartilago petrösa dar.
Vom äusseren Ohre ist in erster Linie die äussere Ohröffnung und AeusseresOhr.
die Ohrmuschel zu erwähnen. Letztere entsteht durch eine Wucherung
E Olli k er, Grundriss. 19
290
Entwicklung des Geruchsorganes.
Aeusserer
Gehörgang.
Glandulae cetu-
minosae.
der äusseren Haut . in welcher schon früh ein vom Primordialschädel
ganz unabhänjjiger klein- und dichtzelliiier Knorpel erscheint, der später
bei grösseren Säugern und beim Menschen zu Netzknorpel sich um-
wandelt.
Der äussere Gehör gang entsteht in seinem knorpeligen Theile
durch eine Wucherung der knorpeligen Ohrmuschel, unter Milbetheiligung
eines selbständig auftretenden Knorpelstückchens , wogegen der Meatus
osseiis, unter Antheilnahme der Schuppe und des Zitzentheiles , wesent-
lich aus einer Umbildung des schon früher erwähnten Anmilus tympanicus
in die Röhrenform hervorgeht , bei welcher an seiner vorderen unteren
Wand anfänglich eine Lücke auftritt '^im 2. Jahre) , die früher oder
später, im ersten oder zweiten Decennium, sich 'schliesst. Der äussere
Gehörgang besitzt bei Embryonen des Menschen und von Säugern keine
Lichtung Fig. 215) , und ebenso ist auch die äussere Ohröffnung ge-
schlossen, und zwar an beiden Orten durch die stark ge wucherte Epi-
dermis.
Die Ohrenschmalzdrüsen sind nach meinen Erfahrungen schon
im fünften Monate in ihren Anlagen sichtbar und entwickeln sich nach dem
Typus der Schweissdrüsen, von denen später gehandelt werden wird.
Geruchso rgan.
Allgemeines.
«ieruchi»-
grbbchen.
Nasenfarche.
§ 39.
Das Geruchsorgan entwickelt sich aus den schon früher bei Be-
sprechung der jüngsten menschlichen Embryonen geschilderten Geruchs-
grübchen oder primi tiven Riechgruben, welche in ähnlicher
Weise als Einwucherung des Hornblattes entstehen, wie die Gehörgrube
und Linsengrube (Figg. 145, 216), und über der Mundspalte am vordersten
Theile des Kopfes ganz selbständig sich entwickeln. In zweiter Linie bildet
sich dann eine Vereinigung der Riechgruben mit der Mundhöhle und in
dritter Linie trennt sich die Mundhöhle in zwei Abschnitte , von denen
der obere zum respiratorischen Abschnitte der Nasenhöhlen wird, wäh-
rend aus den primitiven Riechgruben das eigentliche Labyrinth des
Geruchsorganes entsteht.
Die primitiven Geruchsgrübclien , die bei Säugern und Vögeln
in derselben Weise auftreten, w ie beim Menschen, erhalten sich nur kurze
Zeit, und findet man beim menschlichen Embryo schon in der 5. Woche
eine Furche, die Nasenfurche, welche äusserlich vom unteren Ende
der Grübchen zur Mundhöhle verläuft. Bald nimmt dann auch das Gesicht
Umbildungen der Geruchsgrübchen.
291
die schon früher beschriebene Gestalt an, die wir durch die Fig. 217
hier wieder in Erinnerung bringen, und zeigt nach innen von der Nasen-
grube In] und der Nasenfurche, die nicht l)ezeichnet ist , den Stirnfort-
satz st mit dem inneren Nasenfortsatze und nach aussen davon den
Fic;. 217.
Fia. 216.
Innere
Nasengänge.
äusseren Xasenfortsatz a7i und den Oberkieferfortsatz o. Die Nasengrube
n ist in der Tiefe blind geschlossen und steht einzig und allein durch
die ganz oberflächlich gelegene Nasenfurche mit der primitiven Mund-
höhle in Verbindung. Verglichen mit dem Hühnchen ist beim Menschen
der Stirnfortsatz schmäler und vor Allem der Oberkieferfortsatz mehr
quer gestellt, woher es dann kommt, dass derselbe nicht mit der Spitze,
sondern mit seinem oberen Rande an den äusseren Nasenfortsatz an-
stösst. In der zweiten Hälfte des zweiten Monates schliesst sich die
Nasenfurche (Fig. -142) und öffnet sich dann das Geruchslabyrinth durch
die inneren Nasengänge (primitiven Gaumenspalten Dursv mit zwei
engeren Oeffnungen ganz vorn in die primitive Mundhöhle. Dieses Sta-
dium hat jedoch nur kurzen Bestand , denn schon am Ende des zweiten
Monates beginnt der Gaumen sich zu bilden (Fig. 218), mit dessen Voll-
endung dann die primitive Mundhöhle in zwei Abschnitte , einen oberen
respiratorischen, den ich den Nasenrachengang [Ductus naso-pha- Nasenrachen
njngeus) heisse, und einen unteren digestiven, die eigentliche Mundhöhle,
zerfällt. Entfernt man bei einem neun bis zehn Wochen alten Embryo,
dessen Gaumen schon gebildet ist , denselben und betrachtet man die
Fig. 216. Frontalschnitt durch den Kopf eines Hühnerembryo von 3 Tagen und
6 Stunden, 40mal vergr. h Vorderhirn und oberer hinterer Theil des Zwischenhirns ;
p Zirbelanlage; gg Geruchsgrübchen.
Fig. 217. Kopf eines sechs Wochen alten menschlichen Embryo von vorn und
unten, vergrössert. u Stelle, wo der Unterkiefer sass ; o Oberkieferfortsatz des ersten
Kiemenbogens; an äusserer Nasenfortsatz; «Nasengrube; s < Stirnfortsatz : gf Aus-
stülpung der Rachenschleimhaut (Hypophysistasche).
i9*
292 Entwicklung des Geruchsorganes. ,
Nasenhöhle von unten , so findet man vorn zu Ijeiden Seiten des noch
ganz kurzen Soptuni und der Pflugschaar die inneren Nasenlöcher oder
-gänge deutlich in Gestall kurzer Spalten, die .a^f?^"^r^s in die Laby-
rinthe führen und nach vorn mit dem äusseren Nasen^oche ausmünden ;
später aber vergeht mit dem Wachsthume des Labyrinthes diese Spalte
als ein besonderes, von den l3enachbarten Theilen
scharf abgegrenztes Gebilde , und erscheint dann
der Naseurachengang mit dem embryonalen Innern
Nasenloche zusammen, als unterer Nasengang. Immer-
hin erkennt der Kundige selbst noch beim Erwachse-
nen das fötale innere Nasenloch in der langen engen
Vi" 218 Spalte, die zwischen der unteren Muschel und dem Sep-
tum durch aufwärts zum Labyrinthe führt. Die Nasen-
Nasengaumen- g a u m c u s ä u s c IDiictus nasottalatini) im Canalis inciswus , oder die
gange. »- o o \ i j '
STENSGN'schen Gänge , die aus der Anatomie des Erwachsenen bekannt
sind, sind ein Rest der ursprünglichen Verbindung zwischen der Mund-
höhle und dem unteren respiratorischen Abschnitte der Nasenhöhle, doch
ist zu bemerken , dass dieselben beim Menschen wider alles Erwarten
auch bei Embryonen nie von einer grösseren Weite gefunden werden.
Weitere Ent- Das Labyrinth des Geruchsoreanes entwickelt sich ganz und gar aus
Wicklung des •' "^ o o
Gernchs- Jem die fötale Riechgrube auskleidenden Hornblatte, das wir das Riech-
labyrinthes. '-' ^ ,
Säckchen nennen können, unter Mitbetheiligung des vordersten Schädel-
endes. Während letzteres zum Stirnfortsatze und den äusseren Nasen-
fortsätzen hervorwächst, vergrössert sich auch das Säckchen in entspre-
chender Weise, und entsteht so nach und nach eine tiefer eindringende
Grube. Der Stirnfortsatz wandelt sich dann zur knorpeligen Scheide-
wand der Nasengegend des Primordialschädels um , an welcher später
als Deckknochen der Vomer und die Zwischenkiefer sich ausbilden , und
aus den im Zusammenhange mit dem oberen Rande des Septum verknor-
pelnden äusseren Nasenfortsätzen gestalten sich die Siebbeinlabyrinthe
und die seitlichen Theile der äusseren Nase , an denen als Belegknochen
die Thränen- und Nasenbeine entstehen. Die Muscheln treten schon im
zweiten Monate als knorpelige Auswüchse der Seitentheile der knorpeli-
gen Nase auf, mit deren Weiterwuchern das Hornblatt des Ricchsäck-
chens immer gleichen Schritt hält. Im dritten Monate ist das Labyrinth
schon in allen seinen wesentlichen Theilen zierlich ausgeprägt, immerhin
l'ig. 218. Kopf eines menschlichen Embryo aus der 8. Woche von unten, ver-
grössert. Der Unterkiefer ist weggenommen, um die grosseSpaltc in der Mundrachen-
hölde mr zu zeigen, weiche spiiter durcii Vortreten und Verwachsen der Gaumen-
forlsalze g gcscidossen wird, ati äussere NasenofTnungen; in inneic NasenolTnungen
oder Ausmündungen des Labyrinthes, von den Choanen wold zu unterscheiden.
Nebenhöhlen des Geruchsorganes.
293
fehlen noch alle Nebenhöhlen. Die Entwicklung derselben anlangend, K^^^;!g'^«;j/^«^
so bilden sich dieselben schon am knorpeligen Nasengerüste aus und sind
alle in erster Linie von Knorpel umgebene Ausbuchtungen der Nasen-
schleimhaut , die keinerlei Beziehungen zu den benachbarten Knochen
zeigen. Eine Zeit lang wachsen dann die knorpeligen Kapseln der be-
treffenden Höhlen zusammen mit der Schleimhaut weiter , während zu-
gleich die benachbarten Belegknochen eine äussere Hülle um dieselben
bilden, zuletzt aber schwitiden die Knorpelkapseln, ohne zu verknöchern,
und werden von nun an die Nebenhöhlen der Nase von den betreffenden
Belegknochen unmittelbar begrenzt , an denen dann zur Aufnahme der
immer weiterwuchern-
den Schleimhautaus-
sackungen ebenfalls
Höhlungen sich ausbil-
den , die nach meinen
Erfahrungen in dersel-
ben Weise entstehen,
wie alle Resorptions-
lücken von Knochen.
Am frühesten fällt die
Bildung der Sinus eth-
moidalesnnddesAntnim
Highmori, die schon
beim sechs Monate alten
Fötus in der ersten An-
lage begriffen sind und
die ersteren rasch sich weiter entwickeln, so dass sie bei der Geburt
schon ganz gut ausgeprägt sind, wogegen die volle Ausbildung der High-
morshöhle erst mit der Vollendung des Wachsthums eintritt. Von den
Sinus sphenoidales gibt Virchow an , dass sie schon beim jungen Fötus
angedeutet seien , was seine vollkommene Richtigkeit hat , wenn die
von knorpeligen Kapseln umgebenen primitiven Keilbeinhöhlen gemeint
sind. Was dagegen die Sinus sphenoidales des Knochens betrifft . so
habe ich bisher weder beim Fötus noch beim Neugeborenen eine An-
deutung von ihnen gesehen. Ueberhaupt scheinen diese Höhlen in ihrer
Entwicklung sehr vielen Wechseln ausgesetzt zu sein, denn während die
Fis;. 219.
Fig. 219. Frontalschnitt durch die Nasenhöhlen eines menschlichen Embryo von
5 Monaten in der Gegend des Antrum Highmori. Zur Seite die Augenhöhlen , unten
die Mundhöhle. Vergr. 4mal. cg Crista galli ; er Foramina cribrosa ; cl seitliche
Nasenknorpel; es knorpelige Wand des Sinus nmocillaris a; ein Concha media;
ci Concha inferior ; rn s Maxilla superior ; s Septum eartilagineuin ; v Vomer.
m
Entwicklung des Geruchsorgancs.
jACOBSON'SChe
Organe.
Aßnssere Nase.
'jerachsnerven.
"/
einen Beobachter dieselben im zweiten Jahre schon finden , habe ich sie
im fünften noch vermisst. Die Sinus frontales bilden sich ebenfalls erst
nach der Geburt in einer nicht genau zu bestimmenden Zeit. Auf jeden
Fall erreichen die beiden letztgenannten Höhlen erst zur Pubertätszeit
eine grossere Ausdehnung und ihre endliche Ausbildung in einer noch
viel späteren Zeit.
Eine besondere , mit den Geruchsorganen in Verbindung stehende
Bildung sind die JACoBSON'schen Organe, welche bei Säugern als zwei
von Knorpelkapseln gestützte und in die STENSON'schen Gänge einmün-
dende Röhren am Boden der Nasen-
höhle neben der Scheidewand ihre
Lage haben und von Dlrsy und mir
auch beim menschlichen Embryo
(Fig. 220) und von mir auch beim
Erwachsenen aufgefunden worden
sind. Die Entwicklung dieser Or-
gane anlangend, so ist dieselbe leicht
nachzuweisen, und bilden sich die-
selben als von Anfang an hohle Aus-
stülpungen der Nasenschleimhaut des
Septunij für welche bei Thieren ein
besonderer Anhang des Nasenknor-
pels als Umhüllung sich entwickelt.
Die äussere Nase entsteht am
Ende des zweiten Monates durch das
Hervorwachsen des vordersten En-
des des Nasentheiles des Primordial-
schädels. Anfangs kurz und Jjreit,
nimmt dieselbe nach und nach ihre typische Form an, was im Einzelnen
hier nicht zu schildern ist. Im dritten Monate findet man die Nasen-
löcher durch einen gallertigen Pfropf verschlossen, der nach dem fünften
Monate wieder vergeht und von einer Epithelwucherung gebildet wird.
Die Betheiligung des Nervensystems an der Bildung des Geruchs-
organcs betrefi'end, so ist bereits aus Früherem bekannt, dass der Tractus
und Bulbus olfadorivs als Ausstülpungen aus der ersten Hirnblase sich
bilden. Von dem Bulbus aus entwickeln sich dann die Nervi, olfactorü
in das Labyrinth hinein, und finde ich bei Embryonen von Säugethieren,
Fit:, iid. Fronlalschnitl durcli die Nasenhöhle eines 4monaliichen menschlichen
Embryo, 8 mal vcrgr. s Septum narium carlilagineum ; cn CarÜlago lateralis nariwm;
ci CarliUiffo conchac inferioris ; cj Pflugschaarknorpel fCarWar/o 7«co^5onüV ; oj Or-
ganon JacoOsonii.
und Ohre.
Geruchsnerven. 295
dass dieselben , ebenso wie alle andern Nerven , anfangs aus Bündeln
feinster Fäserchen (Axencylindern) ohne Beimengung von Kernen oder
Zellen bestehen. Erst später sendet eine vom Mesoderma abstammende
Zellenhülle, die schon sehr früh auftritt, Fortsätze in das Innere der
Bündel hinein , aus denen die späteren kernhaltigen Scheiden dieser
Nerven entstehen.
Veruleichen wir zum Schlüsse noch das Geruchsorgan mit den an-vergieichnngdes
"-" . Geruchsorganes
deren höheren Sinnesorganen, so finden wir, dass bei demselben, wie mit dem Auge
beim Auge und Ohre, eine Einstülpung des Hornblattes eine Hauptrolle
spielt. In der mächtigen Entfaltung dieser Einstülpung übertrifft das
Geruchsorgan selbst noch das Ohr , dagegen schnürt sich dieselbe nie
ganz ab , sondern bleibt immer in Verbindung mit dem äusseren Horn-
blatte und der Epidermis. Von einer Einstülpung der Cutis bei der
ersten Bildung der Riechsäckchen ist nichts zu sehen , dagegen ist un-
zweifelhaft , dass schon sehr früh eine mesodermatische Hülle an den-
selben auftritt , die bald eine besondere Mächtigkeit erlangt und viele
Blutgefässe entwickelt. Im nervösen Apparate stimmt das Geruchs-
organ bis zu einem gewissen Grade mit. dem Auge überein , indem der
hohle Bulbus olfactorius mit der primitiven Augenblase und der Tractus
olfactorius mit dem Nervus opticus (nicht mit dem Tractus opticus) ver-
glichen werden kann, weicht dagegen ganz vom Gehörorgane ab. Bei
allen drei Sinnesorganen kommen noch Umhüllungen von Seiten des
mittleren Keimblattes dazu , die freilich bei keinem so ausgedehnt sind,
wie bei dem hier geschilderten Apparate. — Mit Bezug auf die ver-
gleichende Anatomie endlich will ich noch daran erinnern, dass fast alle
Hauptstadien der Nasenbildung des Menschen bei gewissen Thieren als
bleibende sich finden. Besonders erwähnenswerth sind die geschlosse-
nen Riechgruben der Fische , die den embryonalen Riechgrübchen ent-
sprechen, und die Geruchsorgane der Batrachier, die durch kurze Nasen-
gänge vorn in eine grosse Mundhöhle einmünden, welche der primitiven
Mundhöhle der Embryonen entspricht , während den übrigen Thieren
ein verschieden entw ickelter Gaumen und kürzere oder längere Nasen-
rachensänee zukommen.
IV. Entwicklung der äusseren Haut.
§40.
Die äussere Haut mit allen ihren Anhängen entwickelt sich von Allgemeines.
zwei Theilen aus, einmal vom Hornblatte her, das, wie früher geschildert
wurde, dem äusseren Keimblatte angehört, und zweitens von einer ober-
296
üiitwickluiiii der äusseren Haut.
Entwicklung der
Oberhaut.
Lederbaut.
Entwicklung der
Haare.
flächlichen Schicht des mittleren Keimblattes aus, welche wir mit Remak
als liautplalte bezeichneten und deren spezielles Verhalten im § 18 be-
schriel)en ist. Aus dem Ilornblatle gestalten sich die Epidermis, alle
epidermoidalen Theile der Nägel und Haare oder der Horngebilde der
Haut (bei Thieren die Krallen, Klauen. Hufe. Hörner. Stacheln, Federn,
Schuppen u. s. w.), ferner die Drüsenzellen aller Hautdrüsen, während
die Hautplatte die bindegewebigen und muskulösen Theile der Haut und
der Hautorgane liefert und die Gefässe und Nerven dieser Theile trägt,
die wie anderwärts von aussen in dieselben sich hineinbilden.
Die Oberhaut des Menschen besteht im ersten und im Anfange
des zweiten Monats aus einer einfachen Lage sehr zierlicher, zart con-
tourirter, polygonaler Zellen von 27 — 45 [jl Durch-
messer, unter denselben zeigen sich, in einfacher
zusammenhängender Schicht , kleinere Zellen von
6,8 — 9,0 fx als erste Andeutung der Schleimschicht.
In weiterer Entwicklung verdickt sich die Epi-
dermis des Embryo ziemlich rasch , indem sich
durch Wucherung der kleinen Elemente Jiald
mehrfache Zellenlagen bilden , die Schleimschicht
an Stärke gewinnt, und die Hornschicht durch
Uebergang der kleinen Zellen in grössere Schüppchen sich verdickt.
Die Cutis besteht bei vier bis fünf Wochen alten Embryonen noch
ganz und gar aus rundlichen und spindelförmigen Zellen und misst
blos 13 — 22 jjL. Im vierten Monate entstehen die ersten Fettt räub-
chen und die Leistchen an der Vola manus und Planta pedis. Die
Papillen sieht man erst im sechsten Monate , zu welcher Zeit die Cutis
schon 1 mm und darüber misst. Beim Neugel)orenen ist besonders die
Stärke des Pannicuhis adiposus auffallend , der relativ und zum Theil
selbst absolut mächtiger ist als beim Erwachsenen.
Die Haare entwickeln sich am Ende des dritten oder im Anfange
des vierten embryonalen Monates und zwar in der Weise, dass die
Schleimschicht der Oberhaut kleine zapfenförmige Wucherungen nach
Innen bildet, die sogenannten »Haarkeime« oder, genauer bezeichnet,
die Anlagen der Haare und eines guten Theils der Haarsäckchen nament-
lich der Wurzelscheiden. " Diese beim Menschen sicherlich nicht hohlen
Wucherungen der Epidermis (Fig. 222) erhalten von der Cutis eine Um-
hüllung, welche anfänglich nicht gerade als etwas Selbständiges auftritt,
viclnielir erscheint, wie in allen diesen Fällen, die Epidermiswucherung
Fi2. 221.
Fig. 221. Zollen clor ohorsten Epidormislage eines 2monatlichen menschliclien
Embryo, 330 mal Ncrgrösscrt.
Haare. 297
als das Wesentliche und Bestimmende und trill die Umhüllung durch die
tiefasshaltigen Tiieile erst spiiler mehr hervor und stellt dann den der
Cutis angehörigen Theil des llaarbalges dar. Im weiteren Verlaufe nun
gestalten sich die Wucherungen der Schleimschicht der Epidermis zu
jangen flaschenförmigen Gebilden , in deren Grund von der Anlage des
Haarbalges aus eine Wucherung sich hineinbildet, die Anlage der »Haar-
papille«, in der schon früh Gefässe sichtbar werden. Zugleich sondern
sich die Epidermiszellen der Haaranlage im Grunde derselben in zwei
£--■-
Kr.
Fig. 222.
Schichten, eine innere, in welcher die Elemente eine mehr gestreckte Form
annehmen, Anlage des Haares und der inneren Wurzelscheide, und eine
äussere, deren Zellen mit den Zellen der Schleimschicht in Verbindung
bleiben und die äussere Wurzelscheide darstellen (Fig. 223). Endlich
trennt sich die innere Lage, während sie sich verlängert, nochmals in
zwei, das Haar und die innere Wurzelscheide (Fig. 224). Somit bildet
sich das Haar mit seinen Scheiden einfach durch Differenzirung der
Zellen der primitiven soliden Epidermisanlage und erscheint schon in
frühester Zeit als ein ganzes kleines Härchen mit Wurzel , Schaft und
Spitze, welches jedoch zuerst nicht hervorragt, sondern von beiden
Lagen der Oberhaut bedeckt ist. Einmal gebildet, beginnen die Härchen
zu wuchern und brechen bald durch , ein Vorgang, der wahrscheinlich
Fig. 222. Haaranlage von der Stirn eines 16 Wochen alten menschlichen Em-
bryo, 350 mal vergr. ; a Hornschicht der Oberhaut; b Schleimschicht derselben;
i strukturlose Haut aussen um die Haaranlage herum , die sich zwischen Schleim-
schicht und Coriitm fortzieht; m rundliche, zum Theil längliche Zellen , welche die
Haaranlage zusammensetzen.
Fig. 223. Anlage eines Augenbrauenhaares von 0,49 mm, 50 mal vergr., deren
innere Zellen einen Kegel bilden , noch ohne deutliches Haar , aber mit angedeuteter
Papille. « Hornschicht der Oberhaut; b Schleimschicht derselben; c äussere "Wurzel-
scheide des späteren Balges; i strukturlose Haut aussen an derselben; h Papilla pili.
29S
Entwicklung der äusseren Haut.
Wollhaare,
Lanugo.
einem guten Theile nach dadurch zu Stande kommt, dass die Hornschicht
der Epidermis in der That abgehoben wird, oder durch Abschuppungen
verloren gehl. Dieses Durchbrechen der Haare beginnt am Ende des
fünften Monates am Kopfe und in der Augenbrauengegend und endet in
der 23. — 25. Woche an den Extremitäten. Die eben hervorgebrochenen
Haare haben eine sehr regelmässige Stellung , wie dies namentlich von
EscHRicHT vor Jahren genauer verfolgt und durch Abbildungen versinn-
licht worden ist. Es convergiren nämlich dieselben nach gewissen
Linien hin und divergiren von gewissen Punkten oder Linien aus , so
dass sie eigenthümliche federartige Zeichnungen,
Wirbel, Kreuze u. s. w. bilden, deren ausführ-
liche Schilderung jedoch nicht im Bereiche un-
serer Aufgabe liegt.
Die embryonalen Haare (Wollhaare, Lanugo)
wachsen, einmal hervorgebrochen , bis gegen
das Ende des Embryonallebens fort und können
unter Umständen , namentlich am Kopfe , einen
ziemlich dichten Ueberzug bilden , doch finden
sich in dieser Beziehung grosse Verschieden-
heiten. Schon während des Embryonallebens
fällt auch ein Theil der Haare aus , kommt in
das Amnionwasser , wird unter Umständen vom
Fölus verschluckt und findet sich dann im Darm-
kanale und den Fäkalmassen [Meconium] , welche
sleich nach der Geburt zuweilen in ziemlich
beträchtlicher Menge entleert werden. Bald nach der Geburt fällt die
Lanugo aus und bilden sich neue Haare an der Stelle der verlorenen.
Neubildung der Dicsc NcubiUlung von Haaren geht von den Haarsäckchen der W^ollhaare
aus, die an oder aus ihren Enden Sprossen treiben, ausweichen sich
dann die neuen Haare bilden. Genauer bezeichnet gehen diese Sprossen
von der äusseren Wurzelscheide der Haarbälge der Wollhaare aus, welche
nichts als das Rete Malpighii des Haarbalges ist, und entwickeln ganz
nach dem Typus der embryonalen Haarsäckchen in sich ein neues Haar
sammt einer inneren Wurzelscheide , welches dann allmälig neben dem
Wollhaare in die Höhe wächst und endlich zu derselben Oeffnung heraus-
kommt (Fig. 225). Während dies geschieht, wird die Ernährung des
Haare.
Fig. 224. Haaranlage von den Augenbrauen mit eben entstandenem , aber noch
nicht durchgebroclienem Haare von 0,63 mm Länge. Die innere Wurzclscheide über-
ragt oben die Mnarspitze in etwas und seitlich am Halse des Balges zeigen sich in
Gestalt zweier warzenförmiger Auswüchse der äusseren Wurzelscheido die ersten
Anlagen der Talgdrüsen.
Haarwechsel.
299
Wollhaares dadurch gestört , dass es durch den an seiner Basis gebil-
deten Forlsatz seiner Scheiden von seinem Ernährungsorgane , der ge-
fasshaltigen Haarpapille, abgehoben wird, in Folge dessen dann seine
untersten Zellen verhornen , während sie in der Zwiebel lebenskräftiger
Haare ganz weich sind. Ist die alte Haarzwiebel verküniniert und das
Wollhaar immer mehr nach aussen geschoben, so fällt das alte Haar end-
lich aus und nimmt das secundär gebildete die Stelle desselben ein. In
dieser Weise entstehen otlenbar an allen Stellen statt der Wollhaare die
bleibenden Haare, wobei nur noch das
zu bemerken ist , dass solche Neubil-
(lunesvors;äns;e öfter sich wiederholen
und selbst noch beim Erwachsenen sich
finden, mithin auch dem Menschen nicht
blos ein einmaliger Haarwechsel zu-
kommt.
Wir kommen nun zur zweiten epi-
dermoidalen Bildung , zu den Nägeln,
deren Entwicklung im dritten Monate
mit der Entstehung des Nagelbettes und
des Nagelfalzes ihren Anfang nimmt, die
jedoch anfänglich noch von einer gewöhn-
'ichen Epidermis bekleidet sind. Im
vierten Monate zuerst erscheint zwischen
der aus Einer Zellenlage bestehenden
Hornschicht und der Schleimschicht des Nagelbettes eine einfache Lage
platter, blasser, 20 p. grosser Schüppchen, die fest zusammenhängen und
als die erste Anlage des Nagels aufzufassen sind, der somit ursprünglich
rings von der Epidermis umgeben ist und gleich in toto auf dem ganzen
Nagelbette entsteht. Die erste Bildung des Nagels geht übrigens un-
zweifelhaft von den Zellen der Schleimschicht aus und so verdickt sich
dann auch der Nagel bald durch Zutritt neuer Elemente von derselben
Fiu.
Nägel.
Fig. 225. Ausgezogene Augenwimpern eines einjährigen Kindes, 20 mal vergr.
A. Eine solche mit einem Fortsatze der Zwiebel oder äusseren Wurzelscheide von
0,56 mm, in welchem die centralen Zellen länglich sind fihr Pigment ist nicht wieder-
gegeben) und als ein deutlicher Kegel von den äusseren sich abgrenzen. B. Augen-
wimper, in deren Fortsatz von 0,67 mm Länge der innere Kegel in ein Haar und eine
innere Wurzelscheide umgebildet ist. Das alte Haar ist höher heraufgerückt und be-
sitzt ebenso wenig wie in A eine innere Wurzelscheide, a äussere, 6 innere Wurzel-
scheide des jungen Haares, c Grube für die Haarpapille, d Zw iebel, e Schaft des alten
Haares, f Zw iebel, g Schaft, h Spitze des jungen Haares, i Talgdrüsen, k drei Schweiss-
kanäle, die in A in den oberen Theil des Haarhalges einmünden, l Uebergang der
äusseren Wurzelscheide in die Schleimschicht der Oberhaut.
300 Entwicklung der äusseren Haut.
Lage aus, so ilass er in der 20. Woche samnit seinem Rejfe Malpighii be-
reits 54 ijL niisst , und wächst zugleicli auch an den Seiten und an der
Wurzel in die Breite und Länge. Immerhin bleibt er bi$ zum Ende des
fünften Monates unter der Hornschicht der Oberhaut upd ohne freien
Rand , welcher letztere erst nach der Hälfte des sechstien Monates er-
scheint , so dass im siebenten Monate der Nagel, die grössere Weichheit
und den Umfang abgerechnet , in nichts Wesentlichem vom fertigen Na-
gel abweicht. Bei Neugeborenen sind die Nägel am Körper 0,68 —
0,74 mm dick und durch ihren weit vorstehenden, dünnen, bis zu 3 —
4 mm langen freien Rand bemerkenswerth , der nichts anderes als der
im Laufe der Entwicklung nach vorn geschobene Nagel einer früheren
Periode (ungefähr des sechsten Monates) ist und bald nach der Geburt
sich abstösst, welcher Vorgang übrigens noch mehrmals sich wiederholt,
bis der Nagel vollkommen ausgebildet ist.
Talgdrüsen. Yqh dcu Drüscn der Haut sind die Talgdrüsen an den meisten
Gegenden Wucherungen der Haarbälge , deren äussere Wurzelscheiden
kleine, warzenförmige, ganz aus Zellen gebildete Hervorragungen zu einer
Zeit treiben, wo die Haare schon etwas entwickelter sind (Fig. 224).
Diese Auswüchse gestalten sich zu birn-
und flaschenförmigen Gebilden , in wel-
chen dann auch eine Höhle dadurch ent-
steht, dass die innersten Zellen dieser An-
lagen eine physiologische Fettmetamor-
phose erleiden. Dieses Fett wird dann als
erstes Secret oder Hauttalg in die Haar-
bälge, deren Haare mittlerweile durch-
gebrochen sind , entleert. Die weitere
Entwicklung der Talgdrüsen ist leicht zu
begreifen. Die Zellenmasse derselben
wuchert durch solide Sprosscnbildung
weiter, wodurch die Drüse verästelt,
traubenförmig wird , und in diesen Knospen geht dann die Bildung von
Höhlungen genau ebenso vor sich wie in den ersten Anlagen.
Die Bildungsgesetze sind mithin bei diesen Drüsen insofern im
Einklänge mit dem, was wir bei den Haaren fanden, als es ebenfalls die
Schleimschicht der Epidermis ist, von der ihre Entwicklung ausgeht, und
die Drüsenanlagen anfänglich auch nichts als solide Massen sind, in denen
dann durch Differcnzirung der Elemente ein Gegensalz zwischen Wand
V'v^. 226. Zur Entwicklun}^ der Talgdrüsen von einem Gmonallichen Fötus, un-
fjcfsilir 2")0 mal vorgr. a Haar, /> innere \Vurzcls<;hcide , hier mehr der Hornschicht
drr Ohorliaiil t;lcif;li, c iiusscre Wurzelscheidc, f/ Talgdrüsenanlage.
h-
Talgdrüsen, Schweissdrüsen.
301
und Innerem entsteht. Wo die Talgdrüsen selbständig vorkommen, wie
z. B. an der Glans penis, entwickeln sich dieselben nach dem nämlichen
Typus aber direkt von der Epidermis aus.
Die Schweissdrüsen entwickeln sich genau nach dem Typus schweissdrüsen.
der Talgdrüsen. Die ersten Anlagen derselben , die im fünften Fötal-
monale erscheinen , gleichen denen der Haarbälge sehr und sind nichts
als solide flaschenförmige Auswüchse (Fig. 227) des liete Malpiyhii der
Oberhaut, die in die Cutis sich hinein erstrecken und von einer dünnen
Hülle der letzteren umgeben sind. Im weiteren Verlaufe werden diese
Auswüchse länger und gestalten sich im sechsten Monate zu leicht gewun-
« ^^v-a;=
Fig. 227.
Fi". 228.
denen schmächtigen Anhängen , deren Enden kolbig verbreitert sind,
bestehen jedoch immer noch durch und durch aus kleinen rundlichen
Zellen. Erst im siebenten Monate zeigen die Drüsen im Innern einen
Kanal, dessen Entstehung wahrscheinlich mit dem Auftreten von Flüssig-
keit zwischen den centralen Zellen der Drüsenanlagen zusammenhängt,
bei welchem Vorgänge vielleicht auch ein Theil dieser Zellen sich auf-
löst in derselben Weise, wie dies bei der Bildung der Höhlungen in den
Talgdrüsen gefunden wird. Um dieselbe Zeit, wo die Lumina auftreten^
zeigen auch die Enden der Drüsenanlagen ein vermehrtes Wachsthum,
verdicken sich und krümmen sich retortenförmig , so dass jetzt auch die
Fig. 227. Schweissdrüsenanlage von einem Smonatlichen menschlichen Embryo,
bei 350 maliger Vergr. a Hornschicht der Oberhaut , 6 Schleimschicht , c Corium,
d Drüsenanlage ohne Lumen aus kleinen runden Zellen bestehend.
Fig. 228. A Schweissdrüsenanlagen aus dem siebenten Monate, 5 mal vergr. Die
Buchslaben abd wie bei Fig. 227. Das Lumen e ist durchweg vorhanden, nur reicht
es nicht ganz bis ans Ende der dickeren TheHe der Drüsenanlagen , die zu den Drü-
senknäueln sich gestalten. Fortsetzung der Kanäle in die Oberhaut hinein und
Schweissporen /"sind da. B ein Knäuel einer Schweissdrüse aus dem achten Monate.
302
Entwicklung der äusseren Haut.
Anlagen der späteren DrUsenknäuel zu erkennen sind (Fig. 228). Wäli-
rend dies geschieht, brechen dann auch die Höhlen nach aussen durch
und entstehen die Oell'nungen der Schweisskanäle , ein Vorgang, der
durch Fortsetzung der Lückenbildung auf das Rete Malpighii der Ober-
haut und Abschuppung der Hornschicht sich erklären lässt. In den letzten
Monaten der Schwangerschaft bilden sich dann die Drüsen vollständig
aus. so dass sie bei Neugeborenen, abgesehen von der Grösse , in Nichts
von denen des Erwachsenen sich unterscheiden.
Milchdrüsen. In derselben Weise wie die Schweissdrüsen bilden sich auch die
Milchdrüsen, Ich habe diese Drüsen bei einem fünfmonatlichen männ-
lichen Embryo (Fig. 229, 1) in einem sehr frühen Stadium gesehen, in
welchem die ganze Drüse nichts anderes als eine solide Warze der
Schleimschicht der Oberhaut darstellte , die von einer Lage dichteren
Cutisgewebes umhüllt war. Im weiteren Verlaufe treibt diese Warze
Sprossen (etwa 12 — 15), die schon im siebenten Monate deutlich sind
(Fig. 229. 2 und bei Neugeborenen schon eine zierliche Rosette mit
kürzeren einfachen und längeren leicht ästigen Anhängen darstellen.
Eine einfachere solche Milchdrüse ist in der Fig. 230 nach Laxger dar-
eestellt , doch sind die Drüsen der Neugeborenen meist zusammenge-
Fig. 229.
Fig. 230.
Fi}:. 229. Zur Entwicklung der Milchdrüse. 1. Milchdrüsenanlage eines fünf-
monatlichen münnlichen Embryo, a Hornschicht, b Schleimhaut der Oberhaut,
c Fortsatz der letzteren oderAnlage der Drüse, d Faserhülle um denselben. 2. Milch-
drüse eines siebcnmonallichen weiblichen Fötus von oben, a Centralmasse der Drüse
mit grosseren 0] und kleineren (c) soliden Auswüchsen, den Anlagen der grossen
Drüsenlap|)cn.
Fig. 230. .Milchdrüsenanlage eines Neugeborenen, o Centralmasse der Drüse,
um welche sich kleinere ib] und grössere Knospen finden, letztere mit noch solidem
kolbenförmigen Ende c. — Nach Langer.
Milchdrüse, Vernix caseosa. 303
setzter. 0,5 — 1 ,0 cm gross und mit einzelnen, 1 — 2mal gabelig getheilten
Ausläufern versehen, die an den Enden eine bis fünf rundliche Knospen
tragen. Jeder der in der Fig. 230 gezeichneten Ausläufer ist die Anlage
Eines ganzen Milchdrüsenlappens, doch erreichen dieselben bekanntlich
erst spät ihre volle Ausbildung, in welcher Beziehung ich auf die Unter-
suchungen von Langer und meines Sohnes (Würzb. Verh. 1879^ % erweise.
Der Gang der Entwicklung ist übrigens wie bei den Talgdrüsen, und lässt
sich namentlich bei Neugeborenen, bei denen die Milchdrüse in eine Pe-
riode lebhafter Entwicklung eintritt, leicht nachweisen, dass die Bildung
der Höhlungen in den Drüsenanlagen, die ebenso wie die Oeffnungen an
der Warze um diese Zeit auftreten, mit der Bildung fetthaltiger Zellen im
Innern derselben zusammenhängt. Diese Zellen sammt etwas Flüssig-
keit stellen die sogenannte »Milch der Neugeborenen« dar. Bekannter-
maassen tritt bei Neugeborenen beider Geschlechter eine Anschwellung
der Brustdrüsen ein, und kann man durch Comprimirung derselben ein
milchartiges Seki'et auspressen, welches nach der Analyse von Schloss-
BERGER so zicmlich mit der Milch übereinstimmt. Diese Erscheinung wäre
ganz räthselhaft, könnte man nicht nachweisen , dass dieselbe mit der
Entwicklung der Hohlräume in den Anlagen der Drüsenabtheilungen
zusammenhängt. Die eben erwähnte raschere Entwicklung der Milch-
drüsen nach der Geburt , die einen vermehrten Blutandrang im Gefolge
hat . erklärt dann auch die häufigen Fälle von Entzündungen des Or-
ganes bei Neugeborenen oder Kindern der ersten Wochen, die von colos-
salen Ectasien der Drüsenräume begleitet sind (Th. Kölliker) ,
Die Brustwarze entsteht erst nach der Geburt durch eine langsame
Erhebung der Gegend der ersten Drüsenanlage und ihrer Umgebung.
Ueber die Epidermi s selbst ist nun nachträglich noch zu bemerken, smegma embryo-
dass dieselbe während des Fötallebens offenbar mehrfache Desquama-
tionen darbietet, deren Auftreten in früheren Zeiten nicht genauer ver-
folgt ist, die aber vom fünften Monate an sehr energisch Statt haben.
Im sechsten Monate findet man die Embryonen über und über von einer
klebrigen , etwas Fett enthaltenden Masse , der sogenannten » Frucht-
schmiere«, Smegnia embryonum^ oder dem »Käsefirniss« , Vernix ca-
seosa . bedeckt , welche an bestimmten Localitäten , namentlich an den
Beugeseiteu der Gelenke (Achsel, Knie, Weichen) , der Sohle, dem Hand-
teller, dem Rücken, dem Ohre, dem Kopfe und den Genitalien in beson-
derer Menge angehäuft ist und mikroskopisch aus Epidermisschüppchen
und dem Sekrete der um diese Zeit in physiologische Action tretenden
Talgdrüsen besteht. Diese Masse, welche auch chemisch untersucht ist,
bleibt dann bis gegen das Ende der Geburt. Bei Neugeborenen findet
man eine sehr wechselnde Mense derselben vor und sind dieselben
304 Entwicklung des Muskelsystems.
nianchiiKil von dieseni Firnisse ganz überzogen, welcher auch den Gebär-
akt zu erleichtern im Stande ist. Die während des Embryonallcbens ab-
gelösten Theile des Smegma kommen natürlich in das Amnionwasser zu
liegen und können dann aus diesem in den Darmkanal und schliesslich
in das Meconium des Embryo übergehen.
V. Entwicklung des Muskelsystenis.
§ 41.
Die Entwicklung des Muskelsystems, lange Zeit vernachlässigt,
fängt in neuerer Zeit an, grössere Aufmerksamkeit auf sich zu lenken,
doch sind wir immer noch weit entfernt, eine volle Einsicht in die wich-
tigsten, auf dieselbe sich beziehenden Vorgänge zu besitzen.
Primitivorgaue Geht man auf die allererste Entwicklung der Muskeln ein, so er-
Systems. giebt sich die wichtige Thatsache, dass schon in früher Zeit bei den Em-
bryonen aller Wirbelthiere besondere Primitivorgane sich bilden , aus
denen ein grosser Theil des Muskelsystems hervorgeht. Es sind dies die
Mnskeipiatten. früher schon mehrfach besprochenen Muske 1 platten oder Rückentafeln
von Remak, welche bei Vögeln und Säugethieren aus dem dorsalen Theile
der Urwirbel sich hervorbilden. Diese Muskelplatten stellen bei den
Vögeln anfangs einfache Blätter dar, werden dann aber später, allem
Anscheine nach durch Wucherungen und Umbiegungen vom dorsalen
und ventralen Rande aus, doppelt (Fig. 231 am, im) und wandeln sich
dann in erster Linie mit ihrer tieferen Lage in longitudinal verlaufende
Muskelfasern um , welche ebenso wie die Wirbel viele Segmente dar-
stellen und in der auffälligsten Weise an die Muskelsegmente dernieder-
sten Wirbelthiere erinnern. Embryonen des Hühnchens und von Säugern
besitzen lange Zeit nur diese fischähnlicheu Muskeln , dann aber ent-
wickeln sich an der Aussenseite derselben , Schicht um Schicht, neue
Muskellagen, wie, hat noch Niemand verfolgt. Ich vermulhe, dass die
oberflächliche Lage«/« der Muskelplatte , die zur Zeit, w'o die ersten
segmentirten vertebralen Muskeln auftreten, noch aus mehr indilferen-
len Zellen besteht, durch Wucliorung dieser Elemente und morphologi-
sche Differenzirungen neue Muskeln erzeugt, bis die typischen Gestal-
tungen alle vorhanden sind, doch wird man, so lange als nicht genauere
Untersuchungen vorliegen, auch die Frage zu berücksichtigen haben, ob
nicht auch die innci-(> Muskelplatlc ;in diesen Vorgängen sich belhciligt.
Pi'imilivoriiane dos .Muskelsystems.
305
Mit Rücksicht auf" die Muskeln , die l)ei den höheren Wirbeithieren
aus den Muskelplalton hervorgehen, untorliogl es nicht dem geringsten
Zweifel, dass dieselben alle dorsalen vertebralen Muskeln, d. h. alle
Rückennuiskeln , mit Ausnahme der I£xtren)itätenmuskeln [CucuüariSj
Latissimus, Rhomhoideus^ Levator scapidae], aber vielleicht mit Inbegriff
gewisser visceralen Muskeln, wie der Levatores costartüu, liefern. Ferner
erzeugen die Muskolplatten aber auch, indem sie mit den Rippenan-
lagen und ventralen Aesten der Nerven in die seitliche und vordere
Leibeswand hineinwachsen (s. § 12 und Fig. 59), die viscerale Muskula-
tur von Hals, Brust und
Bauch und die ventralen ver-
tebralen 'Muskeln , wo sol-
che, wie am Schwänze vieler
Thiere, sich finden. Die hier-
her gehörigen Muskeln sind
1) alle oberflächlichen Hals-
muskeln mit Ausnahme des
Platysma , 2) alle visceralen
Muskeln der Brust [Scalen i,
Servati postici, Tntercostales, tm^
Trianguläres sterni^ Infraco- *
stales , Diaphragma) , 3) alle
Bauchmuskeln mit Inbegriff l ^^ -•^'•
des Quadratus lumbor'iim, 4)
bei Thieren mit unteren Bogen an der Schwanzwirbelsäule die ventralen
äusseren Schwanzmuskeln.
Wenn man erwägt; wie viele Muskeln nachweisbar aus den Mus-
kelplatten der Urw irbel hervorgehen , so liegt es nahe , die Frage aufzu-
werfen, ob nicht das gesammte Muskelsystem, mit einziger Ausnahme
vielleicht der Hautmuskeln und gewisser Eingeweidemuskeln , aus den-
selben oder ihnen gleichwerthigen Primitivorganen hervorgehe. In der
That haben auch Kleinenberg und Balfolr nachzuweisen versucht, dass
die Extremitätenmuskeln von den Muskelplatten der Urwirbel abstam-
men , und beschreiben ferner Götte bei Bombinator und Balfour bei
Elasmobranchiern auch am Kopfe urwirbelartige Segmente, aus denen,
wie Balfour bestimmt hervorhebt, die Kopfmuskeln hervorgehen sollen.
Meine Stellung zu dieser wichtigen Frage ist folgende :
Fig. 231. Frontaler Längssclniitt durch den Rücken eines Hühnerembryo vom
3. Tage, 78mal vergr. e Ectoderma ; am äussere Lage der Muskelplatte; im innere
längsfaserige Schicht derselben ; uw eigentlicher L'rw irbel; m Medullarrohr.
Kölliker, Grundriss. 20
306 Eiitwickluiiu dos Muskelsysleiiis.
Was die Exlrcmitätenrauskeln anlangt, so wachsen auf keinen Fall
die Muskelplatten als solche in die Extremitätenanlagen hinein und ist
die Annahme einer selbständigen Entstehung der Gliedermuskeln vor-
läufig wohl el)enso gerechtlertigt, wie die andere Annahme. In Be-
treff der Kopfmuskeln haben die Säugethicre bis jetzt nichts von Primi-
tivorganen erkennen lassen und ist es aus diesem Grunde auch kein
Leichtes, diese Muskeln auf diejenigen des übrigen Rumpfes zurückzu-
führen ; immerhin lassen sich , in Berücksichtigung der Körperregionen
und der Skelettlheile. an denen die betreuenden Muskeln entstehen, auch
am Kopfe viscerale Muskeln Kauumskeln, Zungenmuskeln, Zungenbein-
muskeln z. Th., innere Ohrmuskeln I unterscheiden, wogegen es vor-
läufig unentschieden bleiben muss. wohin die Schädeldach-, Gesichts-,
Ohr- und xVugenmuskeln zählen.
Auch am Rumpfe fehlen übrigens Muskeln nicht . die mit der em-
bryonalen Muskelplatte in keiner Verbindung stehen und auch sonst
keine Primitivorgane als Vorläufer besitzen. Als solche mache ich nam-
haft einmal die Hautmuskeln und zweitens die sogenannten vorderen
vertebralen Muskeln [Longus colli, Recti antici, ventrale Schwanzmuskeln
der Säuger z. Th.u die ich schon in der 1. Aufl. m. Entwickig. als eine
besondere Muskelgruppe bezeichnete. Zu diesen Muskeln kommen nun
noch andere, die an den Eingeweiden (Pharynx, Oesophagus, Rectum,
Larynx, Sexual- und Ilarnorcane und am Gefässsysteme (Herz, grosse
Venen sich finden, und ergiebt sich somit, auch wenn man von der glatten
Muskulatur al)sieht , dass die Fähigkeit zur Erzeugung von Muskeln im
mittleren Keimblatte weit verbreitet ist und, wenn auch vor Allem den
Urwirboln und Urwii'belplatten zukonunend. (loch auch den Hautplalten
und selbst der Darmfaserplalte nicht fehlt.
Natürlich.- Erwäüt man alle hier besprochenen Verhältnisse . so scheint vom
MaHkelgruppeu.
Standpunkte der Entwicklungsgeschichte folgende Emtheilung der Mus-
keln als die naturgemässeste sich zu ergeben.
I. Stammmuskeln oder Muskeln, die aus den Urwirbeln oder,
wie am Kojjfe. aus den Urwirbelplatten oder mit anderen Worten aus der
Stammzone des Embryo hervorgehen, und z. Th. Primitivorgane, die
embryonalen Muskelplatten, als Vorläufer haben. Dieselben zerfallen:.
1) in dorsale Stammmuskeln
a. des Rumpfes (dorsale verlebrale Muskeln. Levatoves co-
slarum [?":),
b. des Kopfes (fehlen),
2 in ventrale S la m m m u s k e I n
a. des Rumpfes olK-rdäcliliche ilalsnuiskeln, viscerale Thorax-
Natürlictit- .Miiskcli.'i'ii|)peii. 307
muskeln. BauchinuskeJn . Diaphragmn . äiissoi-c ventrale
Sehwanzmaskeln) .
b. des Kopfes 'Kauimiskeln , innere Ohrmuskeln, Zungen-
muskeln, Zungenbeinmuskeln z. Th.) .
Vielleicht zählen auch die vorderen vertebralen Muskeln in dieser
Abiheilung 2 zu a. Wo nicht, so wäre für diesell)en, die sicher aus der
Stammzone der Eml)ryonalanlage hervorgehen, eine l)esondere 3. Ab-
theilung zu l)ilden.
II. Pa rietal muskeln oder Muskeln, die aus der Farietalzone der
Embryonalanlage sich bilden Ich theile dieselben folgendermassen ein ;
A. Muskeln, die aus der Hau [platte entstehen.
Hierher gehören :
\] Die Extremitätengürtel- und Ex trem itä t en mus-
keln.
2) Die Hautmuskeln ;P/fl/i/s;/ia, Gesichtsmuskeln, ZT/-"'^'"'^"''"^)
äussere Ohrmuskeln, Augenmuskeln [?]).
3) Die Muskeln am Beckenausgange {Ischiocavernosus,
Transversi perinaei, Levator am).
B. Muskeln, die aus der Darmfase rplatte sich bilden.
Hierher zählen alle Muskeln an Eingeweiden und die des Gefäss-
systems.
Mit diesen allgemeinen Betrachtungen ist die Lehre von der Ent-
wicklung der Muskeln noch lange nicht erschöpft und hätte denselben
nun eigentlich noch eine specielle Entwicklungsgeschichte der Muskeln
sich anzureihen. Da jedoch diese Seite der Frage noch kaum in Angriff
genommen wurde, so beschränke ich mich darauf, einige besondere Ge-
sichtspunkte hervorzuheben , die bei weiteren Forschungen der Art l)e-
sondere Beachtung verdienen.
1) Manche Muskeln zeigen bei ihrer Weiterbildung Lage Verände-
rungen. Längst bekannt sind solche an den hinteren vertebralen Mus-
keln, die, so lange als die Wirbelbogen nicht vereint sind, weit von der
Mittellinie abstehen (Fig. 58) und beim Menschen dieselbe erst im
dritten und zum Theil selbst im vierten Monate erreichen. Ebenso lie-
gen auch die visceralen Brust- und Bauchmuskeln anfänglich ganz seit-
lich , wovon man an jungen Säugethierembryonen und auch ])eim Men-
schen leicht sich überzeugt. Aehnliche Verschiebungen müssen auch
beim Diaphragma vorkommen , wenn dassell)e , wie mit grosser Wahr-
scheinlichkeit angenommen w^erden darf, aus zwei Hälften sich l^ildet,
die sich entwickeln, bevor das Brustbein entstanden , oder mit anderen
Worten die Brust geschlossen ist.
20*
308 Entwicklung des Muskclsystems.
Auf inleressante Lageveränderungen an Muskeln , von denen so et-
was nicht zu erwarten war , hat in neuester Zeit Dr. G. Rüge aufmerk-
sam gemacht, nämlich an den Intci'ossei pedis [et manus)^ die anfänglich
alle an der Planlarseite der Metacarpusknochen liegen und erst bei einer
Fusslänge von 1,6 cm ihre bleibende Stellung annehmen.
2) Ein weiterer beachtenswerlher Punkt sind die Veränderungen
der Insertionen, welche manche Muskeln im Laufe der Entwicklung
erleiden. So habe ich am Mylohyoideus des Menschen und von Säugern
gefunden , dass derselbe zu einer gewissen Zeit an den MECKEL'schen
Knorj)el sich ansetzt, während er doch später überall am Unterkiefer
haftet , und Götte meldet, dass der Muscidus temporaUs von Bomhinator
während der Metamorphose seinen Ursprung von der Hinterwand der
Augenhöhle auf die Schädeldecke verschiebe. Aehnliche Veränderungen
müssen an Skeletttheilen, die sich umgestalten, noch viele vorkommen,
und werden daher vor Allem bei niederen Wirbelthieren zu treffen sein.
3) Endlich verdient auch das Schwinden von Muskeln und die
Neubildung von solchen Beachtung, auf die Schneider die Aufmerk-
samkeit gelenkt hat , und wird genau zu prüfen sein, ob wirklich bei
den Batrachiern gewisse Muskeln ganz vergehen und neue an ihre Stelle
treten, wie dieser Autor annimmt, oder ob die unzweifelhaft vorkpm-
menden Aenderungen nur auf einem Wechsel der Elementartheile be-
ruhen, wie Götte behauptet.
Beim Menschen werden die Muskeln im zweiten Monate um die
6. — 7. Woche deutlich , doch legen sich dieselben offenbar viel früher
an, wie Erfahrungen an Säugethieren lehren. So zeigen Kaninchen-
eml)ryonen von 9 — 1 0 Tagen und 4 — 5 mm Länge die segmentirten ver-
tebralen Längsmuskeln ganz deutlich, und bei solchen von 14 — 16 Tagen
sind viele Rumpfmuskeln und auch die Extremitätengürtelmuskeln an-
gelegt.
VL Entwicklung des Darmsystems.
A. Entwicklung des D a r m k a n a 1 e s.
§ i2.
Anfangsdarm, Zähne, Speicheldrüsen.
Kückbijckauf Die crsle Büdunii des Darmkanales ist schon in früheren 66 viel-
die erste Bildung ^ ^^
de« Darmes, fältig zur Besprechung gckomrrjcn und wird es genügen, an diesem Orte
die IL'iuptzUge zu wiederholen. Wir haben gesehen , wie im Bereiche
Entwicklung des Darmes im Allgemeinen. 309
der Embryonalanlage das innere Keimblatt (Entoderma) oder das Darm-
drüsenblalt unter HeliieiJigung einer Schicht des mittleren Keimblattes,
der Darmfaserplatlo, nach und nach beim Hühnchen vom Dottersacke,
beim Säugelhiere von der Keimblase sich abschnürt und anfangs zu
einer llalbrinne , bald aber zu einem vorn und hinten geschlossenen
Rohre sich gestaltet. Dass dieses Rohr oder die Anlage des Darmes end-
lich ganz vom Dottersacke sich ablöst und mit einer vorderen und hin-
teren Oeffnung sich versieht , ist ebenfalls schon beschrieben worden,
und können wir uns mithin gleich zur Betrachtung der weiteren Ent-
wicklung des Darmkanales wenden, indem wir den in den Figg. 125, 4
und 232 dargestellten Zustand als Ausgangspunkt nehmen. Vorher ist
jedoch noch die Gliederung des eml)ryonalen Darmkanales etwas einläss-
I icher zu besprechen, als es früher geschah.
Fasst man die allerersten Zustände des Darmkanales ins Auge , so ^embryonalen*
ergiebt sich als rationellste Einlheilung des Darmes die in einen mitt- i^armes.
leren Abschnitt, der aus dem Entoderma und dem Mesoderma sich her-
vorbildet, und in ein Anfangs- und ein Endstück, bei deren Entstehung
das Ectoderma oder äussere Keimblatt sich betheiligt. Von diesen drei
Theilen liefert das Anfangsstück die Mundhöhle bis zu den Arcus glosso-
palatini und das Endstück den äussersten Theil der sogenannten Kloake
oder des Raumes, in den anfänglich das Urogenital- und Darmsystem zu-
sammenmünden, während aus dem mittleren Abschnitte der ganze übrige
Tractus und auch wesentliche Theile des Urogenitalsystems hervorgehen. •
Zur Bezeichnung dieser drei Theile sind die Namen »Munddarm«, »Mit-
teldarm« oder Urdarm und »Afterdarm« brauchbar, nur muss der
Mitteklarm, der die grössten Umgestaltungen erleidet, auch noch in Unter-
abtheilungen gebracht werden, die sich als Vorderdarm, Mittel darm
im engeren Sinne und als Enddarm bezeichnen lassen. Der Ver-
de rdarm umfasst die Rachenhöhle und Speiseröhre, Darmstücke, die
lange Zeit hindurch einer hinteren Faserwand entbehren . kein Gekröse
besitzen und in keiner besonderen Höhlung gelegen sind, auch physio-
logisch eine mehr untergeordnete Rolle spielen. Die zum Mitteldarme
gehörenden Theile, Magen, Dünndarm, Dickdarm, liegen in einer beson-
deren Höhle, haben von Anfang an eine v^^enn auch nicht sofort voll-
kommene hintere Wand und sind physiologisch die bedeutungsvollsten.
Der Enddarm endlich entspricht dem Mastdarme mit Ausnahme seines
untersten Endes und erhält dadurch eine grosse Bedeutung , dass die
Allantois und das Urogenitalsystem in besonderen Beziehungen zu dem-
selben stehen. Bei der folgenden Betrachtung führen wir die einzelnen
Theile des Tractus einfach der Reihe nach von oben nach unten auf.
Die p r i m i t i v e M u n d h ö h 1 e , deren Bildung früher schon Mundhöhle.
aiu
Eiitwickluiii; des lUiniikaiiales.
besprochen wurde, ist anränglicli sehr kurz und weit (Fig. 233), er-
hält jedoch durch das Vortreten des ersten Kiemenbogens und des
Stirnlortsatz(?5 l)ald eine grössere Tiefe und erleidet dann auch, gleich-
zeitig mit der Entwicklung des Geruchsorganes und des Gaumens,
Fig. 232.
weitere Veränderungen, in Folge derer sie mit den Geruchsgrübchen
in Verbindung tritt und dann in einen oberen respiratorischen und
einen unteren digestiven Abschnitt sich sondert, wie dies oben beim
Gesichte § 2i und beim Geruchsorgane (§ 39) geschildert wurde.
Zunge. In der Mundhöhle entwickeln sich die Zunge, die Zähne, die
Speicheldrüsen nebst den kleinen drüsigen Organen, die man in
Fif,'. 232. Embryo eines Hundes von 2.") Tagen, 2mal vergrossert, von vorn und
gestreckt. Die vordere Rauciiwand ist theils entfernt, theils niciit dargestellt, so dass
die Bauciihöhle viel weiter offen steht, als sie in dieser Zeil sich findet und das Herz
blosszuliegen scheint, a Nasengruben ; h Augen ; c Unterkiefer (erster Kicmenl)ogen),
rf zweiter Kiemenbogen; e rechtes ,/" linkes Herzohr ; jr rechte, /t linke Kammer;
i Aorta; kk Leberlappen mit dem Lumen der Vena omphalo-mesenterica dazwischen;
l Magen; m Darm, durch einen kurzen engen Dottergang mit dem Dottersacke «ver-
bunden, hier schon mit einem Gekröse verschen, das aber nicht dargestellt ist, und
eine vortretende .Schleife bildend ; o WoLFP'scher Korper; p !> Allanlois; f/ vordere.
>• hintere Extremitäten. Nach Bi.schoff.
Zunse.
311
den Wänden der Schleimhaut findet. Was zuerst die Zunge anlangt, so
wuchert diesellje nach den Angaben von Reichert von den vereinten
Hlnden der Unterkieferfortsiitze des ersten j
Kiemenbogens hervor.
Beim Kaninchen entuickelt sich nach
meinen Erfahruncen die Zunge als ein ein-
facher unpaarer Körper an der Innenfläche
der drei ersten Kiemenbogen , so jedoch , dass
ihre Hauptmasse vom ersten Bogen stammt.
Selbstverständlich liest das Blastem , das die
Zunge liefert, an der Innenseite der knorpeli-
gen Theile der genannten Bogen, und geht die
Hauptmasse desselben in den Muskelkörper
der Zunge über.
Die beim Menschen im zweiten Monate ge-
bildete Zunge wird bald gross und breit Tig. 119. füllt nicht nur die
ganze primitive Mundhöhle vor der Bildung des Gaumens aus Fig. 234),
Fi2. 233.
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J,
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Fi2. 234.
Fig. 233. Kopf eines Kaninchenembno von 10 Tagen von.vorn und unten, lämal
vergr. v Vorderkopf mit dem Vorderhirn ; a .\uge; s Scheitelhöcker mit dem Mittel-
hirn; fc' erster Kiemenbogen ; o. m dessen Ober- und Unterkieferfortsatz : ?» Mund-
öffnung; /» H^"pophysistasche ; A"z'«eiter Kiemenbogen; b Bulbus aortae ; iYi.SLxa.vaQr .
at Atrium.
Fig. 234. Querschnitt durch den Kopf eines Kaninchenembryo von 13 Tagen,
23mal vergr. o Oberkieferfortsätze der ersten Kiemenbogen , resp. Gaumenplatten
312
Entwicklung dos Dannkanales.
Zähne.
^chmelzkeim
sondern tritt auch bald in etwas zur Mundöfl'nung hervor. Später mit der
Entwicklung des Gaumens zieht sich dieselbe zurück und zeigt dann
l>ald die l)leil)enden Verhältnisse. Die Papillen beginnen im 3. Monate
sich zu entwickein, und erscheinen zu-
erst die Conicae und Circumvallatae.
Die Entwicklung der 20 Milch-
zähne beginnt im 2. Monate des Fötal-
lebens mit der Bildung eines besonde-
ren epithelialen Organes, das ich den
»Schmelzkeim« nenne. Derselbe stellt
in jeder Kieferhälfte einen zusammen-
hängenden platten Fortsatz der tiefsten
Lagen des Mundhöhlenepithels dar, der
seine Flächen nach aussen und nach
innen wendet, und (Fig. 236) anfäng-
lich überall gleichmässig dünn ist und
nicht erkennen lässt , wo die einzelnen
Zahnsäckchen sich entwickeln. Später
])ilden sich in der tieferen Hälfte des-
selben einzelne Stellen , entsprechend
1 1- 235 tler Zahl der Zähne, eigenthümlich um
und gestalten sich zu den einzelnen
SchmeUorgane. Schui c 1 z 0 rganen (Fig. 237). Diese Unnvandlung beruhtauf Folgendem.
adumantinae. Erslcus uud vor Allem vordickt sich der Schmelzkcim an diesen Stellen
und wird erst kolben- und dann kappenförmig. Zweitens wandeln sich
die inneren Zellen der Schmelzorgananlagen in ein Gallertgew ehe mit
sternförmigen anastomosirenden Zellen und einer hellen weichen Zwi-
schensubstanz, die sogenannte Schmelzpulpe, um, und drittens lösen sich
die einzelnen Schmclzorgane von einander. Gleichzeitig mit den
derselben; :; Zunge; m Carlilacjo Meckelü ; sm Glandula submaxillaris ; mi Maxilla
inferior; A Zungenbein (knorpelig) ; s Septum narium ; cl Cartilago lateralis nasi ;
oj Organum Jacolsonii ; r Riechcpithcl ; co Cavitas oris , in deren \Vandunj;en vier
Zahnkeime sichlbar sind.
Fig. 23.;. Ein Stückchen des Gaumens eines Kalbsembryo mit dem rechten Zahn-
Nvailc. a Zahnwall, wesentlich aus einer Verdickung des Epithels bestehend; b tiefste
Lagen des Epithels; c Rest des Schmelzkeimes mit dem Schmelzorgane d, e, f ver-
bunden; d üu.ssere Epithelschicht des Schmelzorganes; d' Epithelialsprossen des-
selben; e gallertiges Epithel des Schmelzorganes; /^ inneres Epithel des Schmelz-
organes oder Schmelzmembran ; y Zahnkeim; h erste Andeutung der fesleren Binde-
gewel»slage des Zahnsackchens; i ausscrste Theile der Schleimhaut, die z.Th. in die
innere weielie Uindesewebsschichl des Zahnsackchens sich umwandeln; li einzelne
Knochenbalken der Maxilla superior. Vcrgr. 23.
Entwicklung der Zahnsäckchen.
313
Schmelzorganen treten auch die Zahnpapillen oder Zahnkeime
{Pupillae s. Pulpae dentium) als Wucherungen der angrenzenden Mucosa
auf, treiben die tiefe Wand der Schmelzorgane an die obere an und be-
wirken deren Umwandlung in die Form einer Kappe Fig. 235 , Es er-
scheint somit der Theil des Schmelzorganes, der die Papille überzieht,
Fig. 237.
oder die Schmelzniembran [Membrana adamantinae) Tig. 235 f) . die
aus schönen cyliudrischen Zellen besteht, recht eigentlich als das Epi-
thel der Zahnpapille. Uebrigens bildet sich nicht nur in der Gesend der
Zahnpapille, sondern auch im übrigen Umkreise des Schmelzorganes
eine innigere Verbindung desselben mit der Mucosa , indem das äussere
Epithel des Schmelzorganes d, besonders an den der Papille entgegen-
gesetzten Stellen , gegen die Mucosa Epithelialfortsälze treibt und zwi-
Fig.236. Senkrechter Schnitt durch den Gesichtstheil eines jungen Kalbsembryo
mit Gaumenspalte , mit Weglassung des Unterkiefers und der Zunge. Ger. Vergr.
a knorpelige Nasenscheidewand ; b Gaumenfortsätze des Oberkiefers mit der Gau-
menspalte ; c die jungen Schmelzkeime der Backzähne des Oberkiefers; d knorpelige
Decke der Nasenhöhle e; f JACOBsoN'sche Organe sanimt dem sie begrenzenden
Knorpel.
Fig. 237. Ein Stückchen des Gaumens eines Schafsembryo in der Gegend des
rechten Zahnwalles. lOOmal ver^r. a Epithel des Zahnwalles , dessen äus.serer Theil
nicht dargestellt ist; b tiefste cylindrische Zellen des Epithels; c Schmelzkeim, Forl-
.setzung der tiefsten Lagen des Epithels; d äussere längliche Zellen des in Bildung
begriffenen Schmelzorganes; e innere rundliche Zellen.
314
lüiUvickliiiiü lio!^ Darmkaivales.
sehen diesen Gefiisse führende zottenartige Auswüchse der umgebenden
Mucosa sieli entwickeln. Die ZahnpapiJlen gleichen in der Form den
späteren Zähnen und sind entweder einfach oder mit mehrfachen Höckern
und Wurzeln versehen. Im Inneren führen sie reichliche Gefässe und
Nerven und an ihrer Oberfläche eine Lage cylindrischer Zahnl)ildungs-
zellen {Odontoblaslen) ähnlich den Osteoblasten^ die in toto die Elfonbein-
hauf, Membrana eboris bilden.
z.-ihiisä.kiiieii. Ki^st nachdem Zahnkeimo und Schmelzorgane vollkommen angelegt
sind, zeigen sich tlie ersten Spuren der Zahnsäckchen dadurch, dass ein
Theil des umgebenden
Bindegewebes sich ver-
dichtet (Fig. 238) , und
bestehen die Säckchen,
wenn angelegt, aus zwei
Theilen , nämlich aus
einer dünnen festen
Wand und einem inne-
ren , mehr lockeren Ge-
webe, das in seiner
Dichtigkeit an die Gal-
lerte des Schmelzorganes
erinnert, jedoch den Bau
gewöhnlichen lockeren
embryonalen Bindege-
webes besitzt. Diese Lage
und die Zahnpapille, die
offenbar gleichwerthig
sind, sind auch die Trä-
ger der feineren Vcräste-
Fi^'. 2.S8. lungen der Gefässe der
Zahnsäckchen , deren
Endschiingen allorwärts im Umkreise des Schmelzorganes stehen, ohne
jedoch, wie leicht begreiflich, irgendwo in dasselbe hinein zu reichen.
Entwi.kiung der In eben geschilderter Weise ausgebildete Zahnsäckchen stehen
Säckchen ilt-r "-^ .
bleibenden immer uoch , wie die Fig. 235 darthut, durch ihre Schmelzorgane mit
Zähne. ' " '
dem Mundhöhlenepilhcl in Verbindung , indem die Reste der Schmelz-
Ki{^. 238. QucrscIiniU durcli den ünkMkicfer und ein .Milclizalinsiickclion des
Embryo einer Katze, nach einem Präparate von Stieda. Vergr. 4 0. e Epithelialwulst
des Kicfernindes; ss secundürer Sclimelzkeim mit so dem sccundürcn Sclimelzorgane
des bleibenden Zaiines als Wiirdiornng von x dorn primären Scliinolzkeime; miMaxilUi
inferior ; m Cartilar/o MpiUrUi.
liiUluiii: der Milchzähne. 315
keime durchaus nicht solorl vergehen , nachdem sie die Schmelzorgane
erzeugt haben. Vielmehr kommt denselben, oder den »Hälsen der
Schmelzorgane« die wichtige Bedeutung zu, die Anlagen auch für die
Schmelzorsane der bleibenden Ziihne zu erzeugen, indem sie regelrecht
neben den Zahnsäckchen besondere Fortsätze treiben, die ich die secun-
dären Schmelzkeime nenne (Fig. 238]. Dieselben finden sich immer
in der Höhe der betreiTenden Schmelzorgane und an der medialen Seite
derselben , gehen nahe an (}^qx Verbindung des Restes der Schmelzkeime
mit diesen ab und haben genau den Bau der tieferen Theile des ur-
sprünglichen Schmelzkeimes. Die Umwandlung dieser Bildungen und
der umgebenden Theile derMueosa in die bleibenden Zahnsäckchen geht
genau ebenso vor sich, wie bei den Schmelzkeimen der Milclizäline . mit
dem Unterschiede jedoch, dass die secundären Schmelzkeime unterein-
ander nicht zusammenhängen und jeder Keim nur mit seinem Säckchen
in Verbindung steht 'Fig. 238\ und will ich nur noch bemerken, dass
die ausgebildeten Säckchen der bleibenden Zähne genau denselben Bau
l)esitzen. wie die der Milchzähne.
Wie die Säckchen der 3 letzten Backzähne sich entwickeln, ist noch
nicht untersucht, doch ist es wahrscheinlich, dass dieselben ganz selb-
ständig, wie diejenigen der Milchzähne, aus dem hintersten Theile der
primitiven Schmelzkeime sich bilden.
Die Bilduns der 20 Milchzähne besinnt im fünften Fötalmonate, midungder
und im siebenten Monate sind dieselben alle in Ossification begriiien. Die
Verknöcherung beginnt an der Spitze der Zahnpulpa mit der Bildung
von kleinen Scherbchen von Zahnbein . die bei den Backzähnen anfäng-
lich , entsprechend den Hügeln des Keimes , mehrfach sind , jedoch bald
mit einander verschmelzen. Gleich nach dem Auftreten eines Zahn-
beinscherbchens entsteht auch von dem Schmelzorgane aus eine dünne
Lage von Schmelz, die mit dem Zahnbeine verschmilzt und so die erste
Anlage der Zahnkrone bildet. Weiter dehnt sich das Zahnbeinscherb-
chen über die Pulpa aus und wird dicker, so dass es bald wie eine Mütze
auf dem Keime sitzt Fig. 239) und schliesslich ähnlich einer Kapsel den-
selben, der, je mehr die Ossification zunimmt, um so mehr sich verklei-
nert, ganz und eng umfasst: zugleich folgt auch die Schmelzablagerung
nach, so dass dieselbe bald von der Gesammtoberfläche der Schmelzhaut
ausgeht, und wird immer mächtiger. So bildet sich schliesslich der
ganze Schmelz um die Elfenbeinlage der Krone , während das Schmelz-
organ und die Zahnpulpa immer mehr an Masse abnehmen, bis jenes nur
noch ein dünnes Häutchen ist und letztere den Verhältnissen, die sie im
fertigen Zahne zeigt, sich nähert. Vom Cemente und der Zahnwurzel
ist aber noch immer nichts da ; dieselben entstehen erst, wenn die Krone
31G
Enlwickluni; des Darnikaoalos.
ziemlicli ferlit: ist und der Zalin zum Durchbruche sich anschickt. Um
diese Zeil wächst der Zahnkoini stark in die Länge, während das
Schmelzorgan verkümmert . und lagert sich auf seinen neu hervorspros-
A '{j[ ,.
noch eine
Fig. 239.
senden Theilen nur Elfenbein ab , nämlich das
der Wurzel. Der so in die Höhe getriebene
Zahn beginnt gegen die ol)ere Wand des Zahn-
säckchens und das mit demselben verwachsene
feste Zahnfleisch zu drängen, bricht allmälig
durch dieselben, in denen auch selliständig ein
Schwinden eintritt, hindurch und konunt
schliesslich zu Tage. Nun zieht sich das Zahn-
fleisch um ihn zusammen, während der nicht
durchbrochene Theil des Zahnsäckchens eng an
die Wurzel sich anlegt und zum Periosle der
Alveole wird. Seine Vollendung erhält der
Milchzahn , der nach dem Durchbruche immer
weife Höhle mit grosser Mündung am Wurzelende besitzt,
\'\%. 239. A Zahnsäckchen des zweiten Sciineidezahnes eines aciilnionatliclien
menschliciien Embryo, im Sa^iKalsciinilte, 7inal vergr. o Zalmslickciicn ; /> Sclinielz-
pulpe ; c Schmclzmembran ; d Schmelz; eZalinbein; /" Elfenbeinzcllen ; gr Grenze
des Zahnl)einsclierbchens; h Zahnpapille, i Rand des Schmelzorganes. ß Erster
Schneidezalin desselben Embryo im Fronlalscbnitte. Buchstaben wie vorhin.
<:/ Zatinsclierl)ction in lolo ; k Nerv und Gcfasse der I'apillc. C Querschnitt durch ein
Zahnsückclien iiiil allfn seinen Tlwilcn. iUictislaljcn wie vf)rhiii.
Rildunu der Milclizäline.
317
dadurch, dass Ij noch der Rest der Wurzel angesetzt wird, wodurch
bald die Krone in normaler Länge hervortritt, 2) die Zahnhöhle und
der Zahnkanal durch fortgesetzte Ablagerungen aus der Zahnpulpa immer
mehr sich verengert und der Zahnkeim entsprechend sich verkleinert,
und 3) aus einer vom Zahnsäckchen , das nun mit dem Perioste der Al-
veole verschmilzt , ge-
schehenden Ablagerung,
die schon vor dem Durch-
bruche beginnt , das Ce-
ment um die Wurzel sich
anlegt. An Zahnen mit
mehreren Wurzeln wird
der anfangs einfache Keim
bei seiner Verlängerung
da, wo er festsitzt, ge-
spalten , und entwickelt
dann um jede Abtheilung
herum eine Wurzel. —
Der Durchbruch der Milch-
zähne geschieht in folgen-
der Reihe. Innere Schnei-
dezähne des Unterkiefers
im 6. — 8. Monate, innere
Schneidezähne des Ober-
kiefers einige W^ochen
später, äussere Schneide-
zähne im 7. — 9. Monate,
die des Unterkiefers zu-
erst, vordere Backzähne im 121. — 14. Monate, die des Unterkiefers zu-
erst, Hundszähne im 15. — 20. Monate, zweite Backzähne zwischen dem
20. und 30. Monate.
Die bleibenden Zähne entwickeln sich eenau in derselben W'eise Bildung der
'-' bleibenden
Durchbruch der
Milchzähne.
Fi2. 240.
Fig. 240. Senkrechter Schnitt durch einen Theil des Kiefers und einen Milch-
schneidezahn sammt dem Ersatzzahne einer jungen Katze. Nach einem Präparate
von Thiersch. Vergr. 14. Die Zeichnung von Dr. C. Genth. a Epithel des Zahn-
fleisches; 6 Bindegewebslage des Zahnfleisches übergehend in c das Periost der Al-
veole; d knöcherne Alveolen beider Zähne; e Pulpa des Milchzahnes; /"Pulpa des
Ersatzzahnes, beide mit zahlreichen Gefässen und den Elfenbeinzellen an der Ober-
fläche, die nur als gestreifter Saum sichtbar sind ; g Schmelzorgan des Ersatzzahnes,
eine kleine Kappe von Schmelz und Elfenbein bedeckend , zwischen welchen Lagen
eine zufällige Lücke sich findet; /i Bindesubslanz um den Ersatzzahn, kein scharf
begrenztes Säck^^hen darstellend.
Zähne.
31 S Entwicklung des Darmkanales.
wie die Milchzähne. Ihre Ossification beginnt etwas vor der Geburt in
den ersten grossen Backzähnen, schreitet im ersten, zweiten und dritten
Jahre auf die Schneidezähne, Eckzähne und kleinen Backzähne fort, so
dass im sechsten und siebenten Jahre zu gleicher Zeit 48 Zähne in beiden
Kiefern enthalten sind , nämlich 20 Milchzähne und alle bleibenden, mit
Ausnahme der Weisheitszähne. Beim Zahnwechsel werden die knö-
chernen Scheidewände, welche die Alveolen der bleibenden von denen
der Milchzähne trennen , aufgesaugt , wie dies die Fig. 240 im ersten
Entstehen zeigt, und zugleich schwinden die Wurzeln der letzteren von
unten her, in Folge eines Resorptionsvorganges, der nach meinen Unter-
suchungen genau so sich gestaltet, wie bei der typischen Knochen-
resorption und unter Bildung von Howsnip'schen Grübchen und Osto-
klasten sich macht, worüber das Nähere in meiner Arbeit über die
Resorption des Knochengewebes (Leipzig 1873) nachgesehen w-erden
kann. So kommen die bleibenden Zähne , deren Wurzeln mittlerweile
sich verlängern, gerade unter die lose gewordenen Kronen der Milch-
zähne, die endlich; wenn letzlere noch mehr hervortreten, ausfallen und
ihnen den Platz einräumen. Das Hervorbrechen der bleibenden Zähne
geschieht in folgender Ordnung : erster grosser Backzahn im 7. Jahre^
innerer Schneidezahn im 8. Jahre, seitlicher Schneidezahn im 9. Jahre,
erster kleiner Backzahn im 10. Jahre, zweiter kleiner Backzahn im 11.
Jahre, Eckzahn im 12. Jahre, zweiter grosser Backzahn im 13. Jahre,
dritter Backzahn zwischen dem 17. bis 19. Jahre.
Das Zahnfleisch des Fötus und besonders des Neugeborenen ist vor
den) Durchbruche der Milchzähne weisslich und sehr fest, fast von der
Dichtigkeit eines Knorpels und Ijesteht aus den gewöhnlichen Schleim-
hautelementen , jedoch mit einer bedeutenden Beimengung eines mehr
sehnigen Gewebes, in dem grössere und kleinere Nester von theilweise
verhorntem Epithel sich finden , die nichts als Reste der embryonalen
Schmelzkeime sind,
speicheidrfisen. Die Speicheldrüsen entwickeln sich nach dem Typus der schon
früher besprochenen Thränendrüsen und Milchdrüsen und sind anfangs
nichts als cylindrische, am Ende leicht verbreiterte, solide Sprossen der
tieferen Epitheliaischichten der Mundhöhle, welche von einer Meso-
dermaschicht. einer Fortsetzung der Mucosa , umgeben sind. Von den
einzelnen Speicheldrüsen erscheint die Suhma.ril/aris zuerst , dann die
Suhlhif/ualis und in dritter Linie die Parotis^ und zwar treten alle drei,
verglichen mit den Hautdrüsen, in sehr frUhei' Zeit, d. h. in der zweiten
Hälfte des zweiten .Monates auf und schi'eilen in ihrer Entwicklung auch
ziemlich rasch voran, so dass sie im drillen Monate, die Grösse abge-
rechnet, schon ziemlich ausgebildet sind.
Tonsillen, SchUiiulkdpt. 319
Die Schleimdrüsen der Lippen, der Zuni^e, des Gaumens u. s. w. .JtfSh.'^iT.
werden in einer viel späteren Zeit angelegt als die Speicheldrüsen und
zwar erst im vierten Monate; abgesehen hiervon slimmon dieselben aber
vollkommen mit den grösseren Drüsen der Alundiioliie überein.
Die Tonsillen treten im vierten Monate auf in Gestalt einer ein- Tonsillen.
fachen Spalte oder spaltenförmigen Ausl)uchtung der Schleimhaut jeder
Seite, die in Einer Linie mit der Ausmündung der Eustachischen Trompete
oder eher noch etwas weiter dorsalwärts über derselben) liegt als diese.
Im fünften Monate ist jede Tonsille ein plattes Säckchen mit spalten-
förmiger Oeflnung und einigen kleinen Nebenhöhlen, dessen mediale
Wand fast wie eine Klappe erscheint. Die laterale Wand und der
Grund des Säckchens sind schon bedeutend verdickt, und zeigt die mi-
kroskopische Untersuchung , dass hier im Bindegewebe der Schleimhaut
eine reichliche Ablagerung von zelligen Elementen stattgefunden hat,
welche jedoch um diese Zeit noch als eine ganz continuirliche erscheint
und nicht in besonderen Follikeln enthalten ist. Auch im sechsten Mo-
nate sieht man von Follikeln noch nichts Bestimmtes, dagegen sind die-
selben bei Neugeborenen und ausgetragenen Früchten in der Regel sehr
deutlich.
Als Schlund kann der Theil des embryonalen Mitteldarmes bezeichnet SchUmd.
werden, der an seinen Seiten die vier Schlundspalten und Kiemenbogen
und in seiner Vorderwand das Herz trägt , w^elcher Theil des Darmes,
wie die Längsschnitte Figg. 40 und 107 lehren, beim Hühnchen und
beim Säugethiere anfänglich fast ganz am Kopfe liegt. Querschnitte
dieses Darmstückes zeigen, dass der Schlund sehr breit und in der Rich-
tung von vorn nach hinten abgeplattet ist, sowie dass das denselben
auskleidende Entoderma am vorderen Ende (Fig. 107 und an der ven-
tralen Wand dicker ist. Eine besondere Erscheinung ist auch die, dass
der Schlund anfänglich mit Ausnahme der Stellen, wo er an die Hals-
höhle oder Parietalhöhle des Halses angrenzt fs. Figg. 38, 39, 105, 106)
und einen Beleg von der Darmfaserplatte erhält, keine besondere Um-
hüllung vom mittleren Keimblatte besitzt, sondern mit seinem Entoderma
einfach der Chorda, den Urwirbelplatten des Kopfes, den Kiemenbogen
und z. Th. auch unmittelbar den Aortenbogen anliegt (Figg. 31, 200j.
Durch Abspaltung einer Lage Mesoderma hinter den seitlichen Theilen
des Schlundes und durch ein Hervorwachsen derselben gegen die Mittel-
linie nach Art der Mittelplatten erhält dieses Darmstück später seine
hintere Wand.
Das Endstück des von mir sogenannten Anfangsdarmes oder die Speiseröhre.
Speiseröhre ist, wie der Schlund, von Anfang an ein äusserst kurzer
Abschnitt und bleibt länger in diesem Stadium als der Schlund. Erst mit
320
Entwicklung des Darmkanales.
der Slreckiiiii: des EtnJM'vo und der Ausbildung der bleibenden Brusl-
wand entwickelt sich auch dieser Theil mehr und nimmt Verhältnisse
an , die von den ])leil)enden nicht mehr wesentlich sich unterscheiden.
Auch dieses Darmstück hat ursprünglich keine besondere Wand an der
hinteren Seite und gewinnt dieselbe erst später in der vorhin angegebe-
nen Weise.
§43.
Mitteldarm und Enddarm.
Mitteidarin. Der eigentliche Mitteldarm ist derjenige Theil des Urdarmes, der
am längsten im Zustande einer Halbrinne verweilt und am spätesten
vom Dottersacke sich abschnürt, doch gehen
auch diese Vorgänge beim Menschen sehr schnell
vor sich und muss man bis zum Anfange der
dritten Woche zurückgehen, um den Darm noch
in diesem Stadium zu finden, von welchem bis
jetzt keine andere als die berühmte Zeichnung
von CosTE vorliegt (Fig. 241). Nurw'enig ältere
Embryonen, wie diejenigen der Figg. IIS und
116, zeigen den Darm bis auf die Stelle , mit
welcher der Dottergang sich verbindet, bereits
geschlossen. Von einem Hundeembryo zeigt
die Fig. 232 den Darm bis auf die Gegend des
Dünndarmes geschlossen , hier jedoch noch in
weiter Verbindung mit dem Dottersack.
An Querschnitten ist die allmälige Ausbil-
dung des Darmrohres beim Hühnchen und bei
Säugern leicht zu verfolgen und verweise ich
zunächst auf die Fig. 43 , die ein frühes Sta-
dium des rinnenförmigen Darmes zeigt, der in
der Mitte vor der Chorda und vor den Aorten
noch einzig und allein aus dem Entoderma besteht und nur ganz seitlich
bei (Jf(i\e erste Andeutung der gegen die Mittellinie vorwachsenden Mit-
Fig. 241. Mcnschliclier Embryo von 15 — 18 Tagen nach Costi: von vorn vcr-
grüsscrt, mit geöfTnetem und grüsstenlheils enlferntem Dottersacke, c Allantois, hier
.schon Nabelstrang; u Urachus oder Stiel desselben; i Ilinterdarm; i; Amnion; o Dot-
tersack oder Nabelblase ; g primitive Aorten, unter den Lrwirbeln gelegen ; die weisse
Linie ist die Trennungslinie zwischen beiden Gefassen; x Ausmündung des Vorder-
darmes in den Dottersack; h Stelle, wo die Vena umbilicalis und die ]'enae omphalo-
inesenlericae n zusammentrefTen , um ins Herz einzumünden; p Pericardialhühlc;
'Herz; /y Aorta ; < Slirnfortsalz.
Fig. 241,
Gekröse.
321
telplatten oder Gekrösplatten erkennen lässl. In Fig. 242 sind diese Mit-
telplatten und die angrenzenden Theile der Darnifaserplatten schon weit
zwischen den Aorten , die mittlerweile auch einander entgegengerückt
sind, und der tiefer gewordenen Dannrinne vorgetreten und in Fig. 243
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Fig. 242.
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Fig. 243.
Fig. 242. Querschnitt durch einen vorderen ürwirbel eines Hühnerembryo vom
Anfange des dritten Tages, m Meduliarrohr; )i Hornblatt; MU'p Urwirbelplatte;
ftp Hauplplatte; pp Bauchhöhle ; d/" Darmfaserplatte; c/t Chorda; £« « Entoderma ;
a Aorta descendens ; g Geiässe in der Area pellucida ; MtüUrwirbel; u-gr WoLFp'scher
Gang; dr Darmrinne ; mp Mittelplatte; asp Spalte, die mit der Bildung des Amnion
zusammenhängt.
Fig 243. Querschnitt durch den mittleren Theil eines Hühnerembryo vom drit-
ten Tage mit offenem Amnion. Vergr. 40 mal. a/" Amnionfalte ; sA" Seitenkappe;
mp Muskelplatte; dr Darmrinne; vc Vena cardinalis ; tog WoLFp'scher Gang; wk
WoLFFSche Drüse; p Peritonealhöhle, h Hornblatt; dd Darmdrüsenblatt; dfp
Darmfaserplatte; uivh Rest der Lrwirbelhöhle.
Kölliker, Grundriss. äl
322 Kulwickluiiu des Uanukanales. •
sieht man die Miltelplalten bereits hinter der Darmrinne mit einander
in der Darmnaht von Wolff, J)esser Gekrösnaht geheissen, /Aisammenge-
stosseu, welche endlich an gewissen Stellen auch noch in eine besondere
Platte , das Gekröse, sieh auszieht. Mit Bezug auf den Verschluss des
Darmes ist übrigens noch zu l)emerken, dass derselbe an seiner ventralen
Seite nicht durch eine Naht verwächst , sondern genau in derselben
Weise, concentrisch vorschreitend, sich verengert und endlich abschnürt,
wie das Amnion der Säuger und die Bauchwand.
Der eben gebildete Mitteldarm ist anfänglich ganz gerade und bietet
auch überall denselben Durchmesser dar, mit der einzigen Ausnahme
des Magens, der schon vor der gänzlichen Abschnürung als kleine Er-
weiterung sich darstellt (Fig. 232). Während nun der Magen w'eiter
sich ausbildet, zieht sich zugleich der darauffolgende Theil , der die An-
Magen, läge des Dünndarmes und Dickdarmes darstellt, schleifen förmig aus. Der
Magen ist anfänglieh nichts als ein einfacher, spindelförmiger, in der
Mittellinie des Körpers gelegener gerader Schlauch , der durch ein von
Misogastiiuin. seiner hinteren Fläche ausgehendes kurzes Gekröse , das 3Iesogasln'iiiii
von J. Müller, befestigt ist; bald aber dreht sich der Magen so, dass
seine linke Fläche nach vorn und seine rechte Seile mehr nach hinten
zu liegen kommt, nimmt zugleich eine etwas schiefe Stellung an und ])e-
ginnt an seinem ursprünglich nach hinten gelegenem Rande die erste
Andeutung des Blindsacks hervorzutreiben. Die Figg. 244 und 250
zeigen den Magen junger menschlicher Embryonen beiläufig aus diesem
Stadium. Die grosse Curvalur, die dieselben schon deutlich erkennen
lassen, ist der Theil des Organes, welcher ursprünglich nach hinten gegen
die Wirbelsäule gerichtet war und von welchem das Mesogastrium aus-
ging. Dieses 3Iagengekröse , obschon in den Figuren nicht dargestellt,
ist noch vorhanden , erscheint a])er jetzt nicht mehr als eine senkrechte,
hinter dem Magen gelegene Platte mit einer rechten und linken Fläche,
vielmehr ist dasselbe in Folge der Axendrehung des Magens wie nach
unten und links ausgezogen, sodass es seine Flächen nun vorzüglich
nach vorn und hinten wendet und mit dem Magen zusanuiien einen spal-
tenförmigen Raum begrenzt , der durch eine in der Gegend der kleinen
Curvatur gelegene Spalte in die Bauchhöhle sich öffnet. Diese kleine
(Kurvatur, die in der Fig. 250 in einer primitiven Form auch schon sich
erkennen lässt, ist nichts als der anfängliche vordere Rand des Magens,
der mit der Drehung desselben nach oben und rechts zu Hegen konunt.
Dieselbe ist übrigens nicht frei, wie die Abbildung glauben machen
könnte, vielmehr geht von derselben aus eine kurze Platte zu der in der
Entwicklung schon sehr vorgeschrittenen, aber nicht dargestellten Lel)er
und unter dieser Platte erst, die die Anlage des kk^nen Netzes ist, l)e-
Milteldarni.
323
liiulel sich der Eingang in den voriiin genannten Raum hinter dem Ma-
gen, der nichts anderes als der Netzbeutel , Bursa omentalis ist. Das
Mesofjastrium ist nämlich allerdings nichts als das grosse Netz . und ist
diese seine Bedeutung in einer nur wenig
späteren Zeit , in der es durch fortgesetz-
tes Wachsthum eine über die grosse Cur-
vatur nach unten hervorragende kleine
Falte liiklet , nicht zu verkennen. Es ist
übrigens für einmal nicht möglich . das
grosse Netz weiter zu verfolgen, und haben
wir vorerst noch die ersten Entwicklungs-
zustände des übrigen Mitteldarms ins
Auge zu fassen.
Ein erstes auf den Magen folgendes
kleines Stück des Darms entwickelt nie
ein vollständigeres Gekröse und behält da- /-
her seine ursprüngliche Lage vor der Wir-
belsäule mit der Aenderung jedoch , dass
dieser Al)schnitt oder di\s Duodenum im Zu-
sammenhange mit der Schiefrichtung des
Magens ebenfalls eine mehr quere Stellung
einnimmt, dann auf eine kurze Strecke ab-
wärts läuft und endlich mit einer recht-
winklisen Knickung in den übrigen Mittel-
darm ül^ergeht Fig. 244 1 . Der übrige grös-
sere Abschnitt des Mitteldarms oder der
Darm im engeren Sinne bildet, wie schon
angegeben, sehr früh eine Schleife mit nach
vorn gerichteter Convexität und entwickelt Fig. 244.
an seinem hinteren Rande ein Gekröse.
/
\
Dnodthiiiii.
Eigentlicher
Mitteldarm.
Fig. :244. Menschlicher Embryo von 33 Tagen von]vorn nach Coste. 3 linker
äusserer Nasenfortsatz: 4 Oberkieferfortsatz des ersten^Kiemenbogens; 5 primitiver
Unterkiefer; 2 Zunge: h Bulbus aortae ; b' erster bleibender .\ortenbogen , der zur
Aorta ascendens wird: b" zweiter Aortenbogen, der d.en Arcus aortae giebt; b'" dritter
.Aortenbogen oder Ductus BotalU; y die beiden Fäden rechts und links von diesem
Buchstaben sind die eben sich entwickelnden Lungenarterien; c' gemeinsamer Venen-
sinus des Herzens; c Stamm der Cava superior und Azygos dextra ; c" Stamm der
Cava sup. und Azygos sinistra ; 0' linkes Herzohr; v rechte, i-' linke Kammer; ae Lun-
gen ; e Magen ; j Vena omphalo-mesenterica sinistra ; s Fortsetzung derselben hinter
dem Pylorus , die später Stamm der Pfortader wird; x Dottergang; a Art. omphalo-
mesenterica dextra: m WoLFFScher Korper ; ( Enddarm; n Arteria umbilicalis; u Vena
umbilicalis; 8 Schwanz ; 9' hintere Extremität. Die Leber ist entfernt.
<H
324 Entwicklung des Darmkanaics.
Ist diese Schleife , von deren Höhe der Dottergang ausgeht , nur einiger-
massen entwickelt, so tritt dieseli)e mit ihrem Scheitel in den Nal)el-
Strang ein, während zugleich die l)eiden Schenkel derselben, die wir als
vorderen und hinteren bezeichnen wollen , nahe aneinander sich legen.
Dieser Zustand , den die Fig. 244 versinnlicht , in welcher die Darm-
schleife aus dem Nabelstrange herausgezogen und auf die rechte Seite
gelegt ist, tritt beim Menschen im Anfange des zweiten Monates ein, und
bleibt dieser normale Nabelbruch , wie man denselben nennen könnte,
bis in den Anfang des dritten Monates bestehen, in welchem erst mit der
Verengerung des Nabels und der vollkonnnenen Verschliessung des Bau-
ches der Darm wieder in die Unterleibshöhle zurücktritt. So lange der
Darm mit der erwähnten Schleife im Nabelstrange Hegt, zeigt dieser
übrigens zur Aufnahme dersell)en eine besondere kleine Höhle , welche
vor den Nabelgefässen ihre Lage hat und mit der Bauchhöhle zusammen-
hängt, welcher letztere Umstand nicht befremden kann, wenn man be-
denkt, dass die Scheide des Nabelstranges die Fortsetzung der Bauchhaut
des Embryo ist.
SchSd" Während die besagte Schleife des Mitteldarms theilweise im Na-
Mitteidarms. j^elslrauge liegt, bleibt sie nicht lange in ihren ursprünglichen ein-
fachen Verhältnissen bestehen , vielmehr erleidet dieselbe bald einige
wesentliche Veränderungen , die für die Auffassung der späteren Zu-
stände von grosser Wichtigkeit sind. Das erste ist das Auftreten einer
kleinen Anschwellung an dem hinteren Schenkel der Schleife in geringer
Entfernung von dem Scheitel derselben, die bald einen kleinen stumpfen
Anhang treibt, der in der Fig. 244 dargestellt, jedoch nicht weiter bezeich-
net ist. Dieser Anhang ist die Anlage des Coecum mit dem Processus vermi-
cularis, und ergiebt sich mit dem Erscheinen desselben deutlich und klar,
dass auch vom hintei-en Schenkel der Schleife noch ein Theil zur Bildung
des Dünndarms verwendet wird, so wie dass der Dottergang oder der
Ductus omphalo-mesentericus, der, so lange er erhalten ist, vom Scheitel
der Schleife abgeht, mit dem Theile des Dünndarms verbunden ist, der
später als Ileum erscheint. Kurze Zeit nachdem diese Trennung von
Dünndarm und Dickdarm deutlich geworden ist, was in der sechsten
Woche geschieht, beginnt eine Drehung der beiden Schenkel der Darm-
schleife um einander, so dass der hintere Schenkel erst nach links und
dann über den anderen und nach rechts zu liegen kommt , von welchen
Verhältnissen die halbschcmatischc Fig. 245 eine Anschauung giebt. Zu-
gleich mit dieser Drehung treten auch in der siebenten Woche die ersten
Windungen am Dünndarme auf, welche, am Ende desselben und auf der
Höhe der Srhleife beginnend, bald soweit zunehmen, dass schon in der
achten Woche ein kifinor, rundlicher Knäuel von fünf bis sechs \Vin-
Drehung des Darmkanals.
325
Fis. 24;
düngen im Nabelslrange drin liegt. Im dritten Monate bilden sich nun
die besprochene Drehung und die Windungen noch mehr aus, während
zugleich der Dickdarm sich verlängert und der Darm wieder in die Un-
lerleibshöhie eintritt, und stellt sich dann bald ein Verhältniss her, wie
es das Schema Fig. 245 und die naturgetreue Abbildung Fig. 246 wie-
dergiebt. Der Dickdarm bildet nun eine
grosse Schleife, die bis an den Magen
reicht und dort vom grossen Netz [om]
l)edeckt ist. An derselben unterscheidet
man ein gut ausgeprägtes Colon descen-
dens. ein kürzeres Colon transversuni. das
kaum über die Mittellinie reicht, und ein
kleines, wie das spätere Colon asccndcns
gelagertes Stück, dessen Coecum (c fast genau in der Älilteliinie steht.
Das Mesocolon, das überall gut entwickelt ist, hat sich in Folge der
Drehung der ursprünglichen Darmschleife über den Anfang des Dünn-
darms gelegt, mit dem es dann später verwächst, und was den Dünn-
darm anlangt, so liegt derselbe nun mit schon zahlreicheren Windungen
theils in der Concavität des Dickdarmbogens, theils
nach rechts vom Colo7i ascendens.
Sind einmal diese Verhältnisse begriffen , so
bietet das Weitere keine Schwierigkeiten mehr.
Durch fortgesetztes Längenwachsthum rückt der
Dickdarm immer mehr an seine spätere Stelle,
doch dauert es lange, bis das Colon ascendens voll-
konmien ausgebildet ist. Will man die Verhält-
nisse ganz genau bezeichnen, so hat man zu sagen,
dass im vierten und fünften Monate das Colon as-
cendens noch ganz fehlt , indem um diese Zeit das
Coecum im rechten Hypochondn'um unter der Leber
seine Lage hat und unmittelbar in den Quergrimmdarm übergeht. Es
wird nämlich das scheinbare Colon ascendens des dritten Monates später
zur Vervollständigung des Colon transversuni benutzt, und rückt das Colon
erst in der zweiten Hälfte des Embryonallebens gegen die Fossa iliaca
dextra herab. Die weitere Entwicklung des Colon anlangend , so ist zu
Fi2. 246.
Fig. 245. Drei halbschematische Abbildungen zur Darstellung der Drehung des
Dickdarms um den Dünndarm, z' Magen; d Duodenum : f Dünndarm; c Dickdarm.
Fig. 246. Ein Theil der Baucheingeweide eines dreimonatlichen weiblichen
menschlichen Embryo , vergr. «Nebenniere: o kleines Netz; /-'Niere; /Milz; om
grosses Netz ; c Coecum ; ?• Lig. uteri rotundum. Ausserdem sieht man Blase, Urachus,
Ovarium. Tuba. Uterusanlage, Magen, Duodenum. Colon.
326 Entwicklung des Darmkanales.
bemerken, dass die Haustva und Ligamenta coli erst im siebenten Monate
deutlich werden, sowie, dass das Colon descendens mit dem Wachslliume
der Theile das vollständige Gekröse, das es ursprünglich besitzt, dadurch
einbüsst , dass dieses nicht in gleichem Maasse wie die übrigen Theile
wachst. Coecum und Processus vermicularis stellen lange Zeit einen
einzigen , verhältnissmässig grossen , blinden Anhang des Darms dar,
dessen Ende erst spät zurückbleibt und dann zum wurmförmigen An-
hange sich gestaltet. — Der Dünndarm zeigt weiter nichts Bemerkens-
werthes als dass seine Schlingen durch fortgesetztes Längenwachslhum
sich vermehren und endlich ganz in die Concavität des Colon zu liegen
kommen.
Bauchfell. Wir wenden uns nun zur Schilderung der Entwicklung des Bauch-
felles und der Netze. Das Bauchfell hat keine primitive Lage des Keimes
als Ausgangspunkt, vielmehr bildet sich dasselbe erst nach der Entwick-
lung der Bauchhöhle an den der Höhle zugewendeten Oberflächen der
Bauchwände und Eingeweide. Diesem zufolge entsteht das Bauchfell
nicht als ein ursprünglich geschlossener Sack , in den die Eingeweide
hineinwachsen , sondern bildet sich gleich in Mo sowohl mit seinem
parietalen als visceralen Blatte in loco, und kann der alten Auffassung,
die den Beschreibungen des Bauchfelles in der Anatomie immer noch zu
Grunde gelegt wird, höchstens das zugegeben werden, dass die von den
Eingeweiden eingenommenen scheinbaren Einstülpungen des Bauch-
felles im Laufe der Zeit immer mehr sich vergrössern, in welchen Fällen
jedoch das Bauchfell nicht einfach mechanisch ausgedehnt wird, sondern
selbständig mit wuchert.
xptz.-. Die Bildung der Netze ist durch die Untersuchungen von Meckel
und .1. Müller vor Allem aufgehellt worden. Vom grossen Netze wurde
bereits angegeben , dass dasselbe ursprünglich nichts als das Magen-
gekröse, Mesogastriwn, ist und wie, im Zusammenhange mit der Drehung
des Magens, die erste Anlage des Netzbeutels entsteht. Da das Meso-
gastriwn ursprünglich von der Speiseröhre und dem Diaphragma bis
zum Pyloriis reicht und das Duodenum an der hinteren Bauchwand be-
festigl ist und nie ein Gekröse erhält, so muss, wenn mit der Drehung
des Magens zwischen demselben und dem Mesogastriwn ein spallenlör-
miger Raum ent.stchl, dieser in der Gegend der kleinen Curvatur durch
eine kürzere Spalte sich öflnen. Im Zusammenhange mit der Entwick-
lung der Leber vom Duodenum aus entsteht nun aber auch noch von der
kleinen Curvatur und vom Duodenum her eine zweite Bauchfei Iplalte,
das kloine Netz und das Lig. hepato-duodenale , durch welche auch über
deni Magen ein geschlossener Raum gebildet wird, der als Verlängerung
des eigentlichen Netzbeutels erscheint. Diese Platte erstrecki sich vom
Bildung der Netze. 327
rechten Rande der Speiserölire , der ganzen kleinen Curvatur luul dem
oberen Theile des Duodenum zur Porta hejxilis , zum ganzen hinteren
Theile des Sulcus longitudinalis sinistc)\ in dem der Ductus venosus liegt,
und auch zum Diaphragma zwischen der Speiseröhre und der genannten
Furche, und stellt ein eigentliches Lebergekröse dar. Der Raum hinter
dieser Platte würde, wenn die Leber frei wäre, unter dem rechten Leber-
lappen durch eine grosse Spalte ausmünden, da jedoch dieses Organ im
Bereiche der hinteren Hohlvene an der hinteren Bauchwand festsitzt und
durch das Lig. coronarium am Zwerchfelle anhaftet, so bleibt nur die als
AVixsLow'sches Loch bekannte Lücke, die dann zugleich auch den Ein-
gang zum Xetzbeutel darstellt.
Das grosse Netz oder Mesogastrium geht anfangs von der grossen
Curvatur hinter dem Magen direct zur Mittellinie der hinteren Bauch-
wand. Bald aber wuchert es in der Gegend der Curvatur in eine freie
Falte vor, die schon im zweiten Monate deutlich ist und im dritten Mo-
nate schon um die halbe Breite des Magens vorragt Fig. 246). Anfäng-
lich hat dieses eigentliche Omentum majus mit dem Colon gar nichts zu
thun, so wie aber dieses so sich entwickelt hat, wie die Fig. 246 dar-
stellt, deckt das grosse Xetz das Colon transversum, ohne jedoch für ein-
mal mit ihm sich zu verbinden. Später jedoch verwächst die hintere
Platte des grossen Netzes mit der oberen Lamelle des Mesocolon und mit
dem Colon transvosum selbst. Verhältnisse, die ich besonders betone,
da immer noch in mehreren Handbüchern der Anatomie die Lehre vor-
getragen wird , dass die hintere Platte des Netzes das Colon ganz zwi-
schen seine Lamellen nehme. Der embryonale Netzbeutel reicht, wie
aus dem Gesagten hinreichend klar ist , ursprünglich bis in das untere
Ende des grossen Netzes , ein Verhalten , das noch beim Neugeborenen
leicht sich nachweisen lässt. Später verwachsen, wie bekannt, beide
Netzplatten in grösserer oder geringerer Ausdehnung miteinander, doch
findet man auch beim Erwachsenen dieselben nicht gerade selten noch
vollkommen getrennt.
Der Enddarm reicht bei jungen Embryonen von Säugern bis nahe- Enddarm.
zu in das letzte Ende des Schwanzes, weit über die Gegend des späteren
Anus hinaus (Fig. 247 erf), über welche Pars postanalis intestini^Säh^res
in m. Entwickl. 2. Aufl. S. 844 zu finden ist.
In Betreft' der Bildung der Afteröffnung habe ich dem früher Annsöffnung.
Bemerkten § I I noch Folgendes nachzutragen. Beim Kaninchen ent-
steht die Anusöftnung zwischen dem 11. und 12. Tage und vermisse
ich bei der Bilduns derselben eine stärkere Grubenbildung an der äusse-
ren Oberfläche . wie sie bei der Bildung des Mundes statt hat. Wohl
aber senkt sich das Ectoderma in Form einer engen sagittalen Spalte
328
Entwickluna des Daraikanales.
Entwicklung der
Darmbäiite.
gegen die Kloake oder den Raum , in welchen Allantois und Hinterdarm
zusammentreten , ein und hier findet dann , vielleicht unter Mitbetheili-
gung einer Ausstülpung des Entoderma schliesslich der Durchbruch
slalt. Die Fig. .247 zeigt bei a die Anus- oder Kloakenspalte schon ge-
bildet, und stellt der scheinbare Verschluss der Oeffnung die eine Seiten-
wand derselben dar. Die Kloake
c / führt nach vorn zum Anfange
des Urachus, der nun Sinits uro-
genitalis heissen kann, weil der
WoLFF'sche Gang wg. der den
Nierenkanal n aufnimmt . in
denselben einmündet. In die
dorsale Ausbuchtung der Kloake
hg öffnet sich der von dem
Schnitte nicht getroffene Hinter-
darm und in den Schwanz s er-
streckt sich von der Kloake aus
noch ein ansehnliches Stück der
eben besprochenen Pars post-
analis intest ini ed.
Zwischen dem 12, und 14.
Tage verschwindet der Schwanz-
theil des Darmes ganz, und wuchert zugleich die mit r bezeichnete Falte
oder Leiste zwischen dem Sinus urogenitalis und dem Darme in die Kloake
vor, bis sie am 14. Tage nahe an der Kloakenmündung anlangt und
jetzt schon wie eine Querleiste die früher einfache Oeffnung scheidet.
Ihr gänzliches Vortreten geschieht zwischen dem 14. und 16. Tage und
zugleich vereinigen sich auch die mittlerweile zu beiden Seiten des vor-
deren Theiles der Kloake entstandenen Geschlechtsfalten mit der ge-
nannten Querleiste zur Bildung des Dammes (siehe unten bei den Ge-
schlechtsorganen) ,
Zum Schlüsse bespreche ich noch die Entwickhing der einzelnen
Da riiihäut e.
Das Epithel des Darmrohres stammt vom Entoderma oder inneren
Kcimblatte fdem Darmdrüsen]>latte von Remak und ist anfänglich zur
Zeil fler ersten Anlage des Darmes überall ein Pflasteropilhel. Später
Fig. 247. Sagitlalschnitt durch das hinlere Leibesende eines Kaninchenembryo
von W Tagen und 10 Stunden. Vergr. 'iSmal. a KloaiienülTnung; c/ Kloake; itg
Sinus urofjenitalis ; ur Urachus; ?<;;/ WoLFF'sciicr Gang ; n l'reler; n' Nierenanlage;
h(f SteUe; wo in der Mittellinie der Hinterdarm einmündet; r I'crincalfalte zwischen
Hinterdarm und Sinus urogenitalis ; ed Schwanzthcil des Enddarmes; s Schwanz.
Fi.s. 247.
Entwickliiiiii der Darmliiiuto. 329
wandelt sich dasselbe im Vorderdanne und im Enddarme in ein ein-
faches Cylinderepilhel um, aus welchem dann eine geschichtete Lage
hervorgeht, die mehrschichtiges Cylinderepilhel heissen kann , und aus
dieser entwickeln sich schliesslich die bleibenden Zustände.
Die übrigen Wandungen des Danukanales entstehen alle aus der
Darmfaserplatte von Remak unter Mitbethelligung einer von Seiten der
Aorta aus einwachsenden gefässhaltigen Schicht , die von Schenk unter
dem Namen »Darmplatte« mit Unrecht von den Urwirbeln abgeleitet
wird und vor allem zur Mucosa sich zu gestalten scheint.
Die Pa]>iIIen und Zotten des Darmes sind , wo sie vorkommen . ein-
fach Wucherungen dev iMi/cosa und des Epithels. Von diesen bleibenden
Zotten hat man die vorübei-gehenden Wucherungen der Mucosa zu unter-
scheiden, die im Magen und Dickdarme im Zusammenhange mit der Bil-
dung der Drüsen auftreten und zur Entstehung von vergänglichen Zotten
führen, die anfangs täuschend denen des Dünndarmes und des Pylorus-
Iheiles des Magens gleichen. Im weiteren Verlaufe vereinen sich jedoch
allmälig die Basaltheile dieser Zotten der Faserhaut durch niedrige Fält-
chen, so dass kleine Grübchen entstehen, von denen jedes eine hohle
Ausbuchtung des Epithels oder ein Drüsenende aufnimmt. Später er-
heben sich diese Verbindungsfältchen oder Leistchen inmier mehr und
erreichen die halbe Höhe der Zotten , so dass nun die Oberfläche der
Faserhaut wie eine Bienenwabe aussieht, von deren Zellenrändern faden-
förmige Fortsätze ausgehen würden. Zuletzt endlich gelangen die Ver-
bindungsfalten bis zur Spitze der Zotten und nimmt dann, mit dem Ver-
schwinden der letzteren , die gesammte Schleimhautol)erfläche das Aus-
sehen einer Bienenwabe an, in deren Fächern die nunmehr vollständig
angelegten Drüsen stecken.
Mit dieser Schilderung der Umgestaltung der Schleimhautoberfläche ß^^kdäm-*
von Magen und Dickdarm ist auch zugleich die Bildungsweise der Ma-
gen- und Dickdarmdrüsen in ihren Hauplzügen geschildert. Die bei-
derlei Drüsen entstehen von Hause aus als hohle Cylinderchen und ist der
erste Schritt zu ihrer Bildung das Auftreten von vielen dichtstehenden
Erhebungen des Epithels im Zusanunenhange mit der Bildung der Zotten
der Faserhaut. Im Dickdarme wird dann einfach nach und nach der
zwischen mehreren Zotten befindliche Raum dadurch in einen Drüsen-
schlauch umgewandelt , dass von der Basis der Zotten aus Epithel und
Schleimhaut mit Falten vorwuchern , bis endlich die Falten die Spitzen
der Zotten erreicht haben . womit dann die Drüsenmündungen und zu-
gleich eine glatte Oberfläche der Schleimhaut gegeben ist. Im Magen
sind die Verhältnisse überall da die gleichen, wo derselbe einfache
Drüsen enthält. Wo dagesen zusammengesetzte solche Organe sich fin-
drüsen.
330 Entwickluiiii des Darmkanales.
den , bilden sieh zwischen den weiter abstehenden primitiven Zotten
ausser den Verbindungsfalten noch im Grunde einer jeden Grube Neben-
fäUchen und kleinere Grübchen) , welche nicht bis zur Oberfläche der
Schleimhaut heraufw achsen , wie die anderen , und später in die von
ihnen umschlossenen kleineren Grübchen die Enden der zusammen-
gesetzten Drüsen aufnehmen, während deren einfache Anfänge stomach
cells Tgdd-Bowman) in den von den Hauptfalten und Zotten umgebenen
grösseren Fächern liegen.
Dünndarm- Im Dünndarme sind die Vorgänge bei der Bilduna der Drüsen
(Irüsen. . *" .
scheinbar nicht so auffallend , w eil die Zotten während der Bildung der
Drüsen nicht schwinden, sondern sogar noch länger werden. Geht man
jedoch den Erscheinungen näher nach , so ergiebt sich , dass auch hier
die Drüsen und der drüsenhaltige Theil der Hlucosa zwischen den Zotten
el)enso entsteht, wie an den andern Orten, mit dem Unterschiede jedoch,
Fig. 248.
dass in den Vertiefungen zwischen den Zotten die Faserlage der Mucosa
von Anfang an netzförmig verl)undene Fältchen liefert und das Epithel
von Hause aus in die so entstehenden Grübchen kurze Hohlsprossen hin-
eintreibt. Grübchen und Epithelialsprossen wachsen dann , wie es
scheint, mit einander und mit den Zollen fort, doch wäre es auch mög-
lich, dass früher oder später die epithelialen Schläuche auch in die Tiefe
wuchern, umsomehr als bei den BRiNNF.R'schen Drüsen ein .solcher Vor-
gang wirklich sich beobachten lässt , indem diese Drüsen anfangs w^eit
Kifi. 248. yuersclinitt durch einen Tlioil des Düiindarnis eines menschlichcii
Embryo des 6. Monates. Vergr. Sömal. l Ltiniisniuskeln ; u Zw isciienschiciif '.\uek-
HACH'sciier IMcx)is ; r Rinjimuskeln ; m Mucosa propria mit Zollen; e Zottenepilhel
abgehoben, 1/ Haufiifell ; d LiiitKUKiHNsche Drüsen.
Darm des Menschen.
331
vZ ___
von den tiefsten Lagen der Mucosa abstehen, welche sie später ganz
durchsetzen.
Ich füee nun noch einis-e Benierkun2en über den nien schl ichenBan aer Darm-
° "-^ Wandungen des
Darmkanal bei, Menschen.
Die Speiseröhre zeigt im 4. — 6. Monate Flimmerepithel, ebenso die Speiseröhre.
Zungenwurzel vom Foramen coecum bis zur EpiyhUis (Nei:.mann).
hn Magen beginnt die Bildung der Drüsen im 4. Monate und sind Magen,
dieselben im 5. Monate
schon ganz gut ausgebildet
und 0,13 — 0,22 mm lang.
Am Ende des 2. und /^^<^ -- =i*^ '/ Dünndarm.
im 3. Monate treten die
Darmzotten anfangs ver-
einzelt und bald sehr zahl-
reich auf und messen in
der 9.— 10. Woche 0,09—
0,13mm, wahrend das
Epithel 1 8 ij, dick ist. In
der 13. Woche zeigt sich
auch von den Lieberkühn'-
schen Drüsen die erste
Spur in Gestalt kleiner
warzenförmiger, hohler
Auswüchse des Epithels
von 45 — 90 jj, Länge, die
in Vertiefungen der Faserhaut zwischen den Zotten derselben ihre Lage
haben. Im 6. Monate messen die Zotten 0,45 — 0,68 mm und die Drüsen
0,090—0,135 mm.
Im Dickdarme und Mastdarme entwickeln sich beim Menschen die Dickdarm
oben schon besprochenen vorübergehenden Zotten und die Drüsen vom
4. Fötalmonate an und erreichen bis zum 7. — 8. Monate ihre vollständige
Ausbildung.
In Betreff der follikulären Organe des Darmes haben wir nur wenige PEiERsche
Erfahrungen. Die PEYER'schen Haufen treten im 6. Monate auf. Im
7. Monate sind dieselben ganz deutlich, haben Follikel von 0,31 bis
0,36 mm, die ziemlich weit von einander abstehen und im Grunde an-
sehnlicher , von dichtstehenden Zotten umgebener Vertiefungen ihre
Lage haben.
Fig. 249. Quersctinitt des Mastdarmes eines menschlictien Embryo des A.Mona-
tes. 35mal vergr. b Peritoneum ; i Längsmuskeln ; «Zwischenlage (nervöser Plexus?);
r Ringmuskeln ; m und m' Leisten der Mucosa; d Drüsenanlagen.
Fig. 249.
332 Entw icklung der grösseren Darmdrüsen.
B. En t \v i ck I un g der gi'össeren Darmdrüseu.
Lungen, Thyreoidea, Thymus.
Lnngf. Die Lunij;e entwickelt sieh sowohl l)eim Hühnehen als bei den
Säugethieren in einer sehr frühen Zeit, ungefähr gleichzeitig mit der
Leber, oder etwas nachher und zwar als eine hohle Ausstülpung aus
dem Vorderdarnie , an welcher beide primitive Schichten des Darmes,
die Darmfaserplatte und das Entoderma, sich beiheiligen, und die kurze
Zeit nach ihrem Auftreten an ihrem unteren Ende zwei seitliche Aus-
buchtungen treibt, die die eigentlichen Lungen darstellen, während der
Rest der Anlage zur Luftröhre wird.
Lunge des Ucbcr die frühesten Zustände der Lungen des Menschen liegen
Menschen. <-' "-^
nur wenige Erfahrungen vor.
Bei einem Embryo von 2l5-;-28 Tagen fand Coste die Lungen als
zwei kleine, birnförmige, mit einer einfachen Höhlung versehene Säck-
chen , welche durch einen kürzeren Gang in das Ende des Schlundes
mündeten. Ich selbst sah bei einem vier Wochen alten Embryo die
Lungen, deren Länge 0,72 mm und deren Breite 0,40 mm betrug, von
derselben Gestalt wie Coste (Fig. 250). Die Anlage der Luftröhre, von
der in der Abbildung nur ein kleines Stück fehlt, war von
der Speiseröhre noch nicht vollkommen abgeschnürt, inso-
fern als wenigstens die Faserhäute ])eider Kanäle noch ver-
bunden waren , obschon dieselben besondere Höhlungen
enthielten. Die zwei sackförmigen Lungen selbst stellten
w ie eine vor dem untersten Ende der Speiseröhre gelegene
Erhebung dar, die mit ihren nach hinten ragenden Enden
Fi". 2.^0 auch die Seitentheile bedeckte und die Speiseröhre fast
wie ein Sattel umgab. Genauer bezeichnet reichten die
Lungen selbst noch in den Bereich des obersten Endes des fast noch ge-
rade stehenden , aber doch schon mit der Andeutung eines Blindsackes
versehenen Magens [jn] . War schon dies bemerkenswert!! , so gestaltete
sich die Lage zu den übrigen Organen nicht minder cigenlhümlich , in-
dem die Lungen hinten an die WoLFp'schen Körper angrenzten und vorn
von der- allerdings noch kleinen, aber doch schon die ganze Breite der
Pif.'. S.'jO. Lungen nnd Magen eines vier Wochen iillen menschlichen Embryo,
elwa 1 2ni!il Norj^r'. /»Luftröhre: / Luiifie : \ .Speiseröhre ; ?/? Magen.
m
Lunge des Mensclien. 333
Bauchhöhle einnehmenden Leber bedeckt waren , vor welcher dann
wiederum das Herz seine Lage hatte. Uebrigens waren die Lungen jetzt
schon durch eine zarte Membran von den WoLFK'schen Körpern einer-
seits und der Leber und dem Magen anderseits getrennt, die nichts an-
deres als die Anlage des Zwerchfelles sein konnte , deren genauere Ver-
hältnisse jedoch nicht zu ermitteln gelang. Bezüglich auf den feineren
Bau, so bestand, wie bei Thieren, die gesammte Anlage des Respirations-
organes aus einer unverhältnissmässig dicken Faserhaut, die noch ganz
aus Zellen zu bestehen schien, und einem inneren und dünneren Epithe-
lialrohre.
Die weitere Entwicklung der Lunge ist beim Menschen, ebenso wie ^ici^Yung^dM'
bei Thieren, im Ganzen leicht zu verfolgen, und lässt sich im Allgemei-Lunge^des Men-
nen sagen, dass, während die Faserschicht fortwuchert, das innere
Epithelialrohr hohle Aussackungen oder Knospen erzeugt, welche, rasch
sich vermehrend, bald in jeder Lunge ein ganzes Bäumchen von hohlen
Kanälen mit kolbig angeschwollenen Enden erzeugen , von welchen aus
dann durch Bildung immer neuer und zahlreicherer hohler Knospen
endlich das ganze respiratorische Höhlensystem geliefert wird. Hierbei
ist meiner Meinung nach das Epithelialrohr in erster Linie das Bestim-
mende und nicht, wie Boll annimmt, die Faserhaut und ihre Gefässe.
Doch läugne ich keineswegs, dass nicht auch diese Hülle, durch die
von ihr ausgeübten Widerstände, auf die Gestaltung der einzelnen Theile
einwirkt. Möglich , dass auch in späteren Stadien beide Momente sich
ziemlich die Wage halten. Dagegen wird Niemand bestreiten können,
dass bei der ersten Entstehung des Organes zu einer Zeit , wo die
Gefässe noch ganz fehlen , dann bei der Entstehung der Luftsäcke
der Vögel (s. Fig. 80 bei Remak das Epithelialrohr das wesentliche
Active ist.
Gegen das Ende des zweiten Monates kommen auch die Lungen mit
zunehmendem Wachsthume, Vergrösserung der Brusthöhle und mit dem
Zurückbleiben des Herzens scheinbar höher herauf zu liegen und im
dritten Monate haben dieselben schon ganz ihre typische Lage neben und
hinter dem Herzen.
Gehen wir etwas näher auf die inneren Veränderungen der Lunee innere verände-
"_ rnngen der
ein , so finden wir, dass schon am Ende des 2. Monates, um welche Zeit Lungen.
auch die grossen Lappen deutlich werden , die Enden der Bronchial-
ästchen in kolbenförmige Erweiterungen von 0,36 mm, die primitiven
Drüsenbläschen, ausgehen , welche um diese Zeit einzig und allein an
der Oberfläche der Lappen zu finden sind. Diese Verhältnisse, die die
Figg. 231 und 252 aus dem 3. Monate darstellen, finden sich unter fort-
gesetzter Theilung der Bronchien und Vermehrung der Drüsenbläschen
334
Entwicklung der srüsseren Darmdrüsen.
auch im 4. und ö. Monate, nur dass die Drüsenbläschen alimälig auf
0.27 — 0.10 nun sich verkleinern.
Um diese Zeit erscheinen auch die Bläschen alle zu vieleckigen
Läppchen von 0,54 — 1,08 mm vereint, welche oft wieder kleinere Häuf-
chen von vier bis fünf Bläschen unterscheiden lassen, und treten vom
4. Monate an, sowohl in der Luftröhre als in allen Bronchien in den
Lungen. Flimmerhaare auf dem Epithel auf.
Fie. 2Ö4.
Bis jetzt folgte die Lunge ganz dem Typus einer gewöhnlichen trau-
benförmigen Drüse; auf einem gewissen Stadium angelangt, ändert sich
jedoch dieser Typus und entstehen die eigenthümlichen kleinsten Lun-
genläppchen mit den innig vereinten und wie in einen gemeinschaft-
lichen Hohlraum einmündenden Drüsenbläschen, den Luftzellen, da-
durch, dass ein Bronchialende mit den betreffenden endständigen Drü-
senbläschen Knospen treibt , die nicht mehr (wie früher) von einander
sich trennen und zu neuen gestielten Bläschen werden, sondern alle mit
einander verbunden bleiben und später wie in einen genieinsanion Bin-
Fig. 251. Endverzweigunji eines Bronchialastes aus der Lunge eines dreimonat-
lichen menschlichen Fötus. Es ist nur das Epilhelialrohr dargestellt und die Faser-
hüllc weggelassen, a hohle Sprossen der feinsten üronchialUstclien ; b primitive
Drüsenblüschcn an denEnden derselben ; c sich IheilcndeDrüsenhltischen. Vergr, 50.
Fig. 252. Ein Segment der Oberfläche der Lunge eines dreimonatlichen mensch-
lichen Embryo, 50mal vergr. Die Epithelialrohren primitiver Drüsenbllischen « bil-
den an der Oberflüche zum Theil schon kleinere und grössere Gruppen wie Läp|)-
chen, die von einer gemeinschafilichen Faserhülle f umgeben werden, die jedoch
gegen das inlcrslilielle Gewebe i nicht scharf abgesetzt ist.
Kehlkopf. 335
nenrauin eininündon. Diese Biklunt5 der Luflzellen und kleinsten Läpp-
chen, im sechsten Monate beginnend, koininl erst in den letzten Monaten
der Schwangerschaft zu ihrer Vollendung, denn während die Luftzellen
beim reifen Fötus kaum mehr betragen als im sechsten Monate (56 — 67 \i)
und selbst in Lungen von Neugeborenen, die schon geathmet haben, nur
68 — 135 |x messen, nehmen die Läppchen selbst sehr bedeutend an
(Irösse zu, so dass die secundären Läppchen, die ])ei sechsmonatlichen
iMubryonen nur 0,56 — 2,23 mm Durchmesser besitzen, bei Neugebore-
nen schon 4,5 — 9,0 mm und mehr betragen. Wie das Wachsthum der
Lunge nach der Geburt sich verhält, ist noch nicht untersucht, da jedoch
die Lungenbläschen des Erwachsenen einen drei bis viermal grösseren
Durchmesser besitzen als die des reifen Embryo, so darf wohl angenom-
men werden, dass in der nachembryonalen Zeit keine neuen Luftbläs-
chen mehr entstehen, vielmehr die ganze Volumenzunahme des Organes
bis zur vollen Ausbildung des Körpers einzig und allein auf Rechnung
des Wachslhumes der schon vorhandenen Elemente zu setzen ist.
Die Pleura entwickelt sich in derselben VV'eise wie das Bauchfell piema.
in loco und sind die beiden Pleurahöhlen da , bevor ihre seröse Ausklei-
dung nachzuweisen ist.
Der Kehlkopf wird beim Menschen am Ende der fünften und inKeiiikopf.
der sechsten Woche deutlich als eine längliche Anschwellung am An-
fange der Luftröhre, die vom Schlünde aus einen von zwei Wülsten l)e-
grenzten spaltenförmigen Eingang zeigt. Schon am Ende der sechsten
Woche sah ich den Kehlkopf rundlich und verhältnissmässig stark vor-
tretend und zu beiden Seiten des Einganges waren nun auch zwei stär-
kere Aufwulstungen zu sehen , die Anlagen der Cartilagines arytaenoi-
(leae, während vor denselben eine schwache Querleiste die erste Anlage
der Epiglottis darstellte. Nach Reichert sollen die genannten Knorpel —
ähnlich wie die Zunge an der Innenseite des ersten Kiemenbogens — als
Wucherung innen am dritten Bogen entstehen , eine Ansicht , der ich
mich für den Kehldeckel anschliessen kann. W^as dagegen den Kehlkopf
selbst mit allen seinen Theilen betrifft, so scheint es mir unmöglich zu
bezweifeln , dass derselbe aus dem Anfange der Trachea hervorgeht und
keine direkte Beziehung zu einem Kiemenbogen besitzt. — In der achten
bis neunten Woche beginnt der Kehlkopf zu verknorpeln und seine vier
Hauptknorpel deutlich zu zeigen , von denen auch die grösseren uran-
fänglich aus je Einem Stücke bestehen. Ringknorpel und Giessbecken-
knorpel sind übrigens in frühen Zeiten unverhältnissmässig dick , wäh-
rend der Schildknorpel erst später mehr sich ausbildet. Der Kehldeckel
ist noch im dritten Monate eine einfache Querleiste und erhebt sich erst
später langsam zu seiner ihm eigenthümlichen Gestalt. Die Kehlkopfs-
336
Entwicklung der grösseren Darmdrüsen,
Schilddrüse des
Hühnchens.
Schilddrüse der ß
Säagethiere.
laschen und Biinder im Innern ties Kehlkopfes sah ich schon im vierten
Monate. Zu einer gewissen Zeit verklebt bei Thieren die Kehlkopfs-
höhle durch Aneinanderlagerunii der betrefTenden Epilhelschichten
Roth , eine Angabe, von deren Richtigkeit sich zu überzeugen nicht
schwer ist und die auch für den Menschen gilt.
Die Schilddrüse des Hühnchens stellt am dritten Tage eine ein-
fache, in der sagittalen Medianebene gelegene, 0,12 — 0,17 mm grosse
kreisrunde Ausbuchtung des Epithels der vorderen Schi und wand dar,
die in der Theilungsstelle des Bulbus aortae in die zwei vordersten (2.)
Aortenbogen ihren Sitz hat und einen Ueberzug von der Faserhaut der
Arterien erhält. Am vierten Tage schnürt sich diese Ausstülpung von
der Schlundwand ab, worauf das blasige Organ solid wird und am fünf-
ten Tage in zwei solide kugelige Körper zerfällt, welche nach und nach
immer mehr nach abwärts rücken und endlich ihre bleibende Stelle ein-
nehmen. Jede Schilddrüse wandelt sich dann bis zum neunten Brüt-
tage in ein Netz solider cylindrischer Stränge von lo — 25 jj, Dicke um,
welche am zwölften Tage ein enges spaltförmiges Lumen und leichte Er-
weiterungen erkennen lassen, neben denen auch schon kugelige Follikel
von 1 2 — 20 ;x sich finden. Weiler nehmen
dann diese Follikel an Menge zu und am
16. Tage bilden dieselben, 16 — 30 }x
gross, die vorwiegenden Bestandlheile
des Organes, neben welchen jedoch im-
mer noch spärliche cylindrische , in Ab-
schnürung begriffene Epithelschläuche
vorkommen.
' Auch bei den Säugethieren ist eine
Ausbuchtung des Pharynxepithel s bei
der Bildung der Schilddrüse das Primäre,
wogegen allerdings die Ausbuchtung
nicht als solche zu einer Blase sich al>-
schnürt, sondern in zweiter Linie durch
Wucherung ihrer Elemente zu einem warzenförmigen Vorsprunge sich
umgestaltet (Fig. 253) und dann erst vom Epithel sich löst. Eine Thei-
lung dieser abgeschnürten Schilddrüsenanlage fehlt bei den Säugethieren
ebenfalls, dagegen finden sich die Sprosseidtiidungen , die Umbildungen
Fig. 253.
V\ii. 253. QuerscIiniU (iurcii den Kopf eines Kaninchens von 10 Tagen. 47mal
vergr. hn liulhux aorlae; «a vorderster Aortenbogen ; ;W) Schlund; t/i solide Thyrc-
oideaanlagc am abgelösten Epithel der vorderen .Schlundwand ansitzend. Ausserdem
sind sichtbar: Chorda, Medulla oblongatn, Venajurjularis.
Entwicklung der Schilddrüse. 337
der Enden der Sprossen in liohle Blasen und deren Abschnürungen bei
den Säugern genau in derselben Weise wie bei den Vögeln.
Die erste Entwickluni: der Schilddrüse des Menschen ist unbe- Schilddrüse des
jlenschen.
kannt. Im 2. Monate besteht die Drüse nach W. Miller aus einem
schmalen Isthmus und dickeren seillichen Lappen. W. Müller fand im
i. Monate nur cylindrische Schläuche von 0,014 mm Durchmesser, wo-
gegen von mir am Ende dieses Monates bereits Drüsenblasen gesehen
wurden, neben denen wohl auch cylindrische Stränge dagewesen sein
werden. Im 3. Monate fand ich die Drüse aus Bläschen von 0,036 bis
0,11 mm gebildet, und glaubte auch zu sehen, dass dieselben durch
Treiben von rundlichen Sprossen und Abschnürung derselben sich ver-
vielfältigen. W. Müller fand im o. Monate, bei Neugeborenen und bei
Fig. 2.54.
Kindern von 3 Jahren neben Follikeln von 0,014 — 0,040 (5. Monat; und
0^0 15 — 0, 1 3 mm Neugeborene auch cylindrische. netzförmig verbundene
Schläuche von 14 — 24 tx Durchmesser , deren Anwesenheit ich für Em-
l)ryonen des 4. und 6. Monates bestätigen kann, mit dem Bemerken je-
doch, dass ich von einer Vereinigung derselben nichts zu finden ver-
mag. — Die Thyreoidea menschlicher und thierischer Embryonen ist
ungemein gefässreich und von rothbrauner Farbe.
Die Thymus ist nach meinen Beobachtungen am Kaninchen ein Thymus.
epitheliales Organ und geht aus einer der hinteren der 2.*?) Schlund-
spalten hervor, indem dieselbe von aussen und innen verwäf^hst und
zu einem länglichen, schmalen, dickwandigen Säckchen oder Schlauche
Fig. 254. Querschnitt eines Seitenlappens der Schilddrüse eines Kaninchen-
embryo von 16 Tagen. 190mal vergr. a in Abschnürung begriffene Enden der Drüsen-
schläuche.
K ülliker, Grundriss. 22
33S
Entwickluay der grosseren Darmdrüsen.
Fi.s. 255.
sich umgestaltet, der im Querschnitte die in der Fig. 255 dargestellten
Verhältnisse zeigt und neben einem engen Lumen von 8 — 12 \i eine
40 — 45 [X dicke Wand besitzt, die scheinbar von mehreren Reihen vor-
wiegend länglicher , epithel-
artiger Zellen gebildet wird.
In weiterer Entwicklung treibt
der einfache Thymuschlauch
an seinem unteren Ende Spros-
sen und nimmt hier allmälig
die Form einer einfachen trau-
benförmigen, mit zahlreichen
grossen Drüsenbläschen be-
setzten Drüse an, während das
obere Ende einfach bleibt
(Fig. 256;. Eigenthümlich ist
jetzt schon, dass die Drüsenbläschen alle solid sind, während im Innern
der sie tragende Gang noch den ursprünglichen Thymuskanal enthält.
Zwischen dem 20. und 23. Tage vollzieht sich nun die Hauptumgestal-
tung des Organes dadurch, dass die Zellen desselben immer kleiner und
unscheinbarer werden, bis sie endlich, nachdem auch ihre Grenzen,
die früher schon nie besonders deutlich waren, ganz sich verwischt
haben, wie Ansammlungen kleiner rundlicher Kerne mit wenig Zwi-
schensubstanz erscheinen und das Organ seinen epithelialen Charakter
verloren und den bekannten der Thymussubstanz angenommen hat. Mit
dieser Umgestaltung geht eine andere von fundamentaler Wichtigkeit
Hand in Hand . nämlich das Einwachsen von Gefässen und Bindesub-
stanz in die dicken Wandungen des Organes. Dasselbe beginnt gleich-
zeitig mit der Umwandlung der Zellen der Wand und erscheinen zuerst
schmale Gefässsprossen zwischen den Drüsenblasen oder Körnern,
welche von einer äusseren gefässhaltigen , aber von dem umliegenden
Gewebe nicht scharf differenzirten Hülle abgehen. Wie dieselben in die
Drüsensubstanz hineinwachsen, lässt sich nicht nachweisen, aber wo
früher nichts von Gefässen zu sehen war, findet man solche in einem
gewissen Stadium in reichlicher Menge, und ist der Schluss nicht abzu-
weisen, dass dieselben von aussen in die umgewandelte epitheliale
Wand sich hineingebildet haben. An solchen Drüsen unterscheidet man
nun auch deutlich eine dichtere , in Carmin dunkler sich färbende
Rindenlago unrl eine innere helle Markmasse , in der nun keine Höhle
Fig. 255. Querschnitt diircli oiiion Tlieil der Thymus eines Kaninclienembryo
von 14 Tagen. Vergr. .Sl.iinal.
Entwicklung der Tliynuis.
339
mehr enthalten ist, vvelclier Unterschied in der verschiedenen Menge
der Kerne (Zellen?) und vielleicht auch der Gefässe begründet ist. Ganz
denselben Bau wie die Thi/mus älterer Kaninchenenibryonen besitzt auch
die Thymus des menschlichen Embryo vom 3. Mo-
nate an aufwärts l)is zur Geburt, und l)ezweifle
ich nicht, dass dieselbe ganz ebenso sich entwickelt.
In der Thal stehen auch die bisherigen Erfahrungen
über die erste Entwicklung der Thymus beim Men-
schen und bei Thieren nicht nothwendig dem ent-
gegen, was ich bei Kaninchen gefunden.
hl Betreff der weiteren Entwicklung der Thymus
der Säugethiere mit Bezug auf die äussere Gestal-
tung bemerke ich noch Folgendes. Von dem primi-
tiven Thymusschlauche aus bilden sich seitliche
Wucherungen, welche, anfangs einfach, bald zu
ganzen Gruppen von Knospen sich umbilden, die den
Kanal in seiner ganzen Länge besetzen und die
ersten Andeutungen der grossen Thymusläppchen
darstellen. So findet man noch bei 5,6 — 7,0 mm
laugen Rindsembryonen alle Stadien der Entwick-
lung an der grossen , leicht darstellbaren , weissen
und vom Kieferwinkel bis zum Herzen verlaufen-
den Thymus , indem selbst um diese Zeit die in
der Höhe des Kehlkopfes liegende schmale Stelle des
Organes aus nichts als aus dem gewucherten pri-
mitiven Thymusschlauche besteht, an dem dann
nach auf- und abwlirts alle Stadien der Sprossenbildung leicht nachzu-
weisen sind.
Weiter werden dann die Sprossen immer zahlreicher und ver-
wickelter, bis am Ende die Drüsenläppchen des Organes aus ihnen her-
vorgehen, wie dies schon vor Jahren J. Simon zutreffend geschildert hat.
In Betreff der Höhlungen der älteren Thymus von Thieren, so bin ich der
Ansicht , dass dieselben nicht aus der primitiven Thymushöhle hervor-
gehen, sondern nur durch Erweichung der Marksubstanz entstehen.
Was den Menschen anlangt, so habe ich die Thymus in der siebenten
Woche im unteren Theile schon gelappt, im oberen, am Halse bis zur
Thyreoidea hin gelegenen Abschnitte einfach gefunden. Bei einem Em-
bryo von zehn Wochen waren beide Thymus zusammen im unteren Theile
Weitere Ent-
wicklung der
Thymus.
Fia. 256.
Fig. 256. Thymus eines Kaninchenembryo von 16 Tagen, vergr. a Tiiymus
kanal; b oberes, c unteres Ende des Organes.
340 Entwicklung der grösseren Darmdrüsen.
dreieckig, l,98imn lang, 2,4 mm l)reit und gingen nach oben in zwei
1,44mm lange, 0,36mm, am Ende nur 0,09 — 0,045 mm breite Hörner
aus. Diese Hürner bestanden jedes wesentlich aus einem einfachen, mit
Zellen gelullten Cylinder mit einer zarten, scheinbar structurlosen Hülle
von 2 li und einer stärkeren Bindegewebsschicht, doch war ihr oberes
und unteres Ende nicht ganz gleich, indem ersteres nur leicht gewun-
den und zum Theil an den Rändern etwas buchtig war , während das
andere stark buchtig und mit vereinzelten oder haufenweise beisammen-
stehenden Auswüchsen von 45 — 68 [x besetzt w^ar, die zum Theil schon
wie eine innere Höhlung zeigten. Der dickere Brustlheil des Organs
war mit Läppchen von 0,18 — 0,22mm versehen, an denen wiederum
einfachere Drüsonkörner sichtbar waren. In der zwölften Woche war
die Thymus nicht viel grösser, aber auch an den Hörnern mit Läppchen
von 0,27 — 0,54 mm besetzt.
Ueber die späteren Entwicklungsverhältnisse der Thymus zu reden
ist hier nicht der Ort und verweise ich in dieser Beziehung auf die
Handbücher der Anatomie und Gewebelehre.
So eigenthümlich nach dem hier Mitgetheillen die Entwicklung der
Thymus auch ist, so lässt sich dieselbe doch mit anderen Organen in
Parallele bringen. Vor nicht langer Zeit hätte man kaum die Annahme
machen dürfen, dass ein aus dem äusseren oder inneren Keimblatte her-
vorgehendes Organ später in eine Art gefässhaltige Bindesubstanz sich
umwandelt. Nachdem nun aber die merkwürdigen Umbildungen ge-
wisser Theile des Medullarrohres bekannt geworden sind, wie sie in der
Zirbel, dem kleinen Lappen der Ilypophysis und dem primitiven hohlen
Opticus namentlich vor sich gehen, kann auch das, was ich bei der Um-
bildung einer Kiemenspalte in die Thymus gefunden habe, nicht mehr
allzu sehr auffallen. Immerhin muss hervorgehoben werden, dass vom
Darmdrüsenblatle ähnliche Umbildungen sonst nicht bekannt sind und'
dass es sich bei der Thymus doch um ein Organ von einer gewissen
funclionellen Bedeutung handelt, was bei der Zirbel uhd dem Hirn-
anhange nicht der Fall ist.
§ 4;>.
Leber, Pancreas, Milz.
Leber. Die Leber ist beim Säugethiorcmbr\o und beim Menschen das
drüsige Organ , welches nach den W'oLFi-'schen Körpern zuerst entstellt,
Leber deg und fällt ihr Auftreten beim Menschen in die 3. Woche. Beim Ilühn-
HCbncbene. . . , ,.
dien zeigt sicli die Lebcranlage in der ersten Hälfle des 3. Tages später
Säuger.
EiUwicklunij der Lunge. 341
cils der Urnierengang, aber eher früher als die ersten Drüsenkanälehen
der Urniere, und zwar darf es als ausgemacht l)elrachtet werden , dass
die Leber uranfängiich in Form von zwei Blindsäcken, den primitiven
Lebergängen von Remak, auftritt, die unmittell)ar hinter der Anlage des
Magens aus der ventralen Wand des Duodenum hervorsprossen, in die
Lücke [Halshöhle, Parietalhöhle des Kopfes) hineinragen, die das Herz
enthält und wie die Lungenanlagen aus beiden den Darm zusammen-
setzenden Häuten bestehen. Diese Blindsäcke, von denen der eine län-
gere vorn und links parallel dem Vorderdarme , der andere mehr nach
hinten und rechts liegt, umfassen bald den Stamm der Ven(i omphalo-
mesenterica und bilden dann durch fortgesetzte Sprossenbildung und
Wucherung ihrer beiden Lagen ein compactes Organ, in das sofort Aeste
der genannten Vene sich hineinbilden.
Beim Menschen ist die erste Entwickelung der Leber noch ganz ^^="1"
unbekannt, dagegen hat Bischoff bei Hundeembryonen die Leber zwei-
mal in einem Stadium gesehen, in welchem dieselbe eine kleine doppelte
Ausbuchtung der Wandungen des Duodenum darstellte. Etwas abwei-
chend hiervon habe ich bei Kaninchenembryonen am 10. Tage nur Einen
primitiven Lebergang und zwar den linken gefunden , zu dem dann
einen Tag später noch ein rechter Gang sich gesellte (Fig. 257).
Beide Gänge waren von Fortsetzungen des Duodenalepithels aus-
gekleidet und besassen als äussere Umhüllung einen dicken wulstförmi-
gen Theil der äusseren Darmhaut oder der Darmfaserplatte , der im
Querschnitte Fig. 258 besonders deutlich zu erkennen ist.
Gleichzeitig mit der Bildung des rechten Leberganges erscheinen
beim Kaninchen auch die ersten soliden Lebercylinder Remak) an dem
linken Gange, d. h. kurze solide Epithelialsprossen desselben, und zu-
gleich bilden sich zahlreiche Gefässe in dem grösser gewordenen Leber-
wulste, welche ich als Sprossen der Venae omphalo-mesentericae auffasse.
Schon am I 1 . Tage glaube ich auch die Gallenblase als eine ganz kleine
Sprosse des rechten Gallenganges gesehen zu haben. Am 11. Tage ge-
staltet sich die Leber rasch weiter um und entwickelt zwei Lappen, die
zusammen bogenförmig den Darm umfassen und mit scharfen Kanten
gegen die Wirbelsäule gerichtet sind. In dem grösseren rechten Lappen
wird die Mitte von einer mächtigen Vene eingenommen, die unzweifel-
haft die Omphalo-mesenterica ist , während der linke Lappen ein viel
kleineres Gefäss enthält, das beim Kaninchen, bei dem die zwei Dotter-
sackvenen viel länger sich erhalten, vielleicht als linke Omphalo-mesen-
terica gedeutet werden darf. Lebercylinder sind nun in der ganzen,
wenn auch an Parenchym noch armen Leber vorhanden und hängen die-
selben auch netzförmis zusammen.
342
Entwicklung der grösseren Darmdrüsen.
Am 12. Tage hat die Abgangsstelle der beiden primitiven Leber-
gänge zu einem längeren Kanäle von 85 (i Breite sich ausgezogen , der
Via. 257.
die Gallenblase abgicbt und netzförmig anastomosirende Lebercylinder
entsendet. Am 14. Tage zeigt der jetzt schon lange CZ/o/cf/oc/^MS nahe am
Duodenum eine spindelförmige Erweiterung und sind seine Verl)indung
Fig. 257, Sagittalcr Medianschnitt durch einen Kaninciiencml)ryo von 10 Tagen.
Vcrgr.27,8nial. A:' erster Kiemcnbogen fllnterl<iefer) ; h llypophysislasclie; /i'Neben-
taschc von Seessel; ph Pharynx; Ih Anhige der Schilddrüse; o Oesophagus von der
durch den Schnitt nicht getrotTenen Lungenanlage noch nicht getrennt; w Magen;
Hinker Lebergang; i' Anlage des rechten Leberganges ; d Duodenum; p Pancreas-
anlage; rf; Zotten des Dotterganges; rZ// Dottergang: f/' Darm , hinterer Theil ; Iw
Verdickung der Darmfascipialte in der Lebergegond oder Leberwulst ; om Vena om-
phalo-mesenlcricd i c Herzkammer; at Atrium; ha Bulbus aorlae ; a Theilungsstelle
derselben.
Leber des Menschen.
343
ren Zeiten.
mit dem Cysticus und sein Uebergang in einen bald sich Iheilenden He-
paticiis sehr deutlich , ebenso wie die Verbindung der Hepatici mit den
allem Anschein nach soliden Lebercylindern, welche alle aus mehrfachen
Zellenreihen (meist 2 — 4) bestehen.
Ich kehre nun wieder zur menschlichen Leber zurück , um dann ^^^^l tn\fitl'-
zuletzt die Bildungsge-
setze des Organes zu er-
örtern. Lage, frühes Auf-
treten undBlutreichthum
finden sich beim Men-
schen , wie bei Thieren,
und dürfen wir wohl an-
nehmen , dass dieses Or-
gan im Wesentlichen
ebenso sich entwickelt,
wie beim Kaninchen.
Schon in der vier-
ten Woche zeigt die Le-
ber des Menschen die
Grösse, die in der Fig.
259 dargestellt ist , und
was ihre Lage in dem
natürlich gekrümmten
Embryo betrifft, so kann
dieselbe aus der Fig. 1 16
S. 120 entnommen wer-
den, in der die Leber über
dem Nabelstrange und
unter dem Herzen durchschimmert. Während des zweiten Monates
wächst nun die Leber rasch zu einem colossalen Organe heran , das am
Ende dieses und im dritten Monate , aus welchem die Fig. 260 dasselbe
zeigt, fast die ganze Unterleibshöhle ausfüllt und mit seinen unteren
Enden die Regiones hijpogastricae erreicht, so dass nur ein kleiner Raum
hinter ihm und in dem Einschnitte zwischen seinen beiden Lappen frei
i/
dci'z,'
Fig. 258.
Fig. 258. Querschnitt durch den Rumpf eines Kaninchens von 10 Tagen in der
Gegend der Leber und der vorderen Darmpforte. 57mal vergr. a Aorta; c Vena car-
dinalis; u Venae umbilicales ; o m Venae omphalo-mesentericae ; p Bauchhöhle; d Duo-
denum; i Leberanlage ; i i« Leberwulst ; dgz Dottergangzotten; am äussere, im
innere Muskelplatte; d/" Darmfaserplatte am Duodenum sehr dick und zwischen ihr
und Epithel die in Bildung begriffene Mucosa ; m Vorsprung der Darmfaserplatte,
der vielleicht erste Milzanlage ist.
344
Entwicklung der grösseren Darmdrüsen.
bleil)l.
in welchem letzleren Dünndarmschlingen und um diese Zeit auch
Innere Verhält-
nisse der sich
entwickelnden
Leber.
der Processus vermiculan's mit dem Coecum wahrgenommen werden.
Diese ungemeine Grösse ist nun auch für die ganze spätere Periode des
Embryonallebens charakteristisch, immerhin ist zu bemerken, dass die
Leber allerdings in der
zweiten Hälfte der Schwan-
gerschaft nach und nach
etwas zurückbleibt, d. h.
nicht in demselben Ver-
hältnisse wächst, wie die
übrigen Theile, w'as na-
mentlich vom linken Lap-
pen gilt, der nun all-
mälig kleiner wird als der
rechte. Nichts destoweni-
ger ist die Leber noch am
Ende der Schwangerschaft
relativ viel grösser als beim
Erwachsenen (s. S. 129).
Die feineren Verhält-
nisse anlangend , so ist
die Entwickeluug der Le-
ber äusserst merkwürdig,
und zeigt keine andere
Drüse vollkommen Glei-
ches. Die zweigelappte
compacte Anlage der
eigentlichen Leber ent-
steht aus den zwei beschriebenen Lebergängen durch zwei besondere
Wachsthumsphänomene , die man wohl auseinander zu halten hat. Das
Fig. 259. Menschlicher Embryo von 2ö — 28 Tagen nach Costic geslreclvl und von
vorn dargestellt nach Entfernung der vorderen Brust- und Bauchwand und eines
Theiles des Darmes, n Auge; 3 Nascnoffnung ; 4 Oberkieferfortsatz ; 5 vereinigte
Interkiefcrfortsatze des ersten Kicmenbogens oder primitiver Unterkiefer; 6 zweiter,
«"dritter Kiemenbogcn ; h Bulbus norlae; o , o' Hcrzohrcn; vi' reclite und linke
Kammer; u Vena umbilicalis ; /"Leber; e Darm ; a' Arteria omphalo-incsenlerica ; f
Vena omphalo-mescnlericu ; m WoLrr'schc Körper; l Blastem der (ioscliiechtsdrüse;
z Mesenterium; rEnddarm; nArteria; 7 Mastdarmüflnung oder üclTnung der Kloake;
8 Schwanz; 9 vordere, 9' hintere Extremität.
Fig. 260. Brust- und Baucheingeweide eines zwölf Wochen alten Embryo in
natürliciier Grösse, v Coecum mit dem Proc. vermicularis , dicht an der Fieber und
fast in clor Mitlellinic gelegen.
Finlwickluiig des Lcbergevvebes. 34')
eine beruht aul" einer Wucherung der die primitiven Lebergünge um-
hüllenden Faserschiciit, die die Fortsetzung der Faserhige des Darmes
ist. In Folge dieser Wuchei'ung vereinen sich l)eim Hühnchen die bei-
den primitiven Lebergänge über dem Stamme der Vena omphalo-mesen-
lerica und wird aus denselben, gleichzeitig mit der Bildung zahlreicher,
von der genannlen Vene aus sich entwickelndoi" Blutgefässe, ein mäch-
tiges zwcilappiges Organ gel)ildel, dessen äussere Gestalt dem Vorhalten
der inneren Drüsenelemente auch nicht von Ferne entspricht. Während
nämlich die Faserschiciit der Lebergänge in besagter Weise die äussere
Form des Organes bedingt, entwickeln sich von dem Epithel der primi-
tiven Lebergänge aus aus Zellen bestehende Sprossen in die Faserschicht
hinein, die Lel)ercy linde r von Bemak , welche, nach Art der Anlagen
Iraubenförmiger Drüsen v/eiter wuchernd, sich verästeln und zugleich
— und dies ist der Leber eigenthümlich — auch durch Anastomosen
sich verbinden, in der Art, dass auch die Sprossen der beiden Leber-
gänge unmittelbar in Verbindung treten. Ist dieser Vorgang zu einiger
Entw icklung gediehen, so findet man dann im Innern der beiden Leber-
lappen ein schon ziemlich entwickeltes Netzw^erk von Lebercylindern,
von denen eine gewisse Zahl mit den gleichfalls leicht ästig gew^ordenen
Epithelialschläuchen der ursprünglichen Lebergänge zusammenhängt,
während das Ganze von der Faserschicht umhüllt und durchzogen wird,
welche im Innern als Trägerin der reichlichen Blutgefässe dient, die alle
Lücken zwischen dem Netzwerk der Cylinder erfüllen. Beim Hühnchen
hat die Leber am Ende des fünften und am sechsten Tage den hier ge-
schilderten Bau und sind um diese Zeit alle ursprünglich dagewesenen
freien Enden von Lebercylindern verschwunden, mit andern Worten, in
der Netzbildung derselben aufgegangen , und wesentlich dieselben Ver-
hältnisse finden sich auch bei Säugethieren und l^eim Menschen.
Die weitere Entwicklung der Leber ist im Ganzen noch wenig ver-
folgt. Immerhin kann ein wichtiger Satz als vollkommen gesichert hin-
gestellt werden, nämlich der, dass die Leberzellen des Erwachsenen
Abkömmlinge der Zellen der primitiven Lebercylinder und somit auch
derjenigen des Darmdrüsenblattes des Embryo sind. Mit dieser Erkennt-
niss tritt die Leber, so eigenthümlich auch sonst ihr Bau sein mag, doch
auf jeden Fall in die Beihe der übrigen Darm- und Hautdrüsen ein,
deren Drüsenzellen auch sammt und sonders auf die innere und äussere
epitheliale Bekleidung des Embryo zurückzuführen sind. In Betreff des
Näheren der Umwandlung der primitiven Netze der Lebercylinder in die
späteren anastomosirenden Leberzellenbalken bemerke ich hier, auf
meine Entwicklungsgeschichte 2. Aufl. verweisend. Folgendes. Die
primitiven Lebercylinder, die wie Toldt und Zuckerkandl mit Becht an-
346
Entwicklunt; der grosseren Darmdrüsen.
geben , immer aus mehreren Zellenreihen bestehen und enge Lumina
enthalten, \Velche letzteren ich für gewisse Gylinder des Hühnchens be-
stälijj:en kann, erhallen sich während der ganzen Fötalzeit und sind
sell)st in der nachembryonalen Periode noch lange (beim Menschen bis
zum 5. Jahre T. und Z.) anzutreffen. In dieser Zeit vermehrt sich das
Netz derselben offenbar wie bei ihrer ersten Entstehung durch fort-
gesetzte Sprossenbildungen, deren genauere Verhältnisse übrigens noch
zu ermitteln sind. Schliess-
lich gehen alle Gylinder in
die einfachen späteren Leber-
zellenbalken über, wobei man
an eine Dehnung derselben
und Richtung ihrer Zellen
(T. undZ.) und an eine Spal-
tung der Gylinder (ich) den-
ken kann. Auch könnten spä-
ter einfache Zellenreihen als
Sprossen der mehrreihigen
Gylinder entstehen. Gleich-
zeitig mit allen diesen Ver-
änderungen würden dann
natürlich auch die Gefässe
energisch mit wuchern und
von den ersten hohlen Leber-
Pjj^r. -261. gywgen «US die angrenzenden
Lebercy linder Schritt für
Schritt sich aushöhlen oder ausweiten und die Gallengänge bilden.
Gaiiengänge. ])a ursprünglich alle Lebercylinder anastomosiren , beim Erwach-
senen dagegen ausser an gewissen Orten , wie in der Porta hepatiS)
wo der Ductus hepaticus dexter et sinister die bekannten feinen Anasto-,
mosen bilden , bei den Vasa aherrantia und den Ductus intetiobulares,
Anastomosen derGallengänge nicht vorkommen, so bleibt nichts anderes
übrig, als anzunehmen, dass später ein Theil der Lebercylinder im Be-
reiche der sich bildenden Gallengänge nicht weiter sich entwickelt und
schliesslich durch Resorption verloren geht. — Dass die primitiven
I>oborgänge die Ductus hcpatici sind, ist aus der bisherigen Schilderung
wohl schon klar geworden, und vom Ductus choledochus haben wir
Fig. i6\. Quersclmitt durcli die Leber eines Ilühncliens von ö Tagen circa 37mal
vergrosscrt. gg Gallcnganf^; f/b Gallenblase; p Baiicbfellüberzug der Leber; Ib
Lebercylinder; r/Geftisse; j; Vene.
Function der fötalen Leber.
347
dass die Leber des Fötus i'hysioiogische
Bedeutung der
Leber beim
Fötus.
gesehen , dass derselbe durch ein secundäres Hervorwuchern der Aus-
gangsslelle der beiden primitiven Gänge sich entwickelt. Die G a 1 1 e n - oaiienbias«.
blase ist beim Menschen schon im zweiten Monate vorhanden. Sie
überragt beim Fötus nie den scharfen Rand der Leber und zeigt die Fal-
ten ihrer Schleimhaut schon im 5. Monate.
Zum Schlüsse erwähne ich nun noch ,
offenbar ein physiologisch
sehr wichtiges Organ ist,
wie vor Allem die grosse
Menge Blutes beweist, wel-
che dieselbe durchfliesst.
Es ist jedoch ihre Bedeu-
tung weniger darin zu
suchen, dass sie Galle ,.
secernirt, als darin, dass
das Blut in ihr besondere
chemische und morpholo-
gische Umwandlungen er-
leidet. Der letztere Punkt
wird bei der Lehre vom
Blute noch weiter zur Be-
sprechung kommen, und
erwähne ich daher nur
noch, dass die Gallen-
secretion zwar schon im
dritten Monate auftritt,
aber während der ganzen
Fölalperiode nie eine
grössere Intensität er-
reicht. Im dritten bis fünften Monate findet sich eine gallenähnliche
Materie im Dünndarme, in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft trifft
man dieselbe auch im Dickdarme und zuletzt auch im Mastdarme und
nennt man den grünlich braunen oder braunschwarzen Darminhalt
dieser Zeit, der aus verschlucktem L/|/?<o/" Jwn/Y mit Wollhaaren, Epi-
Fig. 262. Querschnitt durch den Rumpf eines Kaninchenembryo von 10 Tagen,
drei Schnitte weiter hinten als die Fig. 258. Vergr. 52mal. aa verschmolzene Aor-
ten; cc Venae cardinales ; uu Venae umhiUcales ; oo Venae omphalo-mesenteticae ; dr
Darmrinne; dgz letzter Rest der Dottergangszotten; p Pancreasanlage den ganzen
dicken hinteren Theil des Duodenum umfassend, etwas nach linksgerichtet; bBauch-
hühle. Die WoLFF'schen Gänge sind in diesem Schnitte schon- da , wurden aber nicht
eingezeichnet.
348 Entw ioklung der grösseren Darmdrüsen.
derraisschüppchen und liaultalg , dann aus Galle , Schleim, abgelösten
jtfffo.i.vm. Epithelien und Cholestearinkrystallen besteht, Meconium oder Kinds-
peeh. Die Gallenl)lase zeigt bis zum fünften oder sechsten Monate nur
etwas Schleim als Inliall, von da an meist iiellgolbe Galle.
Pnncrtns. Das Paucveas entwickelt sich beim Kaninchen als eine Ausbuch-
tung des Epithels der dorsalen Wand des /)</of/c/n«?i (Fig. 262) und wuchert,
da der Darm hier keine Bekleidung von der Darmfaserplatte besitzt, als
ein epitheliales Rohr in die vor der Aorta gelegenen Mesodermaschichten
hinein, die man als Mesenterium des Duodenum bezeichnen kann. Die
erste hohle Anlage des Organes trei])t wie bei den Lungen hohle blasen-
förmige Sprossen, von welchen aus dann die ganze Drüse durch wieder-
holte Bildung von hohlen Sprossen sich entwickelt, um welche zugleich
eine bindegewebige Hülle mit Gefässen aus dem Blasteme des Mesen-
terium sich ausbildet. — Beim Hühnchen entwickelt sich das Pancreas
mit soliden Sprossen.
In Betreff des Pancreas des Menschen ist nur Folgendes bekannt:
Bei einem vier Wochen alten Embryo beschrieb ich schon vor Jahren im
Pancreas einen einfachen weiten und hohlen Ausführungsgang , der an
seinen Seilen und am verschmälerten Ende mit einigen (ich zählte sieben)
geschlängelten Nebengängen versehen war, von denen jeder in seinem
schmäleren Anfangstheile schon ein Lumen besass , dagegen am Ende in
eine solide, rundlich-birnförmige Knospe ausging. Am Ende des zwei-
ten Monates fand ich die Drüse in ihren Hauptabtheilungen bereits voll-
kommen angelegt, jedoch fällt die Bildung der hohlen Drüsenbläschen in
eine bedeutend spätere Zeit, denn im dritten Monate traf ich die rund-
lichen Enden der Drüsengänge noch vollkommen solid , obschon ihr
Durchmesser bereits 45 \i betrug.
Im dritten und vierten Monate mündet nach Meckel der Wirsun-
gianus oben und links in die Pars descendens Duodeni, der Choledochus
unten und rechts, im fünften Monate dagegen liegen beide Gänge neben
einander.
Milz. Die Milz bietet mit Bezug auf ihre Entwicklung nur geringes In-
teresse dar. Dieselbe l)ildet sich beim Menschen im zweiten Monate,
wann, ist nicht genau bekannt, im Magengekröse dicht am Magen aus
einem Blasteme, das dem mittleren Keimblatte, genauer bezeichnet, den
Mittelplatlon angehört, und wächst, verglichen mit der Leber, nur lang-
sam hervor, so dass sie in der ersten Hälfte des dritten Monates nur etwa
1,7 mm Länge und weniger denn 1,13 mm in der Breite misst. Anfangs
nur ans kleinen Zellen bestehend, entwickeln sich im dritten Monate Ge-
fässe lind Ijiscrn in dem Organe und wird dasselbe bald sehr blutreich.
Dagegen trclcn die M.vi.ruiiii'schcn Körperchen erst am Ende der Fötal-
Eiitwickluiii/ dos Herzens. 349
periode auf, ohne dass bis jetzt über die erste Zeit ihres Erscheinens
und ihre Entwicklung , die übrigens kaum etwas Besonderes darbieten
wird, Genaueres bekannt wäre.
VII. Entwicklung des Gefösssystems.
§ iG.
Entwicklung des Herzens.
Wir haben in den früheren §§ schon zu wiederholten Malen Gelegen-
heit gehabt, die erste Entwicklung des Herzens, des GefUsssystems und
des Blutes zu besprechen, und es erübrigt nur noch , die weitere und
letzte Ausbildung der einzelnen Theile dieses Systemes zu schildern.
Was das Herz anlangt, so nehmen wir dasselbe in dem Stadium ^Jnngen'des"
auf, in dem es einen vor dem Vorderdarme in der Parietalhöhle des Herzens.
Halses oder Halshöhle gelegenen geraden Schlauch darstellt, der aus sei-
nem vorderen Ende zwei Arcus aortae entsendet, während auf der an-
dern Seite zwei Venae omphalo-mesentericae aus dem Fruchthofe in den-
selben eintreten. In diesem Stadium ist das Herz beim Menschen noch
nicht gesehen, wohl aber auf dem nächstfolgenden, wo es S förmig sich
zu krümmen beginnt, in welchem Coste dasselbe bei einem 1 5 — 1 8 Tage
alten Embryo antraf (Fig. 114). Ist diese Krümmung mehr ausgebildet
(Fig. 263; , so erkennt man zwei Hauptbiegungen , eine der arteriellen
Seite, vorn und rechts unterhalb des Ursprunges der Aorta, und eine des
venösen Abschnittes, hinten und links über der Einmündungssteile der
Venen. Ausserdem findet sich anfangs auch eine starke Biegung am
Ursprünge der Aorta, die in der Fig. 264 sehr stark ausgeprägt ist,
später aber immer mehr verschwindet. Im weiteren Verlaufe krümmt
sich nun das Herz so zusammen, wie die Figg. 264 und 265 nach Bischoff
von einem Kaninchenembryo zeigen , und zugleich entwickeln sich auch
besondere Ausbuchtungen und eingeschnürte Stellen. Die Krümmung
anlangend, so biegt sich der Herzkanal so, dass die venöse Krümmung
in die Höhe steigt, von links nach rechts gegen die Aorta rückt und
selbst etwas hinter dieselbe zu liegen kommt , was dann auch die Folge
hat . dass die Einmündungssteile der Venen ihre Lage hinter der arte-
riellen Krümmung einnimmt, so dass das Herz im Ganzen in verschie-
denen Ebenen liegt, w ie dies auch die Fig. 265 einigermaassen versinn-
licht. Von den anderweitigen Veränderungen sind die bemerkens-
350
Entwicklung des Gefässsysteras.
Nvertheslen das Auftreten von zwei leichten seitlichen Ausbuchlungen
(Fig. 264] an der venösen Krümmung und der Zerfall der arteriellen
Krümmung in der Längsrichtung in zwei besondere Abschnitte , so dass
nun das ganze Herz aus folgenden Theilen besteht. Dicht über einem
kurzen Venenstamme , der die beiden Vejiae ojnphalo-mesentericae auf-
nimmt, erscheinen die beiden Ausbuchtungen, welche die Gegend der
_^{r}^f^'^^^^^^i^^y^-'^^i'^'?^^''^.yj^^^^'^^
./'-/ ,
r.ir
Fie. 264.
/////
Fig. 265.
Fig. 263.
späteren Vorkammern bezeichnen , aber nicht die Atrien , sondern we-
j«ricK/ae. sentlich nur die Auriculae darstellen. Durch eine leichte Einschnürung,
Canaiis a«ric«- den Canülis (luriculavis oder den Ohrkanal der älteren Embryologen,
Fig. 263. Vorderer Tlieii eines Hülmcrcmbryo von 4,55 mm Länge von unten.
//Herz; Aa Arcus aortae; ///; / Halshühle ; Id vordere üarmpforle; i' w Urwirbei ;
/l /y/ Augenbiasen ; ]7j Vordcrliirn ; v/if Ausgang.ss(elle der vorderen Amnionfalle,
welche Falle übrigens bis zur .Millollinie sich erstreckt.
Fig. 264. Herz eines Kaninchenembryo, vergrossert, nach Bi.sciioff, von hinten.
a Venae omphalo-mesentericae; d rechte Kammer ; e Bulbus aorlac ; /"sechs Aorten-
bogen; c Vorhof ; b Auriculae.
Fig. 265. Das Herz der Fig. 264 von vorn, nach Bischoff. ta Truncus arteriosus ;
ra Ohrkanal; /linke Kammer; r rechte Kammer ; «Vorhof; v Venensinus.
Ealwicklung des Herzens.
351
von dem Vorhofe i;elrennt , folgen dann die beiden Auftreibungen (Fig.
265 / und r) mit einer Zwisclienfurche , die linke und rechte Kammer,
und zwischen denselben der Suicus intervenfricularis. Zwischen der
rechten Kammer und dem Aorlenstamme, der gewöhnlich als Aorlen-
zwiebel , Bulbus aortae oder Trimcus arteriosus bezeichnet wird , haben
die älteren Forscher auch eine verengte Stelle unter dem Namen Fre-
tum Hallcri beschrieben, es ist jedoch zu bemerken, dass diese Ein-
schnürung , die in der Fig. 264 in der Ansicht von hinten zu sehen ist,
wenn beständig, doch sicherlich l)ei Säugethierembryoncn bald vergeht.
Während die Figg. 264 und 265 nur sehr wenig an die gewöhnliche
llei-zform erinnern , so führt das nächstfolgende Stadium , das die Figg.
266 und 267 wiedergeben, gleich in ein bekanntes Gebiet. Und doch
ist das Herz auch auf dieser
Stufe, wie eine genauere
Betrachtung auf den ersten
Blick lehrt, noch sehr eigen-
thümlich, indem dasselbe im-
mer noch eine einzige Arte-
rie aus der rechten Kanmier
entsendet und nur Eine Vene
aufnimmt, auch im Innern
ohne alle Andeutung von
Scheidewänden ist, ganz ab-
gesehen von den äusseren
Formabweichungen, die
ohne weitere Hinweisung deutlich sind.
Herzform aus der uächstvorigen entsteht, ist einfach die, dass das Venen-
ende noch mehr hinter die Aorta tritt, bis dasselbe endlich genau hinter
ihr seine Lage hat , so dass dann bei einer weiteren Vergrösserung der
Herzohren dieselben rechts und links von der Aorta zum Vorschein kom-
men und w ie die beiden Vorhöfe darstellen , während die Arterie selbst
wie in eine Furche zwischen sie zu liegen kommt. Mit der Vergrösse-
runs der Herzohren muss natürlich auch der Ohrkanal (Fig. 267 e] viel
Fig. 267.
iDie Art und Weise, wie diese
Fig. 266. Kopf eines Hundeembryo von unten gesellen, melir vergrössert. Nach
BiscHOFF. a Yorderhirn ; 6 Augen ; c Mittelliirn ; d Unterkieferfortsatz; e Olierkiefer-
fortsatz der ersten Kiemenbogen ; ff'f" zwei bis vier Kiemenbogen ; gr linkes, h rech-
tes Herzöhr; k rechte, i linke Kammer; ^ Aorta oder Truncus arteriosus mit drei
Paar Arcus aortae.
Fig. 267. Herz des Embryo der Fig. 266 von hinten gesehen, o gemeinsamer
Venensinus; blinke, o rechte /lMnc«//a; gerechte, /"linke Kammer ; e Ohrkanal ; /*
Trnncus arteriosus. Nach Bischoff.
;)ö2 Entwicklung dos Gefässsysteni«..
(leutlic'lior litM'vortcolcMi . (Um* jeiloch immer noch wie anl'angs nur zwi-
schen dem Venenabschnille unil der linken Kammer seine Lage hat. Die
Kammern selbst sind, verglichen mit früher, grösser, die linke stärkere
mehr rund, die rechte eher kolbig und der Sulcus interventricularis nicht
schwächer als er im jüngeren Herzen erschien.
Bau des primiti- j)jg innere Organisation und der Bau der eben geschilderten em-
ven Herzens. "^ ~
bryonalen Herzen bietet, meinen Beobachtungen am Kaninchenembryo
zufolge, manches Besondere dar. In erster Linie bemerke ich, dass die
Muskulatur des Herzens bei diesem Thiere am 9. Tage auftritt, unmittel-
bar nach der Verschmelzung der beiden Herzhälften, und dass schon am
10. Tage an der in Mo 0,054 — 0,108 mm dicken Herzwand vier Schich-
ten sich deutlich unterscheiden und zw-ar von aussen nach innen 1) eine
dünne Bindesubstanzlage, 2) eine Lage von Muskelzellen, 3) eine endo-
cardiale Schicht in Gestalt einer verschieden dicken Lage gallertiger
Bindesubstanz und 4) ein einschichtiges Endothel. In Bezug auf die
Verl)reitung der Muskeln habe ich die Beobachtung gemacht, dass am
10. und \\. Tage der ganze Bulbus aortae, d. h. der einfache primitive
Aortenstamm bis zu seiner Theilung eine deutliche Muskelschicht be-
sitzt, deren Faserung vorwiegend quer geht, eine Thatsache, die Ange-
sichts des Vorkommens quergestreifter Muskelfasern am Conus arteriosus
niederer Wirbelthiere [Selachier. Ganoiden und Chimaeren) gewiss alle
Beachtung verdient.
Wichtig ist ferner, dass das einkammerige, einfache primitive Herz
bereits gut ausgebildete , arterielle und venöse Klappen besitzt. Die-
sell)en stellen bei Kaninchenembryonen an beiden Ostien paarige, hall)-
kugelige Verdickungen der vorhin erwähnten endocardialen Gallertsub-
stanz dar, in welche die Muskulatur nicht eingeht (s. Fig. 268),
wkkiu'n/deJ ^^^ '^''f' ^^^^^ folgenden Zustände halle ich mich an das menschliche
Herz. Die Fig. 269 zeigt das 2,66 mm lange Herz des in der Fig. 116
dargestellten vier V^ochen alten Embryo, das sehr nahe an die Herzform ,
der Fig. 266 und 267 sich anschliesst. Bemerkenswerth ist neben der
grösseren Entwicklung der Herzohren die Kleinheit der rechten Kammer,
ein Verhalten , das jedoch nur kurze Zeit so ausgeprägt besteht. Die
Aorta oder der Truncus arteriosus , obschon wie mit einer Furche ver-
sehen, welche aber nur die durchschimmernde Intima ist, war noch ein-
fach und durch die schiefe Lage ihres Anfanges, so wie durch die starke
Biegung in der Gegend der Vorkammer auffallend. An dieser ist mit
Hinsicht auf di(j nächstfolgende Zeil besonders der nahezu gleiche Um-
fang der lieiden llcrzohren, von denen das linke selbst eher etwas grösser
war, /ii beachien . ausserdem verdient aber auch das Verhalten der <Mn-
Uiiindcndcn X'cncii IJcnicksichliLMini:. Stall i-linci' ^rossen Vene nämlicli,
Herzeii!-
Heiz des Meiisehon.
353
die früher nllein vorhanden war, findet sich liier das erste Stadium der
Scheidung in die drei späteren Stämme und zwar ist die rechte Cava
superior schon ganz getrennt , während die Cava inferior und die Cava
superior sinistra noch zusammenhängen.
Die weiteren Veränderungen des menschlichen Herzens , die zwi-
schen die vierte bis achte Woche fallen, sind folgende. Zuerst und vor
Allem wird die rechte Kammer kolbenförmig und grösser, während die
linke Kammer etwas an Rundung verliert, ohne dass die Gesanmilver-
hältnisse sich ändern, was zu der Form führt, die die Fig. 270 darstellt.
Dann verlängern sich die beiden Kammern noch mehr und spitzen sich
zu , während zugleich der Venentheil des Herzens und besonders die
Fiii. 268.
Vis. 269.
Herzohren zu einer ganz unverhältnissmässigen Grösse heranwachsen.
Die Fig. 270 zeigt nach Ecker das 3,3 mm lange Herz eines etwa sechs
Wochen alten Embryo von vorn und die Fig. 271 das 4,3 mm grosse
Herz eines Fötus aus der achten Woche von der hinteren Seite, und über-
zeugt man sich an beiden Figuren leicht von der Grösse der Herzohren,
\on denen das rechte jetzt entschieden das grössere ist. In der Ansicht
Fig. 268. Sagittalschnitt durch die Herzkammer und den Vorhof eines Kanin-
chenembryo von H Tagen. Vergr. 39mal. rVentrii<^el; a Atrium; vv Valvula venosa;
m Muskellage der Herzwand.
Fig. 269. Herz eines vier Wochen alten, 13,5 mm langen menschlichen Embryo,
.i'/omal vergr. I. von vorn, II. von hinten, III. mit geöffneten Kammern und Vor-
kammer, deren obere Hälfte entfernt ist. a' linkes, a" rechtes Herzohr; v' linke, r"
rechte Kammer; ao Truncus arteriosus ; s Septum ventriculorum in der Anlage be-
grifTen; cd Cava superior dextra; es Cava superior sinistra mit der Cava inferior.
Bei II. ist der Canalis auricu'aris sehr deutlich.
Kölliker, Grundriss. 23
354 Entwicklung des Gefässsystems.
von hinten befinden sich übrigens die Herzohren einfach neben und über
den Kammern, in der anderen Ansicht dagegen erkennt man , wie die-
selben einen guten Theil der Kammern decken , in welcher Beziehung
jedoch 7A1 bemerken ist, dass in der Fig. 270 die Auriculae nicht ganz in
ihrer natürlichen Lage, sondern etwas abgehoben gezeichnet sind.
Venenmündungen sind jetzt ganz bestimmt drei vorhanden , von denen
die der linken Cava supen'or durch ihre Lage alle Beachtung verdient,
wie wir dies übrigens später beim Venensysteme noch weiter zu be-
«J'.
Fig. 271.
sprechen Gelegenheit haben werden. Alle diese Venen münden übrigens
jetzt noch in einen einfachen Raum zwischen den Herzohren, den primi-
tiven Vorhof, indem die spätere Scheidewand auch in dem Herzen der
Fig. 270 nur in den ersten Spuren vorhanden ist. Wesentlich verändert
hat sich dagegen das Verhalten des Vorhofes zu den Kammern , denn
während derselbe früher (s. die Fig. 267) nur mit der linken Kammer in
Verbindung stand, ist er im Herzen der Fig. 269 auch mit der rechten
Kammer schon etwas in Communication und bei dem Herzen der Fig. 27 1
erkennt man schon von aussen , dass dieser Zusammenhang ein ganz in-
niger sein muss, und in der That ergiel)t auch die innere Untersuchung
eines solchen Herzens, dass jede Kammer nun durch eine besondere Oetl-
nung in den Vorhof übergeht. Von dem Truncus arteriosus endlich ist
noch zu bemerken, dass derselbe bei dem jüngeren Herzen eine Furche,
als Andeutung seiner beginnenden Theilung zeigt (Fig. 269) , welche
Trennung bei dem älteren Herzen schon zum Abschlüsse gekommen ist,
so dass nun zwei Arterien, die Aorta und die Pulmonal is , jede für die
betreffende Kammer, vorhanden sind.
Die äusseren Umwandlungen des Herzens weiter speciell zu verfolgen
Fig. 270. Herz von 3,3 mm Länge eines etwa sechs Wochen alten menschliciien
Embryo, 4mal vergr. , nach Eckkk. t linke, r rechte Kammer; ta Truncus arteriosus,
mit einer Furche bei af, die die Trcnnungsstelle der Aorla und Pulmonalis andeutet.
Ausserdem sieht man die beiden grossen Ilcrzohren.
Fig. 271. Herz eines acht Wochen alten menschlichen Embryo von 4,3 mm
Lunge, etwa 3mal vergr. von liinten ; a' linkes, a" rechtes Hcrzohr; v' linke, v" rechte
Kammer; cd Cava .superior dextra ; es Cava superior siuistra ; et Cava inferior.
Innere Veränderungen des Herzens. 355
lohnt sich kaum der Mühe und begnüge ich mich daher mit Folgendem.
Die rechte Kammer wächst bald so heran , dass sie die linke an Grösse
erreicht oder seil)st etwas übertriHl , doch findet man beide Kammern
gegen das Ende des Fötallebens wieder ziemlich gleich gross und zu-
sammen einen hübschen Kegel darstellend , indem der rechte Rand des
Herzens wegen der grösseren Dicke der rechten Kammer jetzt noch ab-
gerundet ist. Die Vorhöfe und Herzohren behalten lange Zeit ihre l)e-
deutende Grösse und sind die letzteren selbst noch beim reifen Embryo
(Fig. 279) verhältnissmässig grösser als später, doch sind sie allerdings
in dieser Zeit nur noch ein schwacher Wiederschein von dem , was sie
li-üher waren. Die Grösse endlich anlangend, so ist diejenige des ganzen
Herzens im Verhältnisse zu den übrigen Theilen in späteren Zeiten viel
geringer. Bei einem vier Wochen alten Embryo verhält sich das Herz
meiner Schätzung zufolge zum Körper wie 1:12; im zw eiten und dritten
Monate berechnet Meckel das Verhältniss wie 1 :50, und beim reifen
Fötus wie 1 : 120.
Wir kommen nun zur Schilderung der wichtigen inneren V e r- innere verände-
ö ^ rungen des
ander un gen des Herzens, welche alle, abgesehen von den mehr auf den Herzens.
Bau der Wandungen bezüglichen , im Wesentlichen darauf zielen . aus
dem einfächerigen primitiven Herzen , das dem Typus des Fischherzens
folgt, ein zweikammeriges Organ mit vollkommener Trennung der Blut-
ströme des grossen und kleinen Kreislaufs zu bilden. Hierbei zerfällt
sowohl der Venentheil des primitiven Herzens, als auch die ursprüng-
liche Aorta durch eine longitudinale mittlere Scheidew-and in zwei
Hälften, W'ährend der primitive Ventrikel durch eine Querwand in zwei
Abtheilungen sich theilt , und w ird es so allerdings schwer begreiflich,
wie der Venentheil, der erst nur mit der linken Kammer in Verbindung
steht, und der Triincus arteriosiis, der anfänglich einzig und allein aus
der rechten Kammer entspringt, in ihre späteren Verhältnisse gelangen.
Zur besseren Orientirung gehen w ir von dem in der Fig. 269 wieder-
gegebenen Herzen eines menschlichen Embryo aus , in dem der ein-
kammerige Zustand noch fast ungetrübt besteht und die Scheidewand-
bildung kaum begonnen hat, und dann wird es auch zu verstehen sein,
wenn wir sagen , dass vor der vollen Ausbildung der Scheidewände
durch besondere Wachsthumsphänomene einmal an der hinteren Seite
des Herzens die rechte Kammer nach und nach in den Bereich des
Vorhofes gezogen w ird und zweitens vorn dasselbe auch bei der linken
Kammer in ihrer Beziehung zur Aorta oder dem Trunciis arteriosus ge- ,
schiebt. Mündet einmal die Vorkammer in beide Kammern und stehen
diese auch beide mit dem Truncus arteriosus in Verbindung , so ist es
dann nicht schwer zu begreifen, wie durch die endliche Vollendung der
23*
356 Entwicklung des Gefasssystems.
i>epta im Innern die bekannten vier Höhlen und die Ijieihenden Ver-
bältnisse der Arterien sich ausbilden.
Nach diesen Vorbeinerkiinsen scliiidere icli nun der Reihe nach die
Vorgange bei der Scheidewandbildung in den zwei Abschnitten des Her-
zens und im Truncus arteriosus, zugleich mit den übrigen Veränderungen
im Innern. Die beiden Herzkammern, anfänglich ebenso dünnwandig
wie die venöse Abtheilung, werden bald — beim Menschen in der drit-
ten bis vierten Woche — zu zwei Säcken mit ungemein dicker Wand
und sehr enger Höhle , deren aus der Darmfaserplatte entstehenden
Wände ganz und gar aus einem zierlichen Schwammgewebe sich ent-
wickelnder Muskelbalken bestehen, deren Lücken überall von Aus-
sackungen des Endothelrohres der Kammern ausgekleidet sind. Zugleich
beginnt auch die Bildung des Septum, von dem die Fig. 269, 3 einen
sehr frühen Zustand darstellt. Dasselbe erschien als eine in der Gegend
des Siilcus interventricularis vom unteren und hinteren Theile der Kam-
mern ausgehende niedrige halbmondförmige Falte, deren Concavität
nach oben, d. h. gegen die Aorta und den Vorhof, und zugleich ein
wenig nach links schaute. Mithin waren die Kammern an ihren Basal-
theilen noch nicht geschieden , doch hatte sich das ursprüngliche Ver-
hällniss auch hier schon geändert , indem nun auch die rechte Kammer
in etwas mit dem Vorhofe in Verbindung stand. Immerhin gehörte das
Ostium venosum, dessen Ränder stark in den Vorhof vortraten, vorzüg-
lich der linken Kammer an.
Einmal angelegt , bildet sich die Scheidewand der Kammern rasch
aus und ist dieselbe schon bei Embryonen der siebenten Woche voll-
ständig , so dass nun die Kammern mit zwei getrennten Ostien in den
Vorhof ausmünden. Die Gestalt dieser primitiven venösen Mündungen
ist äusserst einfach und stellen dieselben ursprünglich nichts als ein-
fache Spalten dar, deren Lage und Gestalt beim acht Wochen alten
Embryo die Fig. 272 zeigt. Die beiden Lippen, welche jede Spalte be-
grenzen, sind die ersten Andeutungen der bleibenden
Veno. e Klappen. ^^ " vonöseu Klappen, und haben Untersuchungen der-
selben an Kaninclienembryonen ergeben, dass diese An-
lagen anfänglich denselben Bau besitzen , wie die oben
geschilderten primitiven Klappen. An diese Anlagen
der bleibenden Klappen setzen sich anfangs weder
Muskelfasern noch Chordae tendineae an, vielmehr stehen dieselben nur
an ihrem festgevvachsenen Rande mit der Muskelwand der Kammer und
Fig. ili. Herz eines actit Wochen alten Eml)ryo nach Wcf^nalune der Vorkammer
von oben, etwa .3ma! vergr. o die beiden venösen Oslien; la die beiden Arterien;
Ir der linke und rcchU- Ventrikel.
Innere Veränderungen des Herzens. 357
Vorkammer in Verbindung, zwischen welchen anfänglich keine Tren-
nung besteht. Indem nun die Muskeivvand der Kanmier sich verdickt,
spalten sich nach und nach an ihrer innern Obei'fläche einzelne Muskel-
balken ab, so dass sie einerseits mit der Klappenbasis, andrerseits mit
tiefern, der Spitze näheren Theilen der Wand in Verbindung bleiben.
Hierauf geht der gallertige , mit der Muskulatur nicht verbundene
Theil der Klappe bis auf seine Randtheile ein, welche dann, stärker vor-
tretend, die bleibende Klappe bilden und die mit ihnen verbundenen
Muskelbalken mitnehmen, an denen dann noch aus besonderen, zwi-
schen den Muskelfasern befindlichen Elementen , die Sehnenfäden sich
entwickeln, von denen es nun begreiflich wird , dass sie oft Muskel-
fasern enthalten. Beim Menschen bilden sich die venösen Klappen erst
im dritten Monate bestimmter aus, in welcher Beziehung auf die speciel-
len Darstellungen von Beunays (Die Entw. d. Atrioventricuiarklappen.
Leipzig 1877) verwiesen wird, der auch eine Abbildung von einem
4i/2nionallichen Embryo giebt (Fig. 3). Die Kammerwandungen ])leil)en
auch im dritten und vierten Monate noch unverhältnissmässig dick, wer-
den dann aber im Verhältnisse zu den Herzhöhlen in der zweiten Hälfte
der Schwangerschaft wieder dünner, wobei jedoch zu bemerken ist,
dass die rechte Kammer, obschon im Anfang dünnwandiger als die linke,
doch bald dieselbe Stärke erreicht, wie diese und dieses Verhältniss
dann auch während des ganzen Restes der Embryonalzeit beibehält.
Von der feineren Structur der Herzmuskulatur bemerke ich nur Fol- ^®^^®'^|^^^^JJ^^'
gendes. Der zierliche cavernöse oder schwammige Bau, der im zweiten
Monate dem HerzQeische in seiner ganzen Dicke zukommt, ist kein länger
andauernder Zustand, vielmehr wird im dritten und vierten Monate all-
mälig, von aussen nach innen fortschreitend, die Herzwand compacter,
bis am Ende der schwammige Bau auf die innersten Lagen allein be-
schränkt ist. Dass das Herzfleisch aus spindel- und sternförmigen
Muskelzellen sich aufbaut, habe ich schon vor Jahren gezeigt (Handb. d.
Gewebelehre, Erste Aufl. S. 607), und bilden dieselben einfach durch
Aneinanderlagerung die späteren Muskelfasern des Herzens.
Gleichzeitig mit der Ausbildung des Septuni ventriculorum tritt auch ,„Theiiung des
^ o i Trwicvs artcrio-
die Theilung des primitiven Aortenstammes oder des Truncus arte- «"«•
riosus in Arteria pulmonalis und bleibende ^o?'^f/ ein, welche, obgleich
scheinbar nur die Fortsetzung des Vorganges, der bei der Trennung der
Kammern statt hat , doch von demselben W'ohl zu unterscheiden ist.
Während nämlich bei den Kammern die Herzmuskulatur selbst hervor-
wuchert und schliesslich zu einem vollständigen Septum sich umbildet,
ist es bei der primitiven Aorta die mittlere Lage der Gefässwand , wel-
che die Trennung bewirkt.
358 Entwicklung des Gefässsystems.
Diesem zufoliie kann die Scheidung des TnmcKS arten'osiis nicht so
beschrieben werden , als ob sie durch ein llereinwachsen des Kammer-
septums geschehe, wie am deutlichsten auch daraus hervorgeht, dass bei
gewissen Geschöpfen die Aorta zu einer Zeit sich theilt , in welcher die
Kammer noch einfach isl. So bei der Natter nach Rathke Entw. d. Nat-
ter S. 165 , bei der zur Zeit, wo der Truncus arteriosus in drei Gefässe
zerfällt, die Kanuner noch keine Spur eines Septum besitzt. Ebenso ist
auch, wie Rathke mit Recht bemerkt, die Ursache der Trennung der
primitiven. lo?'to in zwei Kanüle nicht mit v. Baer in gewissen Besonder-
heiten der Circulalion, in einer verschiedenen Richtung der Blutströme zu
suchen, vielmehr liegt dieselbe einzig und allein in besonderen Wachs-
thumsphänomenen der Arterienwand. — Was nun die Einzelheiten beim
Menschen anlangt, so habe ich in der vierten Woche den Truncus arte-
riosus noch vollkommen einfach mit rundem Lumen gefunden. Quer-
schnitte desselben , mikroskopisch untersucht , zeigten schon deutlich
drei Häute , eine dünne derheve Ädventitia , eine mächtige helle iM//«
und eine innere Zellenlage als Intima. In der fünften Woche war die
Arterie ebenfalls noch einfach, doch war das Lumen jetzt schon in die
Quere gezogen und spaltenförmig. In der siebenten und achten Woche
fand ich das Gefäss schon vollkommen doppelt und gelang es mir hier
nicht, Zwischenstadien aufzufinden und die allmälige Ausbildung der
Theilung zu verfolgen. Glücklicher war ich bei Rindsembryonen von
lö — 18 mm Länge und fand ich hier erstens Aorten mit 8 förmigem
Lumen , oder mit anderen Worten , mit zwei schwachen Leisten im
Innern, welche von Wucherungen der Tunica media herrührten, und
zweitens solche, die innerhalb einer gemeinsamen Advenlitia zwei
Lumina enthielten , die zwar jedes seine besondere Intima , aber
zusammenhängende Tunicae mediae besassen. Diesem zufolge kann
nicht wohl Jiezweifelt werden, dass die Theilung des Truncus arteriosus
wesentlich durch eine Wucherung seiner mittleren Haut zu Stande
kommt , welcher erst später auch die Ädventitia folgt , was jedoch beim
Menschen sehr früh geschieht, indem schon in der achten Woche beide
grossen Arterien alle ihre Häute für sich besitzen.
Semiinnar- Gleichzeitig mit der Theilung bilden sich auch die Se m i I u n a.r-
klappen. '■' '-'
k läppen, die ich an beiden Arterien schon beim siel)en Wochen allen
l'^mbryo sah. Dieselben sind bei Säugethiercmbryonen anfänglich nichts
als horizontal vortretende dicke, halbkugelförmige Wülste eines Gallert-
gewebes und des. Endothels, welche unmittelbar mit dem Endocard der
Kümmern verbunden sind, durch welche das Lumen an dieser Stelle die
Gestalt eines pinfachen dreizackigen Sternes mit einem langen und zwei
kiii/cn Scliciikcln crlwili. indoni die eine Klappe anfänglich viel kleiner
Innere Veränderungen des Herzens.
359
Bildung des
Sipttim
atriorum.
Vulvula
Evstachii.
Yulvwla
foraminis otalis.
ist als die andere. Zu welcher Zeit die Klappen zuerst als Taschen
sichtbar werden , haJ)e ich beim Menschen nicht untersucht. Bei
Kaninchenembryonen geschieht dies am 16. Tage und fand ich die
Scnültoiares aorticae um diese Zeit 0,14 mm hoch und 0,085 mm dick.
Die obenerwähnte quergestreifte Muskulatur der primitiven Aoi'ta
vergeht beim Kaninchen vom 12. Tage an von der Theilungsstelle der
Aorta zu gegen das Herz, doch bleibt in der Höhe der primitiven Aorten-
klappen noch l)is zum 14. Tage Muskulatur bestehen, welche erst mit
der Theilung der primitiven Aorta zu schwinden scheint.
Später als die Kammern und der Tr. arteriosus die beschriebenen
Trennungsvorgänge zeigen , erleidet auch der Venentheil des Herzens
ähnliche Veränderungen. Nach meinen Erfahrungen nämlich beginnt
die Bildung des Septum atriorum erst nach der Vollendung des
Septum ventriculorum in der achten Woche in Gestalt einer niedrigen
halbmondförmigen Falte, die von der Mitte der vorderen Wand der Vor-
kammer und vom oberen Rande des,' Septum ventriculorum ausgeht. In
dieselbe Zeit und vielleicht schon etwas früher fällt auch die Entwick-
lung zweier anderer Falten an der hinteren Wand des Vorhofes, der
Valvula Eustachii und der Valvula foraminis ovalis rechts und links an
der Mündung der unteren Hohlvene , welche Bildungen alle im dritten
Monate viel deutlicher werden und dann schon eine bessere Scheidung
der Vorhöfe bedingen , die jedoch , wie bekannt , während der ganzen
Fötalperiode unvollkommen bleibt , indem dieselben durch das grosse
Foramen ovale verbunden sind. Dieses Loch ist nicht als eine einfache,
von rechts nach links durchgehende Oeffnung in der Scheidewand zu
betrachten, sondern mehr als ein die Cava inferior , die beim Embryo
auch zum Theil in den linken Vorhof mündet, fortsetzender schiefer
Kanal, dessen Begrenzungen die um diese Zeit sehr grosse EusxACHi'sche
Klappe und die Klappe des eiförmigen Loches sind, die man auch als
Fortsetzungen der Wand der Vene auffassen kann. Nach der Geburt
verschmilzt in der Regel die Valvula foraminis ovalis mit dem nach
rechts von ihr gelegenen Septum und stellen dann beide miteinander
das bleibende Septum atriorum dar, doch erhält sich bekanntlich der
Verbindungskanal in vielen Fällen zeitlebens offen. — Die Wandungen
der Vorhöfe sind beim Embryo lange Zeit ungemein dünn , verstärken
sich dann an den Herzohren , an denen zuerst Trabeculae sichtbar wer-
den, und später auch an den übrigen Theilen.
Zum Schlüsse nun noch einige Bemerkungen über die Lage des Lagedesem-
"-^ "- '-' bryonalen Her-
Herzens. Unmittelbar nach seiner Entstehung liegt das Herz ent- ^ens.
schieden im Bereiche des Kopfes, wie aus vielen früheren Figuren
(s. Figg. 38 — 40,77,79,80, 107) entnommen werden kann, wo dasselbe
360
Entwicklunt; des Gefässsystems.
Hüllen des
Herzens.
Herzbeutel.
vor dem ersten L'nvirbel, dem Vorläufer des ersten Halswirbels, in der
Höhe der zweiten und dritten Hirnblase seine Stellung hat. Mit der
iirösseren Entwicklung des Kopfes und Halses rückt nun aber das Herz
scheinbar immer weiter zurück, so dass es nach und nach in die llals-
gegend zu liegen kommt (Figg. 175, 179, 180). Hier treffen wir auch
noch theilweise das Herz des vier Wochen alten menschlichen Embryo
,s. Figg. 83, 85, 86, 116), allein bald nimmt dasselbe mit der grösseren
Ausbildung der Halsgegend seine Stellung ganz und gar in der Brusthöhle
ein, in der es während des ganzen zweiten Monats die volle Breite und
Tiefe derselben erfüllt und mit seiner Längsaxe gerade steht (Fig. 259) ,
Erst von der achten Woche an beginnen die Lungen, die bisher weiter
gegen das Becken zu und an der Dorsalseite der Leber lagen, neben dem-
selben sich zu erheben , um bald ihre typische Stellung einzunehmen,
und während dies geschieht, stellt sich auch das Herz mit der Spitze
mehr nach links iFis. 260), von welcher Zeit an dasselbe keine erhel)-
links (Fig. 260).
liehen Lageveränderungen mehr erfährt.
Eigenthümlich wie die Lage ist auch die Beschaffenheit der
das
Herz umgebenden Theile. So lange das Herz seine primitive Stellung
am Kopfe und Halse einnimmt, ist es in einer Spaltungslücke des mitt-
leren Keimblattes enthalten , deren Begrenzungen in früheren §§ genau
geschildert wurden. Diese Lücke hat zuerst die in den Figg. 39 u. 107
dargestellte Form, nimmt aber später die an, die die Fig. 105 dar-
stellt , und finden wir in diesem Stadium das Herz vor dem Anfangs-
darme gelegen und an der Bauchseite nur von einer dünnen Haut be-
deckt , welche die Membrana reuniens inferior von Rathke oder die
primitive Hals- und Brustwand ist. Um" diese Zeit geschielit es auch,
dass das grosse Herz diese dünne Haut bruchsackartig vortreibt und
scheinbar wie ausserhalb des Leibes seine Lage hat (s. Fig. 35) . Dieser
Zustand dauert so lange bis die Produkte derUrwirbel, Muskeln, Nerven
und Knochen , in die .primitive untere Leibeswand hineinwachsen und
die bleibende Brustwand bilden, mit welchem Vorgange dann erst das
relativ auch kleiner gewordene Hei-z seine Stelle im Thorax einnimmt,
was beim Menschen in der zweiten Hälfte des zweiten Monats geschieht.
Uebcr die Entwicklung des Herzbeutels ist bis jetzt nichts
Sicheres l)ekannt , doch möchte soviel unzweifelhaft sein, dass derselbe
nach Analogie des Peritoneum und der Pleura aus der Darmfaserplatte
des Herzens in loco sich bildet und nichts als die üusserste Schicht der
Herzanlairc und die innerste Lamelle der primitiven, das Herz ein-
.schliesseiidcii Höhle ist. Zu welcher Zeit derselbe i)eim Menschen zuerst
sichtbar wird, ist nicht l)ekannt und kann ich nur soviel sagen, dass
derselbe im zweiten Monat .schon deutlich ist (s. Fig. 119).
Enlwicklun" der Arterien.
361
Entwicklung der Gefässe.
Zur Entwicklung der Gefasse üljergeiiend , beginnen wir zunächst Entwicklung der
1 . . I 1. '' r^ . 1 TV- i 1 Arterien.
mit den Arterien, unter denen die grossen Stämme in der iNähe des Aortenbogen.
Herzens vor Allem Beachtung verdienen. Die erste Form derselben, die
gleich nach der Entstehung des Herzens und während der Dauer des
Kreislaufes im Fruchthofe getroffen wird, ist die (Fig. 273, 1), dass das
Herz vorn einen Tnincus cuieriosus [ta) entsendet, der nach kurzem
Verlaufe in zwei Ai'cus aortae sich spaltet, die in der Wand der Kopf-
darmhöhle bogenförmig nach der Gegend der späteren Schädelbasis und
dann längs dieser convergirend nach hinten laufen , um anfänglich ge-
trennt von einander als doppelte y4o?-tae descendentes zu enden und später
untereinander zur unpaaren Aorta zu verschmelzen (siehe unten). So-
wie die Kiemen- oder Schlundbogen hervortreten , zeigt sich, dass der
Anfang der Aortenbogen in den ersten Kiemenbogen liegt (Fig. 31),
sowie dass auch für die folgenden Kiemenbogen neue Aorten-
bogen hervortreten. Diese entstehen in der Richtung der punktirten
Fig. 273. Schema zur Darstellung der Entwicklung der grossen Arterien mit Zu-
grundelegung der von Rathke gegebenen Figuren. I. Truncus arteriosus mit ein Paar
Aortenbogen und Andeutung der Stellen , wo das zweite und dritte Paar sich bildet.
II. Truncus arteriosus mit vier Paar Aortenbogen und Andeutung der Stelle des fünf-
ten. III. Truncus arteriosus mit den drei hinteren Paaren von Aortenbogen, aus
denen die bleibenden Gefässe sich entwickeln, und Darstellung der obliterirten zwei
vorderen Bogen. IV. Bleibende Arterien in primitiver Form und Darstellung der ob-
literirenden Theile der Aortenbogen, la Truncus arteriosus, 1 — 5 erster bis fünfter
Aortenbogen ; « Aorta; p Pulmonalisstamm; p' p" Aeste zur Lunge; aw' bleibende
Wurzel der Aorta thoracica ad; aw obliterirende Wurzel derselben; s' s" Subclaviae ;
V Vertebralis; ax Axillaris; c Carotis communis; c' Carotis externa; c" Carotis
interna.
362 liiilwicklung des Gefässsystems.
Linien der Fiiz. 273, I, niilliin iiinler dem ersten Bogen oder, wenn man
lieber \\ill, als Queranastomosen seiner beiden Schenkel und hat man
beim Ilülnu'iion leicht Gelegenheit, drei solche ßogenpaare zu sehen, wie
sie die Fig. 266 nach Bisciioff vom Hunde wenigstens in den Anfängen
wiedergiebt. Es beschränkt sich jedoch die Zahl der Bogen nicht auf drei,
vielmehr treten nach den übereinstimmenden Angaben von v. Baer und
Hathke auch bei Säugethieren, ebenso wie bei den Vögeln , der Reihe
nach fünf Aortenbogen auf, in der Art jedoch, dass während die hinter-
sten Bogen entstehen , die vorderen schwinden und niemals fünf, ja
selbst vier nur sehr selten zu gleicher Zeit vorhanden sind, wie dies in
der Fig. 273, 2 dargestellt sich findet, in der auch die Stelle des fünften
Bogens durch eine punktirle Linie angegeben ist. Der vierte und fünfte
Bogen entstehen als Queranastomosen zwischen dem Truncus arteriosiis
selbst und dem hinteren Theile des ursprünglichen ersten Aortenbogens
und liegen der vierte im vierten Kiemenbogen und der fünfte hinter der
vierten Kiemenspalte. Es entsprechen sich mithin die Kiemenbogen und
Aortenbogen ganz, mit einziger Ausnahme dessen, dass bei den höheren
Wirbelthieren kein fünfter Kiemenbogen sich entwickelt, und ist klar,
dass die Aortenbogen eine AN'iederholung des ersten Entwicklungs-
zustandes der Kiemengefässe der Fische und Batrachier sind. Da jedoch
hei den höheren Thieren keine Kiemen sich ausbilden , so vergeht ein
Theil der Aortenbogen wieder und findet auch der Abschnitt derselben,
der sich erhält, eine ganz eigenthümliche Verwendung.
Umwandlungen Die Umwandlung der Aortenbogen in die bleibenden Gefässe
schildere ich nachRATUKE's sorgfältigen Untersuchungen und versinnliche
dieselben durch zwei Schemata Fig. 273, 3 und 4, die mit einer ge-
ringen Modification nach einem von Rathke gegebenen Schema construirt
sind. Die bleibenden grossen Arterien gehen im Wesentlichen aus den
drei letzten Aortenbogen hervor, doch erhält sich auch ein Theil des
ersten und zweiten Bogens in dev Carotis interna c" und Carotis externa c' .
Von den drei letzten Bogen wird der vorderste (der dritte der ganzen
Reihe zum Anfange der Carotis interna^ während die Carotis communis c
aus dem Anfange des ursprünglichen ersten ylrcM5 aortae sich entwickelt.
Der zweite bleibende Aortenbogen (der vierte der ganzen Reihe) setzt
sich auf beiden Seiten , nach der Trennung des Truncus arteriosiis in
Aorta und Art. pulmonalis, mit der Aorta in Verbindung und wird links
zum eigentlichen lAeihenden Arcus aortae, rechts zum Truncus anonymus
und zum Anfange der .S'///>c7a r/a dextra s . Die Verbindung zwischen dem
ersten und zweiten bleibenden Bogen (demdrilten und \ ierten ursprüng-
lichen Bogen) vergeht. Der dritte bleibende Bogen (der fünfte der ur-
.sprüngliclion Reihe) vergeht rechts vollständig, links tritt derselbe mit
Entwickluni^ der Arterien. 363
der Pidmonalis in Zusammenhang und bleibt auch während des ganzen
Fötallebens mit dem bleibenden vlrcws aortae in Verbindung, so dass das
Blut der rechten Kanmier in die Aorta descendens sich entleert. Aus
diesem Bogen entwickeln sich auch die beiden Lungenäste selbst ///>",
die anfänglich ein kurzes gemeinschaftliches Stämmchen haben , später
al)er direcl aus dem Bogen sell)st entspringen. Die Verbindung zwischen
dem zweiten und dritten Bogen links erhält sich als Fortsetzung der
Subclavia in die Axillaris ax und giebt die Vertebralis v ab, dagegen
vergeht die Fortsetzung des dritten Bogens zur ursprünglichen unpaaren
Aorta [a ic' , so dass später die Aorta descendens nur mit den Gefässen
der linken Seite in Verbindung steht. Die Subclavia der linken Seite
s" endlich entsteht aus dem Ende des zweiten bleibenden Aortenbogens
der linken Seite.
Sind einmal in der angegebenen Weise aus den ursprünglichen
Aortenbogen die bleibenden Gefässe entstanden , so erreichen dieselben
dann nach und nach durch besondere Wachsthumserscheinungen ihre
bleibenden Verhältnisse, was wohl nicht im Einzelnen zu schildern sein
wird, da die Gefässe der Fig. 273, 4 doch nicht so sehr von denen der
späteren Zeiten abweichen , dass nicht die Umwandlungen derselben
leicht begreiflich wären. Beim älteren und reifen Embryo haben dann
die meisten grossen Arterien ihre bleibenden Verhältnisse angenommen
und findet sich nur noch das Bemerkenswerthe , dass die Lungen-
arterie immer noch ausser den Lungenästen einen starken Verbindungs-
zweig, den Ductus ai'teriosus Botalli, zur^dor/a abgiebt (Fig. 279), der als
Fortsetzung der Pulmonalis erscheint und erst nach der Geburt obliterirt.
Von den übrigen Arterien sind im Ganzen nur wenige auf ihre Enu-ickiung
Entwicklung untersucht, doch bieten dieselben auch nicht das Interesse ^Arterien
dar, wie die grossen Stämme am Herzen, und begnüge ich mich daher
mit Folgendem. Aorta thoracica und abdominalis sind anfangs doppell,
indem die ersten Aortenbogen sich nicht vereinen , sondern als so-
genannte »primitive Aorten« vor der Wirbelsäule einander parallel bis ^^"^n
zum hinteren Leibesende fortgehen. Erst am dritten Tage verschmelzen
beim Hühnchen diese primitiven Aorten in ihrem vordersten an der
Wirbelsäule gelegenen Theile und von diesem Punkte rückt dann die
Verschmelzung langsam nach hinten fort.
Beim Kaninchen beginnt die Verschmelzung dieser Gefässe, die bis-
her Art. vertebrales posteriores hiessen , bei Embryonen von 9 Tagen in
der Gegend der Lungenanlagen und schreitet von da nach hinten fort,
so dass am 1 6. Tage die unpaare Aorta gebildet ist (s. d. Figg. 258 u. 262) .
Diese Verhältnisse machen es dann auch begreiflich , dass die Arte-
riae omphalo-mesentericae erst Aeste der primitiven Aorten und später
reu
364
Ent\viL'klung des Getasssystems.
der unpaareu liaudiaorla sind. Für die Annahme einer Entstehung der
ganzen Aorta descendens durch Verschmelzung zweier Stämme beim
Menschen sprechen die freilich seltenen Fälle von Aorten, die in ihrer
ganzen Länge durch eine Scheidewand getheilt sind.
Ausserdem verdienen nun noch die Gefässe des Dottersackes
und dev Allantois Erwähnung. Von den ersteren habe ich schon früher
angegeben, dass die anfänglich zahlreichen Art. omphalo-mesentericae
später bis auf zwei vergehen (Fig. 274 m), von denen schliesslich auch
nur die rechte sich erhält (Figg. i19a, 259 a'). Von dieser entspringt
dann als ein anfänglich kleines Aestchen die Arteria mesenterica, welche
dann aber zuletzt, da die Arterie des Dottersackes nicht wächst, als die
eigentliche Forlsetzung des Stammes erscheint , der hiermit zur Mesen-
ferica super ior wird. — Die Arterien der AU antois sind ursprünglich ein-
fach die Enden der primitiven Aorten (Fig. 274). Sind diese verschmol-
zen und die Aorta abdominalis aus ihnen entstanden , so erscheinen die
Arterien der Allantois , die jetzt zur Placenta gehen, oder die Arteriae
umbilicales, einfach als die Theilungsäste der Aorta, in derselben Weise
wie beim Erwachsenen die Iliacae communes , und diese geben dann
schwache Aestchen zu den hervorsprossenden unteren Extremitäten und
den Beckeneingeweiden ab. Mit der Zeit werden nun freilich diese
Repräsentanten der Arteria iliaca externa und inter7ia stärker, da aber
auch die Arteriae umbilicales während der ganzen Fötalperiode fort-
wachsen , so erscheinen diese Arterien auch beim reifen Embryo immer
noch als die eigentlichen Endäste der Aorta , ein Verhältniss , das erst
nach der Geburt mit der Obliteration der Nabelarterien und ihrer Um-
wandlung in die Ligamenta vesicae lateralia sich ändert.
Wenn ich vorhin die Arteriae umbilicales als die Endäste der em-
bryonalen Aorta bezeichnete , so ist dies noch etwas näher zu erör-
tern. Zur Zeil, wo (\\& Allantois hcrvorsprosst, sind die Arterien d(^r-
sell>en in der Tliat die letzten Aeste der noch unverschmolzenen primi-
tiven Aorten. Später jedoch , wenn die Verschmelzung eingetreten ist,
setzt sich die unpaai-e Aorta eigentlich noch jenseits der Umbilical-
arterien mit einem kleinen Stämmchen, das Aorta caudalis heissen kann
und Vorläufer der Sacra media ist, fort und sind die Arteriae umbilicales-
nur Seilenäste der mittleren unpaarcn Arterie. Da jedoch die Nabel-
arleri(! sehr stark und die Verlängerung der Aorta in den Schwanz nur
schwach ist, so erscheinen die ersteren auch unter diesen Verhältnissen
als die eiizcntliclien F]nden der Aorta, und hal)e ich dieselben aus diesem
Grunde vorhin als solche bezeichnet.
Zur Entwicklung des Venensyslems ü])ergehend, betreten wir un-
streitig das schwierigste Gebiet in der ganzen Lehre vom Gefässsysteme.
Entwicklung der Venen. 305
Die ersten Venen, die bei der Entwicklung auftreten, sind, wie u^Jerskht'der
schon bekannt, die zwei Venae omphalo-mesentericae , die nicht dem ^"^^^^^^^'^"e ^®'"
Leibe des Embryo selbst, sondern dem Fruchthofe angehören und durch ^^l^fJll'^/^^l^'
ein kurzes Stämmchen in das Venenende des Herzens einmünden
(s. Figg. 25, 88 und § 9). Mit der Ausbreitung der Gefässe des Fruchl-
hofes über die ganze Keimblase und der Bildung des Dottersackes wan-
deln sich diese Gefässe in die des Dottersackes um, von dem anfänglich
noch zwei Venen zum Herzen gelangen, die dann aber später, wenn der
Darm vom Dottersacke sich abschnürt , auf eine einzige , scheinbar der
linken Seite angehörige sich zurückbilden , die immer noch den Namen
Vena omphalo-mesenterica trägt und später auch eine kleine Vena mesen-
terica vom Darme her aufnimmt. Noch bevor dies geschehen ist, treten
aber auch schon zwei neue Venengebiete auf, das der Allanlois und die
Körpervenen des Embryo selbst. Die Venen der Allantois sind anfäng-
lich zwei Venae umbilicales , die in der Wand der noch weit offenen umhauaUs.
Bauchhöhle nach vorn verlaufen (Fig. 96 u) und dann , in ein Stämm-
chen vereint, von vorn her in den Stamm der beiden Venae omphalo-
mesen^er/cae sich einsenken. Noch bevor die Leber hervorsprosst, werden
die Umbilicalvenen mächtiger und eignen den Stamm der Omphalo-
mesentericae sich an, mit anderen VS'orten, es erscheint derselbe jetzt als
Fortsetzung der Nabelvenen , und die einzig übrig bleibende Vena
omphalo-mesenterica tritt nun in das Verhältniss eines Aestchens des
Nabelvenenstammes. Mit dem Hervorwachsen der Leber wird der Stamm
der Nabelvenen (früher Stamm der Omphalo-mesenterica] von derselben
umfasst und entwickeln sich nun zweierlei Systeme von Venenverästelun-
gen in die Leber hinein. Die einen derselben, die zuführenden Leber-
äste [Venae hepaticae advehentes) der Nabelvenen, bilden sich von der
Einmündungsstelle der Vena omphalo-mesenterica in die Leber hinein
und führen derselben Blut zu, die anderen dagegen entwickeln sich
weiter oben von der Leber in das Endendes Stammes der Nabelvenen
und stellen die Venae hepaticae revehentes dar, Ist dies geschehen, so
verschwindet die rechte Nabelvene , die schon früher eine geringe Ent-
wicklung dargeboten hatte, ganz, so dass nun das Blut der Placenta nur
durch eine linke Umbilicalvene , die aber nach und nach in die Mittel-
linie rückt, in die Leber und zum Herzen geführt wird. Um dieselbe
Zeit wird auch die Omphalo-mesenterica nach und nach zu einem Aste
der rechten Vena hepatica advehens der Nabelvene , obschon sie anfangs
genau an der Ursprungsstelle der Venen der beiden Seiten, jedoch mehr
rechts mit derselben zusammenmündete. Später wird der Theil dieser
Vene, der vom Dottersacke kommt , relativ immer kleiner, wogegen die
Darmvenen an Mächtigkeit gewinnen . und sobald dieses Verhalten be-
366 Entwicklung des Gerässsystems.
slinuuler ausgebildet ist, muss dann das Ende deivVene, die jetzt noch
Omphalo-mesenterica heisst , als Vena portae bezeichnet werden , die
somit ebenfalls in die rechte Ve7\a hepatica advehens der Umbilicalvene
einmündet. Der Theil der Vena umbilicalis^ der zwischen den beiderlei
Leberiisten derselben sich befindet , bleibt während der ganzen Em-
bryonalzeit bestehen und ist der Ductus venosus Arantii.
Gleichzeitig mit dem Auftreten der Gefässe der AUantois oder viel-
leicht schon etwas früher treten auch die ersten Gefässe im Leibe des
Embryo selbst auf. Die Venen sammeln sich auf jeder Seite in einen
uiVr/or"!«^?«* ^^™ Kopfe herkommenden Stamm, die Vena jugularis Fig. 54 ly^, und
einen vom hinteren Leibesende abstammenden, die Vena cardinalis, die
iiucius f .(cifW. Jq (jgp Herzgegend zu einem queren Stamme, dem Ductus Cuvieri . sich
verbinden , welche l)eide mit dem Ende des Stammes der Omphalo-
inesenterica, später der Vena umbilicalis sich vereinigen (s. die Fig. 54.
wo die Vena cardinalis, der Ductus Cuvieri und die Vena omphalo-mesen-
terica ohne Bezeichnung dargestellt sind). Hat dieses paarige Körper-
venensystem eine gewisse Zeit bestanden, so entwickelt sich, rechts von
der Aorta, aus zwei mit den Venae cardinales verbundenen Wurzeln ein
Cara in/mor. unpaarcr Stamm, die Cava inferior^ die über den Venae hepaticae reve-
hentes mit dem Stamme der Umbilicalvene zusammenmündet. Um diese
Zeit senken sich somit alle Venen des Embryo gemeinschaftlich in einen
kurzen Venensinus dicht am Herzen ein , später wird jedoch dieser Be-
hälter in den Bereich des Vorhofes gezogen, so dass dann die Ductus Cu-
vieri, die nun obere Hohlvenen heissen , für sich und der durch Ver-
einigung der Cava inferior und Vom umbilicalis gebildete kurze Stamm
ebenfalls als Cava inferior gesondert in den Vorhof übergehen. Noch
später vereint sich dann auch das System der linken Cava superior gröss-
tentheils mit der rechten oberen Hohlvene, wobei die Cardinalvenen zur
Azyfjos und Hemiazygos werden, und erhält sich von ihr nichts als das
Herzende als Vena coronaria*cordis magna. — Hiermit sind in groben
Umrissen die Hauptentwicklungsvorgänge des Venensystems gezeichnet
und werden sich nun die Einzelnheiten leichter auffassen lassen.
venat o>»i,hato- \\üs die crsten Venae omphalo-mesentericae betriflt , so finden sich
oder^ßttt^r '^'^ frühesten Zustände derselben von Säugethierembryonen nach Bischoff
■•ckven^n. jn den Figg. 81 und 88. Beim Menschen kennt man dieselben aus
diesem Stadium noch nicht und ist die früheste Beobachtung die von
CosTE an dem in der Fig. 1 13 dargestellten 15 — 18 Tage alten Embryo,
an dem die genannten Venen (n) die vorderen Seiten des Dottersackes
einnelimcn und an der Bauchfläche des Endes des Vorderdarmes in das
Herz sich einsenken, woselbst sie mit dem Stamme der Venae umhilicales
zusammenmUnden . in der Weise, wie dies das Schema Fig. 275. 1. er-
Entwicklung der Vonon.
;5G7
giebt. Zwisdien diesem Stcidiuni uiul dem nächstfolgenden , das die
Figg. 119 und 259 und das Schema Fig. 27ö, 2. darstellen, ist eine
Lücke, die bis jetzt noch von Niemand ausgefüllt ist. Beim vier Wochen
alten Embryo nämlich und noch später läuft die allein noch erhaltene
linke Vene des Dottersackes an der linken Seite der einfachen Darm-
schleife und tritt dann hinter dem Pförtner und der Pars horizontalis
superior duodeni an die rechte Seite des Magens , um schliesslich nach
vorn in den Stamm der Venae iimbilicales an der Leber einzumünden.
Dass dieses Gefäss , das hinter
dem Darme durchgeht, nicht ein-
fach die linke Vena oinphalo-mes-
enterica sein kann, wie allgemein
angenommen wird, ist klar, da
dieselbe ja ursprünglich vor dem
Darme ihre Lage hat; es ist je-
doch leider für einmal nicht mög-
lich genau zu sagen, wie dasselbe
entsteht. Inmierhin scheint mir
ein von Coste gegebener Finger-
zeig (Bist, du devel. Erklärung
der PI. IV a) den einzig richtigen
Weg anzubahnen. Nach Coste
nämlich ist das Ende der eben
geschilderten sogenannten linken
Vena omphalo-mesenterica der
Stamm der Nabelgekrösvene der
rechten Seite. Ist dem so , und meiner Meinung nach kann dies nicht
wohl bezweifelt werden , so begreift sich dann die Lage dieses Stammes
an der rechten Seite des Magens und hinteren Seite des Pylorus. letzte-
res im Zusammenhange mit der Drehung des Magens, leicht, dagegen
wird allerdings noch weiter anzunehmen sein, dass das Ende des Stam-
mes der linken Omphalo-mesenterica (Fig. 275, 2, om") vergeht und der
Rest derselben mit dem rechten Stamme sich in Verbindung setzt, welche
ihrerseits am Dottersacke schwindet, was das Schema Fig. 275, 2 deut-
lich machen wird.
Y\a. ^7li.
Fig. 274. Menschlicher Embryo mit Dottersacii , Amnion und Nabelstrang von
15 — 18 Tagen, nach Coste, veigr. dargestellt. 6 Aorta ; cHerz; d Rand der weiten
Bauciiöffnung; e Oesophagus; /' Kiemenbogen; i Hinterdarm; m Art. omphalo-mesen-
terica; n Vena omphalo-mesenterica ; o Dottorsack, dessen Gefässe nicht ausgezeichnet
sind ; u Stiel der AUantois (Urachits ; a Allantois mit deutlichen Gefässen, als kurzei'
Nabelstrang, zum Chorion ch gehend; v Amnion; ah Amnionhöhle.
368 Entwicklung des Gefässsystems.
l'eber die Beziehunizen der Voia omphalo-mesenterica zur Leber und
zur Vena umbilicalis und ihren Leberästen iiat der vortrelTliche R.vtiike
eine Schilderung gegeben, von der ich leider, wie Bischoff (Entw. S.
368 . bekennen muss, dass sie mir nicht verständlich ist. und die auf
keinen Fall für den Menschen passt. Aus diesem letzteren Grunde sehe
ich mich auch nicht veranlasst, auf Rathke's Darstellungen der Verhält-
nisse l)ei den Thieren einzugehen, und schildere ich nur die Zustände
des Menschen. Hier entwickeln sich die Umbilicalvenen sicherlich vor
der Bildung der Leber, wie der iMubryo der Fig. 113 beweist, und er-
scheint daher , im Zusanmienhange mit dem raschen ^Yachsthume dieser
Venen, der ursprüngliche Stamm der beiden Venae oniphalo-mesentericae,
sobald die Leber auftritt , nicht mehr als die Fortsetzung der noch er-
haltenen linken Vena omphalo-mesenterica, sondern als die der Nabel-
venen, mit anderen Worten, es hat sich, wie die Fig. 275, 2 lehrt, das
^■erhältniss der beiden grossen Venen zu einander in der Art geändert,
dass während früher die Vena omphalo-mesenterica Hauptgefäss war und
der Umbilicalvenenstamm in sie einmündete , nun umgekehrt die Vena
omphalo-mesenterica zu einem Aste der Nabelvene geworden ist. In der
That fand ich auch bei einem vier \Yochen alten Embryo, ähnlich wie
dies CosTE in seiner Tab. III, a von einer gleich alten Frucht zeichnet,
bei einer noch sehr kleinen Leber eine starke Nabelvene, die eine viel
kleinere Vena omphalo-mesenterica als Ast aufnahm, und ebenso ver-
halten sich die Sachen nach Coste's Abbildungen auch beim Schaafe
fl. c. Tab. IV , bei dem die kaum zu einer Masse verwachsene Leber-
anlage eine mächtige Umbilicalvene enthält, gegen die die Dotter-
sackvenen ganz zurücktreteH. Gestützt auf diese Thatsachen glaube
ich auch nicht zu irren, wenn ich annehme, dass das grosse Gefäss,
das Bi.scHOFF bei einem Hundeembryo von 25 Tagen in der noch klei-
nen Leber als Vena omphalo-mesenterica bezeichnet, schon die Nabel-
vene ist. Bei so bewandten Umständen kann man beim Menschen nicht
von Leberäslen der Omphalo-mesenterica, sondern nur von solchen der
Vena umbilicalis reden. Diese entwickeln sich nun allerdings zum Theil
und vor Allem von dem Punkte aus, wo die Vena omphalo-mesenterica
einmündet (Fig. 275, 2), und bildet insonderheit der rechte Ast der
Vena hepatica advehens der Umbilicalis so sich aus , dass bald die Om-
phalo-mesenterica nicht mehr in den Stamm , sondern in diesen Ast sic4i
einsenkt. So wird dann nach und nach ein Verhältniss herbeigeführt,
das während der Fötalzeit Geltung hat und das die Schemata Fig. 275, 3
und 4 versinnlichen. Dieselben sollen ausserdem auch noch zeigen, wie
aus der Vena omphalo-mesenlerica der Stamm und die Wurzel der Pfort-
ader sich gestalten. Schon in früherer Zeil ninmit diese Vene Wurzeln
Entwickluiii' der Venen.
369
aus dem Darme auf, die wir als Vena mesenterial bezeichnen wollen
(Fig. 275, 3). Während nun die eigentliche Vene des Doltersackes in
spateren Zeilen nicht mehr wächst und schliesslich vergehl , entwickelt
sich die Vena mesenterica immer mehr und gesellen sich auch die an-
deren Wurzeln der Pforlader dazu und wird so natürlich die Omphalo-
inesenterica an der Leber
Stamm der Pfortader (Fig.
275 , 4) , der aber w ährend
der ganzen Fötalperiode trotz
seiner beständigen Zunahme
doch keine überwiegende Be-
deutung erlangt, indem eben
die Nabelvene, die von An-
fang an die mächtigere ist,
in ihren Leberästen auch im-
mer mehr an Stärke gewinnt.
Erst nach der Geburt , w enn
die Nabelvene obliterirt, wird
die Pfortader die einzige zu-
führende Vene der Leber, und
eignet sich dann die früheren
Aeste der Umbilicalis an , so
dass der Anfang des rechten
Leberastes derUmbilicalvene
nun zum Anfange des linken
Astes der Pfortader sich ge-
staltet.
Mit der eben gegebenen Schilderung ist nun auch schon Vieles be-
sprochen, was zur Geschichte der Vena umbilicalis gehört und habe
ich nur noch Folgendes zur Ergänzung nachzutragen. Dass die Nabelvene
ursprünglich paarig vorhanden ist, wie die Arterien der Allantois, hat
Fig. 273.
Vena
umbilicalis-
Fig. 275. Schemata zur Darstellung der Entwicklung der Venae amphalo-mesen-
tericae und umhUicales. 1 . Aus der Zeit des ersten Auftretens der Umbilicales und der
Blüthe der Omphalo-mesentericae. 2. Aus der Zeit des Auftretens der ersten Leber-
äste und der Verkleinerung der Omphalo-mesenterica. 3. ii. 4. Aus der Periode des
vollkommen eingeleiteten Placentarkreislaufes. om in 1. Stamm der Omphalo-mesen-
terica, in 2. 3. bleibende Omphalo-mesenterica, in 4. Vene des Dottersackes allein.
om' , om" rechte und linke Vena omphalo-mesenterica ; u Stamm der Umbilicalvenen ;
h',u" rechte und linke Vena umbilicalis ; de Ductus Cuvieri; j Jugularis ; c Cardinalis;
l Leber; ha Hepaticae advehentes ; kr Hepaticae revehentes ; m Mesenterica ; da Duc-
tus venosus Arantii; ci Cava inferior; p Vena portae; l Lienalis ; m Mesenterica
superior.
Kölliker, Grundriss. 24
370 KiilNvifkluiiy des Gefiisssysleais.
für die Säugelhiere Ratuke schon vor langer Zeit angegeben und später
Bischoff und Coste dies bestätigt. Beim Mensclien dagegen liat
wohl Coste zuerst dieses Verhalten aufgedeckt { l. c. Tab. III, a,
in diesem Werke Fig. 259 uii). Wie die Allantois im Zusammenhange
mit der vorderen Leibeswand sich entwickelt, so sind auch die Nabel-
venen ursprünglich nicht blos Venen der Allantois, sondern auch der
vorderen Bauchwand und nehmen ursprünglich, wie ebenfalls Ratiiive
zuerst mitgetheilt, eine grosse Menge kleiner Venen der besagten Wand
auf (Fig. 84) . Diese Zweigelchen , die nach Coste auch beim Menschen
vorkommen , schwinden
später — doch können
selbst beim Erwachsenen
noch einzelne Reste der-
selben vorkommen — und
ebenso vergeht auch die
Eine und zwar die rechte
Nabelvene ganz, während
die andere nach und nach
in die Mittellinie rückt. —
In der Leber treibt der
gemeinschaftliche Stamm
der Nabelvenen {der
frühere Stamm der Oin-
phalo - mesentericae ] bald
die zwei schon besproche-
nen Systeme von zu- und
al)führenden Venen und spielt dann die Rolle der späteren Pfortader,
mit dem Unterschiede jedoch, dass die Nabelvene niemals alles ihr Blut
durch die Leber sendet , sondern immer einen Theil desselben durch
ihren Stamm direct dem Herzen, mit anderen Worten, der Cava inferior
übermittelt. Es ist jedoch zu bemerken, dass dieser Stannn später mit
der Entwicklung der Lcberäsle nicht vollkommen gleichen Schritt hält
Fig. 276), so dass während der grössten Zeit des Embryonallebens doch
das meiste Blut der Nabelvene erst auf dem Umwege durch die Leber
rij^. 276. Lobor eines reifen i-ölus, ^/e der nalürliclien Grösse, von unten. Der
ot^ere Theil des SpiGEL'schcn Lappens, die die linke Furche begrenzenden Theile und
ein Theil des rechten Lappens sind enlfernt. u Stamm der Umbilicalis; u' ilauptasl
derselben zum linken Lappen ; w" Ast derselben zum rechten Lappen ; «'"kleinere
Acste zum linken Lappen und zum Lohus rjuadrangularis ; dv Ductus renosus Arantü ;
p Vena I'orlae; d Cava inferior an der Leber; c Stamm derselljcn über der Leber;
h linke Lebervene; /"Gallenblase.
Enlwickluiig der Venen. 371
das Herz erreicht und der ursprüngliche Stannn eher als ein engerer
Verbindungskanal zwischen ihr und der unleren Hohlveno erscheint, der
nun Ductus renosus heisst (Fig. 276 dv]. Üass die Veiiae liepaticae reve-
hentes der Umbilicalvene die eigentlichen Lebervenen sind, wird bereits
klar geworden sein und ebenso ist auch bekannt, dass der Ductus venosus
nach der Geburt oljlilerirt und nur in einem vom linken Aste der Pfort-
ader zur Cüca hinziehenden Strange sich erhält.
Die ersten Körpervenen , welche im Embryo entstehen , sind die Korperveuen,
Venae jugulares und cardinules von Rathke. Beim Hühnchen
entstehen die Ve?iae cardinales (siehe Figg. 44, 45, 48, 54 vcj am An-
lange des drillen Tages nach den Gefässen des Fruchthofes, aber vor der
Allantois und den Vasa umhiUcalia und so wird es sich wohl auch beim
menschlichen Embryo verhalten , obschon hierüber nichts Sicheres be-
kannt ist. Beim Kaninchen sah ich diese Venen am 10. Tage hinter der
Bauchhöhle neben der Aorta in ganz guter Entwicklung (Fig. 258 und
vermuthe , dass sie schon früher vorhanden sind. Es ist dieses erste
System von Körpervenen , dessen genauere Kenntniss wir vor Allem
Rathke, dann auch Coste verdanken, ein sehr zierliches paariges System,
dessen einzelne Theile sich folgender Maassen verhalten. Die Venae
jugulares (Fig. 54 vj] entspringen mit vielen Aestcheu vom Kopfe be-
sonders aus dem Gehirn und der Schädelhöhle, die sie durch ein Paar Löcher
[Foramina temporalia) in derSchläfengegend verlassen, laufen dicht hinter
den Kiemenspalten und vor der Gegend des Gehörbläschens nach hinten
bis in die Höhle des Herzens , wo sie nach innen sich biegen und mit
den Stämmen der Venae cardinules die Ductus Cuvieri bilden, die rechts
und links von der Speiseröhre gegen das Herz verlaufen und mit einem
kurzen Stämmchen , gemeinschaftlich mit der Vena omphalo-mesenterica
in die noch einfache Vorkammer sich einsenken. Die Venae cardi-
nales entspringen doppelt am hinteren Leibesende, laufen hinter den
WoLFp'schen Körpern die Aorta zwischen sich nehmend nach vorn , um
dann, wie schon erwähnt, mit den Jugulares sich zu vereinen.
Die genaueren Verhältnisse und die weiteren Entwicklungen dieser
zwei Venengebiete sind nun folgende. Die Venae jugulares an- ve>Me juouinres.
langend , so liegen ihre ersten Zweige in der Schädelhöhle und fliessen
jederseits in einem Gefäss zusammen , das als Anfang des Stammes an-
gesehen w^erden kann und später als Sinus transversus erscheint. Dieses
Gefäss veriässt jedoch die Schädelhöhle nicht durch ein Foramen jugu-
lare , sondern durch eine besondere, vor der Ohrgegend gelegene Oeff-
nung, welche, wie Luschka gezeigt hat, auch am ausgebildeten knöcher-
nen Schädel noch erhalten sein kann und dann am Schläfenbeine über
dem Kiefergelenke liegt. Später verschliesst sich diese Oeffnung und
24*
372
Entwicklung des Gefässsystems.
Vertebralts
'interiorfs.
Subclariae.
Vena»
curdinales.
wird das Blut der Schädelhöhle durch eine nahe am Ductus Cuvieri aus
dem untersten Ende der primitiven Jugularis hervorgesprossle Jugularis
interna abgeführt, so dass dann die erstere als Jwjularis externa er-
scheint. In den Bereich desselben Venengebietes gehören auch 1) die
Venae vertebrales anteriores von Rathke, die in die Ductus Cuvieri
sich entleeren und zu den bleibenden Venae vertebrales sich gestalten ,
und 2) die Ve nae subclaviae , die in das
Ende der Jugiilares sich ergiessen.
Die Venae cardinales (Fig. 277 c)
sind wohl in erster Linie die Venen der Ur-
nieren , dei'en ganzem Verlaufe sie folgen
und von denen sie viele Zweigelchen auf-
nehmen. Ausserdem nehmen sie aber auch
von der Rückenwand des Rumpfes viele
Aestchen auf. die den späteren Intercostal-
und Lumbaivenen entsprechen. Mit der
Bildung der hinteren Extremitäten ent-
stehen an ihren Stämmen auch die Venae
crurales. Die weiteren Umwandlungen
der Cardinalvenen sind bei den Säugethie-
ren und beim Menschen noch nicht hin-
reichend verfolgt , es scheinen jedoch nach
Rathke's Untersuchungen die mittleren
Theile der Cardinalvenen später ganz zu
versehen. Die Venen der hinteren Extre-
mitäten und die Schwanzvenen , die ur-
sprünglich die Enden der Cardinalvenen
sind, schliessen sich dann an die mittler-
weile entstandenen Venae iliacae an (Fig.'
278,2). Die Lendenvenen ferner vereinen
sich theils mit der Vena Cava, theils mit einem neu entstehenden Stamme,
'»aurttbraUsder Vena vertebralis posterior von Rathke , d(>r auch die hinteren
Intercostalvenen aufninmit und durch das sich erhallende obere Ende
der Cardinalvenen in den Ductus Cuvieri übergeht. So entsteht dann
litttrcostaUs.
LumbaUs.
durales.
posterior.
Fif:;. 277. Schema der grossen Venen aus der Zeit dos ersten Auftretens des
Piaccnlarkreislaufes und der Kürpcrvenen , beim Menschen etwa aus der vierten
Woche. V gemeinschaftlicher Venensinus; de Ductus Cuvieri; j primitive Jugularis ;
ji Jwjularis interna; s Subclavia; c Cardinalis; h Ende derscil)cn , spiiterc //i/po-
gastrica; er Cruralis ; ci Cava inferior; il Itiaca communis; om Oinplialo-mescnlerica;
u i'mtjilicalis ; u Stamm derselben an der Leber, dessen Lei)crästi! nicht dargestellt
sind.
Entwicklung der Venen.
373
ein Verhiillen tler Gefässe, wie dasselbe in dem Schema Fig. 278, 1 dar-
gestellt ist.
Behufs der Schilderung der letzten Umwandlungen der Venae car-
dimdes haben wir nun vor Allem
unsern Blick wieder auf die gros-
sen Stämme am Herzen zu rich-
ten. Wie schon angegeben, mün-
den die Ductus Cuvieri , die Ab-
zugskanäle der Jugular- und Car-
dinalvenen, anfänglich mit der
Vena o/iip/icdo-mesenterica , deren
Stelle später von der Umbilicalis
und endlich der Cava inferior ein-
genommen w ird , gemeinschaft-
lich in den Vorhof des Herzens.
Später wird dann der kurze ge-
meinschaftliche Venensinus in
den Bereich der Vorkammer ge-
zogen und dann findet man am
Herzen drei grosse Venenmün-
dungen , die beiden Ductus Cu-
vieri, die nun auch obere Hohl-
venen heissen, und die Cava in-
ferior. Beim Menschen erhalten sich diese zw ei o b e r e n H o h l v e n e n ^ fl",";"!,
' supCTtores.
viel länger als man bis jetzt gewusst hat und habe ich schon früher ein
Fi2. 278.
Fig. 278. Sclienia zur Darstellung der Bildung der Venensysteme der Cava supe-
rior und inferior. 1 . Ansicht des Herzens und der Venen aus der Zeit des Bestehens
zweier oberen Hohlvenen von h inten, es Cava superior sinistra, die mit ihremEnde
Herzvenen aufnimmt; cds Stamm der Cardinalis sinistra; cd Cava superior dextra ;
ad Anonyma dextra (ursprünglich Anfang der rechten Jugularis) ; as Anonyma sinistra
(Verbindungsast zwischen beiden ursprünglichen Jugulares) ; az Asygos (ursprüng-
lich Stamm der Cardinalis dextra) ; ji Jugularis interna; je Jugularis externa; s Sub-
clavia; c obliterirter mittlerer Theil der Cardinalvenen ; vp statt dessen neu aufge-
tretene Tej-ie?^j-fl//5 j>os?e)70)-, die nun die Lendenvenen und Intercostalvenen zum Theil
aufnimmt; ha Stamm der Hemiazygos (Verbindungsast zwischen beiden Vertebrales) ;
ci Cava inferior; il Iliaca communis (ursprünglich Verbindungsast der Cava mit der
Cardinalis); crCruralis; h Hypogastrica (ursprüngliches Ende der Card/na?/«).
2. Ansicht des Herzens und der bleibenden Venenstämme mit Andeutung des
Schwindens der Cava superior sinistra von hinten; az Azygos ; a d Anonyma dextra ;
as Anonyma sinistra; je Jugularis communis ; s Subclavia; es obliterirte Cava supe-
rior sinistra ; i Intercostalis suprema; ha s Hemiazygos superior ; hai Hemiazygos in-
ferior; ha Stamm der Hemiazygos ; sc Sinus coronarius die grossen Herzvenen auf-
nehmend Ende der früheren Cava superior sinistra .
374
Eiilwickliuii: des GefUsssystems.
Sinns
coronarifts.
Hemiazyyus.
Azygos.
Auonymae.
Cat/i inferior.
Ilorz eines aelit Wochen altenEnibryo geschildert (Fig. 271), an welchem
<liesell)en beide gleich stark waren (s. auch Fig. 278, I). Hierbei nimmt
jedoch die linke Vene eine andere Stellung an als die rechte und mündet
ganz unten und nach links in die Vorkammer ein , nachdem sie vorher
auch die Ilerzvenen aufgenommen hat. Diese obere linke Hohlvene nun
vergeht im dritten und vierten Monate, und bildet sich das bleibende
Verhältniss der Venen des Syslemes der Cava superior in folgender
Weise. Erstens entsteht eine Verbindung der linken Jugidaris mit der
rechten durch einen kurzen queren Stamm (Fig. 278, as), der am Ende
des zweiten Monates vorhanden ist. Zweitens löst sich der linke Ductus
Cuvieri oder die linke Cava superior fast ganz auf , mit einziger Aus-
nahme des Endstückes, weiches zum sogenannten Sinus coronarius wird,
in den die Vena coronaria cordis magna und die hinteren Herzvenen
sich ergiessen. Drittens endlich verbindet sich die linke hintere Verte-
bralvene hinter der Aorta mit der entsprechenden Vene der rechten
Seite und wird so zur Vena hemiazygos. Die rechte Vena vertebralis mit
dem Ende der früheren Cardinalis ist nun Azygos geworden, der Ductus
Cuvieri dexter obere Hohlvene, das Ende der rechten Jugidaris Anonyma
dextra. der neue Verbindungszweig mit der Jugidaris sinistra Anonyma
sinistra^ wie dieses Alles die Fig. 278 versinnlicht. Das obere Ende der
Vertebralis posterior dextra mit dem Reste der Cardinalis dextra erhält
sich in sehr verschiedener Form als Stämmchen der oberen Intercostal-
venen oder Hemiazygos superior und Intercostalis suprema. Einen dieser
Fälle, wo die Hemiazygos superior eine Anastomose der Hemiazygos in-
ferior und Anonyma darstellt, ist in dem Schema Fig. 278, 2 zu Grunde
gelegt. — Fasst man alles Bemerkte zusammen, so ergiebt sich, dass
dem ganz unpaarigen Systeme der Vena cava superior des Erwachse-
nen ein paariges Venengebiet zu Grunde liegt, und will ich bei dieser
Gelegenheit noch darauf aufmerksam machen, dass bei manchen Säuge-
Ihieren zeitlelicns zwei obere Hohlvcnen sich erhalten , sowie dass auch
beim Menschen in seltenen Fällen eine Cava superior sinistra gefunden
wird, in welch' letzterer Beziehung besonders Arbeiten von Marshall
(Phil. Trans 1859) und von Khaise jun. (Siehe Henle's Anatomie) zu
vergleichen sind.
Es erübrigt endlich noch die Bildung der unteren Hohlvene zu
besprechen, welche von all den geschilderten primitiven Venenstäm-
men zuletzt enlsloht. Wenn die Cardinalvenon die Venen der Wolff-
sehen Körper sind , so k.inn man die Cava inferior die Vene der Neben-
nieren, .Nieron und inneren (Jeschlochtsorganc heissen. Ihre Bildung
fällt beim .Mciisrhcn zwischen die vierte und fiinfle Woche und erscheint
dieselbe als ein kiirzer-er Slaiimi zwischen den WoLFP'schen Körpern
Kreislauf des Fötus. 375
und hinler der Leber, der vorn mit dem Stamme der Umbilicalvene zu-
sanmienmündot und hinten jederseits durcli einen iiinler den Wolff-
schen Körpern gelegenen Ast mit den Cardinalvenen sich verbindet , da
wo dieselben von aussen die kleine Extremitätenvene aufnehmen
(Fig. 278). lieber die erste Entstehung der Ilohlvene giebt Ratiike an,
dass dieselbe gleichsam von der Leiter aus rückwärts ausw^achse. Zuerst
enlstehe der Stamm, dann ein Paar Aeste, die am Innern Rande der
WoLFF'schen Körper rückwärts verlaufen und Aestchen von diesen und
der Niere empfangen. Darauf bilde sich der Stamm über diese Aeste
hinaus nach hinten fort und gehe dann die erwähnte Anastomose mit
den Cardinalvenen ein , während zugleich ein neuer Seitenast von den
WoLFF'schen Körpern und den Geschlechtsorganen her sich bilde. Mit
dem Schwinden der WoLFF'schen Körper und des mittleren Theiles der
Cardinalvenen erscheint dann das Ende dieser, die Vena hypogastrica
und die Schenkelvene, als Aeste der Cava^ deren zwei Schenkel zu den
Venae iliacae communes sich gestalten. Zugleich wird das vordere Ende
der Cava immer weiter und bald zum Hauplgefäss, in das dann das Ende
der Nabel vene oder der Ductus venosus als Ast einmündet, wobei jedoch zu
bemerken ist, dass selbst noch am Ende des Fötallebens die Cava inferior
eigentlich kaum stärker ist als der Ductus venosus (Fig. 276), so dass
man den kurzen Stamm der Cava über der Leber auch jetzt noch mit
Recht als Ende der Umbilicalis bezeichnen könnte, insofern wenigstens
als die Lebervenen zum Bereiche der Umbilicalis gehören.
Nach Beschreibung der Entwicklung der Blutgefässe erscheint es
nun zweckmässig noch mit einigen Worten des Kreislaufes im Fötus zu
gedenken. Die Embryologie unterscheidet gewöhnlich zwei Formen oder
Stadien des Kreislaufes im Fötus, einmal den ersten Kreislauf oder den
d es Fruchthofes und Dottersackes, und dann den zweiten Kreis-
lauf, der auch der Placentarkreislauf heisst, es ist jedoch hinreichend
klar, dass zwischen diesen beiden Endgestaltungen eine Menge Ueber-
gänge sich finden. Es würde uns zu weit führen und auch ziemlich
nutzlos sein, wollten wir diese Zwischenstufen jetzt, nachdem wir die-
selben alle ausführlich anatomisch abgehandelt, auch noch vom physiolo-
gischen Standpunkte aus betrachten, und begnüge ich mich daher, da
der erste Kreislauf schon geschildert ist (s. § 9), mit einer kurzen
Darstellung des Fla cen tarkreislaufes, wie er vom Anfange des
dritten Monates an bis zum Ende des Fötallebens gefunden wird. Das
Eigenthümliche dieses Kreislaufes, verglichen mit dem Kreislaufe der
nachembryonalen Zeit , liegt darin , dass bei demselben ein zweiter
Kreislauf, analog dem Lungen- oder kleinen Kreislaufe, fehlt, und dass
somit alle vier Abtheilungen des Herzens für den Körperkreislauf nutz-
Kreislauf des
Fötus.
376 Entwicklung des Gefässsystems.
l>ar iieniaehl werden. Uni dieses l)ei der slattfindenden aleiehniässigen
Ausbildung aller Al)schnilte des Herzens zu ermöglichen, niusslen Ein-
richtungen geschaffen werden, um erstens auch dem linken Herzen, dem
von den Lungen her eine kaum nennenswerthe Blutmenge zukommt,
eine gehörige Zufuhr zu verschafl'en, und zweitens das Blut des rechten
Herzens in die Körpergefüsse abzuleiten. Zur Verwirklichung dieser
Bedingungen finden wir nun beim Fötus 1. eine Oeffnung in der Scheide-
wand der Vorkammern , das Foramen ovale , und eine solche Klappeu-
einrichtung an der Cava inferior, dass dieselbe ihr Blut fast ganz in den
linken Vorhof überführt, und 2. eine Verbindung der Arteria pubnonalis
mit der Aorta descendens durch den sogenannten Ductus Botalli. welcher
den Abfluss des Blutes der rechten Kammer mit
Ausnahme des wenigen, was zu den Lungen geht,
in die Körperarterien und zwar der hinteren
Rumpftheile gestaltet 'Fig. 279 . Aus diesem
Verhalten der Arterie des rechten Herzens ergiebt
sich nun auch, dass die Leistungen desselben
für die Gesanmitcirculation eben so gross sind,
wie die der linken Kammer, und erklärt sich so die
gleiche Muskelstärke der Kammern beim Fötus.
,.^_ Fernere Eigenthümlichkeiten der fötalen Cir-
Pj„ 279. culation liegen nun in dem Umstände, dass der
Embryo im Mutterkuchen ein ausserhalb seines
Leibes befindliches Organ besitzt, das, man mag nun die Function dei-
Placenta ansehen wie man will, auf jeden Fall die Rolle eines Ernäh-
rungsorganes im w-eiteren Sinne spielt. Soll der Fötus wachsen und
gedeihen, so ist eine ununterbrochene freie Verbindung mit der Placenta,
eine beständige Wechselwirkung des fötalen und mütterlichen Blutes in
derselben nöthig. Diese Beziehungen nun werden unterhalten durch die
zwei mächtigen Arteriae umbilicales , die das Fötalblut in die Placenta
hineinsenden, und durch die Vena umbilicalis, die von derselben wieder
in den Embryo geht. Interessant, jedoch leider noch nicht nach allen
Seiten physiologisch aufgeklärt , ist nun das Verhalten dieser Vene zur
Leber, indem (li('sell)e ihr mcisles Blut in die Leber abgiebt und so ge-
Wissermassen eine fötale Pfortader darstellt, während nur ein geringerer
Theil dessoll)en durch den Ductus venosus direct ins Herz abfliessl. Man
verinulhet mit Heclil , dass diese ICinriditung das Zustandekommen be-
Fig. 279. Herz eines reifen Embryo etwa um die Hälfte verkleinert, von vorn
und etwas von links her. es Cava superior ; aAnonyma; c Carotis sinislra ; s Sub-
clavia sinistra ; no Ende des Arcus aorlae ; da Ductus arterinsus Botalli; ad Aorta
thoracica; «p linke I'ulmonalis; ;; linke Venac pulmonales.
Kreislauf des Fötus. 377
sonderer chemischer Vorgänge im Lebergewebe und im Blute der Nabel-
vene selbst ermöglicht und vielleicht auch für die ßlutzellenluldung von
Bedeutung ist, doch fehlen annoch sichere Thalsachen, um diese Ver-
inuthungen in bestimmlere Worte kleiden zu können. Da der Fötus kein
eigentliches Athmungsorgan besitzt, und auch die Functionen seiner
Organe lange nicht dieselben sind wie beim Erwachsenen, so mangelt
demselben auch jene Yerschiedonheit des Blutes in verschiedenen Bezir-
ken , die wir mit dem Namen arteriell und venös bezeichnen. Nichts
desto weniger würde man sehr irren, wenn man das Blut des Fötus als
überall gleich beschafTen ansehen wollte. Die hier vorkommenden
Hxtreme sind einerseits das Blut der Nal)elvene, das als das zur Unter-
haltung des Wachsthumes tauglichste erscheint , und andererseits das
Blut der Körpervenen , von welchem das Entgegengesetzte zu sagen ist,
und können wir diese beiden Blutarten , ohne jedoch auf diese Benen-
nung ein zu grosses Gewicht zu legen, immerhin als Arterien- und
Venenblut des Embryo bezeichnen. Verfolgen wir nun , wie bei der
geschilderten Einrichtung des Herzens und der grossen Arterien die Ver-
theiluug der beiden Blutarten sich macht, so finden wir, dass, mit ein-
ziger Ausnahme der Leber, kein Theil des Körpers reines Arterien- oder
Umbilicalvenenblut erhält. Denn das Blut der Nabelvene kommt nur
gemengt mit dem Venenblute der unteren Hohlvene und der Pfortader
ins Herz. Aber auch das so gemischte Blut kommt nicht allen Theilen
des Körpers ganz gleichmässig zustatten, vielmehr finden wir, dass
dasselbe , weil es fast ganz in die linke Vorkammer übergeht, vorzugs-
weise durch die grossen Aeste der Aorta dem Kopfe und den oberen
Extremitäten zu gute kommt. Der Bumpf und die unteren Extremitäten
erhalten durch die Art. pidmonalis einmal das rein venöse Blut der
oberen Hohlvene , und dann von gemischtem Blute erstens das wenige,
was von der unteren Hohlvene nicht in die linke Kammer übergeht, und
zweitens das , was durch das Ende des Bogens der Aorta vom Blute des
linken Herzens für die Aorta descendens übrig bleibt. Somit ist die obere
Körperhälfte mit Bezug auf ihre Ernährung besser dran, als die untere,
und erklärt man auch hieraus , dass dieselbe in den früheren Perioden
in der Entwicklung stets voran ist. Später gestalten sich nun freilich
die Verhältnisse allmälig etwas günstiger für die unteren Körpertheile,
dadurch , dass einmal das Foramen ovale langsam enger wird und so
immer mehr Blut der Cava inferior für die rechte Kammer übrig bleibt,
und zweitens durch Erweiterung des Endes des eigentlichen Arcus
aortae und Verengerung des Ductus Botalli, welche letztere mit der Zu-
nahme der Blutzufuhr zu den Lungen in Ver])indung steht.
Die Unnvandlung des fötalen Kreislaufes in den bleibenden ge-
378 Entwicklung der Ilarn- und Geschlechtsorgane.
Schicht nach der Gel)url fast mit Einem Schlage. Die Umbilicalvene und
die Xabehirterien obliteriren wohl vorzüglich durch Bildung von Blut-
pfröpfen in denselben, was vielleicht auch vom Ductus venosus gilt.
Was dagegen den Ductus Botalli und das Foramen ovale anlangt, so sind
es hier besondere Wachsthumsphänomene , die ich an ersterem Kanäle
als eine Wucherung der Arterienhaut nachgewiesen habe, welche zu-
gleich mit derAenderung des Blutlaufes, den die Athmung bedingt, den
Verschluss herbeiführen. Der Ductus Botalli schliesst sich übrigens viel
rascher als das Foramen ovale, das, wie bekannt, auch sehr häufig zeit-
lebens wegsam bleibt, so jedoch , dass, vermöge der Lage und Grösse
der Valvula foraminis ovalis, sein Offenstehen keinen Nachtheil bringt.
Lymphgefässe. Von der Entwicklung der Lymphge fasse ist bis jetzt nur das
Wenige bekannt , was ich von den Anfängen dieser Kanäle bei Frosch-
larven mitgetheilt habe s. Gewebel. 5. Aufl.), und hat auch dieses mehr
Lymphdrtseu. histologisches als morphologischcs Interesse. Von den Lymphdrüsen
weiss man , dass sie erst um die Mitte der Fötalzeit erscheinen. Nach
Breschet sind dieselben anfänglich einfache Lymphgefässplexus [Le
Systeme lymphatique. Paris 1836. pag. 185) und nach Engel gehen die-
selben aus sprossen treiben den und vielfach sich windenden Lymph-
gefässen hervor (Prag. Viertelj. 1850. II. pag. 111).
ma
VIII. Entwicklung der Harn- und Geschlechtsorgane.
§ i8.
Harnorgane.
Als Harn Organe treten beim Embryo zweierlei Apparate auf, die
n als e m 1) ry 0 n a 1 e und bleibende, primäre und s e c u n d ä r e
bezeichnen kann. Zu den ersteren gehört die Orniere (Primordialniere
oder Woi.Fp'scher Körper) mit ihrem Ausführungsgange, dem Wolfk'-
schen Gange, welcher in den Theil der Allanlois oder des Ilarnsackes
mündet, der, im Leibe des Embryo gelegen, anfangs den Namen Harn-
gang, Urachus, führt (s. oben S. 62). Dieser IJraclms mündet in den
Theil des Enddarmes, der die Kloake heisst, später jedoch in zwei Theile
sich trennt, von denen der vordere unter dem Namen (kinalis oder Sinus
urogenilalis eine besondere Ausmündung des Harn- und Geschlechts-
apparates darstellt. Die bleibende oder secundäre Niere ent-
wickelt sich aus dem Ausführungsgange der Urniere oder dem W^olff-
Urnicre.
379
sehen Gange und ergeben sich somit die beiderlei Ilarnorgane als Theile
eines und desselben Systemes.
Im Folgenden besprechen wir zunächst dieUrniere, soweit als umiere.
ihreUml)ildungen nicht mit den Geschlechtsorganen in Beziehung stehen,
und dann die bleibende Niere.
Es ist im Früheren schon zu wiederholten Malen von der Umiere
oder dem WoLFF'schen Körper des Hühner- und Säugethicreml)ryo die
Rede gewesen und bringe ich daher hier nur die Ilaupterscheinungen in
Erinnerung. Zuerst entsteht der
Urnierengang , durch die Ablö-
sung einer Zellenmasse der Sei-
tenplatten da, wo dieselben an
die Urwirbel angrenzen (S. 55,
Fig. 43; S. 61, Fig. 48; Figg.
55 , 56 , 58 vom Hühnchen ;
Figg. 93, 95 vom Kaninchen),
welcher Strang anfänglich ganz
und gar solid ist , und erst
nachträglich eine Höhlung erhält.
Dieser Gang, der beim Hühnchen
in der zweiten Hälfte des 2. Ta-
ges, beim Kaninchen am Ende
des 8. oder am Anfange des 9.
Tages auftritt, erscheint zuerst in
der Gegend der vorderen (4. — 5.)
Urwirbel und entwickelt sich von
hier aus rasch nach hinten , so
dass er beim Hühnchen schon am
Ende des 2. Tages eine ansehnliche Länge besitzt und fast bis zu den
letzten nun vorhandenen Urwirbeln sich erstreckt. Im Zusammenhange
mit diesem Gange bildet sich nun beim Hühnchen am 3. und 4., beim
Kaninchen am 9. und 10. Tage eine zierliche einfache kammförmige
Drüse , die in der Fig. 280 vom Hundeembryo nach Bischoff dargestellt
ist. Dieselbe erstreckt sich von der Lebergegend bis zum hinteren Ende
der Abdominalhöhle und besteht aus einem an der lateralen Seite ge-
Ä,
Fis;. 280.
Fig. 280. Hinteres Ende eines Hundeembryo mit hervorsprossender Allantois.
Das sogenannte Gefässblatt und das Darmdrüsenblatt oder die Anlage des Darmes
und die benactibarten Theile des Dottersackes sind zurückgeschlagen, um die Corp.
Wolffiana zu zeigen, 10 mal vergr. Nach Bischoff. o WoLFP'sche Körper mit dem
Ausführungsgange und den einfachen blinden Kanälchen; b Urwirbel; c Rücken-
mark ; d Eingang in die Beckendarmhöhle.
380 Entwicklung der Harn- und Geschlechtsorgane.
legenen Gange, dem WoLFF^schen Gange, und vielen Querkanälchen, die
auf den ersten Blick den Urwirbeln entsprechen, jedoch, wenigstens bei
den Säugethieren, zahlreicher sind als diese.
In dieser einfachsten Form verharrt jedoch die Drüse nicht lange,
vielmehr liildet sich dieselbe bald zu einem compacten, blutreichen,
röthlichen Organe um, das den wiesen tlichen Bau der bleil)enden Niere
besitzt und nebst zahlreichen geschlängelten weilen Drüsenkanälchen,
in denen Remak und ich vor Jahren bei Eidechsenembryonen Flimmerung
beobachtet haben, ächte MALPiani'sche Körperchen besitzt. Ein früheres
Stadium dieser Uml)ildung zeigen vom Menschen die Figg. 119 u. 259,
spätere mehrere bei den Geschlechtsorganen zu findende Abbildungen
von Rindsembryonen und vom Menschen.
Die erste Entwicklung der Querkanälchen der Urniere anlangend,
so entstehen diesel])en unabhängig vom Urnierengange aus den Mittel-
platten. Beim Kaninchen (ich, Egli) , bei Reptilien (Braun) und beim
Hühnchen (Fürbringer) entwickeln sich an der ventralen und medialen
Seite des Wulff' sehen Ganges aus den Mittelplatten oder, wie man wohl
mit demselben Rechte sagen kann , aus der zelligen Auskleidung der
Peritonealhöhle in erster Linie in einer Reihe hinter einander gelegene
solide zapfen- oder birnförmige Ge])ilde, die Urni e renstränge (Figg.
123 — 125 m. Entw. 2. Aufl. , welche bald vom Peritonealepithel sich
lösen (Fig. 44. 48 und dann eine Höhlung erhalten, in welchem Zu-
stande diesel])en mit R.vtiike Um i erenbläschen oder mit Braun
Segmentalb laschen heissen können. Weiter setzen sich diese Bläs-
chen und der WoLPF'sche Gang in Verbindung , worauf denn die ersle-
ren, in .S förmig gebogene Schläuche umgewandelt, in derselben Weise
wie in der Niere MALPiciirsche Körperchen erzeugen. Indem ferner die
einzelnen Drüsenschläuche stark in die Länge wachsen und vielfach
sich schlängeln und zugleich durch eine gemeinschaftliche mesoderma-
tische Umhüllung alle zusammen vereinigt werden, entsteht schliesslich
das einheitliche Organ, das oben als Urniere beschrieben wurde.
Der Urnierengang, der, wie wir oben sahen , von vorn nach hinten
sich bildet, erreicht beim K;minchen am 11. Tage den Sfniis urof/enitalis
und öffnet sich in denselben Fig. 282. Hierbei liegt sein unterstes
Ende jederseits in einem Vorsprunge der hinleren Bauchwand , der
Plica nrof/cnilalis von Waldever (Fig. 281. welcher mit der Zeit immer
länger und vorstehender \\ird und ganz unten mit demjenigen der
andern Seite verschmilzt.
Wir verlassen nun für einmal die l'rnioren. um bei den Geschlechts-
organen wieder zu denselben zurückzukeliren und wenden uns zu den
bleibenden Nieren.
Bleii)oiulc Ni(!ren.
:ibi
Die Niere entsteht sowohl beim Hühnchen als bei Säugethieren ^iere.
als eine hohle Sprosse des WoLFp'schen Ganges dicht über seiner Ein-
mündung in die Kloake und zeigt die Fig. 282 eine sehr junge Nieren-
anlage des Kaninchens.
In weiterer Entwicklung wächst der Nierengang oder die Nieren-
anlage in die Länge, zerfällt bald in eigentliche Niere und in Ureter und
«i*!^*?;'ir:;7iii!i'ia,^Si^;:^7,-^---:;j;'^-?^:;'^;i%^\it
/
:'fi
rückt erstere immer mehr an dem WoLFP'schen Gange in die Höhe, bis
sie hinter den untersten Theil der Urniere zu liegen kommt, von wo aus
sie schliesslich so weit heraufrückt , dass sie am Ende dem obersten
Theile der WoLFp'schen Körper gleichsteht. Gleichzeitig mit diesem Vor-
gange ändern sich auch die Beziehungen des Ureters zum WoLFp'schen
Gange und trennen sich zuletzt beide Gänge von einander, wobei der
Fig. 281. Theil eines Querschnittes durch das hintere Rümpfende eines Kanin-
chens von 14 Tagen. 49mal vergr. a Aorta, dahinter die Chorda; c Vena cardinalis;
«Theil der Nierenaniage auf der einen Seite mit zwei Ampullen ; ■?<;(/ WoLFp'scher
Gang, jetzt noch ohne MüLLER'schen Gang in der Plica urogenitalis gelegen; l Lum-
balnerv; u Arleriae umbiUcales ; urUrachus; d Dickdarm.
382
Eiilwicklunir der Harn- und Gesclüechtsorgane.
Ureter vor den WoLFp'schen Gang zu lieü;eu kommt. Der primitive
Nierengang sen)st treibt in weiterer Entwicklung zuerst einige wenige
(Fig. 283) und dann immer mehr holile Sprossen und während dies ge-
schieht, treten auch an den Enden dersellien die Malpighi' sehen Körper-
chen auf. Ilierl)ei schlängeln sich die hohlen Endsprossen , indem sie
'.y
Fig. 282.
Fig. 283
weiter wuchern. Sförniig und zugleich sammelt sich um diese Schlänge-
lungen die mesodermatische Umhüllung der Niere in so reichlichem
Maasse an , dass das Ganze bei kleinen Vergrösserungen wie ein birn-
förmiger, ovaler oder mehr kugeliger Körper erscheint, den ich mit dem
Namen »Nierenknospea [Pseudocjlomeruli, ColberG; bezeichne (Fig. 284 m).
Fig. 282. Sagiltalsciinitt durch das iiliilcre Lciljesende eines Kaninciienembryo
von 11 Tagen und 10 Stunden. 45 mal vergr. wg WoLi-i-'scher Gang; n Nierengang;
n' Anlage der Niere ; ug Sinus urogenitalis ; «r üraciuisanfang; cl Cloake; hg Ge-
gend wo in der Medianebene der Hinterdarm in die Cloalie mündet; ed Poslanaler
Theil des Enddarmes; o After oder Cloakenspalle; s Schwanz; r Periloneaihuhlc.
Fig. 283. SagiUalschnilt durch die Nicrengcgend eines Kaninchcnoiubryo von
14 Tagen. Vcrgr. 60 mal. n .\nlage der Niere sammt ihrer Umhüllung; «Ureter;
lüfiT WoLFF'scher Gang , der mit dem L'rcler zusammen in einen weiteren Kanal aus-
mündet, der, wie andere Schnitte lehren , schon am 12. Tage als seitlicher Anhang
der Cloake erscheint und als letztes Ende des WoLFp'schen Ganges anzuseilen ist ;
w Unterster Theil der Urniere. Breite des WoLFi-'schen Ganges 57 — 70 (x, des Ureters
22 — 28 (JL, des beiden gemeinschaftlichen Baumes 0,14 mm.
Niere.
383
An einer solchen Knospe nun wird die Endvvindung dadurch zum Mal-
piGHi'schen Körperchen , dass sie nach und nach /u einer gekrümmlen
Platte von der Form einer Kugelschale sich auszieht und den Theil der
zelligen Scheide, der an ihre Concavität angrenzt, der zugleich mil-
wuchert und zu einem kugeligen Gebilde sich umwandelt,* umwächst.
Fi^. 284.
\tc
Fig. 285.
Ein solcher Gestalt umgebildetes Harnkanälchen, wie es die Fig. 285 in
den ersten Stadien darstellt , lässt sich mit einem tief ausgehöhlten
doppelblättrigen Löffel vergleichen . der eine sehr platte, spaltförmige
Fig. 28*. Sagittalschnitt der Niere eines Kaninchens von 16Tagen. Vergr. 63mal.
a hohle Endsprossen des Ureters oder Ampullen; m Anlagen der Malpighi' sehen Kör-
perchen. Länge der Niere Ijie mm, Breite 0,54 mm; Breite der Ampullen 48 — 59 ij..
Fig. 285. Zwei Nierenknospen eines Kaninchens von \ ,1 cm Länge (16. — 17. Tag,,
400 mal vergr. tc Harnkanälchen, das von einer Ampulle aus zur Nierenknospe geht
(späterer Stiel des M. 'sehen Körperchens) ; l, m, m' Anlage des MxLPiGHi'schen Kör-
perchens; l Höhlung dieser Anlage; m Anlage des Epithels der McLLER'schen Kapsel ;
Hl' Anlage des Epithels auf dem Glomerulus ; g g Bindesubstanzlage, die später zum
Glomerulus wird, an der linken Knospe irrthümlich als Spalte dargestellt.
3S4
Entwicklung der Harn- und Geschlechtsorgane.
Niere des
Menschen.
Höhle enthioUo, dessen Stiel anfangs tief in die Höhle eingedrückt wäre,
und später niil dem Rande derselben sich verbinden würde, oder auch
(Toldt) mit einer gestielten Kautschukblase, deren eine Wand an die
andere angedrückt wäre.
Einmal gebildet, erhalten die M.^lpighi' sehen
Körperchen ihre Vollendung dadurch, dass das
Harnkanäichen die in seiner Aushöhlung lie-
gende Glomerulusanlage , die früh Blutgefässe
erhält, immer mehr umwächst, so dass am
Ende nur noch die Zutrittsstelle der Gefässe
offen bleibt, während anderseits der Stiel passiv
vom Rande an die Seite der Kugelschale rückt
j7j„ 23e und schliesslich den dem Eintritte der Gefässe
gegenüberliegenden Pol erreicht. Die Harn-
kanälchen, die zu den eben angelegten GlomeruU führen, sind anfäng-
lich ungemein einfach, bald aber beginnen dieselben zuwachsen und
sich zu schlängeln und liefern spätei" die gewun-
denen Kanälchen beider Ordnungen und die
Hfi.NLE'schen Schleifen. Je mehr Harnkanäichen,
MALPiGiii'sche Körperchen und gewundene Kanäl-
chen entstehen, um so dicker wird die Rindenlage.
Zugleich nimmt aber auch die Zahl der Sammel-
röhren je länger je mehr zu und zwar dadurch,
dass immer mehr peripherische Theile in deren
Bereich gezogen werden. Es gehen nämlich die
Harnkanäichen , die MALPicm'sche Körperchen
Fig. 287. liefern, lange Zeit hindurch mit ihren Anfängen in
Sammelröhren über, und so entsteht nach und
nach die Marksubstanz des Organes, deren volle Ausbildung in eine spä-
tere embryonale Zeit fällt.
In Rolrefl" der Niere des Menschen merke ich noch Folgendes an
Bei einem Embryo zwischen der 6. und 7. Woche war die Niere 1,83 mm
gross, bohnenförmig und platt und hatte hinter dem unteren Theile der
Fig. 286. Harn- und Geschlechtsorgane eines acht Wochen alten menschlichen
Embryo etwa 2 mal vergr. nn rechte Nebenniere; w Urniere; wg Ausführungsgang
derselben; n Niere; .7 Geschlechtsdrüse , hier von etwas auffallender Gestalt; m
Mastdarm; gh Leistenband des WoLKp'schcn Korpers {Gubernaculum llunteri oder
Lifj. uteri rotundum ; b Blase; h untere Hohlvenc.
Fig. 287. Ein Thcil der Baucheingeweide eines dreimonatlichen weiblichen
menschlichen Embryo, vergr. s Net)cnniere; 0 kleines Netz; r' Niere; i Milz; om
grosses Netz; c Coecum; r. Lig. uteri rotundum. Ausserdem sieht man Blase, Urachus,
Ovarium, Tuba, L'tcrusanlage, Magen, Duodenum, Colon.
Niere. 385
Urniere ihre Lage. In der 8. Woche betrug die Niere 2,5 mm in der .
Länge und lag noch ganz hinter der grossen Nebenniere (Fig. 286), wo-
gegen im 3. Monate die Niere unterhalb der Nebenniere an der hinteren
Bauchwand zum Vorschein kommt (Fig. 292) und von nun an rascher
wächst als die Nebennieren. Die schon im zweiten Monate auftretenden
Läppchen (ich, Toldt) bleiben während der ganzen Embryonalperiode
bestehen und bilden sich immer deutlicher aus , um nach der Geburt
rasch mit einander zu verschmelzen.
Die innere Ausbildung der fötalen menschlichen Niere hat Toldt
verfolgt und derjenigen der Säuger gleich gefunden , weshalb ich nur
Folgendes hervorhebe.
Schon im 2. Monate finden sich MxLPiGHi'sche Körperchen, z. Th.
von derselben Grösse , wie beim Erwachsenen, und haben Mark und
Rinde fast gleiche Dicke. Im dritten Monate werden die Papillen deut-
lich, die Marksubslanz missl 1,54 mm, die Rinde 0,82mm. Im 4. Monate
erkennt man zuerst HENLE'sche Schleifen. In Entwicklung begriffene
Glotnevuli fand Toldt vereinzelt noch am 7. Tage nach der Geburt, ver-
misste dieselben dagegen ganz und gar bei einem Kinde von 3 Monaten.
Die Harnblase entsteht aus dem Urachus oder dem Stiele der HainWase.
Alkmtois. Beim Menschen entwickelt sich derselbe schon im zweiten
Monate mit seinem nahezu untersten Theile zu einem spindelförmigen
Behälter, der Harn])lase , die durch einen kurzen Gang mit dem Mast-
darme sich vereint und an ihrem oberen Ende mit einem anfangs noch
hohlen Gange, dem eigentlichen Urachus, durch den Nabel in den Nabel-
strang eintritt und in demselben mit dem Reste des Epithelialrohres der
Allantois sich verbindet (s. oben S. 154). Später verengert sich der
Urachus und schliesst sich zuletzt in einer noch nicht genau bestimmten
Zeit, nachdem die Allantoisreste schon lange vergangen sind, und bildet
das Ligamentum vesicae medium. Doch ist die Obliteration dieses Kanales
selten vollkommen , indem nach Luschka selbst noch beim Erwachsenen
Reste des Epithelialrohres des C/?"ac/(WS vorkommen können (Virch. Archiv
Bd. 23). Von der Harnblase ist nur noch das zu sagen, dass sie beim
Fötus lange Zeit ihre Spindelform bewahrt und selbst nach der Geburt
das Ligamentum medium noch eine Zeit lang vom obersten zugespitzten
Ende aus entsendet.
An diesem Orte behandle ich auch die Nebenniere, von der Nebennieren.
schon früher bei Gelegenheit der Entwicklung des Sympathicus die Rede
war (S. 237). Bei Säugethieren ist die Entwicklung dieses Organes in-
sofern nicht schwer zu verfolgen , als sich ergiebt, dass dasselbe selbst-
sländig ohne Beziehungen zu irgend andern Theilen in dem vor der
Bauchaorta und zwischen den WoLFp'schen Körpern hinter dem Mesen-
Köllüer, Grundriss. 23
386
Entwicklun;:; der Hain- und Geschlechtsorgane.
terium gelegenen Blasteme entsteht. In zwei linienförmigcn Zügen
nimmt an genannter Stelle das Mesoderma eine besondere Structur an.
Gewisse Zellen desselben ordnen sich zu cylindrischen, netzförmig ver-
bundenen Strängen und zwischen denselben entwickeln sich Blutgefässe
in massiger Zahl , so dass ein Gewebe entsteht, das in Manchem an das
Leberparenchym von Embryonen erinnert , jedoch viel weniger blut-
reich ist.
§ 49.
Geschlechtsorgane im Allgemeinen. Geschlechtsdrüsen.
Entwicklung Die Schilderung der Entwicklung der Geschlechtsorgane erheischt
der inneren o o '^
Geschlechts- zwar kein Zurückgehen auf die allerfrühesten Zustände, doch sind es
Organe im ^
Allgemeinen, auch wiederum die WoLFF'schen Körper, die als Ausgangspunkte dienen,
da gewisse Theile der Geschlechtsorgane in innigstem Zusammenhange
mit diesen Drüsen, ja sell)st aus gewissen Theilen derselben sich hervor-
bilden. An der medialen vorderen Seite der WoLFPSchen Körper und
in genauer Verbindung mit ihnen entsteht die Geschlechtsdrüse (Hoden
oder Eierstock) , welche , so viel man weiss , l)ei beiden Geschlechtern
anfänglich vollkommen gleich beschaffen ist, und gleichzeitig mit dieser
Drüse entwickelt sich neben dem WoLFP'schen Gange noch ein zweiter
MiLLER'scher Kanal, der sogenannte Müller sehe Gang oder der Geschlechtsgang,
Oang oder J o O o c
Geschlechts- jgp ebenfalls in das untere Ende der Harnblase oder den Sinns nroqeni-
gang. "^
talis einmündet. Beim männlichen Geschlechte nun vergeht dieser
Mlller sehe Gang später wieder bis auf geringe Ueberreste (den soge-
nannten Uterus masculimis oder die Vesicula prostatica), dagegen tritt
die Geschlechtsdrüse mit dem WoLFF'schen Gange in Verbindung, welr
eher zum Samenleiter wird und auch die Samenbläschen entwickelt. Es
ergiebt sich somit eine ganz merkwürdige Betheiligung der Prlmordial-
niere an der Bildung des samenableitenden Apparates; immerhin ist zu
bemerken, dass die Drüse selbst dem grössten Theile nach mit dem Ge-
schlechtsapparale keine Vereinigung eingeht, sondern zum Theil schwin-
det, zum Theil in ganz untergeordnete und l)edeutungslose Theile, wie
die Vasa aberrantia testis und das Organ von Girald^s, sich umwandelt.
Beim weiblichen Geschlechte sind nun umgekehrt der WoLFF'sche Kör-
per und sein Gang ohne allen grösseren Belang und verschwinden, wie
es scheint , bis auf den Nebeneierstock ganz und gar, dagegen treten
hier die MiLLER'schen Gänge in ihre vollen Rechte ein und erscheinen als
das, was sie in der That in der Anlage sind, als Geschlechtsgänge, in-
dem sie mit ihren unteren verschmolzenen Enden zum Uterus und zur
Geschlechtsdrüsen. 387
Scheide und mit den oberen getrennt bleibenden Theilen zu den Eileitern
sich umbilden.
Nach dieser übersichtlichen Schilderung führe ich nun der Reihe ^^'f^^^^^^^'
nach die einzelnen Abschnitte der Geschlechtsorgane gesondert vor und
beginne mit den Geschlechtsdrüsen. In der fünften, deutlicher in der
sechsten Woche gewahrt man beim menschlichen Embryo an der inneren
Seite der WoLFp'schen Körper und denselben dicht anliegend zwei
weissliche Streifen (Fig. 259 t), deren weitere Verfolgung bei Embryonen
der siebenten und achten Woche l)ald zeigt, dass dieselben nichts als
die Anlagen der Geschlechtsdrüsen sind. Ueber die Entstehung dieser
Streifen ist vom Menschen nichts bekannt. Was dagegen die Siiuge-
thiere und die Vögel anlangt, so ist es bei jungen Embryonen leicht, an
Querschnitten ihre Bildung zu ermitteln , und zwar ergiebt sich , dass
dieselben dadurch entstehen, dass das Peritonealepithel in dieser Gegend
in einer linienförmigen Stelle, der Stria germmativa, sich verdickt und
zu dem sogenannten Keimepithel von Waldeyer sich gestaltet, wäh-
rend zugleich das in dieser Gegend gelegene Mesoderma ebenfalls wuchert
und gefässreicher wird.
Einmal angelegt , wachsen die anfänglich ganz gleich beschafl'enen
Anlagen der beiderlei Geschlechtsdrüsen rasch und treten ebenso wie
die WoLFp'schen Körper immer mehr vor, so dass sie scheinbar in die
Bauchhöhle zu liegen kommen; zugleich erhalten beide Organe eine Art
Gekröse, das von den WoLFp'schen Körpern noch nicht erwähnt wurde.
An diesen Organen ist dasselbe breit und niedrig , etwa wie das Meso-
colon ascendens , dagegen stellt dasselbe an ihrem oberen Ende eine
kleine freie , zum Diaphrafjma verlaufende bogenförmige Falte mit zwei
oder selbst drei Ausläufern dar , die ich das Zwerchfells band der ^'aer'''u^nlere."'^
ürniere heisse (Fig. 288, d), und ist auch an dem Theile des Aus-
führungsganges, der unterhalb der Drüse liegt, als eine kleine senk-
recht stehende Platte nachzuweisen, die später von Waldeyer den Namen
PUca urogenitalis erhielt. Ferner geht vom WoLFp'schen Gange genau
am unteren Ende der Drüse eine Bauchfellfalte zur Leistengegend,
.welche ich das Leistenband der Urniere nenne (Fig. 288, /) , ein ^^'«j^f^'J^'^^^^^^ »^^
Gebilde , das wir später unter den Namen Gubernaculum Hunteri und
Ligamentum uteri rotimdum treffen werden. W^as die Geschlechtsdrüsen
anlangt, so besitzen dieselben, sobald sie eine nur etwas bedeutendere
Entwicklung erlangt haben , eine kleine Bauchfellfalte , die sie mit der
Urniere verbindet, die je nach dem Geschlechte Hoden- oder Eierstock-
gekröse, Mesorchium oder Mesoarium heisst. nesorchinm.
Hoden und Eierstöcke entsprechen sich ursprünglich in der Form
genau (Fig. 288) , gegen das Ende des zweiten Monates wird jedoch
25 *
388
Entwickluns der Harn- und Geschlechtsorgane.
beim Menschen das erste Organ breiter und verhältnissmässig kürzer,
während der Eierstock eine gestrecktere Form beibehäh. Zugleich
ändert sich auch die Stellung der Geschlechtsdrüsen in der Art, dass
dieselben beim weiblichen Geschlechte mehr schief sich lagern, und ist
von dieser Zeit an. d. h. in der neunten bis zehnten Woche, auch von
dieser Seite her die Diagnose gesichert. Die weitere Entwicklung be-
Entwicklung
des Hodens.
sprechen wir nun bei den beiden Drüsen gesondert, doch finde ich mich
nicht veranlasst, auf die äusseren Gestalt- und Grössenverhältnisse noch
weiter einzugehen, und will ich nur das \Yesentliche dessen mittheilen,
was über die inneren Structurverhältnisse ermittelt ist.
In Betreff des Hodens gehen meine Erfahrungen dahin, dass, so
lange als nicht die Geschlechtsdrüse die Anlage einer Albuginea und ein
Fig. 288. Geschlechts- und Harnorgane von Rindsembryonen. ^. Von einem
1 V2" langen weiblichen Embryo, einmal vergrössert. w Urniere; wg ürnierengang
mit dem MüLLERSchen Gange; i Leistenband der Urniere; 0 Eierstock mit einer
oberen und unteren Bauchfellfalte; »Niere; nn Nebennieren ; </ Geschlechtsstrang,
gebildet aus den vereinigten Urnieren- und MÜLLERSChen Gängen. 2. Von einem
2V2" langen männlichen Embryo , nicht ganz 3 mal vergr. Der eine Hoden ist ent-
fernt. Buchstaben wie bei 1., ausserdem m MixLERScher Gang; m' oberes Ende des-
selben; /»Hoden; ä' unteres Hodenband; /i" oberes Hodenband ; d Zwerchfellsband
des WoLFF'schen Körpers; c Nabelarterie; v Blase. 3. Von einem 21/2" langen weib-
lichen Embryo, nicht ganz 3mal vergr. Buchstaben wie bei \. und 2., ausserdem
( Oeffnung am oberen Ende des MüLLERSchen Ganges; 0' unteres Eierstocksband;
« verdickter Theil des MüLLERSchen Ganges, Anlage des Lterushornes.
Ausführungsgänge der Geschlechtsdrüsen. 389
niedriges Epithel oder Im Innern deutlich gewundene oder einander
parallele quere Zellenslränge zeigt, dieselbe in keiner Weise als männ-
lich zu erkennen ist. In Betreff des Hodens ist der wesentlichste Punkt,
die Art und Weise der Entstehung der Samenkanälchen, noch keines-
wegs festgestellt, und stehen sich in dieser Beziehung zwei Ansichten
diametral gegenüber, indem Bornhaupt und Egli dieselben von Wuche-
rungen des Peritonealepithels in das Innere des Organes ableiten,
Waldeyer dagegen diese Kanäle vom WoLFp'schen Körper aus in die
Hodenanlage hineinsprossen lässt. Meinen Erfahrungen zufolge muss
ich für einmal die letztere Ansicht für die besser begründete halten,
ohne jedoch eine bestimmte Entscheidung abgeben zu können.
Sowie der Hoden dem Baue nach deutlich als solcher erkennbar ist,
besitzt er eine deutliche Albugmea und ein niedriges Keimepithel.
Die Entwicklung des Eierstocks anlangend, so. kann jetzt als Eierstock.
ausgemacht angesehen werden , dass die Eier Abkömmlinge des Keim-
epithels des embryonalen Ovariums sind , welches mit einzelnen Ab-
schnitten wuchernd in das Innere des Eierstocks eindringt und aus
seinen Elementen die Eier liefert. Zweifelhaft ist dagegen die Bildung
der GRAAp'schen Follikel. Waldeyer leitet dieselben ebenfalls vom Keim-
epithel ab und lässt einen Theil der Wucherungen desselben zu Eizellen,
einen anderen Theil zu Umhüllungs- oder Follikelzellen sich gestalten.
Ich dagegen habe bei jungen Hunden gefunden, dass die Follikelzellen
von eigenthümlichen Zellensträngen (Marksträngen) und Kanälen im
Innern des Ovariums aus sich bilden, die mit grösster Wahrscheinlich-
keit als Sprossen des WoLFp'schen Körpers gedeutet werden dürfen.
§ 50.
Ausführungsgänge der Geschlechtsdrüsen.
Wir kommen nun zur Schilderung der Entwicklung der Ausfüh- Äusführungs-
^ "^ gange der Ge-
rungsgänge der Geschlechtsdrüsen und haben hier vor Allem schiechtsdrüsen.
von einem Kanäle zu handeln , der einige Zeit nach der Entstehung
der Urniere in der ganzen Länge neben dem WoLPF'schen Gange ent-
steht und gewöhnlich der MüLLER'sche Gans; heisst. Dieser Kanal MüLLERscher
° '^ Gang oder Ge-
liegt, wenn vollkommen ausgebildet , erst an der lateralen und dann an schiechtsgang.
der vorderen Seite des WoLFF'schen Ganges vor der Primordialniere und
erstreckt sich wie dieser bis ans obere Ende der Drüse (Fig. 288, m'].
Am unteren Ende der Primordialniere wenden sich die MüLLER'schen
. oder Geschlechtsgänge , wie dieselben auch heissen können , an die
mediale und dann an die hintere Seite der WoLFP'schen Gänge, kommen
390
Entwicklung der Harn- und Geschlechtsorgane.
hierbei nebeneinander zu liegen und münden dicht beisammen unter-
halb der Harnblase in den Sinus urogenitalis ein. Die Entwicklung
dieser MlLLFR'schen Gänge, die, wenn sie ganz ausgebildet sind, wie die
WoLFp'schen Gänge in der Peritonealhülle der WoLFp'schen Körper drin
liegen, ohne eine abgegrenzte Faserhaut erkennen zu lassen, und von
einem eylindrischen , einschichtigen Epithel ausgekleidet sind, ist eine
sehr eigenthümliche. Dieselben entstehen nämlich nach der Entdeckung
von BüRNHAUPT beim Ilühnerembryo dadurch, dass das Peritonealepithel
am vorderen Ende des WoLFF'schen Körpers eine trichterförmige Ein-
stülpung bildet , welche mit ihrer Spitze in einer oberflächlichen Falte
des WoLFF'schen Körpers , der Tubenfalte (Braux) , gelegen längs des
Fis;. 289,
Fi2. 290.
WoLFF'schen Ganges nach dem Becken zu wuchert und endlich am
8. Tage in die Cloake sich öffnet. An der Mündung des MüLi.ER'schen
Ganges in die Bauchhöhle ist das Peritonealepithel verdickt und eine
ähnliche Verdickung zeigt sich auf der ganzen Leiste,: in welcher der
Müu-ER'sche Gang liegt, doch lässt sich keine Beziehung dieser Ver-
dickung zur Bildung des Ganges nachweisen, obschon dieselbe schwin-
det, nachdem der Gang ausgebildet ist. — Diese Beobachtungen haben
sich für die Reptilien (Braun) und für die Säuger (Egli, ich) bestätigen
la.ssen , und zcieen die letzteren sehr deutlich Fie. 289; , dass der
MiLLER'sche Gang später an seinem wuchernden unteren Ende solid ijst
Fig. 289. Querschnitt des WoLFF'schen Körpers eines Kaninchenembryo von
4,7 cm, nicht weit vom unteren Ende, 30 mal vergrössert. w WoLFp'scher Gang; in
Ende des MLLi.En'schon Ganges.
Fig. 290. Die En(li^;ungsstelle des MüLLF.n'sciien Ganges der Fig. 289. 270 mal
vergr. w WoLFF'schcr Gang über und an der Endigungssteile des MCLLEn'schen Gan-
ges m(/ mit einem Lumen von 26 [j. bis zu .3,8 |a und einer Wand von 7,6 — 18,0 ix;
wg' Wor.FF'scher Gang unterhalb dieser Stelle 38 — 41 ix woll.
MüLLER'sche Gänge.
391
iiiul in diesem Zustande sich fortbildet. Die MüLLER'schen Gänge nun
sind ofTenbar eigentlich die Ausführungsgänge der Sexualdrüsen beider
Geschlechter, um so auffallender ist es, dass diesell)en nur beim weib-
lichen Geschlechte wirklich zu dieser Function sich ausbilden, während
sie beim männlichen Geschlechte fast spurlos vergehen und ihre Rolle
von den Urnierengängen oder den WoLFp'schen Kanälen übernommen
wird.
Betrachten wir nun zuerst das männliche Geschlecht als dasjenige,
welches, wenn man so sagen darf, mit einfacherem Material seine aus-
führenden Theile erzeugt. Der MüLLER'sche Gang ist hier bei Thieren zur
Zeit, wo die Geschlechtsöffnung schon ganz deutlich ausgeprägt ist, an-
fangs noch vorhanden (Fig. 288). Bald aber schwinden die MüLLER'schen
Gänge von oben nach unten und erhält sich von denselben entweder gar
nichts , wie ich beim Kaninchen finde , oder nur das unterste Stück,
welches zu dem soQ,eniMi\nien Uterus ?nascuUnus (der Vesicula prostatica
des Menschen) sich gestaltet. Mit Bezug auf diesen Ueberrest der eigent-
lichen Geschlechtsgänge der männlichen Geschöpfe ist zweierlei hervor-
zuheben und zwar fürs erste die Verschmelzung , welche die Müller-
schen Gänge an ihrem untersten Ende erleiden , so dass sie später nur
mit Einer OefTnung in den Sinus urogenitaUs einmünden. So waren bei
dem in der Fig. 288 dargestellten männlichen Rindsembryo die Müller-
schen Gänge unten ganz und gar zu einem Uterus masculinus verschmol-
zen Fig. 291), während ihr oberer Theil schon den Beginn der Atrophie
zeigte, welcher derselbe endlich erliegt. Der Ueberrest der MüLLER'schen
Gänge beim männlichen Geschlechte zeigt zweitens eine sehr verschie-
dene Ausbildung bei verschiedenen Gattungen. Während nämlich diese
Gänge beim Kaninchen ganz vergehen und beim Menschen nur in der
rudimentärsten Form sich zeigen, finden sie sich, wie namentlich
E. H. Weber's Untersuchungen gelehrt haben, bei anderen Geschöpfen,
wie z. B. bei Carnivoren, Wiederkäuern u. a., als grössere, am Grunde
der Blase mehr weniger weit hinaufreichende Bildungen, die selbst in
der Gestalt den Theilen ähnlich sind, denen sie beim weiblichen Thiere
entsprechen, nämlich der Scheide und dem Uterus, und z. B. mit zwei
Ausläufern analog den Uterushörnern getroffen werden. Allein auch bei
der grössten Ausbildung spielen diese Reste der MüLLER'schen Gänge
keine wesentliche Rolle und geht der Samenleiter aus dem WoLFp'schen
Körper und seinem Gange hervor. Bei menschlichen Embryonen leitet
sich die Verbindung der WoLFF'schen Gänge mit dem Hoden im dritten
Monate ein und zwar in der Art , dass eine gewisse Zahl der oberen
Kanälchen der Urniere sich mit dem Hoden vereinigen und zum Kopfe
des Nebenhodens , d. h. zu den Coni vasculosi, gestalten, während die
Aiisfiihrungs-
gänge der
Ge schlechts-
(Irüsen beim
männlichen
Geschleehte.
Uterns
mascnlimis.
392 Entwicklung der Harn- und Geschlechtsorgane.
unteren durch Atrophie verloren gehen; doch bilden sich diese Ver-
hältnisse keineswegs rasch aus. Bei Embryonen der elften bis zwölften
Woche nämlich enthält der Kopf des Nebenhodens nur gerade Kanäle
von 36 — 45 }x Durchmesser, und findet sich von dem Körper und der
Cauda der Epididymis noch keine Spur, vielmehr kommt vom Neben-
hodenkopfe, gerade wie früher von der Urniere, ein gerader Kanal von
0.45 mm Breite, der das Vas deferens und den Nebenhodenkanal zugleich
darstellt. Um dieselbe Zeit sah ich auch noch einen ganz deutlichen
Rest der Urniere mit gefässhaltigen MxLPiGHi'schen Körperchen zwischen
dem Samenleiter und Hoden , der jedoch seine Verbindung mit dem
ersteren aufgegeben hatte und auch mit dem Hoden nicht zusammenhing.
Die weiteren Veränderungen habe ich nicht im Zusammenhange verfolgt
und kann ich nur soviel sagen . dass im vierten und fünften Monate an
den mit dem Hoden verbundenen Kanälchen der Urniere die Windungen
sich ausbilden, durch welche dieselben zu den Coni vasculosi sich ge-
stalten, sowie dass in dieser Zeit auch der übrige Theil des Nebenhodens
sich anlegt. Die Zahl der mit dem Hoden sich vereinigenden Kanäle
der Urniere ist übrigens sehr wechselnd, da. wie bekannt, die Zahl der
Cotu vasculosi nichts weniger als beständig ist, und ebenso scheint auch
das Schicksal der übrigen Kanälchen der Urniere mannigfachen Ab-
änderungen ausgesetzt zu sein. Mit Recht deutet Kobelt (Der Neben-
eierstock des Weibes. Heidelberg 1847; die Vasa aberrantia des Neben-
hodens als nicht untergegangene Kanälchen der Urniere. die jedoch
keine Verbindung mit der Geschlechtsdrüse eingegangen sind , und
schreibt dieselbe Bedeutung auch gewissen nicht beständigen gestielten
Cysten am Kopfe des Nebenhodens zu, die auch in Gestalt von Vasa
aberrantia vorkommen , mit welchen jedoch die bekannte ungestielte
MoRGAGM'sche Cyste an derselben Stelle nicht zu verwechseln ist, die
von demselben Autor als ein Rest des obersten Endes des MüLLER'schen
Ganges aufgefasst wird. Von Neueren deutet Fleischl die ungestielte
Cyste als ein rudimentäres Ovarium masculinum und Waldever als Homo-
logon der Pars infiindihxdiforrnis tubae. weil auf derselben, wie Fleischl
gefunden und ich bestätigen kann, Flimmerepilhel vorkomme und die-
selbe oft wie ein Ostium abdominale tubae im Kleinen darstelle. Was
mich betriin . so möchte ich mich mit Hinsicht auf alle Cysten am Kopfe
des Hodens der Zurückhaltung von Roth anschliessen und ohne genaue
embryologische Nachweise , die bisher fehlen , eine Deutung der frag-
lichen Cysten nicht voniehmen. — Ein ganz selbständiger Rest des
WoLFFschen Körpers ist unzweifelhaft das Organ von GiRALDfes am
oberen Ende des Hodens 's. mein Handbuch der Gewebel. 5. Aufl.
S. 537).
Genitalstrang. 393
Alles zusammengenommen ergiebl sieh mithin, dass der Kopf des
Nebenhodens aus der Urniere selbst, der übrige Theil des Nebenhodens
und der Samenleiter aus dem WoLFp'schen Gange hervorgehen, während
der MüLLER'sche Gang bis auf den Uterus masculinus vergeht.
Bei männlichen Hühnerembryonen schwindet nach Bornhalpt der
MüLLEK'sche Gang nach dem 12. Tage vollständig, nachdem er vom 6. bis
zum 1 1 . Tage in guter Entwicklung vorhanden war.
Mit Bezug auf den Samenleiter ist nun noch ein Punkt hervorzuheben,
der zuerst durch Tdiersch (Illustr. med. Zeilschrift 1852. S. 12^ Berück-
sichtigung gefunden hat. Die Urnierengänge , aus denen dieselben sich
hervorbilden , laufen bei männlichen Embryonen gesondert bis an den
Eingang des Beckens , hier jedoch vereinigen sich dieselben hinter der
Blase mit ihren starken bindegewebigen Um-
hüllungen zu einem einzigen Strange , den
man mit Thiersch Genitalstrang heissen /^t^^^\ ^A oemtaistrang
kann , und mit ihnen fliessen zugleich auch
die MüLLER'schen Gänge zusammen , so dass
zu einer gewissen Zeit der männliche Geni-
talstrang vier Kanäle enthält. Dann ver-
schwinden die MüLLER'schen Gänge im oberen
Ende des Genitalstranges und fliessen im
unteren Theile desselben zum Uterus mascu-
linus zusammen, und während dies geschieht,
weiten sich die Urnierengänge, die immer
getrennt bleiben, aus und stellen nun die Vasa deferentia dar. Diese
sind jedoch anfangs nicht von einander gesondert, sondern* stellen zwei
in dem einfachen Genitalstrange enthaltene Epithelialröhren dar, wie
dies die Fig. 291 von dem in der Fig. 288 dargestellten männlichen
Rindsembryo zeigt. Erst später scheiden sich diese Röhren , stärker
wachsend, nach und nach in zwei besondere Gänge, indem jedes Epi-
Ihelialrohr sich einen Theil des ursprünglichen Genitalstranges aneignet.
Diese Entwicklung der Samenleiter ist deswegen l)emerkenswerth, weil
sie, wie später gezeigt werden wird, eine ursprüngliche Uebereinstim-
mung in dem Verhalten der Ausführungsgänge der Urnieren und der
MüLLER'schen Gänge bei beiden Geschlechtern darthut , denn auch beim
weiblichen Geschlechte findet sich ein Genitalstrang von demselben
Fig. 291. Quersclinilt durch den unteren Theil des Genilaistranges und Blase
des männlichen Rindsembryo der Fig. 288, etwa 18 mal vergr. b Harnblase; bh halb-
mondförmiges Lumen derselben ; h die zwei in einem Yorsprunge der hinleren Bia-
senwand enthaltenen Harnleiter; (/Genitalstrang; w MüLLER'sche Gänge verschmol-
zen [Uterus masculinus] ; wg Urnierengänge oder Samenleiter; s Samenblase.
394 EiUwickluiiy der Harn- und Geschlechtsorgane.
Baue, allein hier Ihoill sieh dersell^e nur in den seltensten Fällen (bei
Thieren mit doppeltem Uterus und doppelter Scheide) in zwei Stränge,
sondern bleibt meist einfach bestehen, so jedoch, dass in ihm allerdings
nicht die Urnierengänge , sondern gerade umgekehrt die MüLLER'schen
Samenbläschen. Kanäle sich erhalten. — Die Samenbläschen sind einfach Aus-
wüchse der untersten Enden der Samenleiter. Dieselben bilden sich im
dritten Monate und sind noch am Endo desselben einfache birnförmige
hohle Anhänge des Samenleiters von kaum mehr als 1 mm Länge (Fig. 291
vom Rinde).
A^lfühfungs- ^^^' '^^' e i b 1 i c h e G e s c h 1 e e h t s a p p a r a t charakterisirt sich gegen-
fe"ibiiS ^'^^'" ^'*^"^ männlichen bei der Bildung der Ausführuugsgänge dadurch,
Geschlechte, (jgss bei ihm die Urniere keine weitere Bedeutung erlangt, sondern mit
Ausnahme eines kleinen Restes schwindet, der zum Theil als Rosen-
MLLLER'sches Organ schon lange beim Neugeborenen bekannt ist und von
Kübelt auch beim erwachsenen Weibe als beständig und als Analogen
Nebeneierstock, des Nebenhodens nachgewiesen und mit dem Namen des Neben ei er-
st ocks bezeichnet wurde. Was die Urnierengänge anlangt, so erhalten
sichdieselben bei gewissen weiblichen Säugethieren (Schweinen, Wieder-
GARTSER'sche käuern) und heissen dieGARTXER'schen Gänee, deren Bedeutung zu-
Gange. ' o ) o
erst von Jacobson (Die OKEN'schen Körper oder diePrimordialnieren. Kopen-
hagen 1830) und später auch von Kübelt nachgewiesen wurde. Beim
Menschen habe ich schon früher (1 . Aufl. m. Entw. S. 447) noch bei reifen
Embryonen deutliche Reste der Urnierengänge im Lig. latiim gefunden, und
nun hat Befgel bei älteren Embryonen auch in der Wand des Uterus die
WoLFF'schen Gänge entdeckt (/. i. c). Die BEioEL'schen Präparate habe
ich selbst gesehen und kann ich bestätigen, dass beim 7monatlichen Em-
bryo die WoLFp'schen Gänge als kleine Epithelialröhren seitlich und
etwas nach vorn in den oberflächlichen Schichten der dicken Wand des
Uterus ihre Lage haben. Wie weit dieselben nach unten gehen und wie
sie enden, war an den mir vorgelegten Objecten , von denen die Fig.
292 eines wiedergiebt, nicht zu sehen und wird es überhaupt einer ge-
nauen und mühsamen Untersuchung bedürfen, um zu ermitteln, wann
und wie die Gänge schwinden. Denn so viel ist wohl sicher, dass die-
selben später keine weitere Rolle spielen.
Geht so der eigentlichen Urniere beim weiblichen Geschlechte jede
Beziehung zur Geschlechts.sphäre ab, so treten dagegen die MiLLER'schen
Gänge in ihr Recht ein und entwickeln sich zur Scheide, dem Uterus
Eiieit.-r. und den Eileitern. Tuba wird der Theil dieser Gänge, der am
WoLFF'schen Körper seine Lage hal, bis zu dem Punkte, wo ih\s Lif/amen-
tum uteri rolimdum an den ursprünglichen Urnierengang sich ansetzt,
und sind die Ver;in(h'rMmi.'en , die dieser Abschnitt, abgesehen von der
Uterus, Vagina. 395
Grössenzunahme und den noch zu besprechenden Lageveränderungen,
erfährt, einfach die, dass aus der primitiven Mündung am oberen Ende
desKanales, die erst glattrandig ist, al 1 mal ig das gefranste Osimm aö-
dominale sich hervorbildet.
Die Art und Weise, wie der Uterus und die Scheide sich ent-E?twici<iungdes
' Uterus und der
wickeln, ist folgende. Die Ausführungsgänge der Urnieren und die Scheide.
MüLLER'sehen Gänge verbinden sich mit ihren unteren Enden von ihrer
Einmündung in den Sinus urogenitalis an miteinander zu einem rund-
lich viereckigen Strange , dem Genitalstrange , in welchem vorn die
beiden Lumina der Urnierengänge und hinten die der MixLER'schen
Kanäle sich finden. Beim weiblichen Embryo nun verschmelzen die
MüLLER'sehen Gänge in einen einzigen Kanal und dieser gestaltet sich
dann im Laufe der Entwicklung zur Scheide und zum Körper des Uterus,
während die Hörner desselben aus den nicht im Genitalstrange ein-
geschlossenen benachbarten Theilen der MüLLER'sehen Gänge entstehen.
Die Fig. 293 zeigt vom Rinde den Beginn dieser Vorgänge, und stellt
sich als sehr bemerkenswerth heraus, dass die MüLLER'sehen Gänge in
der Mitte des Genitalstranges zuerst verschmelzen, an beiden Enden
desselben dagegen noch längere Zeit doppelt bleiben, ein Verhalten, das
nun auch das Vorkommen von einem einfachen Uterus mit doppelter
Scheide in pathologischen Fällen beim Menschen, sowie von einem ein-
fachen Uterus masculimis mit zwei OefFnungen (Delphin) oder mit einer
Scheidewand im unteren Theile (Esel; begreiflich macht. Bei älteren
Embryonen findet man die MüLLER'sehen Gänge auch oben und unten
verschmolzen und in einen einzigen weiteren Genitalkanal, die Anlage
der Scheide und des Körpers des Uterus umgewandelt , welche jetzt
Fig. 292. Querschnitt durch den Uterus eines 7 monatlichen menschlichen Em-
bryo vergr. Ocul. III, Syst. 4 v. Hartnack) nach einer von C. Beigel erhaltenen Zeich-
nung, wtü WoLFp'sche (GARTNERsche) Gänge.
396
Entwicklung der Harn- und Geschlechtsorgane.
auch die Wand des Genilalslranges sich ganz angeeignet hat , jedoch
immer noch die verkümmerten ganz kleinen Epilhelialröhren der frühe-
ren Urnierengänge , die jetzt schon die GARTNERSchen Kanäle heissen
Fic. 293.
Fi". 294.
können, als ganz untergeordnete Theile mitten in seiner vorderen Wand
zeigt (Fig. 294).
So viel von den Säugethieren. Was nun den Menschen anlangt, so
hat DoHRN bei einem Embryo von 2,5 cm Länge
die MüLLER'schen Gänge so weit genähert gefun-
den, dass ihre Epithclien sich berührten, und bei
einem 3 cm langen Embryo war die Verschmel-
zung schon nahezu vollständie;. Somit fällt hier
die Vereinigung der Geschlechtsgänge auf das
Ende des 2. Monates. Diesem zufolge ist wohl
nicht zu bezweifeln, dass die Vorgänge hier eben-
so wie bei den Thieren ablaufen, und ist nur zu
bemerken, dass der Uterus anfänglich, im 3. Monate, zwoihörnig ist und
nur ganz allmälig durch Verschmelzung der Cornua in ein einfaches
Organ sich umwandelt.
Fig. 293. Querschnitt durch den Genitalstrang des älteren weiblichen Rindsem-
bryo der Fig. 288, U mal vergr. 1. Vom oberen Ende des Stranges mit etwas schief
getroffenen Gängen; 2. etwas weiter unten ; 3. 4. von der Mitte des Stranges mit ver-
schmelzenden und verschmolzenen MüLLER'schen Gängen; 5. vom unteren Ende des-
selben mit dojjpclten MüLLEK'schen Gängen; a vordere, p hinlere Seile des Genital-
stranges; m MLLLF.K'scIier Gang; «jjr WoLFF'scher Gang.
Fig. 294. Querschnill durch den 1,31 mm breiten, 1,22 mm dicken Genitalstrang
eines weiblichen Hindsembryo von 3" 4'", 22 mal vergr. u Ltcrus (verschmolzene
MüLLER'schc Gängcj 0,61 mm breit, 0,45 mm tief; wg GARTNEusche (WoLFFSche)
Gänge, 28 |i. breit
Sinus urocenitalis.
397
Die MiLLER'schen Gänse münden, wie wir schon fi-ühcr angaben,
anfanglich in den untersten Theil der Harnbhise ein und zwar unmittel-
bar vor den WoLFF'schen Gangen und ziemlich in einer Linie mit den-
selben, während die Harnleiter höher oben sich ansetzen. Das letzte
Stück der Harnblase von der Einmündung der genannten Urnieren- und
Geschlechtsgänge an, das seit J. Müller mit dem Namen des Sinus uro-
genitalis bezeichnet wird , verkürzt sich nun im Laufe der Entwicklung
immer mehr, während zugleich die angrenzenden Theile des Harn-
apparates zur Urethra und die MüLLER'schen Gänge zur Scheide und zum
Uterus sich ausbilden, und so wird es dann zu \\'ege
gebracht , dass am Ende Harn- und weiblicher Ge-
schlechtsapparat nur an den allerletzten Enden in
dem sogenannten Vorhofe der Scheide mit einander
verbunden sind. Die besagte Verkürzung ist übri-
gens nur als eine scheinbare aufzufassen und kommt
dadurch zu Stande, dass der ursprüngliche Sinus
urogenitalis weniger wächst als die übrigen Theile
und so am Ende nur als ein ganz kurzer Raum er-
scheint. Dass dem wirklich so ist, lässt sich für den
Menschen leicht beweisen. Bei einem dreimonat-
lichen menschlichen Embryo (Fig. 295, I) misst der
Sinus urogenitalis 2,3 mm in der Länge und erscheint
als ein weiterer . die Harnblase und Harnröhre —
die übrigens jetzt noch nicht als ein besonderer Theil
zu unterscheiden ist — unmittelbar fortsetzender
Kanal , in dessen Anfang die engere Scheide , die
sammt Uterus nur 3 mm lang ist , auf einer kleinen
Erhöhung ausmündet. Beim vier Monate alten Embryo (Fig. 295, 2) ist
das Verhalten der beiden Kanäle zu einander noch ganz dasselbe. Uterus
und Scheide messen aber nun schon 6 mm, während der Sitms urogeni-
talis sich kaum vergrössert hat und nicht mehr als 2,5 mm beträgt. Im
fünften und sechsten Monate erst ändert sich das Verhältniss der Kanäle
zu einander, die Scheide wird weiter, und erscheint von nun an der
Sinus urogenitalis als directe Verlängerung derselben, und die Harn-
röhre , die mittlerw eile auch von der Blase sich abgegrenzt hat, als ein
in die Vagina einmündender Kanal. Im sechsten Monate (Fig. 295, 3)
beträgt der Sitius urogenitalis, der nun schon Yestibulum vaginae heissen
Sinus
urogenitalis.
Fig. 295.
Fig. 295. Sinus urogenitalis und Annexa von menschlichen Embryonen in natür-
licher Grösse. 1. Von einem dreimonatlichen, 2. von einem viermonatlichen, 3. von
einem sechs Monate alten Embryo, b Blase; h Harnröhre; ug Sinus urogenitalis;
g Genitalkanal, Anlage von Scheide und Uterus; s Scheide ; m Uterus.
398 Entw ickluiig der Harn- und Geschleclitsorgane.
kann, nur 3,5mm, während die Vagina schon H mm und der Uterus
7 mm misst. Diese Zahlen genügen, um zu zeigen, dass der ursprüng-
liche Sinus urogenitalis nicht nur nicht schwindet, sondern sogar auch
mit wächst , da aber die Scheide und der untere Theil der primitiven
Harnblase, die zur Harnröhre wird, viel stärker wachsen, so erscheint
derselbe später als ein untergeordneter Theil. Da ferner die Scheide
später mehr sich ausweitet als die Harnröhre, so wird der Sinus uro-
genitalis, der anfänglich die unmittelbare Fortsetzung der Harnblase
war , zuletzt w ie zum Ende der Scheide , in das die Harnröhre ein-
mündet ,
Uterus: Vag:ina. UtcTus und Scheide bilden, wie aus der vorhin gegebenen Ent-
wicklungsgeschichte klar geworden sein wird , ursprünglich nur Einen
Kanal und sieht man beim Menschen im dritten und vierten Monat keine
Spur einer Trennung in demselben (Fig. 295, 1. 2). Erst im fünften
und deutlicher im sechsten Monate beginnt der Uterus sich abzugrenzen,
dadurch, dass an der Stelle des späteren Orificium externum ein leichter
ringförmiger Wulst entsteht Fig. 295, 3) , der dann nach und nach in
tlen letzten Monaten der Schwangerschaft zur Vaginalportion sich gestal-
let. Von der Scheide ist weiter nichts zu bemerken, als dass dieselbe in
der Mitte der Schwangerschaft , um welche Zeit auch ihre Runzeln auf-
Hjmen. treten , unverhällnissmässig weit ist, sowie dass das Hymen nichts
anderes ist als eine Umbildung des ursprünglichen Wulstes, mit dem
der Kanal in den Sinus urogenitalis hineinragt; mit andern Worten, das
Hymen ist der in das Vestibulum vaginae vortretende unterste Theil der
Wand der Scheide, die nach vorn in der Regel schmäler ist als an der
entgegengesetzten Seite. Was den Uterus anlangt, so hat derselbe noch
im fünften Monate Wände , die kaum dicker sind als die der Scheide,
doch erscheinen schon in diesem Monate nach Dohrn Querfalten, die
offenbar die des Cervix sind. Im sechsten Monate beginnen die Wan-
dungen des Uterus vom Cervix aus sich zu verdicken und diese Zunahme
schreitet dann bis zum Ende der Schwangerschaft fort, so jedoch, dass,
wie längst bekannt , um diese Zeit der Cervix^ der etwa '^a Jt>r Länge
des ganzen Organes ausmacht, viel dicker ist, als der Körper untl
der Grund.
§51.
Descensus ovariorum et testiculorum. Aeussere Geschlechtsorgane.
Aiigempines Wir haben nun noch eines Phänomens zu gedenken, das beim
b\>tx ana Dtuccn- ^ ^
SM* der (ie- tnännlichon Geschlechte viel ausgeprägter sich findet, als beim weib-
»chlechtidrüsen. ö I O '
liehen, nämlich der Lageveränderung der Geschlechtsdrüse oder
Descensus ovarioruin et testiculoruin. 399
des Uerabsleigens der Hoden und Eierstöcke, Descensus ovarioritm et
testiculorum. Hoden und Eierstöcke liegen anfangs in der Bauchliöliie an
der vorderen und medialen Seite derUrnieren neben den Lendenwirbeln
(Fig. 288 , und verlaufen um diese Zeit auch ihre Gefässe einfach quer
von der Aotia aus und zur Vena cava herüber. Im weiteren Verlaufe
nun rücken die Hoden, die wir für einmal allein ins Auge fassen wollen,
allmälig abwärts, so dass sie im dritten Monate schon die Stellung ein-
nehmen, die die Fig. 296 zeigt. Für die weitere Schilderung des De-
scensus ist es nun nöthig , zunächst von zwei besonderen Gebilden zu
handeln, die zum Theil schon besprochen wurden, nämlich dem Guber-
naculum Hunten' und dem Processus vaqinalis peritonei. Das Guberna- Gubernacuium
•^ ' Hunten stte
culum Hunteri ist ein Gebilde, das ursprünglich dem WoLFF'schen Körper <«<'«
angehört ^s. Fig. 288) und als Leistenband des-
selben von seinem Ausführungsgange gerade ab-
wärts zur Leistengegend sich erstreckt. So wie der
Hoden entstanden und etwas mehr entwickelt ist,
besitzt derselbe, wie schon oben angegeben wurde,
einen Bauchfellüberzug und ein niedriges Gekröse,
Mesorchium, und von diesem aus zieht sich dann
eine Verlängerung theils aufwärts (Fig. 288), theils pj„ ggg
abwärts bis zu der Stelle des Urnierengauges, an die
sein Leistenband sich anheftet. Mit dem Schwinden und der Metamorphose
des W'oLFF'schen Körpers und dem Grösserwerden des Hodens schwinden
die J)eiden Falten des Hodens und kommt derselbe dicht an den Wolff-
schen Gang, jetzt das Vas deferens^ zu liegen, und von diesem Momente
an erscheint das Leislenband der Urniere als ein zum männlichen Ge-
schlechtsapparate gehöriger Theil und heisst jetzt Gubernacuium Hunteri.
Untersucht man nun dasselbe im dritten, sowie im vierten und fünften
Monate genauer, so ergiebt sich, dass dasselbe einmal aus einem faserigen
Strange, dem eigentlichen Gubernacuium ^ und zweitens aus einer das-
selbe von vorn und von den Seiten her umgebenden Bauchfellfalte be-
steht, für die eine besondere Bezeichnung nicht nöthig ist. Beide diese
Theile gehen bis zur Leistengegend herab und verlieren sich hier in dem
sogenannten Scheidenfortsatze des Bauchfelles, Processus vaqinalis peri- Processus lagi-
^ • o r nahs perttonet.
tonei. Dieser ist nichts anderes als eine Ausstülpung des Bauchfelles,
Fig. 296. Harn- und Geschlechtsorgane eines männlichen Embryo von drei Mo-
naten in natürlicher Grösse, nn Nebennieren; uh Cava inferior; n Niere; h Hoden:
gh Gubernacuium Hunteri; 6 Harnblase. Ausserdem sind der Mastdarm, die Ure-
teren und Samenleiter wg) zu sehen. Hinter dem Mastdarme und zwischen den
Nieren und Hoden ist eine längliche Masse , durch welche d\Q Art. mesenterica in-
ferior hervorkommt, die vielleicht zum Sympathicus gehört.
400 Entwickluni; der Harn- und Geschlechtsorgane.
welche schon im Anfange des dritten Monates ganz selbständig entsteht
und allmälig zu einem die Bauehwand durchsetzenden und bis ins Scro-
tum sich erstreckenden Peritonealkanale sich gestaltet. Durch die Ent-
wicklung dieser Ausstülpung des Bauchfelles wird somit vor dem Durch-
tritte des Hodens der Leistenkanal gebildet und gleichzeitig entwickelt
sich auch das scheinbar im Processus vaginalis, aber doch ausserhalb
seiner Bauchfeilauskleidung gelegene HuNTER'sche Leitband bis ins Scro-
tum herab, wo seine Fasern sich verlieren. Sind die Theile so vorgebildet,
so rückt nun der Hoden mit seinem Bauchfellüberzuge bis an den Eingang
des Processus vaginalis^ in den er früher oder später, meist im siebenten
Monate einzutreten beginnt, worauf er dann, allmälig in demselben vor-
rückend, bald ganz in ihm sich verliert, um endlich aus dem Leisten-
kanale, in dem er zuerst seine Lage hat, in das Scrofum herabzusteigen.
Da nun, wie schon bemerkt, der Hoden
seinen Bauchfellüberzug schon in den
Scheidenkanal mitbringt, so erscheint
letzterer, sobald der Hoden ins Sc rotum
herabgestiegen ist, in demselben Ver-
hältnisse zu ihm wie beim Erwachse-
^propria^. a MMf (— ( /; \-J—- ^^^^ ^^® freie Lamelle der Vaginalis pro-
pria, während die ursprüngliche Bauch-
fellbekleidung der Drüse die Tunica ad-
Pja 297 ""
"' ' nata darstellt, wie aus nebenstehendem
Schema Fig. 297 hinreichend deutlich
werden wird. Dasselbe lehrt zugleich auch, dass die Höhle der Vaginalis
propria unmittelbar nach vollendetem Descensus durch einen Kanal , der
immer noch der Scheidenkanal heissen kann, mit der Bauchhöhle in
Verbindung steht. Die Zeit der Vollendung des Descensus ist eine ver-
schiedene, doch findet man in der Regel noch vor dem Ende des
Embryonallebens beide Hoden im Scrotum , in anderen Fällen vollendet
sich der Descensus erst nach der Geburt. Nicht selten ist es, dass beide
Seiten etwelche Verschiedenheiten zeigen, und in Ausnahmefällen bleibt
der eine oder der andere Hoden im Leistonkanale oder selbst in der
Bauchhöhle stehen , welcher letztere Zustand als Kryplorchidismus be-
zeichnet wird. Sind die Hoden regelrecht herabgestiegen, so findet man
bei Neugeborenen den Scheidenkanal noch offen, doch schliesst sich der-
selbe bald nach der Geburt, wobei jedoch el)cnfalls sehr häufig Unregel-
Fig. 297. Schema zur Erläuterung des Descensus lesliculorum. \. Der Hoden am
Eingange dos F.eistcnkanales; 2. der Hoden im Scrolum; h Hoden; a Peritonealüber-
zug desselben, später Adnntn testis ; cv Scheidenkanal mit der Erweiterung v im
Scrolum s, die später äussere Lamelle der Vaginalis propria wird.
Descensus festiculorum et ovariorum.
401
mässigkoiten sich ergeben, so dass der Kanal auf grössere oder kleinere
Strecken, in seltenen Füllen selbst jzanz sich ofTen erhält. Schliesst sich
derselbe regelrecht, so bleibt nicht selten ein Strang, das sogenannte
Ligamentum vaginale, als Rest zurück.
Dem Bemerkten zufolge ist somit die Vaginalis propria ursprünglich
ein Theil des Bauchfells, jedoch in ihren beiden Lamellen von etwas
verschiedener Herkunft. Die Vaginalis cojnmunis rührt, wie es scheint,
vorzüglich von der Fascia superficialis ahdominis her, die bei der Bil-
dung des Scheidenfortsatzes des Bauchfelles mit sich auszieht und mit
welcher auch einige Fasern der platten Bauch-
tnuskeln herauswuchern, die dann den Cremaster
bilden. Eine Beziehung des Guhernaculum Hunteri
7A\v Bildung der letzteren Hülle, die einige an-
nehmen, kann ich nicht zugeben, dagegen glaube
ich, dass die von mir beschriel)ene sogenannte in-
nere Muskelhaut des Hodens zwischen Communis und
Propria der Rest dieses Bandes ist, dessen physiolo-
gische Bedeutung nichts weniger als klar ist.
Der Descensus ovario)-um ist zwar viel w^eni-
ger ausgeprägt als derjenige der Hoden , aber
doch für den aufmerksamen Beobachter nicht zu
übersehen. Auch die Eierstöcke liegen anfänglich an derselben Stelle,
wo die Hoden (Fig. 288) , und besitzen dieselben Beziehungen zum
Bauchfelle. Namentlich findet sich auch hier schon zur Blüthezeit der
Wulff' sehen Körper am Urnierengange ein dem Guhernaculum Hunteri
entsprechender Strang (das oben beschriebene Leistenband der Urniere),
der später zum Ligamentum uteri rotundum wird Mit dem Vergehen
der AVoLFF'schen Körper nun rücken die Eierstöcke ebenfalls gegen die
Leistengegend herab, indem sie zugleich schief sich stellen , und wird
hierbei die Bauchfellbekleidung der Urnieren zum Lig. uteri latum oder
eigentlich zuerst nur zum Fledermausflügel , während der vorhin er-
wähnte Strang vom Urnierengange, der schwindet, an den MüLLEB'schen
Gang zu liegen kommt Hier sitzt derselbe gerade an der Stelle, wo die
Tuba in den Uterus idiergeht, und dies ist auch der Ort, von dem später
das Ligamentum rotundum ausgeht. Dieses Band zeigt beim Weibe die-
selben Beziehungen zum Leislenkanale wie beim Manne, und bildet
Fig. 298.
Vaginalis
comiiitmis.
Crematter.
Dcsceiisvs
ovariorum.
Ligamenttim
nteri rotimdiim .
Fig. 298. Ein Theil der Baucheingeweide eines dreimonatlichen weiblichen
menschliciien Embryo, vergr. «Nebenniere; o Jvleines Netz ; >•' Niere; /Milz; opi
grosses Netz; c Coecum; r Lig. uteri rotundum. Ausserdem sieht man Blase, l'raclius,
Ovarium, Tuba, Ulerusaniage, .Magen, Duodenum, Colon.
Köllilcer, Grnndriss. 26
402 Kiilw ieklung dcf llorn- und Goscliloclitsorgane.
sk'h l>t>nierkeusworlher Weise auch hier ein Processus imfinalis (der auc))
«1er Kanal \o\^ Xick lieissl), der dann al)er später spurlos schwindet,
wahrend hekannilich das Lii/dtiicnlinn titcvi rolundum in seiner Lage sich
erhäh . tlie (k^r urspi'iini:lich(>n des Guhcnuiculum Uiinleri vollkonunen
enlspriclit. Tm wie(h^r auf die Kierslöcke zurück zu konunen, so be-
inei-ke ich noch, thiss dieselben in sein- seltenen Fällen, ebenso wie die
Hoden, in den Leislenkanal Irelen und sell)st liis in die grossen Scham-
li])l)en herausrücken können , womit dann, da diese dem Scro/i/m ent-
sprechen, eine vollkommene Uebereinstimmung beider Geschlechter her-
gestelll ist. In Betreff der den Descen.sus der Hoden bewirkenden Mo-
mente verweise ich auf m. Enlwickig. 2. Aufl. S. 996 und bemerke hier
nni- so \ iel. dass derselbe unter Mithülfe des Gubernaculum testis wesent-
lich durch ein verschiedenes Wachsthum der über imd unter den Hoden
gelegenen' Theile bewirkt wird.
.^er''lnJ's"ren ^""^ Schlussc schüderc ich nun noch die Entwicklung der äusse-
(;.>nitaii(ii. p^.,^ Genitalien, bei welcher Gelegenheit wir auf eine sehr frühe
Periode zurückzugehen haben. In dervierten Woche (s.Figg. 259, 299, 1)
bemerkt man nahe am hinteren Leibe -ende eine einfache OelVnung,
welche die gemeinsame Mündung des Darmes und des Urachus oder der
späteren llarnl)Ias(> darstellt, in welche auch die Urnierengänge oin-
ci.,akf. iiii^inden, und die aus diesem Grunde als Cloaken m ün dun g bezeichnet
wird, indem der letzte Abschnitt des Darmes nach der Vereinigung mit
dem Urachus die Cloake heisst. Noch bevoi" eine Trennung dieser ein-
fachen Oeflnung in zwei, die Aftermündung und die ilarngeschlechts-
öllnung eintritt, erheben sich ungefähr in der sechsten Woche vor (kM-
<;ps.i,i,.<iiis- .selben ein einfacher Wulst, der Gesch 1 ech t s h öcke r und bald auch
nöpk<'r.
lies.i.i.ri.is- zwei seitliche Falten , die Geschl echtsfal ten. Gegen das Ende des
ralt.Mi. . _ ~
zweiten Monates tritt der Höcker mehr hervor und zeigt sich an seiner
unteren Seile eine zin- Cloakenmündung verlaufende Furche, die Ge-
'..•Mchi...his- schicch tsf u rche. Im dritten Monate präuien sich alle diese Theile
besser aus und erscheinl tli'v Höcker nun schon deutlich als das spä-
tere Geschlechtsglied , und ungefähr in der Mitte dieses Monates schei-
det sich auch die Gloakenuuindung in die zwei voi'hin genannten Oefl-
nungen diu-ch einen Vorgang, der noch nichl genau erunttell ist. Nach
lUriiKr; Ahlidl. /.. Fnlw. I. S. 57) konunl die Trennung dadiircli zu
SlJMide, dass eimnal ;ui der Seilenw.uul derdloake zwei l'alten entstehen,
die immer mehr Norlrelen. und zweitens auch die Stelle, wo der Mast-
d.Miii und f\<'y I riic/ii/s zus.iinnieiislosseu , NorwJiclisl, bis endlich diese
drei Tli<-ile sich \creinigen und so eine Scheidewand zwischen den be-
Irelfenden beulen Kanälen hilden. Hei Kaninchen bedingt, wie es
schein! . d.is Nrniicien der oiien S. 328) sogenannten l'eritonealfalle
Acusscie ('i('sc,liloolitslli(>ile
403
(Fig. 247, /•) die Trennung derCIoake, wns nicht nolhvvendig aiicli für
den Menschen gilt. Sei dem wie ihm wolle, so ist so viel sicher, dass
nnmiltelbar nach der Trennung die l)eidon Kanüle noch ganz dicht bei-
sanmien liegen. l)ald aber, im \icrlpn Monate, eine dickere Zwischen-
wand zwischen ihnen sich entwick(>i(, womit dann die Uildung des Dar-
mes gegeben isl.
Die weitere Ausbildung der äusseren (i esch iec h t sl h e i le
verfolgen wir nun bei beiden (leschlechlern für sich. Heim männlichen
EmbrNO wandelt sich der Ge-
nitalhöcker in den Penis um, - , v '■ e
an dem schon im dritten Monate
vorn eine kleine Anschwellung,
die CA ans , sich bildet, und in
der ersten Hälfte des vierten
Monates die Genitalfurche ver-
wächst. Um dieselbe Zeit ver-
einigen sich auch die beiden
Genilalfalten zur Bildung des
ScrotKin (Fig. 300, 2). Eine
Naht, die Raphc scroti et ))enis,
die anfänglich ungemein deut-
lich ist, und von der S])ilze
des Gliedes bis zur Anusöff-
nung verläuft, deutet die
Stelle der Verschliessung der
Geschlechlsfurche an, und scheint mir das Vorkommen dieser Naht am
Danuue besonders auch für die oben erwähnte Ansicht von Ratuke
zusprechen, in welchem Falle die Ränder der Genitalfurche als Fort-
Fig. -299.
Fig. 300.
Miiiinliclie
ausser«
■ psclileelits-
th.'ile.
Fig. 299. Zur Bildung der äiLSseren Genitalien des Menschen , naeh Ecker.
1. Unteres Leibesende eines Embryo der achten Woche, 2 mal vergrössert. e Glans
oder Spitze des Gcnitalhöckers; /"Genitalfiirche rückwärts zu einer OcfTnuiig führend,
die um diese Zeit auch die des Masldaimes ist , mithin eine Cloakcnmündung dar-
stellt; /)/ Genitalfalten ; .v schwanzarliges Leibesonde ; »? Naholstrang. 2. Von einem
1"2"' langen etwa zehn Wochen alten weiblichen Embryo. «After; n f/ Oeffnung
des Sinus urogenitnlis ; » Rander der GenKalfurciie ci(]cv Labia minora. Die übrigen
Buchslaben wie bei 1 .
Fig. 300. Zur Entwicklung der äusseren Gonitalien nach Eckkei t. V^on einem
1" langen Embryo, 2 mal vergr., ein Stadium darstellend, das dem der Fig. 999, 2
vorangehl, bei dem das Geschlecht noch nicht entschieden ist. 2. Von einem männ-
lichen Emhr\o von 2" l'/V" vom Ende des dritten Monates. Buchstaben wie bi-i
Fig. 299. Bei 2. ist die Genitalfurche geschlossen in der Naht r des Penis, Scrotum
und Perineum.
26^
404 Entwifklung der Harn- und Geschlechtsorgane.
setziiniien der Cloakenfalten aiifgefasst werden könnten. Mit der Schlies-
sung der Gesc'hleclitsfurehe gewinnt natürlich aui" einmal der Sinns iiro-
genitalis des männlichen Embryo eine bedeutende Länge und entsteht eine
Vei-längerung desselben, die im weiblichen Geschlechte ihres Gleichen
nicht hat. Von den weiteren Veränderungen der männlichen Zeugungs-
theile erwähne ich nur noch, dass die Corpora cavernosa penis in inni-
gem Zusammenhange mit den Beckenknochen sich hervorbilden und ur-
sprünglich ganz doppelt sind, und dass das Praeputhtm im 4. Monate
/'ros/a//r. entsteht und vom 5. Monate an mit der Glans verklebt. Die Prostata
legt sich im dritten Monate an iuud ist im vierten Monate schon sehr
deutlich. Dieselbe ist anfänglich nichts als eine Verdickung der Stelle,
wo Harnröhre und Genitalstrang zusammentreffen, mit anderen Worten
des Anfanges des Shms iirocjenüalis ^ an der die ringförmige Anordnung
der Fasern äusserst deutlich ist. Die Drüsen der Prostata wuchern im
vierten Monate vom Epithel des Kanales aus in die Fasermasse hinein
und bilden sich wie die Speicheldrüsen.
Aeussere Die Weiblichen äusseren Genitalien charakterisiren sich
weiblioüe
Genitalien, dadurch, dass bei ihnen die Geschlechtsfurche und die Geschlechtsfalten
nicht verwachsen und daher der Sinus urogenitalis ganz kurz bleibt. Die
Genitalfalten werden zu den grossen Schamlippen, die Ränder der
Genitalfurche zu den Labia minora, von welchen aus dann auch eine
Falle um die Glans des lange unverhältnissmässig gross bleibenden Ge-
sehlechtsgliedes oder der Clitoris sich herumbildet. Eine Naht findet sich
hier nur am Damme und auch diese nicht so liestimmt, wie beim andern
Geschlechte,
^^'^belder""^ Aus der ganzen Schilderung über die Entwicklung der Geschlechts-
GeHchiechter. tJieile hcbcu wMr nun zum Schlüsse noch das bemerkenswerthe Resultat
hervor , dass bei dem einen wie bei dem andern Geschlechte in der ur-
sprünglichen Anlage Theile sich finden, welche beiden Geschlechtern
angehören. Abgesehen von der Geschlechtsdrüse, deren ursprünglichen
Indifferentismus wir oben schon betonten, findet sich auch beim männ-
lichen Embryo der Müi.LER'sche Gang in seiner ganzen Länge und l)eim
weiblichen Fötus ist der WoLFp'sche Körper und sein Ausführungsgang
vollkommen ebenso entwickelt wie beim andern Geschlechte. Demzu-
folge sind beim männlichen Typus Theile in der Anlage vorhanden, aus
denen möglicherweise Eileiter, Uterus und Scheide sich entwickeln
könnten, und ebenso besitzt dei" weibliche Fötus Gel)ilde, die ein neben-
hodenartiges Organ niul einen Samenleiter liefern könnten, und ferner
wäre es möglich , dass bei einem und demselben Individuum die eine
Geschlechtsdrüse zum Hoden und die andere zum I'^ierstock sich gestal-
tete. In der Tliai sehen wir auch, dass der Mann in seinem Uterus mas-
Vergleichung beider Geschlechter. 405
culinus wenigstens einen rudimentären weiblichen Gesciiiechtskanal und
das Weib im Nebenoierstock ein Homologon des \ebeiiliodens, und i^e-
wisse Tliiere in den (jartisek' sehen Gängen aucii He[)rasenlanten der
Samenleiter besitzen. Noch ausgeprägter sind diese Verhältnisse bei
gewissen hermaphrodilischen Bildungen und sind unter diesen besonders
jene bemerkenswerth , von denen die Würzburger pathologisch-anato-
mische Sammlung einen ausgezeichneten von Dr. von Franqu^ in
V. ScANZONi's Beiträgen Bd. lY beschriebenen Fall besitzt, in dem neben
ausgeprägten n)änniichen Geschleehtslheilen eine in die Pars prostatica
urelhrae einmündende Scheide und ein gut ausgebildeter Uterus samml
Eileitern sich finden. Den Daten der Entwicklungsgeschichte zufolge
kann es nun auch nicht befremden, dass es wenn schon seltene Fälle
giebt , in denen auf der einen Seite das eine, auf der andern Seite das
andere Geschlecht ausgebildet ist. — Was die äusseren Geschlechtstheile
betrifft, so ist die ursprüngliche Uebereinstimmung derselben so gross,
dass es sich leicht begreift, dass auch hier mannigfache Zwischenstufen
vorkommen, unter denen diejenigen die häufigsten sind, bei denen bei
männlichem Typus der übrigen Theile äusserlich Spaltbildungen mit
weiblichem Gepräge vorkommen, die soweit gehen können, dass die
Entscheidung über das Geschlecht eine äusserst schwierige wird.
Saeh- Register.
A.
AbdoiniiialschwaiiiitMSfliaft I öO.
AbschuppuiiL; dei' Pinl)iyt)iiak'n Obciliaiit
303.
Acusticus, Xerv und Gaiiiilioa :236, '27 0.
Adergetlechte, AdtM-luiute im Allgemeinen
228.
Adergeflechtsfaltc des Gro.sshirns, seit-
liche 223; des Hinterhirns 217.
Aderiiaut des Auges 237.
Albuginea des Hodens 388.
Aliantois des Hühnchens 62; des Kanin-
chens 96, 103; des Menschen 113,385.
Allantoishöcker 63.
Allantoisstiel 383.
Allantoiswulst 106.
Alveus communis des GehOilahviinliies
274, 2S3.
Anibos 188.
Änmionsfurche 222, 224.
Ammonshorn 225.
Amnion des Hühnchens 38; des Kanin-
chens 93, 96; des INlenschen 132, 134,
Amnion, falsches, 60.
Ainnion-Caiunkeln 134.
Amnion-Falten 27, 38.
Aninion-Naht 58, 95.
Ampullen und halbkreistoi-mig(! Kanäle
2S6.
Anjpulleii der llarnkanälchen 383.
Anfangsdarm 3 08.
Anhang des Gchdriabyi'inthos 273.
Animales Keimblatt XI.
Anriulus tijmpnnirus 290.
Anschwcllimgen des Rückenmarkes 230.
Antrum Uifjhinori 293.
Antrinn Valsalvae. 289.
.Ini/.s-OefInnng 09, 327.
/lorfa fie.v^p/if/cH.v des Hülmchcns 35; des
Kaninchens 97, 100.
Aorta primiliva 363.
Aquaeductus Sylvii 215.
Aquaeductus cestibuli 274, 283, 287.
Aquula auditiva interna 285.
Archiblast \1V.
Arcus aortae 32, 361 ; Umwandlungen
ilerselben 362.
Arcus brancliiales 67.
Area embnjonalis des Kaninchens 78;
erstes .\uftreten des Embryo auf der-
selben 81.
Area pellucida und o^jaca des Hühnchens
13, 18.
Area pellucida und opaca des Kaninchens
82, 85.
Area vasculosa nnd viteUina 20, 82.
Arteria capsularis seu hyaloidea 250.
» carotis externa et interna 362.
» Iliaca communis 364.
» Sacra media 364.
» subclavia 362.
» vertebralis 363.
Arleriae omphulo-mesenlericae 48, 363.
« pulmonales 362.
« umbilicales 62, 364.
» vertebrales posteriores 363.
Ascensus medullae spinalis 229.
Atlas 162, 164.
Auge, Anlage seiner Haupttheile 238.
Auge des Neugeborenen 125.
Augenblase, primitive 43, 87, 90, 238.
Augeid)lase, secundiire 241.
Augcnblasenstiel 239.
Augenlidei' 2G8.
Augcnlidspalte 269.
Augenlinse, erste Anlage, s. Linse.
Augen-Nasenl'urche 269.
Augenspalle, fötale 242, 264.
Augenwimpern 269.
Auriculae cordis 330.
Ausfühiungsgiinge der Geschlechtsdrüsen
389; des männlichen Geschlechtes 391 ;
des weiblichen 394.
Ansliiul'er der (lliorionbiiumchcn 139.
A.\e der Chorionzotten 139.
Axe des Gehürlabyrinthes 280.
Sacli-lU'tiisloi-.
407
A.veiiplatte 20, 99.
Avcnstrang 19.
Axenwulst des Hüluuhens 'lA.
» » KaniiRlieiis lOÖ.
Asygos uml Heiiüazygos 366, 37 'i.
B.
Balkon 203, ii-l.
Balken und Forni\, Bilduni: derselben 242.
Basalplatte der Placentu ulerhia 142.
Bauchfell 326; des Neuiieborenen 127.
Bauchlellepitliel und Keiniepithel 387.
Bauchplatlen 70, 9't.
Bauchwand, piiiniti\e 56, 7i.
Beckendaiinhöhle 54, 104, 327.
Bedeutung der Kitheile 6.
Befruchtung des Säugelhiereies 7.
Befruchtung, innere Vorgänge bei der-
selben 8.
Begriff der Entwicklungsgeschichte IX.
Belegknochen des Schädels 180.
Bildungsdutter 2.
Bildung der Eihüllen iles Hühnereies 10.
Bildung der end)ryonalen Eihüllen . s.
Eihüllen.
Bildungsgesetz des Extremilalenskeiettes
195.
Bindegewebshüllen des .\uges 242.
» » Gehörlabyrinthes
276.
Bindegewebshüllen des Gehirnes 172.
Blätter der Keimhaul 11, 17, 78, 98.
Blättertheorie X.
Blastem der Extrenülälen 194.
Blastem der Nebennieren 386.
Blastoderma des Hühnereies I 1.
Blastodermhöhle des Hühnchens 59 ; des
Kaninchens 96.
Blut, Bildungsstätte desselben 53.
Blutbewegung in der mütterlichen Pla-
ce ula 145.
Blutinseln 51.
Blutzellen, Bildung derselben 53.
Bogenfurche des Gehirnes 221, 224.
Brücke 219.
Brückenkrümnuing 202.
BRUNNERSche Drüsen 330.
Brustbein 165.
Brustbeinspallen 166.
Brustdrüse 302.
Brustwarze 303.
Bulbus aorlae 87, 110, 112, 351.
Bulbus olfactorius 223, 294.
Bursa Fabricii 70.
Bursa omentalis 3 23.
C.
Calcar nvis 225.
Caitales senücirculares 273, 285.
Canalis auricularis des Herzens 350.
Canalis Cochlea ris 279.
» endulyuiphalicus 285, 287.
» lacrjjmulis 269.
» Suchii 402.
» reuitieus 285.
» tuho-lympanicus 288.
» uroyenitalis 378.
Cartilago petrosa 287.
Cauda equiua 230.
Cava inferior 3 66.
Caritas tyntpani 288.
Cellulae mastoideae 289.
Centrale carpi 198.
Centralkanal des Rückeimiarkes 234.
Cenli'alnervensN Stern 20 0.
Cerebellunt 204, 215.
Chalazen 10.
Chiasma nerrorum optiroruin 213, 266.
(".hondrocranium, Entwicklung desselben
174; atrophirende Theile desselben
181; bleibende Theile desselben 181.
Chorda dorsalis 17, 21, 34, UiO, 105 ; ihre
histologische Beschaffenheit 159.
Chorda der Schädelbasis 1 67 ; .\[)schwel-
lungen innerhalb derselben 177; deren
Bed't'utung 182.
Chorda -Reste in den Zwischen wirbel-
liändern 165.
Chorda-Scheide, äussere 73.
» » innere oder eigentliche
159.
Choriocapillaris 260.
Chorioidea und Iris 257.
Chorioideale Schicht der Cornea 269.
Choriüidealspalle 264.
Chorion 1; des Menschen 133; Eul-
wicklung desselben 152.
Chorion frondosum 132.
» laeve 133.
" pritnitiruin 97.
>> secundariuni seu reruin 97.
Cicalricula 3.
Claricula 197.
Clitoris 404.
Cloake 70, 378, 402.
Cloakenhücker 64.
Cloakenmündung 4 02.
Cochlea 278.
Coecum 324.
Coloboma iridis 264.
Commissura cerebri anterior et mollis 223.
» <> posterior 212.
Coni vasculosi des Nebenhoilens 391.
Cornea des Hühnchens 257 ; der Säuge-
Ihiere 258; des Menschen 259.
Cornu Ammonis 225.
Corpora cavernosn penis 4 04.
Corpora yeniculata 215.
Corpora mamillaria 213.
Corpus callosum 203, 222.
Corpus ciliare 261.
408
Sach-Register.
Corpus restiforins HO.
Corpus striatuin iOS, i06.
Corpusculii Malpighiana 380.
CoKTrscIio Käsern -2SS.
CoRTi'srho Membran 281.
r.otyledonen der Placenia lAü.
Cremaster 'lOI.
Crura posteriora fornicis -l-l"!.
Cupula lentiinalis 286.
Cutis "296.
Cysten {im Kopfe des Nebenhodens 39i.
D.
Damm 403.
Darnulrüsen, t;rossere 332.
Darmdrüsenblatt -17.
Darmt'aserplaltv des llidmchens 37, 54;
des Kanincliens 1 02.
Darndiaute 328.
Darninabel des Hülinchcns 58; des Ka-
iiineliens 94.
Darninniil 322.
Darmpforte, vordere, des Ilühnclicns 29.
» » des Kanincliens 86.
» hintere, des Hühnchens 54.
» » des Kaninchens 88,
106.
Darmrinne 37, 56, 102.
Darmsyslcm 308 ; des Neugeborenen 126.
Darniwand, primitive des Hühnchens
56; des Kaninchens -102; mensch-
licher Embryonen 331.
Darmzotten 329.
JJecidua 13 1, 135, 137.
Decidua placenlalis 141.
» placenlalis suOchorialis 143.
» reßexa 137, 4 55.
» serolina 132.
» ve7'a 135.
Decidualzellen 136.
Deckknochen des Schädels 180.
Deckplatte des 3. Ventrikels 207, 212.
» »4. » 216.
Dcscendenzlelire XIV.
Descensus orariorum 401.
Descensus lesliculorum et ovariorum 398.
Diaphragma 307.
Dickdarm 324, 329, 331.
DiHcrenzirungen in den Keimljlüllein des
Hühnchens 17.
Discus prolif/erus des Hühnereies 3, 5.
Dotter 1 ; des Säuf^ethiereies 2; weis.scr
und {.'eiber 4, 5; primärer 2; secun-
därer 6. Uildunt;s- und NahriiiiL's-
doller 2.
Dottcr^-an^.' "iS, 95, 133, 135.
Dotler!-'an;:/otten 343.
Dotlerhaiit 1 ; des Hühnereies 4.
iJoltcrhohlt! 4.
Dollerhof 40.
Dotterrinde 4.
Dottei'sack, Aniai^e desselben beim Hühn-
chen 57; beim Kaninchen 94, 95;
beim Menschen 133, 135.
Drehung der Darmschleife 324.
Drehung des Hühnerembryo um Quer-
und Längsaxe 66; des Kaninchen-
embryo 89, 91.
Drüsen der Decidua reßexa 157; der De-
cidua Vera 136, 138.
Drüsen der Haut 300.
Drüsenbläschen, primitive, der Lungen
333.
Drüsenblalt, s. Keimblätter.
Ductus arteriosus Botalli 363.
» Cuvieri 366.
» nasopalatini 292.
» pharyngeus 291.
» venosus Ärantii 366.
» vilello- intestinalis seu omphalo-
mesentericus des Hühnchens 58 ; des
Kaninchens 95 ; des Menschen 133, 135.
Dünndarm 323.
Duodenum 323.
Durchbruch der Milchzähne 317.
Durchbruch des Anus 69, 70, 327.
Dysmetameric der Urnierenkanälchen
380.
E.
Ectodernia der Keimliaut des Hühnchens
11, 17; des Kaninchens 80, 98.
Ectodermawulst des Fruchlhofes des Ka-
ninchens 98.
Ei des Menschen 3.
Ei, unbefruchtetes, 1.
Ei des Huhns 3.
Ei des Huhns, gelegtes und befruchtetes 9.
Ei der Süugelhiere 2.
Eier, einfache 2 ; zusammengesetzte 6.
Eier, erste Entstehung derselben 389.
Eierstocks-Ei des Huhns 3.
Eierstock der Säugcthiere und Vögel,
Entwicklung desselben 387 ; beiniMen-
schen 389; Ahu'kslrängc des Eierstocks
389; Eierstock des Neugeborenen 129.
Eihaut, äussere, 1.
Eiluilien der Säugcthiere 94; des Men-
schen 131 — 152; Entwicklung der-
selben 152 — 158.
Ei kern 8.
Eileiter 387, 394.
Eisäckchen (Eifollikel), Bildung dersel-
ben 389.
Eiweissschichten des lliihnei'eies 9, 10.
Eiweissschichl des Kaiiinclicneics 77.
Eizelle 2.
Elfenbeinhaut 314.
I'inibi yonalaiilage des Hiihnchcns 19.
» des Kaninchens 83.
i;mbryonalMeck des Kaninchens 78; Ent-
wicklung desselben 82.
Sach-Register.
409
Embryonen des Mt'nsclicn, jüngste, von
Reichkrt IIa; von Thomson 114 ; der
dritten Woclie 115; der vierten Woche
118; des zweiten Monats 119; des
dritten Monats 1:22; des 4.— 10. Mo-
nats 123. Grosse und Gewicht der
Embryonen in verschiedenen Altern
124.
Embryonen des Hühnchens im Fliichen-
bilde, von den ersten Brütstunden 23 ;
von 10 — 14 Stunden 25; von 15 — 20
Stunden 25 ; vom Ende des ersten und
.\nfang des zweiten Tages 26, 27 ; von
36 Stunden 30; von 40 — 42 Stunden
31 ; vom Ende des zweiten Tages
41 — 43.
Embryonen des Hühnchens im Quer-
schnitt, frühere Stadien 33 — 40; spä-
tere Stadien 44—46. 70 — 76.
Embryonen des Kaninchens im Flächen-
bild', von 7 und 8 Tagen p. f. 81 ; von S
auf 9 Tage 84 ; von 10 Tagen PO.
Embryonen des Kaninchens im Quer-
schnitt 99 — 112.
Enddarm des Hühnchens 62; des Kanin-
chens 106; weitere Ausbildung 328,
331.
Endolhelrohr des Herzens des Hühnchens
38; des Kaninchens 109.
Endothelröhien des Fruchthofs ä\.
Endwulst des Hühnchens 43; des Kanin-
chens lO."!.
Entoderma der Keimhaut des Hühnchens
II, 17, 35; des Kaninchens 80. 99.
Entwicklung der Leibesform und der
Eihüllen I.
Entwicklungsgeschichte, BegrifTIX, Ein-
theilung IX, Geschichte IX — XV, Lite-
ratur XV, XVI.
Entwicklungsgesetze XIV.
Epiblast 17.
Epiphysenplatten der Wirbel 165.
Epiströpheus 162, 164.
Epithellage der Placenta foetalis 139.
Epithelsprossen der Placenta foetalis 140.
Ersatzhaare 298.
E\trauterinschw angerschaft 150.
Extremitäten des Hühnchens 70; des
Kaninchens 94, 104.
Extremitätenskelett 195.
F.
Falten der Retina 265.
Falx cerebri 204, 206, 228.
Fascia dentata 22 3.
Fasciculus connectens pontis 220.
Faserhaut des Auges 257.
Felsenbein 180.
Femur 200.
Fenestra ovalis und rotunda 286.
Fibula 200.
Filum terminale 230.
Finger 199.
Fissurae hranchiales 67.
Fissura sterni 166.
Fleisclischicht XI.
Flimmerung im Oesophagus des Menschen
331.
Flimmerepithel der Lunge 334.
Flocke und Flockensticle 217.
Flügelbeine 190.
Follikel des Eierstocks, erste Entwicklung
derselben 389.
Foramen Magendii 218.
Foramen Monroi 204, 212.
Foramen ovale cordis 359.
Fornix 203, 222, 22 3.
Fossa Sijivii 224.
Fovea cardiaca (vordere Darmpforte)
29, 4.'?.
Fretum Halleri 351.
Fruchthof des Hühnchens 13, 18.
» >) Kaninchens 78; Anlage
des Embryo in demselben 81.
Fruchtkuchen des Menschen 132, 138^;
feinerer Bau 139.
Fruchtwasser 133.
Füllhorn 218.
Funiculus umbilicalis 146; feinerer Bau
148.
Furchen des Gehirns, bleibende 225.
Furchung 2; partielle 2, 6, 9; totale 6.
» der Säugethiereier 7.
» des Hühnereies 9, 13.
Furchungskern, erster 8.
Furchungskugel, erste 7,
Furchungskugeln 7.
Fussknochen 200.
G.
Gallenblase 347 ; des Neugeborenen 128.
Gallengänge 346.
Gallertgewebe um die Schnecke 289.
Gallertgewebe des Schmelzorgans 312.
Gallertgewebe zwischen Chorion und
Amnion 133.
Ganglien, peripherische 237.
Ganglion spirale des Schneckennerven
280.
GARTXER'sche Gänge 394.
Gaumen 185.
Gaumenbeine 190.
Gaumenplatte 185.
Gaumensegel, primitives 69.
Gaumenspalte 185.
Gefässanlagen, Hohlwerden der primären
52.
Gefässanlagen, secundäre 53.
Gefässe, Bildung der ersten beim Hühn-
chen 50 ; beim Kaninchen 97.
410
Sach-Reuislrr.
Gefässe des I'lavenhi uterina 144.
Gefässc des Neugeborenen 1:29.
Getasshof der Keiiiischeibe des Hühn-
chens 20.
Gelasssyslem des Fruclilhols 4'J.
Gefässschicht XI.
Gefässe der Allantois ßi, 364, 365.
Gefässe der Chorionzolten 140.
Gefässe der Decidua reflexa 1 57 ; der
Decidua vera 136.
Gefässe des Doltersackes 48, 97, 364,
365.
Gefässe des Glaskörpers und der Linse
248; ihre Bedeutung 251; ihre Enl-
wickiung 252.
Gefässe, subchoriale 146.
Gefässe der fötalen Hornhaut 259.
Gefässentwicklung 361.
Gefässhallige Kapsel des Glaskörpers
254.
Gefässhaut des Auges 257.
Gcfässsystem 319.
Gehirn, erste Entwicklung 200; Krüm-
mungen desselben 202; Ursachen der
Krümmungen 203 ; histologische Ent-
wicklung 226.
Gehirn des Neugeborenen 125, 225.
Gehirnbiasen 201 ; Umgestaltungen der-
selben 203.
(ieliirnfascrung 226.
(Jchirnhäute 172, 227.
Gehirnhautfortsätze 228.
Gehirnkanal 202.
Gehirnsichel, primitive grosse 204, 206,
228.
Gehirnstiele 213.
Gehirnwindungen, Kleinhirn 218 ; Gross-
iiirn, primitive und .secundäre Windun-
gen 2^4 , 225 ; Ursachen derselben
224, 225.
Gehörblase, |)riniitive, 270.
Geiiörgang, äusserer, 290.
Gehörgruben, primitive, des Hühnchens
43.
Gehörknociielclien 188, 289.
Gehörlabyrintli der Säugethierc und des
.Menschen 272. Verknöcherung des-
.selben 287.
Gehörorgan 270; des Neugeborenen 125.
Gekröse des Herzens, oberes und nnleres
des Hühnchens 38,46; diese und seit-
liches des Kaninchens 108, 110, 111.
Gekröse des Darmes, erste Entwicklung
56, ;i7.
Gekrönt! <ler Urnicren und Geschlechts-
(Ini^en 387.
Gekrosfallen der Geschlechtsdrüsen 387.
Gekrosrialil 'M±.
Gekrö>plaltiMi .'»e.
Gelenke 195.
Gonitalkanal 395.
Genitalien, äussere, 4 02; männliche 403;
weibliche 4 04 ; des Neugeborenen 130.
Genitalien, innere, s. Geschlechtsdrüsen.
Genitalslrang, männlicher und weiblicher
393, 395.
Geruclisorgan 290 ; des Hühnchens 69,
291 ; der Säugelhiere und des Menschen
290; des Neugeborenen 125.
Geruclislabyrinth 292.
Geruchsnerv 294.
Gesciüchte der Embryologie IX — XV.
Geschlechtsdrüsen 386; des Hühnchens
387 ; der Säuger 387 ; s. auch Hoden
und Eierstock.
Geschlechtsfalte 402.
Geschlechtsfurche 4 02.
Geschlecht sgang 386, 389.
Geschlechtshöcker 4 02.
Geschlechlsleiste 387.
Geschlechtsorgane, s. Genitalien.
Gesicht, äussere Gestall desselben 183.
Gesichtsknochen 183.
Gewölbe 203, 222, 223.
Glandula p in ealis 212, 214.
Glans penis 4 03.
Glaskörper 241, 246.
Glaskörper des Menschen 24 7; der Säu-
ger 24 7; der Vögel 247.
Glaskörpergefässe, eigentliche 254.
Gliederung des Gehirnrohrs 2 00, 203.
Gliederung der Wirbelsäule 160.
Gliederung der Extremitäten 193.
Globules polaires 8.
Glomeruli, s. Niere.
GKA.\K'sche Follikel des Eierstocks 389.
Grandines 10.
Graue Substanz des Markes, Entstehung
derselben 232, 234.
Grenzstrang des Sympathicus 237.
Grosshirn 203.
Grossliii'nhlasen 204.
Grundplatte der Trichteriegion 213.
Gubernaculum Hunteri 387, 399.
Gyri et sulci primilivi permanenles cerebri
224.
Gyrus chorioidens anterior und posterior
des Kleinhirns 217.
U.
Haaic 296.
Haarbalg 297
Haar-wcchsel 298.
Haaizwi-hcl 299.
ilaflw urzciti der ChoriiMiliMiiMicIien 139.
Hagelscliniire 10.
Hahnentrill 3.
Hals des lliiliiiclH-ns 67 ; des Kaninchens
92.
Halshöhle des Hühnchens 38, 43; des
Kaninchens 111.
Sacli-HcLrisIcr.
411
Hammer 188.
Hämoblast XIV.
Handwurzel 198.
Harn- und Cioscldochtsort^anc 378; des
NeuiH'l)()r('n(Mi 129. ,
Harnl)liis(' yiS.*) ; dos NeugehorciiL-n 1^9.
Ilarn!j;anii, s.l'raihus.
Harnsack, s. Allanlois.
Hartf;ebildo des Gesichtes 186.
Hauptlappen des Cerebellum 218.
Haut, äussere 295 ; des Neugeborenen
126.
Hautnabel 57.
Hautplatte 54, 55.
Hautschiclit XI.
Helicolrema 286.
Hemisphären des Grosshirns, innere Ver-
änderungen 20 4.
Henlk'scIio Schleifen 384.
Hermaphroditische Bildungen 4 05.
Herz 32, 43; Lage desselben 43; luit-
stehung desselben beim Hühnchen 43,
beim Kaninchen 107. Weitere .Ausbil-
dung desselben 349; innere Organi-
sation 352; innere Veränderungen
355; feinerer Bau der Kammern 357;
Lage des Herzens 359; Herz des Neu-
geborenen 128.
Herzanlage des Kaninchens 84, 86.
Herzbeutel 3C0 ; des Neugeborenen 128.
Herzgekröse, unteres 38, 46; oberes 46;
seitliches, des Kaninchens 111.
Herzhaut, innere, 38, 46.
Herzkappe 4 8.
Herzklappen 353, 356, 358.
Herzohren 35 0.
Herzplatte 46.
Hinterdarm des Hühnchens 34 ; des Ka-
ninchens 87, 89.
Hinterhirn 31, 201.
Hinterliauptsbein 177; Bedeutung des-
selben als Wirbel t8t .
Hinterstränge des Markes 234.
Hirn, s. Gehirn.
Hoden der Vögel 387 ; der Säugethiere
387; des Menschen 388; des Neuge-
borenen 130.
Höhle des Blastoderma vom Huhn 59.
Höhlen des knöchernen Gehörlabyrinthes
277.
Hörner des Zungenbeins 192.
Hörner der grauen Substanz des Markes
234.
Holoblastische Eier 2.
Hornblatt des Hühnchens 34 ; des Ka-
ninchens 100.
Hornhaut, s. Cornea.
Hüftbein 199.
Hühnerei, gelegtes, befruchtetes 9.
Hühnerembryonen, s. Embryonen.
Hüllen des Herzens 360.
Hüllen des Gehorlabyrinthes 276.
Hüllen, embryonale, s. Eihüllen.
Humerus 197.
Hyalüidea propria 254, 257.
Hydatiden des Nebenhodens 392.
H\datiden des Eileiters 394.
n>nicM 398; des Neugeborenen 130.
Hii)()l)last 17.
Hypophysenlasche odei" -.säckchen 214.
Hypophysis des Gehirns 213.
I.
.lAConsoN'sclies Organ 294.
Infundihulum cerebri 213.
Iiü'undihulum des Eileiters 10.
Interstitielle Schwangerschaft 150.
Jochbein 190.
Iris 260.
Irispignient 261.
Irisspalte 264.
K.
Kammer des Herzens, Entwicklung 349.
Kaninchenendjryonen, s. Embryonen.
Kaninchenembryonen, letzte Ausbildung
ihrer äusseren Leibesform 89 ; innere
Gestaltungen , Keimblätter, Primitiv-
organe 98.
Kappe, allgemeine, v. Baek 59.
Kapsel , gefässhaltige , des Glaskörpers
254 ; der Linse 248.
Kapsel, structurlo.se, der Linse 246.
Karyolytische Figur 8.
Kehlkopf 335; des Neugeborenen 127.
Keilbein, hinteres und vorderes 178;
Bedeutung als Wirbel 182.
Keiistrang des Rückenmarks 234.
Keim des Hühnereies 11.
Keimbläschen 1 , des Hühnereies 5.
Schwinden des Keimbläschens und des
Keimtlecks 7.
Keimblätter, Entwicklung derselben XIII ;
ihre Bildung beim Hühnchen 16, beim
Kaninchen 82, 98.
Keimblättertheorien, neueste XHI, XV.
Keimblase des Kaninchens 77.
Keimblatt, äusseres, inneres, mittleres,
des Hühnchens 11, 11, 17; des Ka-
ninchens 98 — 100.
Keimepithel 387; Verhältniss zumBaucli-
fell-Epithel 387.
Keimfalte, vordere, 27.
Keinitleck 1.
Keimhaut des gelegten Hühnereies 11.
Keimscheibe des Eierslockseies des
Huhns 3.
Keimwulst der Keimhaut des Hühnchens
11, 35.
Kerne der Furchungskugein 7.
412
Sach-Rcsjisler.
Kiomenbogen und -spalten des Hüiin-
clieiis 67 ; des Knniiichciis 92.
Kiemoiibogen, l m^^a^dlungen derselben :
erster Kienienbogen 183, 186; zweiter
untl dritter 191."
kindspeeh 34S.
Klappen deseinkanuuerigen Herzens 33!2 ;
bleibende arterielle und venöse klap-
pen 356, 3r.8.
Kloake, s. Gloake.
Kniescheibe 200.
knocliensvstern, Entwicklung desselben
139.
Knorpelwirbel 73.
Kopf des Hühnchens 30, 39.
Kopf des Kaninchens 92, 107.
Kopfdarmhohle des Hühnchens 37.
Kopftlarndiühle des Kaninchens 87.
Kopffortsatz des Priniitivstreifens des
Hühnchens 25; des Kaninchens 99.
Kopfkrünimuni; , vordere und hintere,
des Hühnchens 66; des Kaninchens
89.
Kopfnerven 236.
Kopfplatten 167.
Kopfscheide und Kopfkappe des Hühn-
chens 48, 58, 60; des Kaninchens 87,
1 I I.
Kreislauf, erster, des Hühnchens 48; des
Kaninchens 97.
Kreislauf des Fötus 375.
Kreuzbein 162, 164.
Kreuzung der Opticusfasern 213, 966.
Krümmungen des Gehirns 202; Ursachen
derselben 203.
Krümmungen des embryonalen Leibes
um Quer- und Längsaxe, des Hühn-
chens 66; des Kaninchens 89, 91.
Kryptorchidismus 400.
Kuppelblindsack der Schnecke 285.
L.
Laliia major u und minora 40 4.
Labyrinth des Gehörorgans 270, 278 ; s.
Gehörorgan.
f.abyrinlh des Geruchsorgans 292.
Lumina modioli 282.
» spiralis memhranacea 283.
1' lerminalis 213.
Lanufjo 298.
Lappen des Grosshirns 223.
La[)pcn des Kleinhirns 218.
LrtU'hra 4.
Leber 340; des Hühnchens 340 ; der Säu-
ger 341 ; des Menschen 843 ; des Neu-
geborenen 128.
Leber , ihre physiologische Bedeutung
beim Fötus 347.
Lf'bergiinge, primitive, 341.
Leberprobe 128.
Leberwulst 341.
Lebercy linder 34 1, 345.
Lederhaut 296.
Leibeshöhle 36.
Leibesnabel 57.
Leistenband der Urniere 387.
LiEüEKKÜHNSche Krypten 331.
Ligamenta intervertebralia 160, 165.
Ligamenta vesicae lateralia 364.
Ligamentum vesicae medium 385.
Ligamentum spirale 283.
» stylohyoideum 192.
» uteri rotundum 387, 401.
» vo^fmaie des Hodens 401.
Ligula 217.
Limitans interna primitiva retinae 257.
Linse des Auges 24 0, 242; der Säuger
242; des Menschen 246; der Vögel
2 42.
Linsengrube 243.
Linsenkapsel, structurlose, 24 6; gefäss-
haltige 24H, 251, 252.
Linsenstern 246.
Liquor Amnii 96, 134.
Literaturverzeichniss XV, XVL
Lohns lunatus anterior und posterior cere-
belli 219
Lobus olfactorius 223.
Luftraum der Schaienhaut des Vogeleies
9.
Luftröhre 332; des Neugeborenen 127.
Lungen des Hühnchens 332 ; der Säuge-
thiere332; des Menschen 332 ; innere
Veränderungen der Lungen 333; Lage
der Lungen 333; Lungen des Neuge-
borenen 127.
Lungenbläschen 333.
Lymphdrüsen 378.
Lymphgefäs.sc 37 8.
Lymphgefässe des Nabelstranges 149.
M.
Maculae acusticae 286.
Macula germinativa 3.
Macula lutea 265.
Magen 322; des Neugeborenen 127.
MALi'iGHi'sche Körperchen der Urnieren,
Kntwicklung beim Hühnchen und Säu-
gelhicr 380, 382.
Mamilla 303.
.Mamma 302.
Markstränge des Kicrstocks 389.
MKCKKi.'scher Knorpel 69, 188, 189.
Mrconium .148.
Medulla ohlongata 202, 904, 219.
Medullarplatte des Hühnchens 17, 33;
des Kaninchens 84, 87, 102, 107.
Medullarrinne des Hühnchens 21 ; des
Kaninchens 84.
Sach-Register.
413
\Jedullarrohr des Hühnchens 36 ; des
Kaninchens 107.
Mcdullarwülsto des Hühnchens "21, ao,
34; des Kaninchens 101.
MEiitüMsclie Drüsen 269.
Membrana adamanünae 313.
» basüaris 283.
» caduca seu decidua reßexa 131.
» decidua Vera 131,135.
» decidua serotina 132. Ent-
wicklung der Decidua 152 — 158.
Membrana rapsularis 249.
» capsulo-pupillaris 24 9.
» chorii 138.
» chalazifera der Eiweisshülle
des Hüiinereies 10.
Membrana Cortii 283.
» eboris 314.
» ßaccida 289.
» hyaloidea propria 257.
» »Uermerfj'a der Eihäute 132.
» Hmitans interna primitiva re-
tinae 257.
Membrana obturatoria ventriculi IV. 216.
» pupillaris 249.
» Reissneri 282.
» reuniens superior des Hülin-
chens73, des Kaninchens 103. Veriiäit-
niss zur häutigen Wirbelsäule 160.
Membrana reuniens inferior 75.
» reuniens des Kopfes 168.
» tectoria der Ampullen 286.
» testae 10.
» tympani 289.
» tympani secundaria 289.
Mensch, erste Entwicklung 112.
Menschliche Embryonen früher Stufen,
s. Embryonen.
Meroblastische Eier 2.
Mesenterium 323.
Mesoarium 387.
Mesoblast 17.
Mesocardium posterius, inferius und late-
rale des Kaninchens 1 08, 110, 111; des
Hühnchens 38, 46.
Mesoderma des Hühnchens 17; Abstam-
mung desselben 22.
Mesoderma des Kaninchens 98.
Mesogastrium 322.
Mesorchium 387, 399.
Mikropyle 2.
Milchdrüsen 302; des Neugeborenen
126.
Milchzähne 312, 315.
Milz 348; des Neugeborenen 128.
Mitteldarm 320; eigentlicher Mitteldarm
323; Drehung seiner Schleife 3i4.
Mittelfussknochen 200.
Mittelhandknochen 199.
Miltelhirn 31, 203, 214.
Mittelohr 287.
Mittelplalten des Hühnchens 55, 56; des
Kaninchens 102, 106.
Modiolus 282.
MoKGAGNi'sche Hydatide des Nebenhodens
39i.
Motorisch-germinatives Keimblatt 17.
MüLLKR'.scher Gang 386; Entstehung des-
selben bei den Vögeln, Reptilien und
Säugethiercn 389; mittlere Verschmel-
zung 395.
Mundbucht 39, 69.
Mundhöhle 69, 309.
Mundödnung des Hühnchens 69; des Ka-
ninchens 93.
Musculi interossei 308.
Muskelfasern, quere, des Bulbus aortae
352.
Muskelinsertionen, Verschiebungen der-
selben 308.
-Muskeln der Extremitäten 194.
Muskelplatten der Urwirbel des Hühn-
chens 73; des Kaninchens 103; weitere
Entwicklung 304.
Muskelsystem 304; des Neugeborenen
126.
.Mutterkuchen 131, 140, 142; s. auch Ei-
hüllen und Placenta.
N.
Nabel 57.
Nabelbläschen 135.
Nabelstrang 146; feinerer Bau desselben
148.
Nachgeburt 149.
Nachhirn 201.
Nackenhöcker des Hühnchens 66 ; des
Kaninchens 89.
Nackenkrümmung des Gehirns 202.
Nägel 299.
Nahrungsdotter 2.
Narbe des Hühnereies 3.
Nase, äussere, 294.
Nasenbeine 191.
Nasenfortsatz, äus.serer und innerer, 183,
291.
Nasenfurche 184, 290.
Nasengang 291.
Nasengaumengänge 292.
Naseniiöhle 69.
Nasenöffnung, äussere und innere 185,
291.
Nasenrachengang 291.
Nasenscheidewand 184.
Nebeneierstock 386, 394; des Neuge-
borenen 129.
Nebenhoden 391.
Nebenhöhlen der Nase 293.
Nebenniere 237, 385; des Neugeborenen
129.
Nebenorgane des Auges 268.
414
.Sach-Ri'üislor.
Nerven dos N;il)oislrani:cs 149.
Nervenelenieiito, ])ori|)lieiisclie 238.
Nervenfasern. .XusUiurer \on Zellen, 226.
Nervenmark iil .
Nervensystem, eenliales, 200.
Nervensystem, peripherisches 234.
Nervensystem des Neuiieborenen 125.
Xcni olfactorii 294.
Nervus opticus 265.
Netze des Bauchfells 326.
Netzhaut 264.
Neubilduni; von Muskeln 308.
Neugeborener. Anatomie 12."i — 130:
Grosse und Gewicht 124.
Neuroblast XIV.
Nieren des Hühnchens und der Siiuge-
Ihiere, bleibende380 ; eigentliche Niere
381.
Nieren des Menschen 384 ; des Neuge-
borenen 129.
Nierengang 38 (.
Nierenknospen 382.
Nierenläppchen 38.).
0.
Oberarmknochen 197.
Oberhaut 296.
Oberhäutchen der .Schale des Vogeleies 9.
Oberkiefer 190.
Oberkieferforfsatz des ersten Kiemen-
bogens des Hühnchens 68 ; des Kanin-
chens 92.
Oberschenkel 200.
Obex 217.
Oculomotorius 238.
Ohr, äusseres, 287, 289.
Ohr, mittleres, 69, 188, 287.
Ohr, inneres, 270. S. auch Gehörorgan.
OhibläsclKMi , i)rimilives fies Hühnchens
43. L'ispning und Limwandhiiigcn 270;
l)eim liühnclicn 271; den .Säugclhieren
272 ; dem Menschen 272.
Oken'jjche Körjjer, s. Lrnieren.
Oliven 220.
Onlogonie IX, XIV.
Opticus 26.').
Organ von Giraldcs 386, 392.
Orf/anoti adamaulinae 312.
Ossification des .Schädels 177.
r)ssification der \Virl)clsäule 163.
Otolithen 2K6.
Ovariimi, s. Kirirstock.
Ol ftriutii masrulinum 392.
Ovulnrii. s. F-li.
P.
Pancrcas 34 S; der .Säuger 348; des
.Mensclien 348; des Neugeborenen 128.
l'aniiiiulus adiptisus 296.
I'apilla pili 297.
Papulae circumvallatae und conicae 312.
Parahlast XIV.
Parielalliohle , des Hühnchens 43; des
Kaninchens 108; hintere und vordere
11t.
Parielalzone der Embryonalanlage des
Hühnchens 27, 28; des Kaninchens 84.
Pars caudaUs intestini 326.
Pars ciUaris retinae 264.
Pars fixa placentae iiterinae 141.
Pars mastoidea des Schläfenbeins 174,
180, 287.
Pedunculi fIocculoru)n 217.
Penis 403.
Perinealfalte 327, 402.
Peiipherisches Nervensystem 234.
Perilonaoim 326 ; des Neugeborenen 127.
Peritonealspalte 36.
PEYER'sche Drüsen 331.
Ptlugschaar 191.
Pharynx 39, 109, 319; des Neugeborenen
126.
Phylogonie IX, XIV.
Picjmentum nicjrum retinae 262.
Placenta als Ganzes 138.
» duplex 146.
» foetalis 94; des Menschen 131,
132, 138; feinerer Bau 139.
Placenta marginata 14 6.
» multiloba 146.
» praevia 146.
» succenturiata 146.
» tripartita 14 6.
» nterina, des Menschen 131, 14 0;
feinerer Bau 142.
Pleura 335.
Plexus chorioidei des Gehirns im Allge-
meinen 228 ; PI. chorioideus rentriculi
terlii 210; ventriculi quarli 216.
Plexus chorioideus lateralis 206.
Plica urofjenilalis 380.
Pons Varolii 204, 219.
l'oienkanälchen der Schale der Vogel-
eier 9.
Porenkanälchen dei' Zona pellucida 2.
Praechordalcr Abschnitt des Schädelsl 70.
Prac])uliuni 404.
Primäre Knochen 180.
Primilivfalten 2:;, 40.
Primili\organe des Kaninchens, Knt-
slelumg derselben 100.
Pi'imiliv Organe des .Muskelsyslems 304.
Primilivrinne 19, 2''), 28, 40; des Kanin-
chens 82.
I'riniilivstreifen des lliilmclieiis 19, 2?!,
2K, 40; des Kanin(;hens 82, 99.
Piimordialcranium , häutiges und knor-
peliges 167, 172, 174; des Schweines
nnd der Maus 174.
Primordialei, s. Urei.
Primordialniere, s Liniere.
Siicli-Register.
415
Processus cliorioideus posterior -Hl.
» infundibiili 2 1 4 .
» styloides 192.
» rar/innlis perilnnei ;t99.
Prosliita 104.
Protoblasteu S.
PyramidtMi 220.
Oucrmiiskelii des liuJbus aortae 'Mi-2.
Quorspallc des rieliiriics 221.
R.
Raohonhaul 47, 69, 93.
Raclionspalto 69, 92, 309.
Radius 197.
Raiidbogon des Gehirns 222.
Randsinus der Placenta 136.
Randwulst der Hautplafle des Kanin-
ciions 102.
Randwulst der Keimhaut des Hühncliens
H.
Randzone des Primitivstreifens 2.t.
Raphe scroti et penis 4 03.
Recessits labyrinthi 273.
Recessus vestibidi 285, 287.
Regeneration der Uterinscldeindiaut an
der Piacentarslelle 149.
REiCHERT'scher Knorpel 191.
REissNER'sche Membran 282.
Rate Malpighii 301.
Retina, nervöser und epithelialer Theil,
262, 264; erste'Anlage 238. S. auch
Augenblase.
Richtungsbläschen 8.
Riechgrübchen, primitives 290. S. auch
Geruchsorgan.
Riechsäckchen 292.
Riescnzellen der Placenta uterina 143.
Rindenwindungen und -Furchen des
Grosshirns 223, 225. Ursachen der
Windungen und Furchen 223.
Rindenwindungen und -Furchen des
Kleinhirns 2i8.
Rippen 165.
RosENMÜLLERSches Organ 394.
Rücken, letzte Ausbildung desselben 76.
Rückenfurche des Hühnchens 21 , 26 ; des
Kaninchens K3, 84, 101.
Rückenmark 229; histologische Ent-
wicklung desselben 230, 233.
Rückenmarkshaute 234.
Rückenmarksnerven 234.
Rückensaite des Hühnchens 17, 21, 34;
des Kaninchens 100, 103 ; .spätere Sta-
dien 159. S. auch Chorda.
Rückentafein 73, 304.
Rückenwülste des Hühnchens 21 , 26, 34 ;
des Kaninchens 101.
Huinpf, letzte .Vusbildung desselben beim
lliiiiiiclien 66; beim Kaninchen 94.
S.
Sacculus heinielliplicus 274, 285.
» J'otundus 274, 285.
Saccus endoljjmphatirus 287.
') vestibuli primitiri 273.
» ritellinus 58.
Säugethierei 2.
Säugethierei nach dei' i'urchung 77.
Sameid)läschen 386, 393.
Samenkanahlien 389.
Samenleiter 386, 393.
Sammelröiu'en 384.
Sattellehne, primitive, 170.
Scalae labyrinthi 2S2.
Schädel, Wirbeltheorie desselben 181.
Schädelbalken, mittlerer von R.\thke 170.
» , vorderer und hinterer,
172, 228.
Schädelbasis und Chorda 176.
Scliädeldachfortsätze 228.
Schädelentwicklung 167.
Schafhäutchen 38.
Schafwasser 133.
Schale und Schalenhaut des Hühnereies
9.
Scheide 887, 395, 398; des Neugeborenen
130.
Scheidenfortsatz des Bauchfells 399.
Scheitelbein 180.
Scheitelhöcker des Hühnchens 66 ; des
Kaninchens 89.
Scheitelkrümmung des Gehirns 203.
Schichten des Keims, s. Keimblätter.
Schichtungslinien des gelben Dotters 4.
Schilddiüse des Hühnchens 336; der
Säuger 336; des Menschen 337; des
Neugeborenen 128.
Schieimbälge der Zunge 319.
Schleimblatt X.
Schleimdrüsen der Mundhöhle 319.
Schleimhautknochen 190.
Schleimschicht XI.
Schlüsselbein 197.
Schlund und Schlundkopf, s. Pharynx.
Schlundbogen, s. Kiemenbogen.
Schlundrinne 108.
Schlundspalten, s. Kiemenspalten.
Schlussnaht des Mcdullarrohres 30.
Schlussplatte der Placenta uterina 142.
Schlussplatte des Vorderhirns 206, 221.
Schmelzhaut 313.
Schmelzkeim 312; secundäre Schmelz-
keime 315.
Schmelzorgan 312.
Schnecke des Gehörlabyrinthes 278 ; Ver-
bindung derselben mit dem Vorhof 285.
Schneckenkanal, embryonaler 278. 283.
416
Sach-Register.
Sthullcrblatt 197.
Scliwanzkappo CfO.
Schwanzkiümnuing des UülinclicMis 66;
des Kaninchens 89.
Schwanzscheide 58.
Schweissdrüsen 301.
Schwinden von Muskehi 308.
Sciera 257, 260.
Sciotum 4 03.
Secundiire llaaic 298.
Secundüre lliiiiwinduntjen 225.
Secundiire Wirbel 160.
Secundinae 149.
Segnienlaibläschen 380.
Sehliügei 203.
Seldiügeltheii des Zwischenhirns 212.
Sehnerv 265.
Seitenkappe 60.
Seitenpiaüen des Hühnchens 34 ; des
Kaninchens I07.
Seitenscheiden 58.
Semilunarklappen 338.
Sensible Spinalwurzeln 236.
Sensorielles Blatt 17.
Sepia placentae 141.
Septum cordis, primitives, des Hühnchens
38 ; des Kaninchens 88 ; bleibende iScpia
356, 359.
Septum narium 184.
Septum peüucididm 222.
Seröse Hülle des Hühnchens 59; des Ka-
ninchens 96.
Sexualapparat 386; s. auch Geschleclits-
organe.
Sexualdrüsen 387 ; s. auch Hoden und
Eierstock.
Sicliel, primitive, 204, 206, 228.
Siebbein 179.
Sinnesorgane 238.
Sinus coronarius cordis 374.
« ethmoidales 293.
» frontales 294.
» maxillares 175, 293.
» sphenoidales 175, 293.
» terminalis des Hühnchens 49; des
Kaninchens 95, 96, lOO.
Sinus urofjenitalis 378, 397.
Sitz der l'lacenia 14 5.
Skelett der Glieder 193; des Neugebo-
renen 125.
Smegma embryonum 303.
Spaltung d(;r kopf|)latten 44, 108.
.Spaltung der Seilenplatten 54.
Speicheldrüsen 318.
Speiseröhre 319.
Spermakerfi 8.
Sphenr)-r'lhrrioidallheil des Schädels 170.
Spinalganglien 74, 235, 236.
SpiralkruMimung (h>s Hühnchens 66 ; des
KaniiK'liens 91.
Slaminesgeschichle IX.
Stammzone der Enibryonalanlage des
Hühnchens 27; des Kaninchens 84.
Steigbügel 192.
Sleissbeinw'irbel 162, 164.
SxKNSON'sche Gänge 292.
Stiel der Allantois 385.
Stiel der .\ugenblase 239.
Stirnbein 180.
Stirnfortsatz 183.
Streil'enhügel 203, 206.
Stria alba Lancisi 223.
» germinativa 387.
» obtecta 223.
» vascularis 283.
Sulcus calcarinus 225.
» hippocampi 224.
» interventricularis cordis 351.
» Monroi 212.
» parieto-occipitalis 225.
Sympathicus 237.
T.
Talgdrüsen 300.
Tela chorioidea inferior 217; superior
207.
Telae chorinideae im Allgemeinen 228.
Tentorium cerebelli 216, 228.
Testa 9.
Thränenbein 191.
Thränendrüse 2G9.
Thränenfurche 185, 269.
Thranenkanal 269.
Thräiieimasenkanal 185.
Th\ inus 337 ; des Menschen 339 ; desNeu-
gehorenen 128.
Thyreoidea, s. Schilddrüse.
Tibia 200.
Tonsillen 319.
Torsionslheorie des Humerus 191.
Trachea 332; des Neugeborenen 127.
Tractus olfactorius 294.
Tractus opticus 213.
Trichtertheil des Zwischenliirns 212,
213.
Ti'igeminus 238.
Troinniell'ell 289.
Tiommelliöhle 288.
'rridirus arteriosus cordis , Theilung des-
selben 357.
Tuba Eustachii 288, 289.
Tuba Fallopiae 394.
Tuburschwanger.schaft 150.
Tubenlalte 390.
Tuber cineremn 213.
Tunica adnala des Hodens 4 00.
» adrentitia (\os l'Acs 1.
» vaginalis propria 4 00.
» vasculosa lentis 248.
» » ocuti 260.
Sach-Rt'L'isIcr.
417
U.
Lina 197.
UmgcstaHuniion der Minildiiscii iinAlli:("-
meiiien 203.
UmhülluMiicMi des Goliörl;il)> liiitlii's :27fi.
Uniscldiessiiiit; dos (iohinis 168.
Umscldiessiiiiir des Riukeninaikes 73.
Unnvaelisunt; der Chorda dorsnlis 73.
Unbefiiuliletes Ei 1.
L'iderannknochen 197.
Unterkiefer 189.
L'nlerkieferfortsalz des Kanineliens 92.
L'nlerschenkelknoehen 200.
Vrachus 6i— G6 , 10;;— 107, 154, 378,
385.
Ureter 381.
Urethra 397.
Urnieren des llülinciiens 62; weitere
Eiitwickliini; 378 ; Dysnielamerie dei-
selbon 380.
Urnierenbliisolieii 380.
Urnierengang des Hülincheiis 36, 55; des
Kanineliens tOO. Entstehung unil .\iis-
biidung desselben 379.
Urnierenirang in dei' Wand des ausgebil-
deten menschlichen Uterus 394, 397.
Urnierenkaniilchen 380.
Urnierenstriinge 380; Entstehung der
MALPiGiu'schen Kürperchen aus densel-
ben 380.
Urogenitahvülste des Kaninchens 104.
Urwirbel des Hühnchens 17, 27, 28. 31,
72; des Kaninchens 84, 100.
Urwirbel des Kopfes 181.
Urwirbel, eigentlicher, des Hühnchens
73; des Kaninchens 103.
Urwirbel, Verhiiltniss zu den kiim peligen
Wirbeln 160.
Urwirbelholde 72.
Urwirbelplalte 34, des Kopfes des Hühn-
chens 38 ; des Kaninchens 107, 167.
Uterus 386, 395, 398; des Neugeborenen
130.
Uterus nHisculiniis 386, 391.
Utriculus 285.
V.
Vacuolen im weissen Dotter 18.
Vagina 387, 395, 398; des Neugeborenen
130.
Valvula Euslarhii 359.
» foraoiinis ovalis 359.
Valvulae setnilunares 358.
» i-enosae 356.
Vax deferens 393.
Vasa aherrantia des Hodens 386, 392.
Vasa cenlralia des Sehnei\en 242.
Vasa umbilicalia 62.
Tegetative.s Keimblatt XI.
Eölliker, Grundriss.
Velum niedullare posterius 217.
» » superius 216.
Venae anoni/mae 374.
Veiin azij(/os 366, 374.
]'eiiri ravu inferior 366, 374.
]'e)iae ravae superiores 374.
Venae bepaticae adrehentes und revehenles
365.
Venae jugulares und (ordinales 366, 371.
Venae ompitalo-mesentericae 32, 48; 86,
104 ; 365, 366.
\'enii porlae 366.
Venae suhclaviae 372.
Vena tenninalis 4 9, 95, 100.
Venae umbilicales 62, 102, 365, 369.
Venae rilellinae anteriores , laterales und
posterior 50.
Venenende des Herzens 48.
Venensystem 364.
Verbindungshaut, unlere und obere, des
Hühnchens 73, 75; des Kaninchens
94.
Verbindungsplatte der Hemisphären 206,
221.
Verknöcherung desGehörlabyrinthes 287.
Verknöcherung des Schädels 177.
Verknöcherung der Wirl>elsaule 163.
Verknorpelung des .Schadeis 173.
Verknorpelung der Wirbelsäule 160; Zeit
derselben 161.
]'erHi.r caseosa 303.
Verschmelzung der Mi LtER'schen Gänge
391. '
]'esicula Ijlastodermica des Kaninchens
77.
Vesicula germinativa 3.
Vesicula proslatira 391.
Vesicula seminalis 386, 393.
Vesicula umbilicalis 135, s. auch Dotter-
sack.
Vestibulum vaginae 397.
Vierhügel 215.
Viscerale Leibeshöhle 36.
Visceralbogen, s. Kiemenbogen.
Visceralplatten des Hühnchens 75 ; des
Kaninchens 94.
Visceralskelett des Kopfes 183.
Visceralspalten, s. Kiemenspalten.
Vorderarmknochen 197.
Vorderdarm des Hühnchens 37, 43; des
Kaninchens 87.
Vordere .\ugenkammer 239.
Voiderhirn31, 43 ; primitives 201 ; secun-
däres 201, 204, 211.
Vorderstrang des Rückenmarkes 234.
Vorhof des Gehörorgans 274.
Vorhöfe des Herzens 339.
Vorhofsblindsack des /Gehörorgans 285.
Vorhofsraum 286.
Vorhofssäckchen, primitives, 273.
Vorkern, männlicher und weiblicher 8.
27
418
Sac!i-Register.
Waclisllmin dosScliädols als Ganzes \9i.
WantioiiluMri 190.
Warze iler weibliclien Brust 3 03.
Weisser Dotier 'i, .">.
WiiARTON'scIie Sülze 14S.
Wiiuiuniien iimi riiiclieu des Grossliirus,
primitive und seoundiire, :i24, 220.
Windunt-en und Iniiclien des Kleinhirns
218.
\Vindunt;en des Dünndarms 32/(.
Wirbelbogen 73, 160.
Wirbelkörpersiiule 4 60.
Wirbeisaite, s. Chorda dor.salis.
Wirbelsäule 1Ö9; knor|)elii:e 1 60. Vim-
knöclierunii derselben 163.
Wirbeitheoric des Sebiidels ISI.
WoLFF'silier (iauü und Köiper, s. Urnie-
ren und llrnierengant;.
Wollliaaie 298.
Wnrzelsclieiden des Haares 297.
Z.
Zähne 312; des Neugeborenen 126.
Zahl der Wirbelabschnitte des .Schädels
182.
Zahnfleiscli des Föius und Neugebornen
126, 318.
Zahnkeim 313.
Zahnsäekchen 312, 314.
Zehen 200.
Zellen im Glaskiirper 247, 248.
Zellköri)er 8.
Zirbel 212, 214.
ZüiHi pcliiicida 2, 96.
Zonula Zhinii 2.17.
Zoogonie I\.
Zütlenepitliel der Plarenta foelalis 139.
ZoUenhaul, primitive 97.
Zunge 310: des Neugeborenen 126.
Zuugenbeinhörner, grosse und kleine
1 92.
Zungenbeinkörper 192.
Zungenpapillen 312.
Zusauunengesetzle Eier 6.
Zweiclit'ellsbaud der Urniere 387.
Zwilliugsschwangerschafl 1 ."iO.
Zwisciienflüssigkeit im gelben Dotter 4.
Zwisehenhirn 201, 2i2.
Zwischenkiefer 18r>, i91.
Zwischeuscheiben der Gelenkslellen 196.
Zvvischenwirbelbändcr und Chorda 165.
Zw i Scheuwirbel bänder der Schädelbasis
182.
l)ni<:l> voji iintilkuiit' imhI lliirli'l in i,t<i|i/i|^'.
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